GErnot und ILse

GErnot und ILse

Mittwoch, 30. August 2017

71. WoMo-Fahrt " wenn ich so einen See seh´, brauch ich kein Meer mehr"

71. WoMo-Fahrt "Wenn ich so einen See seh´, brauch ich kein Meer mehr""
vom 21.August bis 30. August 2017
von Innsbruck-Hohenems-Tailloires (Lac Annecy/Frankreich)-St. Jorioz (Lac Annecy)-Sachseln (Sarnersee/Schweiz)-Innsbruck
1329km und 169km mit unserer roten Vespa


Montag, 21. August 2017

Es geht schon wieder los – aber heute mussten wir bis knapp nach 15 Uhr mit der Abfahrt warten, Gernot hatte noch einen Termin zu erledigen. Das WoMo wartete fix und fertig bepackt in seiner Garage auf uns, die Vespa hatten wir ja nicht einmal abgeladen.
Unser Ziel ist diesmal der Lac Annecy, ein wunderschön gelegener See in Frankreich, etwa 50, 60 Kilometer von Genf entfernt.
So weit werden wir heute natürlich nicht kommen, wir haben vor – wie schon mehrere Male – am Autobahn-Rastplatz Hohenems in Vorarlberg zu nächtigen. Der liegt so nahe an der Schweizer Grenze, dass wir es nicht wagen, unsere Handys einzuschalten. Denn die Schweizerischen Roaming-Gebühren sind zum Teil absolut pervers hoch – der Download von 1 GB kann mehr als 15.000 (!!!) Euro kosten. Kein Scherz, wir haben diese Infos aufs Handy geschickt bekommen.
Die Fahrt durch das Tiroler Oberland verläuft völlig problemlos, es sind kaum Fahrzeuge in unserer Richtung unterwegs. In St. Anton bleiben wir bei einem Supermarkt stehen, weil der einen Bankomaten hat und wir vergessen haben, Bargeld einzupacken. Und weil wir schon mal da sind, essen wir eine Kleinigkeit im Bistro.
Dann geht’s hinauf auf den Arlbergpass – wieder hat unser WoMo keinerlei Probleme mit der Steigung, wir überholen (!!) sogar, ausgerechnet an der steilsten Stelle, einen Sattelschlepper. Hinunter ist die Strecke dann auch keine Herausforderung für unseren Nasenbären und wir rollen gemütlich Hohenems entgegen.
Der uns altbekannte Hohenemser Autobahnrastplatz zeigte sich dann in völlig neuem Gewand, denn seit unserem letzten Besuch sind sämtliche Hecken entfernt worden, die vorher die Parkbuchten voneinander abgrenzten. Jetzt hat man den totalen Durchblick, ist ja eh kein Nachteil. Wir finden schnell einen guten Abstellplatz und bald einmal gesellen sich zwei weitere WoMos zu uns.
Wir verbringen einen feinen Abend mit Paschen und Quatschen und legen uns dann in unsere Betten. Wieder einmal haben wir das Glück, dass kein Kühl-LKW in unserer Nähe parkt und manchmal ist es für einige Minuten richtig ruhig hier…

Dienstag, 22. August 2017

Die Nacht war wirklich angenehm, trotzdem ist Gernot bereits um 6 Uhr aufgestanden. Ilse hat noch etwas länger gebüselt, aber keine halbe Stunde später war unser WoMo bereits erfüllt von wunderbarem Kaffeeduft.
Derart gestärkt fuhren wir dann knapp nach 7 Uhr auf die Autobahn auf, doch schon wenige hundert Meter später wieder ab. In Hohenems tankten wir unser Häuschen voll – der Dieselpreis liegt in der Schweiz um über 30 Cent je Liter höher!
Zur Grenze bei Diepoldsau ist es nicht einmal einen Kilometer weit, auch heute hat sich kein Grenzbeamter für unsere Einreise interessiert. Schnell waren wir dann auf der Schweizer Autobahn A1, der wir ab jetzt ihrem gesamten Verlauf lang bis Genf folgen werden – das liegt fast 400 Kilometer entfernt.
Heute ist irgendwie ein ganz besonderer WoMo-Feiertag für uns, denn unser liebes Häuschen wird die 200.000 Kilometer-Grenze knacken. Bei Lausanne sollte es soweit sein und wir wollen das natürlich fotografisch festhalten.
Kilometer um Kilometer rollen wir dahin und freuen uns, dass wieder einmal relativ wenig Verkehr herrscht. Nur bei Zürich geraten wir in ein ordentliches Chaos, weil dort über eine Strecke von gut 15 Kilometern immense Bauarbeiten herrschen, wir sehen dutzende Kräne. Das kostet uns eine gute halbe Stunde Zeit, aber wir sind ja im Urlaub und haben keinerlei Stress.
Bei einer Raststätte kurz nach Bern gönnen wir uns ein zweites Frühstück und amüsieren uns im Tankstellen-Shop über die teils wahnsinnigen Preise. Dort ist uns auch ein Ferrari-Fahrer aufgefallen, weil er den 650 PS starken Motor seines schwarzen Boliden nach dem Einparken noch einmal kurz auf 10.000 Touren hochjagte – im Leerlauf. Das hat wie eine heftige Explosion geklungen, diesen Herren möchte man ungern als Nachbarn haben…
Endlich – wie berechnet genau bei Lausanne, wechselte der Kilometerzähler unseres WoMos auf die schöne Zahl 200.000. Das heißt, wir sind bereits weit über 60.000 Kilometer mit unserem treuen Häuschen unterwegs – bitteschön, ohne jemals eine Panne gehabt zu haben!!! Nicht einmal einen Reifenschaden! Zwar haben uns der Unterhalt und vor allem der Erhalt unseres WoMo immer wieder einiges an Geld gekostet, aber es hat uns diese Rechnungen mit absoluter Zuverlässigkeit und unverbrüchlicher Treue zurückbezahlt. So darf es ruhig weitergehen – noch viele, schöne Jahre lang.
Bei Genf ist die A1 dann zu Ende und wir wechseln nach Frankreich, von den Grenzbeamten sind wir nicht einmal ignoriert worden. Nach Annecy sind es gut 50 Kilometer und wir benützen für diese Strecke aus Bequemlichkeit die Autobahn. Das kostet dann satte 12,50 Euro, auch schon wurscht.
In der Nähe von Annecy steuern wir dann einen Campingplatz an, den Ilse schon vorher ins Auge gefasst hatte. Die Rezeption war unbesetzt, man möge sich selber einen Platz suchen und sich in der Zeit von 18 bis 19 Uhr anmelden. Das gefiel uns schon mal gar nicht, mit Teilzeit-Campingplatz-Betreibern haben wir keine guten Erfahrungen gemacht – entweder ganz oder gar nicht, lautet daher unsere Devise. Zudem waren die schattenspendenden Bäume sehr niedrig, auf Warnschildern war als maximale Höhe 2 Meter 25 angegeben, da haben wir mit unseren nahezu 3 Metern natürlich nix zu suchen. Und Tschüss – zum Glück wimmelt es am Lac Annecy vor lauter Campingplätzen, da wird sich leicht etwas Besseres finden lassen.









So war es dann auch und keine Viertelstunde waren wir schon am „Camping Du Lac“ eingecheckt – gerade noch zwei Plätze hatten wir zur Auswahl. Jetzt stehen wir direkt neben der Rezeption und haben einen wunderschönen Ausblick auf den See. Zwar ist der Campingplatz mit über 30 Euro je Nacht nicht gerade billig, aber das sind wir uns allemal wert.
Schnell war die Vespa vom Träger geholt und nach einer feinen Dusche starteten wir bereits mit unserem roten Roller hinaus auf die Straße. Wir sollten ein paar Lebensmittel einkaufen, denn auf unserem Campingplatz gibt es nur Kaffee und Frühstücksgebäck auf Vorbestellung.
Wir biegen spontan nach Verlassen des Campingplatzes rechts ab und fahren den malerisch gelegenen See entlang. Der Lac Annecy ist von vielen hohen Bergen umrahmt und gilt als einer der saubersten Seen Europas. Was uns sofort auffällt – überall am Ufer des Sees liegen die Sonnenanbeter und Baderatten, es gibt nirgendwo Verbotsschilder, auch WoMos parken zuhauf direkt am Wasser. Sehr lässig.
Die Fahrt mit der Vespa auf der kurvenreichen Straße ist ein Traum, noch dazu bei wolkenlosem Himmel und bei 28/29 Grad. Wir cruisen gemütlich dahin und wundern uns irgendwann, dass so gar kein Lebensmittelgeschäft auftauchen will. Erst nach fast 10 Kilometern kommen wir bei einem Supermarkt vorbei – zum Glück ein „Carrefour“, denn die haben eine riesige Auswahl.
Wir schlagen voll zu, kaufen uns Ravioli, Butter, Bolognese-Sauce, Salami, Salat, Joghurts, Chips (Ilse liebt Chips der Firma Lays und hier gab es gleich mehrere Sorten, die sie noch gar nicht gekannt hat) und ein ordentliches Stück Parmesan. Die Käse-Verkäuferin ist beinahe erschrocken, als wir ihr sagten, wir würden das ganze Stück Parmesan nehmen. Immerhin mehr als ein dreiviertel Kilo, aber der Käse wird bei uns keine Woche lang „überleben“.
Mit unseren Einkäufen sind wir dann zurück ins WoMo und haben uns einen ersten Pasch am Lac Annecy ausgespielt. Dann haben wir uns eine kleine Nachtmahlzeit zubereitet, von daheim hatten wir noch Käse und eine Hartwurst mit, die Einkäufe von heute blieben also unangetastet. Bis auf die Kartoffel-Chips, aber man gönnt sich ja eh so wenig…
Den Sonnenuntergang haben wir uns dann direkt am See angeschaut, sind ja nur 50 Meter bis dorthin. Direkt vor uns ragt auf einer Insel eine alte Burg in den Himmel – bescheidener Privatbesitz irgendeines altfranzösischen Königshauses. Wird im Winter auch schwer zu heizen sein…

Mittwoch, 23. August 2017

Nach einer sehr ruhigen und feinen Nacht sind wir gegen 8 Uhr aufgestanden, Gernot ist gleich mal die 20 Meter zur Rezeption rübergegangen und hat die gestern bestellten Croissants und das Baguette abgeholt.
Nach einem dementsprechend guten Frühstück haben wir dann einen Pasch gemacht, denn das Wetter war uns noch nicht warm genug – bei unter 20 Grad muss man ja nicht zwangsweise mit der Vespa unterwegs sein. Denn bei einem flotten 70er weht einem dann doch ein etwas zu frischer Fahrtwind um die Nase.
Kurz vor Mittag war es dann aber soweit und wir fuhren mit unserem Roller auf die Hauptstraße hinaus. Bald einmal sind wir dann nach links abgebogen und fanden uns im hügeligen und bergigen Umland des Lac Annecy wieder. Es ist wirklich sehr schön hier, immer wieder bieten sich wunderbare Ausblicke auf den See. Zurzeit findet gerade eine Paragliding-Meisterschaft hier statt und der Himmel ist manchmal voll von bunten Gleitschirmen. Lässig!
Im schönen Ort Menthon St. Bernard haben wir unserer Vespa eine kleine Verschnaufpause gegönnt und sind einfach der Seepromenade entlang spaziert. Auch hier liegen überall die Menschen direkt am See, haben ihre Picknickkörbe und Sonnenschirme dabei und auch viele Hunde tummeln sich im Wasser oder bringen Stöckchen zurück.
Es wird dann immer wärmer und wir beschließen – natürlich über lustvolle Umwege – wieder zum Campingplatz zurückzufahren.
Dort angekommen, bereiten wir uns mit Salami, Parmesan, Tomätchen und frischen Baguette ein herrliches Essen zu und spielen anschließend einen weiteren Pasch aus.
Später sind wir dann die paar Schritte zum Seeufer hinunter spaziert, denn heute ist im Nachbarort Tailloires – ca. 2 Kilometer Luftlinie entfernt – eine große Pyrotechnik-Show angesagt, die wollen wir uns erste Reihe fußfrei anschauen. Nun ja – lange waren wir nicht dort, denn die Pyrotechnik-Show entpuppte sich als Mini-Feuerwerklein und Ilse ätzte sogar, dass so etwas in Österreich noch als Tischfeuerwerk durchgehen würde. Immerhin – drei, vier „richtige“ Raketen wurden auch in den Himmel gejagt und ihren Explosionen folgten vielstimmige „Aaaaah’s und Oooooh’s“  des geduldigen Publikums. Von uns gab es nur ein einstimmiges „Na ja“ für die Show, für die man übrigens direkt vor Ort 17 Euro Eintritt bezahlen musste! O.k. – da war Live-Musik auch noch dabei, die ABBA-Coverband hat sich große Mühe gegeben, das war bis zu uns herüber zu hören. Wirklich schön war aber, dass die Berge mittels Laser-Licht in magische Farben getaucht wurden, auch wenn das auf Ilses Fotos beinahe noch besser ausschaut, als in Wirklichkeit.
Nach dem Verglühen der letzten Rakete haben wir uns noch einen Gute-Nacht-Drink genehmigt, als sich direkt vor uns ein VW-Bully aus München einparkte. Die Spätankömmlinge wirkten ziemlich verzweifelt, denn der Platz ist zurzeit wirklich rammelvoll und die Rezeption war um 23 Uhr natürlich nicht mehr besetzt. Der Mann der Familie ist dann auf uns zugekommen und Gernot begrüßte ihn mit den Worten: „Gerade wollten wir euch anbieten, dass ihr euch für diese Nacht auf unseren Platz dazustellen könnt.“ Denn tatsächlich ist unser Platz so riesig, dass uns ein VW-Bus mehr oder weniger nicht stört. Da war die junge Familie natürlich sehr froh, denn alle waren hundemüde und wollten nur mehr ins Bett.
So wie wir – Luken dicht und flach gelegt – zack und weg.

Donnerstag, 24. August 2017 

Gleich nach dem Aufwachen die Erkenntnis – oh je, es regnet. Nicht wirklich stark, aber es tröpfelt. Da hat eine Ausfahrt mit der Vespa natürlich keinen Sinn, also dehnen wir erst einmal das Frühstück auf eineinhalb Stunden aus. Übrigens ohne frisches Gebäck, denn wir haben vergessen vorzubestellen und extra gibt’s nix. Völlig wurscht, wir haben uns vorsorglich einen Nuss-Strudel mitgenommen, der bleibt frisch bis Mitte Oktober, moderner Konservierungstechnik sei Dank. Und schmecken tut er auch einigermaßen.
Nach einem Vormittags-Pasch haben wir uns dann ein wenig niedergelegt und anschließend fleißig an unseren Notebooks gearbeitet. Ein feiner Tag im Inneren des WoMo, das zum Glück groß genug für einen Aufenthalt zu zweit ist. Was wohl vier Personen in einem VW-Bus bei einem Regentag machen? Oder gar in einem der vielen, kleinen Zelte? In denen man zum Teil ja nicht einmal sitzen kann…
Am späteren Nachmittag hat das Wetter dann wieder halbwegs brauchbar ausgeschaut und wir sind mit der Vespa losgefahren. Wir bräuchten ein paar Dosen Cola, die haben wir vergessen einzukaufen. Weit kommen wir aber nicht, denn der Regen hat sich unerwartet rasch zurückgemeldet und mit unseren kleinen Roller-Reifen ist es auf nasser Fahrbahn nicht ganz so lustig… Also nix wie schnell zurück zum Campingplatz – wir sind tatsächlich kein bisschen nass geworden, nur an den Visieren der Helme waren ein paar Tröpfchen Wasser zu sehen. Keine fünf Minuten später hat es dann richtig stark geregnet und wir wären schwer eingeweicht worden…
So haben wir im Trockenen einen weiteren Pasch gemacht und am Abend bereitete uns Ilse schmackhafte Spaghetti Bolognese zu, mit wunderbarem Parmesan und einem guten Salat.
Auch heute haben wir wieder das Feuerwerk miterlebt, auch wenn wir nur das Donnern der Explosionen hörten, Raketen waren für uns gar keine zu sehen, dazu hätten wir wohl wieder ans Seeufer runtergehen müssen.
Morgen geht’s wieder weiter – wir bleiben am Lac Annecy, aber wir wechseln ans andere Ufer. Schön ist es hier…

Freitag, 25. August 2017

Dank der gestrigen Vorbestellung liegen frisch duftende Croissants auf unserem Frühstückstisch und Ilses Super-Kaffee lässt uns gut in den neuen Tag starten.
Schnell ist die Vespa aufgeladen und der Strom abgesteckt, Tschüss du schöner Campingplatz du Lac. Teuer warst du übrigens auch, die drei Nächte kosteten uns 97,20 Euro – allein für den Strom mussten wir 5 Euro täglich berappen – ziemlich grenzwertig.
Die heutige Etappe ist vielleicht die kürzeste aller Zeiten, denn schon nach exakt 17 Kilometern treffen wir in St. Jorioz ein und finden den anvisierten „Camping Solitaire du Lac“ auf Anhieb. Hier schauen die Preise gleich ganz anders aus – jetzt ist schon die so genannte „ACSI-Zeit“ angebrochen und wir bezahlen inklusive Strom gerade mal 17 Euro je Nacht. Das passt natürlich gut.
Es stehen noch mehrere Plätze zur Auswahl, letztendlich kommt aber nur einer davon in Frage. Denn fast alle Plätze liegen in der prallen Sonne und es wird die nächsten Tage bis 33 Grad warm. Aber zum Glück finden wir noch einen Flecken mit Bäumen und nachdem Ilse den Sonnenverlauf gecheckt hat wissen wir, dass wir ab dem frühen Nachmittag im Schatten stehen werden. Wir buchen gleich für sechs Tage.

Kaum haben wir uns für den Aufenthalt eingerichtet, sind wir schon mit der Vespa losgeknattert. Mal checken, wie es hier so ausschaut. Und es schaut gut aus – wir sind gleich einmal 40 Kilometer herumgefahren und dann ist uns – schon bei der Retourfahrt zum Campingplatz – ein Carrefour-Supermarkt vors Moped gesprungen. Geil – wir brauchen eh ein paar Sachen, also nix  wie rein mit uns.
Mit Milch, Schinken, Chips und Joghurts waren die Lebensmittel schnell zusammengesucht und darüber hinaus haben wir uns noch gelbe und rote Pappteller gekauft. Denn die sind schon sehr praktisch, vor allem bei kleinen Mahlzeiten.
Dann war wieder ein feiner Pasch gefällig und später haben wir dann beschlossen, heute Mal Würstchen und Pommes Frites zu essen, die hier am Platz angeboten werden. Zwar gibt es kein Restaurant hier, aber es steht ein zum Pizza-Wagen umgebautes Wohnmobil da.
Der Pizza-Mann erstaunte uns dann gleich mit der Feststellung, wenn wir eine Pizza möchten, würde das eineinhalb bis zwei Stunden lang dauern. Nein Danke – lieber Würstchen mit Pommes.
Das dauerte dann nur wenige Minuten und beim Bezahlen versuchte uns doch der Verkäufer tatsächlich um 60 Cent zu linken. Aber nicht mit uns – wir rechneten ihm die einzelnen Posten vor und er nahm achselzuckend unser genau abgezähltes Geld entgegen. Der Hundling!
Das Essen ist dann durchaus o.k gewesen und mit 8,40 Euro auch ziemlich günstig.
Nach einem Gute-Nacht-Pasch sind wir dann müde ins Bett – wahrscheinlich noch vor Anbruch der so genannten Geisterstunde.

Samstag, 26. August 2017 

Der Tag beginnt mit Kaffee und frischen Croissants, die es im Kiosk hier zu kaufen gibt. Übrigens um 1,10 Euro, da haben wir auch schon das Doppelte dafür bezahlt. Oder das Dreifache, etwa auf Schweizer Autobahnraststätten.
Das Wetter ist wunderbar und bereits am Vormittag fahren wir mit unserem roten Roller eine ausgedehnte Runde ins Umland. Wir glühen kilometerweit einen Berg hinauf und werden mit herrlichen Ausblicken verwöhnt. Immer wieder bleiben wir kurz stehen und genießen den Panoramablick. So eine schöne Gegend hier!
Irgendwann spüren wir dann zunehmend unsere Fahrgestelle und cruisen zum Platz zurück. Nach einer kurzen Rast spazieren wir die paar Meter zum Seeufer hinunter und nehmen dort mit dem Handy ein WhatsApp-Video für Sigrid auf. Ilses Schwester feiert heute Geburtstag und wir senden ihr auf diesem Weg „neumodische“ Glückwünsche nach Innsbruck. Hat gut geklappt, wie ein SMS von Sigrid kurze Zeit später bestätigte.
Den Nachmittag verbringen wir mit einer kleinen Siesta, später spielen wir uns einen Pasch aus. Und wir wundern uns über unsere direkten Nachbarn, die mit zwei Kindern und einem Hund unterwegs sind. Aber das ist nicht das Wunderliche – die haben doch tatsächlich auch zwei Kaninchen mit dabei. Die armen Fellnasen brüten den ganzen Tag über im Zelt, abends dürfen sie dann zur Unterhaltung der Kinder ein wenig herumhoppeln. Nun ja – auf der Zappanale hatte dieses Jahr jemand eine Riesenschildkröte mit und Hamster auf Reisen haben wir auch schon gesehen. Also so richtig verwundert hat uns das mit den beiden Hasen eh schon nicht mehr…
Weil wir unschlüssig waren, was wir uns denn als Abendessen zubereiten könnten, haben wir beschlossen, dem Pizzabäcker noch eine Chance zu geben. Gernot ist also brav um kurz nach 17 Uhr zum Pizza-Wagen raufgegangen und hat uns eine Pizza vorbestellt. Um 18 Uhr 20 wird sie fertig sein, eh keine eineinhalb Stunden Wartezeit.
Pünktlich wie ein Maurer ist Gernot dann zur angegebenen Zeit frohen Mutes erneut zum Pizza-Mann gegangen und wurde dort mit einem fröhlichen „Two Minutes!“ begrüßt. Schnell waren die 10,50 Euro bezahlt, allein die Pizza wollte und wollte nicht kommen. Nachdem aus den zwei Minuten eine gute Viertelstunde geworden war, sah Gernot, dass der Pizza-Mann gerade dabei war, zwei „4-Formage“ Pizzen in den Ofen zu schieben – von unserer bestellten „Regina“ weiterhin keine Spur. Da fragte dann Gernot den guten Mann, ob er eventuell sein Geschäft nicht richtig unter Kontrolle habe und wie lange man denn noch auf die Pizza warten müsse. Tja – das hat dem Pizza-Koch gar nicht gefallen, kritisiert zu werden war so gar nicht seines. Er ist augenblicklich böse geworden und hat – immerhin um exakt 18:40 – den schönen Satz gesagt: „Wegen 5 Minuten regst du dich auf? Glaubst du, ich war die ganze Zeit über am Strand oder was?“ Er sagte das natürlich auf „Englisch“, aber weil Fremdsprachen nix für den gemeinen Franzosen sind, muss hier übersetzt werden. Jedenfalls antwortete Gernot: „I don`t know where you have been – you are not so important, that I am watching you!“ Daraufhin stürzte der aggressive Typ aus seinem Verkaufswagen und baute sich bedrohlich vor Gernot auf – keine 20 Zentimeter entfernt. Gleich könnte es blitzen und krachen, der Pizza-Mann schwang schon seine Fäuste…
Nachdem Gernot den Deppen erst einmal aus seiner Intimzone verbellt hatte war klar, mit dem Typ machen wir keine Geschäfte – also: „Her mit den 10,50 Euro und deine Pizza kannst du dir – wenn schon nicht in den Ofen – dann sonst wo hineinschieben.“ Aber natürlich gab der Pizza-Mann das Geld nicht retour, dafür packte er alle drei englischen Schimpfwörter aus, die er kannte. Also „Fuck you! „Fuck off“ und „Fucking Idiot“.
Gernot ist dann zur Rezeption gegangen, um den Vorfall dort zur Kenntnis zu bringen. Schnell war auch der Aggressivling im Büro und hat hektisch auf Französisch über Gernot hergezogen. Den drei Damen dort war das nicht nur peinlich, durch den völlig ausgeflippten Typen zeigten sie sich auch zunehmend verängstigt. Jedenfalls war das ein guter Zeitpunkt für eine Deeskalation der Situation und Gernot ist ohne Pizza und ohne Geld zum WoMo zurückgegangen. Aber – er hat sich dabei überhaupt nicht als Verlierer gefühlt, im Gegenteil. Denn immerhin stand der gewaltbereite Pizza-Bäcker-Idiot noch auf seinen eigenen Beinen und war höchstens in seinem Stolz verletzt. Vor 25, 30 Jahren hätte das noch ganz anders ausgesehen, da hätte Gernot niemals einen aggressiven Bedroher 20 Zentimeter an sich herangelassen. Aber man wird ja zum Glück im Alter ein wenig gescheiter, auch zum Glück für den Pizza-Trottel.
Nun – Ilse konnte diese Geschichte nicht auf sich sitzen lassen und ist sofort zum Pizza-Wagen raufgedüst. Gernot ist im WoMo geblieben und hat dort fast eine dreiviertel Stunde auf die Rückkehr von Ilse gewartet. Die hat in dieser Zeit den Pizza-Mann – der übrigens Nikola heißt – völlig zur Weißglut getrieben. So hat sie ihn und den Wagen mehrmals fotografiert und minutenlang mit den Fingernägeln auf das Blech des Verkaufspultes getrommelt. Mit allen Mitteln wollte sie unser Geld zurück und hat allen Kunden von der Sache erzählt. „Fuck off – you waste my Business“, schrie Nikola nicht nur einmal und alle Anwesenden haben über den Typ nur den Kopf geschüttelt. Schließlich drohte Ilse bei der Rezeption mit der Polizei. Die drei Damen haben den Streit und die ordinären Beschimpfungen natürlich haarklein mitgekriegt und haben sich vielmals für den depperten Nikola entschuldigt. „He belongs not to us and this is his last season here on the Campside!“ Und sie gaben Ilse die 10 Euro 50 für die Pizza zurück.
Mit dem Geld in der Hand ist Ilse dann noch einmal triumphierend zum zukünftigen Ex-Pizza-Bäcker vom „Camping Solitaire du Lac“ hingegangen, hat ihm die Kohle gezeigt und gesagt: „I have my money und this is your last season here, Nikola! Have a nice evening.“
Müde von der ganzen Aufregung haben wir dann als Ersatz-Abendessen eine Tüte Kartoffel-Chips vernichtet und anschließend im WoMo-Inneren einen Pasch gemacht.
Später hat Ilse dann ein eigenartiges Pritscheln gehört, da war es schon nach 23 Uhr. Unglaublich aber wahr – unsere Schweizer Nachbarn haben aus ihrem WoMo das Brauchwasser abgelassen – mitten am Stellplatz! Als sich Ilse darüber beschwerte, sagten sie noch frech: „Warum? Das ist doch ganz normal!“ Solche Ignoranten – mach das in der Schweiz und du fliegst nicht nur sofort vom Platz, sondern kriegst ein Verfahren wegen Umweltverschmutzung aufgebrummt, das dich ein Schweinegeld kosten kann. Auch in Deutschland oder Holland würde man augenblicklich aus jedem Campingplatz hinausgeworfen werden – wahrscheinlich in Frankreich eh auch. Ein größeres No-go gibt’s beim Campen ja gar nicht!
Wir waren dann am heutigen Tag einfach zu müde, um uns über so eine Unverschämtheit noch weiter aufzuregen – aber einen Meter vor dem Fenster der Nachbarn das Schmutzwasser einfach in die Erde laufen zu lassen, dazu braucht es schon eine riesige Portion Dummheit oder fehlendes Einfühlungsvermögen. Wahrscheinlich waren die Schweizer mit beidem reichlich gesegnet…

Sonntag, 27. August 2017

Wie jeden Tag, so werden wir auch heute vom Hund der Nachbarn geweckt – wenigstens machen die Kaninchen keinen unnötigen Lärm. Dafür haben die beiden Kinder die Angewohnheit, dass sie ihr Abendessen mit Stirnlampen zu sich nehmen – muss man auch mal gesehen haben. Das sorgt dann für eine Laser-Show im Inneren unseres WoMo und alle paar Sekunden findet ein herumtanzender LED-Licht-Strahl genau den Weg in Zentrum unserer Pupillen. Was man nicht alles so hinnehmen muss…
Aber – beim Frühstück „brauchen“ die Kinder die Stirnlampen zum Glück noch nicht und wir können ungestört unseren Kaffee zu uns nehmen.
Lang bleiben wir dann nicht mehr untätig und reiten mit unserem roten Pferdchen los. Heute steht die Besichtigung der Stadt Annecy auf dem Programm – in den Reiseführern wird sie als das „Venedig von Frankreich“ gepriesen. Außerdem findet dort heute der Wochenmarkt statt, vielleicht gibt er ja was her. Mal schauen…
Nach Annecy sind es nur 12 Kilometer und im Prinzip herrscht über die ganze Strecke dichter Kolonnenverkehr. Das macht uns gar nichts, wir überholen alle mit einem guten 60er, manchmal machen uns die PKW und WoMo so deutlich Platz, dass sie beinahe den rechten Randstein berühren. Sehr nett und wir rufen dann beim Vorbeifahren immer ein „Merci!“ „Danke!“ oder „Grazie“ in die offenen Fenster hinein…
So kommen wir problemlos ins Zentrum von Annecy und parken unser Moped wie gehabt direkt am Rand der Fußgängerzone.
Heute ist ein besonders heißer Tag, es ist über 33 Grad warm und viele Teile der Altstadt liegen in der prallen Sonne. Der Menschenandrang ist gigantisch, selbständig gehen ist nahezu unmöglich, die Masse bestimmt den Weg. Die unzähligen Marktstände verengen die schmalen Gassen zusätzlich und das extreme Gedränge und die Hitze werden uns bald einmal zu viel.
Zu kaufen gäbe es einiges – so lockt etwa ein Salami-Stand mit herrlichen Düften, aber wir brauchen eigentlich nichts. 
Die vielen Weichkäse-Sorten locken uns hingegen weniger, auch weil die völlig verschimmelten Laibe nicht sehr ansehnlich sind. Aber sie munden sicherlich sehr gut – wir sind allerdings keine großen Freunde von Weichkäse, die schmecken für uns immer alle wie Camembert.
In einem Souvenirladen halten wir dann Ausschau nach Vespa-Modellen und werden so richtig fündig. Es gibt drei verschiedene Vespas aus Keramik mit einem Fahrer drauf, so ein ähnliches Modell haben wir schon zu Hause. Sie haben mehrere Vespa-Modelle aus Blech im Programm und sogar zwei Retro-Blechschilder mit einer Vespa drauf. Dazu eine riesige Vespa, die als Garderobe verwendet werden kann, wie wir sie schon einmal in Österreich gesehen haben. Aber – nicht ein einziges der beschriebenen Vespa-Modelle ist rot – alle nur blau, weiß oder grün und wir sammeln nun mal nur rote Vespas. So ein Pech – so eine geile Auswahl und nix rotes dabei – gar nix. Echt schade – eine Keramik-Vespa mit Fahrer um 49 Euro hätten wir uns sicher gekauft, vielleicht sogar zwei… Tja – nützt nix, weiter schauen…
Bei diesem Weiterschauen kommen wir dann bei einem Straßenmaler vorbei, der einige seiner Bilder zum Verkauf anbietet. Wir nehmen uns von schönen Orten ja gerne kleine Gemälde mit, die wir dann bei uns daheim im Schlafzimmer aufhängen. Da haben wir mittlerweile eine hübsche, kleine Galerie zusammen, die uns an manche unserer Reisen erinnert.
Bald einmal haben wir uns für ein handgemaltes Aquarell entschieden und der Maler freut sich sehr, dass wir es ihm für 40 Euro abkaufen. Wir handeln bewusst nicht, auch das registriert er erfreut. Behutsam schneidet er das erst gestern gemalte Bildchen von seinem Block, dann packt er es vorsichtig und sehr akkurat zuerst in eine Folie und danach in einen dicken Karton ein. Vorher hat er uns das Bild noch betitelt und mit „Serge di Scala“ unterschrieben. Daheim wird es dann gerahmt und bekommt einen besonders schönen Platz in unserer Sammlung.
Plötzlich wurden wir von einem extrem lauten Geräusch erschreckt, ein regelrechtes Brüllen lag auf einmal in der Luft. Und es steigerte sich zu einem unheimlichen Lärm-Orkan, wie wir ihn selten zuvor erlebt haben. Gernot dachte zuerst, bald muss ein irrsinnig aufgemotzter Super-Sportwagen um die Ecke kommen, vielleicht auch mehrere davon. Aber dann sahen wir den Grund des Krawalles – eine ganze Gruppe von Motorradfahrern, vielleicht 25, jagten im Leerlauf die Motoren ihrer Bikes hoch, immer wieder und immer wieder. Außerdem hupten sie dazu, aber das war nur mehr als winziges Nebengeräusch zu hören. Einer aus der Gruppe filmte die ganze Szenerie und gab auch die Kommandos zum Vollgas-Geben. Nach zwei, drei Minuten war der Spuk dann wieder vorbei, möglicherweise war das eine Hommage an einen verunglückten Kollegen oder so. Jedenfalls – auf einer Formel 1 Rennstrecke kann es nicht lauter sein, wie es an diesem Nachmittag im Städtchen Annecy war. Auch was besonderes…
Wir flanieren danach noch ein wenig abseits des Trubels durch Nebengässchen und amüsieren uns einmal mehr über Touristen, die sich mit einem Selfie-Stick (bösartig auch „Vollpfosten-Antenne“ genannt) fotografieren und dabei immer dasselbe, strahlende Lächeln aufsetzen. Wir stellen uns dann immer vor, wie denn ein Foto-Album dieser Leute ausschauen muss – bei allen Sehenswürdigkeiten ist  ja stets das gleiche, eigene Grinse-Gesicht im Vordergrund zu sehen… Na ja, jeder Mensch hat andere Vorlieben.
Weil sich mittlerweile der Hunger lautstark bei uns gemeldet hat, suchen wir uns eine Gelegenheit, ihn wieder ruhig zu stellen. Die Altstadt von Annecy ist voll von Restaurants, die spezielle Touristen-Menüs ausgewiesen haben. Für uns ist schon alleine das Wort „Touristen-Menü“ Grund genug, solche Lokale tunlichst zu meiden, denn man muss ja nicht in jede Falle tappen. Außerdem verheißen die angeschrieben Lock-Preise nichts Gutes, denn unter 20 Euro war kein Menü zu kriegen – ohne Getränke wohlgemerkt. Da ist dann ein 50er schnell weg, das geht natürlich auch in Annecy billiger.
Und siehe da – keine 50 Meter außerhalb der Altstadt finden wir einen hübschen Kebab-Laden, mit sehr freundlichem Chef und mit einer gemütlichen Sitzgelegenheit im Freien. Die beiden bestellten Kebab-Teller mit Pommes kommen keine zehn Minuten später zu Tisch und wir kriegen gemeinsam ein dreiviertel Kilo köstliches Kebab-Fleisch serviert. Mit gemischtem Salat und geiler Sauce Tartare.
Weil wir so einen gigantischen Fleischberg natürlich nicht aufessen können, lassen wir uns den Rest einpacken und haben damit schon große Teile unseres heutigen Abendessen besorgt. Mit den zwei Colas bezahlen wir 25 Euro – das war dieses Essen allemal wert. Überhaupt haben wir mit Kebab-Läden überall nur gute Erfahrungen gemacht, egal ob in Holland, Italien, Deutschland oder sonst wo…
Zusammengefasst ist Annecy allemal einen Besuch wert, die Bezeichnung „Venedig Frankreichs“ scheint uns aber doch etwas hochgegriffen. 
Ein paar Kanäle machen noch kein Venedig und übertriebenen Charme versprühten die alten Bürgerhäuser auch nicht. Aber wir wollen nicht zu ungerecht sein – natürlich haben die Menschenmassen den Eindruck der Stadt getrübt – so volle Gassen sind nirgendwo lässig. Und man bekommt zwangsläufig weit weniger von der Umgebung mit, wenn man immer darauf achten muss, dass man nicht auf einen Hund oder – weit schlimmer noch – auf ein herum wieselndes, kleines Kind tritt.
Nach der ausführlichen Runde durch Annecy sind wir dann zum Campingplatz zurück gebrettert, wieder haben wir ununterbrochen überholt. Das ist mit der Vespa schon sehr fein, denn „richtige“ Motorräder haben es bei den zahlreichen Kreisverkehren und Mittelinseln mit dem Vorbeifahren weit schwieriger.
Am Platz sind wir zuerst fein unter die Dusche gegangen, später ist Ilse dann beim Müll wegbringen zufällig auf den bösen Pizza-Mann getroffen. Der hat sie gleich mit einem: „Fucking bitch!“ begrüßt und ihr vorgejammert, dass er die 10,50 Euro bezahlen hat müssen. Ilse hat nur gelacht und ihm den Mittelfinger gezeigt – sein nachfolgendes: „You are a fucking bitch!“ haben die drei Damen von der Rezeption entsetzt mitgekriegt. Ach du dummer, unbeherrschter Nikola, nächstes Jahr musst du dir wirklich einen anderen Platz für dein Geschäft suchen und sollten wir Lust dazu haben, dann darfst du ab kommender Woche deine verbalen und sonstigen Entgleisungen in diversen Internet-Foren nachlesen. Vielleicht unter #theangrypizzamanfromannecy!
Am Abend haben wir uns dann ein wunderbares Essen zubereitet – die gute Salami, der sehr gute Parmesan und das Kebab-Fleisch mundeten ausgezeichnet. Wir haben übrigens beschlossen, unseren Aufenthalt hier vorzeitig zu beenden, denn wir sind mittlerweile so ziemlich die ganze Gegend abgefahren und nur am Platz herumzusitzen, ist uns zu langweilig. Morgen bleiben wir aber noch hier und am Dienstag fahren wir heim – wir werden aber eventuell noch einen Zwischenstopp in der Schweiz einlegen. Mal sehen…

Montag, 28. August 2017

Unser letzter Tag am Lac Annecy. Übrigens haben wir auf diesem Campingplatz echt Pech mit unseren Nachbarn, denn am Platz der Schweizer (die mit dem illegalen Ablassen des Schmutzwassers) steht jetzt eine Familie aus Holland. Und der Mann beginnt um kurz nach halb acht Uhr früh an seinem WoMo herum zu hämmern. Wumm, wumm, wumm hallte es über den ganzen Platz, keinen Meter von uns entfernt. Immer wieder schlägt der Mann mit dem Hammer auf die Felge des linken Vorderrades – und wundert sich, als wir ihn deswegen ansprechen. Er müsse die Bremsen reparieren, rechtfertigt er seinen Lärmangriff am frühen Morgen. Dass andere Camper eventuell im Urlaub auch mal gerne ein wenig länger schlafen würden, auf die abwegige Idee ist er gar nicht erst gekommen…
Trotzdem – unser Aufenthalt hier war voll o.k. – über unsere Nachbarn schütteln wir mehr den Kopf, als dass wir uns wirklich über sie ärgern. Es ist halt so – wenn man neben „richtigen“ Campern steht, dann gibt es nie Probleme. Aber die Leih-Wohnmobilisten und Hobby-Zeltler wissen oft nicht, wie man sich auf einem Campingplatz zu verhalten hat und das sorgt dann halt für Schwierigkeiten. Aber – auch im richtigen Leben kann man sich seine Nachbarn nicht aussuchen, also muss man mit ihnen klar kommen. Beim Campen verschwinden die dann eh oft schon am nächsten Tag wieder…
Nach dem Frühstück ist klar, bei dem Wetter werden wir heute nicht viel unternehmen können. Immer wieder regnet es leicht, dann blinzelt wieder die Sonne durch die Wolken, kurz darauf regnet es wieder.
Wir widmen uns ausgiebig dem süßen Nichtstun und schreiben ein wenig unseren Blog nach bzw. sortieren wir unsere unzähligen Fotos am Notebook.
Dann reißt die Wolkendecke ordentlich auf und wir fahren in den Ort St. Jorioz rüber, dort gibt es einen Supermarkt und wir könnten ein paar Kleinigkeiten brauchen. Nach einem Strom-Stecker für Frankreich halten wir auch Ausschau, denn die müssen wir uns immer bei der Rezeption ausleihen und wir hätten gerne einen eigenen.
Der U-Supermarkt hat dann nicht ganz unseren Erwartungen entsprochen, den Stecker hatten sie nicht mehr im Angebot. Auch die Auswahl der Weine enttäuschte uns, da hat der Carrefour weit mehr zu bieten. Also kauften wir uns nur ein paar Chips und ein wenig Schinken und fuhren damit zum Platz zurück.
Nach einer guten Jause gönnten wir uns einen Pasch und legten uns dann für ein paar Minuten nieder. Aber weil das Wetter weiter trocken blieb, sind wir noch mal mit der Vespa raus und die zwei, drei Kilometer zum Carrefour-Markt hinüber gefahren. Auch da haben wir nach dem speziellen Frankreich-Stromstecker gefragt, aber auch hier war er ausverkauft.
Dafür hat uns dann die Weinabteilung voll entschädigt, wir haben eine gute halbe Stunde lang gebraucht, uns die einzelnen Flaschen Rotwein anzusehen und ein paar davon auszuwählen. Als Mitbringsel für die Lieben daheim und uns selber haben wir auch eine schöne Bouteille Bordeaux gegönnt.
Weil sich die Biervorräte dem Ende neigen, hat sich Gernot dann noch eine Sechser-Packung Heineken mitgenommen und im Regal dort eine nette Überraschung gefunden. Denn es lagen vier kleine Cent-Münzen (2 Einserln und 2 Zweierln) neben dem Heineken-Bier und wir kommen ja ohnehin an keiner verlorenen Münze vorbei, ohne sie aufzuklauben und einzustecken. Alleine bei diesem kleinen Urlaub in Annecy haben wir bereits zehn (!!) Münzen gefunden, darunter ein schönes 1-Euro Stück. Alle vom Boden aufgehoben, bis auf die vier Stück im Regal. Die Münzen kommen daheim in ein eigenes Glas – wir haben in den letzten Jahren viele hundert Stück an Kleingeld gesammelt…
Mit dem Rotwein im Vespa-Köfferchen sind wir zum Platz zurückgefahren und haben es uns im WoMo gemütlich gemacht. Das Abendessen hat dann aus Schinken, Parmesan und Brot bestanden, Gernot hat zusätzlich noch seine geliebten Mini-Tomätchen verdrückt.
Morgen fahren wir Richtung Heimat – wahrscheinlich bleiben wir noch für eine Nacht in der Schweiz. Das sehen wir dann morgen, vielleicht fahren wir die 630 Kilometer nach Innsbruck auch durch.

Dienstag, 29. August 2017

Nach dem wie immer sehr guten Frühstückskaffee machen wir uns für den Aufbruch fertig, auch rund um uns herum werden eifrig Zelte zusammengefaltet und Wohnwagen angespannt. Ein Dienstag ist zum Reisen ideal, da entkommt man den Horror-Staus des Urlauberreiseverkehrs am ehesten. Das wissen die Profis unter den Campern und so wissen das auch wir. Andererseits ist es auch nachvollziehbar, dass man bei nur zwei Wochen Urlaub jeden einzelnen Tag ausnützen will und die obligaten Stau-Wochenenden halt hinnehmen muss. Bei uns ist das zum Glück anders…
Wir haben es wie immer nicht eilig und packen in Ruhe alles zusammen. Zum Schluss wird dann noch unser Moped aufgeladen und wir gehen dann noch fein duschen. Tschüss Lac Annecy – leicht möglich, dass wir uns einmal wiedersehen.
Neben dem Carrefour-Markt befindet sich eine Diskont-Tankstelle und dort darf sich unser WoMo mit frischem Diesel den Bauch vollschlagen. Der Liter kostet hier nur 1,157 Euro, ein paar Kilometer weiter lag der Preis schon bei über 1,3 Euro, von den Schweizer Preisen brauchen wir gar nicht erst zu reden.
Die ersten 20, 30 Kilometer geht es über die Bundesstraße, unter anderem fahren wir quer durch die Stadt Annecy. Das dauert natürlich alles ein wenig länger, aber als wir dann endlich auf der Autobahn sind, geht es wunderbar und ohne Verzögerung flott dahin. Das Wetter ist schön, der Verkehr nur mäßig – eine feine Fahrt.
Bei einem Autobahnkreuz müssen wir uns dann entscheiden, ob wir durchfahren oder eine Nacht in der Schweiz dranhängen. Ein Weg führt nach Zürich, der andere in Richtung Zug. Wir fahren in Richtung Zug, nicht nur weil wir so dem zwingenden Stau bei Zürich entgehen, sondern auch, weil uns eine Tagesetappe von über 600 Kilometer zu anstrengend ist. Und es muss ja nicht sein – warum sich also unnötig quälen?
Eiger, Mönch und Jungfrau
Ilse hat in weiser Voraussicht bereits einen Campingplatz ins Auge gefasst und so fahren wir über teils einspurige Autobahnen und durch unzählige Tunnels in den kleinen Ort Ewil, einem Ortsteil von Sachseln. Dort befindet sich der wunderschöne Sarner-See mit dem Campingplatz Ewil und so gegen 14 Uhr treffen wir ein.
Wir werden von der überaus netten Campingplatz-Chefin freundlich begrüßt und können aus zwei Plätzen auswählen. Keine zehn Minuten später sitzen wir schon auf unseren Stühlen vor dem WoMo und genießen den schönen Blick auf den See. Wir sind also bestens angekommen.
Unser Platz liegt in der ersten Reihe, vom See trennt uns nur eine einspurige Bahnlinie. Die regelmäßig vorbeifahrenden Züge stören uns überhaupt nicht, Bahnlärm ist uns echt wurscht. Uns hat ja damals im bayrischen Saulgrub nicht einmal gestört, dass der Lokal-Zug jedes Mal beim Vorbeifahren wegen einer engen Kurve laut gehupt hat. Andere Camper sind deswegen entnervt abgereist…
Beim Bezahlen der Rechnung erleben wir eine echte Überraschung – denn der Preis wird in Euro umgerechnet, also nix mit dem üblichen 1:1-Kurs. Die Chefin erklärt uns, das sei für sie eine Selbstverständlichkeit, schließlich betrage die Differenz zwischen den beiden Währungen aktuell ca. 12 Prozent. Dass sie mit dieser fairen Art der Umrechnung in der Schweiz ziemlich alleine da steht, weiß sie und sie sagte dazu, dass sie sich für ihre Landleute schämen würde: „Das gehört sich doch nicht! Das ist doch Beutelschneiderei!“ fügte sie noch an und dass auch in den Medien heftig über dieses Thema diskutiert würde. Übrigens – sogar für die 1-Franken-Münzen fürs Duschen verrechnete sie uns nur 90 Cent, wie gesagt einzigartig.
Wir verbringen einen feinen Nachmittag im Freien, machen im Schatten des einzigen Baumes einen Pasch und werden von einer roten Katze begrüßt. Das von uns angebotene Futter verweigert sie, ja sie zeigt sich sogar angewidert von unserm italienischen Trockenfutter con Manzo. Aber sie lässt sich bereitwillig streicheln und entpuppt sich als so genannte Rede-Katze. Sehr nett. Übrigens – als wir später schon in den Betten lagen, hörten wir plötzlich ein verdächtiges Knistern und Knuspern und am Morgen war das Schüsselchen mit dem Futter völlig leergefressen.
Am Abend hat uns Ilse dann wieder einmal köstlichste Ravioli mit Fleischfüllung zubereitet, die wir mit dem obligaten Parmesan, der braunen Butter und einem grünen Salat genossen haben.
Wir sind dann noch lange vor unserem WoMo gesessen, haben dem Tag beim Wechsel in die Nacht zugeschaut und waren froh, dass wir doch noch einen Tag Urlaub drangehängt haben. Hier werden wir sicher noch einmal herkommen, denn diese traumhafte Gegend wollen wir auch mit der Vespa näher erkunden. Und vielleicht machen wir einmal ein paar lässige Fahrten mit der Bahn, es ist ja beinahe unfassbar, welch extreme Trassen man unterwegs sieht.

Mittwoch, 30. August 2017

Nach dem Aufwachen geht Gernot das vorbestellte Frühstücksgebäck holen – die Semmeln heißen hier Brötli und die Croissants Kipfeli. Natürlich wird wieder in Euro umgerechnet – der Unterschied beträgt immerhin 60 Cent. Und bekanntlich macht auch Kleinvieh Mist…
Nach dem guten Frühstück sind wir dann zur Heimfahrt aufgebrochen, die knapp über 300 Kilometer schrecken uns nicht.
Während der ganzen Fahrt sind wir nur einmal in einen kurzen Voll-Stau geraten, in einem Tunnel vor uns muss es irgendeine Panne oder so gegeben haben, die Polizei hat ihn jedenfalls für den ganzen Verkehr gesperrt. Aber ein völliger Stillstand ist allemal besser, als dieses unnötige Stop-and-Go. Denn das strapaziert nicht nur die Nerven, sondern auch unser armes WoMo über Gebühr.
Keine 20 Minuten später ist dann der Verkehr sofort wieder normal weitergeflossen und ohne jede Verzögerung sind wir nach Feldkirch gekommen. Dort musste wieder Diesel nachgegossen werden und nach ein paar Kilometern auf der Rheintal-Autobahn haben wir für ein zweites Frühstück kurz gerastet.
Den Weg von Vorarlberg nach Innsbruck sind wir in letzter Zeit ziemlich oft gefahren und wir freuen uns schon, wenn der Arlberg-Tunnel wieder offen ist. Denn dann muss sich unser Schneckchen nicht mehr unnötig über die steile Passstraße quälen, obwohl sie auch heute wieder eine erstaunlich gute Figur als Bergziege abgegeben hat. Auch bei der Abfahrt gab es keinerlei Probleme, die Bremsen sind nie bedenklich heiß geworden.
Spätestens bei der Auffahrt auf die S 16 Arlberg-Schnellstraße haben wir dann ohnehin immer das Gefühl schon daheim zu sein, auch wenn es von dort noch über 90 Kilometer bis nach Innsbruck sind. Aber die schaffen wir meistens in weniger als einer Stunde, auch weil es viele, viele Kilometer abwärts geht und wir ausnahmsweise auch mal mit mehr als 100 km/h dahin rollen.
Das war also unsere 71. WoMo Fahrt und eigentlich war geplant, gleich am Samstag wieder loszufahren, wenn auch nur zu Luis und Gitte an den Kochel-See. Aber dann haben wir gecheckt, dass am Samstag das Fußball WM Qualifikationsspiel Österreich gegen Wales stattfindet und in Deutschland kriegen wir keinen ORF-Stream. Marko Arnautovic, David Alaba und Co. können wir uns aber natürlich nicht entgehen lassen, also bleibt unser Häuschen vorerst in der Garage. Und die Betonung liegt ausdrücklich auf dem Wörtchen „vorerst“…









Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

wir freuen uns auf eine Nachricht von dir