Sonntag, 22. April 2018

77. WoMo-Fahrt "Es gibt noch so viele Seen zu seh'n"

77. WoMo-Fahrt "Es gibt noch so viele Seen zu seh`n"
vom 20. April bis 22. April 2018 
von Innsbruck-Wörthsee-Ammersee-Fohnsee-Kesselberg-Innsbruck -- 346 km

Freitag, 20. April 2018

Das wird heute bereits die dritte Ausfahrt mit dem WoMo in diesem Jahr und zum ersten Mal ist Ilse so richtig mit dabei. Zwar nicht vom ersten Meter an, denn als Gernot unseren Nasenbären aus der Garage fährt, hat die liebe Ilse noch Unterricht in Zirl zu halten. Sie wird also – wie wir das besonders gerne mögen –  mit dem WoMo direkt von der Schule abgeholt. Vorher durfte Gernot mal zur Abwechslung seine (durchaus fragwürdigen) Qualitäten als Hausmann unter Beweis stellen und hat unser WoMo blitzblank gesaugt, wir haben dafür extra unseren großen Staubsauger in die WoMo-Garage transferiert. Eine ziemlich schweißtreibende Angelegenheit, schließlich sind wir staubsaugtechnisch völlig außer Übung, daheim erledigt diese Tätigkeit schon seit Jahren ein Roboter. Aber zurück zu unserer Ausfahrt.

Pünktlich ist Ilse um 13 Uhr 15 aus dem Schulgebäude in Zirl gekommen, das WoMo wartete bereits vollgetankt. Noch schnell beim SPAR ein paar Lebensmittel und Getränke eingekauft und danach starteten wir ins Wochenende. Wir werden ins Oberbayrische hinausfahren, in eine Gegend, in der wir beide noch nie waren. Es gibt ja noch so viel zu entdecken – selbst im Umkreis von 150 Kilometern von daheim gibt es für uns noch jede Menge „Terra incognitas“.

Das Wetter ist unverschämt schön, vielleicht klettert das Thermometer erstmals in diesem Jahr über die 30 Grad Marke. Sehr fein!

Den brutal steilen Zirlerberg meistert unser WoMo gewohnt bravourös, wir ziehen in einem Zug durch. Zwar staut es sich wie üblich ein bisschen – allerdings nur hinter uns. Aber schneller als 30 km/h fahren wir nicht, für die zwei, drei Kilometer müssen sich die anderen halt ein wenig gedulden. Ab Leithen geht’s dann sowieso wieder normal dahin und bald einmal müssen wir sogar aufpassen, dass wir nicht schneller nach Seefeld hinauf glühen, als die Polizei erlaubt.

In Scharnitz sind jetzt schon die Zufahrtsstrecken zum neu erbauten Umfahrungstunnel fertig asphaltiert, schon in wenigen Monaten wird also das typische Stop-and-Go durch Scharnitz der Vergangenheit angehören. Die Bevölkerung wird froh sein und wir eh auch.

Es ist dann direkt ungewohnt, dass wir bei der Abzweigung nach Krün/Kochel am See geradeaus weiterfahren, normalerweise wäre das der Weg zu unserem geliebten Campingplatz am Kesselberg. Aber Gitti und Luis sperren erst nächstes Wochenende auf, also haben wir heute andere bayrische Seen im Visier.

In Garmisch glauben wir es dann ja überhaupt nicht mehr, denn da haben wir für gut fünf Kilometer einen Harley-Davidson-Fahrer im Rückspiegel. Nichts Ungewöhnliches möchte man meinen, aber das Outfit des Bikers hatte es tatsächlich in sich! Der Bursche trug eine Original-Tracht inklusive Wadl-Stutzen und Haferl-Schuhen. Dafür trug er keinen Helm, aber wenigstens eine Sonnenbrille. Das hat schon ganz speziell ausgeschaut – tja, andere Länder, andere Sitten! Aber wir haben das Gefühl gehabt, dass sich der Harley-Fahrer bewusst hinter unserem großen Nasenbären „versteckt“ hat, denn trotz zahlreicher günstiger Gelegenheiten hat er nie versucht, uns zu überholen. Er wird halt gewusst haben, dass er bei einer eventuellen Polizeikontrolle nicht ungeschoren davon kommt. So konnten wir einige lässige Bilder machen, bei der Auffahrt zur Schnellstraße ist er dann mit brüllendem Motor an uns vorbeigefetzt und weg war er – gehört haben wir ihn und sein Bike aber noch minutenlang…
Über Weilheim und über Seefeld (schon wieder!) sind wir dann an den schönen Wörth-See gekommen. Dort haben wir uns schon daheim einen Campingplatz ausgesucht, vor allem das Restaurant am Platz hat uns gelockt. Es nennt sich Adria-Grill und so heißt auch der Campingplatz. Die Betreiber stammen aus Ex-Jugoslawien und weil wir in Innsbruck leider kein „Ex-Jugoslawen-Wirtshaus“ (keinen Serben, keinen Kroaten, keinen Bosniaken, nix) haben, gelüstet es uns manchmal sehr nach Original Cevapcici, echten Rasnici und selbstgemachtem Ajvar.

Sofort werden wir vom Chef freundlich begrüßt, er hat den Campingplatz schon seit fast 30 Jahren gepachtet. Aber alle, ausnahmslos alle Plätze sind von Dauercampern gemietet, wir „dürfen“ unseren Nasenbären auf der Liegewiese (!) abstellen. Ein anderes Fahrzeug steht schon da – ein voll ausgebauter Landrover, ein Doppelkabiner mit Klappdach. Wir kriegen noch den Tipp, nicht zu nah ans Seeufer ran zu fahren, weil der Boden dort durchweicht ist. Also stellen wir uns kurzerhand direkt neben den großen Gastgarten des „Adria-Grill“, übrigens die einzig halbwegs ebene Fläche auf der recht steil abfallenden Wiese. Strom gibt es auch keinen – wurscht – brauchen wir für eine Nacht eh nicht. Sanitäranlagen sind vorhanden, sie haben einem halben Jahrhundert lang jeglicher Renovierung getrotzt, sind aber wirklich sauber. Warmes Wasser gibt es nicht, wahrscheinlich deshalb, weil das dem Betreiber billiger kommt. Auch ziemlich egal, für eine Nacht lassen sich Zähne und Gesicht auch mit kaltem Wasser reinigen – wir sind ja keine Memmen.

Wir packen dann am späten Nachmittag den Pasch aus und liefern uns ein unterhaltsames Spiel im Freien. Das Wetter ist auch am Wörth-See wunderschön und die Temperatur klettert bis auf über 28 Grad. Der große Gastgarten des „Adria-Grill“ füllt sich dann zusehends und bald einmal sind praktisch alle Tische besetzt. Bis auf einen – und den schnappen wir uns dann. Die Speisekarte verspricht einen kulinarischen Ausflug auf den Balkan und wir schlagen voll zu. Keine halbe Stunde später türmen sich Rasnici-Spieße, Cevapcici-Röllchen, feuerrote Ajvar-Paste und der köstliche Djuvec-Reis auf unseren Tellern. Dazu Pommes Frites, pro Kopf ein gewaltiger gemischter Salat, sowie Bier und Wein. Wow – was für ein gutes Essen. Die Bedienung war ausgesprochen gut und freundlich, also bei derart vielen hungrigen Gästen muss man das erst einmal so hinkriegen. Chapeau! Übrigens – für unser Festmahl haben wir 31 Euro bezahlt, das ist ein wirklich ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis. Wir werden dieses Campingplatz-Restaurant auf jeden Fall in guter Erinnerung behalten und sollten wir mal wieder zufällig in der Gegend sein, dann wissen wir, wo wir zum Essen einkehren werden.

Und gut in Erinnerung wird uns letzten Endes auch der Platz selber bleiben, denn wir verbrachten eine wunderbare Nacht am Wörth-See.






Samstag, 21. April 2018

Die Nacht hier am See war traumhaft ruhig, wir haben geschlafen wie die Babys. Noch traumhafter war dann das Aufwachen, denn das gewaltige Konzert der Singvögel begleitete uns in den Beginn des neuen Tages. Wir beobachten ein Eichkätzchen, das auf und unter den Tischen nach etwas Essbarem sucht, sehr süß. Ilse hat uns inzwischen einen guten Kaffee gekocht und wir frühstücken den mitgebrachten Marmorkuchen. Das ist wieder einer aus der Abteilung „Kunst & Co.“ – wir wissen das natürlich und nennen ihn auch nicht Kuchen sondern unseren „Abartigen“. Aber er labt und gibt Energie.

Bezahlt haben wir schon gestern – die 15 Euro waren o.k. – also brauchen wir uns gar nicht groß zu verabschieden, als wir gegen 9 Uhr 30 losfahren. Unser Ziel ist vorerst Inning und der Ammersee, danach wollen wir zum Fohnsee bei Iffeldorf. Der gehört zu den so genannten Osterseen – eine Ansammlung von mehr als 20 Gewässern. Die Gegend hier ist wirklich wunderschön, das Wetter perfekt und wir cruisen mit unserem Nasenbären herrlich über die teils ziemlich schmalen Landesstraßen. Übrigens navigiert Ilse schon seit gestern nur mehr mit Landkarten, das Navi am Handy hat sich schon gestern als unbrauchbar herausgestellt. Die Verbindung ist in dieser hügeligen Umgebung nicht durchgehend zu halten und so bekommen wir die Anweisungen oft viel zu spät. Oder zwei gleichzeitig. Das hörte sich dann so an: „In 300 Metern links abbiegen!“ Links war nur Wald. Fünf Sekunden später: „Jetzt rechts abbiegen!“ Rechts war nur ein braches Feld. Und so weiter. Also – Handy weg und Karten her – auf die Old-School-Variante versteht sich Ilse ohnehin besser.

Und zack – ohne nennenswerte Umwege sind wir dann, nach gut 40 Kilometern Fahrt – am Fohnsee angekommen. Der Campingplatz hat sich dann auch relativ leicht finden lassen – eh nett. Trotzdem haben wir uns dann spontan entschlossen, nicht hier einzuchecken. Wir haben die Vespa daheimgelassen, der Platz ist ziemlich weit weg „vom Schuss“ und es gibt kein Restaurant hier und auch keinen Kiosk oder so was. Damit haben wir nicht wirklich gerechnet und wir haben uns noch mit keinen „Not-Essen“ eingedeckt. Also „Habe die Ehre du schöner Fohnsee“ und weiter geht’s.



Wir haben dann beschlossen zum Campingplatz Kesselberg zu fahren, mal schauen, ob Luis und Gitti schon da sind. Die müssen ja den Platz für die Eröffnung kommender Woche vorbereiten, also sollten wir sie schon antreffen. Vom Fohnsee aus sind wir bald einmal auf die Autobahn in Richtung Garmisch gekommen und nach einer halben Stunde sind wir in Murnau abgefahren. Von dort sind wir schon mehrmals den Weg zum Kochelsee gefahren und pünktlich um 12 Uhr Mittag sind wir am Campingplatz Kesselberg eingetroffen. Natürlich waren Gitti und Luis auch da und wir begrüßten uns mit großem Hallo. Die Vorbereitungen auf die kommende Saison laufen auf Hochtouren, morgen schon kommt Küchenperle Elisabetha. Noch ist das Restaurant geschlossen, auch auf den Campingplatz darf noch niemand. Niemand? Nun ja – für die Zimmermanns ist am Kesselberg immer ein Plätzchen frei und so dürfen wir ausnahmsweise über Nacht bleiben. „Ihr gehörts einfach zu meiner Verwandtschaft, falls wer fragt“, meinte Luis trocken und wir „versteckten“ uns hinter dem Wohnwagen von Elisabetha

Irgendwie ist es ungewohnt, den großen Campingplatz mal so richtig leer zu sehen. Zwar gibt es einige Dauercamper hier und ein paar sind auch schon anwesend, aber die frisch gemähte Zeltwiese ist vollkommen verwaist. Im Bereich des Seeufers hat Luis über den Winter ganze Arbeit geleistet und zahlreiche Bäume fällen lassen. Was aber kein Umweltfrevel ist, denn erstens waren die Bäume in keinem guten Zustand mehr und zweitens gibt es immer noch Bäume genug hier. Einige neue Bänke hat Luis auch aufstellen lassen, schaut gut aus.

Wir schlendern dann ein wenig über den Platz, auch weil wir uns Ende Mai für drei Tage einen Wohnwagen hier mieten werden. Luis und Gitti haben ja eine ganze Reihe von Wohnwägen anzubieten, alle vollständig ausgestattet und mit großem Vor-Zelt versehen. Wir werden unser „Pasch-Turnier“ hier ausrichten und zu acht aus Tirol anrücken, da brauchen wir natürlich eine geeignete Übernachtungsmöglichkeit für unsere WoMo-losen Freunde. Bald haben wir den perfekten Wohnwagen für unsere Zwecke gefunden, ein Riesending mit vier Schlafplätzen und einem gigantischen Vorzelt mit zwei großen Sitzgarnituren. Daneben ist noch locker Platz für unser Schneckchen und auch den VW-Bus von Babsi können wir locker in unserer Wagenburg unterbringen. Später haben wir den Platz dann bei Gitti „offiziell“ reservieren lassen – übrigens war das der allerletzte Wohnwagen, den sie an diesem Wochenende noch frei hatte. Glück muss man halt auch haben.

Weil die Küche am Kesselberg noch kalt ist, sind wir noch einmal mit dem WoMo ausgerückt. Im Ort Kochel am See – vielleicht fünf Kilometer entfernt – gibt es einen EDEKA-Laden und der hat so viele Lebensmittel gelagert, dass er sie verkaufen muss. Wir verlassen das Geschäft mit Tortellini, Parmesan und Butter – damit ist schon mal das Abendessen gesichert. Für eine gute Nachmittags-Jause nehmen wir uns noch italienischen Schinken und holländischen Käse mit, dazu knuspriges Brot und als Nachspeise Schoko-Pudding und Joghurts.
Zurück am Platz haben wir zuerst vollständig den Schinken und den Käse vernichtet und uns anschließend einen Pasch im Freien geliefert. Immer wieder beobachten wir Camper, die vergeblich den Platz anfahren wollen. Scharenweise müssen sie umkehren, vielleicht hat Luis seinen Platz um eine Woche zu spät eröffnet. Aber – mit sooo einem Wetter war im April wirklich nicht zu rechnen – und außerdem werden die lieben Perkmanns ab kommenden Samstag ohnehin wieder für mindestens sechs Monate pausenlos im Einsatz sein.

Mitten im Pasch werden wir dann – wohl nicht zuletzt wegen der üppigen Jause – plötzlich beide ziemlich müde und unterbrechen das Spiel für ein kleines Schläfchen. Ilse pennt schon nach einer (!) Minute weg, Gernot braucht dafür zumindest 100 Sekunden.

Wir ruhen herrlich bis nach 17 Uhr, es ist wunderbar ruhig hier am Platz, die einzigen Geräusche kommen von den Singvögeln. Und ja – alle halbe Stunde hören wir ein Motorrad den Kesselberg hinauffahren, das ist am Wochenende verboten, dementsprechend riskieren nur einzelne Biker eine Geldstrafe für ihr Vergnügen.

Je später dann der Abend wird, desto größer wird in uns die Gewissheit, dass wir heute nicht mehr kochen werden. Die Jause am frühen Nachmittag hat ausgegeben, die Tortellini sind bis Mai haltbar, so alt werden sie bei uns aber ohnehin nicht. Essen wir sie halt daheim.

Natürlich gönnen wir uns später noch ein Päschchen. Draußen ist es außergewöhnlich warm, noch um 22 Uhr messen wir über 19 Grad. In der Nacht ist dann ein heftiger Föhnsturm aufgekommen und hat unser Häuschen stundenlang herumgebeutelt. Es ist stockdunkel am Platz, weil ja noch keine Beleuchtung eingeschaltet ist. Die Dauercamper schlurfen halt mit Taschen- bzw. Stirnlampen zu den Duschen und Toiletten. Für die sie Schlüssel haben, wir hingegen nicht. Wir haben Luis und Gitti – die noch in ihrem Haus in Kochel übernachten – vergessen, danach zu fragen. Wurscht – gehen wir halt ein zweites Mal hintereinander ungeduscht zu Bett, was soll’s? Und eine Toilette haben wir ohnehin im WoMo.

Sonntag, 22. April 2018

Das war sicherlich eine der schönsten Nächte, die wir je auf unserem Lieblings-Campingplatz Kesselberg verbracht haben. Die vollkommene Ruhe wurde am Morgen von den singfreudigen Vögeln erfolgreich verscheucht und schon um 8 Uhr messen wir – dem Föhn sei Dank – beachtliche 19 Grad. Wir kriegen dann Besuch vom Platz-Kater Gustl. Wie wir erfahren haben, hat er es in diesem Winter genau zwei Mal für einen Tag in der Wohnung in Kochel ausgehalten. ansonsten hat er die ganze kalte Jahreszeit hier am Platz verbracht. Das immer noch dichte Winterfell lässt ihn doppelt so groß wirken als üblich, der Gustl ist schon ein ganz besonders schöner Kater. Er freut sich sehr über unser Katzenfutter und lässt sich aus Dank dafür ausgiebig streicheln. Dann trollt er sich wieder und wir tun es ihm gleich. Schnell noch die Klo-Kassette leer gemacht und ab nach Innsbruck.

Übrigens – heute Nacht hat uns unser liebes Schneckchen dankeswerterweise einen dummen Fehler verziehen. Wir haben letztes Jahr auf einem Campingplatz eine Lampe gefunden, so ein LED-Dings. Das leuchtet immer noch brutal hell, obwohl es den ganzen eiskalten Winter über im WoMo gelegen ist. Gernot wollte dann schauen, ob wir die Lampe mit dem Zigarettenanzünder aufladen können. Wir haben eine ganze Reihe an Adaptern mit und siehe da – einer davon hat gepasst. Gernot hat dann in seiner Begeisterung vergessen, die Zündung unseres WoMo wieder auszuschalten und so ist sie die ganze Nacht über gelaufen, alle Kontrollleuchten haben brav geleuchtet. Wir haben es erst bemerkt, als wir den Zündschlüssel gesucht haben. Aber wie gesagt – unsere treue Schnecke hat und den Lapsus nachgesehen und sich wie immer im ersten Versuch problemlos starten lassen. Danke!

Als wir aufgebrochen sind, waren Luis und Gitti noch nicht da, also konnten wir uns gar nicht verabschieden und uns für die Gratis-Nacht bedanken. Aber wir kommen ohnehin bald wieder hier heraus, dann können wir das ja nachholen. Und vielleicht haben Gitti und Luis dann schon das Buch von Gernot gelesen, das wir ihnen als kleines Geschenkchen mitgebracht haben. Aber wahrscheinlich werden sie so bald nicht dazu kommen – nach einem 16-Stunden Arbeitstag bleibt wenig Muse für Lektüre und sei sie noch so unterhaltsam (Achtung Eigenwerbung!J)

Völlig ohne Probleme sind wir dann nach Innsbruck zurückgegondelt. Der Zirlerberg hat sich auch bergab mühelos fahren lassen, wir hatten kein Fahrzeug vor uns. Dafür mussten die hinter uns fahrenden Autos ein klein wenig Geduld aufbringen, denn immer wieder mussten wir unseren Nasenbären auf unter 30 km/h abbremsen, anders lassen sich die 16 Prozent Gefälle nicht bewältigen. Lustig ist dann immer das Ende des Zirlerberges – wir kennen  natürlich jeden Meter der Strecke und wissen, wo genau man die Bremsen endlich „auslassen“ kann. Diese Stelle befindet sich vor den letzten beiden Kurven und schon kurz danach kann man bedenkenlos Vollgas geben. Und auf dem steilen Gefälle beschleunigen wir dann unser WoMo gerne und in kürzester Zeit auf gut 100 km/h und sämtliche Autos verschwinden blitzartig aus unserem Rückspiegel. In der Regel hängen wir die Autos auf den ersten 500 Metern um 400 Meter ab, die holen uns erst bei der Autobahnauffahrt wieder ein. Wenn überhaupt. Das taugt uns immer wieder.

In Innsbruck angekommen, fahren wir unser WoMo gar nicht in seine Garage, sondern parken es vor unserer Haustüre. Ilse wird morgen damit in die Schule fahren und zwei Freistunden dafür nützen, unser Häuschen ein wenig zu pflegen. Also die Kästen und Kastentüren mit Holzschutzmittel einzulassen und so Sachen. Saugen braucht sie wenigstens nicht, das hat ja Gernot – angeblich zufriedenstellend – schon vor der Abfahrt erledigt.

Schön war es mal wieder, auch die 77. Ausfahrt hat uns deutlich gezeigt, warum wir das Campen so lieben. Es ist vor allem diese Freiheit, überall da stehenbleiben zu können, wo es uns gefällt. Es ist dieses immer wieder spontane Umplanen unserer Ausflüge, nichts ist niemals fix, kein vorher ins Auge gefasster Stellplatz muss es letztlich sein, manchmal verschlägt es uns ganz woanders hin. Es ist das oft so erstaunlich gute Essen auf den Campingplätzen, die herrliche Umgebung, die vielfältige Tierwelt, die meistens sehr netten Mit-Camper und und und. Wir sind ganz einfach über die Jahre mit Leib und Seele Camper geworden und werden es – so es die Umstände zulassen – noch für viele Jahre lang mit Begeisterung bleiben.

Unsere 78. WoMo-Reise steht schon an, wohin sie uns führen wird? Wir wissen es nicht, aber mit ziemlicher Sicherheit wird es schon kommendes Wochenende so weit sein. Das Wetter sieht jedenfalls vielversprechend aus…









Sonntag, 15. April 2018

76. WoMo-Fahrt "Rückholung"

76. WoMo-Fahrt "Rückholung"
vom 14. April bis 15. April 2018
von Innsbruck-Bad Häring-St. Johann-Innsbruck --- 200 km

Samstag, 14. April 2018

Auch wenn wir jeden unserer Blog-Einträge mit „WoMo Reise“ übertiteln, so sind manche dieser „Reisen“ nur Ein-Tages-Trips, also eher kleine Fahrten. So wie diese. Aber alle Reisen, Fahrten, Kurz-Trips etc. haben eines gemeinsam – unsere Vorfreude. Es ist jedes Mal wunderbares Herzklopfen dabei, wenn wir unser Schneckchen aus seiner Garage holen, es ist jedes Mal aufs Neue aufregend, die Nummerntafeln zu montieren und es ist jedes Mal die pure Freude, den Startschlüssel zu drehen und unser WoMo aufzuwecken.

Das war natürlich auch diesmal nicht anders. Gernot ist gegen 9 Uhr erneut alleine zur WoMo-Garage aufgebrochen – heute wird er noch einmal nach Bad Häring fahren, wo die liebe Ilse ihre Kur absolviert. Absolviert hat, morgen Früh ist endgültig Schluss mit Anwendungen aller Art – die lange ersehnte Rückholung steht an. 

Vor dem Losfahren kauft Gernot noch ein paar Getränke ein und dann werden die Fahrzeuge gewechselt – eine längst liebgewonnene Routine. Die zwei Wochen Ruhepause haben unser WoMo keineswegs erneut in den Winterschlaf fallen lassen – heute springt es in der allerersten Sekunde an. Schon nach wenigen Kilometern und noch vor der Auffahrt auf die Autobahn schnurrt der Motor unseres Schneckchens vertrauenserweckend wie immer. Wieder einmal kommen Gernot die schönen Worte eines Campers in den Sinn. Der Mann war Zeit seines Lebens als Ingenieur bei Mercedes tätig und er tätschelte auf irgendeinem Campingplatz die Kühlerhaube unseres Ducato Turbo und meinte: „Das ist der beste Motor, den Fiat je gebaut hat.“ Wir haben keinen Grund, dem guten Mann nicht Recht zu geben. Jetzt hat unser WoMo über 202.000 Kilometer auf dem Tacho und ist heuer 28 Jahre alt geworden. Trotzdem haben wir nie das Gefühl, in einem Oldtimer zu sitzen. Für unsere Ansprüche ist unser WoMo ausreichend motorisiert, es stehen über 80 Pferdchen zur Verfügung und die zerren unseren Nasenbären überall brav hinauf – von Sterzing auf den Brennerpass fahren wir immer im 5. Gang, auch mit der Vespa am Träger! Auf langen Autobahnstrecken sind wir meist mit knapp unter 90 km/h unterwegs, das drückt den Verbrauch regelmäßig auf weniger als 10 Liter/100 Kilometer. Wenn es sein muss, dann können wir jederzeit und mühelos jeden LKW überholen, unser Häuschen geht mindestens 115 km/h, seine tatsächliche Höchstgeschwindigkeit haben wir noch gar nie ausprobiert und werden das auch nie tun. Wir streicheln es lieber, als es zu treten.

Und so rollt Gernot gemütlich Bad Häring entgegen, der Verkehr ist mäßig. Sehr praktisch ist dann ein Konvoi von extrem martialischen Militär-Fahrzeugen, alles spezielle Kampf-Autos mit riesigen Rädern und breiter wie jeder Hummer. Das Feine – die Dinger sind höchstens mit einem 80er unterwegs und weil die LKW auf der Inntalautobahn nicht überholen dürfen, kann Gernot nach Passieren des Konvois gemütlich mit 82, 83 km/h dahinfahren und wird nicht mehr von ungeduldigen Brummis bedrängt.

Beim Kurzentrum in Bad Häring wird dann unser WoMo wieder exakt auf jenen Platz geparkt, an dem es schon vor 14 Tagen gestanden ist. Ilse wird noch ein allerletztes Mal angewendet, also kann Gernot in aller Ruhe das WoMo auf Steh-Modus einrichten. Was für eine Arbeit! Immerhin muss der Fahrersitz ein paar Zentimeter nach vorne verschoben werden und auch der Vorhang zur Fahrerkabine schließt sich nicht von alleine. Dann noch den Einstiegs-Tritt vor die Tür stellen und zwecks Lüftung eine der Dachluken öffnen. Fertig. Normalerweise würden wir noch den Stromanschluss herstellen und Tische und Stühle aufstellen – beides können wir uns in Bad Häring sparen, wir sind hier schließlich nicht auf einem Campingplatz.

Und so ist Gernots Arbeit schon nach wenigen Sekunden erledigt, also macht er sich auf den Weg zum Eingang des Kurhauses. Doch schon nach ein paar Metern kommt ihm seine Ilse freudestrahlend und mit weit ausgebreiteten Armen entgegen – das Ehepaar Zimmermann ist endlich wieder vereint. Ilse hat die Kur in vollen Zügen genossen und es hat ihr wirklich gut getan. Sie ist nach dem dreiwöchigen Service in bester Verfassung und präsentiert sich weitgehend runderneuert. Jetzt ist die Gute wieder voll-fit und wird auch die letzten 444 Tage bis zu ihrer wohlverdienten Pensionierung locker herunterbiegen.

Wir sitzen zuerst ein paar Minuten im Wohnmobil und machen uns dann – es ist 11 Uhr – zu einem Spaziergang auf. Zuerst schlendern wir zum Gasthaus Schermer rüber und reservieren uns einen Tisch fürs Mittagessen. Danach gehen wir eine ausgiebige Runde über das Gelände der Kuranstalt. Es gibt hier ja einen netten, kleinen See und so setzen wir uns auf eine Bank an einem seiner Ufer. Es ist vom Wetter her zwar kein Traum-Tag, aber es ist schon schön warm – kein Vergleich mit vor 14 Tagen. Da hätten wir im Hemd lieber nicht dasitzen wollen. Aber heute hat es an die 20 Grad, der Winter hat also endgültig abgedankt. Und das ist gut so.

Später gehen wir dann noch einmal ins WoMo – Ilse hat beschlossen, heute ihr Bett in der Kuranstalt mit dem tausendmal feineren Bett im Wohnmobil zu tauschen. Also richtet sie sich ihre Schlafstatt her, denn was gemacht ist, muss nicht mehr getan werden. Ilse wird heute also die erste Nacht 2018 im WoMo verbringen, Gernot hat ja schon zweimal herinnen übernachtet.

Pünktlich um 12 Uhr begeben wir uns im Gasthaus Schermer zu Tisch und werden – wie zu erwarten war – wieder zufriedengestellt. Ilse hat sich ein Kinder-Wienerschnitzel bestellt, Gernot hat sich das Menü mit Spargelcreme-Suppe und Pariser-Schnitzel kommen lassen. Beide Mahlzeiten waren so üppig, dass wir direkt froh waren, dass die Bedienung offenbar das Eis vergessen hatte, dass bei Gernots Menü eigentlich dabei gewesen wäre. Aber als wir schon nach der Rechnung verlangt haben, ist die Nachspeise dann doch noch gekommen – ein richtig großer Eisbecher mit drei Kugeln, Erdbeeren und einer gigantischen Haube aus Schlagobers. Ilse hat sich dann heldinnenhaft geopfert und das Dessert aufgegessen – die Gute kann einfach keine genießbaren Lebensmittel wegwerfen. Sehr brav!

Wir rollen mehr zum WoMo zurück, als dass wir gehen und machen einen ersten Pasch. Wir kriegen Besuch von einer Streuner-Katze bzw. locken wir sie mit Knuspertaschen zu uns. Obwohl sehr schüchtern, traut sich die schöne Katze dann doch heran und lässt sich das Futter schmecken. Danach ist sie schnell wieder weg.

Nach dem Päschchen verfügen wir uns dann in Ilses Zimmer und packen die meisten ihrer Sachen zusammen. Das ist bald einmal erledigt und wir schleppen die Taschen zu unserem Häuschen. Vorerst verstauen wir alles im Führerhaus, das ist so etwas wie unsere Abstellkammer, wenn wir wo stehen.

Danach gönnen wir uns ein weiteres Spiel am Pasch-Teller und knapp vor 18 Uhr machen wir uns auf den Weg ins Dorfzentrum von Bad Häring. Ilse wird wieder auf ihr Essen in der Kuranstalt verzichten – das hat sie jetzt drei Wochen lang „genießen“ dürfen, irgendwann reicht es dann mit den durchwegs vorgefertigten Mahlzeiten. Stattdessen statten wir heute der Pizzeria „Don Pepe“ einen Besuch ab. Mal schauen, was uns erwartet. Schon beim Eintreten sehen wir, dass das Lokal einen guten Ruf haben muss, denn es ist fast jeder Tisch besetzt. Wir kriegen aber noch ein freies Plätzchen und schon nach zwei Minuten haben wir unsere Getränke serviert bekommen. Schau! Wir bestellen uns Spaghetti Carbonara für Ilse und eine Pizza Quattro Stagioni für Gernot. Dazu noch einen griechischen Salat, wie soll man denn sonst sein Übergewicht halten? Das Essen war wirklich ausgezeichnet, die Bedienung absolut perfekt und die Rechnung völlig akzeptabel. Kurz – ein rundum gelungener Abend.

Der Verdauungsspaziergang zurück ins WoMo, gute eineinhalb Kilometer, hat uns dann so richtig gut getan. Ilse hat sich dann noch aus ihrem Zimmer den Privat-Polster und die Privat-Kuscheldecke geholt, einer feinen Nacht ist also nichts mehr entgegen gestanden. Vorher haben wir noch dem Tag beim Zu-Ende-gehen zugeschaut und später haben wir uns dann noch einen lässigen Pasch ausgespielt. Die Außentemperatur beträgt um 21 Uhr noch ca. 15 Grad, danach ist es dann recht schnell nach unten gegangen. Wir haben beim Schlafen-gehen dann aber doch die Heizung ausgeschalten, heute dürfte es wirklich schon ohne gehen. Und so war es dann ja auch…

Sonntag, 15. April 2018

Tatsächlich hat es in der Nacht auf exakt 7,9 Grad abgekühlt, im WoMo haben wir in der Früh 13 Grad gemessen. Das geht – wir sind Tiroler und schlafen daheim auch im tiefsten Winter immer bei geöffnetem Fenster. Ilse hat nach dem Aufwachen sogleich unsere treue Heizung aktiviert, den Kaffee haben wir schon bei 22,5 Grad genossen. Übrigens haben wir uns heute mal ausnahmsweise vom Wecker aus dem Schlaf holen lassen, denn wir wollen uns in Ilses Zimmer den Start des Formel 1 Grand Prix in China anschauen. So ist es dann auch gekommen, schon die Anfangsphase hat ein wirklich spannendes Rennen versprochen, wir haben aber nach der zweiten Runde den Fernseher ausgeschalten. Wir haben anderes zu tun.

Ilse hat dann endgültig auschecken dürfen, hat noch Bademantel und so Zeugs zurückgegeben und dann war die Abfahrt angesagt. So gut ihr die Kur getan hat, so froh ist Ilse auch, dass die drei Wochen jetzt vorbei sind. Und auch Gernot ist ganz dieser Meinung – genug ist genug.

Eigentlich war heute eine ausgiebige Fahrt geplant, wir wollten zuerst zum Achensee fahren, dann  eventuell ins Bayrische hinaus, je nachdem, ob und welche Mautstraßen bereits offen sind. Wir haben uns dann aber anders entschieden, denn entgegen der Prognosen ist das Wetter überhaupt nicht frühlingshaft. Die Sonne lässt sich gar nicht blicken, es herrscht dichter Hochnebel und auch die Temperaturen bleiben unter 15 Grad. Schade und wurscht gleichzeitig. Wir haben eh ein Ziel, wir fahren nach St. Johann, das ist gute 30 Kilometer weit entfernt. Ilse hat eine Kitzbühler Camperin kennengelernt, die von der St. Johanner WoMo-Firma Rass geschwärmt hat. Und weil man einen guten WoMo-Händler in Tirol immer mal brauchen könnte, wollen wir uns diese Firma Rass ein bisserl näher anschauen.

Wir nehmen den Weg über Bruckhäusl und Söll, zeitweise sind wir ziemlich allein auf der Straße unterwegs. Ilse meint, weil die Leute am Sonntag um diese Zeit entweder in der Kirche oder beim Frühschoppen sind. Da ist sicher was dran. In St. Johann angekommen, halten wir vorerst vergeblich Ausschau nach einer Firma Rass. Kein Problem, wir fahren einmal von Ortschild zu Ortschild, drehen dann um und aktivieren Google-Maps am Handy. Zack – 20 Sekunden später wissen wir, dass wir 2,3 Kilometer von unserem Ziel entfernt sind. Den Weg weist uns dann die Computer-Stimme des Navis und nach einem letzten „Jetzt rechts abbiegen“ stehen wir vor den Toren der Firma Rass. Die sind an einem Sonntag natürlich geschlossen, aber jetzt wissen wie wenigstens, wo sich das Unternehmen genau befindet, vielleicht werden wir ja Mal darauf zurückkommen. Jedenfalls sollen die einen ausgesprochen guten Service anbieten und das mögen wir. Mal schauen – solange unsere Schnecke noch so brav läuft, werden wir uns eh nach keinem anderen WoMo umsehen, so eines kriegen wir ja ohnehin nie wieder…

Wir sind dann gemütlich in Richtung Wörgl gefahren und waren immer noch unschlüssig, wie wir diesen Tag im WoMo verbringen sollten. Vor allem wo.

In Wörgl sind wir dann nicht auf die Autobahn gefahren, vielleicht suchen wir uns entlang der Bundesstraße ein gemütliches Plätzchen, wo wir einen Pasch machen könnten. Noch vor Kundl lockt uns ein Motorradhändler mit einem „Tag der offenen Tür“ – wir haben nichts Besseres vor, also fahren wir zu. Eine gute halbe Stunde lang schauen wir uns unzählige Motorräder an, vom Elektro-Roller, über ausgewachsene Touren-Maschinen, bis hin zum über 200 PS starken Renn-Hobel. Im Shop will Gernot seine Ilse dann unbedingt zum Kauf von – wenigstens leichten – Motorrad-Handschuhen überreden. Wir wären ja vergangenes Jahr beinahe mit der Vespa ausgerutscht und bei einem Sturz würde man das Fehlen von Handschuhen wohl büßen. Aber Ilse findet erstens kein passendes Paar auf Anhieb und hat zweitens überhaupt keine Lust auf Shoppen. Passt – aber noch bevor wir das erste Mal mit der Vespa losknattern, sollten Ilses Händchen durch formschönes, schwarzes Leder geschützt werden. Heute schauen wir nur noch kurz beim Angebot der Jet-Helme vorbei, Gernot wird sich eventuell einen Neuen zulegen. Aber es sollte – wenn möglich – ein Original Vespa-Helm sein, mal schauen, ob wir in Italien einen kriegen.

Wir fahren weiter und bleiben das nächste Mal nach dem Tunnel bei Rattenberg stehen. Wir trinken neben dem Skater-Park unseren letzten Frühstücks-Kaffee und jausnen eine  Wurstsemmel. Der Parkplatz gibt überhaupt nix her, also fahren wir weiter. Hatten wir noch zehn Minuten vorher ausgemacht, dass wir am Parkplatz des Cafe Zillertal in Strass einen Pasch machen werden, so sind wir dort aber nicht einmal stehen geblieben. Zwar sind wir auf den Parkplatz eingebogen, haben uns dann aber kurz angeschaut, den Kopf geschüttelt und sind anschließend in einem Zug nach Innsbruck gefahren. Daheim auf der Couch haben wir es auch gemütlich, wir müssen nicht zwanghaft in unserem WoMo sitzen. Obwohl es uns schon soooo abgegangen ist! Das wird wieder eine geile Wohnmobil-Saison werden heuer, was werden wir wieder viel unterwegs sein. So lässig – das Herz möcht einem aufgehen! Vielleicht fahren wir ja schon kommendes Wochenende wieder weg, ein Grob-Plan besteht bereits – Stichworte: Bayern, See, aber nicht Kochelsee/ Camping Kesselberg (weil der noch geschlossen hat). Aber das hängt natürlich auch vom Wetter ab – noch schaut es ziemlich gut aus. Mitte kommender Woche wissen wir mehr.

In Innsbruck haben wir dann die ganzen Sachen aus dem WoMo in unseren kleinen Ford Fiesta gepackt und sind heim gefahren. Das war also Ilses erste Nacht heuer im WoMo – und ohne sich großer Wahrsagerei zu betätigen – es wird nicht die letzte in diesem Jahr gewesen sein. Echt nicht! Die WoMo-Saison 2018 ist eröffnet, endlich dürfen wir wieder unserem liebsten Hobby nachgehen. Hobby? Nein – nennen wir es besser unsere große Leidenschaft – und ab Juli 2019 heißt es dann ohnehin nur mehr „Global Living“. Was für geile Aussichten!

Mittwoch, 11. April 2018

Werbung in eigener Sache




Auch wenn es vielleicht nicht ganz in unseren WoMo-Blog hineinpasst, wollen wir doch ein wenig Werbung in eigener Sache betreiben. Gernot hat in den vergangenen Monaten ein Buch geschrieben und es ist Ende Jänner veröffentlicht worden. Gernot lässt darin seine Zeit als Taxilenker in Innsbruck Revue passieren und schildert in vielen Anekdoten seinen Arbeitsalltag.

Nun tun wir uns ein bisserl schwer, das Werk Gernots als gutes und damit lesenswertes Buch zu preisen – mit Eigenlob sollte man bekanntlich (und zu Recht!) vorsichtig sein. Aber zum Glück gibt es dafür Profis wie den Tiroler „Rezessions-Papst“ Helmuth Schönauer. Seine Kritik liest sich so:



TIROLER GEGENWARTSLITERATUR 2112

Eine Million Kilometer durch Innsbruck

Spätestens seit den frühen Funkstücken des Peter Handke gilt das Taxi als eines der innigsten Erzählmittel, wenn es um die Geräusche und Geschichten einer Stadt geht. Nicht umsonst hat jede Stadt ein eigenes, unverwechselbares Grundgeräusch.

Gernot Zimmermann ist ein Vierteljahrhundert lang in Innsbruck als Taxler unterwegs gewesen, dabei hat er die sprichwörtliche Million an Kilometern heruntergespult und gut zweihunderttausend Fahrgäste kutschiert. Jeder Innsbrucker ist statistisch gesehen einmal bei ihm in der Fahrgastzelle gesessen.

Der ausgefuchste Taxler und spätere Journalist wickelt seine Jahrzehnte als große Erzählung ab, die in hunderte Anekdoten zergliedert ist, welche nahtlos ineinander übergehen. Wie ja auch eine Taxifahrt immer in die nächste übergeht, bis man aufhört. Denn ohne Taxifieber lässt sich auf Dauer kein Taxi lenken, und wer das Fieber einmal hat, kann nicht mehr aussteigen.

Die kleinen Partikel ergeben mit der Zeit ein wundersames Bild von Innsbruck in den 1980er und 1990er Jahren. Das beginnt mit Routen, die heute wegen geänderter Einbahnen nicht mehr möglich wären, steigert sich über Lokalitäten, die mittlerweile legendär sind, hin zu Verfolgungsjagden, die man sich in Zeiten ohne GPS und Videoüberwachung noch leisten konnte. Bereits die Taxiprüfung hatte im vorigen Jahrhundert die Ausmaße eines Rigorosums, musste man doch ohne Navi alle Seitengassen auswendig kennen und im Kopf die günstigste Fahrtroute berechnen. Mit diesem ökonomischen Raster im Kopf sieht man plötzlich die Stadt mit anderen Augen.

Hauptaugenmerk wird natürlich auf die verschiedenen Autos, Chefs und Kollegen gelegt, weil man mit diesen ein Leben lang zusammen ist, zum Unterschied von den Fahrgästen, die manchmal nur eine kurze Strecke ausfassen, wie jene Familie, die vor dem alten Hauptbahnhof einsteigt, um quer über den Südtiroler Platz ins Hotel Europa zu fahren.

Natürlich kommen im Laufe der Jahre jede Menge skurriler Typen zusammen, Zuhälter, leichte Damen, angesoffene Hofräte, große Kinder, denen das Leben einen Strich durch die Träume gemacht hat. Ein paar Mal wird es auch gefährlich, wenn der Driver in Untergrund-Auseinandersetzungen gerät, manchmal sind auch die Passagiere so daneben, dass sie beim Bezahlen ausrasten. - Und immer wieder Kilometer, Geographie, Straßennetz. Man glaubt es kaum, wie groß so eine mickrige Stadt wie Innsbruck sein kann, wenn man eine Million Kilometer darin machen muss.

Zur Jahrhundertwende ist dann Schluss für den Taxler Zimmermann. Ein Grund ist unter anderem, dass es sowohl unter den Fahrern als auch unter den Gästen kaum mehr Deutschsprachige gibt. Das Taxigewerbe ist längst ein globales Unternehmen geworden, in dem die einsprachigen Bewohner oft in der eigenen Stadt untergehen.

Ein Glossar lässt noch ein paar Sprach-Blitze aus der alten Welt aufglühen. „Auflegen“ heißt, jemanden mitnehmen, „schießen“ heißt, den Chef prellen, „Südtiroler“ ist jemand, der kein Trinkgeld gibt.

Gernot Zimmermann: Eine Million Kilometer durch Innsbruck. Fotos.
Innsbruck: Wagner‘sche 2018. [Erinnerungen an Innsbruck]. 261 Seiten. EUR 12,95. ISBN 201-7-1013-79629.

Gernot Zimmermann, geb. 1962 in Innsbruck, lebt in Innsbruck.

Helmuth Schönauer 27/02/18

Wie man in der Titelzeile sieht, ist das die 2112. Buchbesprechung von Helmuth Schönauer – und es ist ein lustiger Zufall, dass 21 12 ausgerechnet der Geburtstag von Frank Zappa ist, Gernot ist ja ein lebenslanger Bewunderer des Schaffens dieses einzigartigen Künstlers.


Übrigens – das Buch verkauft sich ausgezeichnet, nach nicht einmal drei Monaten sind schon gut 700 Stück über den Ladentisch gegangen bzw. versendet worden. Interessierte wenden sich bitte einfach an den Internet-Shop der Wagnerschen Buchhandlung – www.wagnersche.at.

Viel Spaß beim Lesen!