24 Juni 2019

91. WoMo-Fahrt "Ilses Geburtstagsfahrt an den Kochelsee"

vom 19. Juni bis 23. Juni 2019 
von Innsbruck-Kesselberg-Innsbruck -  166 km






Mittwoch, 19. Juni 2019
Gestern Abend hat Gernot in der „Wagnerschen“ sein drittes Buch „Barfuß durch Innsbruck“ vorgestellt, es ist gut beim Publikum angekommen. Natürlich war auch Erich Landauer anwesend, dessen Aufwachsen im Innsbruck der 1930er bis 1950er Jahre in diesem Buch beschrieben wird. Und entgegen Erichs Ankündigung „Ich bleibe höchstens eine halbe Stunde lang“ war der 84-jährige schließlich einer der Allerletzten, die die Buchhandlung verlassen haben. Da sind Ilse und Gernot gemeinsam mit einigen engen Freunden bereits im Nachtrestaurant „Kaiserstube“ gesessen und habe die Präsentation von Gernots Buch bei gutem Essen und Trinken ausklingen lassen. Ein feiner Abend.

Trotz des eher späten Heimkommens waren wir am nächsten Morgen fit wie die Turnschuhe. Kein Wunder - das Top-Ereignis der Woche, des Monats, ja des Jahres steht bevor - Ilses 60. Geburtstag. Den werden wir - welchen Camper würde das wundern - am Campingplatz Kesselberg am Kochelsee feiern. Das ist ja schließlich unsere Home-Base, auf der wir schon weit über dreißigmal gecampt haben.

Elle und ihre Freundin Gabi haben bei uns übernachtet und wir beginnen den Tag mit einem ausgedehnten Kaffee-Frühstück. Wir haben es überhaupt nicht eilig, es spielt keine Rolle, wann genau wir am Kochelsee ankommen. Also fahren Elle und Gabi am Vormittag mit Ilse ins nahegelegene Einkaufszentrum, sie brauchen noch ein paar Sachen. Ilse fährt derweil nach Natters und holt unsere liebe Freundin Berni ab, sie wird auch mit uns ins Bayrische hinausfahren. Schließlich werden dann auch Elle und Gabi vom Einkaufszentrum „aufgeklaubt“ und zuletzt wird Gernot daheim aufgeladen. Gemeinsam fahren wir dann zur WoMo-Garage rüber und laden dort alles Gepäck in unsere brave Schnecke. Dann werden unsere drei Mitfahrerinnen strategisch im WoMo verteilt und ab geht’s an den Kochelsee.
Der Wetterbericht verspricht für die kommenden paar Tage leider wenig Gutes. Die Regenwahrscheinlichkeit beträgt bis Sonntag zwischen 80 und 90 Prozent, die gern panikmachenden deutschen Boulevardmedien warnen vor schweren Gewittern und Starkregen. Na servas - aber wir werden sehen. Noch ist das Wetter gut, es scheint die Sonne und wie wir bei Luis und Gitti angekommen sind, hat es sicher an die 28 Grad gehabt. Wir sind gleich zu unserem reservierten Refugium runtergefahren und haben uns eingerichtet. Vorerst gibt es ein Mini-Problemchen - Luis hat einen unserer reservierten Plätze weitergegeben. Das Wohnwagengespann hat den Platz für 13 Tage gebucht, Luis hat aber „3 Tage“ verstanden. Das hat ihn dann später immerhin den schönen Satz „Weißt, schlecht hören tu ich gut“ sagen lassen. Für uns ist das relativ wurscht, wir werden nicht einmal enger zusammenrücken müssen, weil uns der jetzt verstellte Platz ohnehin nur als eine Art Reserve gedient hat. Ja, ja - die kluge Ilse hat wieder einmal perfekt vorgedacht und so werden wir uns nicht gegenseitig auf die Zehen steigen müssen.

Wir bringen diesmal gleich beide unserer Sonnenschutz-Planen zum Einsatz, die uns aber wohl mehr als Regenschutz-Planen dienen werden. Elle, Berni und Gabi beziehen ihren großen Wohnwagen und richten sich für die kommenden Tage häuslich ein. Von den anderen beiden angemieteten Wohnwägen haben wir uns auch schon die Schlüssel geholt und können so die Vorzelte, Fenster und Dachluken öffnen, um für frische Luft im Inneren zu sorgen. Das war es dann aber schon mit „arbeiten“ und wir sind alle gemeinsam zu Tisch geschritten. Elle, Gabi und Berni sind heute zum ersten Mal am Kesselberg und kriegen bei Cordon Bleu, Reiberdatschi und Schweinsbratwürsteln mit Weinsauerkraut gleich einen guten Eindruck von der Küche. Gesättigt schlurfen wir dann an unseren Platz zurück, strecken die Beine weit von uns und gleiten gemütlich in den so begehrten Urlaubs-Modus.
Später wechselt dann Gabi vom Wohnwagen in eines der neuen Wohn-Fässchen am Platz. Gabi ist mit einer so genannten Mickey-Mouse-Blase „gesegnet“, muss in der Nacht vier, fünf Mal ausrücken und da ist ihr der Weg ins Sanitärhaus einfach zu weit. No Problem natürlich, untertags sitzt sie ja sowieso mit uns zusammen.
Den Nachmitttag verbringen wir mit viel Quatschen und Lachen, Ilse und Gernot liefern sich zwischendurch einen lässigen Pasch. Wir sind also bestens in Ilses Geburtstags-Fahrt gestartet, wir freuen uns auf die folgenden Tage und noch mehr auf alle Gäste, die noch kommen werden.
Abends haben wir uns dann erneut ins Campingplatz-Restaurant verfügt und mit Schweinsbraten, Schnitzel und Co. haben wir der Speisekarte wieder einige Schmankerln abverlangt. Herrlich! Es ist so schön und warm, dass wir draußen essen können, das prognostizierte Schlechtwetter hat sich noch nicht eingestellt. Gut so. Aber es wird wohl wirklich ordentlich „tuschen und krachen“ in den nächsten Tagen, so gut können wir die Wetterkarten und Satelliten-Aufnahmen selber interpretieren …
Bis zum Einbruch der Dunkelheit sind wir gemütlich zusammengesessen, haben viel gelacht und ein bisschen was getrunken. Dann ist die Temperatur relativ rasch unter 18 Grad gesunken und wir haben uns alle ins Innere unserer jeweiligen Häuschen begeben. Natürlich haben wir uns noch einen Gute-Nacht-Pasch geliefert, wie könnte es auch anders sein. Fein haben wir es …

Donnerstag, 20. Juni 2019
In der Früh ist es noch ziemlich frisch, der Himmel zeigt sich bewölkt, es regnet aber nicht. Heute in der Nacht haben wir Besuch vom Fuchs bekommen, Meister Reineke hat einen unserer Abfallsäcke zerrissen und durchsucht. Gefunden hat er nur leeres Wurst-Einpackpapier, der Geruch wird ihn angelockt haben. Kein Problem - schnell ein „Beweisfoto“ gemacht und keine Minute später war der herumliegende Müll zusammengeräumt.
Nach dem Frühstück bekommen wir die Nachricht, dass Miriam leider nicht kommen kann. Ihr Töchterchen ist krank geworden und zwar so sehr, dass die Arme sogar in die Klinik zur Untersuchung gefahren werden musste. Das wiederum hat Oma Evi ebenfalls absagen lassen, denn wer ein krankes Kind daheim hat, dem ist nicht nach Geburtstag feiern. Wirklich schade, denn die Kinder haben sich seit Tagen sehr auf das Zelteln und den Kochelsee gefreut … Zum Glück hat uns dann bald einmal die Nachricht erreicht, dass es der Kleinen schon wieder besser geht und wir uns keine Sorgen machen müssen. Gute Besserung, das nächste Mal dann halt wieder.

Am späten Vormittag ist dann Stefan mit seinen beiden Buben eingetroffen und keine eineinhalb (!!) Stunden später war alles an Lebensmitteln, Bekleidung, Schwimmutensilien (inklusive großem Schlauchboot) und Spielzeug im Wohnwagen eingeräumt. Die Buben haben Spritzpistolen mit - jetzt brauchen wir keine Angst mehr zu haben, dass das Wasser von oben kommt, denn jetzt kommt es aus allen Richtungen geschossen … Wir basteln den Kindern schnell ein Regelwerk, so darf zum Beispiel auf jeden Erwachsenen pro Tag nur drei Mal geschossen werden. Von vorne - von hinten zählt nicht. Stefan hat diese Regeln dann sträflich unterlaufen, indem er seinen Kindern folgendes, lukrative Angebot machte: „Wer den Gernot drei Mal in den Nabel trifft, der darf sich ein Eis aussuchen!“ Frechheit, aber die Kinder haben zumindest so viel Respekt vor Gernot, dass sie über diesen Joke nur lachen, Gernots Nabel bleibt den ganzen Tag über staubtrocken.

Nach dem Mittagessen verbringen wir einen sehr feinen Nachmittag, gehen mit den Kids immer wieder einmal zum See runter und genießen das feine Wetter. Stefan hat mittlerweile das ziemlich große Boot aufgeblasen. Tatsächlich mit dem Mund (!!), denn die brustschwache Pumpe vermochte nicht den Widerstand des Sicherheitsventils zu überwinden. Jedenfalls macht jeder Vorbeikommende ganz große Augen, denn wer traut sich schon zu, ein so großes Schlauchboot mit der eigenen Atemluft zu füllen? Das Boot ist schließlich halbwegs seetauglich und die Buben jauchzen vor Vergnügen, als Papa Steve das Boot über den Kochelsee rudert.

Später beginnt es etwas zu tröpfeln, also ziehen wir - Stefan, Ilse und Gernot - uns ins Vorzelt von Stefans Wohnwagen zurück und fangen einen 3er-Pasch an. Den kriegen wir aber nicht fertig, einerseits fordern die Kids immer wieder Stefans Aufmerksamkeit, andererseits lockt uns das Abendessen. Also pilgern wir, zusammen mit Elle, Bernie und Gabi ins Restaurant hinauf und schmausen uns quer durch die Speisekarte. Herrlich.
Den Abend verbringen wir dann vor unserem Häuschen, sitzen mit einem Drink in der Hand da und quatschen und lachen. So schön! Dann meldet sich der leichte Regen zurück und jeder verzieht sich in seine Behausung. Wir machen zuerst noch einen feschen Pasch, dann feiern wir Ilses Vorab-Geburtstag. So hat das Ilses Mama auch gerne gemacht, also halten wir an dieser Tradition fest und Gernot holt die Geschenke für Ilse hervor. Man beachte die Mehrzahl! Wir werden jetzt der Versuchung widerstehen, jedes Geschenk einzeln anzuführen, aber so viel sei gesagt: Ilse hat sich wirklich sehr gefreut darüber. Und Gernot konnte sich erleichtert zurücklehnen, denn eines der „Hauptgeschenke“ war nicht ohne Risiko. Vielleicht später mehr dazu.

So haben wir noch einen feinen Spätabend verbracht und es wird wohl schon nach Mitternacht gewesen sein, als wir das letzte Licht im WoMo - und heute zusätzlich unser hübsches, buntes Lampion-Kettchen - ausschalteten.

Freitag, 21. Juni 2019
Es ist soweit - die beste Ilse von allen wird heute sechzig Jahre jung. Wie hat Gernot gemeint? „60 ist das neue zweimal 30!“ Genauso ist es. Wir gehen Ilses Feiertag vollkommen entspannt an und frühstücken erstmal ausgiebig im Restaurant. Das Wetter schaut übrigens gut aus, es sind mehr blaue Flecken als Wolken zu sehen, das wird ein schöner Tag werden. Auch wenn heute die Regenwahrscheinlichkeit 90 Prozent beträgt und teils heftige Gewitter angesagt sind - vorerst genießen wir den Sonnenschein. 
Am Vormittag ist dann Markus mit seiner Barbara und den beiden Buben auf den Platz gekommen. Auch sie hatten derart viel Zeug mit, dass im großen Kombi der Familie noch maximal ein zierliches Handtäschchen Platz gefunden hätte. Aber man darf nicht vergessen, allein der Kleidungsbedarf für die zwei Buben entspricht, bei mehreren Tagen Aufenthalt, mindestens dem Inhalt von dreieinhalb mittelgroßen Reisetaschen … Doch schließlich war auch dieser Wohnwagen für die kommenden Tage hergerichtet, die Kinder sind dann mal gleich in ihre Neoprenanzüge geschlüpft und zum See runter gelaufen. 16 Grad Wassertemperatur hin oder her.

Dann ist Ilses Schwester Sigrid angekommen, das war um die Mittagszeit. Im Kofferraum führte sie nicht nur eine fantastische, riesige Geburtstagstorte mit, sondern auch einen großen Korb voller Geschenke! Tatsächlich genau 60 (!!) Stück, ein Geschenk pro Lebensjahr. Unglaublich. Das Auspacken der Pakete hat gut eineinhalb Stunden lang gedauert, Ilse „musste“ die durchnummerierten Packerln der Reihe nach öffnen und das Zusammensuchen dauerte. Sehr lässig. Auch hier wollen wir die einzelnen Geschenke nicht aufzählen, nur so viel: Sigrid und ihr Mann Erich waren wieder einmal unglaublich großzügig, ein herzliches Dankeschön! Fast schon lustig war, dass Barbara mit ihrem Geschenk für Ilse über eine Stunde lang in der „Warteschleife“ dagesessen ist, weil das Auspacken von Sigrids Geschenken so lange gedauert hat. Übrigens, auch Barbara hat mit ihrem Geburtstagsgeschenk einen Volltreffer gelandet, Ilse hat sich wirklich sehr gefreut darüber. Wie auch über das Geschenk von Bernie. Überhaupt kann sich Ilse nicht erinnern, dass sie jemals in ihrem Leben so reich beschenkt worden ist. Das tut ihr sehr, sehr gut und dabei geht es gar nicht um das Materielle. Am meisten hat sie sich ohnehin schon darüber gefreut, dass unsere Gäste zur Feier an den Kesselberg gekommen sind.

Nach der „Auspack-Orgie“ mussten wir erstmal ein wenig ruhen, ein Mittagessen verkneifen wir uns übrigens, weil ja am Abend Hendl und Haxe auf dem Programm stehen. Da muss man ein wenig „vorhungern“ … Wobei wir dieses „vorhungern“ mit der köstlichen Torte und viel gutem Kaffee deutlich entschärft haben …

Die „Drei-Mäderl-Haus“-Bewohnerinnen Elle, Berni und Gabi sind kurz nach Mittag zu ihrer Schiffsrundfahrt über den Kochelsee aufgebrochen. Sie haben vor das Franz-Marc-Museum zu besuchen und wollen auch in Kochel selber ein bisschen spazieren gehen. Mit der Tageskarte kann man ja immer wieder aus- bzw. einsteigen. Wir fahren nicht mit, die Tour haben wir schon mindestens dreimal gemacht. Das reicht vorerst. Also, Schiff ahoi!

Am Nachmittag sind dann unsere Lieblings-Camper-Freunde Ingrid und Hans eingetroffen, sie sind von zu Hause aus knappe 800 Kilometer weit zu uns gefahren. Wir freuen uns wirklich, dass sie gekommen sind und bei der Geschenkübergabe freuen wir uns noch mehr. Ingrid hat nicht nur ein sehr nettes Gedicht gereimt, sondern auch etwas ganz Besonderes, ja etwas vollkommen Einzigartiges angefertigt: Eine gehäkelte Vespa! Natürlich in rot und noch dazu dreidimensional! Mit ausklappbaren Rückspiegeln und funktionierendem Seitenständer. Unfassbar, so etwas haben wir natürlich noch nie gesehen, eh klar, es ist ja wie gesagt einzigartig. Was muss das für eine Arbeit gewesen sein! Herzlichen Dank liebe Ingrid!

Den Nachmittag verbringen wir mit Ingrid und Hans vor unserem WoMo, wir trinken kaltes Bier oder Softdrinks, immer wieder einmal setzt sich wer von unseren anderen Gästen zu uns. Die Kinder sind natürlich die meiste Zeit im Wasser oder liefern sich heiße Duelle mit den Spritzpistolen. Gernot ist übrigens längst nicht mehr wehrloses Opfer diverser heimtückischer Angriffe, denn er hat herausgefunden, dass sich unsere Sprühflasche perfekt zur Verteidigung eignet. Das unscheinbare Plastikkännchen spritzt mindestens doppelt so weit wie die Pistolen der Kinder, so sind sie sehr leicht auf Abstand zu halten. Aber die Buben sind eh brav, mehr als zwanzig Treffer hat keiner von uns Erwachsenen abgekriegt …

Unter sehr viel Lachen, Blödeln und Schmäh-führen ist es dann Zeit fürs Abendessen geworden und wir sind in gesammelter Mannschaftsstärke im Restaurant eingerückt. Einige von uns hatten Hendl oder Haxe vorbestellt, die anderen bedienten sich aus der Speisekarte. Wieder hat es allen ausgezeichnet geschmeckt, die Sachen vom Grill sind ja sowieso unvergleichlich gut. Bemerkenswert war die Bestellung des zweitjüngsten Buben in der Runde, der Fünfjährige bestellte sich den Saibling. Die Anmerkung, dass es sich dabei um einen ziemlich großen Fisch, also um eine Erwachsenenportion handeln würde, kommentierte er alternativlos mit: „Das macht nix, i hab eh einen Hunger!“ Unschwer zu erraten, dass er den Fisch samt Beilagen bis zum allerletzten Krümel verputzt hat …
So sind wir noch lange zusammengesessen, während sich draußen langsam aber sicher ein fesches Gewitter zusammenbraute. Schließlich sind wir gerade noch trockenen Fußes in unsere Behausungen zurückmarschiert. Den Buben hat das drohende Unwetter natürlich nicht die Laune am Bootfahren verderben können und Stefan ist gleich mit allen vier Rackern in See gestochen. Aber nicht sehr lange, denn beim ersten Blitz - auch wenn er noch weit entfernt war - war die Bootsfahrt beendet. Kurz danach ist es dann so richtig losgegangen und eine gute Stunde lang hat es sehr heftig geblitzt und gedonnert. Besonders aufregend - ein Blitz hat in unmittelbarer Nähe eingeschlagen, der Knall war echt gigantisch, so was hört man nicht alle Tage. Aber es ist nix passiert, Luis meinte später, der Blitz sei in den See eingefahren.

Etwas später ist dann das heftige Gewitter in Starkregen übergegangen und das hat uns ein lustiges Schauspiel beschert: Inzwischen waren alle vier Kinder, sowie Markus und Steve bei uns im WoMo versammelt und wir konnten beobachtet, wie der heftige Regen unseren beiden Planen mächtig zusetzte. Etwa alle zwei Minuten war unsere rote Plane derart mit Wasser gefüllt, dass sie die Last nicht mehr tragen konnte und sich in einem großen Schwall erleichterte. Immer an der exakt gleichen Stelle. Diesen Wasserschwall haben wir schon ein paar Sekunden vorher kommen gesehen und ihn wie am Fußballplatz angefeuert. Sehr lustig, wir haben sogar ein Video davon gemacht. Jedenfalls haben wir mindestens zehn Mal über das lustige Schauspiel gejubelt, in den anderen Wohnwägen wird man sich darüber wohl ein wenig gewundert haben …

Später haben sich dann alle in ihre Schlafwägen zurückgezogen und wir haben Ilses 60. Geburtstag natürlich mit einem Pasch ausklingen lassen. Was für ein lässiger Tag!

Samstag, 22. Juni 2019
Der Regen hat sich verzogen, das könnte wieder ein schöner Tag werden. Am Morgen liegt eine nahezu mystisch anmutende Nebeldecke über dem Kochelsee, ganz geschlossen, aber einige Zentimeter oberhalb des Wassers. Auch über dem Bach wabert der Nebel, sehr lässig und eine Belohnung für die Frühaufsteher.
Nach dem Frühstück geben wir uns wieder unseren Lieblingsbeschäftigungen hin, Plaudern, Lachen und gemeinsam eine gute Zeit haben. Natürlich sind die Kinder wieder die meiste Zeit am See - übrigens mit einem mittlerweile wirklich prall aufgefüllten Boot. Denn, wie Ilse schon vorgestern richtig vermutete, hat der Luis einen Luftkompressor im Reservoir, einen richtig echten noch dazu. Also einmal kurz Luft erzeugt und zack - das grellgelbe Schlauchboot stand kurz vor dem Abheben. Tja lieber Stefan, das nächste Mal lieber gleich auf Ilse hören. Obwohl, dass er das Boot allein mit dem Mund aufgeblasen hat, verdient schon Respekt!

Übrigens hat sich beim Frühstück eine wirklich lustige Szene abgespielt: Die liebe Elle hat schon seit einigen Tagen Probleme mit ihrer Kredit- und EC-Karte. Obwohl sie vor der Reise eine größere Transaktion veranlasst hat, schließlich fährt auch ihr Mann bald einmal auf einen langen Heimaturlaub, da braucht man Bares am Konto. Nun dürfte das geklappt haben, denn beim Frühstück checkte Elle ihr Konto - es war wieder Geld verfügbar. „Aber warum so wenig? Das gibt’s doch nicht!“ ärgerte sich Elle über den niedrigen Betrag. Bis sie von Gabi aufgeklärt wurde, dass sie sich gleich um mehrere Kommastellen verschaut hatte und der Betrag in Wirklichkeit 1.000 (!!) mal so hoch war. Wir sind immer wieder sehr erfreut, dass es unseren Freunden finanziell gut geht 😊 Typisch Elle war dann auch ihr Geburtstagsgeschenk für Ilse. Ein Gutschein für ein „Geschenk nach Wahl“. Mitsamt dem augenzwinkernden Hinweis: „Du kennst ja jetzt meinen Kontostand!“ Danke liebe Elle, Ilse hat da schon eine Idee …

A propos Geschenke - auch wenn wir bei Weitem nicht alle aufgezählt haben bzw. aufzählen wollten, eines möchten wir schon noch erwähnen. Auch weil es sich irgendwann in diesem Blog wiederfinden wird: Luis und Gitti haben uns für einen Aufenthalt auf ihrem Campingplatz eingeladen, inklusive Allem plus die volle Rundum-Verpflegung. Und die beiden wissen natürlich, dass wir sowohl jedes Mal bei ihnen frühstücken, als auch Mittag- und Abendessen. Danke liebe Perkmanns, dieses Geschenk werden wir ganz besonders gerne einlösen.

Gegen Mittag ist dann unser Freund Michael gekommen. Heute noch mit dem PKW, aber bald einmal wird er mit dem eigenen Wohnmobil unterwegs sein. Der Much, wie er von allen genannt wird, hat sich nämlich einen nigelnagelneuen Camping-Bus angeschafft - ein Traumgefährt. Die Auslieferung des vor Monaten bestellten WoMos verzögert sich noch ein wenig, aber ab Ende Juli wird Much damit unterwegs sein. Für heute haben wir ihm ein Wohn-Fässchen reserviert und schnell hat er sich dort eingerichtet. Dann geht’s eh schon zum Mittagessen.
Wir können im Freien im Schatten essen, es ist angenehm warm und noch regnet es nicht. Mal schauen. Wieder futtern wir uns die Speisekarte rauf und runter, Gernot kriegt zu seiner Freude die allerletzte Portion „Tafelspitz in der Meerrettichsauce“. Fantastisch!
Berni, Gabi und Elle brechen dann ins nahe gelegene Erlebnisbad „Trimini“ auf - wir bleiben lieber gemütlich in unseren Campingstühlen sitzen. Hans und Ingrid werden übrigens morgen nicht gleich wieder heimfahren, sie haben einen Radwander-Urlaub in Österreich geplant. Und zwar den Wachauer Donauradweg entlang - eine wirklich wunderschöne Gegend, da waren wir auch schon. Sie haben vor, wenig über Autobahnen und viel mehr über Bundesstraßen nach Niederösterreich zu gondeln. Sie sind beide schon in Pension und haben es nicht mehr eilig. Für Ilse dauert das Berufsleben auch keine zwei Wochen mehr, ab 5. Juli um spätestens 10 Uhr ist „Nie-mehr-Schule angesagt“. Was für geile Aussichten!
Bis zum Abendessen sitzen wir gemütlich zusammen, trinken Bier, Wein oder Limonaden und genießen den durchaus schönen Tag. Zwar tröpfelt es immer wieder einmal kurz, aber das stört uns nicht.
Nachdem Berni und Gabi von ihrem Erlebnisbad-Besuch zurückgekommen sind, haben wir uns das letzte Mal für diesmal ins Restaurant zum Abendessen aufgemacht. Der Kleine verzichtete heute übrigens auf den Saibling, obwohl er seine Bestellung bereits vor angekündigt hatte. Aber dann siegte doch die Neugier und so hat er sich heute das Zanderfilet kommen und schmecken lassen. Auch allen anderen hat das Essen erwartungsgemäß wieder gemundet und sehr satt sind wir zu unserem Platz zurückgekehrt. Dort haben die Eltern dann ihre Kinder zu Bett gebracht, kein großes Thema, die Kids sind vom Tagesprogramm eh hundemüde und fallen wie von selber in die Heia. Viel „gefährlicher“ ist, dass die Erwachsenen gleich mit wegpennen, Steve ist es bis jetzt jedes Mal so ergangen. „Heute müsst ihr mich unbedingt aufwecken, denn ich will noch ein bisserl mit euch zusammensitzen“, schärfte er uns eindringlich ein. Und als es dann gegen 21 Uhr 30 verdächtig leise geworden ist in Steves Wohnwagen, ist die tapfere Ilse zur Tat geschritten. Leicht war es nicht, den tief schlummernden Stefan aus den Umarmungen seiner beiden Buben zu befreien, aber schließlich kriegte sie den braven Daddy wach. Er war ihr sehr dankbar dafür.

Stefan, Much und Markus haben sich dann zu uns ins WoMo gesetzt und gemeinsam mit Gernot wurde „Ladinisch gewattet“, ein ganz besonderes Kartenspiel. Tja, was sollen wir über den Abend noch viele Worte verlieren - wir haben Unmengen an Bier getrunken (mehr als 30 !!) und letztendlich bis nach 4 Uhr früh durchgespielt. Ilse hat derweil geschlafen, ist natürlich immer wieder durch uns wach geworden, hat sich aber nicht gestört gefühlt. Lustig war, dass wir immer gruppenweise auf die Toilette gegangen sind. Das Sanitärhaus liegt ja ein paar Gehminuten weit entfernt und wenn wir da einzeln gehen, dann kommen wir überhaupt nicht mehr zum Spielen. Und so sind wir noch um 3 in der Früh flüsternd und möglichst leise kichernd zu viert über den Platz geschlichen …

Sonntag, 23. Juni 2019
Eigentlich wäre es normal gewesen, dass Gernot nach den vielen Bieren und der kurzen Nacht mit einem Brummschädel aufwachen wird. Aber nix da - als er sich um 8 Uhr 30 aus der Decke wickelte, war er erstaunlich fit. Passt. Auch Markus und Stefan waren schon auf den Beinen, eh logisch, den Kindern ist es völlig wurscht, ob der Papa gestern ein wenig zu tief ins Glas bzw. in die Bierdose geschaut hat. Dann ist Gabi ans WoMo-Fenster gekommen und hat Ilse ein verspätetes Geburtstagsgeschenk gebracht. Einen schönen Blumenstrauß mit wildem Jasmin und hübschen Gräsern. Und im Gebinde befindet sich noch die nette Figur eines Schutzengelchens. Das wird uns in Zukunft auf unseren WoMo-Fahrten begleiten, denn nützt es nichts, dann schadet es zumindest nicht …
Das Frühstück im Restaurant weckte dann auch die letzten müden Lebensgeister und gleich danach spulten wir unser Aufbruch-Programm ab.
Hans und Ingrid waren viel schneller fertig als wir und mit herzlichen Umarmungen verabschiedeten wir uns voneinander. Machts es gut am Donauradweg, wir werden uns bald einmal wieder über den Weg laufen bzw. fahren. Dann hat sich auch Michael nach Hause aufgemacht - er wird übrigens unser neuer Nachbar in unser Wohnmobilgarage werden. Es hat sich ergeben, dass ein Platz frei wird und wir haben für Much sofort zugeschlagen. Sehr lässig, denn mit unserem bisherigen Nachbarn hatten wir nicht gerade das große Los gezogen, weil er die Garage auch als Werkstatt (!!) benutzt hat. Aber das ist Schnee von gestern, jetzt steht der Much neben uns und der hat an seinem neuen WoMo natürlich nix zu bohren, zu flexen oder gar mit Sprühkleber (Igitt!!) zu arbeiten.

Wir werden natürlich wieder Elle, Berni und Gabi mit nach Innsbruck nehmen, das Packen ihrer Siebensachen bewerkstelligen die drei in erstaunlicher Geschwindigkeit. Da geht sich ja gerade noch ein Cappuccino aus, dann werden alle Gepäckstücke ins WoMo geladen und wir sind abfahrtbereit. Und nach der herzlichen Verabschiedung von Markus, Barbara, Stefan und den vier Buben machen wir uns in Richtung Innsbruck auf. 
Unterwegs buchen Gabi und Elle via Handy ihre Zugtickets nach Wien, 1. Klasse, man gönnt sich ja sonst so wenig. Es könnte mit der Abfahrtszeit ein bisschen knapp werden, aber der Verkehr hält uns nirgendwo auf und auf der Autobahn fahren wir halt ausnahmsweise einmal mit 100 km/h. Und so geht es sich wunderbar aus, wir sind letztlich sogar um 20 Minuten zu früh am Bahnhof eingetroffen. Besser als umgekehrt. Wir verabschieden uns von Gabi und Elle, bei Elle müssen wir nicht lange auf ein Wiedersehen warten, spätestens im September fahren wir sowieso nach Wien, wegen unserer Indien-Visa. 
Als letztes bringen wir dann unsere Freundin Berni nach Natters, anschließend fahren wir unseren treuen Nasenbären in seine Garage. Dort räumen wir unser Wohnmobil aus, tauschen die Fahrzeuge und damit geht eine durch und durch lässige WoMo-Reise zu Ende. Mission „Ilses Geburtstagsfest“ erfüllt, wir werden diese Tage und die Großzügigkeit unserer Freunde und Lieben nie vergessen.

Kommendes Wochenende werden wir nicht mit dem WoMo wegfahren, denn wir werden uns ein hochkarätig besetztes Reiter-Turnier am „Schindlhof“ in Gnadenwald anschauen. Ilse liebt Pferde und vor allem den Dressurreit-Sport seit ihrer frühesten Jugend. Die Tickets für die Veranstaltung waren eines der Geburtstagsgeschenke von Gernot und noch dazu darf Ilse in den nächsten Wochen einmal austesten, was sie reit-technisch noch so draufhat. Und das unter der Anleitung von Frau Evelyn Haim-Swarovski persönlich - sie ist nicht nur Veranstalterin des Turniers und Besitzerin des riesigen „Schindlhofs“, sondern auch eine der besten Dressur-Reiterinnen Österreichs. Trotz ihrer 65 Jahre. Jedenfalls freut sich Ilse schon sehr auf diesen Tag und damit hat auch Gernots „Hochrisiko-Geschenk“ wunderbar gepasst …





16 Juni 2019

90. WoMo-Fahrt "Mit Elle am Reintalersee, gutes Essen, guter Schmäh!"

vom 14. Juni bis 16. Juni 2019 
von Innsbruck-Kramsach/Reintalersee-Innsbruck - 104 km

Eigentlich war geplant, dass wir an diesem Wochenende nicht wegfahren. Obwohl das Wetter durchaus schön ist. Aber übernächste Woche feiern wir ja Ilses 60. Geburtstag am Kochelsee, das wird mit Sicherheit eine Mega-Party und insgesamt werden wir fünf ganze Tage lang am Kesselberg bleiben. Also wollten wir uns an diesem Wochenende ein wenig vor-erholen und Kraft sammeln. Doch dann hat Elle angerufen …
Elle ist eine ganz liebe Freundin von uns, sie wohnt in Wien und es war schon lange ausgemacht, dass sie am 18. Juni zu Gernots Buchpräsentation anreisen wird. Sie war schon bei den Präsentationen von den ersten beiden Büchern aus Wien gekommen und wie Elle meinte, solle man Traditionen nicht unnötig brechen. Elle meinte also am Mittwoch, sie würde gerne schon ein paar Tage vorher in Tirol antanzen. Gemeinsam mit einer Freundin würde sie gerne auf einem Campingplatz ein bisserl Urlaub machen, man möge ihr doch bitte Tipps geben, Danke. Also hat sich Gernot kurz hinters Handy geklemmt und ein paar Minuten später war für Elle und Gabi ein „Wohnfässchen“ gemietet, auf einem Campingplatz am Reintalersee bei Kramsach in Tirol. Knappe 50 Kilometer von Innsbruck entfernt. Und - tja, das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen, die Chance auf zusätzliche Tage mit unserer Freundin Elle mussten wir ausnutzen. Also haben wir uns beim „Camping Seeblick Toni“ fürs Wochenende angemeldet.
Am Donnerstag hat Gernot ein paar Getränke gekauft und mit der Vespa zum WoMo gefahren. Dazu noch ein paar Kleidungsstücke - fertig. Unser Roller bleibt daheim, wir werden keine Zeit zum Ausfahren haben. Darum nehmen wir uns auch nicht einmal unsere Notebooks mit, denn das kommende Wochenende wird in erster Linie aus Quatschen, Lachen, Schmäh-führen und Bier trinken bestehen … Den Pasch packen wir aber schon ein, vielleicht geht sich ja doch einmal eine Partie aus. Lebensmittel bleiben übrigens auch daheim, es gibt ein Restaurant am Platz.

Am Freitag hatte Ilse noch an der Schule in Zirl ihre Pflicht zu erfüllen - um 13 Uhr 15 hat sie sich dann auf den Weg nach Innsbruck gemacht. Ausgerechnet zu der Zeit ist auf der Inntalautobahn in Richtung Kufstein der Verkehr zum Erliegen gekommen. Schuld war ein einzelner (!) liegengebliebener LKW. Wahnsinn - eine Panne und nix geht mehr. Für uns war das insofern blöd, als dass wir Elle und Gabi um 15 Uhr beim Bahnhof in Brixlegg abholen sollten. Und alleine für die vielleicht 15 Kilometer von Hall bis Terfens wurde eine Zeitverzögerung von 45 Minuten gemeldet. Na bestens!
Nützt aber nix, also sind wir zur WoMo Garage gefahren, haben die Nummerntafeln gewechselt und sind - vollkommen entgegen unser sonstigen Gewohnheit - auf eine komplett verstaute Autobahn aufgefahren. Da war es knapp nach 14 Uhr. Das wird sich bis 15 Uhr nicht ausgehen, na ja, am Bahnhof in Brixlegg wird es wohl ein Cafe oder so geben, wo Elle und Gabi auf uns warten können. Notfalls könnten sie sich natürlich auch mit dem Taxi zum Campingplatz begeben, sind ja nur wenige Kilometer bis dorthin. Aber das sollte nicht notwendig sein. Denn glücklicherweise konnte der kaputte LKW von der Fahrbahn entfernt werden und nach der Brücken-Baustelle bei Terfens sind wir ungehindert vorangekommen. Das hätten wir echt nicht erwartet. Und fast auf die Sekunde (!) genau um 15 Uhr sind wir dann am Brixlegger Bahnhof angekommen. Punktlandung! Elle und Gabi waren schon da, schnell die Rucksäcke der beiden im WoMo verstaut und schon waren wir am Weg nach Kramsach rüber. 

Natürlich kennen sowohl Ilse als auch Gernot die Reintaler Seen, wie man den Krumsee, den Reintalersee, den Berglsteinersee und Frauensee nennt. Allerdings aus der Kindheit, wir waren beide seit Jahrzehnten nicht mehr in dieser Gegend. Den Campingplatz finden wir dank Google-Maps bzw. dank Ilse auf Anhieb. Wir werden auf unseren Stellplatz begleitet und weil das „Wohn-Fässchen“ von Elle und Gabi noch nicht bezugsfertig ist, setzen wir uns vor unserem WoMo zusammen. Es ist ziemlich heiß, unser Platz bietet exakt null Schatten, also spannen wir unser rotes Sonnensegel auf. Das bietet uns genug Schatten, wir bleiben gleich bis zum Abendessen darunter sitzen und haben eine feine Zeit. Wir trinken ein paar Bier, das heißt, Gernot und Elle trinken Bier. Ilse wartet mit dem Alkohol lieber bis zum Essen und Gabi hat, wie es so schön heißt, ihr Fass Alkohol schon vor Jahren ausgetrunken und trinkt nur noch ganz, ganz selten etwas. Das tut der guten Stimmung natürlich keinen Abbruch, man muss ja schließlich nicht saufen, um lustig zu sein. 
Auch Elle und Gernot nicht. Übrigens ist Gernot heute der Benjamin in der Runde - Gabi geht kommendes Jahr in Pension, Ilse ist nur mehr ein paar Tage lang 59 und Elle feiert überhaupt bald einmal ihren 70er. Darauf würde übrigens kein Mensch kommen, aber das nur nebenbei.
Wir begeben uns dann zu Tisch, das Campingplatz-Restaurant ist ziemlich groß, die Terrasse(n) sogar riesig. Trotzdem findet sich im Freien kein Plätzchen mehr für uns - wurscht - wir sitzen eh den ganzen Tag unter der Sonne. Wir staunen über die umfangreiche Karte und schlagen voll zu. Die Bestellung ist von leichten bis mittelschweren Kommunikationsproblemen begleitet, denn natürlich gibt es kein einheimisches Personal mehr. Aber schließlich ist alles in den Bestell-Computer eingetippt und keine 20 Minuten später kommt das Essen auf den Tisch. Es hat alles wunderbar geschmeckt und die einzelnen Gerichte sind auch außergewöhnlich schön angerichtet. Die Nachspeise von Gabi hätte überhaupt aus einer 3-Hauben-Küche stammen können, so professionell war der Teller designt. Natürlich ist auch das Preisniveau dementsprechend - pro Person haben wie 26 Euro abgelegt. Aber das Preis-Leistungs-Verhältnis war trotzdem voll in Ordnung. Ärgerlich war dann, dass wir gut 20 Minuten lang auf die Rechnung warten und vier Mal darum bitten mussten. Das ist halt der Nachteil von Amateuren und Ungelernten im Service. Es ist diesen Laien unter dem Bedienpersonal schlicht und einfach wurscht, ob sie ihren Gästen durch diese Arroganz das gute Essen vermiesen. Eigentlich sollte man spätestens nach der dritten erfolglosen „Bitte“ um die Rechnung einfach aufstehen und spätestens nach einer Viertelstunde gehen. Wer weiß, vielleicht tun wir das irgendwann sogar einmal … Jedenfalls gehen wir morgen nicht mehr hierher, auch wenn das Essen sehr in Ordnung war. Aber unfähiges Personal kann uns gestohlen bleiben. A Propos - zum Personal des „Camping Seeblick Toni“ noch ein Wort. Bei der Anmeldung hat es beim Ausdruck ein kleines Problem gegeben, eine der Berechtigungskarten wollte nicht aus dem Drucker kommen. Ilse und Elle konnten den Grund für das Problem ausmachen und machten die Angestellte freundlicherweise darauf aufmerksam. Und wie reagierte die vielleicht 50-jährige? „Wenn Sie mir nicht dauernd dreinreden, dann werde ich schneller fertig!“ Ist das zu fassen? Dieser Ton einem Gast gegenüber? Wow - da hat sich einiges geändert im Selbstverständnis der Tiroler Touristiker. Für so einen Satz wärst du vor 30 Jahren mit einem „Auf Nimmerwiedersehen“ deinen Arbeitsplatz losgewesen. Doch hier am Reintalersee laufen die Uhren offenbar anders - hier wird den Gästen auf Ausdrucken sogar mit Strafen gedroht Geld-, Folter- oder gar Todesstrafe?), wenn sie die Platzkatzen füttern. Auch in einem Ton, der einen frösteln macht. Dafür ist man beim „Toni“ bei der Abrechnung sehr kreativ und erfindet Zusatzgebühren, die wir noch an keinem anderen Campingplatz Europas gesehen haben. Doch dazu etwas später mehr.
Nach dem Essen haben wir uns wieder vor unserem WoMo zusammengesetzt und Elle und Gernot waren sehr darauf bedacht, unseren Biervorrat weiter drastisch zu reduzieren. Herrlich! Wir haben uns wunderbar unterhalten und sehr viel gelacht. Um 22 Uhr 30 hat uns dann die immer frischer werdende Abendluft ins WoMo vertrieben und Elle und Gabi haben sich in ihr - übrigens sehr hübsches - Holzfass zurückgezogen.
Wir haben dann noch einen feschen Pasch gemacht und es war schon nach Mitternacht, als wir uns in die Waagrechte begeben haben. Schön ist es hier am Reintaler See, das kann uns auch das teilweise eigenartige Verhalten des Personals nicht verleiden.

Samstag, 15. Juni 2019
Um 8 Uhr 30 ist Gernot als erster wach und ein schneller Blick nach außen zeigt, dass wir uns heute nicht vor der prallen Sonne abschatten müssen. Es ist stark bewölkt, wurscht, es ist schon am Vormittag schön warm, das passt schon. Gernot schlurft zum Kiosk rüber und reiht sich in die lange Schlange derer ein, die ihre Brötchen kaufen. Immer wieder ist es erstaunlich zu beobachten, dass praktisch jeder Kunde erst dann nach seinem Geld sucht, wenn er den Rechnungsbetrag erfährt. Als hätte man das während der langen Wartezeit nicht schon herrichten können. So dauert der Bezahlvorgang noch einmal eine halbe Minute länger und bei gut 15 Wartenden summiert sich das dann natürlich dementsprechend. Lediglich zwei kleine Mädchen, vielleicht 6 Jahre alt, haben den 5er für ihre Semmeln bereits in der Hand gehabt, sehr brav ...
Ilse kocht uns derweil Kaffee und bald einmal kommen Elle und Gabi zu uns. Sie haben ein kleines Alu-Espresso-Kännchen mit, doch dafür brauchen sie einen Herd. Im Fass haben sie sowas nicht und der Gaskartuschen-Kocher ist leider in Wien geblieben. Wurscht, bei uns im WoMo ist es eh bequemer. 
Das Frühstück vor unserem WoMo dehnt sich dann bis knapp Mittag aus und nach einem kleinen Spaziergang zum Seeufer runter, legen wir uns zu einer kleinen Siesta nieder. Die dauert bis vielleicht 15 Uhr, aber dann ist das aufkommende Hungergefühl nur noch mit Nahrungsmittelaufnahme zu beruhigen. Also los. Das Campingplatz-Restaurant ist Tabu, verarschen können wir uns auch selber. Zum Glück gibt es am Platz auch noch eine Alternative - einen Verkaufswagen, der Hendln, Würstel und Pommes im Angebot hat. Dazu noch Bier vom Fass, na dann, nix wie hin … Wir geben uns die volle Kombi - Currywurst, Frankfurter, Hendl, Salat, Unmengen an Pommes, Bier, Softdrinks, das ganze Repertoire. Hat alles wunderbar gut geschmeckt und das Essen hat bei weitem nicht einmal die Hälfte von gestern Abend gekostet. Noch dazu war der „Würstel-Mann“ ausgesprochen nett, flink und höflich - der komplette Gegenpol also zum restlichen Personal am Platz.
Gesättigt haben wir uns dann wieder vor unser WoMo gesetzt und uns unseren Lieblingsbeschäftigungen - Quatschen und Lachen - hingegeben. Unglaublich, mit wie wenig körperlicher Aktivität man einen Tag verbringen kann. Heute haben wir höchstens den Aktionsradius von zehn Bierdeckeln gehabt - es war aber trotzdem herrlich. Nichtstun kann ja so entspannend sein. Für etwas Abwechslung hat dann noch ein mächtiger Totenkopf-Falter gesorgt. Das große Insekt dürfte ein technisches Gebrechen gehabt haben, denn der Falter konnte sich nicht mehr in die Luft erheben. Also ist er bei uns am Tisch sitzen geblieben, hat sich brav fotografieren lassen, später hat ihn Ilse auf einen nahegelegenen Baumstumpf übersiedelt. Wir sind dann auch übersiedelt - Ilse und Gernot ins Innere des Häuschens, Elle und Gabi in ihr Fässchen. Schlafen gegangen sind wir aber noch gar nicht, denn wir haben wieder einen Spät-Abend-Pasch auf den Teller geklopft. Es war deutlich nach 1 Uhr früh, als wir ins Bett gekommen sind.

Sonntag, 16. Juni 2019
In der Nacht ist ein derartiger Sturm aufgekommen, dass wir gegen 2 Uhr beschlossen haben, unser Sonnensegel abzumontieren. Sonst können wir morgen im Reintalersee danach suchen … Der Zeitpunkt der Demontage war übrigens auf die Sekunde genau der Richtige, denn kaum waren wir bei der WoMo Tür draußen, ist die Teleskopstange umgefallen, die unsere ganze Tuch-Konstruktion abgestützt hat. Und schon ist Gernot das Sonnensegel um die Ohren geflogen, das Ding hat sich nur sehr widerspenstig bändigen lassen. Doch schließlich war das rote Tuch in seinem Plastikbeutelchen verpackt und wir konnten beruhigt weiterschlafen.
In der Nacht hat es ein bisschen geregnet, es ist draußen noch alles nass, also frühstücken wir herinnen. Ilse baut gleich ihr Bett ab, dann haben auch Elle und Gabi ihren eigenen Tisch. Das ist schon sehr lässig, dass wir zwei Tische und Sitzgruppen im WoMo haben. Das sieht man sonst nicht einmal bei den Riesen-Wohnmobilen. Denn auch neun oder zehn Meter lange „Straßenschiffe“ haben fast nie einen zweiten Tisch an Bord. Wir schon und das allein macht unseren geliebten Nasenbären zu etwas ganz Besonderem.
Wir frühstücken ausgiebig und während Gernot mit Elle und Gabi schon schwer am Schmäh-führen ist, erledigt Ilse alleine (!) unser komplettes Aufbruch-Prozedere. Ohne, dass es Gernot überhaupt mitkriegt!!! Sie leert sogar die Klokassette alleine aus, obwohl wir mit dem WoMo bequem bei der Entsorgungsstelle vorfahren könnten. Und nicht einmal das hat Gernot bemerkt, obwohl das Aus- und Einschieben der sperrigen Kassette eigentlich gar nicht unbemerkt bleiben kann. Jedenfalls ist er völlig baff, dass es eigentlich nur mehr gilt, das Stromkabel abzustecken und aufzurollen. Das geht …
Ilse geht dann die Rechnung bezahlen und obwohl wir auf einem günstigen ACSI-Platz stehen, bezahlen wir 29 Euro pro Tag. No Problem natürlich, 29 Euro geht eh. Aber - die Zusatzgebühren am „Campingplatz Seeblick Toni“ sind, gelinde gesagt, eine Frechheit. Gegen die Kurtaxe von 2 Euro pro Person und Tag sagen wir eh nix, das handhaben viele Gemeinden so. Die „Umweltabgabe“ von 3 Euro pro Tag ist da schon diskussionswürdiger, denn die streift brutto für netto der Betreiber ein, die Umwelt hat gar nix davon. Ganz im Gegenteil, wer für seinen Müll pro Tag eine satte Gebühr bezahlen muss, der macht sich nicht auch noch die Mühe, diesen zu trennen. Der Gipfel allerdings ist der Rechnungsposten „Bearbeitungsgebühr“. Pro Person 1 Euro ! Das ist nicht nur eine dreiste Unverschämtheit, das ist haarscharf am profanen Diebstahl dran. Bearbeitungsgebühr für was genau? Dass das Personal für uns arbeitet? 
Dafür, dass die präpotenten Angestellten einmal (!) unsere Namen in den Computer tippen, müssen wir jeder 1 Euro bezahlen? Das ist nicht zu fassen, Wegelagerei anno 2019, die Geldgier der Touristiker scheint wirklich grenzenlos zu sein. Als Tiroler schämen wir uns für diese unverschämte Abzocke. Natürlich wird diese Beutelschneiderei auch auf der Homepage des Campingplatzes heftig kritisiert, das kümmert den „Toni“ aber nicht. Er freut sich lieber über die vielen tausend Euro an „Deppensteuer“, die sein Vermögen mehren. Von uns kriegt er jedenfalls nie wieder auch nur einen Cent, um den „Campingplatz Seeblick Toni“ werden wir künftig einen weiten Bogen machen. Dafür werden wir über diese Form der grenzkriminellen Preisgestaltung noch oft berichten, etwa anderen Campern. Damit möglichst wenige auf den „Toni“ und seine „kreativen“ Zusatzgebühren hereinfallen. Die können sich nämlich wirklich summieren. Bei uns war es eh relativ wurscht, ein paar Euro halt. Aber eine holländische Familie musste für ihren Aufenthalt 174 Euro nachzahlen, alles so genannten „Nebengebühren“. Unglaublich, schämts euch!!!
Gegen 10 Uhr haben wir uns dann mit Umarmungen von Elle und Gabi verabschiedet, sie werden am Dienstag mit dem Zug nach Innsbruck kommen. Gabi wird bei Gernots Lesung auch mit dabei sein und wahrscheinlich fährt sie sogar mit uns hinaus zum Kesselberg. Hätte sie bei der Abfahrt in Wien wohl auch nicht geglaubt, dass sie ihre Reise bis nach Oberbayern hinausführt.
Wir sind dann mit dem WoMo nach Innsbruck zurückgegondelt, die 52 Kilometer waren in einer knappen dreiviertel Stunde abgespult. Zusammengefasst war die Fahrt an den Reintalersee eine lässige Fahrt, denn wir haben mit Elle und Gabi wirklich eine feine Zeit gehabt. Das konnten uns weder das überhebliche Personal, noch „Tonis“ Geldgier vermiesen. Und jetzt darf unsere liebe Schnecke zwei Tage lang rasten, dann geht’s schon raus an den Kochelsee zu Ilses 60er-Feier. Wie geil ist das denn …?










10 Juni 2019

89. WoMo-Fahrt "Alles für die Katz´- auch Ilses Platz"

vom 7. Juni bis 10. Juni 2019 
von Innsbruck-Kesselberg-Innsbruck - 146 km
Freitag, 7. Juni 2019
Pfingsten steht an, das bedeutet zwei extra schulfreie Tage für Ilse. Eigentlich wollten wir gleich noch einmal an den Lago di Piano fahren, aber die Wetterprognosen haben uns dort für Samstag, und überhaupt für das ganze verlängerte Wochenende, eine Regenwahrscheinlichkeit von 80 Prozent angezeigt. Das ist uns zu nass, also mussten wir umplanen. Der Süden fällt schon einmal aus, wir müssen uns wirklich nicht am zu erwartenden Stauchaos beteiligen. Also raus an den Kochelsee zu Luis und Gitti - warum in die Ferne schweifen, wenn … - eben!
Am Donnerstag hat Gernot unsere Vespa zur jährlichen TÜV-Prüfung gefahren, das 10.000 Kilometer-Service haben wir auch gleich machen lassen. Jetzt ist unser roter Roller wieder tipp-topp beisammen, sämtliche Flüssigkeiten sind getauscht, Vorder- und Hinterreifen haben wir auch erneuern lassen. Trotzdem bleibt die Vespa für diese WoMo Fahrt in der Garage, wir haben nämlich keinerlei wie immer geartete Aktivitäten geplant.
Pünktlich um 13 Uhr 15 wird Ilse direkt vor der Schule in Zirl abgeholt, Gernot hat heute übrigen einen „Testlauf“ für Ilses allerletzten Schultag am 5. Juli durchgeführt. Testlauf heißt, dass Gernot bei Ilses Auftauchen den Falco-Hit „Nie mehr Schule“ abgespielt hat - die Boxen im WoMo voll aufgedreht. Das fetzt!


Die Pfingst-Reisewelle rollt bereits über Tirol, der Verkehr ist schon Freitagmittag ein Wahnsinn. Es staut sich von Schönberg bis Zirl-West (!!), die A12 und vor allem die Brenner-Autobahn A13 sind völlig überlastet. Allerdings nur in Richtung Süden, dieses Wochenende ist noch dazu der Reschenpass gesperrt, also konzentriert sich alles auf den Brenner. Ein Alptraum. Aber zum Glück betrifft uns das nicht, denn wir sind - wie immer, wenn es irgendwie geht - antizyklisch unterwegs und fahren völlig ungehindert zum Kochelsee hinaus.
Am Zirlerberg bleiben wir beim Rasthaus kurz stehen, damit sich unser dicker Nasenbär ein bisserl ausschnaufen kann. Nach ca. zehn Minuten haben wir uns dann zum Weiterfahren bereitgemacht, da hat Gernot einen Traktor den Berg herunterschleichen gesehen. Der ist keine 10 km/h schnell gefahren und hat schon eine elendslange Blechschlange hinter sich hergezogen. Da müssen wir unbedingt noch vor dem Traktor aus dem Parkplatz rauskommen, sonst stehen wir eine Viertelstunde lang am Fleck. Wir sind also zum WoMo gesprintet und haben - ohne Vorglühen (!) - einen echten „Le Mans-Start“ hingelegt. Ist sich wunderbar ausgegangen, denn auch bergaufwärts war ein LKW im Beinahe-Schritttempo unterwegs. Und weil wir deutlich schneller gefahren sind, waren wir plötzlich ganz alleine in Richtung Bayern unterwegs, erst lange nach Seefeld ist wieder der erste PKW in unserem Rückspiegel aufgetaucht.
So sind wir völlig entspannt am Kochelsee angekommen, ab sofort ist wunderbares und völliges Nichtstun angesagt. Vorerst müssen wir uns aber noch für unseren Aufenthalt einrichten. Das dauert immer seine drei, vier Minuten. Beim Stromkasten erwischen wir den allerletzten freien Platz, aber keine Minute später macht uns den ein Mann streitig. Der Anschluss sei leider für ihn und seine Gruppe reserviert. Wurscht - im Stromkasten befindet sich auch eine lange Steckdosenleiste, stöpseln wir uns halt da ein. Wir stehen heute übrigens auf einem neuen Platz, direkt vor dem Wohnwagen von Elisabettas Sohn Patrick. Direkt am Weg zum Waschhaus, das passt super. Luis hat gemeint, den Platz können wir ab sofort immer haben, er wird ihn stets für uns freihalten. Geil!
Das Wetter ist ein wenig durchwachsen, es ist dicht bewölkt, Hitze haben wir jedenfalls keine zu befürchten. Das wird sich in diesem Sommer wohl noch ändern, es schwirren schon Begriffe wie „Horror-Hitze“ durch die Medien, manche Prognosen sprechen von Temperaturen bis 45 Grad in Mitteleuropa. Na servas!

 
Um das sich meldende Hungergefühl ruhig zu stellen, sind wir dann ins Restaurant hinaufgegangen und haben dort unseren vegetativen Systemen frisches Brennmaterial zugeführt. Ilse hat das in Form von Rühr-Ei mit Schinken bewerkstelligt, Gernot mit dem Seelachs in der Knusper-Panade. Super, wie immer.

Luis und Gitti haben sich in der Zwischenzeit drei wunderbare Wohn-Fässer angeschafft, die wirklich süß ausschauen. Wir kriegen dann gleich den Schlüssel von „Fass 1“ ausgehändigt und lick ins Innere. Vier Personen haben bequem Platz, es gibt einen ausziehbaren, große Tisch und sogar eine Infrarot-Heizung. Und es riecht unglaublich gut nach Holz. Jedes der Fässchen hat noch einen eigenen Außenbereich mit Tisch und Stühlen, sehr lässig. In knapp zwei Wochen werden wir ja am Kesselberg Ilses 60. Geburtstag feiern und brauchen eh noch Platz für einen Freund. Denn der Much hat sich zwar schon vor über einem halben Jahr einen nigelnagelneuen Camping-Bus gekauft, geliefert hat er das gute Stück leider noch nicht bekommen. Also reservieren wir ihm für eine Nacht eines der Fässchen, einen Tag vorher wird Ilses Schwester Sigrid darin schlafen. Perfekt! Überhaupt sind wir schon ziemlich aufgeregt wegen der Geburtstagsfeier - na, das wird was werden. Es werden wohl an die 20 Personen antanzen, darunter sieben Kinder. Alle freuen sich schon sehr darauf, vor allem die Kinder zählen schon ungeduldig die Tage, wie man hört … 
So ganz nebenbei macht uns dann Luis ein Super-Angebot: Er wird an Ilses Geburtstag, also am Freitag, den 21. Juni, extra für uns den Grill anwerfen. Damit entschärft sich natürlich das Problem mit dem Essen gehen, denn 20 Leute muss man erst mal im Restaurant unterbringen. Das wird wohl eh nur in Etappen gehen. Aber jetzt können wir die Hendln und Haxen fein vor unseren WoMo und Wohnwägen essen. Schon sehr lässig, Danke Luis. Natürlich hat der Luis ein Exemplar von Gernots neuestem Buch geschenkt gekriegt, er hat sich sehr darüber gefreut
Den Nachmittag haben wir dann ganz gemütlich verbracht, selbstverständlich durfte ein Match am Paschteller nicht fehlen. Platzkater Gustl hat uns auch schon seinen Antrittsbesuch abgestattet und wie dann sein „Herrchen“ Bene bei uns vorbeigeschaut hat, war der Kater mutig genug, wieder einmal das Innere unseres WoMo zu erkunden. Heute ist er ganz locker und sehr elegant in den Alkoven hinaufgesprungen und hat sich auch dort oben umgesehen. Schon erstaunlich, mit welcher Grazie der Gustl im WoMo auf- und abspringt. Immer wieder faszinierend zu beobachten.
Abends sind wir dann wieder ins Restaurant gegangen und haben so richtig schön gevöllert. Ilse hat sich „Reiberdatschi“ mit zwei Spiegeleiern bringen lassen, Gernot ein Cordon Bleu mit Pommes. Das freut besonders unsere Fettpölsterchen, denn so dürfen sie uns weiter durchs Leben begleiten …
Nach dem Essen sind wir in unser Häuschen zurückgeschlurft und haben uns dort - eher halbherzig - via Live-Ticker über das EM- Qualifikationsspiel Österreich gegen Slowenien informiert. Viel haben wir wohl nicht versäumt, aber immerhin haben „wir“ 1:0 gewonnen. Das haben wir aber erst am nächsten Morgen erfahren, denn schon vor 22 Uhr haben wir uns niedergelegt.

Samstag, 8. Juni 2019
Die Nacht war wunderbar ruhig, auch wenn Ilse heute der Bach ein wenig genervt hat - „So muss es sich anfühlen, wenn man einen Tinnitus hat …“. Gernot macht das ständige Rauschen nichts aus, im Gegenteil: Denn um gegen das laute Geräusch anzukommen, müssen sich die Singvögel am Campingplatz umso mehr ins Zeug legen und trällern besonders motiviert. Super.
Das Frühstück gibt’s wie immer im Restaurant, danach machen wir gestärkt eine ausgiebige Platz-Runde. Natürlich inspizieren wir erneut unser großes Refugium, das wir in zwei Wochen besiedeln werden. Insgesamt haben wir ja drei Wohnwägen reservieren lassen, die stehen nebeneinander und davor werden wir die erwarteten zwei WoMos und Babsis Camping-Bus positionieren. Platz für ein, zwei Zelte haben wir auch noch locker und auch die diversen PKW lassen sich leicht unterbringen. Sitzgelegenheiten gibt es auch mehr als genug, jeder Wohnwagen verfügt über ein großes Vorzelt mit jeweils zwei Sitzgruppen. Die stellen wir dann - so es das Wetter zulassen wird - im Freien zusammen. 

Später am Vormittag haben wir unser neues Sonnensegel ausprobiert. Das ist dreieckig geschnitten, jede Seitenlänge misst drei Meter. Ilse hat ein Keder-Band drangenäht und damit befestigen wir das rote Tuch an unserem WoMo. Funktioniert perfekt, wir stellen eine unserer Teleskop-Stangen drunter und spannen die Plane an einem Holzgeländer ab. Sehr praktisch, noch dazu hat der Sonnenschutz gerade einmal 9 Euro 90 gekostet. Und er schaut richtig super aus.
Nach einem Pasch gehen wir dann wieder rauf ins Restaurant. Wir haben uns für diesen Aufenthalt überhaupt nichts zum Essen mitgenommen, ja nicht einmal Milch für einen Kaffee. Das ist auch schon Tradition am Kesselberg. Heute Mittag dürfen wir aber nicht übertreiben, denn um 18 Uhr 30 warten Hendl und Haxe auf uns. Da muss man vorbereitet sein. Also isst Ilse lediglich eine (!) Palatschinke, wenngleich mit Vanilleeis, Schlagsahne und Schokosauce. Gernot trinkt einen Cappuccino und beruhigt seine fordernden Magennerven mit einem fantastischen Käse-Kuchen. Das muss bis zum Abend genügen - nur mit einem halbwegs leeren Magen lässt sich eine Knusper-Haxe bzw. ein Grillhendl bewältigen.
Die Zeit bis dahin vertreiben wir uns mit einem Pasch, nebenbei verfolgen wir das Grand Slam Tennis-Finale von Paris, in das es Dominik Thiem gegen Raffael Nadal geschafft hat. Erwartungsgemäß verliert der Österreicher, aber er kann „Paris-König“ Nadal immerhin einen Satz abringen. Übrigens gewinnt der Spanier zum 12. Mal (!!) in Serie das Finale von Paris - wahrscheinlich ein Rekord für die Ewigkeit.
Die letzten zwei Stunden bis zum Abendessen überbrücken wir dann elegant mit einem Schläfchen und pünktlich um 18 Uhr 30 holen wir uns Hendl und Haxe ab. Wir essen vor unserem WoMo, das ist uns lieber, als im brechend vollen Restaurant. Für unsere Freunde macht Ilse dann ein sehr schönes Foto der Grillspezialitäten, schaut ja wirklich sehr gut aus. Und so schmeckt es uns auch - was für ein herrlicher Genuss! Wir essen praktisch alles ratz-fatz auf und sind anschließend vollkommen geplättet. Fantastisch!
Wenig verwunderlich haben wir danach keine weltbewegenden Aktivitäten mehr gesetzt, die verbliebene Kraft langte gerade noch für ein lässiges Päschchen. So ist ein super Tag super zu Ende gegangen. Wie schön es doch manchmal ist, wenig bis gar nix zu tun …

Sonntag, 9. Juni 201
Heute ist es schon in der Früh angenehm warm, um 8 Uhr hat es bereits an die 20 Grad. Das wird ein schöner Tag werden. Den lassen wir ganz gemütlich angehen und schlurfen erstmal zum Frühstück ins Restaurant hinauf. Gestärkt mit gutem Kaffee und frischen Hand-Semmeln sind wir danach zum Seeufer spaziert und haben ein bisserl ins Wasser geschaut. Nur geschaut, denn zum Schwimmen ist und der Kochelsee eindeutig zu kalt. 16 Grad, wenn überhaupt. Trotzdem tollen schon am Vormittag zwei Buben im Wasser herum und lassen sich die Eiseskälte kaum bis gar nicht anmerken. Respekt! Wir machen dann im Schatten unseres neuen Sonnensegels einen Pasch und bekommen Besuch von Gustl. Nachdem wir sein klagendes Jammern mit einer großen Portion Knuspertaschen abgestellt hatten, wollten wir uns wieder unserem Spiel widmen. Aber Ilse hat dann den Fehler gemacht, kurz von ihrem Stuhl aufzustehen. Zack, hat es sich Gustl schon am Kuschel-Handtuch bequem gemacht. Zwar konnte ihn Ilse mit einem Nachschlag an Knuspertaschen noch einmal aus dem Stuhl herauslocken, aber nach dem Fressen ist Gustl halt einfach auf Ilses Schoß gesprungen. Um zu signalisieren, wo er die nächste Zeit zu ruhen gedenkt. Mit einem ausgewachsenen Kater am Schoß kann kein Mensch paschen, auch Ilse nicht. Also sind wir essen gegangen und haben Gustl willig Ilses Stuhl überlassen. Er ist sofort eingeschlafen, da waren wir noch nicht einmal vom Platz weg. Wir haben sogar die WoMo-Tür sperrangelweit offengelassen, um ihn ja nicht aufzuwecken …
Die Speisekarte hat heute gewechselt, also kriegt Gernot leider nicht mehr die „Fleisch-Pflanzerl“, die es gestern noch gegeben hätte. Völlig wurscht natürlich, denn auch der „Tafelspitz in der Meerrettich-Sauce“ war ausgezeichnet. Wie auch Ilses Schweins-Braten mit kindskopfgroßem Knödel - Hausmannskost vom Allerfeinsten. Man kann es eigentlich nicht oft genug betonen, zu welchen Höchstleistungen sich die Küchenbrigade am Kesselberg immer wieder aufschwingt. Elisabetta, ihr Sohn Patrick und zu Stoßzeiten noch der Luis „schmeißen“ im Minutentakt die Essen aus ihrer Küche, die wahrscheinlich keine 10 Quadratmeter groß ist. Wirklich respektgebietend.
Wie wir zum WoMo zurückkommen, pennt Gustl immer noch knietief in Ilses Stuhl. Also haben wir ein Ausweich-Quartier für den Kater eingerichtet und dafür extra einen unserer Faltstühle ausgepackt. Schnell noch ein kleines Kuscheltuch auf die Sitzfläche gelegt und Gustl hatte seinen Schlafplatz. Er hat ihn sofort angenommen, sich bequem zusammengerollt und ist innerhalb von Sekunden eingeschlafen. Übrigens, wir haben heute ein paar Mal Leute sagen gehört „Guck mal, die sind mit einer Katze unterwegs“. So selbstverständlich „wohnt“ der Gustl bei uns und genau so selbstverständlich geht er im WoMo aus und ein. Er darf das …
Wir haben dann einen wunderbar feinen Nachmittag vor unserem Häuschen verbracht und das „Dolce far niente“ in vollen Zügen genossen. Morgen werden wir wieder heimfahren, obwohl wir eigentlich bis Dienstag bleiben wollten. Aber es gibt einiges zu erledigen, da kommt uns ein freier Tag gerade recht.
Weils eh schon wurscht ist, sind wir auch heute gepflegt Abendessen gegangen. Ilse hat sich einen köstlichen „Brösel-Teppich“ einverleibt, wie der Österreicher gern zum Wiener Schnitzel sagt. Gernot wählte sich die Spaghetti Bolognese und er hat diese Wahl erwartungsgemäß nicht bereut. Ilse hat sich dann noch ein Viertel Wein mit ins WoMo genommen, das sich der Luis übrigens nicht bezahlen hat lassen. Danke. 
So haben wir noch einen feinen, letzten Abend am Kochelsee verbracht. In knapp zwei Wochen wird es weit turbulenter zugehen, das wissen wir jetzt schon. Aber wir freuen uns schon sehr drauf.

Montag, 10. Juni 2019
Nach dem Frühstück haben wir dann in aller Ruhe unser Aufbruch-Programm durchgezogen. Das geht noch schneller als normalerweise, denn wir haben ja die Vespa nicht aufzuladen. So sind wir relativ zeitig vom Platz weggekommen und haben uns auf den Weg nach Hause gemacht. Wir brauchen nach Innsbruck knapp über eine Stunde lang und in unsere Richtung hat de facto kein Verkehr geherrscht. Dementsprechend entspannt war die Fahrt und wir haben unseren braven Nasenbären wieder in seiner Garage geparkt. Den Kühlschrank räumen wir gar nicht aus, Cola, Energydrinks und Bier dürfen auf ihren Verzehr noch eineinhalb Wochen lang warten. Aber natürlich schalten wir den Kühlschrank ab, einen Tag vor der Fahrt wird er dann wieder „angefeuert“. Das wird am 19. Juni sein - übrigens einen Tag nach der Präsentation von Gernots drittem Buch. Auch darauf freuen wir uns schon …