Vom 4. Mai bis 10. Juni 2026
Innsbruck-Altenstadt-Haßfurt-Bad Füssing-Ossiacher See-Aquilea/Grado-Mühlen/Steiermark-Ossiacher See-Maishofen-Innsbruck
WoMo 2.027km
Vespa 470km
Montag,
4. Mai 2026
Unglaublich
eigentlich, wie spät wir heuer in die WoMo-Saison starten. Erst einmal zuvor
haben wir noch später angecampt, das war, durch die Corona-Pandemie bedingt, im
Jahr 2020, da mussten wir den landes- bzw. europaweiten Lockdown zu Hause
absitzen. Aber die Verzögerung hat natürlich einen Grund gehabt – es werden
nämlich unsere Balkone getauscht. Und weil wir da nicht bei lebendigem Leib mit
dabei sein wollen, haben wir unseren ersten Reiseantritt bis zum Beginn dieser
Arbeiten verschoben. Nun ist es zwar immer noch nicht so weit, aber jetzt
können wir immerhin abschätzen, wie lange wir weg sein müssen bzw. sollten. Es
werden fünf bis sechs Wochen sein und das sind ja schon mal sehr schöne
Aussichten 😊. Der
in unserer Vorschau auf die Saison 2026 angerissene Grob-Plan einer Reise nach
Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Portugal, Spanien und
Italien ist genau das gewesen – ein Grob-Plan. Jetzt schaut das Ganze ein klein
wenig anders aus, aber der Reihe nach: Vom besagten ursprünglichen Plan ist
zumindest die erste Etappe übriggeblieben, wir werden in Deutschland starten.
Doch wir fahren nicht zuerst nach Haßfurt zu Gernots Verwandten, sondern werden
am „Camping Christophoros“ bei Altenstadt die diesjährige WoWo-Saison eröffnen.
Den Platz kennen wir aus dem Vorjahr und er ist uns, vor Allem durch seine
ausgesprochen gute Küche, in allerbester Erinnerung geblieben. Denn hier wird
von Griechen griechisches Essen aufgetischt – und das vom Feinsten. So was
vergessen wir nicht und auch der Campingplatz selber wird für unsere Ansprüche
perfekt geführt. Weit haben wir es ja nicht, es sind nur etwas mehr als 200
Kilometer Fahrstrecke. Vom Timing her sind wir dann sogar etwas zu früh
losgefahren, aber unser Reisefieber war derart groß, dass wir es daheim nicht
mehr ausgehalten haben 😊.
Natürlich hat uns das WoMo in der Garage bereits vollkommen abfahrbereit
erwartet, in den Tagen zuvor haben wir, hauptsächlich natürlich die
diesbezüglich nimmermüde Ilse, Stück für Stück alles eingeräumt und vorgestern
schließlich noch die Vespa aufgeladen. Unser rotes Spaßmobil ist übrigens so
easy wie nie zuvor auf seinen Platz gerollt, ein guter Start. Um 9 Uhr 15
fahren wir aus der Garage raus, der Rauchalarm ist zum Glück mal wieder nicht
losgegangen, wird aber ziemlich knapp gewesen sein … Der erste Weg führt uns
zur Tankstelle, mit dem Hochdruckreiniger pfeffern wir den Staub von unserer
braven Schnecke, über den Winter hat sich da einiges angesammelt. Danach noch
vollgetankt, Gernot ist ja zum TÜV nach Itter gefahren. Apropos TÜV-Prüfung –
die hat unser treuer Nasenbär dieses Mal ohne einen einzigen Mangel bestanden,
nur Motor- und Getriebeöl mussten aufgefüllt werden. Nächstes Jahr sind dann
alle vier Bremsscheiben und die hinteren Stoßdämpfer zu erneuern, selbstverständlich
lassen wir das machen. Sozusagen als kleines Geschenk zum 37. Geburtstag
unseres braven Wohnmobils 😊.
Nach dem Tankstopp sind wir schnurstracks auf die Autobahn aufgefahren und über
den Zirlerberg nach Scharnitz hinaus gecruist. Am Zirlerberg mussten wir
außerplanmäßig eine kleine Rast einlegen, denn ein offenbar schwer beladener
Tanklaster hat uns in den ersten Gang gezwungen und das mag Schneckchen nicht –
muss sie auch nicht mögen. Drei, vier Minuten Wartezeit und der Tankwagen ward
nicht mehr gesehen. Der von uns gewählte Weg ist übrigens gar nicht der
kürzeste, aber wir mögen beiden den Fernpass nicht und fahren deshalb lieber
über Garmisch. Die 20 Kilometer mehr an Strecke nehmen wir gern in Kauf. So
sind wir ganz locker nach Garmisch gekommen, vorher haben wir bei ALDI in Krün
noch ein paar Sachen eingekauft. Von Garmisch nach Lermoos sind wir fein im
mäßigen Verkehr mitgeschwommen und auch auf der anschließenden B 179 bis Reutte
staute es sich nie. Das hat gestern ganz anders ausgeschaut, der
Rückreiseverkehr nach dem Feiertag hat zu langen Verzögerungen geführt. Kann
uns wurscht sein, wir fahren verkehrstechnisch meistens antizyklisch los, jetzt
in der Pension können wir es uns sowieso aussuchen. So sind wir auch diesmal
wieder völlig stressfrei nach Deutschland gekommen, nach dem Füssener Tunnel
gibt es mittlerweile auch hier Einreisekontrollen der deutschen Behörden. Mit
strengem Blick und mit Maschinenpistolen. Wir haben freundlich zurückgegrüßt 😊. Ab jetzt sind wir wieder auf einer Autobahn,
der wir jetzt bis kurz vor unserem Tagesziel folgen werden. Ein Blick auf die
Uhr zeigt uns, dass wir eigentlich viel zu früh dran sind. Beim „Camping
Christophorus“ ist bis 14 Uhr Mittagspause und allzu lange wollen wir auch
nicht vor verschlossenen Schranken dünsten. Also schrauben wir das Tempo auf 80
km/h zurück, fahren fast jeden Rastplatz an und jausnen gemütlich unsere drei
mitgebrachten, hartgekochten Eier. Natürlich statten wir auch der einzigen am
Weg liegenden Autobahnraststätte „Allgäuer Tor“ einen ausgiebigen Besuch ab und
latschen den ganzen Laden ab, ohne etwas zu konsumieren. Auch der doppelte
Espresso aus dem Automaten für 5,80 vermochte uns nicht zu überzeugen. Aber wir
hatten wieder ein paar Minuten „gewonnen“, setzten unsere Fahrt fort und
verließen schließlich bei der Ausfahrt „Altenstadt“ den Highway. Jetzt kannte
sich auch Gernot wieder aus, trotzdem war er doch froh über Ilses Navigation.
So erreichten wir problemlos den Campingplatz und stellten uns hinter einem
Wohnmobil aus der Schweiz an. Na ja, wenigstens als zweite in der Reihe. Wir
mussten aber kaum eine Viertelstunde warten und die Rezeption wurde geöffnet.
Übrigens hätte sich Ilse den beiden Schweizern ganz leicht vordrängen können,
denn sie war sogleich in ein freundschaftliches Gespräch mit der Rezeptionistin
verstrickt, da wäre eine Anmeldung quasi nebenbei gegangen. Aber Ilse zeigte
sich generös und mit einem „Bitteschön, Sie waren ja vor uns hier“ hat sie den
Eidgenossen den „Vortritt“ gelassen. Wir haben fast denselben Platz wie letztes
Jahr und sind sehr schnell eingerichtet. Heute verlängert sich diese Routine
allerdings durch die frische Überziehung des ganzen Bettzeugs und der Pölster,
aber nach einer Viertelstunde ist auch das erledigt. Wieder stehen wir mit unserer
Schecke ziemlich schräg in unserer Parzelle, damit wir uns mit dem WoMo einen
Eigenschatten geben können. Theoretisch zumindest, denn laut einem Aushang in
der Rezeption beträgt die Regenwahrscheinlichkeit morgen satte 90 Prozent.
Deshalb laden wir auch die Vespa nicht ab, sie darf weiter – schön eingepackt –
auf ihrem Träger ruhen. Heute ist das Wetter noch einigermaßen schön, der
Hochnebel trübt zwar ein wenig die direkte Sonneneinstrahlung, was uns aber
fein im Freien sitzen lässt. Auch ohne Schatten. Wir machen einen ersten Pasch
und gegen 18 Uhr begeben wir uns ins Restaurant. Viel ist nicht los, wir
genießen die volle Aufmerksamkeit. Auf der umfangreichen Karte stehen fast
ausschließlich Gerichte aus Griechenland und dankenswertereise auch eine Reihe
von Angeboten für Senioren. Da schlagen wir zu – Ilse lässt sich die „Gebratene
Leber“ bringen, dazu als Sonderwunsch Röstkartoffeln. Kein Problem. Gernot
wählt „Gyros mit Käse überbacken“, dazu Reis, Pommes Frites und einen
gemischten Salat. Ganz davon abgesehen, dass jedes dieser Essen nur 13,70
gekostet hat, war das Dargebrachte wirklich sehr, sehr gut. Für Gernot
offenbarte sich überhaupt sein Traum-Essen, denn das mit Käse überbackenen
Gyros schwamm in einer fantastischen Rahmsauce und die Kombination mit dem
leicht tomatisierten Reis war einfach nur köstlich. Ilse war mit ihrer Leber
auch sehr zufrieden, aufessen konnte sie die „Senioren-Portion“ aber nicht.
Gernot hat sich dann noch geopfert und die drei aufs Haus spendierten
Raki-Schnäpse ausgetrunken – man will ja nicht unhöflich rüberkommen 😊. Apropos rüberkommen – natürlich kommen wir
auch morgen wieder rüber, es sind ja nur ein paar Schritte bis ins Restaurant,
angekündigt haben wir uns schon. Und es wird uns sogar Hausmusik geboten, von
einer lokalen Gruppe, wie es scheint. Mal schauen – bzw. mal hören. Viel haben
wir an diesem ersten Abend in unserem geliebten WoMo nicht mehr unternommen,
noch ein bisschen Musik gehört und danach haben wir uns bereitwillig in ein
tiefes Fresskoma fallen lassen. Dienstag,
5. Mai 2026
Die
erste Nacht im Wohnmobil in dieser Saison war wunderbar. Zwar hört man immer
wieder einmal einen LKW auf der Autobahn vorbeibrummen, richtig gestört hat uns
das aber nicht. Dafür hat es dann am Morgen ein fulminantes Konzert der
Singvögel gegeben, besonders die allzeit singfreudigen Amseln sind in voller
Mannschaftstärke vertreten, es müssen, der Stimmenvielfalt nach, viele Dutzend
sein. Herrlich. Wir trinken Kaffee, das heißt: Gernot trinkt Kaffee. Ilse hat
ein bisschen Bauchgrimmen und versucht das mit einem Tee wieder einzurenken.
Viel werden wir heute wohl nicht unternehmen, denn schon ab dem frühen
Vormittag hat das Wetter ausgeschaut, als ob es jederzeit zu regnen beginnen
könnte. Deshalb bleibt die Vespa vorerst auf ihrem Platz am Heck festgezurrt,
überhaupt zeigen die Wetterprognosen in weitem Umkreis Regenschauer, auch für
die kommenden Tage. Wahrscheinlich werden wir unseren Roller überhaupt erst in
Haßfurt abladen. Wurscht. Übrigens ist heute erneut ein amerikanischer F16
Kampfbomber über den Platz gefegt, keine 300 Meter über dem Boden und
wahrscheinlich an die 1.000 km/h schnell. Der gewaltige Lärm hat die Vögelchen
am Platz derart eingeschüchtert, dass sie eine ganze Zeitlang nicht mehr zu
hören waren 😊.
Später sind dann immer wieder auch martialische Kampfhubschrauber in der Luft
zu sehen gewesen, kein Wunder, in der Nähe befinden sich gleich mehrere
US-amerikanische Militärstützpunkte. Am späten Vormittag sind wir zum kleinen
Kiosk hinüber spaziert und haben uns Weizenbier und Mineralwasser besorgt.

Wir
wollten der Mitarbeiterin auch ein Weizenbierglas abkaufen, sie hat es uns aber
nur geliehen, gegen 5 Euro Kaution. Passt, vielleicht geben wir es eh nicht
mehr zurück 😊.
Selbstredend haben wir einen Pasch gemacht, später ein wenig geruht und
schließlich ist es endlich Zeit fürs Abendessen geworden. Ilse hat sich ein
„Gyros mit Allem“, also mit Reis, Pommes und gemischtem Salat einverleibt,
wobei sie sich Pommes und Reis gegen Bratkartoffel tauschen hat lassen. Gernot
wagte sich über die beiden „Hühnerschnitzel in Champignon-Rahmsauce“, auch mit
Pommes, Reis und Salat, aber ohne Umtausch 😊. Wieder war das Essen einmalig gut und beim
Bezahlen bereuten wir sehr, dass wir morgen zum letzten Mal heuer hier speisen
können. Gernot hat wieder ganz alleine die geschenkten Raki-Schnäpse gekippt,
wieder drei an der Zahl. Und wie wir nach dem Preis eines Weizenbierglases
gefragt haben, hat es uns der Wirt einfach so geschenkt. Super, jetzt können
wir das Glas dem Kiosk wieder zurückgeben, ganz davon abgesehen, ist das
geschenkt gekriegte Bierglas viel, viel hübscher 😊. Ach ja, gerade als wir am Gehen waren,
erschallten aus dem großen Speisesaal die ersten Töne der angekündigten
Musikaufführung – wie vermutet, handelte es sich um eine lokale
Volksmusikgruppe. Wir waren noch nicht mal beim WoMo, da hörten wir schon die
Leute beim unvermeidlichen „Ein Prosit der Gemütlichkeit“ mitsingen und in
Gedanken sahen wir, wie sie begeistert im Takt mitschunkelten. Hui, das war
knapp, wir sind gerade noch so entkommen … 😊. Für einen Spätabend-Pasch hat unsere Kraft
dann gerade noch gereicht und müde vom süßen Nichtstun betteten wir unsere
Häupter.
Mittwoch,
6. Mai 2026
Die
ganze Nacht über hat es immer wieder mal stark geregnet und in der Früh
bemerkte Ilse einen Wassereintritt bei einer unserer Dachluken. Schon wieder
unsere „Problem-Luke“. Die muss regelmäßig abgedichtet werden, zuletzt hat das
Ilse am Campingplatz in Saarbrücken gemacht, auch schon wieder zwei Jahre lang
her. Sie wusste aber, dass die Luke erneut behandelt werden muss, deshalb hat
sie noch vor der Wegfahrt einen entsprechenden „Dichtungs-Anstrich“ gekauft.
Jaja, die kluge Frau baut vor. Jetzt mussten wir noch ein kleines
Trockenfensterchen abwarten, dann konnte die „Aktion Neuanstrich“ erfolgen. Und
wir brauchen natürlich eine ordentliche Leiter. Die borgten wir uns bei unserem
direkten Nachbar aus, der hat hier einen fixen Stellplatz und gleich mehrere
Leitern in seinem Geräteschuppen stehen. Wir entschieden uns für die große
Alu-Ausziehleiter, mit der wir fast schon die Spitze des Eiffelturms erreichen
hätten können. Okay, etwas übertrieben vielleicht, aber wir haben nicht einmal
die Hälfte ihrer theoretisch möglichen Kapazität gebraucht. Natürlich war die
große Leiter im hintersten Winkel des Schuppens verstaut, so oft braucht man
dieses Ding ja nicht. Unser netter Nachbar hat die Leiter aber brav von ihrem
angestammten Platz wegmanövriert und Ilse konnte mit ihrer Arbeit beginnen.
Gernot blieb mal wieder nur der Job des Leiter-Halters, was aber nicht zu
unterschätzen ist 😊.
Keine halbe Stunde später war der neue Anstrich aufgetragen, kurze Zeit danach
war er schon ausgehärtet. Und er hat sofort dichtgehalten, denn schon eine
Stunde später schüttete es wieder ordentlich und kein, auch noch so kleines,
Tröpfchen Regen verirrte sich ins Innere unserer Schnecke. So soll’s sein. Für
die mühevolle Leiter-Leih-Aktion wollten wir unseren netten Nachbarn zuerst zum
Essen einladen – er fährt aber bereits mittags ab. Dann wollten wir ihm ein,
zwei Packungen Manner-Schnitten schenken – er ist aber leider kein Süßer. Also
haben wir zu unser geheimen „Allzweck-Waffe“ gegriffen und dem Herrn eine
Flasche vom doppelt gebrannten Apfelschnaps unseres Tuxer-Bauern überreicht.
Bumm – das hat gesessen, über dieses Geschenk hat er sich wirklich gefreut, das
hat man ihm deutlich angesehen.
Aber auch seine „Revanche“ konnte sich sehen
lassen, denn er überreichte Gernot eine sehr hübsch gestaltete Bierflasche der
Marke „Büble Bräu“ aus dem Allgäu. Mit Bügelverschluss. Herzlichen Dank
nochmal. Später sind wir erneut zum Kiosk marschiert, haben das Bierglas
retourniert und bei der Gelegenheit gleich noch ein paar Flaschen Bier und Mineralwasser
gekauft. Irgendwann ist dann tatsächlich ein wenig die Sonne rausgekommen und
wir sind eine schöne Runde über den großen Campingplatz flaniert. Nach einem
freudvollen Pasch ist es dann endlich wieder Essenszeit geworden und Gernot
wusste schon vorher, dass er heute – an unserem letzten Abend hier – so richtig
zuschlagen wird. Die Speisekarte lockt ja mit zahlreichen Schmankerln, die man
sonst kaum mal wo findet. Und genau deshalb hat sich Gernot das Lammfilet
bestellt, mit Bohnengemüse, Bratkartoffel und extra viel Kräuterbutter – der
absolute Traum. Das butterweiche Lammfleisch war eine Köstlichkeit der
Sonderklasse und wir sind unserem gnädigen Schicksal sehr dankbar, dass wir
beim Essen-gehen nicht jedes Mal auf jeden Euro schauen müssen. Denn immerhin,
mit Ilses „Gefüllten Paprika“ samt Pita-Brot und ein paar Drinks haben wir fast
80 Euro bezahlt – ohne Trinkgeld 😊.
Auch heute durfte sich Gernot seine Mahlzeit mit gleich drei Schnäpsen
runterspülen, obwohl er sonst nie harten Alkohol trinkt. Aber Ausnahmen
bestätigen bekanntlich die Regel, aber so schnell kommt ihm jetzt kein Schnaps
mehr auf den Tisch. Trotzdem sind wir beide komplett aufrechten Ganges ins WoMo
zurückgeschlurft, Ilse hatte immerhin auch ihre drei Campari-Orange intus, aber
das nur nebenbei 😊. Was
für ein krönender Abschluss des diesjährigen „Ancampens“, morgen geht’s weiter
nach Haßfurt.Donnerstag,
7. Mai 2026
Die
arme Ilse hat leider eine beschissene Nacht gehabt, keine genauen Details – nur
so viel: eigentlich hätte sie gleich auf der Toilette übernachten können.
Dementsprechend k.o. ist sie in der Früh, also überlegen wir, noch einen Tag
hierzubleiben. Doch nach dem Kaffee fühlt sich Ilse fit genug für die Fahrt
nach Haßfurt und wir starten unser Aufbruch-Szenario. Viel gibt es nicht zu
tun, heute erledigt mal zur Abwechslung Gernot fast das ganze Programm, Ilse
soll sich schonen. Wir sind übrigens beide der festen Überzeugung, dass ihr
Unwohlsein nichts mit dem Essen hier zu tun hat. Nicht nur deshalb, weil Gernot
gar nichts spürt, sondern vor Allem war Ilse schon von Anbeginn der Reise an
nicht vollkommen „auf dem Damm“. Jetzt schaut es aber so aus, dass sie wieder
am Weg zur kompletten Wiederherstellung ist. Deshalb fahren wir los, da war es
kurz nach 10 Uhr. Es liegen gute 280 Kilometer vor uns, nahezu der gesamte Weg
führt uns über Autobahnen. Es regnet dann fast die ganze Fahrt über, zwar keine
Wolkenbrüche, aber beständiger Nieselregen.
Immer wieder finden wir eine 500
Meter Lücke zwischen den zahlreichen LKW und gondeln gemütlich im Verkehr mit.
Zwei, dreimal bleiben wir an einem Rastplatz stehen, einmal durchqueren wir
eine Raststätte. Wir passieren insgesamt mehrere Baustellen, zu einem Stau ist
es dabei aber nie gekommen. So kommt uns Haßfurt immer näher und relaxed
treffen wir um exakt 14 Uhr 06 am Stellplatz „Am Gries“ ein. Es stehen schon
einige Wohnmobile da und wir suchen uns einen Platz. Den wechseln wir dann aber
gleich wieder, er ist uns zu schräg. Tatsächlich ist dann der zweite
Abstellplatz fast eben, wir müssen zumindest keine Keile unterlegen. Schnell
sind wir eingerichtet, die Vespa bleibt vorerst auf ihrem Träger. Wir melden
uns bei Katja an und verabreden uns dann per WhatsApp für morgen zum Essen beim
Chinesen. Das fängt ja schon mal gut an 😊.
Dann fällt uns ein Schild auf, das fast die gesamte Einfahrt zum Parkplatz
verstellt. Schau an, am Sonntag findet hier ein Flohmarkt statt, sämtliche
Fahrzeuge und Wohnmobile müssen weichen – ab 5 Uhr Früh wird abgeschleppt.


Für
uns Wohnmobilisten gibt es wenigstens einen Ersatz-Standort, wir müssen halt
auf die danebenliegende Wiese fahren. Kein Problem, morgen wird der Schranken
dorthin geöffnet und einen Stromkasten gibt es auch. Wir melden uns dann auch
bei Tante Heidi an und erwartungsgemäß werden wir gleich zu einem Besuch
eingeladen. Wir spazieren gegen 16 Uhr 30 hin und treffen im Geschäft gleich
auf Michael. Danach gehen wir zu Tante Heidi und Onkel Heinz, sie freuen sich
genauso über unser Wiedersehen wie wir. Ilse hat als verspätetes
Geburtstagsgeschenk für Heidi ein Fotobuch anfertigen lassen, mit vielen
Bildern von Heidis Mutter und überhaupt von der gesamten Verwandtschaft. Ilse
hat die Fotos aus alten Alben von Gernots Vater herausfotografiert und Tante
Heidi hatte schon nach zwei, drei Seiten Tränen in den Augen … Wir sind dann
gar nicht lange geblieben, obwohl Gernot eigentlich Onkel Heinz zu seinem
Stammtisch begleiten sollte. Prinzipiell wäre Gernot eh mitgegangen, auch weil
er heute noch nichts gegessen hat. Aber Ilse hat gleich abgewinkt und so hatte
Gernot natürlich ein Motiv, die Einladung von Onkel Heinz nicht anzunehmen,
denn schließlich will er seine immer noch leicht angeschlagene Ilse nicht
alleine lassen. Also haben wir uns verabschiedet und sind zuerst zwei Häuser
weiter in einen „“NKD“ Shop gegangen. Dort hat sich Ilse einen sehr kleidsamen
Hoodie gekauft und für Gernot durfte drei T-Shirts das Geschäft verlassen.
Übrigens haben wir beim Bezahlen schon wieder einen unerwarteten Rabatt
bekommen, diesmal gleich 30 Prozent auf alles. Eh super. Danach sind wir nur
ein paar Häuser weiter in einen Kebap-Laden eingekehrt, denn Gernots Magen
knurrte schon weithin hörbar 😊.
Dieses Fastfood-Lokal haben wir schon beim Hergehen gesehen und das hat es
letztes Jahr noch nicht gegeben. Es werden Kebap, Pizza und Pide angeboten,
Gernot kann sich vorerst gar nicht entscheiden. Da meint der Chef „Ich mach dir
einfach einen Teller mit Kebap, Pommes und Salat“ und damit war die Bestellung
fixiert. Ilse renkte sich ihren immer noch beleidigten Magen mit einer Portion
Pommes wieder ein, die waren übrigens ganz ausgezeichnet – außen knusprig und
innen richtig fluffig. Gernots Kebap-Teller hat erwartungsgemäß auch gut
gemundet und mit dem kalten Bier dazu war das ein akzeptables Abendessen.
Zurück im Wohnmobil lieferten wir uns dann noch ein Gute-Nacht-Duell am
Paschring, aber danach war nur mehr „Gute Nacht“ angesagt.
Freitag,
8. Mai 2026
Die
erste Nacht hier in Haßfurt war erstaunlich frisch, es wird draußen deutlich
unter 10 Grad gehabt haben. Herinnen ist die Temperatur auf schmale 13 Grad
gefallen, unsere Heizung hat das aber am Morgen ganz rasch kompensiert.
Bemerkenswert – die ganze Nacht über waren Singvögel zu hören, da hat es
zwischen 22 und 6 Uhr keine Pausen gegeben. Zwar zwitscherten nicht die
„üblichen Verdächtigen“ wie Amseln, Spatzen oder Meisen vor sich hin, dafür
aber gleich mehrere andere Vögel, Gernot glaubte den Gesang des Buchfinken und
des Stieglitzes herauszuhören. Wie auch immer, dass es offenbar nachtaktive
Singvögel gibt, ist uns bis dato noch nie aufgefallen … Bei feinen 22 Grad im
Häuschen trinken wir unseren Kaffee, da kommt schon Onkel Rudi vorbei. Er setzt
sich zu uns herein, wir quatschen ein wenig und sprechen unsere Termine ab 😊. Aktuell schaut es so aus, dass wir heute Abend
mit Katja zum Chinesen gehen, das ist fix, denn um 18 Uhr 30 ist ein Tisch für
uns reserviert. Am Samstag zu Mittag sind wir bei Tante Heidi zum Essen
eingeladen, Onkel Rudi und Tante Ilse werden auch kommen. Am Sonntag gibt es
eine erste Terminkollision, denn eigentlich haben wir Heidi und Heinz schon
zugesagt, sie zu einem ihrem Lieblings-Wirten zu begleiten. Jetzt hat uns aber
Onkel Rudi zur gleichen Zeit zu sich nach Obertheres eingeladen, Heidi würde eh
auch kommen. Nun ja, er wird das mit seiner Schwester abklären, spätestens
morgen beim Mittagessen kriegen wir Bescheid. Leider haben wir dann eine
weitere Einladung absagen müssen, denn Tante Ilse wollte für uns heute
Nachmittag eine Kaffeejause herrichten, sie hätte extra einen Kuchen gebacken.
Aber wenn wir um 15, 16 Uhr Kaffee und zwei, drei Stücke Erdbeerkuchen essen,
dann brauchen wir um 18 Uhr 30 nicht mehr zum Chinesen gehen. Alles geht leider
nicht, aber vielleicht gibt’s ja Kaffee und Kuchen am Sonntag nach dem
Mittagessen 😊. Ach
ja, theoretisch wäre noch der Sonntagabend nicht verplant, obwohl eh schon
angedacht wurde, dass wir uns da „Beim Türken“ treffen, also beim Charly, der
in Wirklichkeit Hyssein heißt. Mal schauen. Onkel Rudi verabschiedet sich dann
wieder und wir beschließen spontan, dass wir gleich jetzt das WoMo umparken.
Der Schranken ist schon geöffnet, bei einer ersten Nachschau sehen wir auch den
Stromkasten aufgesperrt – also Umzug.


First come, first serve, wie der Lateiner
sagt, denn noch steht kein einziges anderes Fahrzeug in der Wiese. Und
eigentlich ist nur ein einziger der Plätze mit halbgrobem Schotter bedeckt,
natürlich wählen wir den, auch weil er nur wenige Meter vom Stromkasten
entfernt liegt 😊. Für
die Übersiedlung brauchen wir eigentlich nur den Strom abstecken, die
Fensterverkleidungen abnehmen und den Fahrersitz leerräumen. Das ist rasch
erledigt und schon tuckert unser WoMo auf sein neues Plätzchen. Wir müssen
sogar mit einem der Hinterräder auf einen unserer kleinen Keile auffahren, aber
dann stehen wir schön gerade. Sogleich laden wir endlich die Vespa ab, das
erste Mal seit Innsbruck steht sie jetzt wieder auf festem Boden 😊. Dann kommt die Frau Platzwartin Schleelein
vorbei und wir kriegen ein Extralob verpasst, weil wir uns so schön hingestellt
haben. Denn jetzt werden sich die anderen Camper garantiert neben uns anreihen
und so hat dann alles seine Ordnung. Das mag sie, die Frau Schleelein. Nach der
„Aktion Platzwechsel“ sind wir zum „REWE“ Großmarkt rüber gegangen, das werden
nur wenige hundert Meter sein. Wir brauchen ein bisschen Mineralwasser und eine
kleine Jause für zwischendurch. Gernot hat dann im Getränkemarkt noch ein
Sixpack Budweiser-Bier gefunden, als eines seiner Lieblingsbiere durften die
sechs 0,33 Liter Fläschchen natürlich mitkommen. Brot und Salami haben wir auch
noch eingekauft – übrigens hat Gernot an der Wursttheke die Salami mit „So ca.
20 Deka bitte“ bestellt, worauf die Verkäuferin mit einem lockeren „Und wieviel
ist das in Deutsch“ antwortete. Jaja, wenn schon ungebildet, dann zumindest
frech bis unverschämt … 😊.
Zwei kleine Salamibrötchen haben wir uns dann im WoMo gleich in die Figuren
gestellt, bis zum Chinesen sind wir jetzt hungertechnisch save. Nach einer
kleinen Ruhung haben wir uns natürlich noch einen Pasch ausgespielt und kurz
vor 18 Uhr ist dann Katja gekommen. Nach einer kleinen Plauderei sind wir
gemütlich zum Chinesen spaziert, der sich ziemlich am Ende von Haßfurts
Hauptstraße befindet. Das Lokal ist bis auf den letzten Platz gefüllt, trotzdem
kriegen wir unsere Mahlzeiten erstaunlich schnell serviert. Und noch
erstaunlicher ist für uns Tiroler dann die Rechnung für unser Essen – denn die
machte gerademal 55 Euro aus. Und das für drei Mahlzeiten mit riesigen
Portionen, drei Gläsern Weißwein, drei großen und einem kleinen Bier. Wir sind
nach dem guten Essen noch lange im Lokal sitzengeblieben, bis fast 22 Uhr und
haben uns wunderbar unterhalten. Katja wird schon morgen zu einem Wanderurlaub
nach Thüringen aufbrechen, gemeinsam mit ihrem derzeitigen Partner.
Zurückkommen wird sie übrigens als Single, so ist der Plan, in den sie uns
eingeweiht hat 😊. Wir sind dann gemeinsam zu unserem WoMo
spaziert, Katja hat ja in der Nähe geparkt. Nach herzlichen Umarmungen haben
wir die liebe Katja dann verabschiedet und sind die paar Meter zu unserem
Häuschen gegangen. Ein wirklich schöner und netter Abend und mit allerhöchster
Wahrscheinlichkeit werden wir das auch von den kommenden Tagen sagen können. Es
ist immer wieder schön zu erleben, wie sich alle hier in Haßfurt und Obertheres
über unser Kommen freuen. Sie lassen uns in jedem Moment spüren, dass wir alle
gemeinsam zu einer Familie gehören und es ist im Grunde völlig unerheblich,
dass wir so verschieden sind … Samstag,
9. Mai 2026Wieder
wundern wir uns nachts über zahlreiche Singvögel. Nicht, dass sie uns stören
würden, wie sind das nur nicht gewohnt. Beim Frühstück schaut dann Ilse im Netz
nach und siehe da, nachtaktive Singvögel sind nichts Ungewöhnliches, das bringt
ihnen logischerweise auch Vorteile. Wie zum Beispiel, dass sie nachts nicht so
leicht überstimmt werden können, eh klar.


Um 8 Uhr 01 werden wir dann nicht von
einem Singvogel geweckt, sondern von Tante Heidi. Mit einem fröhlichen „Wie
sehen uns dann mittags, ne?“ reicht sie uns frische Brötchen und die
BILD-Zeitung ins WoMo. Den Vormittag verbringen wir ganz relaxed, an eine
Ausfahrt mit der Vespa ist nicht zu denken, es regnet immer wieder mal
gelangweilt vor sich hin. Um ja nicht in Gefahr zu geraten, verspätet bei Tante
Heidi und Onkel Heinz einzutreffen, starten wir zeitig los und um 11 Uhr 45
sitzen wir schon am gedeckten Mittagstisch. Onkel Rudi und Tante Ilse sind auch
schon da und in der Folge genießen wir ein wirklich gutes Essen. Es gibt
Rindsgulasch mit überbackenen Nudeln, dazu einen Salat. Absolut delikate
Hausmannskost, genauso, wie wir das mögen. Entsprechend haben wir, speziell
natürlich Gernot, so richtig zugeschlagen. Dazu lokales Bier, ein
formvollendetes Essen. Damit wir nicht vollkommen nüchtern den Tisch verlassen,
wurde noch Kaffee und Kuchen gereicht, danach hätten wir wohl nicht mal mehr
das vielzitierte Pfefferminzplätzchen runtergekriegt. Nach einer netten
Plauderei haben wir uns dann wieder in alle unsere Richtungen verstreut, wir
natürlich in unser Wohnmobil. Wenig verwunderlich mussten wir uns zuallererst
einem veritablen Fresskoma ergeben, aus dem wir uns hernach mit einem Pasch
herausretteten. Dann lockte uns unerwarteter Sonnenschein ins Freie und zum
Glück wussten wir von einem Kaffee- und Cocktailwagen, der sich „Mainfräulein“
nennt und am Ende des großen Parkplatzes liegt. Der wird von einem (hoffentlich😊) Mutter-Sohn-Gespann geführt und erfreut sich
eines regen Zuspruches. Fast alle Sitzplätze waren belegt, die Leute gönnten
sich ihre Drinks oder Kaffees direkt am Main und vor allem die Barkeeperin
beherrscht das Geschäft aus offensichtlich langjähriger Erfahrung. Gernot
gönnte sich ein lokales Bier aus Bamberg und Ilse hat sich einen Mocktail mixen
lassen, der sich „Rising Sun“ nennt und keinen Alkohol enthält. Doch bald
einmal wagte sie sich auf unbekanntes Terrain und bestellte sich einen Drink
mit dem verführerischen Namen „Ti amo“. Da war dann Schluss mit alkoholfrei.
Denn der besteht aus einem Espresso, einem schönen Stamperl Eierlikör und wird
gekrönt von einem Hauberl aus Milchschaum. Und er fährt ordentlich ein. Wer
sollte das besser wissen als Ilse, denn schließlich hat sie sich gleich noch
einem zweiten „Ti amo“ hingegeben. Dazu war sie nicht schwer zu überreden 😊. Gernot hat sich nach dem zweiten Bier noch
einen „Doppio“ bestellt und der ist dann als – mindestens – achtfacher (!!)
Espresso dahergekommen. „Tschuldigung, aber die Maschine hat sich kurz
verselbständigt. Musst ihn aber eh nicht austrinken“, tröstete ihn die Barkeeperin.
Gernot hat den guten Viertelliter Kaffee dann selbstlos inhaliert, so was Gutes
kann man einfach nicht verkommen lassen 😊.
Nach diesem netten Break am Mainufer sind wir dann zum Häuschen zurückspaziert
und haben den Abend fein ausklingen lassen. Morgen ist großer Flohmarkt und so
wie es den Absperrungen nach ausschaut, wird das ein riesengroßer Flohmarkt
werden. Im Prinzip direkt vor unserer Haustür – wir bleiben aber guten Mutes
und optimistisch. Sonntag,
10. Mai 2026Nach
einer ruhigen und kalten Nacht haben wir uns von den Singvögeln aus dem Schlaf
trällern lassen. Da war es etwa 7 Uhr 30 und nach dem Kaffee hat Gernot mal die
Lage am großen Parkplatz gecheckt. Unglaublich aber wahr – ohne dass wir es
überhaupt bemerkt hatten, standen plötzlich viele Dutzend Flohmarkthändler mit
ihren Ständen da. Und wir haben keine 100 Meter weiter tief und fest
geschlafen! Kann uns natürlich nur recht sein 😊. Es wuseln schon hunderte Kaufwillige zwischen
den Ständen herum und auch der „Bratworscht“-Wagen und der Bier-Wagen sind
bestens frequentiert – es ist gerademal 8 Uhr durch. Passt – wir sind immer
noch in Bayern und Bier am frühen Vormittag ist hierzulande nichts
Ungewöhnliches. Gernot schlenderte ein paar Marktstände entlang und blieb
natürlich bei einem Schallplatten-Tandler hängen. Er ist ganz gut sortiert und
die Preise für die LP’s sind sagenhaft billig. Man hätte sich etwa die „Santana
3“ um 12 Euro kaufen können, später hat Gernot die seltene Platte an einem
anderen Stand für 60 Euro gesehen. Immer noch relativ günstig. Weil ein
Streifzug über einen riesigen Flohmarkt alleine nur halb so lustig ist, holte
sich Gernot seine Ilse hinzu und gemeinsam latschten wir fast den kompletten
Markt ab. Man hätte wohl ganze Lastwagenladungen von hübschem Zeug kaufen
können, uns war aber eh von vornherein klar, dass wir standhaft bleiben werden.
Danke – aber wir brauchen nichts 😊. Das
stimmte dann zwar auch für unseren einzigen Kauf, aber wir konnten zu einer
Sonderedition einer Doppel-LP von Ludwig Hirsch nicht nein sagen. Mit allen
relevanten Liedern des Austro-Pop-Stars, in neuwertigem Zustand, mit Booklet
und sämtlichen Texten. Und das Ganze um sagenhafte 5 Euro! Da mussten wir ganz
einfach zuschlagen. Der Verkäufer hatte dann auch eine Unmenge an Zappa-Platten
im Angebot, gleich zwei Plastikboxen voll. Sicher über 50 Stück, meistens nur
um die 8 bis 12 Euro teuer. Ein Wahnsinn eigentlich. Aber leider, wie nicht
anders zu erwarten war, Gernot hat jede einzelne LP bereits längst in seiner
Sammlung und so sind die Super-Schnäppchen in Haßfurt geblieben. Ach ja – trotz
des unglaublichen Gewusels an Menschen hat Gernot doch tatsächlich die ersten
Münzfunde gemacht – ein 10-Cent- und ein 1-Euro-Stück 😊. Zurück im WoMo haben wir dann einen Pasch
angefangen, den wir aber abbrechen mussten, denn es wartete das Mittagessen bei
Ilse und Rudi auf uns. Endlich darf dafür auch die Vespa zum Einsatz kommen, es
sind ja gut 6 Kilometer nach Obertheres. Unsere rote Prinzessin zeigte sich
aber ob der langen Untätigkeit keineswegs beleidigt, sondern hat mit ihrer
fahrtechnischen Geschmeidigkeit endgültig bewiesen, dass die aufwändige
Motor-Erneuerung kein rausgeworfenes Geld war. Ohne unserer Vespa unnötig
schmeicheln zu wollen (sie liest ja eh nicht mit), fährt sie sich tatsächlich
wie ein Neufahrzeug. Sehr gut! Onkel Rudi und Tante Ilse haben bei unserer
Ankunft die Vorbereitungen schon abgeschlossen und wir kriegen nach der
herzlichen Begrüßung Hausmannskost vom Allerfeinsten serviert. Ilse hat einen
„Fränkischen“ Sauerbraten zubereitet, mit Rotkraut und fluffigen Klößen. Dazu
einen bunten Salat – ein wirklich phantastisches Essen. Die dunkelbraune,
beinahe schwarze, dicke Sauce war unbeschreiblich gut, das muss man erst mal
hinkriegen. Aber Tante Ilse hat da so ihre Erfahrung, denn „Der Rudi will jeden
Sonntag seinen Braten und seine Klöß‘ dazu“. Und in über 50 Ehejahren kommen da
ganz schön viele Sonntagsbraten zusammen 😊.
Weil wir mit der Vespa unterwegs waren, teilten wir uns das angebotene
„Theres“-Bier, sind dann aber doch noch mit reichlich Alkohol beschenkt worden.
Denn Rudi zeigte sich sehr, sehr großzügig, als er Gernot einen
1-Liter-Bocksbeutel (eine bauchige Flasche) mit Sylvaner-Wein überreichte. Der
Bocksbeutel ist eine Sonder-Edition des Bayrischen Landtages und Rudi hat sie
erst kürzlich für seine 60-jährige Mitgliedschaft bei der CSU geschenkt
bekommen. Einen hat er sich behalten der zweite wird mit uns die Reise nach
Innsbruck antreten und dort einen Ehrenplatz zugewiesen kriegen. Auf der Terrasse
haben wir dann noch Kaffee getrunken und die Schildkröte „Rambo“ bestaunt, die
mit unerwarteter Geschwindigkeit durch den großen Garten tigerte. Leider sind
die schönsten und nettesten Stunden immer am schnellsten vorbei und wir sind
nach vielen Umarmungen nach Haßfurt zurückgebrettert. Tja – und dann stand
schon die nächste Einladung am Programm – wir werden mit Tante Heidi und Onkel
Heinz „zum Türken“ gehen, in einer halben Stunde werden wir direkt bei der
WoMo-Tür abgeholt. Besser gesagt, Ilse wird abgeholt, Gernot geht lieber zu Fuß
und traut sich die knapp eineinhalb Kilometer locker zu. Überhaupt achtet
Gernot schon seit einigen Wochen darauf, möglichst viele Schritte pro Tag zu
gehen, denn lange Untätigkeit wirkt sich nicht gut auf seine Arterien-Erkrankung
aus. Aber wie gesagt, ein Kilometer am Stück geht immer, eineinhalb auch. Und
so ist es dann auch gekommen, Gernot hat gerademal 20 Minuten lang für die
Strecke gebraucht, war der allererste Gast im „Centgraf“ und hat sich von Wirt
Charly gleich mal ein Bier bringen lassen. Wird nicht das letzte gewesen sein 😊. Etwas später waren wir vier dann wieder
vereint und dann ist noch ein Mann aus der Stammtisch-Runde zu uns gestoßen.
Aus reiner Fresslust hat sich Gernot das „Schnitzel in Champignon-Rahmsauce
bringen lassen, Ilse beschied sich mit einer „Currywurst“. Übrigens, das
Schnitzel war wieder eines der Sorte „Wiener Schnitzel mit Tunke“, weil das
Schnitzel paniert war. Natürlich hat Ilse mal wieder einmal versucht, heimlich
die Rechnung zu bezahlen, was Charly mit nur einem Wort verunmöglichte:
„Verboten!“. Wir sind dann noch eine ganze Zeit lang fein zusammengesessen und
später dann, den Main entlang, zum WoMo zurückgeschlendert. Dann war aber
endgültig Schluss für heute – Licht aus und zack und weg.
Montag,
11. Mai 2026
Eigentlich
wollten wir heute von Haßfurt abfahren, aber wir bleiben noch einen Tag länger
hier. Am Vormittag sind wir von unserem Ausweich-Quartier auf der Wiese wieder
auf den Original-Stellplatz zurückgefahren und haben gleich mal die Vespa
aufgeladen – es soll bald einmal Regen kommen. Die Prognosen stellten sich als
richtig heraus, kann uns aber echt egal sein. Der wirklich große Parkplatz, auf
dem gestern unzählige Marktstände aufgebaut waren und ebenso unzählige Besucher
herumstreunten, ist buchstäblich besenrein verlassen worden. Ohne Übertreibung
könnte man auch sagen, er ist heute sauberer als vorgestern. Sehr brav! Wir
sind um 15 Uhr bei Tante Heidi auf Kaffee und Kuchen eingeladen, das wird
sozusagen unser letzter Termin unseres diesjährigen Haßfurt-Besuches sein. Nach
einem Pasch machen wir uns dann zeitig auf den Weg, denn vorher müssen wir noch
ein paar Einkäufe erledigen. Wir brauchen Milch, Brot und Wurst,
dankenswerterweise befinden sich die Metzgerei Fuchs und die Bäckerei Fuchs in
einem Geschäft, noch dazu schräg vis-a-vis von Bestattung Zehe. Mit den
Einkäufen schreiten wir zur Kaffeetafel, Tante Heidi hat uns köstliche
„Bienenstiche“ dazu besorgt. Wahrscheinlich eh auch vom Bäcker Fuchs 😊. Im Laufe der Jause ist dann noch Enkel Felix
kurz durch die Wohnung gelaufen, er hat inzwischen seine Lehre zum Bestatter
abgeschlossen und ist, wie Onkel Heinz stolz berichtete „nun der erste gelernte
Bestatter der Zehe-Firmengeschichte“. Felix ist ja der Sohn von Michael und
wird in ein paar Jahren die Firma übernehmen. Unterstützt wird er dann von zwei
weiteren Familienmitgliedern werden, denn Yasin hat durch die Verehelichung von
Michales Tochter Sophia ins Unternehmen „eingeheiratet“ und hilft längst
tatkräftig mit. Der türkischstämmige Yasin war mit seiner Tochter zu Besuch,
die herzige, eineinhalb-jährige Senna hat uns alle sofort in ihren Bann gezogen
– sehr süß! Nach der Verabschiedung von Tante Heidi und Onkel Heinz haben wir
dann im Geschäft noch Michael zum Geburtstag gratuliert – wir werden wohl die
ersten gewesen sein, denn er wird erst morgen 56 Jahre alt 😊. Apropos Geburtstag – da haben wir bereits bei
Tante Heidi unmissverständlich deponiert, dass wir uns quasi selber zu ihrem
80-jährigen Geburtstag einladen, weil wir dazu extra aus Innsbruck herfahren.
Passt – nicht, dass sie auf die Idee kommen könnte, „kein großes Trara um so
einen blöden Geburtstag zu machen“. Ein 80er gehört gebührend gefeiert und aus!
So – und damit sind die Verwandtenbesuche endgültig abgehakt und es war wieder
so richtig schön hier.

Wir sind zum WoMo zurückgeschlendert und haben dort bei
Frau Schleelein den Extra-Tag bezahlt. Sie war natürlich wieder mit ihrer
ständigen Begleiterin unterwegs, wir wissen nicht ob es sich bei der Frau um
eine Verwandte, Freundin oder Partnerin handelt. Das ist auch völlig wurscht,
trotzdem ist diese, eher einsilbige Begleiterin, eine Erwähnung wert. Denn –
wenn die Mittfünfzigerin mal etwas sagt, dann handelt es sich dabei meist um
beißenden Spott und tiefschwarzem Humor vom Feinsten. Ein Beispiel: Frau
Schleelein erzählte uns gerade, dass sie seit Neustem nebenbei auch für
„Bestattung Zehe“ tätig ist. Sie hat von Michael den Schlüssel für den großen
Parten-Kasten der Stadt Haßfurt bekommen, in dem die Bildchen der zuletzt
Verstorbenen ausgestellt sind. Wurde auch Zeit, meinte Frau Schleelein, denn
dieser Parten-Kasten wäre oft nur unzureichend aktualisiert worden. Und sie
unterstrich die Nachlässigkeiten mit einem lockeren „Da ist dann schon mal eine
Oma drinnen gehangen, die schon vor drei Wochen gestorben ist“. Da meinte ihre
Begleiterin mit einem gespielt vorwurfsvollen Blick: „Du weißt aber schon, wie
Scheiße sich das gerade angehört hat?“ Wie gesagt, schwarzer Humor bester Güte.
Ach ja – Gernot hat jetzt das Privileg, Frau Schleelein als Konny (mit K)
ansprechen zu dürfen, drei Jahre per Sie sind ihr offenbar genug 😊. Tja – das war es dann endgültig mit Haßfurt
für dieses Jahr – morgen geht es wieder auf die Piste – neuen Ufern entgegen.
Und diese neuen Ufer befinden sich für uns bei Bad Füssing – das ist schon hart
an der Grenze zu Oberösterreich. Es sind an die 360 Kilometer Fahrtstrecke,
also nicht gerade nichts. Deshalb gehen wir heute auch besonders früh ins Bett.

Dienstag,
12. Mai 2026Bedingt
durch das frühe Schlafengehen, sind wir natürlich topfit als wir um ca. 7 Uhr
aus den Federn kriechen. Wieder war es saukalt, in der Früh werden wir wohl
kaum 10 Grad gehabt haben. Nach dem Käffchen sind wir abgefahren, zuerst noch
rüber zu REWE, hauptsächlich wegen der Pfandflaschen-Rückgabe. Danach die paar
hundert Meter bis zur Tankstelle, der Preis für den Diesel liegt unter 2 Euro,
vor ein paar Wochen lag der Literpreis noch bei gut 2,50. Der Verbrauch lag
übrigens hauchdünn über 10 Liter, das ist okay. Jetzt aber los – schnell noch
an Obertheres vorbei und schon waren wir auf der Autobahn A70. Das
Verkehrsaufkommen hielt sich in erträglichen Grenzen, das war auf der A3, auf
die wir bei Andernach wechselten, zum Glück nicht viel anders. Allerdings waren
hier beinahe mehr LKW als PKW unterwegs, trotzdem sind wir gut vorangekommen,
die drei Spuren haben das ermöglicht. Mit einigen Pausen sind wir dann kurz
nach 14 Uhr in Bad Füssing angekommen, unser Campingplatz befindet sich ein
paar Kilometer weiter, im Ort Kirchham.

Der „Campingplatz Preishof“ ist ein
ehemaliges Landgut, das im Laufe der Jahre zu einem Wellness-Hotel, einem
Gasthaus mit großem Veranstaltungssaal und eben einem Campingplatz umgestaltet
wurde. Schaut alles sehr gut aus und wir melden uns an. Mit Gernot betritt eine
fast weiße Katze die Rezeption und lässt sich sofort ausgiebig streicheln.
Nicht nur das – der Schmusetiger bekommt einen regelrechten Kuschelanfall und
schmiegt sich eng und immer enger an Gernot, streicht ihm um die Beine und als
er sich niedersetzt, hat er die Katze sofort am Schoß – wirklich süß.
Blöderweise hat Gernot gerade seine dunkelblaue Fleece-Jacke an und wenn man
behauptet, nach der Kuschelattacke der Katze wäre die Jacke mit tausenden,
weißen Haaren bedeckt gewesen, dann ist das jetzt schon die Untertreibung
des Jahres 😊.
Sagen wir so: das Entfernen der Haare hat sich hingezogen, letztendlich ist
Ilse noch mit dem Staubsauger rangegangen. Aber – natürlich war die stürmische
Begrüßung durch eine Katze das perfekte Omen und wir buchten uns gleich für
vier Nächte ein 😊.
Kaum waren wir an unserem Platz eingerichtet, folgte schon die nächste, nette
Überraschung. Direkt neben und landete ein wunderschönes Vögelchen, mit
ziemlich langen, auffällig roten Schwanzfedern. Über seinen Gesang
identifizierten wir den Vogel sogleich als Hausrotschwanz und haben damit eine
neue Vogelstimme in unserer Sammlung – jetzt sind das echt schon so einige …
Schnell war dann auch die Vespa vom Träger gelassen, ausfahren werden wir heute
aber nicht. Denn wir haben anderes zu tun und bis dorthin haben wir gerademal
einen Pasch lang Zeit. Dann wechseln wir von unserer Camper- in die
Zivilkleidung und gehen die 200 Meter zum „Preishof-Stadl“ rüber – Essenszeit.
Durch eine ganz normale Gasthaustür treten wir ein und dann trifft uns fast der
Schlag – wir stehen in einem Saal, ja fast schon in einer Art Halle, über 200
andere Leute sind schon da – 10 Minuten vor der offiziellen Öffnung des Lokals 😊. Weil wir von den Begebenheiten nichts wussten,
haben wir auch nicht reserviert – wäre für zwei Personen auch gar nicht möglich
gewesen. Also wurden wir „dazugesetzt“, selbstredend kein Problem, so lernten
wir gleich Elke und Peter kennen. Nette Leute aus Bayern, wir haben uns sofort
– und dann den ganzen Abend lang – bestens unterhalten. Wir haben den Tisch
direkt an der Bühne und immer noch strömen die Menschen herein. Am Ende werden
es knapp 400 (!!) Gäste gewesen sein, denn so viele haben im „Preishof“ Platz.
Und trotz dieser Massen haben wir ein Service erlebt, wie es sogar in einem
normalen Gasthaus auffällig gewesen wäre: Nach fünf Minuten war eine Kellnerin
da, fünf Minuten später brachte ein Kellner die Getränke und keine zehn Minuten
(!!) danach hatte jeder sein Essen auf dem Tisch. Ungelogen!! Wie Ilse später
erfahren hat, sind für diesen Abend 15 MitarbeiterInnen im Einsatz gewesen,
alles erfahrene Profis. Das Essen war übrigens beste bayrische Wirtshausküche,
Ilse hat sich den „Toast Hawaii“ (Okay, vielleicht nicht ganz typisch bayrisch 😊) bringen lassen, Gernot genoss eine fulminante
„Geröstete Leber“ mit Reis, sehr viel Sauce, Apfelscheiben und Röstzwiebeln.
Während unseres Essens betrat dann ein Alleinunterhalter die Bühne, er nannte
sich „Luis Alpin“ und war Österreicher, wenngleich mit einem sehr bayrischen
Zungenschlag. Er haute einen Schlager-Hadern nach dem anderen raus, natürlich
auch den Volksmusik-Klassiker „Patrona Bavarie“. Dieses Lied ist in Bayern
sozusagen Pflicht und mehr und mehr füllte sich die Tanzfläche. Wir haben nicht
mitgetanzt, die Musik war uns um eine Spur zu wenig Zappa 😊. Bemerkenswert war, mit welcher Virtuosität
dieser „Luis Alpin“ die Ziehharmonika beherrschte. Da hat wirklich jeder Ton
gesessen und als große Verehrer des „Quetschen-Gottes“ Herbert Pixner wissen
wir, wie eine gut gespielte „Ziachin“ klingen muss. Ilse hat dem „Luis Alpin“
übrigens als einzige ein Bierchen spendiert, dafür hat er sich nett bedankt und
uns bei seinem nächsten Lied direkt angesungen. Ausgerechnet bei „Patrona
Bavarie“ – mehr brauchst nimmer. Es gibt eh ein Video 😊. Aber weil auch der netteste Abend einmal sein
Ende finden muss, sind wir schließlich zum WoMo geschlurft und haben uns bald
einmal in unsere Betten fallen lassen. So fremd uns solche Veranstaltungen auch
sind, irgendwas hat das schon. Vielleicht kommen wir ja irgendwann mal drauf,
was genau das sein soll 😊.

Mittwoch,
13. Mai 2026Zwar
scheint beim Aufstehen schön die Sonne, aber dieser Schein trügt. Es ist
nämlich arschkalt und sofort läuft die Heizung auf Hochtouren. Weil wir
ausnützen wollen, dass es zumindest nicht regnet, ziehen wir uns warm an und
fahren mit dem Roller nach Kirchham rüber, das werden an die drei Kilometer
sein. Dort geben wir beim „EDEKA“ unser Pfandgut zurück und decken uns mit
Wurst, Käse und Brot ein. Denn der „Preishof“ hat erst morgen wieder geöffnet,
wir müssen uns also selbst versorgen. Nach der Rückkehr machen wir einen Pasch
und danach genießen wir im Freien (!) ein zweites Frühstück mit Kaffee und
köstlichen Nuss-Stangerln. Nach einem Nachmittagsschläfchen spazieren wir ein
wenig über den Platz – ist ja nur wegen der Schritte. Dabei kommen wir an der
nahen Pferdekoppel vorbei und Ilse verfüttert unsere Brotreste an die
Hafer-Mopeds. Na, das hat geschmeckt, die haben die Augen gaaanz weit
aufgerissen. Am Abend folgte dann noch ein Höhepunkt – über die Webseite des FC
Wacker Innsbruck wurde die Partie gegen St. Johann übertragen, eine
Vorentscheidung im Kampf um den Meistertitel in der 3. Liga. Zwar hatte unser
FC Wacker schon vor der Partie die Favoritenrolle inne, mit einem 7:0 haben
aber wohl nur die allergrößten Optimisten gerechnet. Super – jetzt sind wir zu
99,99 Prozent Meister und mit großer Wahrscheinlichkeit holen wir uns mit dem
Tiroler Amateur-Cup-Sieg sogar das Double. Super – da sind wir ja genau im
richtigen Jahr Mitglieder und Abonnenten geworden – die Abos für die 2. Liga
kaufen wir uns selbstverständlich auch, ebenso die Wacker-Dressen für die neue
Saison 😊.
Nach dem Match hat sich Gernot noch ein eiskaltes Siegesbier gegönnt, das
passte übrigens gut zur Außentemperatur. Danach ist aber für ihn bald einmal
Schluss mit wach-sein, Ilse hat hingegen noch einen mittleren Lese-Marathon
eingelegt und bis fast 2 Uhr nachts in ihrem aktuellen Krimi geschmökert.
Wieder ein Buch an einem Tag, Natürlich spielt auch das stets regnerische
Wetter eine Rolle – je weniger wir mit der Vespa unterwegs sind, desto mehr
Zeit bleibt zum Lesen. Aber es werden wieder andere Zeiten kommen, es muss nur
endlich das Wetter ein bisschen wärmer werden. Bitte – Danke 😊.
Donnerstag,
14. Mai 2026Geschlafen
haben wir heute ziemlich lange, fast bis 9 Uhr. Erste Handlung am Morgen: Wie
immer die Heizung beinahe auf ihre Höchststufe drehen. Bis jetzt haben wir auf
dieser Reise jeden Tag morgens geheizt, jeden einzelnen Tag. Es reicht dann mal
langsam. Eine halbe Stunde später trinken wir unseren Kaffee dann aber eh schon
bei 20 Grad, draußen hat es höchstens 10. Wurscht, später kommt dann eh für
eine Zeit lang die Sonne raus. Das nutzen wir gleich zum Duschen-gehen, dann
kommen wir danach nicht tiefgefroren zum WoMo zurück. Übrigens haben wir heute
in der Früh, neben zahlreichen anderen Vögeln, auch den Kuckuck rufen gehört.
Das Besondere – der Vogel ist dabei quer über den ganzen Platz geflogen, seinen
typischen „Kuckuck, Kuckuck, Kuckuck“ Rufen hat man das aber überhaupt nicht
angehört, das hat wirklich sehr lässig geklungen. Wir kommen rasch überein,
dass das heute ein totaler Relaxtag wird. Natürlich spielen wir uns ein Duell
am Paschteller aus, nach Mittag legen wir uns zu einem ausgedehnten Schläfchen
nieder. Nach dem aktiven Erwachen ist eh schon Zeit fürs Abendessen und wir
schlendern zum „Preishof-Stadl“ rüber. Heute wählen wir uns einen Platz abseits
der Bühne und werden zu einem Paar dazugesetzt. Es sind Einheimische, ein wenig
älter als wir (also über 70 😊) und
nett. Wir kommen gleich ins Gespräch, das aber nicht lange dauert, denn erneut
werden wir vom sagenhaften Service beinahe überrumpelt. Vom ersten „Grüß Gott“
bis zum Servieren der Hauptspeisen dauert es wiederum keine Viertelstunde, vielleicht
sogar nur 10 Minuten. Und wieder ist der Stadl bummvoll! Unglaublich. Die Wahl
des Tisches war übrigens eine gute, denn von der Musik haben wir so gut wie gar
nix mitgekommen.

Dafür ist uns das hervorragende Essen in bester Erinnerung
geblieben. Ilse genehmigte sich die „Schweinsbratwürsteln mit Sauerkraut“ –
ohne Sauerkraut, dafür mit einer Scheibe Schwarzbrot. Für das weggelassene
Sauerkraut wurden dann später bei der Rechnung tatsächlich 1,50 abgezogen, das
Brot hat übrigens 0,80 gekostet. Gute Rechnung, gute Freunde 😊. Gernot hat schon vor dem Essen gehofft, dass
der „Bauernschmaus“ erneut auf der Speisekarte steht, die Angebote wechseln ja.
Zum Glück war das Gericht auch heute angeführt und am Teller türmten sich
Schweinsbraten, Selchbraten, ein Grillwürstel, üppig Sauerkraut und ein
faustgroßer Semmelknödel. Und all diese Köstlichkeiten sind in einem See aus
dunkelbrauner, echter Sauce geschwommen. Was für ein Traumessen, für nicht
einmal 20 Euro. Im Laufe des Abends hat dann noch einmal unsere
Tischgesellschafft gewechselt und wir haben zwei neue Leute dazugesetzt
bekommen – wieder beide nett. Lange haben wir uns aber nicht mehr unterhalten,
denn das viele, gute Essen hat uns müde gemacht. Bis zum WoMo schafften wir es
aber natürlich noch und bald wurde es herinnen finster. Resümee von heute: Die
ganze Zeit nur herumgefläzt, kaum was weitergebracht, den Singvögeln zugehört,
abends ein fantastisches Essen genossen – also ein rundum geiler Tag 😊.Freitag,
15. Mai 2026
Heute
ist unser letzter Tag am „Preishof“ und das Wetter begrüßt uns mit Nieselregen.
Okay, das hatten wir schon 😊.
Wurscht, wir müssen trotzdem raus, noch dazu mit der Vespa. Es ist ja eh schon
fast Tradition, dass immer eines unserer Medikamente zu Hause vergessen wird.
Diesmal hat es wieder mal eine von Gernots Pillen nicht ins WoMo geschafft. Wir
wollen gar nicht lang eine(n) Schuldige(n) für diese Nachlässigkeit benennen,
denn „Nobody is perfect“, sogar Ilse soll Fehler machen. Ups … In Wahrheit ist
das natürlich völlig egal, denn dieses Medikament kriegen wir in jeder Apotheke
und es kostet weniger als die Rezeptgebühr. Was solls also? Naja, das Wetter …
Auch wurscht, wir sind nicht aus Zucker und es schneit wenigstens nicht 😊. Wir ziehen uns warm an, Helme auf und ab mit
uns nach Bad Füssing, gut 5 Kilometer entfernt. Es setzt dann stärkerer Regen
ein und – das Hagel-Unwetter damals bei Klagenfurt ausgenommen – waren wir noch
nie bei einem solchen Regen mit der Vespa unterwegs. Was ja eigentlich nicht
wirklich ein Problem ist, Vollbremsungen sollten halt keine passieren und in
die Kurven sollte man sich auch nur sehr dezent legen. Besser gar nicht 😊. Aber, diese Zeilen beweisen es, wir sind
bestens und höchstens halb-nass bei der Apotheke in Bad Füssing angekommen, das
rezeptfreie Medikament wurde uns anstandslos ausgehändigt – für schlanke 5,50.
Danach haben wir noch schnell bei einem Supermarkt ein paar Flaschen
zurückgegeben und Kleinigkeiten eingekauft. Anschließend in einem Zug zurück
zum Campingplatz, jetzt tröpfelte es nur noch leicht und am Platz angekommen,
waren wir schon vom Fahrtwind trockengeföhnt. Super – damit war der Hauptact
des Tages bereits vor Mittag erledigt und wir konnten uns wieder hemmungslos
dem „Dolce far niente“ hingeben. Dieses süße Nichtstun haben wir dann während
eines Sonnenfensterchens durch Aufladen der Vespa kurz unterbrochen, bis uns
schließlich ein aufkommender Hunger an den Esstisch gezwungen hat. Nunja, wir
haben eh völlig freiwillig die Käsewurst, den Schnittkäse, Tante Heidis
Eier-Geschenk (hart gekocht natürlich) und das frische Brot zu uns genommen 😊. Süßes hat es auch noch gegeben und nach einem
Pasch legten wir uns relativ früh nieder. Morgen stehen sozusagen zwei Etappen
auf dem Programm, der erste Weg wird uns nach Oberösterreich führen. Es hat
sich nämlich ergeben, dass wir unserem ehemaligen Hausarzt einen Besuch
abstatten werden. Und danach fahren wir schnurstracks an den Ossiachersee, so
ist zumindest der Plan. Aber was weiß man schon?
Samstag,
16. Mai 2026
Heute
mal wieder sehr zeitig aus den Federn gekrochen, wie immer an Reisetagen.
Obwohl, wegen der ersten Etappe von heute brauchen wir keinen Ausbruch von
Reisefieber befürchten, sie ist gerade mal etwas über 20 Kilometer lang. Das
WoMo ist mal wieder blitzartig reisefertig gemacht und den Weg zur
Chemieklo-Entsorgung machen wir schon per Schnecke. Übrigens – wieder hat neben
uns ein Camper schamlos das Brauchwasser seines WoMo auf den Asphalt rinnen
lassen, er war schlicht zu faul, auf die daneben befindliche Ablassstelle
aufzufahren. Der Einfachheit halber ist er dann mit offenem Ablassventil
losgefahren und hat auf der Straße eine lange Spur seines Abwassers
hinterlassen. Bei solch rücksichtslosen, egoistischen Schweinen (Entschuldigung
an die gleichnamigen Tiere) würden wir uns so gern wünschen, dass sie
wenigstens einmal für ihren Umweltfrevel abgestraft würden. Leider wird das
kaum mal wo passieren … Wir sind dann früher als erwartet vom „Campingplatz
Preishof“ abgefahren, da war es erst 9 Uhr 05. Über eine kurvenreiche
Landstraße sind wir dann formlos und ohne jegliche Kontrolle nach Österreich
gekommen.
Gleich einmal hinter der Grenze haben wir nach einer Tankstelle
Ausschau gehalten und sind bei einem „Lagerhaus“ fündig geworden. Mit der Karte
eines Mitarbeiters durften wir unseren Dieselvorrat wieder auffüllen, zu einem
Literpreis von 1,959 Euro. Also das mit den Benzinpreisen haben wir uns weit
schlimmer vorgestellt, unser Protest dagegen hält sich aber in sehr engen
Grenzen. Nach dem Tanken geht’s über kleine, kleinste und winzigste Straßen zum
Haus von Franz und Monika, die direkte Zufahrt versäumen wir dann sogar, weil
wir uns nicht vorstellen können, dass man hier noch fahren kann. Aber
Google-Maps bleibt hartnäckig und schließlich wagen wir den Abstecher ins
Nirgendwo und nach dem Passieren einer geländelosen Betonbrücke stehen wir vor
dem Haus von Franz und Monika. Das eigentlich kein Haus, sondern eher ein
Anwesen ist. Sofort kommt Franz auf uns zu und wir begrüßen uns herzlich.
Mensch, wie geht uns der Franz als Arzt ab! Er war noch ein richtiger Landarzt,
noch dazu entschied er sich für den Beruf erst im zweiten Bildungsweg.
Eigentlich ist er gelernter Maschinenbauer. Und das sieht man auch gleich –
denn in der riesigen, scheunenartigen Garage stehen eine ganze Reihe von
Fahrzeugen. Wir sind keine Experten, aber alleine der 8-Zylinder Morgan
Roadster und der MG Spyder, beide aus den frühen 1960er Jahren, sind echte
Raritäten. Wie auch der 12-Zylinder Jaguar, den Sohn Joseph fährt, oder der 50
Jahre alte Mercedes W123. Draußen steht noch ein angemeldeter VW-Bus, der Bully
ist dem Franz aber viel zu untermotorisiert – „denn mit nur 50 PS schieben dich
die LKW über den Brenner“ 😊.
Franz und Monika haben sich das Haus schon vor Jahrzehnten gekauft und es war
von Beginn an als „Alterssitz“ vorgesehen. Im Lauf der Jahre haben sie sich
hier bei Aspach ein wirkliches Paradies geschaffen, das Haupthaus ist
wunderschön ausgebaut und durch ihre Bio-Recycling-Anlage und die Hausbrunnen
sind sie fast autark. Wir setzen uns dann an den Tisch, Monika und Joseph sind
auch da. Es werden Weißwürste serviert, dazu köpft Franz gleich mal eine
Flasche Sekt. Passt, ein Schlückchen zum Wiedersehen kann man sich
ausnahmsweise auch mal am Vormittag gönnen 😊.Wir sind dann noch eine gute Stunde lang
zusammengesessen und natürlich haben wir Franz und Monika nicht nur einmal
wissen lassen, wie sehr sie uns abgehen. Naja, nix ist für immer … So auch
nicht unser Besuch, mit langen Umarmungen verabschieden wir uns von Monika, Franz
und Joseph und steuern unsere zweite Tagesetappe an – den Ossiachersee bei
Villach in Kärnten. Der liegt jetzt nicht gerade ums Eck, auf 300 Kilometer
wird nicht viel fehlen. Zuerst gilt es, überhaupt auf die Autobahn zu kommen,
wir befinden uns ja wirklich „mitten in der Pampa“. Kaum einen Ortsnamen haben
wir je zuvor gehört und wir cruisen auf kleinen Landstraßen durch die schöne
Gegend. Wir kommen aus dem oberösterreichischen Hausruckviertel und nähern uns
nun Kilometer um Kilometer, sowie Kurve um Kurve, Salzburg an. Zuerst dem
Bundesland, dann der Stadt. Vom Ort (oder der Stadt) Mattighofen haben wir dann
wenigstens schon mal gehört und am schönen Obertrum am See streifen wir dann
auch noch vorbei. Das kennen wir natürlich, denn hier hat sich unser
Fußball-Teamchef Ralf Rangnick häuslich niedergelassen 😊. Und dann kommen wir kurz vor Salzburg-Nord
endlich auf die A1 und sofort stehen wir im Stau. Na servas, das ist ja nicht
ganz so super. Es handelt sich um einen so genannten Voll-Stau, also alle Motoren
aus. Ein Unfall wahrscheinlich. Doch keine drei Minuten später kommt plötzlich
wieder Bewegung in die Sache und schon wenige hundert Meter danach sind wir
schon wieder mit einem 80er unterwegs. Nix war 😊. Wir fahren auf der stets drei- bis
vierspurigen Autobahn an der Stadt Salzburg vorbei und wechseln dann kurz vor
der Staatsgrenze am Walserberg auf die A10 Tauernautobahn. Von der fahren wir
erst in Villach wieder ab. Aber die Fahrt könnte sich hinziehen, denn wir
wissen von vielen Baustellen entlang der Strecke, sicher an die zehn. Noch vor
Hallein sehen wir auf der Gegenseite die Feuerwehr, die gerade ein Unfallwrack
birgt. Der aus dem Crash entstandene Stau reicht gute fünf Kilometer zurück,
übrigens mit einer vorbildlich gebildeten Rettungsgasse. Das sehen wir, weil
ein Polizeiauto mit Blaulicht und einem 60er durch die Gasse brettert 😊. Brav. Wir hingegen haben fast ein schlechtes
Gewissen, denn wir müssen darauf achten, dass wir die erlaubten
Höchstgeschwindigkeiten einhalten. Und das gilt auch für sämtliche Baustellen
am Weg und es waren tatsächlich viele. Nirgendwo hat es sich auch nur für eine
Sekunde lang gestaut und auch beim Bezahlen der Maut für den Tauerntunnel war
nur ein einziges Fahrzeug vor uns. Allerdings ausgerechnet ein Ukrainer, der
sich lange und händeringend über die Maut beschwerte, weil er doch eh die
Autobahnvignette gelöst hat. Das erzählte und dann kopfschüttelnd die
Mautnerin, die aber nur mehr darüber lachen kann, so oft passieren ihr diese
Beschwerden täglich. Auch die letzten paar Meilen unserer Anreise zum
Ossiachersee verliefen dann komplett reibungslos und exakt um 15 Uhr 34
checkten wir am „Campingplatz Berghof“ ein. Da waren wir schon einmal, in der
allerersten WoMo-Saison mit unserer Schnecke, also im Jahr 2010. Das ist auch
schon ein paar Donnerstage lang her. Viel hat sich in all den Jahren am Platz
nicht verändert – Ilse erkennt alles wieder, Gernot, so wie meistens, gar
nichts mehr. Wir haben den Platz Nummer W13, vor 16 Jahren hatten wir die
Nummer W 22. Ilse weiß das heute noch, also ist das auch so 😊. Wie immer sind wir zack-zack eingerichtet,
heute haben wir sogar einen direkten Vergleich mit einem anderen WoMo, das
zeitgleich mit uns angekommen ist. Sagen wir so – wir waren schon (mit der
Kabeltrommel) elektrifiziert, hatten die Fensterverkleidungen angebracht und
die Vespa abgeladen, da hatten die beim anderen WoMo immerhin schon die Stützen
ausgefahren und den Strom angesteckt 😊. Es
herrschen auch hier am Ossiachersee noch keineswegs sommerliche Temperaturen,
aber wir spüren von der ersten Sekunde an, dass wir schon ziemlich weit im
Süden herunten sind. Also zumindest im direkten Vergleich zu Haßfurt oder Bad
Füssing. Das Kärntner Klima ist eindeutig milder, auch wenn auf der Gerlitzen
noch eine dicke Schneedecke liegt und wir uns in der Nacht ohne unsere drei
Bettdecken den Arsch abfrieren würden. Wir haben dann einen Pasch angefangen,
den wir aber abbrechen mussten, weil der Hunger einfach zu groß wurde.
Eigentlich haben wir nur deshalb die Vespa abgeladen, weil der Weg zum
Restaurant wirklich steil bergauf geht und sich Gernot nicht so abplagen
wollte. Dann hat aber doch der Ehrgeiz gesiegt und Schritt für Schritt sind wir
die steile Straße hochmarschiert – der Campingplatz nennt sich nicht umsonst
„BERGhof“. Im Gasthaus sind wir dann sogleich freundlich begrüßt und zu unserem
Tisch geführt worden. Wie erwartet haben wir ausgezeichnet gespeist – Ilse
konnte dem „Wienerschnitzel mit Pommes“ ebenso wenig widerstehen, wie Gernot
dem „Bräuhaus-Gulasch, mit Paprikastreifen und Serviettenknödel“. Wieder ist
Gernots Essen buchstäblich im eigenen Saft geschwommen und diesmal wurde dieser
absolute Saucenwahnsinn sogar zu einem kleinen Verhängnis: Denn ausgerechnet
das größte Stückchen Fleisch plumpste von Gernots Gabel in das dunkle Meer aus
Gulaschsaft, die aufspritzende Gischt landete auf seinem Hemd und seinen Jeans.
Und die arme Ilse hat aus Gründen der Gleichberechtigung auch gleich eine satte
Ladung Sauce abbekommen. Mahlzeit 😊. Trotzdem hat es uns im „Berghof“ Restaurant so gut gemundet, dass wir morgen
gleich noch einmal herkommen werden. Aber danach nicht mehr. Weil wir dann
nämlich nicht mehr da sein werden. Ohne besonders langes Diskutieren sind wir
nämlich übereingekommen, dass wir uns am Montag in Richtung Italien
verabschieden werden. Wir haben jetzt endgültig oft genug die Kälte ertragen,
vor allem in der Früh hatte es selten mehr als 10 Grad gehabt. Und weil unser
Wohnmobil – sorry liebes Schneckchen – in Wahrheit ein Pizzakarton mit
aufgenageltem, dünnem Blech ist, haben wir diese Temperaturen auch stets
herinnen. Danke, das genügt jetzt wirklich – in Oberitalien, genauer in Triest,
werden kommende Woche bis zu 27 Grad erwartet. Na, blöd werden wir sein und uns
hier die Frostbeulen holen, wenn wir 200 Kilometer weiter südlich, mit einem
leichten Jäckchen bekleidet, mit der Vespa herumfahren können. Bella Italia,
wir kommen und wir freuen uns schon sehr auf dich …Sonntag,
17. Mai 2026
Als
wollte das Wetter unseren Entschluss, in wärmere Gefilde zu entfliehen,
bestätigen – am Morgen haben wir unter 10 Grad gemessen. Aber diesen letzten
Tag am Ossiachersee lassen wir uns auch vom Wetter nicht vermiesen und starten
mit einem guten Kaffee in den Tag. Da war es eh schon nach 9 Uhr. Wir paschen,
zwischendurch kommt sogar die Sonne raus. Nach einer kleinen Jause faulenzen
wir herum, ehe wir nach einem weiteren Pasch die Vespa aufladen. Das war dann
eh schon die Hauptaufgabe des Tages und pünktlich schreiten wir zum Abendessen.
Die Bergprüfung hin zum Restaurant meistert Gernot wieder ohne Stehenbleiben –
passt. Vor dem Essen bezahlen wir noch unseren Aufenthalt hier am „Berghof“,
anschließend lassen wir uns im Gasthaus zu Tisch bringen. Heute bestellen wir
uns beide einen Burger, rückblickend hat Ilse mit ihrem „Berghof Burger“ die
bessere Wahl getroffen. Denn Gernots „Double Smash Burger“ war zwar optisch
eine Augenweide, aber leider waren die beiden Paddys nicht vollständig
durchgebraten. Und halbgares Rindsfaschiertes gehört sich nicht nur nicht,
sondern kann auch echt Probleme bereiten. Wenigstens waren die rohen Stellen
erst am Schluss des Essens aufgetaucht, trotzdem reklamierten wir ausnahmsweise
mal. Mit dem angebotenen Doppio war Gernot zufrieden, zumal Ilse auch einen
Espresso abgekriegt hat. Schade, bis auf diesen Ausrutscher waren wir hier sehr
zufrieden … Trotzdem, sollten wir wieder einmal hier landen, kriegt der
„Berghof“ natürlich eine neue Chance von uns. Im WoMo hat Ilse dann noch die
vielen Pfandflaschen und Dosen hergerichtet, die wir morgen bei „BILLA“
zurückgeben werden. Die sind allesamt aus Österreich, also werden wir sie hier
noch elegant los.
Montag,
18. Mai 2026
Erster
Gedanke beim Aufwachen – Juhu, es geht nach Italien! In Rekordzeit packen wir
alles zusammen, das heißt: Ilse packt alles zusammen, fast im Alleingang. Denn
als Gernot von der Morgentoilette zurückkommt – und das dauerte kaum zehn
Minuten lang – hat Ilse das WoMo bereits reisefertig hergerichtet. Gernot muss
dann nur noch den Strom abstecken und wird danach von Ilse aus unserem Platz
herausmanövriert. Bei der steilen Ausfahrt zeigt sich dann, dass die nicht nur
für Gernot eine Herausforderung darstellt, sondern auch für unsere Schnecke.
Kalt wie sie ist, lassen wir sie im 1. Gang rauftuckern und – gleich wie Gernot
– ist sie froh, es geschafft zu haben. Zum „BILLA“ haben wir es nicht weit und
die Flaschen sind schnell zurückgegeben. In der Nähe befindet sich auch eine
Apotheke und die Arzthelferin daheim hat vergessen, alle unsere Medikamente auf
der E-Cards zu vermerken. Das ist immer ein wenig kompliziert, weil wir als
Wohnmobilisten oft mehrere Packungen auf einmal auf Vorrat brauchen und das muss
halt extra vermerkt werden. Wurde es mal wieder nicht, also latschte Ilse die
paar hundert Meter zur Apotheke und ohne langes Herumdiskutieren händigte die
Frau Magister die Pillen aus. Mission erfüllt – jetzt aber los. Gernot hatte
mittlerweile alle gekauften Lebensmittel im WoMo verstaut, es konnte also
tatsächlich losgehen.
Schnell waren wir auf der Autobahn und schon nach einer
knappen halben Stunde setzten wir bei Tarvis nach Italien rüber. Ab jetzt ging
es gefühlt nur noch abwärts und wir durchfuhren unzählige Tunnel. Es waren
eigentlich sehr viele LKW unterwegs, die sich aber durch Zufall immer zu
richtigen Trossen zusammenrotteten und dann von uns unter einmal
„weggeschnupft“ worden sind. Manchmal überholten wir zehn Brummis oder mehr,
danach hatten wir dann wieder für ein paar dutzend Kilometer freie Fahrt.
Übrigens haben wir unser Ziel inzwischen geändert – so schnell geht’s oft. Wir
werden nicht nach Triest fahren, denn da waren wir ja schon. Stattdessen wird
uns der Weg nach Aquileia führen, das liegt so ca. 15 Kilometer von Grado
entfernt und befindet sich an der so genannten „Oberen Adria“. Mit jedem
Kilometer in Richtung Süden spüren wir mehr die Wärme und dass das nicht nur
Einbildung ist, merken wir spätestens bei den Raststätten. Denn da stellen wir
uns beim Kaffeetrinken vor dem Wohnmobil sogar freiwillig in den Schatten 😊. Trotz der vielen Pausen brauchen wir dann
weniger als drei Stunden, bis wir die Fahrt vom Ossiachersee bis zum
„Campingplatz Aquileia“ absolviert hatten, denn es sind ja nicht einmal 200
Kilometer gewesen. Wir werden freundlich und mit sehr gutem Deutsch empfangen,
der Platz macht auf uns einen guten, ersten Eindruck. Nach dem Abstellen machen
wir eine kleine Inspektion und beim Waschhaus in unserer Nähe kriegen wir fast einen
kleinen Schock. Denn sämtliche Gebäude sind in einem erbärmlichen Zustand, die
Waschbecken mit Laub übersät und die meisten Dusch- bzw. Toilettenkabinen sind
versperrt. Ilse überlegt sich schon eine deftige Beschwerde an der Rezeption,
denn auch wenn wir inklusive Allem nur 27 Euro bezahlen, ist das nicht
zumutbar. Doch dann checken wir, dass nirgendwo Wasser läuft und sich keiner
der Wasserhähne aufdrehen lässt. Ist dieses Wracke eines Sanitärgebäudes
überhaupt noch in Betrieb? Wir streifen weiter über den großen Platz und finden
ein weiteres Waschhaus, das ist sogar noch um eine Spur näher an uns gelegen,
als der „Lost Place“ von vorhin. Und schau an – bei diesen Sanitäreinrichtungen
passt gar alles – überall kommt sofort heißes Wasser aus den vielen Waschbecken
und Duschen, auch Toiletten sind in ausreichender Zahl vorhanden, alles ist
blitzblank sauber. Die Waschbecken stehen jeweils in eigenen Kabinen, jede
davon ist mit Licht, zwei Steckdosen und einem beleuchteten Spiegel
ausgestattet. Das sieht man auch nicht oft. Der Platz gefällt uns ausgesprochen
gut und dass ihn unzählige Singvögel mit uns teilen, macht ihn uns noch
sympathischer. Das Zentrum des Ortes Aquileia befindet sich nur eineinhalb
Kilometer entfernt und morgen ist dort Markttag. Schöne Aussichten also. Das
Wetter ist schon so schön und warm, dass wir eigentlich gleich mit der Vespa
ausfahren wollten, um mal ein bisschen die nähere Gegend zu erkunden. Doch dann
entschieden wir uns doch für einen kleinen Spaziergang. Der führte uns gleich,
vielleicht 300 Meter vom Campingplatz entfernt, in eine Allee, die links und
rechts von Ausgrabungen aus dem 3. Jahrhundert gesäumt ist. Ganze Wassersysteme
sind noch zu erkennen, die für die Versorgung der Menschen und Felder erbaut
wurden. Irgendwann in der Geschichte haben diese Wassersysteme sogar bis nach
Wien vor das Schloss Belvedere gereicht, das mag man sich heute gar nicht mehr
vorstellen. Plötzlich war die Luft erfüllt von unglaublich lautem Quaken, das
wir zuerst gar nicht zuordnen konnten. Doch dann sahen wir in den von Grünzeug
überwucherten Wassern kleine Frösche, kaum größer als eine 2-Euro-Münze.
Faszinierend, dass derart winzige Frösche einen derartigen Lärm machen können –
wir hörten sie noch minutenlang quaken, als wir unseren Weg längst fortgesetzt
hatten. Tja – und dieser Weg führte uns dann direkt ins Zentrum von Aquileia
und wir standen schließlich vor dem beeindruckenden Turm der Basilika. Hier
hätten wir auch Mosaike aus dem 3. Jahrhundert bestaunen können, der Eintritt
von je 14 Euro war uns aber gerade zu viel. Ganz davon abgesehen, haben wir im
Ticket-Shop bereits sämtliche Motive der Mosaike auf Postkarten gesehen, Ilse
hat sie eh abfotografiert 😊. Statt alten Mosaiken gönnten wir uns dann lieber einen fantastischen Kaffee,
den uns Ilse selbstlos von der Kaffeebar holte. Dass ihr der Kellner dafür
„eine Tablette“ angeboten hat, war nicht unlustig. Der Kaffee mundete
erwartungsgemäß hervorragend und gab uns reichlich Kraft für den langen
Retourweg. Den wir – vor allem für Gernot überraschend – wieder ohne jede Pause
absolvierten. Dabei statteten wir auch dem Heldenfriedhof einen kurzen Besuch
ab, freuten uns wie kleine Kinder über den ersten vernommenen Ruf einer
Zwergohreule und auch die kleinen Frösche quakten unaufhörlich vor sich hin.
Zurück am Campingplatz haben wir erstmal die Beine lang gemacht und dann einen
Pasch angefangen. Den haben wir dann abgebrochen, um ja pünktlich zum
Abendessen zu schreiten. Es gibt hier nämlich, de facto direkt am Campingplatz,
ein Fischrestaurant, welches ausgezeichnete Rezensionen aufzuweisen hat. Nur
die hohen Preise werden bisweilen bemängelt, doch als wir uns im Netz die
Speisekarte anschauen, können wir als Tiroler über solche Kritiken nur lachen.
Um Punkt 18 Uhr 03 stehen wir dann vor dem Restaurant und wir stehen vor
verschlossenen Türen. Drinnen brennt kein Licht, das Lokal liegt einsam und
verlassen da. Wir können uns zuerst keinen Reim darauf machen, lesen dann extra
noch einmal die große Tafel am Eingang durch, von einem Ruhetag am Montag steht
da nichts. Vielleicht ein familiärer Notfall? Wir wissen es nicht. 
Wir
überwinden die Enttäuschung schnell, denn wir wissen von einem kleinen
Alimentaro, der direkt gegenüber vom Campingplatz liegt. Darben werden wir also
nicht müssen und wir entern den „Market“ frohen Mutes. Im Tante-Emma-Laden gibt
es eine überraschend große Auswahl, noch dazu zu sensationell kleinen Preisen.
Wir kaufen eine große Salami, ein ebenso großes Stück Parmesan, dazu Brot,
Sardellen, Oliven und Tomaten. Passt, morgen kommen wir wieder her, denn die
sind so richtig gut mit Spezialitäten ausgestattet. Ach ja – genau so eine
Spezialität haben wir uns dann auch noch gegönnt – kleine Blätterteigröllchen
gefüllt mit Nutella, genannt Canoli. Davon durften dann gleich noch 5 Stück ins
Einkaufstascherl hüpfen 😊.
Damit – und mit der übriggebliebenen Käsewurst und den restlichen Eiern –
fabrizierten wir uns ein gutes Nachtmahl, für Gernot zusätzlich aufgepeppt mit
Alicis, gefüllten Oliven und Tomaten. Einfach nur grandios! Weil es uns keine
Ruhe gelassen hat, haben wir noch mal im Internet nachgeschaut, ob wir
vielleicht den Grund für den außerplanmäßigen Schließtag des Restaurants
herausfinden könnten. Tja, das war viel leichter als gedacht und es wirft kein
gutes Licht auf unsere Intelligenz. Das Restaurant öffnet nämlich planmäßig um
18 Uhr 30, natürlich auch heute. Was sind wir nur für Deppen und was sind wir
andererseits wieder für Glückspilze, dass wir ausgerechnet über unsere eigenen
Blödheiten am lautesten lachen können. Vielleicht sollten wir endlich lernen,
sinnerfassend zu lesen, denn auf besagter Tafel am Eingang waren in großen
Ziffern die richtigen Öffnungszeiten ausgewiesen. Wo wir die Tafel doch extra
noch ganz genau studiert haben … 😊
Natürlich ist das völlig egal, wir haben super gegessen, ordentlich Geld
gespart und viel über uns selbst gelacht – da gibt es wahrlich Schlimmeres. Ach
ja, noch eine kleine Randnotiz: Am Abend zeigte Gernots Schrittzähler die
fesche Zahl 10.657. Auch nicht schlecht – noch dazu für einen Fahrtag 😊. Apropos Fahrtag – morgen kommt endlich mal
wieder die Vespa zum Einsatz – Ehrenwort Dienstag,
19. Mai 2026
Was
für ein tolles Erwachen – zuerst besingen die Vögel lautstark den beginnenden
Tag und danach scheint die Sonne vom tiefblauen Himmel. Noch vor Mittag machen
wir uns für eine Ausfahrt fertig – im nahegelegenen Ortszentrum von Aquileia
wird heute der Markt abgehalten. Tja – wir hätten etwas früher kommen müssen,
denn als wir elegant vorfahren, macht gerade der letzte Stand dicht. Okay,
haben wir das auch gesehen 😊.
Natürlich kann so etwas unsere Laune nicht trüben, wir sehen einen Wegweiser
nach Grado und so haben wir ein neues Ziel. Es werden ein wenig über 10
Kilometer bis dorthin sein, leider alles über eine gut ausgebaute Bundesstraße.
Da ist natürlich Schluss mit Cruisen und mit einem 80er und mehr schwimmen wir
im Verkehr mit. Die Luft ist fantastisch, dass mag sich bei relativ starkem
Verkehr widersinnig anhören, aber wir fahren über ein Art Damm dem Meer
entlang. Durch das hohe Tempo brauchen wir nicht einmal 10 Minuten bis ins
Zentrum von Grado und nahe der Fußgängerzone stellen wir uns vorbildlich auf
einen Motorrad-Parkplatz. Schon bei der Anfahrt nach Grado war uns klar, dass
dieser Ort nicht viel hergeben wird. Ein Hotel- bzw. Appartementkomplex reiht
sich an den nächsten, irgendwie ist die ganze Architektur seelenlos. Wir machen
trotzdem einen ordentlichen Rundgang und irgendwann schauen wir uns gezielt
nach einem Lokal mit Gastgarten um, ein Käffchen käme uns grad sehr gelegen.
Doch völlig unvermittelt stellt sich uns ein Kebap-Laden in den Weg und wir
setzen uns gehorsam in den kleinen Gastgarten. Schnell ist der Kellner da und
bereitwillig lassen wir uns wunderbar abfüllen. Gernot genügt dafür bereits ein
Teller mit „Riso Kebap“, der Reis war absolut fantastisch. Dazu ein Red Bull –
fertig. Ilse hat sich überhaupt nur mit einer Portion Pommes zufriedengegeben –
gut, es wartet ja noch der abendliche Restaurantbesuch. Nach dem lukullischen
Zwischenbreak sind wir zum Roller zurückspaziert und danach in Richtung
Campingplatz gefetzt. Am Ende des Damms hat dann unser Wohnungsnachbar aus
Innsbruck angerufen und hat Ilses Telefon hartnäckig und x-mal läuten lassen.
Da muss was sein! Wir sind dann stehen geblieben und Ilse hat zurückgerufen.
Eric hatte wirklich gute Nachrichten zu vermelden, denn unser Balkon wird
bereits MORGEN abgerissen. Das ist um gute zwei Wochen früher als geplant. Das
ist echt super, denn jetzt können wir davon ausgehen, dass die Arbeiten
tatsächlich abgeschlossen sind, wenn wir rund um den 13. Juni wieder in
Innsbruck aufschlagen. Später könnten wir übrigens gar nicht nach Hause kommen,
weil wir eine Menge Termine haben. Typisches Pensionisten-Schicksal halt, das
kennt man ja … 😊.
Sehr zufrieden haben wir unsere kleine Vespa-Tour beendet, immerhin 30
Kilometer sind dabei zusammengekommen. Am Platz haben wir gleich mal einen
Pasch gemacht und nach einer feinen Dusche war eh schon Zeit fürs Abendessen.
Wir wollten mal ausnahmsweise nicht überpünktlich sein und so ist es 18 Uhr 32
geworden, als wir das Restaurant betraten. Wir waren – wenig verwunderlich –
die ersten Gäste und waren erstmal erstaunt über die mondäne Gaststube.
Tischdecken aus Damast, die Servietten ebenso, jeder Tisch mit einem
Beistelltisch und mit einem Extra-Tischchen ausgestattet, voll mit liebevoll
gestalteter Dekoration. Einem ausgewiesenem Fisch-Restaurant entsprechend ist
die Speisekarte voller Gerichte mit Meeresfrüchten, ein Paradies für Gernot. Aber auch für Ilse, die ja Fisch nur unter ganz besonderen Umständen mag (z.B.,
wenn von Gernot zubereitet), gab es gleich einige andere Angebote. Und so hat
sie sich als Vorspeise den „Prosciutto Crudo“ ausgesucht und als Hauptspeise
das „Tagliata di Manzo a Ruccola“ – das Rinderfilet war gut 250 Gramm schwer
und ist wie bestellt „Medium-well-done“ serviert worden. Dazu Pommes, damit uns
Ilse nicht vom Fleisch fällt. Gernot dinierte vorzüglich mit „Polpa con Limone
e Ruccola“ als Antipasto, die marinierten Stücke der Krake waren einfach nur –
Wow! Als Hauptgang drängte sich ja dann fast schon zwangsweise „Grigliata misto
di Pesce“ auf, denn wenn schon Fisch, dann die volle, gegrillte Fischplatte 😊. Einfach ein Traum das Alles und das direkt am
Campingplatz. Übrigens – Gernots Bier war ein „Hirter“, damit hätten wir auch
nicht gerechnet. Ilse hat natürlich dem „Vino Rosso di Casa“ nicht widerstehen
können und hat sich insgesamt einen halben Liter davon bringen lassen. Danach
bestellte sich Gernot noch das „Dolci di Casa“ und ein wunderbarer
Beeren-Kuchen auf einem köstlichen Fruchtmark-Spiegel wurde zum Abschluss
dieses Festmahls. Nicht ganz, denn natürlich mussten es noch der finale
Espresso und der endgültige Doppio sein, aber dann hatten wir wirklich nur noch
Platz für die zwei wunderbaren „Limoncelli“ auf Haus. Na servas, wir werden
beide mit über 100 kg Körpergewicht heimkommen, wenn das so weitergeht. Wird es
aber eh nicht, denn satte 117,30 Euro (ohne Trinkgeld), so wie heute, werden
wir sowieso nicht jeden Tag „verfressen“ können 😊. Durch ein eigenes „Privat-Türchen“ sind wir
dann vom Garten des Restaurants auf unseren Campingplatz gekommen und dann
erreichte uns noch eine ganz besonders tolle Nachricht: Unsere liebe Freundin
Marietta hat sich heute ein kleines Kätzchen ins Haus geholt. Sie hatte ja ihr
Leben lang immer Katzen um sich, ihre beiden letzten – Ricco und Jackie – sind
beide über 18 Jahre alt geworden. Jetzt zieht also ein acht Wochen alter Kater
bei ihr ein, sein Name „Garfield“ drängt sich fast auf, denn er ist
rot-getigert. Und alle, wirklich alle, die die Bilder und Videos von Garfield
gesehen haben, sind sich einig: Das ist die süßeste Katze, die wir je gesehen
haben. Und das ist die Wahrheit 😊! Der
blitzblauäugige Kater wird uns noch sehr viel Freude machen und wir freuen uns
sehr darauf, den kleinen Racker kennenzulernen. Lustig – vor unserer Reise hat
Ilse noch bei Marietta nachgefragt, ob sie sich wieder Katzen anschaffen würde.
Einerseits meinte die liebe Etta, sie sei wohl schon zu alt dafür (geh bitte,
mit 63!) doch dann sagte sie: „Aber wenn, dann nur mehr eine, keine rote und
auf gar keinen Fall einen Kater.“ Jaja, die guten, alten Vorsätze … Von
den Singvögeln geweckt zu werden ist jeden Tag aufs Neue eine Freude. Nach dem
Kaffee widmen wir uns kurz unserer WoMo-Uhr, die gleichzeitig die Innen- und
Außentemperatur misst. Die führt seit Anbeginn ihres Daseins ein Eigenleben,
was uns nicht gänzlich unsympathisch ist, denn wir mögen starke Charaktere.
Aber irgendwann reichts dann doch mit der Individualität, mittlerweile kriegen
wir keine Außentemperatur mehr geliefert bzw. steht sie tagelang auf z.B. 25,9
Grad und das Tag wie Nacht. Die Zeitanzeige macht regelmäßig akrobatische
Sprünge und ist manchmal 6 Stunden voraus und dann wieder 10 Stunden zurück.
Und das, obwohl wir uns extra eine Funkuhr zugelegt haben. Aber wie gesagt, ab
heute ist Schluss mit dem Uhren-Egotrip – wir haben nämlich die Batterien
erneuert 😊. Und
siehe da – die Außentemperatur wird wieder verlässlich an das Display gesendet
und die Zeitanzeige ist pünktlich wie bei einer Atomuhr. Also darf sie bleiben.
Das Wetter ist prinzipiell schön, aber weil die Regenwahrscheinlichkeit 40
Prozent beträgt, werden wir heute vorerst nicht mit der Vespa ausfahren. Wir
haben eh einiges zu tun, als erstes gehen wir einkaufen. Eh nur Wasser und ein
paar Flaschen Bier. Dann setzt sich Gernot mal wieder an sein Notebook und
zimmert an unserem Blog herum. Ilse legt sich nach getaner Hausarbeit nieder,
später fängt sie ein neues Buch an zu lesen. Am späten Nachmittag machen wir
uns mit Salami, Parmesan, Tomaten, Oliven, Sardellen und richtigen Semmeln (in
Italien!!) ein frühes Abendessen – das Restaurantbesuch fällt leider aus. Denn
das grandiose Fisch-Restaurant hat heute wirklich geschlossen (Ruhetag) und die
nächstgelegene Alternative ist fast 1,5 km weit entfernt – noch dazu hat der
ganze Weg dorthin keinen Gehsteig aufzuweisen. Mit der Vespa wäre das natürlich
kein Problem, aber Gernot hat schon zwei Bier getrunken, also bleibt der Roller
stehen. Später haben wir noch einen Pasch aufs Tableau geklopft, und weil das
Faulenzen bekanntlich besonders müde macht, sind wir relativ früh schlafen gegangen.
Donnerstag,
21. Mai 2026
Schon
vom frühen Morgen an scheint die Sonne, das wird wieder ein wunderschöner Tag.
Schnell gefrühstückt und die morgendliche Routine erledigt, dann richten wir
uns schon für eine kleine Vespa-Ausfahrt her. Dazu brauchts nur ein leichtes
Jäckchen und das auch nur der Form halber. Obwohl, bei einem 80er im Schatten
sind wir dann eh froh darüber. Wir fahren ohne Ziel los und als uns Grado immer
näherkommt, biegen wir einfach links ab. Nach ein paar Kilometern über eine
kleine Straße finden wir uns dann in „Grado Pineta“ wieder, einem Vorort von
Grado, ebenfalls hauptsächlich dem Tourismus verschrieben. Vor allem in der so
genannten „Ersten Reihe“, also direkt am Meer, ist beinahe jedes Gebäude nur
für Touristen erbaut worden. Wir stellen unser Moped äußerst frech im Schatten
ab und schlendern zur nahen Strandbar. Dort gibt’s einen Cappuccino für Ilse
und den unvermeidlichen Doppio für Gernot. Wir bleiben eine ganze Zeit lang
sitzen, schauen aufs Meer hinaus und lästern mal wieder über unser
Scheiß-Leben. Das geht oft gar nicht anders, denn wir können uns ja nicht
andauernd irgendwo hineinzwicken, um zu spüren, dass das wirklich unser Leben
ist 😊.
Später spazieren wir Hand-in-Hand ein paar hundert Meter dem Meer entlang. Viel
ist natürlich noch nicht los, nur vereinzelt sehen wir andere Leute. Dafür ist
der Bademeister sehr präsent, ausgestattet mit Trillerpfeife und einem
Funkgerät behält er das menschenleere Meer im Auge. Ach nein – das stimmt gar
nicht, denn eine junge Mutter planscht mit ihrem Kleinkind im knöcheltiefen
Wasser … Wir begeben uns zur Vespa zurück und kommen über einige Umwege wieder
zum Damm, der uns nach Grado bringen wird. Okay, dann halt noch einmal Grado.
Heute bleiben wir aber gar nicht im Zentrum stehen, sondern fahren bis ans Ende
des Strandes. Der wird „Grado Piper Beach“ genannt und wir sehen eine Kaffeebar
„Key West“. Die besuchen wir aber nicht, sondern setzen uns in einen kleinen
Park. Die Fußgängerzone von Grado lockt uns kein zweites Mal, aber vielleicht
noch einmal ein „Riso Kebap“? Nein, wir bleiben standhaft und glühen wieder
über den Damm retour. Vielleicht finden wir ja doch noch zum Ort „Belvedere“,
den wir vor dem Losfahren als eines unserer möglichen Ziele im Auge hatten.
Tatsächlich finden wir dann bald einmal eine Abzweigung nach Belvedere, fahren
um eine einzige Kurve herum und sind – in Belvedere. Schnell merken wir, dass
das weder eine Stadt noch ein Dorf ist, sondern bestenfalls ein Weiler. Aber
mit einer schönen, alten Kirche. Direkt in ihrem Schatten stellen wir die Vespa
ab und freuen uns sogleich, dass die Türe der Kirche einladend offensteht. Sie
stammt aus der Mitte des 17. Jahrhunderts und ist relativ schlicht gestaltet,
trotzdem gibt es eine ganze Reihe von Gemälden und Statuen zu betrachten. Und
schon wieder sehen wir eine Darstellung von Jesus als vielleicht Zweijährigem –
und wieder hat das Kleinkind ausgeprägte Geheimratsecken im ansonsten vollen
Haar. Irgendwie schaut das jedes Mal eigenartig aus. In Erinnerung geblieben
ist uns auch das Mosaik eines Pfaus, das direkt vor dem Eingang in den Boden
eingelassen ist. Ilse zündet dann drei Kerzen an, das helle Klimpern der vielen
eingeworfenen Münzen wird hoffentlich bis ins nahe Pfarrhaus zu hören gewesen
sein. Welches übrigens die schöne Adresse „Via Martin Luther King 25“ trägt. 

Nach dem feinen Break bei der alten Kirche sind wir zum Platz zurückgefahren
und es schloss sich hier unsere etwas eckige Rundfahrt 😊. So – und jetzt galt es nur noch, die Zeit bis
zum Abendessen zu überbrücken. Das bewerkstelligten wir zuerst mit einem
kleinen Einkauf im „Market“ und duellierten uns danach am Paschteller. Dann war
es endlich soweit und weil hier heute erst zehn Minuten nach Öffnung des Lokals
eintrudelten, waren wir nicht die ersten Gäste. Heute nahmen wir im schönen Gastgarten
Platz, auch hier ist alles liebevoll gestaltet, eine echte Wohlfühl-Oase.
Wieder wurden wir hervorragend bedient und noch hervorragender verköstigt. Ilse
ist erneut nicht am „Prosciutto Crudo“ vorbeigekommen, diesmal serviert mit
Kartoffeln und gedämpften Blattspinat. Gernot hat sich von der Patrona die
„Sardellen con Cipolla“ empfehlen lassen – die Kombination aus Sardinen und
eingelegten Zwiebeln war ausgezeichnet. Als Hauptgang entschied er sich heute
für „Calamari grigliata“, dazu Petersilie-Kartoffeln. Wieder war das Essen
unbeschreiblich gut und heute haben wir sogar beide eine Nachspeise genossen.
Ilse ein „Tiramisu“, Gernot erneut einen Beerenkuchen. Das war wieder ein
richtig erstklassiges Menü und heute war auch bedeutend mehr los als vorgestern.
Mit den beiden (!!) Doppio von Gernot sind wir dann mit der Rechnung doch noch
über 100 Euro gekommen – aber ohne überheblich wirken zu wollen, das ist eben
ein Luxus, den wir uns zum Glück leisten können. Ob wir noch einmal hingehen
werden? Wer weiß, immerhin haben wir unseren Aufenthalt hier gestern schon um
gleich mehrere Tage verlängert 😊.
Oh je
– unsere netten Nachbarn aus München haben einen Ameisen-Befall in ihrem
VW-Bully. Sie fragen uns um einen Staubsauger, wir bedauern. Das war zwar nicht
ganz die Wahrheit, aber zum Einsaugen hunderter Ameisen ist uns unser Dyson
echt zu schade. War aber eh kein Problem, an der Rezeption konnten sie sich
dann einen Staubsauger ausleihen. Sie hatten die kleinen Krabbelviecher
überall, in den Betten, Decken, allen Plastikboxen und vor Allem natürlich in
den Lebensmitteln. Leider waren sie im Umgang mit ihrem Essen zu sorglos, denn
die entsprechenden Kisten sind stundenlang im Freien gestanden. Das stehen sie
jetzt auch, mitsamt dem Rest der gesamten Habe der beiden. Schließlich
obsiegten die Münchner doch noch und konnten mit stundenlanger Verzögerung abfahren.
Ausgerechnet nach Venedig, Freude treffen. Diese Idee könnten vor einem
Wochenende aber eventuell viele Leute haben… Wir hingegen starten ganz ohne
Säuberungsaktionen in den Tag – unsere eigene natürlich nicht miteingerechnet 😊. Gernot ist dann mal wieder am Blog schreiben,
Ilse liest und später matchen wir uns bei unserem Lieblingsspiel. Gegen 16 Uhr
machen wir uns auf den Weg durch die Pinien-Allee und landen nach dem schönen
Spaziergang wieder genau vor der Basilika. Heute geben wir uns aber nicht mit
einem Kaffee zufrieden, denn direkt neben der kleinen Cafeteria gibt es eine
noch kleinere Pizzeria. Die wird heute angesteuert, wir sind vorerst die
einzigen Gäste und haben den Chef für uns alleine. Der Mann ist äußerst
redselig, um das mal vorsichtig zu formulieren. Er redet eigentlich ganz normal
Italienisch mit uns, obwohl er auch in Deutsch und zumindest auch noch in
Englisch mit uns kommunizieren könnte. Er macht pausenlos einen Gag nach dem
anderen, preist seine Pizzen im höchsten Maße und zählt einige davon auf. Das
könnte sich etwas hinziehen, denn der Laden hat 58 verschiedene Pizzas im
Angebot. Dabei ist diese Pizzeria deutlich kleiner als unsere Wohnung daheim.
Und es gibt nicht nur Pizza, sondern auch Toasts, Burgers, Schnitzel, gebackene
Hühnerflügel und mindestens drei Kinder-Menüs.Trotz dieser beinahe schon
irrwitzigen Auswahl muss es bei Gernots Bestellung tatsächlich einen
Sonderwunsch sein – er hätte nämlich seine Schinken-Salami-Gorgonzola Pizza
gerne mit Alicis extra. Ilse ist mit ihrer Margerita weniger kompliziert und
die heiße Ware ist nach weniger als 10 Minuten fertig. Wir sitzen vor dem Lokal
im Gastgarten und lassen es uns schmecken und sind uns anschließend einig: Da
gehen wir noch einmal hin. Lustig war noch, dass Ilse der Rest ihrer Margerita
in einem sehr kleinen Pizza-Karton verpackt wurde, ganz so, als schauten hie
und da Schneewittchen und die sieben Zwerge auf eine Pizza vorbei 😊. Wir sind dann wieder den sehr netten Weg zum
Campingplatz zurück flaniert und nach einer kleinen Rast hat Gernot unser
Ersatz-Tivoli aufgebaut. Heute spielt nämlich unser Verein FC Wacker Innsbruck
um den endgültigen Meistertitel in der 3. Liga, als Aufsteiger sind sie ja
bereits fix qualifiziert. Der Gegner ist Kuchl, der momentan Zweitplatzierte in
der Tabelle. Dementsprechend heiß umkämpft war die Partie, die heute übrigens
live kommentiert worden ist. Gernot loggte sie sich in den Live-Chat ein und schickte
wackere Grüße aus Grado. Das hat der Kommentator dann vorgelesen und auch ein
weiteres von Gernots Postings. Nett. Zum Spiel selber: Zwar hat Wacker
Innsbruck die erste Halbzeit mit 3:0 beendet, in der zweiten Hälfte ist Kuchl
aber besser ins Spiel gekommen und es entwickelte sich eine abwechslungsreiche
und spannende Partie, aus der unser FCW schließlich mit einem 4:3 und als
verdienter Sieger vom Platz ging. Sodala – jetzt sind wir also Meister auch, am
kommenden Montag geht’s dann noch um den Tiroler Amateurfußball-Cup, mal
schauen, ob das auch irgendwo gestreamt wird.Samstag,
23. Mai 2026 Wie
immer an Schlunz-Tagen war uns das von vornherein klar. Es ist übrigens noch
nie vorgekommen, dass der eine von uns partout faulenzen wollte, während der
andere voller Erlebnishunger war. Noch nie. Da finden wir stets einen Konsens,
ohne darüber groß diskutieren zu müssen. Heute also Nichtstun, das fällt uns eh
am Leichtesten 😊. Wir
sind also die meiste Zeit vor dem WoMo gesessen, haben gelesen und natürlich
gepascht, später fabrizierten wir uns mit Salami, Parmesan und den anderen
italienischen Spezialitäten ein feines Abendessen. Dann haben wir Gernots
Laptop wieder als Fernseher genutzt und zuerst Formel 1 geschaut, danach wurde
das deutsche Cupfinale Stuttgart gegen Bayern aus Berlin übertragen, Bayern hat
das Match 3:0 gewonnen. Alle drei Tore hat Stürmerstar Harry Kane geschossen,
übrigens mit einem lupenreinen Hattrick. So, das war es dann für heute,
vielleicht gibt’s ja morgen wieder mehr Aktivität. Wobei – sicher ist das nicht
…😊.
Sonntag,
24. Mai 2026
Auch
den Pfingstsonntag lassen wir ganz gemütlich angehen und schlafen erst mal so
richtig aus. Das Wetter ist schön, wir sitzen praktisch den ganzen Tag im
Freien. Die Temperatur lässt es zu, dass sich Gernot ein wenig im Alkoven
ausstreckt – da passierte es schon wieder. Wie in Klagenfurt, so versuchte
erneut eine Wespe, direkt bei Gernot ein Nest zu bauen – diesmal unter dem
Kopfpolster, auf dem er ruhte. Sofort entfernten wir die zerbrochenen Stücke
der Neströhre und Ilse fand dann noch ein Stück, das schon mehrere Zentimeter
lang war! Unglaublich. Diesmal ist es übrigens keine Spinnenjäger-Wespe wie in
Kärnten, sondern eine Feldwespe. Danke ChatGPT. Das Insekt ist höchstens so
groß wie eine Fliege, aber viel schlanker. Kaum zu glauben, dass ein so kleines
Tier so schnell eine so große Röhre fabrizieren kann. Mehrmals hat sich Gernot
vergeblich bemüht, die Feldwespe zu erledigen, denn so etwas können wir einfach
nicht tolerieren. Wenn wir die nicht bald kriegen, dann legt auch diese Wespe
einen Futtervorrat für die Nachzucht in Gernots Bett – wahrscheinlich wieder
Spinnen. Das kann ja nun wirklich niemand wollen. Schließlich war es Ilse, die
der Wespe den Garaus gemacht hat, aber auch sie benötigte mehrere Versuche, den
Nervenknacker zu erwischen. Weil uns langsam aber sicher die Biervorräte
schwinden, pilgern wir am späteren Nachmittag zum Market rüber, der hat nämlich
auch sonntags geöffnet. Und das stimmt auch, allerdings leider nur am
Vormittag. Wurscht, geht ohne auch, außerdem gehen wir heute Abend eh ins
Restaurant, da gibt’s sogar ein Hirter Pils 😊. Und schließlich ist es dann Abend geworden und
wir nehmen wieder im Freien Platz. Heute ist ziemlich viel los, trotzdem müssen
wir nicht lange auf unsere Getränke und auf das Essen warten. Ilse kommt schon
wieder nicht am „Prosciutto Crudo“ vorbei, übrigens ist dieser Schinken eine
berühmte, lokale Spezialität. Dazu gibt’s Pommes. Gernot weiß, dass er für
längere Zeit kein „Polpo a Limone da Rucola“ genießen wird können, also
bestellt er sich die kalt marinierten Stücke vom Oktopus noch einmal. Als
Hauptspeise gibt es heute „Pasta con Pesce“, weder den Namen der speziellen
Nudeln, noch den des Fisches haben wir behalten. Völlig egal, in jedem Fall war
das ein traumhaftes Gericht. Zum Abschluss nahm sich Gernot noch einen
Früchtekuchen, den er naturgemäß mit einem Doppio runterspülte. Zum Glück
bekamen wir zur Rechnung noch je einen Limoncello, sonst wären wir doch
tatsächlich kaum alkoholisiert vom Tisch aufgestanden 😊.
Zurück am Platz haben wir uns bis nach
Einbruch der Dunkelheit vor unser WoMo gesetzt und das hat sich dann so richtig
ausgezahlt. Denn zuerst flitzten die Fledermäuse kreuz und quer über unsere
Köpfe hinweg und dann bekamen wir noch ein Spektakel der Sonderklasse
präsentiert: Glühwürmchen!! Nicht nur eines, sondern einige – beinahe schon
viele. So süß! Den Anblick dieser Leuchtkäferchen haben wir gemeinsam überhaupt
erst ein einziges Mal erlebt, damals beim „Schinderhannes“ in Deutschland. Für
Gernot ist es überhaupt erst das dritte oder vierte Mal im Leben, davon einmal
gemeinsam mit Nadja im indischen Rishikesh. Natürlich sind die Glühwürmchen
auch anderen Campern aufgefallen und allerorts sind zahlreiche entzückte
„Ahhhs“, „Ohhhs“ und „Schau da!“ zu hören. Vor allem für die Kinder waren die
grellgrünen Lichter der Glühwürmchen natürlich die Sensation und sie
werden diesen Abend lange nicht vergessen. Und so etwas wie unser Schwager
Erich erlebt hat, dass er mit dem Rad im Wald oberhalb von Innsbruck in einen
riesigen Schwarm von Glühwürmchen geraten ist, das passiert einem ohnehin
höchstens einmal im Leben. Und auch dann muss man, so wie Erich, erst einmal 91
Jahre alt werden 😊. Montag,
25. Mai 2026 Wieder
haben wir bis fast 9 Uhr geschlafen, draußen herrscht bereits schönstes Wetter.
Das wird heute unser letzter Tag bei Grado sein, es zieht uns weiter. Im Lauf
des Tages wird es dann über 30 Grad warm, es weht aber stets ein leichter Wind
und so spüren wir überhaupt keine Hitze. Nach einem Pasch spazieren wir die
paar Meter rüber ins kleine Lebensmittelgeschäft, obwohl wir eigentlich nichts
brauchen. Aber wir kaufen uns Sardellen und gefüllte Oliven, sozusagen als
Vorrat, und ein paar Bier nehmen wir auch noch mit. Am Nachmittag folgt dann
Kapitel zwei im Feldwespen-Drama, denn schon wieder wird Gernots Bett für einen
Nestbau ausgesucht. Während er im Bett liegt, wohlgemerkt. Wir machen beide
sofort Jagd auf die Viecher, die sogar im Doppelpack Nestbaumaterial
heranschaffen. Heute dauert es nicht so lange wie gestern, bis die lästigen
Insekten vor ihrem Schöpfer stehen. Es ist wirklich faszinierend, wie klein
diese Insekten sind, fast so schlank wie Gelsen. Eine erwischten wir direkt in
Gernots Bett, die andere war gerade dabei, über die WoMo-Tür ins Innere zu
kommen, bis sie halt von Ilse erspäht worden ist – zack und weg. Tatsächlich
haben wir danach Ruhe vor Wespen dieser Art, da sind uns ja sogar ihre
gelb-schwarzen Namensvettern lieber. Die stechen wenigstens nur. Im Laufe des
Nachmittags rüsten wir dann nach und nach das WoMo auf Fahrbetrieb um und
zuletzt hieven wir die Vespa auf ihren Träger. Ilse geht dann zahlen und kommt
um 228,80 Euro leichter zurück 😊.
Zwar wäre Gernot heute gerne noch einmal ins Fischrestaurant rüber gegangen,
denn wann wird er wieder Oktopus am Teller haben? Aber ein Restaurantbesuch
wäre aus gleich zwei Gründen unvernünftig gewesen und da ist der finanzielle
Aspekt gar nicht miteinberechnet. Aber erstens hat Gernot gar keinen richtigen
Hunger und zweitens haben wir noch einige Lebensmittelreste zu verwerten, da
wollen wir nichts verkommen lassen. Und so fabrizieren wir uns mit Salami,
Käsewursct, Sardellen und Oliven eine 1a Jause und haben dabei noch ordentlich
Geld gespart. Am Abend erfreuten uns erneut zahlreiche Glühwürmchen – schon
allein aus diesem Grund werden wir den Campingplatz in Aquileia niemals mehr
vergessen. Morgen geht’s weiter!
Dienstag,
26. Mai 2026
Fahrtag
bedeutet für uns: Früh aufstehen. Nun ja, um 6 Uhr sind wir natürlich noch
nicht aus den Betten gekrochen, 8 Uhr haben wir es schon werden lassen.
Zusammengepackt haben wir ja eh schon gestern, also bleibt uns genügend Zeit,
noch mit unserem netten Nachbarn zu plaudern. Wir gratulieren ihm zu seiner
„Leistung“, dass nämlich keines der beiden Mädchen je ein Handy in der Hand
gehabt hat – und die Größere ist sicher schon 13 Jahre alt. Das muss man erst
einmal hinkriegen! Ilse fragt ihn dann nach seinem Namen und seinem Beruf – er
heißt John und ist Banker. Aber: „Das wollte ich eigentlich nie werden, ich bin
da so reingerutscht. Und jetzt komm ich da irgendwie nicht mehr raus – wegen
der Kohle natürlich und weil ich schon auf die 50 zugehe. Aber meinen Kindern
würde ich von diesem Job abraten, die sollen lieber etwas machen, was ihnen
Spaß und Freude bereitet.“ John freut sich dann noch sehr über das Buchgeschenk
von Gernot, das Taxler-Buch ist es geworden. Genau dafür haben wir immer einen
kleinen Vorrat an Gernots Büchern mit dabei – als kleine Geschenke für
besonders nette Menschen. Verkauft haben wir übrigens noch nie eines, das ist
Aufgabe des Verlages. Wir sind dann noch vor 10 Uhr vom Campingplatz
weggekommen und haben bei der nahen Tankstelle gleich mal vollgetankt. Der
Verbrauch unseres Häuschens war mit 9,48 Litern auf 100 Kilometer wieder mal
sehr erfreulich. Bei Palmanova sind wir dann auf die Autostrada aufgefahren,
auf der bleiben wir jetzt bis Villach.
Unser heutiges Tagesziel wird der kleine
Ort Mühlen sein, da gibt es einen Campingplatz an einem Badesee, der nennt sich
erstaunlicherweise „Campingplatz am Badesee“ 😊. Und er befindet sich bereits in der
Steiermark, wir müssen also sozusagen durch ganz Kärnten durch. Auf der
italienischen Autostrada kommen wir gut voran, der Verkehr ist mäßig und die
paar LKW schnupfen wir locker weg. Über die Grenze zu Österreich fahren wir mit
einem 90er drüber und ein paar dutzend Kilometer weiter fahren wir in Villach
ab. Aber nur, um beim BILLA unser österreichisches Leergut zurückzugeben.
Kaufen wollten wir eigentlich nichts, aber weil Gernots bevorzugtes Dosenbier
mit je 0,59 Cent im Angebot war, durften gleich 2 mal 24 Stück Egger mit uns
kommen. Und jede einzelne dieser Dosen trägt ein Portrait unseres
Fußball-Nationalhelden Marko Arnautovic – jaja, die WM steht vor der Tür. Nach
dem Zwischenstopp beim BILLA sind wir wieder auf die Autobahn aufgefahren, bis
wir uns schließlich bei Klagenfurt-Nord auf die Bundesstraße verfügten. Ilse
kennt sich ja in dieser Gegend besonders gut aus, weil sie jahrzehntelang (auch
mit ihrer Mutter) in Althofen gekurt hat. Was sie aber nicht wusste – die
Bundesstraße nach Althofen ist mittlerweile eine vierspurig ausgebaute
Autostraße, auf der wir mit unserer Schnecke locker mit einem 90er unterwegs
sein können – genauso schnell wie auf einer Autobahn. Dementsprechend zügig
sind wir vorangekommen, denn erst bei Althofen endete die Autostraße und
mündete in eine normale Bundesstraße. Keine 20 Kilometer vor unserem Tagesziel
lockte uns dann ein Parkplatz, auf den Ankündigungsschildern waren auch Messer
und Gabel abgebildet. „Eine Essensmöglichkeit auf einem Parkplatz mitten in der
Pampa?“ wunderte sich Gernot und schon standen wir vor einem ausgewachsenem
Imbiss-Kiosk. Eh super, wir bestellten uns für den kleinen Hunger je ein Paar
Frankfurter und was zu trinken. Das mit der Flüssigkeitszufuhr ist heute ganz
besonders wichtig, denn von Beginn der Fahrt an sind wir nur bei strahlendem
Sonnenschein unterwegs und im Führerhaus zeigt das Thermometer satte 36 Grad.
Nach dem Break haben wir es dann gleich geschafft und exakt um 14 Uhr 40 fahren
am „Campingplatz am Badesee“ vor. Die Rezeption ist unbesetzt, aber wir
brauchen nur die an der Tür ausgewiesene Telefonnummer anrufen und knapp 20
Minuten später eilt die Chefin schon herbei. Sie ist uns sofort sympathisch und
auch der Platz selbst macht einen ausgezeichneten Eindruck. Wir können frei
einen Platz wählen und stellen uns auf der ersten von drei kleinen Terrassen
auf. Schnell sind die Ankunftshandlungen erledigt, die Vespa abgeladen und der
Strom angesteckt. Wir setzen uns dann gleich ins Freie, doch plötzlich zieht es
zu und die ersten Tröpfchen fallen. Eh super, bei der Hitze. Aber für unsere
mit Stoff bezogenen Campingstühle ist starker Regen natürlich suboptimal und
wir packen gleich alles zusammen ins Führerhaus. Die Camper von gegenüber
lächeln ein wenig über unsere Vorsicht, drei Minuten später tun sie das
allerdings nicht mehr. Denn dann werden auch sie vom heftigen Starkregen ins
Wohnmobil vertrieben und ihr Aufbruch ist um einiges hektischer als unserer 😊. Wir stehen neben einem Baum, in dem es ein
Nest von Singvögeln gibt, die wir zuerst nicht zuordnen können. Eine kleine
Nachschau im Internet ergibt dann, dass es sich bei den Vögeln um Singdrosseln
handelt. Sehr schön. Der Regen verzieht sich dann bald einmal wieder und Ilse
spaziert zum kleinen Badesee runter. Ihre „Zehenprobe“ meldet lauwarmes Wasser,
passt. 

Ab 16 Uhr ist das Restaurant am Platz geöffnet und ein paar Minuten
später sitzen wir schon bei Tisch. Die Betreiber des Campingplatzes, die
Familie Wernig, sind Schafbauern und dementsprechend finden sich gleich mehrere
eigene Erzeugnisse auf der Speisekarte. Also lässt sich Gernot zuerst eine
„Suppe mit Lammlungenstrudel“ bringen, so etwas hat er noch nie auf dem Teller
gehabt. Auch Ilse startet mit einer „Suppe mit Frittaten“ und wir sind und
beide sofort einig, dass wir seit unendlich langer Zeit nicht mehr eine derart
gute Suppe in einem Gasthaus serviert bekommen haben. Einfach nur traumhaft!
Gernot gönnt sich danach noch die „Pizza des Hauses“, die mit Salami, Schinken
und rotem Paprika daherkommt – sehr delikat. Ilse gibt sich mit einem
„Schinken-Käse Toast“ zufrieden, das lässt ihr immerhin Raum für eine Nachspeise.
Und die hat es in sich, denn Ilse bestellt sich zwei Kugeln Vanilleeis mit
Schlagobers und dazu 500 Gramm Erdbeeren 😊. Die
werden hier extra angeboten und Ilse hat gleich ein ganzes Körbchen voll
genommen. Unnötig hinzuzufügen, dass keine einzige Erdbeere diesen Tag überlebt
hat. Gernot wagte sich bei seinem Dessert auf unbekannte Pfade und hat sich für
das Angebot „Starker Kern-Steirer“ entschieden. Dabei handelt es sich um
ebenfalls zwei Kugeln Vanilleeis, aufgepeppt durch eine ordentliche Portion
Kernöl-Likör. Diese Nachspeise lässt sich mit nur zwei Worten perfekt
beschreiben – abartig gut 😊. Was
für ein fantastisches Essen, da gehen wir morgen wieder hin – und sei es nur
für eine Suppe. Denn von denen stehen noch einige Variationen zur Auswahl und
es ist zu erwarten, dass wir sie alle (!!) durchprobieren werden. Wir sind sehr
gut hier angekommen, Ilse hat für uns – quasi aus dem Bauch heraus – wieder
einmal den idealen Platz gefunden. Mittwoch,
27. Mai 2026
Wir
erwachen bei richtig schönem Wetter, aber das ist trügerisch. Denn unsere
verlässliche Wetter-App prognostiziert für heute eine Regenwahrscheinlichkeit
von 40 Prozent. Also bleibt die Vespa unter ihrer Plane, wir haben eh einiges
zu tun. Gernot darf mal wieder mit großer Lust und Laune in unserem Blog
herumfuhrwerken, Ilse darf, mit ein bisschen weniger Lust und Laune, ein paar
von Gernots Sachen waschen. So hat er sich zum Beispiel gestern beim Essen
seine schöne, grellgelbe Hose angepatzt – eh nur mit Kernöl. So einen Fleck
kann man nur mehr mit der Schere entfernen 😊, wir wissen das eh selber. Natürlich ist der
Kernöl-Unfall immer noch zu sehen, dafür hat Gernot jetzt wieder ein halbes
Dutzend seiner Unterhosen mehr im Schrank. Nach einem Pasch und einem kleinen
Schläfchen sind wir wieder ins Restaurant hinauf gegangen und haben erneut
wunderbar gegessen. Ilse entschied sich heute für die „Nudelsuppe“ und
anschließend für eine „Saure Wurst“. Gernot sagte ja zur „Nudelsuppe mit
Rindfleisch“ und danach bestellte er sich eine Portion „Lammleberkäse sauer“.
So etwas ist ihm noch nie untergekommen und es war wieder unbeschreiblich
delikat. Ach ja – auch heute haben wir uns beide die gleiche Nachspeise wie
gestern gegönnt – Ilse ihr „Vanilleeis mit 500 Gramm Erdbeeren“ und Gernot
seinen „Starken Kernsteirer“, natürlich begleitet von einem Doppio. Der
übrigens nicht als doppelter Espresso daherkommt, sondern als fünf- bis
sechsfacher. Gernot protestierte nicht … 😊. Am
Platz hat uns dann ein wunderschöner Buchfink besucht, er war bereits gestern
zu hören, seinen Ruf kennen wir ja schon lange. Heute war er also auch
persönlich da, zeigte sich maximal un-schüchtern und es hätte nicht viel
gefehlt und er wäre uns ins WoMo hineingesprungen. Seine Zeichnung am Köpfchen
erinnert derart an eine Sonnenbrille, dass wir nicht anders konnten, als den
feschen Buchfinken zu fotografieren und ins Netz zu stellen.Und "Mister Coolman mit der Ray-Ban Sonnenbrille" ist überaus gut angekommen. Morgen werden wir die Gegend hier ein wenig mit der Vespa erkunden, das vorausgesagte Wetter lässt das ohne Weiteres zu. Nach
dem Frühstück lassen wir das Wetter noch ein wenig wärmer werden, bevor wir uns
für eine Ausfahrt bereit machen. Ilse nutzt die Zeit und schreibt mal nieder,
welche Tiere wir auf dieser Reise bereits gesehen haben. Die Liste erhebt
keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ist durchaus beeindruckend: Spatzen,
Amseln, Specht, Tauben, Drosseln, Zwergohreulen, Kuckucke (beide nur gehört),
Bachstelzen, Wiedehopfe, Kormoran, Reiher (ein kleiner weißer und ein großer
grauer), mehrere Greifer, Fledermäuse, Aurora-Falter, Glühwürmchen, Ölkäfer,
Buchfink, Möwen, Hausrotschwanz, Eichhörnchen, Eidechsen, Hornissen,
Feldwespen, winzige Frösche, gelbe Libellen (erinnern an einen ÖAMTC
Hubschrauber), blaue Libellen, Kaulquappen, Rotfedern (Fische), Schwan, Enten
usw. Wie gesagt, das sind bei Weitem nicht alle Tiere, die uns bislang begegnet
sind – aber Kühe, Esel, Schweine, Hühner, Fliegen, Bienen, Wespen, sämtliche
andere Insekten etc., sind nur der Vollständigkeit halber erwähnenswert. Und
das allerlässigste von allem ist: Wir haben bzw. nehmen uns ganz einfach die
Zeit, diese Tiere ausgiebig zu beobachten und darüber zu staunen. Wie schön,
dass wir dafür die Zeit und die Muse haben. Doch jetzt zurück zum heutigen Tag:
Wir sind schließlich noch vor 12 Uhr vom Platz weggekommen und die Vespa zeigte
sich von der ersten Sekunde an sehr lauffreudig. Zuallererst mussten wir in den
nahen Ort Mühlen hinüber, da gibt es einen Raika-Bankomaten und wir brauchen
frisches Bargeld. Passt – mit den abgehobenen 2 mal 400 Euro sind wir
kohlemäßig wieder auf der sicheren Seite. Bald einmal danach überquerten wir
die Landesgrenze zu Kärnten und sind dann gleich in den Ort Hüttenberg
gekommen. Hier hat sich Heinrich Harrer mit einer Art „Dalai Lama Gedenkstätte“
verewigt – wir bestaunen aber lediglich die zahlreichen Metall-Treppen, die in
schwindelerregende Höhen führen. Überall wehen die typischen, nepalesischen
Gebetsfahnen, fernöstliche, religiöse Motive sind in die Felsen gehauen worden
und Gebetsmühlen können auch gedreht werden. Natürlich wirkt das alles
vollkommen deplatziert hier, aber das ist vermutlich die Absicht dahinter.
Eventuell hätten wir auch in einem Gasthaus etwas gegessen, aber außer einem
Kaffeehaus war nichts dergleichen auszumachen. Nach einem Abstecher ins hoch
über dem Tal gelegenen Knappenberg sind wir („Brückl nicht“!) nach Guttaring
gekommen. Hier haben wir – ein Auftrag von Ilses Schwester – einmal kurz
gewunken, denn in Guttaring hat Sigrid vor 38 Jahren ihren Erich geheiratet.
Der Ort hat aber neben der Dorfkirche noch eine Wallfahrtskirche zu bieten und
wir fuhren zur „Mariahilf“ hin. Die letzten hundert Meter zum Eingang des
Gotteshauses waren dann derart steil, dass Gernot nur darüber lachen konnte –
da hinauf braucht er vier Tage. Natürlich nicht und es hat sich wieder einmal
bewiesen, dass er seine Arterien-Erkrankung gut in den Griff bekommen hat, denn
er hat diese Herausforderung in einem Zug (!!) bewältigt. Die Kirche selber
gibt dann nicht allzu viel her, wie oft in Kärnten, so ist auch „Mariahilf“ heillos
mit Gold und Prunk überladen, das gefällt uns nicht. Ist aber ausschließlich
eine Geschmacksache. Jedenfalls hatten wir von so hoch oben eine fantastische
Aussicht auf die Umgebung. Und wie steil der Weg hier herauf ist, zeigte sich
bei der Abfahrt eines Klein-LKW, denn der ist beim Bremsen sofort ins Rutschen
gekommen und wäre beinahe senkrecht fünf Meter abgestürzt. Das war so richtig
knapp, wir sind direkt danebengestanden. Unsere nächste Station war dann
Althofen, hier kennt sich Ilse besonders gut aus. Kannte sich besonders gut
aus, denn auch dieser Ort hat sich in den letzten Jahrzehnten laufend
verändert. Ins Zentrum finden wir trotzdem auf Anhieb und weil Essenszufuhr
unser oberstes Prinzip ist, bleiben wir beim allerersten Lokal stehen – sie haben
laut Aufdruck auf ihrer Markise auch Pizza im Angebot. Nun, hatten sie nicht
mehr, es war bereits nach 14 Uhr. Außerdem waren wir die einzigen Gäste und
genau in diesem Moment hätten wir aufstehen und gehen sollen. Stattdessen haben
wir uns von der Kellnerin zum Bleiben überreden lassen – für Gernot hatte sie
noch „Rindsgulasch mit Spätzle“ im Angebot, für Ilse immerhin „Kaspressknödel“
und einen Salat. Vielleicht lag es ja an der Sprachbarriere, dass die
ungarische Kellnerin das Wort „Kaspressknödel“ gar nicht kannte, denn Ilse
bekam typische „Kärtner Kasnudeln“ serviert, eine lokale Spezialität. Die
übrigens aus gutem Grund nirgendwo sonst in Österreich erhältlich ist, die
Dinger sind nämlich – nicht nur hier, sondern überall – vollkommen geschmacksneutral.
Und sie haben nichts mit Käse zu tun, in Kärnten nennt man den Topfen so. Ein
langweiligeres Essen kann man sich nur schwer vorstellen. Auch der Salat hat
nicht viel hergegeben, auch wenn die Kellnerin beim Servieren vom wertvollen
Trauben-Öl geschwärmt hat. Nun ja, vielleicht ist er dann mit unbescheidenen
11,20 Euro auf der Rechnung gestanden. 11,20 – für einen Beilagen-Salat, na
servas! Weil Ilse, mit Gernots tatkräftiger Unterstützung, nur einen ihrer
sechs „Kasnudeln“ runterbrachte, bekam die Kellnerin dann doch ein schlechtes
Gewissen und hat großzügig auf die Bezahlung von Ilses Cola verzichtet. Über 40
Euro haben wir trotzdem abgelegt, ein echter Reinfall, aber eh erst der erste
auf dieser Reise. Beim Weiterfahren haben wir dann trotz des Desasters wirklich
lachen müssen, denn nur eine Kurve weiter hätten wir gleich drei, allesamt gut
besuchte, Restaurants zur Auswahl gehabt, eines davon wäre ein Kebap-Laden
gewesen. Die nächste Station auf unserer Runde war dann Friesach, wir sind aber
nur durchgefahren. Bis nach Sankt Salvator, obwohl wir wussten, dass das für
uns nicht auf der Strecke liegt. Die Kirche haben wir aber doch besucht und uns
ein wenig ausgeruht. Danach haben wir umgedreht und sind auf jene Bundesstraße
gekommen, die wir schon von der Herfahrt kennen. Dort sind wir im Windschatten
eines LKW mit 90 km/h dahingebrettert, verfolgt von einem Sattelschlepper, der
kaum 15 Meter hinter uns fuhr. Doch schon nach wenigen Kilometer ließ uns das
Hinweisschild „St. Veit in der Gegend“ von der viel zu hektischen Bundesstraße
abfahren und wir waren wieder völlig alleine unterwegs. Und völlig alleine sind
wir dann auch verloren gegangen, denn nach dem Ort „St. Veit in der Gegend“
dürften wir uns gleich mehrmals hintereinander verfahren haben. Eh wurscht
eigentlich, wir waren ja nur wenige Kilometer vom Campingplatz entfernt,
gefunden haben wir ihn aber dennoch lange nicht 😊. Einmal sind wir aufs „Gerate wohl“ einen Hügel
hochgefahren, bis diese gnadenlose Bergprüfung einfach zu steil wurde. Zum
Glück muss man sagen, denn wer weiß, wo wir da gelandet wären … Schließlich
haben wir dann beim „Hörfeld Moor“ wieder auf die Landesstraße zurückgefunden
und gesehen, dass wir längst kilometerweit über unser eigentliches Ziel
„hinausgeschossen“ waren. Aber in Wirklichkeit lieben wir ja dieses
„verloren-gehen“, denn das hat uns schon oft zu wunderschönen Plätzen geführt.
Zurück beim WoMo ist uns dann gar nicht viel Zeit zur Erholung geblieben – der
„Ruf der Suppen“ wurde unüberhörbar lauter. Heute hat es für Gernot die
„Leberknödelsuppe“ gegeben – wieder war nicht nur die Suppe unglaublich
delikat, auch die beiden Leberknödel waren die besten, die Gernot je gegessen
hat. Ilse hat erneut der Versuchung „Frittatensuppe“ nicht widerstehen können,
als Draufgabe hat sie sich wieder einen „Schinken-Käse Toast“ bringen lassen.
Sehr gut. Gernot hatte ja noch das Gulasch aus Althofen im Bauch, also begnügte
er sich als Hauptgang mit dem „Starken Kern-Steirer“. Beim Hinausgehen haben
wir dann noch eine Wienerin (genauer aus Baden bei Wien) getroffen, die alleine
mit ihrem Hund Berti in ihrem Wohnmobil unterwegs ist. „Mein Mann sitzt lieber
zu Hause und kümmert sich um den Garten“, meinte sie lachend. Hund Berti hat
sich dann sogleich in Gernot schockverliebt und einen regelrechten
Kuschel-Anfall gekriegt. Da ist er bei Gernot genau an der richtigen Adresse,
denn der hat natürlich sofort und genauso heftig zurückgekuschelt 😊. Mit einem Pasch im Freien haben wir diesen Tag
dann abgeschlossen – einem Tag an dem wir immerhin 97 Kilometer mit der Vespa
unterwegs waren. Morgen fahren wir wieder aus, das Wetter erlaubt uns das.Freitag,
29. Mai 2026 Nachts
ist die Temperatur bis auf 7 Grad gefallen, mit unseren Decken (man beachte den
Plural 😊) war
das allerdings kein Problem. Mit Unterstützung der Heizung konnten wir dann
bald einmal im T-Shirt frühstücken und haben die vielen Vögel auf unserem Platz
gleich mitfrühstücken lassen. Mit echtem Marmorkuchen, der erst im August
abläuft. Aber wir werden ihn nicht mehr mit nach Hause nehmen, also kriegen ihn
die Spatzen, Amseln, Drosseln und natürlich der Herr Buchfink, falls er wieder
vorbeischaut. Wir verbringen einen gemütlichen Vormittag und fahren gegen
Mittag mit der Vespa rüber ins nahe Dorf Mühlen. Der Ort wird drei, vier
Kilometer entfernt sein und noch im WoMo hat Ilse gegoogelt, dass das
Dorfgasthaus „Zum Hirschenwirt“ geöffnet hat. Das Lokal ist gut besucht, wir
nehmen auf der überdachten Terrasse Platz und haben in der Folge sehr gut
gegessen. Ilse kriegt mal wieder ein „Wiener Schnitzel mit
Petersilienkartoffel“, Gernot wagt sich über das „Genuss-Pfandl“. Das Wagnis
war aber durchaus ein überschaubares, denn schon in der Karte war das Essen als
„Gefüllte Hühnerbrust mit Pilzrahm-Sauce und Reis“ beschrieben. Ein richtig
gutes Wirtshausessen mit supernetter Bedienung, noch dazu zu sehr fairen
Preisen – wir haben mitsamt unseren Getränken nur 38,80 Euro abgelegt. Derart
gestärkt war uns nach einer kleinen bis mittleren Vespa-Tour und wir sind, noch
in Mühlen, den Hinweisschildern zur Tonnerhütte gefolgt. In etwas mehr als
sechs Kilometern brachte uns die Straße in zahlreichen, steilen Kehren bis auf
1.600 Meter hinauf. Mit Asphalt war es dann bald einmal vorbei und über feinen
Schotter ging es der Hütte entgegen. Gernot fuhr den ganzen Weg über höchstens
mit Halb-Gas, damit sich unsere Vespa ja nicht zu sehr anstrengen musste. Hat
wunderbar funktioniert, oben angekommen war unsere rote Prinzessin nicht einmal
annähernd heiß. Wir haben uns vor der Hütte an einen Tisch gesetzt, der Kellner
war sofort da – der Haushund noch schneller 😊. Wir haben uns einen Kaffee bestellt und Gernot
nahm sich noch einen Topfenstrudel mit Schlag dazu. Obwohl wir den netten
Haushund eigentlich nicht füttern wollten, hat er dann doch das Meiste
abgekriegt. Der Strudel war nicht mehr so ganz frisch, sagen wir mal so. Aber
für den Hund hatte er eindeutig die perfekte Qualität – kein Bröselchen ist
übriggeblieben.
Die Talfahrt auf dem rutschigen Untergrund war dann weit
anstrengender als die Herfahrt, oft suchte sich die Vespa im tiefen Schotter
alleine ihren Weg, da fungiert dann auch Gernot nur mehr als Nebendarsteller 😊. Aber es ist mal wieder alles gut gegangen und
ab Jakobsberg hatten wir dann eh wieder Asphalt unter den kleinen Reifen.
Zurück in Mühlen sind wir an der Bundesstraße links abgebogen, Ilse wusste von
einem Ort namens St. Martin am Silberberg. Wir sind zwar noch in die Abzweigung
nach St. Martin hineingefahren, aber sofort stehengeblieben. Nein Danke –
geschotterte Straßen hatten wir heute schon genug, das wollen wir auch unserer
Vespa nicht gleich noch einmal antun. Also haben wir umgedreht und sind – mit einem
Abstecher über St. Helen – zum Campingplatz zurück. Wir werden heute nicht ins
Restaurant gehen, stattdessen paschen wir und beobachten die Vögel, die wir
weiterhin brav füttern – es ist immer noch genug Marmorkuchen da. Gestern
hat Ilse noch mit dem „Campingplatz Kölbl“ telefoniert und für Montag unser
Kommen angekündigt. Wir werden also noch einmal an den Ossiachersee
zurückkehren, warum auch nicht? Der heutige Tag beginnt für Ilse bereits um 5
Uhr 46, sie schaltet gleich die Heizung auf Höchststufe, weil es ihr
außergewöhnlich kalt vorkommt. Deshalb schaut sie auch auf unsere
Temperaturanzeige – tatsächlich hat es draußen nur 3,8 Grad (!!), herinnen
wenigstens 11,9 Grad. Das Wetter ist aber gar nicht schlecht und es wird auch
schnell wärmer, es könnte allerdings jederzeit zu regnen beginnen. Also warten
wir bis zu einer Ausfahrt noch ein wenig ab und gehen uns ausgiebig duschen.
Dann gammeln wir ein bisschen im WoMo herum, bis uns das Wetter endlich stabil
und warm genug ist. Bis Friesach fahren wir auf einer Bundesstraße, von der wir
dann in Richtung Ingolsthal abbiegen. Kurz nach Durchfahrt des kleinen Ortes
sehen wir ein Schild nach St. Lambrecht, da wollen wir eh hin. Geil – eine
Abkürzung. Nein, war es nicht. Denn schon sehr bald ist die asphaltierte Straße
erneut in einen geschotterten Weg gemündet, der sich dann gleich einmal in eine
Art Waldpfad verwandelte. Und wieder sagten wir „Danke schön, auf Wiedersehen“.
Keine Waldstraßen-Abenteuer, wenn es nicht unbedingt sein muss – die Betonung
liegt auf „unbedingt“ 😊.
Also haben wir am Stand umgedreht, sind über Ingolsthal wieder zur Bundesstraße
gekommen und bis Mettnitz geblattelt. Dort haben wir unser treues Moped mit
frischem Benzin versorgt und wollten uns dann beim SPAR zwei Wurstsemmeln
kaufen. Aber leider verpassten wir die Einkaufszeit um sechs Minuten – tja,
Pech. Aber, was zuerst ein Pech ist, kann schnell zum Glück werden, denn nach
Durchfahrt der kleinen Ortschaften „Steirisch Laßnitz“ und „Kärntner Laßnitz“,
die direkt beieinander liegen, waren wir nicht nur wieder in Kärnten, sondern
standen mehr oder weniger unvermittelt vor einem großen Gasthaus namens
„Freizeit-Wirt“. Mit dem wunderbaren Schild: „Ganztägig warme Küche“. Sehr
super. Natürlich kehrten wir sofort ein und wurden freundlich empfangen. Wir
setzten uns auf die Terrasse und haben uns aus der Speisekarte einen
„Suppentopf mit dreierlei Einlage“ für Ilse ausgesucht, für Gernot gab es heute
„Gebackene Champignons mit Sauce Trara und Salat“. Beides hat vorzüglich
gemundet und Gernot hat endlich mal wieder frittierte Schwammerln am Teller
gehabt – das erste Mal seit gut 40 Jahren 😊. Ilse war auch sehr angetan von ihrem
Suppentopf, der ohne Übertreibung so groß war, dass er auch vier Liter fassen
hätte können. Dafür waren die Einlagen herzig klein, der Leberknödel und der
Kaspressknödel haben wirklich süß ausgeschaut – das Grießnockerl war übrigens
normal groß. Für Gernot hat die Kellnerin (gleichzeitig die Chefin) eine leere
Suppenschüssel gebracht. Sehr aufmerksam und es wurde auch nichts verrechnet.
Danach gab es für Gernot noch einen Doppio – und er freute sich, dass der, wie
so oft in Österreich, als fünf- bis sechsfacher Espresso dahergekommen ist 😊. Nach dem hervorragenden Break sind wir dann
nach St. Lambrecht gekommen, haben dort aber nur einen kurzen Stopp eingelegt.
Danach sind wir über Neumarkt in der Steiermark zum Campingplatz zurück, wo
unsere 103 Kilometer lange Runde endete. Richtig geil war es mal wieder, so
lässige Strecken, so feines Wetter und so gutes Essen. Mehr geht ja echt schon
nimmer … Wir haben als erstes ein wenig die Beine lang gemacht und matchten uns
danach im Freien am Pasch-Teller. Ilse hat dann unseren Aufenthalt hier bezahlt
und für uns, und als Mitbringsel, vier Flaschen Kernöl gekauft. Für Gernot hat
es als Geschenk des Hauses noch eine Packung mit Schafwürsteln gegeben – sehr
nett. Im WoMo sahen wir dann, dass Chefin Marieke eine Flasche Kernöl auf der
Rechnung vergessen hatte – das werden wir beim Abendessen richtigstellen. Denn
trotz dem, eigentlich mehr als ausreichenden, Mittagessen im „Freizeit-Wirt“,
sind wir abends noch einmal ins Restaurant rauf, denn solche Suppen werden wir
lange nicht mehr kriegen. Gernot hat sich wieder die „Suppe mit Lungenstrudel
vom Lamm“ gegönnt und später den „Kräftigen Kern-Steirer“ zu Tisch gerufen.
Ilse gab sich mit einer „Nudelsuppe“ zufrieden und beim Bezahlen haben wir uns
dann noch eine ganze Zeit lang mit den Wirtsleuten Wernig unterhalten. Über die
von uns nachbezahlte Flasche Kernöl haben sie sich sehr gefreut, das wird ihnen
wohl auch nicht alle Tage passieren. Im WoMo haben wir dann den Tag wieder fein
ausklingen lassen, es ist einfach schön hier. Letzter
Tag im Mai, letzter Tag am „Campingplatz am Badesee“. Schon kurz nach dem
Aufstehen und einem ersten Blick auf unsere Wetter-App war klar: Wir werden
diesen Tag am Campingplatz verbringen. Passt – gleich am Morgen besuchte uns
„Mr. Coolman Buchfink“, er ist nicht nur der schönste unter allen Vögeln hier,
sondern auch der am wenigsten menschenscheue. Sehr süß, er nähert sich bis auf
einen Meter und würde wohl bald einmal aus der Hand fressen. Gernot erweitert
dann mal wieder unseren Blog um einige tausend Zeichen, Ilse widmet sich einer
intensiven Reinigung unseres Stoffwechsel-Throns. So hat jeder was zu tun 😊. Nach einem Pasch haben wir dann in aller Ruhe
die Vespa aufgelegt, denn es könnte bald einmal Regen kommen, er soll sogar
ziemlich heftig werden. Wir sind dann schon relativ früh zu einem letzten
Besuch ins Restaurant rauf und auch wenn es einfallslos klingen mag, aber
Gernot hat schon wieder die gleiche Suppe wie gestern gegessen. Auf der Karte
heißt das Gericht „Suppe mit Lungenstrudel vom Zirbitz-Lamm“ und stammt aus
eigener Produktion. Ein absoluter Genuss, und nur diese Suppe allein wäre für
Gernot schon Grund genug, wieder einmal hierher zu kommen. Aber da gibt es auch
noch viele andere Gründe, das nur nebenbei. Weil man von einer Suppe – und sei
sie noch so gut – als erwachsener Mann nichts zwangsläufig satt werden muss,
hat sich Gernot noch eine „Pizza Diavolo“ bestellt, vor deren Schärfe auf der
Karte mit drei Rufzeichen gewarnt wurde. Allerdings wäre nicht mal ein
Rufzeichen nötig gewesen, aber vielleicht war die Pizza ja eh scharf und dem,
in Sachen Schärfe, Indien-erprobten Gernot ist das halt nicht aufgefallen 😊. Gut hat die „Diavolo“ aber trotzdem
geschmeckt. Ilse hat sich erneut ihrer Lieblings-Kombination „Frittaten-Suppe“
und danach einen „Schinken Käse Toast“ hingegeben. Weil wir für den Moment
wirklich papp-satt waren, haben wir die Nachspeise auf später verschoben und
uns bei den Wirtsleuten für 19 Uhr 30 angekündigt. Aber kaum waren wir im
Wohnmobil, hat der Himmel plötzlich seine Schleusen geöffnet und heftigster
Starkregen ist auf uns niedergeprasselt. Wir haben zwar wirklich überlegt,
trotzdem noch einmal ins Restaurant gegeben, aber das Wetter hat das
schließlich einfach nicht zugelassen – wir wären fetz-nass geworden. Wurscht,
dann halt kein Eis heute, zu Hunger-Ödemen wird das aber eher nicht führen.
Stattdessen richten wir uns mal wieder einen Mobilen Hotspot ein, denn es wird
das Testspiel Deutschland gegen Finnland übertragen. Der Datenverbrauch kann
uns dabei vollkommen egal sein, denn mit unseren Hot-Tarifen stehen uns im
Inland pro Monat jeweils 70 GB zur Verfügung. Das Match ist dann eh recht
unterhaltsam gewesen und am Schluss siegten die Deutschen verdient mit 4:0.
Österreich spielt übrigens morgen auch ein Testspiel, es geht gegen Tunesien,
das werden wir uns schon am Ossiachersee anschauen. Bei diesem Spiel wollten
wir eigentlich im Ernst-Happel-Stadion live mit dabei sein, aber noch daheim in
Innsbruck haben wir uns umentscheiden. Ist im TV sicher auch lässig zum
Zuschauen, die starken Tunesier werden allerdings nicht leicht zu bespielen
sein… Wurscht – schau wir amal, dann sehn wir eh.
Um 8
Uhr sitzen wir bereits beim Frühstückskaffee und auch die letzten
Vorbereitungshandlungen zur Abfahrt gehen uns rasch von der Hand. So kommen wir
schon kurz nach 9 Uhr vom „Campingplatz am Badesee“ weg, schweren Herzens, muss
man sagen. Hier hat einfach alles gepasst und wir werden uns sehr
höchstwahrscheinlich wiedersehen. Wieder einmal haben wir es nicht besonders
weit, von hier zum „Camping Kölbl“ sind es nicht einmal 90 Kilometer. Wir
gondeln locker auf der Bundesstraße dahin, verzichten bewusst auf die Autobahn
und kommen dem Ossiachersee immer näher. Schließlich biegen wir auf die
„Südliche Uferstraße“ ab und kurz nach dem Ort Ossiach sind wir schon an
unserem Ziel. Ausgerechnet heute ist jener Tag, an dem Frau Kölbl den
Campingplatz offiziell an ihre Tochter übergeben hat und – wie sie gleich
mehrmals betonte „mich ab sofort nicht mehr einmischen darf“. Das gut genährte
Töchterchen ist offensichtlich überfordert, also zieht sich die Anmeldung hin.
Anders als im Vorjahr, wird jetzt der Strom an jedem Stellplatz fern-abgelesen,
also ist die entsprechende Nummer am Stromverteiler wichtig. Wir suchen uns
also einen Platz, melden gehorsam die Stromkasten-Nummer 27 und werden fast
schon angeherrscht mit einem „Links oder rechts?“. Wie, was? Gernot meinte
dann: „Naja, die Nummer 27 wird Ihnen ja wohl was sagen.“ Worauf die Tochter
schnippisch meinte: „Die Nummer 27 haben wir am Platz viermal. Es geht um
rechts oder links des Weges.“ Na eh super, wir freuen uns in Gedanken schon
darauf, dass die neue Chef-Organisatorin gleichzeitig einem (jeweils nicht
Deutsch oder Englisch sprechenden) Spanier, Italiener oder Franzosen die
Kuriosität mit der viermal Nummer 27 am Platz erklären wird müssen 😊. Schließlich haben wir dann doch noch
erfolgreich eingecheckt, die Vespa abgeladen und haben es uns vor dem WoMo
gemütlich gemacht. Nach einer kleinen Rast und einem Pasch ist Gernot mal ins
Restaurant rauf, sozusagen die Lage peilen. Die war schnell ausgepeilt, es gibt
nur Fertigpizza aus der Tiefkühltruhe. Zu sehr unbescheidenen 14,80 Euro. Nein
Danke. Übrigens hat die Tochter des Hauses erneut dramatisch unprofessionell
agiert, denn als Gernot fragte, ob die Pizzas frisch gemacht werden, bestritt
sie zuerst, dass es sich um Tiefkühlware handelt und meinte dann: „Das ist die
einzige Möglichkeit für uns, Essen anzubieten, weil wir kein Personal kriegen.
Und der Preis ist gerechtfertigt, wir zahlen ja im Einkauf bereits 5 Euro.“
Also bitte, so genau wollen wir in die Kalkulation von „Camping Kölbl“ auch
wieder nicht eingeweiht werden … Also kein Essen am Platz. Kein Problem, keine
300 Meter entfernt findet sich das „Gasthaus Martinz“, die haben viel, viel
Platz und eine ausgewachsene Speisekarte. Allerdings haben die ausgerechnet
heute ihren Ruhetag – wurscht, wir haben eh noch Wurscht, Käse und andere gute
Sachen in Reserve 😊. Mit
diesen Spezereien machen wir uns später eine feine Jause, für Gernot gibt’s
noch Oliven dazu. Dann haben wir wieder einen der Laptops in einen Fernseher
verwandelt und uns das Testspiel Österreich gegen Tunesien angeschaut. Das
Match war ausgesprochen packend und die Tunesier haben die Österreicher nicht
richtig ins Spiel kommen lassen. Im Gegenteil, die Nordafrikaner wurden immer
stärker, erspielten sich zahlreiche Chancen und trafen dreimal (!!) nur das
Gehäuse. Und kurz vor Ende der zweiten Halbzeit dann der endgültige Schock für
unsere Kicker – Rote Karte für Konrad Laimer wegen Handspiel. Na, Bumm, das
kann ja noch was werden, mit einem Mann weniger gegen diese starken Tunesier.
Die zweite Halbzeit war dann aber sehr erbaulich für einen rot-weiß-roten Fan,
denn die österreichische Mannschaft ist komplett verändert aufgetreten, nicht
nur, weil gleich sechs Spieler ausgewechselt wurden. Und so hat man in den
zweiten 45 Minuten kein einziges Mal gemerkt, dass wir mit einem Mann weniger
spielten. Und tatsächlich hat Österreich letzten Endes sogar noch mit 1:0
gewonnen, wieder einmal war Marcel Sabitzer der Siegtorschütze. Lässiges Spiel,
gutes Omen für die kommende WM – immerhin ist Tunesien auch Teilnehmer der
Weltmeisterschaft und hat in seiner Qualifikations-Gruppe kein einziges (!!)
Tor erhalten. Die muss man also erst mal schlagen. So, genug jetzt vom Fußball,
gemma lieber schlafen, es ist eh schon nach 23 Uhr. Der
Tag beginnt auch hier mit einem Vogelkonzert, zusätzlich werden wir noch von
einem Enten-Paar besucht. Die kennen wir schon aus dem Vorjahr, sie weichen
sich den ganzen Tag über nicht von der Seite. Sehr nett. Weit weniger nett
hingegen ist, dass wir ab 9 Uhr 30 ununterbrochen vom extrem lauten Geräusch
einer Motorsense gestört werden. Der Mann – natürlich in voller
Schutzausrüstung samt Gehörschutz – entfernt sich während der gesamten
Mäharbeiten nie weiter als 15 Meter von unserem Wohnmobil. Zwischendurch kommt
auch der Laubbläser zum Einsatz und das Ganze geht ohne jede Pause bis 12 Uhr
Mittag. Jetzt ist es endlich auch warm genug für eine Ausfahrt und wir glühen
zuerst zu einem der großen BILLA Märkte. Dort geben wir einiges an Leergut
zurück und kaufen ein paar Kleinigkeiten ein – endlich gibt’s mal wieder wo
Schoko-Brezen für Gernot 😊. Wir
werden heute einmal rund um den See fahren und schon nach wenigen Kilometern
kommen wir am „Urbani Wirt“ vorbei. Besser gesagt, wir kommen nicht daran
vorbei, sondern nehmen auf der riesigen Terrasse Platz. Der „Urbani Wirt“ ist
offenbar ein sehr traditionsreiches Gasthaus und erwartungsfroh lesen wir uns
durch die Speisekarte. Ilse wird sogleich fündig, ein „Wiener Schnitzel mit
Kartoffelsalat“ ist es geworden. Gernot hat – vielleicht sogar zum ersten Mal
in seinem Leben – in einem Gasthaus ein ausgewiesenes „Veganes Gericht“
bestellt, nämlich die „Spaghetti Putaresca“. Die werden zubereitet mit Kapern,
Oliven, Knoblauch und reichlich Olivenöl – ein wunderbares Essen. Ach ja, der
beflissene Kellner hätte übrigens einem echten Veganer den Appetit verdorben,
denn ungefragt brachte er ein Schüsselchen mit reichlich Parmesan-Flocken zu
Tisch. Und Käse kann niemals nicht vegan sein 😊. Gernot war das natürlich völlig egal, der
Parmesan passte hervorragend zu seinem Gericht.
Sehr zufrieden haben wir danach
die Umrundung des Ossiachersees abgeschlossen und sind nach 31 Kilometern Fahrt
zum Campingplatz zurückgekommen. Da war es genau 14 Uhr. Erst mal ein wenig
ausruhen. Das ja – aber ohne Ruhe. Denn jetzt wurde in unserer unmittelbaren
Nähe der Rasen gemäht, wiederum ohne jede Pause. Bis endlich Regen eingesetzt
hat, sonst hätte der gute Mann den ganzen Nachmittag weiter gemäht. Wir wissen
nicht, was sich Campingplatz-Betreiber dabei denken, ihre urlaubenden Kunden
stundenlang derart mit Lärm zu belästigen. Schon klar, der Rasen muss gemäht
uns gepflegt werden. Allerdings genau dosiert, wenn wer abfährt, dann wird der
frei gewordene Platz gemäht und fertig. Hier ist es halt so, dass sich die
Kölbls keine fix angestellten Mitarbeiter leisten können oder wollen und
stattdessen stundenweise Personal angeheuert wird. Und der mäht dann halt
ununterbrochen – wie gesagt, auf allen anderen Campingplätzen ist das ein
absolutes No-go. Und deshalb werden wir hier auch nicht bleiben, sondern den
Platz wechseln. Wir fahren mit der Vespa die knapp vier Kilometer zum „Camping
Berghof“ rüber, mal schauen, ob die ab morgen für uns was frei haben. Ist ja
immerhin langes Wochenende. Die Rezeption ist von zahlreichen Campern nahezu
überlaufen, noch dazu beginnt es ausgerechnet jetzt wieder zu tröpfeln und wir
fahren unverrichteter Dinge zu den Kölbls zurück. Ilse ruft dann später beim
„Berghof“ an und nach einigem Hin-und-her klappt das mit unserem Aufenthalt bis
nächsten Montag. Dankeschön, die nette Angestellte hat sich wirklich sehr
bemüht. Kaum waren wir wieder zurück beim Wohnmobil, da hat es so richtig
heftig zum Schütten begonnen. Das war das Zeichen fürs Niederlegen und wir
haben wunderbar geruht. Später haben wir Faschingskrapfen (!) gegessen und
natürlich noch einen Pasch gemacht. Ilse hätte eigentlich lieber die Vespa
aufgelegt, aber Gernot wird die paar Kilometer zum „Berghof“ selber
rüberfahren, für die kurze Strecke ist ihm das Auf- und Abladen der Vespa zu
aufwändig. Obwohl er von Ilse vorgewarnt wird, dass es morgen um 10 Uhr mit
großer Wahrscheinlichkeit heftig regnen wird. Wurscht, wegen den paar Metern … Mittwoch,
3. Juni 2026 Wir
wechseln den Platz und werden heute die allerkürzeste Etappe unseres
Wohnmobilisten-Daseins erleben. Es sind nämlich nicht einmal vier Kilometer bis
zu unserem Tagesziel, exakt 3,9. Nach der Morgentoilette räumen wir das WoMo
zusammen und auch wenn es nur eine sehr kurze Fahrt werden wird, muss dennoch
alles sicher an seinem Platz sein. Wir vorhergesagt regnet es ohne
Unterbrechung – jetzt brauchen wir die Vespa auch nicht mehr aufladen. Gernot
klaubt sich das Regenzeug zusammen, das unter der Sitzbank unseres Mopeds
verstaut ist und zieht sich im WoMo um. Mit der großen Regenschutzjacke und der
wasserdichten Regenschutzhose ist er bestens ausgerüstet und wir können los.
Ilse fährt voraus und weil sich Gernot noch die Handschuhe anziehen musste,
waren Ilse und Schneckchen nur mehr einmal kurz zu sehen. Der Regen prasselte
schwer auf unseren armen Roller, auf Gernots Schutzkleidung und das Helmvisier,
er selbst ist aber staubtrocken geblieben. Das Fahren bei solchen Bedingungen
war zwar ein wenig tricky, den größten Pfützen musste halt ausgewichen werden,
damit kein Aquaplaning entstehen kann. Letztlich ist alles gut gegangen, aber
eine längere Fahrt würde sich Gernot bei einem solchen Regen nicht antun. Dann
lieber Aussitzen. Die Anmeldung klappte dann trotz unseres ungewöhnlich frühen
Erscheinens problemlos – schnell noch checken, ob die Vormieter schon
abgefahren sind und zack – standen wir schon am Platz. Mehr im Eck kann man am
„Campingplatz Berghof“ übrigens nicht mehr stehen, wir hören, nur durch eine
Hecke getrennt, die Leute am benachbarten „Campingplatz Mentl“ miteinander
plaudern 😊. Zum
Waschhaus – das übrigens bestens ausgestattet und gepflegt ist – sind es hin
und retour ein halber Kilometer. Eh gut für Gernot und seine täglichen
Schritte. Nebenbei bemerkt – von der Abfahrt bei den Kölbls bis zum fix
fertigen Aufstellen unseres WoMo haben wir exakt 38 Minuten gebraucht, auch
nicht übel. Wir verbringen in weiterer Folge einen kompletten Relaxtag, der
Regen lässt uns ja sowieso nichts unternehmen. Natürlich paschen wir und legen
uns für ein feines Nachmittags-Schläfchen nieder. Dann öffnet endlich das
„Gasthaus Berghof“ seine Pforten und wir kriegen einen netten Tisch zugewiesen.
Ilse ist nicht besonders hungrig und deshalb gibt es für sie lediglich eine
„Frittatensuppe“ und einen „Topfenstrudel in warmer Vanillesauce“. Hervorragend
– genau wie Gernots „Wiener Schnitzel mit Pommes“, da war nichts daran
auszusetzen. Auch an seiner Nachspeise, dem „Schoko-Küchlein mit Vanilleeis und
Schlagobers“ gab es nichts zu mäkeln. Lediglich der Bezahlvorgang hat sich mal
wieder unnötig hingezogen, obwohl wir mehrmals nachgefragt haben, hat es
letztens länger als 20 Minuten gedauert, bis wir endlich bezahlen „durften“. Immer wieder ärgerlich, so eine Warterei vermag uns auch einen netten Abend zu
trüben. Und deshalb sind wir auch zu spät zum Anpfiff des Spieles FC Wacker
Innsbruck gegen St. Johann gekommen. Eh nicht weiter tragisch, denn allzu viel
hat die Partie ohnehin nicht hergegeben. Beim überlegenen Meister Wacker ist
eindeutig die Luft draußen, es spielten auch kaum mehr Stammspieler der ersten
Mannschaft. Trotzdem hat der FCW auch dieses Match gewonnen, das 1:0 ist
ziemlich spät gefallen. Aber eben doch noch ein Sieg – und genau das zeichnet
einen Meister aus. Es
schaut ganz so aus, als würde uns das Wetter heute eine Runde mit der Vespa
drehen lassen. Tatsächlich machen wir uns nach dem Käffchen und einem Pasch für
eine Ausfahrt fertig, richtiges Ziel haben wir allerdings keines. Wurscht, wir
fahren halt als erstes nach Villach rüber, die Stadt selber kennen wir ja
überhaupt nicht. Im Stadtgebiet von Villach sind wir dann schon nach wenigen
Kilometern und nach ein bisserl, eher unfreiwilligem, Sightseeing in den
Außenbezirken tasteten wir uns schließlich ins Stadtzentrum vor. Dort stellten
wir unseren Roller am Rand der Fußgängerzone ab und latschten los. Es ist schön
warm geworden und wir wandern die ganze Hauptstraße entlang. Es locken gleich
mehrere Kebap-Läden, das erleichtert die Planung des Mittagessens natürlich
erheblich 😊.
Trotzdem ist es dann, wie so oft, anders gekommen, denn gleich hinter der
großen Kirche überredeten uns drei Aufschriften am Schaufenster eines kleinen
Lokals zur Einkehr: „Indian“, „Kitchen“, „Streetfood“. Schnell waren „Butter
Chicken mit Basmati, Garlic-Naan sowie knusprige Pakoras“ bestellt und schon
nach wenigen Minuten hatten wir alles am Tisch. Die Pakoras sind dann leider im
8er-Pack dahergekommen, Gernot musste die Hälfte davon stehen lassen. Sehr gut
abgefüllt haben wir dann unseren Spaziergang durch Villach fortgesetzt und
schließlich sind wir wieder bei unserer Vespa gelandet. Die wurde in der
Zwischenzeit übrigens von einer Skulptur bewacht, die einen dicken Mann zeigt,
der einen Bierkrug in der Hand hält. Prost!

Aus der Innenstadt finden wir dann
leichter raus als rein und folgen einfach mal den Hinweisschildern zum
Millstätter See. Soweit fahren wir heute sicher nicht, aber mal schauen, wohin
es uns verschlägt. Bei einem Kreisverkehr biegen wir dann nach Treffen und in
weiterer Folge in Richtung „Gerlitzen-Kanzelhöhe“ ab. Bald einmal kommen wir zu
einem Schranken und drücken uns ein Ticket heraus, die Maut wird uns 10 Euro
kosten. Auf der Gerlitzen waren wir schon einmal, damals sind wir einen anderen
Weg gefahren. Heute geht es sechs, sieben Kilometer mäßig bergauf, es sind
einige Haarnadeln zu durchfahren, der Untergrund ist wieder fein geschottert.
Verkehr herrscht de facto gar keiner und so können wir frei unser Tempo wählen.
So tuckern wir gemütlich vor uns hin und bald einmal haben wir die „Kanzelhöhe“
erreicht. Im Prinzip finden wir uns inmitten einer gigantischen Baustelle
wieder, nirgendwo sehen wir eine Bank zum Ausrasten – irgendwie wirkt alles wie
eine Mondlandschaft. Also wenn wir das gewusst hätten … Für Wanderer gibt es
hier heroben sicher das eine oder andere lohnende Ziel, es gibt Wegweiser zu
gleich mehreren Hütten. Für uns ist das leider nichts (mehr) und wir machen uns
auf die Suche nach einer gemütlichen Sitzgelegenheit. Die finden wir dann in
Form eines großen Findlings und Gernot kann auf dem steinernen Thron endlich
mal ein bisschen die Beine lang machen. Übrigens ist genau hinter unserem
Rastplatz ein Schild angebracht, das vor Wölfen warnt. Haben wir auch noch
nicht gesehen.

Nach dem feinen Break haben wir uns die Bergstraße Kurve um
Kurve hinunter geschraubt, mit einer kleinen Unterbrechung – Ilse hatte eine
Kröte zu retten 😊. Die
ziemlich dicke Amphibie mühte sich schwer und gefährlich langsam über die
Straße, also wurde sie von Ilse – unter Zuhilfenahme zweier Tannenzapfen –
zurück in den Wald bugsiert. Hat der Kröte überhaupt nicht getaugt, aber
wahrscheinlich das Leben gerettet. Denn keine Minute später kam schon ein Auto
bergauf fahrend daher, wer weiß, ob der/die Fahrer*in auch angehalten hätte. Ohne
weitere Krötensichtung sind wir dann wieder zum Schranken gekommen, haben am
Automaten den 10er Maut bezahlt und unsere ziellose Vespa-Runde fortgesetzt.
Die unbestechliche Tankanzeige unseres Mopeds meldet dann Benzinbedarf und
damit gibt es für uns ein unvermutetes Ziel. Denn wir sind gerade an der
Abzweigung nach Arriach und Himmelberg – da kennen wir eine Tankstelle, das
geht sich mit dem Treibstoff locker aus. Und Gernot freut sich schon auf diese
unglaublich lässige Strecke dorthin. Arriach, übrigens ist das der
geographische Mittelpunkt Kärntens, besuchen wir dann gar nicht, sondern
blatteln in Richtung Himmelberg. Dort gibt es dann das, vielleicht sogar
einzigartige, Kuriosum von 12 (!) S-Kurven hintereinander, das ist der absolute
Traum jeden Zweiradfahrers. Und während der ganzen Fahrt haben wir nie ein
Fahrzeug vor oder hinter uns. Das Herz möcht‘ einem aufgehen …Leider findet
jeder Traum einmal sein Ende, in unserem Fall war das das Einbiegen in die
Bundesstraße. Keine 100 Meter weiter kriegt unsere Prinzessin ihren heiß
ersehnten Explosivstoff verpasst, die volle Ladung – mehr als fünf Liter Super
rinnen in den kleinen 5-Liter-Tank. Auf der Bundesstraße schauen wir, dass wir
kein allzu großer Bremsschuh für die Autofahrer sind und schwimmen mit einem
90er im Verkehr mit. Nach der Durchquerung bzw. Umfahrung von Feldkirchen liegt
dann die letzte Etappe vor uns und nach dem Abzweig zum Ossiachersee sind wir
dann eh wieder nahezu alleine auf der Uferstraße unterwegs. Immerhin 97
Kilometer weit waren wir heute unterwegs, da tut ein wenig Ruhe gut. Das
indische Essen hat uns nachhaltig satt gemacht und es bedurfte zur
Aufrechterhaltung unserer vegetativen Systeme nur einer kleinen Jause. Mit
einem Pasch und einem Gute-Nacht-Bierchen haben wir diesen feinen Tag zu Ende
gehen lassen. Freitag,
5. Juni 2026 Oh
je, schon wieder von in der Früh an Regen. Kann man nichts machen, die gute
Laune verdirbt uns das aber nicht. Der gute Kaffee hilft uns zusätzlich in den
trüben Tag, so what? Während wir uns einen Vormittags-Pasch ausspielen, ruft
Jasmin an und kündigt sich mit ihrem Michi zum Besuch an – um ca. 12 Uhr 15 im
Restaurant „Berghof“. Wir machen den Pasch fertig und – ungelogen – genau eine
Sekunde nach dem letzten Wurf ruft Jasmin an „Wir sind da“. Jetzt aber schnell
rein ins „Ausgeh-Gewand“ und rüber in die gute Stube. Wir freuen uns alle sehr
über unser Wiedersehen und haben in den folgenden zweieinhalb Stunden eine
wirklich gute Zeit. Wir essen wieder ganz ausgezeichnet – Schnitzel, Burger,
Schweinsmedaillons, quer durch die Speisekarte. Natürlich mit Nachspeise, mit
lokalem Bier, gutem rotem Wein und Käffchen danach. Eine runde Sache und schon
wieder ist der Versuch Ilses schief gegangen, eine Rechnung „heimlich“ zu
übernehmen. Aber Jasmin hat, als Ilse aufgestanden ist, „den Braten schon
gerochen“ und sich eine Einladung ausdrücklich verbeten. Im Gegenteil, sie
werden heute uns einladen, sozusagen als Geschenk zu Ilses Geburtstag.
Dankeschön ihr Lieben, das nehmen wir sehr gerne an. Wir werden uns übrigens
bald einmal wiedersehen, denn sie übernehmen in den nächsten Wochen ihr neues
„Hündchen“, das aus der Schweiz kommt. „Hündchen“ steht nicht zufällig unter
Anführungszeichen, aber beim neuen Familienmitglied von Michi und Jasmin
handelt es sich um eine Dogge. Und der Rüde wird mal seine knapp 80 Kilogramm
wiegen 😊. Er
heißt jetzt „Casanova“, Jasmin hat ihn so getauft – sein ursprünglicher Name
wäre „Heinrich“ gewesen, Ilse hätte den für eine Deutsche Dogge besonders
passend gefunden 😊. Wir
sind nach dem Essen ins WoMo zurück und Gernot freute sich, dass es Ilse heute
gelungen ist, dem Kellner ein Weizenbierglas abzuquatschen. Er hat bislang
jedes Mal ein bisschen geklemmt, eh klar, er kann ja ohne sichtbaren Grund
schlecht ein leeres Bierglas aus dem Regal nehmen, direkt neben dem Bar-Chef.
Aber heute war wenig los, niemand hinter der Bar und zack – brachte er Ilse das
ersehnte Weizenbierglas. Zwar waren wir auf dieser Reise bereits im Besitz von
zweien solcher Gläser, aber eines war nur gegen Kaution ausgeliehen, das andere
hat einen Geschirrspülvorgang nicht überlebt. Wurscht – jetzt haben wir wieder
eines und sogleich hat Gernot seine drei noch vorrätigen Flaschen Weißbier
eingekühlt 😊.
Gegen Abend prasselte dann der Regen so richtig auf unser Häuschen nieder, als
Ilse plötzlich auffuhr: „Jössas – unsere Schuhe!“ Tatsächlich standen unsere
„guten Schuhe“ draußen im Freien, ein Paar links, das andere rechts vom
Einstieg. Und das Unfassbare: Keiner der völlig ungeschützten Schuhe hat auch
nur ein Tröpfchen Wasser abbekommen. Alle vollkommen trocken! Wir verbuchen das
in die Kategorie „Wunder“ und gehen schlafen 😊. Samstag,
6. Juni 2026 Viele
Höhepunkte werden wir diesem Samstag heute nicht herausreißen, das wissen wir
schon kurz nach dem Aufstehen. Gernot darf sich danach mal wieder unserem Blog
widmen und selbstredend paschen wir – und das nicht nur einmal. Was das Essen
anbelangt, da haben wir natürlich zuerst an einen weiteren Besuch des
Restaurants gedacht. Das haben wir aber rasch verworfen und sind stattdessen
zum SPAR-Markt rüber gegangen, der sich direkt neben der Rezeption befindet.
Dabei handelt es sich nicht etwa um einen kleinen Supermarkt, wie er auf
Campingplätzen üblich ist, sondern um einen ausgewachsenen Shopping-Tempel. Mit
vielen, vielen Angeboten speziell für Camper – plus dem ganzen sonstigen
SPAR-Sortiment. Und sie haben dort eine „Warme Theke“, Ilse hat schon vor Tagen
den besonders gutaussehenden Leberkäse entdeckt. Wir lassen uns drei Scheiben
davon abschneiden und damit ist das Thema Essen für heute erledigt. An ein
Nachmittagsschläfchen war heute mal wieder nicht zu denken, es vergehen nämlich
keine zehn Minuten, in denen die zwei Pudel unserer Nachbarn nicht kläffen.
Obwohl wir aus Erfahrung wissen, dass Hundebesitzer in der Regel mit völligem
Unverständnis reagieren, wenn sich ruhesuchende Camper über das permanente
Gekläffe ihrer Lieblinge beschweren, hat es Ilse trotzdem versucht. Natürlich
war das komplett sinnlos, denn zuerst hat die Frau locker in Abrede gestellt,
dass ihre Hunde überhaupt bellen und dann meinte sie, die Pudel würden ja eh
nur zurückbellen, weil so viele andere Hunde am Platz sind. Ilses Einwand,
dass wir keine anderen Hunde hören, wischte die Frau weg und wollte wieder ihre
Ruhe haben. Also ist Ilse mal ausnahmsweise zur Rezeption marschiert und hat
sich beschwert. Und siehe da – bald einmal bekamen die Holländer/Belgier einen
Anruf und danach haben sie ihre Kläffer ins Wohnmobil verfrachtet und sind
später überhaupt die allererste (!) Runde mit ihren Hunden spazieren gegangen –
denn bislang verrichteten die beiden Köter ihre Geschäfte direkt hinter dem
WoMo. Tja, genau solche „Hundeliebhaber“ finden sich immer mal wieder in
unserer Nachbarschaft, kein Wunder, dass wir möglichst hundefreie Plätze
anfahren. Was nicht so einfach ist, denn auch für Campingplatz-Betreiber gilt
der alte Spruch: „Pecunia non olet“, also „Geld stinkt nicht“. Für die
Hinterlassenschaften der Hunde gilt das nicht, aber lassen wir das. So wie es
ausschaut, hat es sich jetzt einmal vorerst ausgeregnet, vielleicht fahren wir
ja morgen noch einmal eine Runde mit der Vespa. Ist ja immerhin unser letzter
Tag hier in Kärnten. Sonntag,
7. Juni 2026 Nach
dem Guten-Morgen-Kaffee schreibt Gernot an unserem Blog weiter, Ilse ordnet ein
wenig unsere Dinge, zum Beispiel wird unser Schmutzwäsche-Sack randvoll gefüllt
und unsere Getränkevorräte in „Fahrt-Position“ gebracht. Das ist ein
untrügliches Zeichen, dass sich unsere 134. WoMo Reise ihrem Ende nähert, auch
wenn Kärnten nicht unsere letzte Station sein wird. Das Wetter ist so lala,
theoretisch könnten wir eine Runde mit der Vespa wagen, es zieht uns aber nicht
so richtig raus. Also machen wir uns einen gemütlichen Tag im WoMo und freuen
uns unter anderem, dass uns erneut Frau Buchfink besucht. Die kennen wir auch
erst seit kurzer Zeit, sie gleicht nämlich ihren männlichen Artgenossen sehr
wenig, nur die Flügel sind ähnlich schwarz-weiß gestreift. In jedem Fall ist
sie aber eine große Freundin unserer Kekse der Sorte „Grazer Ringe“ 😊. Irgendwann nachmittags legen wir dann die
Vespa auf, wahrscheinlich wird unser Roller erst in Innsbruck wieder abgeladen
– das regnerische Wetter hat ganz Österreich erfasst, es gibt nirgendwo
trockene Flecken. Abends gehen wir dann ein letztes Mal ins Restaurant hinauf
und speisen erwartungsgemäß gut. Ilse stillte ihren Hunger erfolgreich mit
einem „Berghof-Burger mit Pommes“, Gernot hat sich für die „Spaghetti Aglio e
Olio“ entschieden – eine sehr gute Wahl. Dazu wie immer gutes Bier und roten
Wein, hier kann man wirklich hervorragend essen. In den Rezensionen wird
übrigens ziemlich viel über die Preise im „Berghof“ gejammert, aber über solche
Kritiken können wir als Tiroler nur milde lächeln, denn bei uns daheim langen
die Gastwirte noch viel heftiger zu … Einen Burger mit Pommes um 29,90 Euro
haben wir hier jedenfalls nicht gesehen, in Innsbruck ist so ein Preis
mittlerweile Standard – Ilses „Berghof-Burger“ war übrigens um einen ganzen
Zehner billiger. Nach dem Essen sind wir noch einmal zum Ufer des Ossiachersees
spaziert, dort auf einen Steg hinausgegangen und haben einfach nur ins Wasser
und in die Landschaft geschaut. Morgen geht’s für uns ins Salzburgerische, in
diesem Bundesland haben wir auch noch nicht so oft gecampt. Wir freuen uns aber
sehr drauf.
An
jedem Reisetag spulen wir seit Jahren dasselbe Programm ab, das ist längst
reine Routine. Die Hauptarbeit des Zusammenräumens übernimmt traditionell Ilse,
das Meiste davon erledigt sie während des Kaffeekochens. Gernot bleibt dann nur
noch das Abstecken des Stroms und das Verstauen seiner persönlichen Dinge, die
zuhauf im WoMo herumliegen. Bezahlt haben wir schon gestern, also brauchen wir
nur noch unsere Klo-Kassette belüften und schon sind wir weg. Da war es 10 Uhr
10 und unser erster Weg führte uns zum BILLA, Leergut zurückgeben und etwas
Reiseproviant kaufen – Croissants sind es geworden. Bei einer nahen Tankstelle
kriegt unsere Schnecke noch schnell eine Ladung Diesel verpasst und gleich
danach geht’s auf die Autobahn. Der Fahrtag und die Fahrzeit sind mal wieder
ideal gewählt, denn ohne Probleme kommen wir schließlich auf die A10
Tauernautobahn. Auf der bleiben wir jetzt bis Bischofshofen und danach fahren
wir auf der Bundesstraße weiter bis zu unserem Ziel Maishofen. So war der Plan
und der Plan war gut. Aber – noch weit vor unserer geplanten Ausfahrt zeigte
Google-Maps plötzlich einen massiven Stau an, das hat gar nicht gut
ausgeschaut. Aber das kluge Navigationssystem errechnete uns sofort eine
Alternativ-Route und „warf“ uns bei Flachau von der Autobahn runter. Trotzdem
waren wir dann eine ganze Zeitlang in einer Blechkolonne gefangen, für den
letzten Kilometer brauchten wir eine gute Viertelstunde. Aber danach ist es
flott weitergegangen und das Navi hat uns dann über eine fesche Abkürzung nach
St. Johann im Pongau geleitet. Und zwar über Wagrein, die kurvenreiche Straße
führte uns mitten durch brachliegende Wintersportorte, deren Namen wir schon
tausendmal gehört haben.
In der kalten Jahreszeit steppt hier natürlich der
berühmte Bär, heute war logischerweise gar nix los. Gleich einmal nach St.
Johann haben wir uns dann wieder ausgekannt, den Weg von Schwarzach/St. Veit
nach Zell am See sind wir schon oft gefahren. Unser Ziel ist wie gesagt
Maishofen, Ilse hat uns bereits vor ein, zwei Tagen am „Campingplatz
Neunbrunnen“ angekündigt. Den Platz finden wir selbstverständlich auf Anhieb,
allerdings sind wir gut 20 Minuten zu früh dran. Ilse geht mal die Lage peilen,
Gernot „bewacht“ derweil unsere Schnecke. Wir sind gar nicht die ersten
Wartenden, vor uns steht ein Wohnwagen-Gespann aus den Niederlanden. Unnötig zu
erwähnen, dass Ilse das Check-in dann mal wieder als erste erledigt hat,
selbstredend hat sie sich den Holländern NICHT vorgedrängt – das würde Ilse nie
machen. Es hat sich halt so ergeben. Gernot musste dann unseren dicken
Nasenbären zentimetergenau am Wohnwagen vorbeimanövrieren – und es wäre sich
nicht ausgegangen, hätte Ilse nicht ein paar Pfosten des Elektrozaunes einige
Zentimeter nach hinten versetzt 😊. Wir
sind dann auf unseren Platz zugefahren und haben abgestellt. Der erste Eindruck
des Campingplatzes ist ein guter, das Waschhaus ist groß und sauber, einen
Badeteich gibt es auch. Den besuchen wir dann gleich und sind richtiggehend
entsetzt, von wie vielen Kaulquappen der kleine See besetzt ist. Die dichten,
schwarzen Schwärme befinden sich an jedem einzelnen Zentimeter des gesamten
Ufers und reichen teils meterweit in den See hinein. Das müssen ja
hunderttausende Kaulquappen sein, in so einer irrsinnigen Menge haben wir das
auf so kleinem Raum noch nie zuvor gesehen … Dementsprechend schlecht geht es
den großen Fischen im Teich, denn es besteht eindeutig eine Unterversorgung mit
Sauerstoff. Und so liegen die, längst träge gewordenen, Fische ganz knapp unter
der Oberfläche im Wasser, der liebe Julius würde einen nach dem anderen mit dem
Kescher herausholen 😊. Das
Wetter meint es heute prinzipiell gut mit uns, wir können sogar im Freien einen
Pasch machen. Und nicht nur das – wir müssen laufend aus der Sonne in den
Schatten flüchten, denn die Juni-Sonne kann schon was … Schließlich wird es
Zeit zum Abendessen – wir sind schon ganz gespannt. Denn zum ersten Mal auf
einem Campingplatz werden wir heute ein „All-you-can-eat-Buffett“ genießen, hat
uns 29 Euro 80 je hungriger Nase gekostet – Bier und Weine inklusive. Ab 17 Uhr
30 geht’s los und um nicht in den Verdacht maßloser Gier zu geraten, sind wir
erst um 17 Uhr 45 angetanzt. Aber dann! Eine überaus nette Kellnerin gibt uns
„Buffett-Neulingen“ eine kurze Einführung in die bevorstehende Fress-Orgie und
zeigt uns, was wo zu finden ist. Die Auswahl der Speisen ist wunderbar
reichhaltig – Bratkartoffel, Basmati-Reis, Gemüse, Wiener Schnitzel,
Chicken-Nuggets, gegrilltes Gemüse, Lasagne, Spaghetti, Pizza und, und, und.
Das geilste „und“ war dann für Gernot das „Geschnetzelte in
Champignon-Rahmsauce“, mit dem hat er den Reigen eröffnet, natürlich mit Reis
als Beilage. Ilse hat sich zuerst dem Gebackenem gewidmet und dazu, neben
Pommes und Bratkartoffel, noch einen Serviettenknödel mit Pilzrahmsauce
genossen. Und so ist es dann weit über drei Stunden (!) lang weitergegangen.
Gernot hat sich noch zwei Teller vom Geschnetzelten geholt, wenn auch deutlich
kleinere Portionen. Aber dafür aufgefettet mit einigen Chicken-Nuggets und viel
gegrilltem Gemüse. Dazu hat Ilse laufend für Nachschub an frischem Bier vom
Fass gesorgt, sie kann halt einfach besser den Zapfhahn bedienen als Gernot 😊. Ilse selbst hatte die furchtbare Qual der
Wahl, aus den 16 (!) angebotenen Weinen den richtigen für sich auswählen.
Geworden ist es schließlich ein edler, roter Tropfen aus Apulien, bis die Pulle
halt leer war 😊.
Nachspeisen hat es natürlich auch zuhauf gegeben, Gernot hat sie alle am Teller
gehabt, manche davon mehrmals. Und dazu mehrere „Doppio“, auch den Kaffee
konnte man sich selber zapfen, das hat Gernot immerhin hingekriegt. Während des
Gelages haben wir uns immer wieder mal mit der total netten Kellnerin
unterhalten und so Sarah Moser auch persönlich kennengelernt. Sie ist eine
Pferde-Närrin wie Ilse, das allein war ja schon Gesprächsstoff genug. Sie hat
dann von Gernot noch das Taxler-Buch geschenkt bekommen und sich sehr darüber
gefreut. Wer weiß, vielleicht trifft man sich ja nochmal, ihre Visitenkarte
haben wir ja. Vollkommen gesättigt und leicht angeheitert sind wir nach 21 Uhr
ins WoMo zurückgeschlurft und haben es mit letzter Kraft in unsere Betten geschafft.
Uff – All-you-can-it ist eine echte Prüfung in Sachen Selbstbeherrschung für
uns, noch dazu, wenn alles so gut schmeckt. Aber wir werden uns dieser Prüfung
gleich noch einmal stellen, denn natürlich gehen wir morgen wieder hin. Und wir
werden beim Thema Selbstbeherrschung erneut dramatisch versagen und am Buffett
wieder kräftig zuschlagen. Mal schauen, was es morgen gibt, die Auswahl der
Speisen wechselt ja laufend. Wie auch das Personal, Sarah werden wir morgen
nicht mehr sehen, sie hat erst wieder in ein paar Tagen Dienst …
Dienstag,
9. Juni 2026
Es
mag komisch klingen, aber irgendwie checken wir nur nebenbei, dass das heute
unser letzter Camping-Tag dieser Reise sein wird. Passt wunderbar, wir freuen
uns jetzt eh aufs Heimkommen. Denn – als gelte es, einen uralten Kalauer zu
bestätigen – haben wir in den kommenden Tagen und Wochen als Pensionisten (!),
derart viele Termine, dass Ilse auf ihrem Kalender kaum mehr Platz für weitere
mehr hat. Auch das gibt’s 😊.
Aber zurück nach Maishofen: Der Tag beginnt mit zaghaftem Sonnenschein, das
lässt uns wenigstens fein frühstücken. Weniger fein wurde es dann, als Gernot
das Wohnwagen-Nummernschild eines deutschen Dauercampers sah: LAU-HJ-18.
Natürlich ist das kein offizielles Kennzeichen, denn diese Kombination würde
niemals zugelassen werden. Steht doch das HJ für Hitler-Jugend und die 18 sind
die Buchstaben 1 für A und 8 für H, also die Initialen von Adolf Hitler. So ein
Zufall aber auch! Diese Provokation geht natürlich gar nicht, also ist Gernot
zur Rezeption gegangen. Die an sich nette Angestellte hat Gernots dann nicht
wirklich ernst genommen und wollte die Sache weglächeln. Gernot hat nicht
gelächelt und gemeint: „Als Antifaschist lasse ich mir das in Österreich nicht
bieten. Ich gebe Ihnen Zeit bis 12 Uhr Mittag, dann ist die Nummerntafel weg.
Ansonsten ist eine Viertelstunde später die Polizei und der Staatschutz am
Platz. Denn diese Tafel verstößt gegen das ‚Verbotsgesetz‘ und wird vor einem
Schwurgericht verhandelt. Schönen Tag noch.“ Es hat dann keine halbe Stunde
lang gedauert und der Chef persönlich ist bei unserem Nachbarn vorbeigekommen.
Nach kurzer Erklärung der österreichischen Gesetzeslage, war die Nummer dann
ruck-zuck abgeschraubt – passt. Übrigens, wie zu erwarten war, gab sich der
Camper völlig ahnungslos – er würde Hans heißen und das J steht für seine treue
Jutta. Tja und die 18? Die steht für 2018, das erste Jahr, wo wir hier gecampt
haben. Bruhaha! Typisch, zuerst dumm provozieren und dann feig den Schwanz
einziehen. Wie auch immer, die Tafel ist weg und wir konnten uns wieder den banalen
Dingen des Alltags widmen. Zum Beispiel einem Pasch und einem langen
Mittagsschläfchen. Ab 13 Uhr hat es dann angefangen zu regnen und bald war uns
klar, dass wir heute nicht im Freien dinieren können. Wurscht – drinnen ist es
eh auch nett und es wurde auch nett. Die Menüauswahl hat sich tatsächlich
geändert, aber zu Gernots großer Freude war wieder ein Geschnetzeltes mit
Pilzen mit dabei. Und Schnitzelchen, Hühner-Nuggets, buntes Gemüse – man kann
gar nicht alles aufzählen. Auch bei den Nachspeisen gab es neue Variationen –
Gernot hat danach gemeint, dass alle vier sehr gut geschmeckt haben 😊. Ilse hat sich ebenfalls lustvoll durch das
üppige Angebot durchgefuttert, dazu gabs natürlich wieder reichlich Bier und
Wein.
Abschließend können wir sagen, dass uns ein warmes Buffett wie hier sehr
anspricht und wir hoffen, dass wir das wieder einmal wo angeboten kriegen. Im
WoMo haben wir dann noch eine ganze Zeit lang über eines unserer nächsten
Reiseziele geplaudert – so wie es momentan ausschaut, werden wir unsere große
Italien-Reise im Herbst auf Elba beginnen. Natürlich werden nicht direkt
hinfahren, sondern nach einer Zwischenstation in Mugello. Aber das ist noch
Zukunftsmusik, jetzt fahren wir erstmal nach Hause zurück und arbeiten unsere
Termine ab. Obwohl die meisten davon nichts mit Arbeit zu tun haben, aber das
nur nebenbei …
Mittwoch,
10. Juni 2026
Über
die Heimfahrt ist nicht wirklich viel zu berichten, erwähnenswert ist
höchstens, dass es die ganze Zeit über nur geregnet hat. Die Strecke sind wir
schon x-mal gefahren, sie beträgt nicht einmal 200 Kilometer und
dementsprechend haben wir – übrigens ohne eine einzige Pause – gerade Mal
zweieinhalb Stunden dafür gebraucht. Die Vespa bleibt vorerst auf ihrem Träger,
bei strömenden Regen wollen wir sie nicht abladen. Der Plan, dass wir bei
unserer Rückkehr bereits die neuerrichten Balkone vorfinden, ist nicht
aufgegangen. Aber die Holzbalkone sind längst abgerissen und bereits morgen
beginnen bei uns die Malerarbeiten, in zwei Wochen sollten wir die neuen
Balkone haben. Wann wir wieder mit dem WoMo wegfahren? Tja, das wissen wir noch
gar nicht, das lassen wir locker auf uns zukommen … Ach ja, auf unserer 134. Reise sind wir
mit dem WoMo 2.027km unterwegs gewesen und mit der Vespa 470km.
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