11 Juni 2026

134. WoMo-Fahrt "Von der Kälte des Nordens runter ans Meer, denn die Wärme vermissen wir wirklich sehr"

Vom 4. Mai bis 10. Juni 2026

Innsbruck-Altenstadt-Haßfurt-Bad Füssing-Ossiacher See-Aquilea/Grado-Mühlen/Steiermark-Ossiacher See-Maishofen-Innsbruck     
WoMo  2.027km

Vespa      470km 

Montag, 4. Mai 2026
Unglaublich eigentlich, wie spät wir heuer in die WoMo-Saison starten. Erst einmal zuvor haben wir noch später angecampt, das war, durch die Corona-Pandemie bedingt, im Jahr 2020, da mussten wir den landes- bzw. europaweiten Lockdown zu Hause absitzen. Aber die Verzögerung hat natürlich einen Grund gehabt – es werden nämlich unsere Balkone getauscht. Und weil wir da nicht bei lebendigem Leib mit dabei sein wollen, haben wir unseren ersten Reiseantritt bis zum Beginn dieser Arbeiten verschoben. Nun ist es zwar immer noch nicht so weit, aber jetzt können wir immerhin abschätzen, wie lange wir weg sein müssen bzw. sollten. Es werden fünf bis sechs Wochen sein und das sind ja schon mal sehr schöne Aussichten 😊. Der in unserer Vorschau auf die Saison 2026 angerissene Grob-Plan einer Reise nach Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Portugal, Spanien und Italien ist genau das gewesen – ein Grob-Plan. Jetzt schaut das Ganze ein klein wenig anders aus, aber der Reihe nach: Vom besagten ursprünglichen Plan ist zumindest die erste Etappe übriggeblieben, wir werden in Deutschland starten. Doch wir fahren nicht zuerst nach Haßfurt zu Gernots Verwandten, sondern werden am „Camping Christophoros“ bei Altenstadt die diesjährige WoWo-Saison eröffnen. Den Platz kennen wir aus dem Vorjahr und er ist uns, vor Allem durch seine ausgesprochen gute Küche, in allerbester Erinnerung geblieben. Denn hier wird von Griechen griechisches Essen aufgetischt – und das vom Feinsten. So was vergessen wir nicht und auch der Campingplatz selber wird für unsere Ansprüche perfekt geführt. Weit haben wir es ja nicht, es sind nur etwas mehr als 200 Kilometer Fahrstrecke. Vom Timing her sind wir dann sogar etwas zu früh losgefahren, aber unser Reisefieber war derart groß, dass wir es daheim nicht mehr ausgehalten haben 😊.  
Natürlich hat uns das WoMo in der Garage bereits vollkommen abfahrbereit erwartet, in den Tagen zuvor haben wir, hauptsächlich natürlich die diesbezüglich nimmermüde Ilse, Stück für Stück alles eingeräumt und vorgestern schließlich noch die Vespa aufgeladen. Unser rotes Spaßmobil ist übrigens so easy wie nie zuvor auf seinen Platz gerollt, ein guter Start. Um 9 Uhr 15 fahren wir aus der Garage raus, der Rauchalarm ist zum Glück mal wieder nicht losgegangen, wird aber ziemlich knapp gewesen sein … Der erste Weg führt uns zur Tankstelle, mit dem Hochdruckreiniger pfeffern wir den Staub von unserer braven Schnecke, über den Winter hat sich da einiges angesammelt. Danach noch vollgetankt, Gernot ist ja zum TÜV nach Itter gefahren. Apropos TÜV-Prüfung – die hat unser treuer Nasenbär dieses Mal ohne einen einzigen Mangel bestanden, nur Motor- und Getriebeöl mussten aufgefüllt werden. Nächstes Jahr sind dann alle vier Bremsscheiben und die hinteren Stoßdämpfer zu erneuern, selbstverständlich lassen wir das machen. Sozusagen als kleines Geschenk zum 37. Geburtstag unseres braven Wohnmobils 😊. Nach dem Tankstopp sind wir schnurstracks auf die Autobahn aufgefahren und über den Zirlerberg nach Scharnitz hinaus gecruist. Am Zirlerberg mussten wir außerplanmäßig eine kleine Rast einlegen, denn ein offenbar schwer beladener Tanklaster hat uns in den ersten Gang gezwungen und das mag Schneckchen nicht – muss sie auch nicht mögen. Drei, vier Minuten Wartezeit und der Tankwagen ward nicht mehr gesehen. Der von uns gewählte Weg ist übrigens gar nicht der kürzeste, aber wir mögen beiden den Fernpass nicht und fahren deshalb lieber über Garmisch. Die 20 Kilometer mehr an Strecke nehmen wir gern in Kauf. So sind wir ganz locker nach Garmisch gekommen, vorher haben wir bei ALDI in Krün noch ein paar Sachen eingekauft. Von Garmisch nach Lermoos sind wir fein im mäßigen Verkehr mitgeschwommen und auch auf der anschließenden B 179 bis Reutte staute es sich nie. Das hat gestern ganz anders ausgeschaut, der Rückreiseverkehr nach dem Feiertag hat zu langen Verzögerungen geführt. Kann uns wurscht sein, wir fahren verkehrstechnisch meistens antizyklisch los, jetzt in der Pension können wir es uns sowieso aussuchen. So sind wir auch diesmal wieder völlig stressfrei nach Deutschland gekommen, nach dem Füssener Tunnel gibt es mittlerweile auch hier Einreisekontrollen der deutschen Behörden. Mit strengem Blick und mit Maschinenpistolen. Wir haben freundlich zurückgegrüßt 😊. Ab jetzt sind wir wieder auf einer Autobahn, der wir jetzt bis kurz vor unserem Tagesziel folgen werden. Ein Blick auf die Uhr zeigt uns, dass wir eigentlich viel zu früh dran sind. Beim „Camping Christophorus“ ist bis 14 Uhr Mittagspause und allzu lange wollen wir auch nicht vor verschlossenen Schranken dünsten. Also schrauben wir das Tempo auf 80 km/h zurück, fahren fast jeden Rastplatz an und jausnen gemütlich unsere drei mitgebrachten, hartgekochten Eier. Natürlich statten wir auch der einzigen am Weg liegenden Autobahnraststätte „Allgäuer Tor“ einen ausgiebigen Besuch ab und latschen den ganzen Laden ab, ohne etwas zu konsumieren. Auch der doppelte Espresso aus dem Automaten für 5,80 vermochte uns nicht zu überzeugen. Aber wir hatten wieder ein paar Minuten „gewonnen“, setzten unsere Fahrt fort und verließen schließlich bei der Ausfahrt „Altenstadt“ den Highway. Jetzt kannte sich auch Gernot wieder aus, trotzdem war er doch froh über Ilses Navigation. So erreichten wir problemlos den Campingplatz und stellten uns hinter einem Wohnmobil aus der Schweiz an. Na ja, wenigstens als zweite in der Reihe. Wir mussten aber kaum eine Viertelstunde warten und die Rezeption wurde geöffnet. Übrigens hätte sich Ilse den beiden Schweizern ganz leicht vordrängen können, denn sie war sogleich in ein freundschaftliches Gespräch mit der Rezeptionistin verstrickt, da wäre eine Anmeldung quasi nebenbei gegangen. Aber Ilse zeigte sich generös und mit einem „Bitteschön, Sie waren ja vor uns hier“ hat sie den Eidgenossen den „Vortritt“ gelassen. 
Wir haben fast denselben Platz wie letztes Jahr und sind sehr schnell eingerichtet. Heute verlängert sich diese Routine allerdings durch die frische Überziehung des ganzen Bettzeugs und der Pölster, aber nach einer Viertelstunde ist auch das erledigt. Wieder stehen wir mit unserer Schecke ziemlich schräg in unserer Parzelle, damit wir uns mit dem WoMo einen Eigenschatten geben können. Theoretisch zumindest, denn laut einem Aushang in der Rezeption beträgt die Regenwahrscheinlichkeit morgen satte 90 Prozent. Deshalb laden wir auch die Vespa nicht ab, sie darf weiter – schön eingepackt – auf ihrem Träger ruhen. Heute ist das Wetter noch einigermaßen schön, der Hochnebel trübt zwar ein wenig die direkte Sonneneinstrahlung, was uns aber fein im Freien sitzen lässt. Auch ohne Schatten. Wir machen einen ersten Pasch und gegen 18 Uhr begeben wir uns ins Restaurant. Viel ist nicht los, wir genießen die volle Aufmerksamkeit. Auf der umfangreichen Karte stehen fast ausschließlich Gerichte aus Griechenland und dankenswertereise auch eine Reihe von Angeboten für Senioren. Da schlagen wir zu – Ilse lässt sich die „Gebratene Leber“ bringen, dazu als Sonderwunsch Röstkartoffeln. Kein Problem. Gernot wählt „Gyros mit Käse überbacken“, dazu Reis, Pommes Frites und einen gemischten Salat. Ganz davon abgesehen, dass jedes dieser Essen nur 13,70 gekostet hat, war das Dargebrachte wirklich sehr, sehr gut. Für Gernot offenbarte sich überhaupt sein Traum-Essen, denn das mit Käse überbackenen Gyros schwamm in einer fantastischen Rahmsauce und die Kombination mit dem leicht tomatisierten Reis war einfach nur köstlich. Ilse war mit ihrer Leber auch sehr zufrieden, aufessen konnte sie die „Senioren-Portion“ aber nicht. Gernot hat sich dann noch geopfert und die drei aufs Haus spendierten Raki-Schnäpse ausgetrunken – man will ja nicht unhöflich rüberkommen
😊. Apropos rüberkommen – natürlich kommen wir auch morgen wieder rüber, es sind ja nur ein paar Schritte bis ins Restaurant, angekündigt haben wir uns schon. Und es wird uns sogar Hausmusik geboten, von einer lokalen Gruppe, wie es scheint. Mal schauen – bzw. mal hören. Viel haben wir an diesem ersten Abend in unserem geliebten WoMo nicht mehr unternommen, noch ein bisschen Musik gehört und danach haben wir uns bereitwillig in ein tiefes Fresskoma fallen lassen.

Dienstag, 5. Mai 2026
Die erste Nacht im Wohnmobil in dieser Saison war wunderbar. Zwar hört man immer wieder einmal einen LKW auf der Autobahn vorbeibrummen, richtig gestört hat uns das aber nicht. Dafür hat es dann am Morgen ein fulminantes Konzert der Singvögel gegeben, besonders die allzeit singfreudigen Amseln sind in voller Mannschaftstärke vertreten, es müssen, der Stimmenvielfalt nach, viele Dutzend sein. Herrlich. Wir trinken Kaffee, das heißt: Gernot trinkt Kaffee. Ilse hat ein bisschen Bauchgrimmen und versucht das mit einem Tee wieder einzurenken. Viel werden wir heute wohl nicht unternehmen, denn schon ab dem frühen Vormittag hat das Wetter ausgeschaut, als ob es jederzeit zu regnen beginnen könnte. Deshalb bleibt die Vespa vorerst auf ihrem Platz am Heck festgezurrt, überhaupt zeigen die Wetterprognosen in weitem Umkreis Regenschauer, auch für die kommenden Tage. Wahrscheinlich werden wir unseren Roller überhaupt erst in Haßfurt abladen. Wurscht. Übrigens ist heute erneut ein amerikanischer F16 Kampfbomber über den Platz gefegt, keine 300 Meter über dem Boden und wahrscheinlich an die 1.000 km/h schnell. Der gewaltige Lärm hat die Vögelchen am Platz derart eingeschüchtert, dass sie eine ganze Zeitlang nicht mehr zu hören waren 😊. Später sind dann immer wieder auch martialische Kampfhubschrauber in der Luft zu sehen gewesen, kein Wunder, in der Nähe befinden sich gleich mehrere US-amerikanische Militärstützpunkte. Am späten Vormittag sind wir zum kleinen Kiosk hinüber spaziert und haben uns Weizenbier und Mineralwasser besorgt.

Wir wollten der Mitarbeiterin auch ein Weizenbierglas abkaufen, sie hat es uns aber nur geliehen, gegen 5 Euro Kaution. Passt, vielleicht geben wir es eh nicht mehr zurück 😊. Selbstredend haben wir einen Pasch gemacht, später ein wenig geruht und schließlich ist es endlich Zeit fürs Abendessen geworden. Ilse hat sich ein „Gyros mit Allem“, also mit Reis, Pommes und gemischtem Salat einverleibt, wobei sie sich Pommes und Reis gegen Bratkartoffel tauschen hat lassen. Gernot wagte sich über die beiden „Hühnerschnitzel in Champignon-Rahmsauce“, auch mit Pommes, Reis und Salat, aber ohne Umtausch 😊. Wieder war das Essen einmalig gut und beim Bezahlen bereuten wir sehr, dass wir morgen zum letzten Mal heuer hier speisen können. Gernot hat wieder ganz alleine die geschenkten Raki-Schnäpse gekippt, wieder drei an der Zahl. Und wie wir nach dem Preis eines Weizenbierglases gefragt haben, hat es uns der Wirt einfach so geschenkt. Super, jetzt können wir das Glas dem Kiosk wieder zurückgeben, ganz davon abgesehen, ist das geschenkt gekriegte Bierglas viel, viel hübscher 😊. Ach ja, gerade als wir am Gehen waren, erschallten aus dem großen Speisesaal die ersten Töne der angekündigten Musikaufführung – wie vermutet, handelte es sich um eine lokale Volksmusikgruppe. Wir waren noch nicht mal beim WoMo, da hörten wir schon die Leute beim unvermeidlichen „Ein Prosit der Gemütlichkeit“ mitsingen und in Gedanken sahen wir, wie sie begeistert im Takt mitschunkelten. Hui, das war knapp, wir sind gerade noch so entkommen … 😊. Für einen Spätabend-Pasch hat unsere Kraft dann gerade noch gereicht und müde vom süßen Nichtstun betteten wir unsere Häupter.  

Mittwoch, 6. Mai 2026
Die ganze Nacht über hat es immer wieder mal stark geregnet und in der Früh bemerkte Ilse einen Wassereintritt bei einer unserer Dachluken. Schon wieder unsere „Problem-Luke“. Die muss regelmäßig abgedichtet werden, zuletzt hat das Ilse am Campingplatz in Saarbrücken gemacht, auch schon wieder zwei Jahre lang her. Sie wusste aber, dass die Luke erneut behandelt werden muss, deshalb hat sie noch vor der Wegfahrt einen entsprechenden „Dichtungs-Anstrich“ gekauft. Jaja, die kluge Frau baut vor. Jetzt mussten wir noch ein kleines Trockenfensterchen abwarten, dann konnte die „Aktion Neuanstrich“ erfolgen. Und wir brauchen natürlich eine ordentliche Leiter. Die borgten wir uns bei unserem direkten Nachbar aus, der hat hier einen fixen Stellplatz und gleich mehrere Leitern in seinem Geräteschuppen stehen. Wir entschieden uns für die große Alu-Ausziehleiter, mit der wir fast schon die Spitze des Eiffelturms erreichen hätten können. Okay, etwas übertrieben vielleicht, aber wir haben nicht einmal die Hälfte ihrer theoretisch möglichen Kapazität gebraucht. Natürlich war die große Leiter im hintersten Winkel des Schuppens verstaut, so oft braucht man dieses Ding ja nicht. Unser netter Nachbar hat die Leiter aber brav von ihrem angestammten Platz wegmanövriert und Ilse konnte mit ihrer Arbeit beginnen. Gernot blieb mal wieder nur der Job des Leiter-Halters, was aber nicht zu unterschätzen ist 😊. Keine halbe Stunde später war der neue Anstrich aufgetragen, kurze Zeit danach war er schon ausgehärtet. Und er hat sofort dichtgehalten, denn schon eine Stunde später schüttete es wieder ordentlich und kein, auch noch so kleines, Tröpfchen Regen verirrte sich ins Innere unserer Schnecke. So soll’s sein. Für die mühevolle Leiter-Leih-Aktion wollten wir unseren netten Nachbarn zuerst zum Essen einladen – er fährt aber bereits mittags ab. Dann wollten wir ihm ein, zwei Packungen Manner-Schnitten schenken – er ist aber leider kein Süßer. Also haben wir zu unser geheimen „Allzweck-Waffe“ gegriffen und dem Herrn eine Flasche vom doppelt gebrannten Apfelschnaps unseres Tuxer-Bauern überreicht. Bumm – das hat gesessen, über dieses Geschenk hat er sich wirklich gefreut, das hat man ihm deutlich angesehen. 
Aber auch seine „Revanche“ konnte sich sehen lassen, denn er überreichte Gernot eine sehr hübsch gestaltete Bierflasche der Marke „Büble Bräu“ aus dem Allgäu. Mit Bügelverschluss. Herzlichen Dank nochmal. Später sind wir erneut zum Kiosk marschiert, haben das Bierglas retourniert und bei der Gelegenheit gleich noch ein paar Flaschen Bier und Mineralwasser gekauft. Irgendwann ist dann tatsächlich ein wenig die Sonne rausgekommen und wir sind eine schöne Runde über den großen Campingplatz flaniert. Nach einem freudvollen Pasch ist es dann endlich wieder Essenszeit geworden und Gernot wusste schon vorher, dass er heute – an unserem letzten Abend hier – so richtig zuschlagen wird. Die Speisekarte lockt ja mit zahlreichen Schmankerln, die man sonst kaum mal wo findet. Und genau deshalb hat sich Gernot das Lammfilet bestellt, mit Bohnengemüse, Bratkartoffel und extra viel Kräuterbutter – der absolute Traum. Das butterweiche Lammfleisch war eine Köstlichkeit der Sonderklasse und wir sind unserem gnädigen Schicksal sehr dankbar, dass wir beim Essen-gehen nicht jedes Mal auf jeden Euro schauen müssen. Denn immerhin, mit Ilses „Gefüllten Paprika“ samt Pita-Brot und ein paar Drinks haben wir fast 80 Euro bezahlt – ohne Trinkgeld
😊. Auch heute durfte sich Gernot seine Mahlzeit mit gleich drei Schnäpsen runterspülen, obwohl er sonst nie harten Alkohol trinkt. Aber Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel, aber so schnell kommt ihm jetzt kein Schnaps mehr auf den Tisch. Trotzdem sind wir beide komplett aufrechten Ganges ins WoMo zurückgeschlurft, Ilse hatte immerhin auch ihre drei Campari-Orange intus, aber das nur nebenbei 😊. Was für ein krönender Abschluss des diesjährigen „Ancampens“, morgen geht’s weiter nach Haßfurt.
Donnerstag, 7. Mai 2026
Die arme Ilse hat leider eine beschissene Nacht gehabt, keine genauen Details – nur so viel: eigentlich hätte sie gleich auf der Toilette übernachten können. Dementsprechend k.o. ist sie in der Früh, also überlegen wir, noch einen Tag hierzubleiben. Doch nach dem Kaffee fühlt sich Ilse fit genug für die Fahrt nach Haßfurt und wir starten unser Aufbruch-Szenario. Viel gibt es nicht zu tun, heute erledigt mal zur Abwechslung Gernot fast das ganze Programm, Ilse soll sich schonen. Wir sind übrigens beide der festen Überzeugung, dass ihr Unwohlsein nichts mit dem Essen hier zu tun hat. Nicht nur deshalb, weil Gernot gar nichts spürt, sondern vor Allem war Ilse schon von Anbeginn der Reise an nicht vollkommen „auf dem Damm“. Jetzt schaut es aber so aus, dass sie wieder am Weg zur kompletten Wiederherstellung ist. Deshalb fahren wir los, da war es kurz nach 10 Uhr. Es liegen gute 280 Kilometer vor uns, nahezu der gesamte Weg führt uns über Autobahnen. Es regnet dann fast die ganze Fahrt über, zwar keine Wolkenbrüche, aber beständiger Nieselregen. 

Immer wieder finden wir eine 500 Meter Lücke zwischen den zahlreichen LKW und gondeln gemütlich im Verkehr mit. Zwei, dreimal bleiben wir an einem Rastplatz stehen, einmal durchqueren wir eine Raststätte. Wir passieren insgesamt mehrere Baustellen, zu einem Stau ist es dabei aber nie gekommen. So kommt uns Haßfurt immer näher und relaxed treffen wir um exakt 14 Uhr 06 am Stellplatz „Am Gries“ ein. Es stehen schon einige Wohnmobile da und wir suchen uns einen Platz. Den wechseln wir dann aber gleich wieder, er ist uns zu schräg. Tatsächlich ist dann der zweite Abstellplatz fast eben, wir müssen zumindest keine Keile unterlegen. Schnell sind wir eingerichtet, die Vespa bleibt vorerst auf ihrem Träger. Wir melden uns bei Katja an und verabreden uns dann per WhatsApp für morgen zum Essen beim Chinesen. Das fängt ja schon mal gut an 😊. Dann fällt uns ein Schild auf, das fast die gesamte Einfahrt zum Parkplatz verstellt. Schau an, am Sonntag findet hier ein Flohmarkt statt, sämtliche Fahrzeuge und Wohnmobile müssen weichen – ab 5 Uhr Früh wird abgeschleppt.    

Für uns Wohnmobilisten gibt es wenigstens einen Ersatz-Standort, wir müssen halt auf die danebenliegende Wiese fahren. Kein Problem, morgen wird der Schranken dorthin geöffnet und einen Stromkasten gibt es auch. Wir melden uns dann auch bei Tante Heidi an und erwartungsgemäß werden wir gleich zu einem Besuch eingeladen. Wir spazieren gegen 16 Uhr 30 hin und treffen im Geschäft gleich auf Michael. Danach gehen wir zu Tante Heidi und Onkel Heinz, sie freuen sich genauso über unser Wiedersehen wie wir. Ilse hat als verspätetes Geburtstagsgeschenk für Heidi ein Fotobuch anfertigen lassen, mit vielen Bildern von Heidis Mutter und überhaupt von der gesamten Verwandtschaft. Ilse hat die Fotos aus alten Alben von Gernots Vater herausfotografiert und Tante Heidi hatte schon nach zwei, drei Seiten Tränen in den Augen … Wir sind dann gar nicht lange geblieben, obwohl Gernot eigentlich Onkel Heinz zu seinem Stammtisch begleiten sollte. Prinzipiell wäre Gernot eh mitgegangen, auch weil er heute noch nichts gegessen hat. Aber Ilse hat gleich abgewinkt und so hatte Gernot natürlich ein Motiv, die Einladung von Onkel Heinz nicht anzunehmen, denn schließlich will er seine immer noch leicht angeschlagene Ilse nicht alleine lassen. Also haben wir uns verabschiedet und sind zuerst zwei Häuser weiter in einen „“NKD“ Shop gegangen. Dort hat sich Ilse einen sehr kleidsamen Hoodie gekauft und für Gernot durfte drei T-Shirts das Geschäft verlassen. Übrigens haben wir beim Bezahlen schon wieder einen unerwarteten Rabatt bekommen, diesmal gleich 30 Prozent auf alles. Eh super. Danach sind wir nur ein paar Häuser weiter in einen Kebap-Laden eingekehrt, denn Gernots Magen knurrte schon weithin hörbar 😊. Dieses Fastfood-Lokal haben wir schon beim Hergehen gesehen und das hat es letztes Jahr noch nicht gegeben. Es werden Kebap, Pizza und Pide angeboten, Gernot kann sich vorerst gar nicht entscheiden. Da meint der Chef „Ich mach dir einfach einen Teller mit Kebap, Pommes und Salat“ und damit war die Bestellung fixiert. Ilse renkte sich ihren immer noch beleidigten Magen mit einer Portion Pommes wieder ein, die waren übrigens ganz ausgezeichnet – außen knusprig und innen richtig fluffig. Gernots Kebap-Teller hat erwartungsgemäß auch gut gemundet und mit dem kalten Bier dazu war das ein akzeptables Abendessen. Zurück im Wohnmobil lieferten wir uns dann noch ein Gute-Nacht-Duell am Paschring, aber danach war nur mehr „Gute Nacht“ angesagt. 

Freitag, 8. Mai 2026
Die erste Nacht hier in Haßfurt war erstaunlich frisch, es wird draußen deutlich unter 10 Grad gehabt haben. Herinnen ist die Temperatur auf schmale 13 Grad gefallen, unsere Heizung hat das aber am Morgen ganz rasch kompensiert. Bemerkenswert – die ganze Nacht über waren Singvögel zu hören, da hat es zwischen 22 und 6 Uhr keine Pausen gegeben. Zwar zwitscherten nicht die „üblichen Verdächtigen“ wie Amseln, Spatzen oder Meisen vor sich hin, dafür aber gleich mehrere andere Vögel, Gernot glaubte den Gesang des Buchfinken und des Stieglitzes herauszuhören. Wie auch immer, dass es offenbar nachtaktive Singvögel gibt, ist uns bis dato noch nie aufgefallen … Bei feinen 22 Grad im Häuschen trinken wir unseren Kaffee, da kommt schon Onkel Rudi vorbei. Er setzt sich zu uns herein, wir quatschen ein wenig und sprechen unsere Termine ab 😊. Aktuell schaut es so aus, dass wir heute Abend mit Katja zum Chinesen gehen, das ist fix, denn um 18 Uhr 30 ist ein Tisch für uns reserviert. Am Samstag zu Mittag sind wir bei Tante Heidi zum Essen eingeladen, Onkel Rudi und Tante Ilse werden auch kommen. Am Sonntag gibt es eine erste Terminkollision, denn eigentlich haben wir Heidi und Heinz schon zugesagt, sie zu einem ihrem Lieblings-Wirten zu begleiten. Jetzt hat uns aber Onkel Rudi zur gleichen Zeit zu sich nach Obertheres eingeladen, Heidi würde eh auch kommen. Nun ja, er wird das mit seiner Schwester abklären, spätestens morgen beim Mittagessen kriegen wir Bescheid. Leider haben wir dann eine weitere Einladung absagen müssen, denn Tante Ilse wollte für uns heute Nachmittag eine Kaffeejause herrichten, sie hätte extra einen Kuchen gebacken. Aber wenn wir um 15, 16 Uhr Kaffee und zwei, drei Stücke Erdbeerkuchen essen, dann brauchen wir um 18 Uhr 30 nicht mehr zum Chinesen gehen. Alles geht leider nicht, aber vielleicht gibt’s ja Kaffee und Kuchen am Sonntag nach dem Mittagessen 😊. Ach ja, theoretisch wäre noch der Sonntagabend nicht verplant, obwohl eh schon angedacht wurde, dass wir uns da „Beim Türken“ treffen, also beim Charly, der in Wirklichkeit Hyssein heißt. Mal schauen. Onkel Rudi verabschiedet sich dann wieder und wir beschließen spontan, dass wir gleich jetzt das WoMo umparken. Der Schranken ist schon geöffnet, bei einer ersten Nachschau sehen wir auch den Stromkasten aufgesperrt – also Umzug.   
First come, first serve, wie der Lateiner sagt, denn noch steht kein einziges anderes Fahrzeug in der Wiese. Und eigentlich ist nur ein einziger der Plätze mit halbgrobem Schotter bedeckt, natürlich wählen wir den, auch weil er nur wenige Meter vom Stromkasten entfernt liegt 😊. Für die Übersiedlung brauchen wir eigentlich nur den Strom abstecken, die Fensterverkleidungen abnehmen und den Fahrersitz leerräumen. Das ist rasch erledigt und schon tuckert unser WoMo auf sein neues Plätzchen. Wir müssen sogar mit einem der Hinterräder auf einen unserer kleinen Keile auffahren, aber dann stehen wir schön gerade. Sogleich laden wir endlich die Vespa ab, das erste Mal seit Innsbruck steht sie jetzt wieder auf festem Boden 😊. Dann kommt die Frau Platzwartin Schleelein vorbei und wir kriegen ein Extralob verpasst, weil wir uns so schön hingestellt haben. Denn jetzt werden sich die anderen Camper garantiert neben uns anreihen und so hat dann alles seine Ordnung. Das mag sie, die Frau Schleelein. Nach der „Aktion Platzwechsel“ sind wir zum „REWE“ Großmarkt rüber gegangen, das werden nur wenige hundert Meter sein. Wir brauchen ein bisschen Mineralwasser und eine kleine Jause für zwischendurch. Gernot hat dann im Getränkemarkt noch ein Sixpack Budweiser-Bier gefunden, als eines seiner Lieblingsbiere durften die sechs 0,33 Liter Fläschchen natürlich mitkommen. Brot und Salami haben wir auch noch eingekauft – übrigens hat Gernot an der Wursttheke die Salami mit „So ca. 20 Deka bitte“ bestellt, worauf die Verkäuferin mit einem lockeren „Und wieviel ist das in Deutsch“ antwortete. Jaja, wenn schon ungebildet, dann zumindest frech bis unverschämt … 😊. Zwei kleine Salamibrötchen haben wir uns dann im WoMo gleich in die Figuren gestellt, bis zum Chinesen sind wir jetzt hungertechnisch save. Nach einer kleinen Ruhung haben wir uns natürlich noch einen Pasch ausgespielt und kurz vor 18 Uhr ist dann Katja gekommen. Nach einer kleinen Plauderei sind wir gemütlich zum Chinesen spaziert, der sich ziemlich am Ende von Haßfurts Hauptstraße befindet. Das Lokal ist bis auf den letzten Platz gefüllt, trotzdem kriegen wir unsere Mahlzeiten erstaunlich schnell serviert. Und noch erstaunlicher ist für uns Tiroler dann die Rechnung für unser Essen – denn die machte gerademal 55 Euro aus. Und das für drei Mahlzeiten mit riesigen Portionen, drei Gläsern Weißwein, drei großen und einem kleinen Bier. Wir sind nach dem guten Essen noch lange im Lokal sitzengeblieben, bis fast 22 Uhr und haben uns wunderbar unterhalten. Katja wird schon morgen zu einem Wanderurlaub nach Thüringen aufbrechen, gemeinsam mit ihrem derzeitigen Partner. Zurückkommen wird sie übrigens als Single, so ist der Plan, in den sie uns eingeweiht hat 😊.  Wir sind dann gemeinsam zu unserem WoMo spaziert, Katja hat ja in der Nähe geparkt. Nach herzlichen Umarmungen haben wir die liebe Katja dann verabschiedet und sind die paar Meter zu unserem Häuschen gegangen. Ein wirklich schöner und netter Abend und mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit werden wir das auch von den kommenden Tagen sagen können. Es ist immer wieder schön zu erleben, wie sich alle hier in Haßfurt und Obertheres über unser Kommen freuen. Sie lassen uns in jedem Moment spüren, dass wir alle gemeinsam zu einer Familie gehören und es ist im Grunde völlig unerheblich, dass wir so verschieden sind … 
Samstag, 9. Mai 2026

Wieder wundern wir uns nachts über zahlreiche Singvögel. Nicht, dass sie uns stören würden, wie sind das nur nicht gewohnt. Beim Frühstück schaut dann Ilse im Netz nach und siehe da, nachtaktive Singvögel sind nichts Ungewöhnliches, das bringt ihnen logischerweise auch Vorteile. Wie zum Beispiel, dass sie nachts nicht so leicht überstimmt werden können, eh klar.   

Um 8 Uhr 01 werden wir dann nicht von einem Singvogel geweckt, sondern von Tante Heidi. Mit einem fröhlichen „Wie sehen uns dann mittags, ne?“ reicht sie uns frische Brötchen und die BILD-Zeitung ins WoMo. Den Vormittag verbringen wir ganz relaxed, an eine Ausfahrt mit der Vespa ist nicht zu denken, es regnet immer wieder mal gelangweilt vor sich hin. Um ja nicht in Gefahr zu geraten, verspätet bei Tante Heidi und Onkel Heinz einzutreffen, starten wir zeitig los und um 11 Uhr 45 sitzen wir schon am gedeckten Mittagstisch. Onkel Rudi und Tante Ilse sind auch schon da und in der Folge genießen wir ein wirklich gutes Essen. Es gibt Rindsgulasch mit überbackenen Nudeln, dazu einen Salat. Absolut delikate Hausmannskost, genauso, wie wir das mögen. Entsprechend haben wir, speziell natürlich Gernot, so richtig zugeschlagen. Dazu lokales Bier, ein formvollendetes Essen. Damit wir nicht vollkommen nüchtern den Tisch verlassen, wurde noch Kaffee und Kuchen gereicht, danach hätten wir wohl nicht mal mehr das vielzitierte Pfefferminzplätzchen runtergekriegt. Nach einer netten Plauderei haben wir uns dann wieder in alle unsere Richtungen verstreut, wir natürlich in unser Wohnmobil. Wenig verwunderlich mussten wir uns zuallererst einem veritablen Fresskoma ergeben, aus dem wir uns hernach mit einem Pasch herausretteten. Dann lockte uns unerwarteter Sonnenschein ins Freie und zum Glück wussten wir von einem Kaffee- und Cocktailwagen, der sich „Mainfräulein“ nennt und am Ende des großen Parkplatzes liegt. Der wird von einem (hoffentlich😊) Mutter-Sohn-Gespann geführt und erfreut sich eines regen Zuspruches. Fast alle Sitzplätze waren belegt, die Leute gönnten sich ihre Drinks oder Kaffees direkt am Main und vor allem die Barkeeperin beherrscht das Geschäft aus offensichtlich langjähriger Erfahrung. Gernot gönnte sich ein lokales Bier aus Bamberg und Ilse hat sich einen Mocktail mixen lassen, der sich „Rising Sun“ nennt und keinen Alkohol enthält. Doch bald einmal wagte sie sich auf unbekanntes Terrain und bestellte sich einen Drink mit dem verführerischen Namen „Ti amo“.    Da war dann Schluss mit alkoholfrei. Denn der besteht aus einem Espresso, einem schönen Stamperl Eierlikör und wird gekrönt von einem Hauberl aus Milchschaum. Und er fährt ordentlich ein. Wer sollte das besser wissen als Ilse, denn schließlich hat sie sich gleich noch einem zweiten „Ti amo“ hingegeben. Dazu war sie nicht schwer zu überreden 😊. Gernot hat sich nach dem zweiten Bier noch einen „Doppio“ bestellt und der ist dann als – mindestens – achtfacher (!!) Espresso dahergekommen. „Tschuldigung, aber die Maschine hat sich kurz verselbständigt. Musst ihn aber eh nicht austrinken“, tröstete ihn die Barkeeperin. Gernot hat den guten Viertelliter Kaffee dann selbstlos inhaliert, so was Gutes kann man einfach nicht verkommen lassen 😊. Nach diesem netten Break am Mainufer sind wir dann zum Häuschen zurückspaziert und haben den Abend fein ausklingen lassen. Morgen ist großer Flohmarkt und so wie es den Absperrungen nach ausschaut, wird das ein riesengroßer Flohmarkt werden. Im Prinzip direkt vor unserer Haustür – wir bleiben aber guten Mutes und optimistisch.
Sonntag, 10. Mai 2026
Nach einer ruhigen und kalten Nacht haben wir uns von den Singvögeln aus dem Schlaf trällern lassen. Da war es etwa 7 Uhr 30 und nach dem Kaffee hat Gernot mal die Lage am großen Parkplatz gecheckt. Unglaublich aber wahr – ohne dass wir es überhaupt bemerkt hatten, standen plötzlich viele Dutzend Flohmarkthändler mit ihren Ständen da. Und wir haben keine 100 Meter weiter tief und fest geschlafen! Kann uns natürlich nur recht sein 😊. Es wuseln schon hunderte Kaufwillige zwischen den Ständen herum und auch der „Bratworscht“-Wagen und der Bier-Wagen sind bestens frequentiert – es ist gerademal 8 Uhr durch. Passt – wir sind immer noch in Bayern und Bier am frühen Vormittag ist hierzulande nichts Ungewöhnliches. Gernot schlenderte ein paar Marktstände entlang und blieb natürlich bei einem Schallplatten-Tandler hängen. Er ist ganz gut sortiert und die Preise für die LP’s sind sagenhaft billig. Man hätte sich etwa die „Santana 3“ um 12 Euro kaufen können, später hat Gernot die seltene Platte an einem anderen Stand für 60 Euro gesehen. Immer noch relativ günstig. Weil ein Streifzug über einen riesigen Flohmarkt alleine nur halb so lustig ist, holte sich Gernot seine Ilse hinzu und gemeinsam latschten wir fast den kompletten Markt ab. Man hätte wohl ganze Lastwagenladungen von hübschem Zeug kaufen können, uns war aber eh von vornherein klar, dass wir standhaft bleiben werden. Danke – aber wir brauchen nichts 😊. Das stimmte dann zwar auch für unseren einzigen Kauf, aber wir konnten zu einer Sonderedition einer Doppel-LP von Ludwig Hirsch nicht nein sagen. Mit allen relevanten Liedern des Austro-Pop-Stars, in neuwertigem Zustand, mit Booklet und sämtlichen Texten. Und das Ganze um sagenhafte 5 Euro! Da mussten wir ganz einfach zuschlagen. Der Verkäufer hatte dann auch eine Unmenge an Zappa-Platten im Angebot, gleich zwei Plastikboxen voll. Sicher über 50 Stück, meistens nur um die 8 bis 12 Euro teuer. Ein Wahnsinn eigentlich. Aber leider, wie nicht anders zu erwarten war, Gernot hat jede einzelne LP bereits längst in seiner Sammlung und so sind die Super-Schnäppchen in Haßfurt geblieben. Ach ja – trotz des unglaublichen Gewusels an Menschen hat Gernot doch tatsächlich die ersten Münzfunde gemacht – ein 10-Cent- und ein 1-Euro-Stück 😊. Zurück im WoMo haben wir dann einen Pasch angefangen, den wir aber abbrechen mussten, denn es wartete das Mittagessen bei Ilse und Rudi auf uns. Endlich darf dafür auch die Vespa zum Einsatz kommen, es sind ja gut 6 Kilometer nach Obertheres. Unsere rote Prinzessin zeigte sich aber ob der langen Untätigkeit keineswegs beleidigt, sondern hat mit ihrer fahrtechnischen Geschmeidigkeit endgültig bewiesen, dass die aufwändige Motor-Erneuerung kein rausgeworfenes Geld war. Ohne unserer Vespa unnötig schmeicheln zu wollen (sie liest ja eh nicht mit), fährt sie sich tatsächlich wie ein Neufahrzeug. Sehr gut! Onkel Rudi und Tante Ilse haben bei unserer Ankunft die Vorbereitungen schon abgeschlossen und wir kriegen nach der herzlichen Begrüßung Hausmannskost vom Allerfeinsten serviert. Ilse hat einen „Fränkischen“ Sauerbraten zubereitet, mit Rotkraut und fluffigen Klößen. Dazu einen bunten Salat – ein wirklich phantastisches Essen. Die dunkelbraune, beinahe schwarze, dicke Sauce war unbeschreiblich gut, das muss man erst mal hinkriegen. Aber Tante Ilse hat da so ihre Erfahrung, denn „Der Rudi will jeden Sonntag seinen Braten und seine Klöß‘ dazu“. Und in über 50 Ehejahren kommen da ganz schön viele Sonntagsbraten zusammen 😊. Weil wir mit der Vespa unterwegs waren, teilten wir uns das angebotene „Theres“-Bier, sind dann aber doch noch mit reichlich Alkohol beschenkt worden. Denn Rudi zeigte sich sehr, sehr großzügig, als er Gernot einen 1-Liter-Bocksbeutel (eine bauchige Flasche) mit Sylvaner-Wein überreichte. Der Bocksbeutel ist eine Sonder-Edition des Bayrischen Landtages und Rudi hat sie erst kürzlich für seine 60-jährige Mitgliedschaft bei der CSU geschenkt bekommen. Einen hat er sich behalten der zweite wird mit uns die Reise nach Innsbruck antreten und dort einen Ehrenplatz zugewiesen kriegen. Auf der Terrasse haben wir dann noch Kaffee getrunken und die Schildkröte „Rambo“ bestaunt, die mit unerwarteter Geschwindigkeit durch den großen Garten tigerte. Leider sind die schönsten und nettesten Stunden immer am schnellsten vorbei und wir sind nach vielen Umarmungen nach Haßfurt zurückgebrettert. Tja – und dann stand schon die nächste Einladung am Programm – wir werden mit Tante Heidi und Onkel Heinz „zum Türken“ gehen, in einer halben Stunde werden wir direkt bei der WoMo-Tür abgeholt. Besser gesagt, Ilse wird abgeholt, Gernot geht lieber zu Fuß und traut sich die knapp eineinhalb Kilometer locker zu. Überhaupt achtet Gernot schon seit einigen Wochen darauf, möglichst viele Schritte pro Tag zu gehen, denn lange Untätigkeit wirkt sich nicht gut auf seine Arterien-Erkrankung aus. Aber wie gesagt, ein Kilometer am Stück geht immer, eineinhalb auch. Und so ist es dann auch gekommen, Gernot hat gerademal 20 Minuten lang für die Strecke gebraucht, war der allererste Gast im „Centgraf“ und hat sich von Wirt Charly gleich mal ein Bier bringen lassen. Wird nicht das letzte gewesen sein 😊. Etwas später waren wir vier dann wieder vereint und dann ist noch ein Mann aus der Stammtisch-Runde zu uns gestoßen. Aus reiner Fresslust hat sich Gernot das „Schnitzel in Champignon-Rahmsauce bringen lassen, Ilse beschied sich mit einer „Currywurst“. Übrigens, das Schnitzel war wieder eines der Sorte „Wiener Schnitzel mit Tunke“, weil das Schnitzel paniert war. Natürlich hat Ilse mal wieder einmal versucht, heimlich die Rechnung zu bezahlen, was Charly mit nur einem Wort verunmöglichte: „Verboten!“. Wir sind dann noch eine ganze Zeit lang fein zusammengesessen und später dann, den Main entlang, zum WoMo zurückgeschlendert. Dann war aber endgültig Schluss für heute – Licht aus und zack und weg.      
Montag, 11. Mai 2026
Eigentlich wollten wir heute von Haßfurt abfahren, aber wir bleiben noch einen Tag länger hier. Am Vormittag sind wir von unserem Ausweich-Quartier auf der Wiese wieder auf den Original-Stellplatz zurückgefahren und haben gleich mal die Vespa aufgeladen – es soll bald einmal Regen kommen. Die Prognosen stellten sich als richtig heraus, kann uns aber echt egal sein. Der wirklich große Parkplatz, auf dem gestern unzählige Marktstände aufgebaut waren und ebenso unzählige Besucher herumstreunten, ist buchstäblich besenrein verlassen worden. Ohne Übertreibung könnte man auch sagen, er ist heute sauberer als vorgestern. Sehr brav! Wir sind um 15 Uhr bei Tante Heidi auf Kaffee und Kuchen eingeladen, das wird sozusagen unser letzter Termin unseres diesjährigen Haßfurt-Besuches sein. Nach einem Pasch machen wir uns dann zeitig auf den Weg, denn vorher müssen wir noch ein paar Einkäufe erledigen. Wir brauchen Milch, Brot und Wurst, dankenswerterweise befinden sich die Metzgerei Fuchs und die Bäckerei Fuchs in einem Geschäft, noch dazu schräg vis-a-vis von Bestattung Zehe. Mit den Einkäufen schreiten wir zur Kaffeetafel, Tante Heidi hat uns köstliche „Bienenstiche“ dazu besorgt. Wahrscheinlich eh auch vom Bäcker Fuchs 😊. Im Laufe der Jause ist dann noch Enkel Felix kurz durch die Wohnung gelaufen, er hat inzwischen seine Lehre zum Bestatter abgeschlossen und ist, wie Onkel Heinz stolz berichtete „nun der erste gelernte Bestatter der Zehe-Firmengeschichte“. Felix ist ja der Sohn von Michael und wird in ein paar Jahren die Firma übernehmen. Unterstützt wird er dann von zwei weiteren Familienmitgliedern werden, denn Yasin hat durch die Verehelichung von Michales Tochter Sophia ins Unternehmen „eingeheiratet“ und hilft längst tatkräftig mit. Der türkischstämmige Yasin war mit seiner Tochter zu Besuch, die herzige, eineinhalb-jährige Senna hat uns alle sofort in ihren Bann gezogen – sehr süß! Nach der Verabschiedung von Tante Heidi und Onkel Heinz haben wir dann im Geschäft noch Michael zum Geburtstag gratuliert – wir werden wohl die ersten gewesen sein, denn er wird erst morgen 56 Jahre alt 😊. Apropos Geburtstag – da haben wir bereits bei Tante Heidi unmissverständlich deponiert, dass wir uns quasi selber zu ihrem 80-jährigen Geburtstag einladen, weil wir dazu extra aus Innsbruck herfahren. Passt – nicht, dass sie auf die Idee kommen könnte, „kein großes Trara um so einen blöden Geburtstag zu machen“. Ein 80er gehört gebührend gefeiert und aus! So – und damit sind die Verwandtenbesuche endgültig abgehakt und es war wieder so richtig schön hier. 
Wir sind zum WoMo zurückgeschlendert und haben dort bei Frau Schleelein den Extra-Tag bezahlt. Sie war natürlich wieder mit ihrer ständigen Begleiterin unterwegs, wir wissen nicht ob es sich bei der Frau um eine Verwandte, Freundin oder Partnerin handelt. Das ist auch völlig wurscht, trotzdem ist diese, eher einsilbige Begleiterin, eine Erwähnung wert. Denn – wenn die Mittfünfzigerin mal etwas sagt, dann handelt es sich dabei meist um beißenden Spott und tiefschwarzem Humor vom Feinsten. Ein Beispiel: Frau Schleelein erzählte uns gerade, dass sie seit Neustem nebenbei auch für „Bestattung Zehe“ tätig ist. Sie hat von Michael den Schlüssel für den großen Parten-Kasten der Stadt Haßfurt bekommen, in dem die Bildchen der zuletzt Verstorbenen ausgestellt sind. Wurde auch Zeit, meinte Frau Schleelein, denn dieser Parten-Kasten wäre oft nur unzureichend aktualisiert worden. Und sie unterstrich die Nachlässigkeiten mit einem lockeren „Da ist dann schon mal eine Oma drinnen gehangen, die schon vor drei Wochen gestorben ist“. Da meinte ihre Begleiterin mit einem gespielt vorwurfsvollen Blick: „Du weißt aber schon, wie Scheiße sich das gerade angehört hat?“ Wie gesagt, schwarzer Humor bester Güte. Ach ja – Gernot hat jetzt das Privileg, Frau Schleelein als Konny (mit K) ansprechen zu dürfen, drei Jahre per Sie sind ihr offenbar genug 😊. Tja – das war es dann endgültig mit Haßfurt für dieses Jahr – morgen geht es wieder auf die Piste – neuen Ufern entgegen. Und diese neuen Ufer befinden sich für uns bei Bad Füssing – das ist schon hart an der Grenze zu Oberösterreich. Es sind an die 360 Kilometer Fahrtstrecke, also nicht gerade nichts. Deshalb gehen wir heute auch besonders früh ins Bett.
Dienstag, 12. Mai 2026

Bedingt durch das frühe Schlafengehen, sind wir natürlich topfit als wir um ca. 7 Uhr aus den Federn kriechen. Wieder war es saukalt, in der Früh werden wir wohl kaum 10 Grad gehabt haben. Nach dem Käffchen sind wir abgefahren, zuerst noch rüber zu REWE, hauptsächlich wegen der Pfandflaschen-Rückgabe. Danach die paar hundert Meter bis zur Tankstelle, der Preis für den Diesel liegt unter 2 Euro, vor ein paar Wochen lag der Literpreis noch bei gut 2,50. Der Verbrauch lag übrigens hauchdünn über 10 Liter, das ist okay. Jetzt aber los – schnell noch an Obertheres vorbei und schon waren wir auf der Autobahn A70. Das Verkehrsaufkommen hielt sich in erträglichen Grenzen, das war auf der A3, auf die wir bei Andernach wechselten, zum Glück nicht viel anders. Allerdings waren hier beinahe mehr LKW als PKW unterwegs, trotzdem sind wir gut vorangekommen, die drei Spuren haben das ermöglicht. Mit einigen Pausen sind wir dann kurz nach 14 Uhr in Bad Füssing angekommen, unser Campingplatz befindet sich ein paar Kilometer weiter, im Ort Kirchham. 

Der „Campingplatz Preishof“ ist ein ehemaliges Landgut, das im Laufe der Jahre zu einem Wellness-Hotel, einem Gasthaus mit großem Veranstaltungssaal und eben einem Campingplatz umgestaltet wurde. Schaut alles sehr gut aus und wir melden uns an. Mit Gernot betritt eine fast weiße Katze die Rezeption und lässt sich sofort ausgiebig streicheln. Nicht nur das – der Schmusetiger bekommt einen regelrechten Kuschelanfall und schmiegt sich eng und immer enger an Gernot, streicht ihm um die Beine und als er sich niedersetzt, hat er die Katze sofort am Schoß – wirklich süß. Blöderweise hat Gernot gerade seine dunkelblaue Fleece-Jacke an und wenn man behauptet, nach der Kuschelattacke der Katze wäre die Jacke mit tausenden, weißen Haaren bedeckt gewesen, dann ist das jetzt schon die Untertreibung des Jahres 😊. Sagen wir so: das Entfernen der Haare hat sich hingezogen, letztendlich ist Ilse noch mit dem Staubsauger rangegangen. Aber – natürlich war die stürmische Begrüßung durch eine Katze das perfekte Omen und wir buchten uns gleich für vier Nächte ein 😊. Kaum waren wir an unserem Platz eingerichtet, folgte schon die nächste, nette Überraschung. Direkt neben und landete ein wunderschönes Vögelchen, mit ziemlich langen, auffällig roten Schwanzfedern. Über seinen Gesang identifizierten wir den Vogel sogleich als Hausrotschwanz und haben damit eine neue Vogelstimme in unserer Sammlung – jetzt sind das echt schon so einige … Schnell war dann auch die Vespa vom Träger gelassen, ausfahren werden wir heute aber nicht. Denn wir haben anderes zu tun und bis dorthin haben wir gerademal einen Pasch lang Zeit. Dann wechseln wir von unserer Camper- in die Zivilkleidung und gehen die 200 Meter zum „Preishof-Stadl“ rüber – Essenszeit. Durch eine ganz normale Gasthaustür treten wir ein und dann trifft uns fast der Schlag – wir stehen in einem Saal, ja fast schon in einer Art Halle, über 200 andere Leute sind schon da – 10 Minuten vor der offiziellen Öffnung des Lokals 😊. Weil wir von den Begebenheiten nichts wussten, haben wir auch nicht reserviert – wäre für zwei Personen auch gar nicht möglich gewesen. Also wurden wir „dazugesetzt“, selbstredend kein Problem, so lernten wir gleich Elke und Peter kennen. Nette Leute aus Bayern, wir haben uns sofort – und dann den ganzen Abend lang – bestens unterhalten. Wir haben den Tisch direkt an der Bühne und immer noch strömen die Menschen herein. Am Ende werden es knapp 400 (!!) Gäste gewesen sein, denn so viele haben im „Preishof“ Platz. 

Und trotz dieser Massen haben wir ein Service erlebt, wie es sogar in einem normalen Gasthaus auffällig gewesen wäre: Nach fünf Minuten war eine Kellnerin da, fünf Minuten später brachte ein Kellner die Getränke und keine zehn Minuten (!!) danach hatte jeder sein Essen auf dem Tisch. Ungelogen!! Wie Ilse später erfahren hat, sind für diesen Abend 15 MitarbeiterInnen im Einsatz gewesen, alles erfahrene Profis. Das Essen war übrigens beste bayrische Wirtshausküche, Ilse hat sich den „Toast Hawaii“ (Okay, vielleicht nicht ganz typisch bayrisch 😊) bringen lassen, Gernot genoss eine fulminante „Geröstete Leber“ mit Reis, sehr viel Sauce, Apfelscheiben und Röstzwiebeln. Während unseres Essens betrat dann ein Alleinunterhalter die Bühne, er nannte sich „Luis Alpin“ und war Österreicher, wenngleich mit einem sehr bayrischen Zungenschlag. Er haute einen Schlager-Hadern nach dem anderen raus, natürlich auch den Volksmusik-Klassiker „Patrona Bavarie“. Dieses Lied ist in Bayern sozusagen Pflicht und mehr und mehr füllte sich die Tanzfläche. Wir haben nicht mitgetanzt, die Musik war uns um eine Spur zu wenig Zappa 😊. Bemerkenswert war, mit welcher Virtuosität dieser „Luis Alpin“ die Ziehharmonika beherrschte. Da hat wirklich jeder Ton gesessen und als große Verehrer des „Quetschen-Gottes“ Herbert Pixner wissen wir, wie eine gut gespielte „Ziachin“ klingen muss. Ilse hat dem „Luis Alpin“ übrigens als einzige ein Bierchen spendiert, dafür hat er sich nett bedankt und uns bei seinem nächsten Lied direkt angesungen. Ausgerechnet bei „Patrona Bavarie“ – mehr brauchst nimmer. Es gibt eh ein Video 😊. Aber weil auch der netteste Abend einmal sein Ende finden muss, sind wir schließlich zum WoMo geschlurft und haben uns bald einmal in unsere Betten fallen lassen. So fremd uns solche Veranstaltungen auch sind, irgendwas hat das schon. Vielleicht kommen wir ja irgendwann mal drauf, was genau das sein soll 😊.

Mittwoch, 13. Mai 2026

Zwar scheint beim Aufstehen schön die Sonne, aber dieser Schein trügt. Es ist nämlich arschkalt und sofort läuft die Heizung auf Hochtouren. Weil wir ausnützen wollen, dass es zumindest nicht regnet, ziehen wir uns warm an und fahren mit dem Roller nach Kirchham rüber, das werden an die drei Kilometer sein. Dort geben wir beim „EDEKA“ unser Pfandgut zurück und decken uns mit Wurst, Käse und Brot ein. Denn der „Preishof“ hat erst morgen wieder geöffnet, wir müssen uns also selbst versorgen. Nach der Rückkehr machen wir einen Pasch und danach genießen wir im Freien (!) ein zweites Frühstück mit Kaffee und köstlichen Nuss-Stangerln. Nach einem Nachmittagsschläfchen spazieren wir ein wenig über den Platz – ist ja nur wegen der Schritte. Dabei kommen wir an der nahen Pferdekoppel vorbei und Ilse verfüttert unsere Brotreste an die Hafer-Mopeds. Na, das hat geschmeckt, die haben die Augen gaaanz weit aufgerissen. Am Abend folgte dann noch ein Höhepunkt – über die Webseite des FC Wacker Innsbruck wurde die Partie gegen St. Johann übertragen, eine Vorentscheidung im Kampf um den Meistertitel in der 3. Liga. Zwar hatte unser FC Wacker schon vor der Partie die Favoritenrolle inne, mit einem 7:0 haben aber wohl nur die allergrößten Optimisten gerechnet. Super – jetzt sind wir zu 99,99 Prozent Meister und mit großer Wahrscheinlichkeit holen wir uns mit dem Tiroler Amateur-Cup-Sieg sogar das Double. Super – da sind wir ja genau im richtigen Jahr Mitglieder und Abonnenten geworden – die Abos für die 2. Liga kaufen wir uns selbstverständlich auch, ebenso die Wacker-Dressen für die neue Saison 😊. Nach dem Match hat sich Gernot noch ein eiskaltes Siegesbier gegönnt, das passte übrigens gut zur Außentemperatur. Danach ist aber für ihn bald einmal Schluss mit wach-sein, Ilse hat hingegen noch einen mittleren Lese-Marathon eingelegt und bis fast 2 Uhr nachts in ihrem aktuellen Krimi geschmökert. Wieder ein Buch an einem Tag, Natürlich spielt auch das stets regnerische Wetter eine Rolle – je weniger wir mit der Vespa unterwegs sind, desto mehr Zeit bleibt zum Lesen. Aber es werden wieder andere Zeiten kommen, es muss nur endlich das Wetter ein bisschen wärmer werden. Bitte – Danke 😊

Donnerstag, 14. Mai 2026

Geschlafen haben wir heute ziemlich lange, fast bis 9 Uhr. Erste Handlung am Morgen: Wie immer die Heizung beinahe auf ihre Höchststufe drehen. Bis jetzt haben wir auf dieser Reise jeden Tag morgens geheizt, jeden einzelnen Tag. Es reicht dann mal langsam. Eine halbe Stunde später trinken wir unseren Kaffee dann aber eh schon bei 20 Grad, draußen hat es höchstens 10. Wurscht, später kommt dann eh für eine Zeit lang die Sonne raus. Das nutzen wir gleich zum Duschen-gehen, dann kommen wir danach nicht tiefgefroren zum WoMo zurück. Übrigens haben wir heute in der Früh, neben zahlreichen anderen Vögeln, auch den Kuckuck rufen gehört. Das Besondere – der Vogel ist dabei quer über den ganzen Platz geflogen, seinen typischen „Kuckuck, Kuckuck, Kuckuck“ Rufen hat man das aber überhaupt nicht angehört, das hat wirklich sehr lässig geklungen. Wir kommen rasch überein, dass das heute ein totaler Relaxtag wird. Natürlich spielen wir uns ein Duell am Paschteller aus, nach Mittag legen wir uns zu einem ausgedehnten Schläfchen nieder. Nach dem aktiven Erwachen ist eh schon Zeit fürs Abendessen und wir schlendern zum „Preishof-Stadl“ rüber. Heute wählen wir uns einen Platz abseits der Bühne und werden zu einem Paar dazugesetzt. Es sind Einheimische, ein wenig älter als wir (also über 70 😊) und nett. Wir kommen gleich ins Gespräch, das aber nicht lange dauert, denn erneut werden wir vom sagenhaften Service beinahe überrumpelt. Vom ersten „Grüß Gott“ bis zum Servieren der Hauptspeisen dauert es wiederum keine Viertelstunde, vielleicht sogar nur 10 Minuten. Und wieder ist der Stadl bummvoll! Unglaublich. Die Wahl des Tisches war übrigens eine gute, denn von der Musik haben wir so gut wie gar nix mitgekommen.   

Dafür ist uns das hervorragende Essen in bester Erinnerung geblieben. Ilse genehmigte sich die „Schweinsbratwürsteln mit Sauerkraut“ – ohne Sauerkraut, dafür mit einer Scheibe Schwarzbrot. Für das weggelassene Sauerkraut wurden dann später bei der Rechnung tatsächlich 1,50 abgezogen, das Brot hat übrigens 0,80 gekostet. Gute Rechnung, gute Freunde 😊. Gernot hat schon vor dem Essen gehofft, dass der „Bauernschmaus“ erneut auf der Speisekarte steht, die Angebote wechseln ja. Zum Glück war das Gericht auch heute angeführt und am Teller türmten sich Schweinsbraten, Selchbraten, ein Grillwürstel, üppig Sauerkraut und ein faustgroßer Semmelknödel. Und all diese Köstlichkeiten sind in einem See aus dunkelbrauner, echter Sauce geschwommen. Was für ein Traumessen, für nicht einmal 20 Euro. Im Laufe des Abends hat dann noch einmal unsere Tischgesellschafft gewechselt und wir haben zwei neue Leute dazugesetzt bekommen – wieder beide nett. Lange haben wir uns aber nicht mehr unterhalten, denn das viele, gute Essen hat uns müde gemacht. Bis zum WoMo schafften wir es aber natürlich noch und bald wurde es herinnen finster. Resümee von heute: Die ganze Zeit nur herumgefläzt, kaum was weitergebracht, den Singvögeln zugehört, abends ein fantastisches Essen genossen – also ein rundum geiler Tag 😊.

Freitag, 15. Mai 2026
Heute ist unser letzter Tag am „Preishof“ und das Wetter begrüßt uns mit Nieselregen. Okay, das hatten wir schon 😊. Wurscht, wir müssen trotzdem raus, noch dazu mit der Vespa. Es ist ja eh schon fast Tradition, dass immer eines unserer Medikamente zu Hause vergessen wird. Diesmal hat es wieder mal eine von Gernots Pillen nicht ins WoMo geschafft. Wir wollen gar nicht lang eine(n) Schuldige(n) für diese Nachlässigkeit benennen, denn „Nobody is perfect“, sogar Ilse soll Fehler machen. Ups … In Wahrheit ist das natürlich völlig egal, denn dieses Medikament kriegen wir in jeder Apotheke und es kostet weniger als die Rezeptgebühr. Was solls also? Naja, das Wetter … Auch wurscht, wir sind nicht aus Zucker und es schneit wenigstens nicht 😊. Wir ziehen uns warm an, Helme auf und ab mit uns nach Bad Füssing, gut 5 Kilometer entfernt. Es setzt dann stärkerer Regen ein und – das Hagel-Unwetter damals bei Klagenfurt ausgenommen – waren wir noch nie bei einem solchen Regen mit der Vespa unterwegs. Was ja eigentlich nicht wirklich ein Problem ist, Vollbremsungen sollten halt keine passieren und in die Kurven sollte man sich auch nur sehr dezent legen. Besser gar nicht 😊. Aber, diese Zeilen beweisen es, wir sind bestens und höchstens halb-nass bei der Apotheke in Bad Füssing angekommen, das rezeptfreie Medikament wurde uns anstandslos ausgehändigt – für schlanke 5,50. Danach haben wir noch schnell bei einem Supermarkt ein paar Flaschen zurückgegeben und Kleinigkeiten eingekauft. Anschließend in einem Zug zurück zum Campingplatz, jetzt tröpfelte es nur noch leicht und am Platz angekommen, waren wir schon vom Fahrtwind trockengeföhnt. Super – damit war der Hauptact des Tages bereits vor Mittag erledigt und wir konnten uns wieder hemmungslos dem „Dolce far niente“ hingeben. Dieses süße Nichtstun haben wir dann während eines Sonnenfensterchens durch Aufladen der Vespa kurz unterbrochen, bis uns schließlich ein aufkommender Hunger an den Esstisch gezwungen hat. Nunja, wir haben eh völlig freiwillig die Käsewurst, den Schnittkäse, Tante Heidis Eier-Geschenk (hart gekocht natürlich) und das frische Brot zu uns genommen 😊. Süßes hat es auch noch gegeben und nach einem Pasch legten wir uns relativ früh nieder. Morgen stehen sozusagen zwei Etappen auf dem Programm, der erste Weg wird uns nach Oberösterreich führen. Es hat sich nämlich ergeben, dass wir unserem ehemaligen Hausarzt einen Besuch abstatten werden. Und danach fahren wir schnurstracks an den Ossiachersee, so ist zumindest der Plan. Aber was weiß man schon?
Samstag, 16. Mai 2026
Heute mal wieder sehr zeitig aus den Federn gekrochen, wie immer an Reisetagen. Obwohl, wegen der ersten Etappe von heute brauchen wir keinen Ausbruch von Reisefieber befürchten, sie ist gerade mal etwas über 20 Kilometer lang. Das WoMo ist mal wieder blitzartig reisefertig gemacht und den Weg zur Chemieklo-Entsorgung machen wir schon per Schnecke. Übrigens – wieder hat neben uns ein Camper schamlos das Brauchwasser seines WoMo auf den Asphalt rinnen lassen, er war schlicht zu faul, auf die daneben befindliche Ablassstelle aufzufahren. Der Einfachheit halber ist er dann mit offenem Ablassventil losgefahren und hat auf der Straße eine lange Spur seines Abwassers hinterlassen. Bei solch rücksichtslosen, egoistischen Schweinen (Entschuldigung an die gleichnamigen Tiere) würden wir uns so gern wünschen, dass sie wenigstens einmal für ihren Umweltfrevel abgestraft würden. Leider wird das kaum mal wo passieren … Wir sind dann früher als erwartet vom „Campingplatz Preishof“ abgefahren, da war es erst 9 Uhr 05. Über eine kurvenreiche Landstraße sind wir dann formlos und ohne jegliche Kontrolle nach Österreich gekommen.   
Gleich einmal hinter der Grenze haben wir nach einer Tankstelle Ausschau gehalten und sind bei einem „Lagerhaus“ fündig geworden. Mit der Karte eines Mitarbeiters durften wir unseren Dieselvorrat wieder auffüllen, zu einem Literpreis von 1,959 Euro. Also das mit den Benzinpreisen haben wir uns weit schlimmer vorgestellt, unser Protest dagegen hält sich aber in sehr engen Grenzen. Nach dem Tanken geht’s über kleine, kleinste und winzigste Straßen zum Haus von Franz und Monika, die direkte Zufahrt versäumen wir dann sogar, weil wir uns nicht vorstellen können, dass man hier noch fahren kann. Aber Google-Maps bleibt hartnäckig und schließlich wagen wir den Abstecher ins Nirgendwo und nach dem Passieren einer geländelosen Betonbrücke stehen wir vor dem Haus von Franz und Monika. Das eigentlich kein Haus, sondern eher ein Anwesen ist. Sofort kommt Franz auf uns zu und wir begrüßen uns herzlich. Mensch, wie geht uns der Franz als Arzt ab! Er war noch ein richtiger Landarzt, noch dazu entschied er sich für den Beruf erst im zweiten Bildungsweg. Eigentlich ist er gelernter Maschinenbauer. Und das sieht man auch gleich – denn in der riesigen, scheunenartigen Garage stehen eine ganze Reihe von Fahrzeugen. Wir sind keine Experten, aber alleine der 8-Zylinder Morgan Roadster und der MG Spyder, beide aus den frühen 1960er Jahren, sind echte Raritäten. Wie auch der 12-Zylinder Jaguar, den Sohn Joseph fährt, oder der 50 Jahre alte Mercedes W123. Draußen steht noch ein angemeldeter VW-Bus, der Bully ist dem Franz aber viel zu untermotorisiert – „denn mit nur 50 PS schieben dich die LKW über den Brenner“
😊. Franz und Monika haben sich das Haus schon vor Jahrzehnten gekauft und es war von Beginn an als „Alterssitz“ vorgesehen. Im Lauf der Jahre haben sie sich hier bei Aspach ein wirkliches Paradies geschaffen, das Haupthaus ist wunderschön ausgebaut und durch ihre Bio-Recycling-Anlage und die Hausbrunnen sind sie fast autark. Wir setzen uns dann an den Tisch, Monika und Joseph sind auch da. Es werden Weißwürste serviert, dazu köpft Franz gleich mal eine Flasche Sekt. Passt, ein Schlückchen zum Wiedersehen kann man sich ausnahmsweise auch mal am Vormittag gönnen 😊.
Wir sind dann noch eine gute Stunde lang zusammengesessen und natürlich haben wir Franz und Monika nicht nur einmal wissen lassen, wie sehr sie uns abgehen. Naja, nix ist für immer … So auch nicht unser Besuch, mit langen Umarmungen verabschieden wir uns von Monika, Franz und Joseph und steuern unsere zweite Tagesetappe an – den Ossiachersee bei Villach in Kärnten. Der liegt jetzt nicht gerade ums Eck, auf 300 Kilometer wird nicht viel fehlen. Zuerst gilt es, überhaupt auf die Autobahn zu kommen, wir befinden uns ja wirklich „mitten in der Pampa“. Kaum einen Ortsnamen haben wir je zuvor gehört und wir cruisen auf kleinen Landstraßen durch die schöne Gegend. Wir kommen aus dem oberösterreichischen Hausruckviertel und nähern uns nun Kilometer um Kilometer, sowie Kurve um Kurve, Salzburg an. Zuerst dem Bundesland, dann der Stadt. Vom Ort (oder der Stadt) Mattighofen haben wir dann wenigstens schon mal gehört und am schönen Obertrum am See streifen wir dann auch noch vorbei. Das kennen wir natürlich, denn hier hat sich unser Fußball-Teamchef Ralf Rangnick häuslich niedergelassen
😊. Und dann kommen wir kurz vor Salzburg-Nord endlich auf die A1 und sofort stehen wir im Stau. Na servas, das ist ja nicht ganz so super. Es handelt sich um einen so genannten Voll-Stau, also alle Motoren aus. Ein Unfall wahrscheinlich. Doch keine drei Minuten später kommt plötzlich wieder Bewegung in die Sache und schon wenige hundert Meter danach sind wir schon wieder mit einem 80er unterwegs. Nix war 😊. Wir fahren auf der stets drei- bis vierspurigen Autobahn an der Stadt Salzburg vorbei und wechseln dann kurz vor der Staatsgrenze am Walserberg auf die A10 Tauernautobahn. Von der fahren wir erst in Villach wieder ab. Aber die Fahrt könnte sich hinziehen, denn wir wissen von vielen Baustellen entlang der Strecke, sicher an die zehn. Noch vor Hallein sehen wir auf der Gegenseite die Feuerwehr, die gerade ein Unfallwrack birgt. Der aus dem Crash entstandene Stau reicht gute fünf Kilometer zurück, übrigens mit einer vorbildlich gebildeten Rettungsgasse. Das sehen wir, weil ein Polizeiauto mit Blaulicht und einem 60er durch die Gasse brettert 😊. Brav. 
Wir hingegen haben fast ein schlechtes Gewissen, denn wir müssen darauf achten, dass wir die erlaubten Höchstgeschwindigkeiten einhalten. Und das gilt auch für sämtliche Baustellen am Weg und es waren tatsächlich viele. Nirgendwo hat es sich auch nur für eine Sekunde lang gestaut und auch beim Bezahlen der Maut für den Tauerntunnel war nur ein einziges Fahrzeug vor uns. Allerdings ausgerechnet ein Ukrainer, der sich lange und händeringend über die Maut beschwerte, weil er doch eh die Autobahnvignette gelöst hat. Das erzählte und dann kopfschüttelnd die Mautnerin, die aber nur mehr darüber lachen kann, so oft passieren ihr diese Beschwerden täglich. Auch die letzten paar Meilen unserer Anreise zum Ossiachersee verliefen dann komplett reibungslos und exakt um 15 Uhr 34 checkten wir am „Campingplatz Berghof“ ein. Da waren wir schon einmal, in der allerersten WoMo-Saison mit unserer Schnecke, also im Jahr 2010. Das ist auch schon ein paar Donnerstage lang her. Viel hat sich in all den Jahren am Platz nicht verändert – Ilse erkennt alles wieder, Gernot, so wie meistens, gar nichts mehr. Wir haben den Platz Nummer W13, vor 16 Jahren hatten wir die Nummer W 22. Ilse weiß das heute noch, also ist das auch so
😊. Wie immer sind wir zack-zack eingerichtet, heute haben wir sogar einen direkten Vergleich mit einem anderen WoMo, das zeitgleich mit uns angekommen ist. Sagen wir so – wir waren schon (mit der Kabeltrommel) elektrifiziert, hatten die Fensterverkleidungen angebracht und die Vespa abgeladen, da hatten die beim anderen WoMo immerhin schon die Stützen ausgefahren und den Strom angesteckt 😊. Es herrschen auch hier am Ossiachersee noch keineswegs sommerliche Temperaturen, aber wir spüren von der ersten Sekunde an, dass wir schon ziemlich weit im Süden herunten sind. 
Also zumindest im direkten Vergleich zu Haßfurt oder Bad Füssing. Das Kärntner Klima ist eindeutig milder, auch wenn auf der Gerlitzen noch eine dicke Schneedecke liegt und wir uns in der Nacht ohne unsere drei Bettdecken den Arsch abfrieren würden. Wir haben dann einen Pasch angefangen, den wir aber abbrechen mussten, weil der Hunger einfach zu groß wurde. Eigentlich haben wir nur deshalb die Vespa abgeladen, weil der Weg zum Restaurant wirklich steil bergauf geht und sich Gernot nicht so abplagen wollte. Dann hat aber doch der Ehrgeiz gesiegt und Schritt für Schritt sind wir die steile Straße hochmarschiert – der Campingplatz nennt sich nicht umsonst „BERGhof“. Im Gasthaus sind wir dann sogleich freundlich begrüßt und zu unserem Tisch geführt worden. Wie erwartet haben wir ausgezeichnet gespeist – Ilse konnte dem „Wienerschnitzel mit Pommes“ ebenso wenig widerstehen, wie Gernot dem „Bräuhaus-Gulasch, mit Paprikastreifen und Serviettenknödel“. Wieder ist Gernots Essen buchstäblich im eigenen Saft geschwommen und diesmal wurde dieser absolute Saucenwahnsinn sogar zu einem kleinen Verhängnis: Denn ausgerechnet das größte Stückchen Fleisch plumpste von Gernots Gabel in das dunkle Meer aus Gulaschsaft, die aufspritzende Gischt landete auf seinem Hemd und seinen Jeans. Und die arme Ilse hat aus Gründen der Gleichberechtigung auch gleich eine satte Ladung Sauce abbekommen. Mahlzeit
😊.     
Trotzdem hat es uns im „Berghof“ Restaurant so gut gemundet, dass wir morgen gleich noch einmal herkommen werden. Aber danach nicht mehr. Weil wir dann nämlich nicht mehr da sein werden. Ohne besonders langes Diskutieren sind wir nämlich übereingekommen, dass wir uns am Montag in Richtung Italien verabschieden werden. Wir haben jetzt endgültig oft genug die Kälte ertragen, vor allem in der Früh hatte es selten mehr als 10 Grad gehabt. Und weil unser Wohnmobil – sorry liebes Schneckchen – in Wahrheit ein Pizzakarton mit aufgenageltem, dünnem Blech ist, haben wir diese Temperaturen auch stets herinnen. Danke, das genügt jetzt wirklich – in Oberitalien, genauer in Triest, werden kommende Woche bis zu 27 Grad erwartet. Na, blöd werden wir sein und uns hier die Frostbeulen holen, wenn wir 200 Kilometer weiter südlich, mit einem leichten Jäckchen bekleidet, mit der Vespa herumfahren können. Bella Italia, wir kommen und wir freuen uns schon sehr auf dich …
Sonntag, 17. Mai 2026
Als wollte das Wetter unseren Entschluss, in wärmere Gefilde zu entfliehen, bestätigen – am Morgen haben wir unter 10 Grad gemessen. Aber diesen letzten Tag am Ossiachersee lassen wir uns auch vom Wetter nicht vermiesen und starten mit einem guten Kaffee in den Tag. Da war es eh schon nach 9 Uhr. Wir paschen, zwischendurch kommt sogar die Sonne raus. Nach einer kleinen Jause faulenzen wir herum, ehe wir nach einem weiteren Pasch die Vespa aufladen. Das war dann eh schon die Hauptaufgabe des Tages und pünktlich schreiten wir zum Abendessen. Die Bergprüfung hin zum Restaurant meistert Gernot wieder ohne Stehenbleiben – passt. Vor dem Essen bezahlen wir noch unseren Aufenthalt hier am „Berghof“, anschließend lassen wir uns im Gasthaus zu Tisch bringen. Heute bestellen wir uns beide einen Burger, rückblickend hat Ilse mit ihrem „Berghof Burger“ die bessere Wahl getroffen. Denn Gernots „Double Smash Burger“ war zwar optisch eine Augenweide, aber leider waren die beiden Paddys nicht vollständig durchgebraten. Und halbgares Rindsfaschiertes gehört sich nicht nur nicht, sondern kann auch echt Probleme bereiten. Wenigstens waren die rohen Stellen erst am Schluss des Essens aufgetaucht, trotzdem reklamierten wir ausnahmsweise mal. Mit dem angebotenen Doppio war Gernot zufrieden, zumal Ilse auch einen Espresso abgekriegt hat. Schade, bis auf diesen Ausrutscher waren wir hier sehr zufrieden … Trotzdem, sollten wir wieder einmal hier landen, kriegt der „Berghof“ natürlich eine neue Chance von uns. Im WoMo hat Ilse dann noch die vielen Pfandflaschen und Dosen hergerichtet, die wir morgen bei „BILLA“ zurückgeben werden. Die sind allesamt aus Österreich, also werden wir sie hier noch elegant los. 
  
Montag, 18. Mai 2026
Erster Gedanke beim Aufwachen – Juhu, es geht nach Italien! In Rekordzeit packen wir alles zusammen, das heißt: Ilse packt alles zusammen, fast im Alleingang. Denn als Gernot von der Morgentoilette zurückkommt – und das dauerte kaum zehn Minuten lang – hat Ilse das WoMo bereits reisefertig hergerichtet. Gernot muss dann nur noch den Strom abstecken und wird danach von Ilse aus unserem Platz herausmanövriert. Bei der steilen Ausfahrt zeigt sich dann, dass die nicht nur für Gernot eine Herausforderung darstellt, sondern auch für unsere Schnecke. Kalt wie sie ist, lassen wir sie im 1. Gang rauftuckern und – gleich wie Gernot – ist sie froh, es geschafft zu haben. Zum „BILLA“ haben wir es nicht weit und die Flaschen sind schnell zurückgegeben. In der Nähe befindet sich auch eine Apotheke und die Arzthelferin daheim hat vergessen, alle unsere Medikamente auf der E-Cards zu vermerken. Das ist immer ein wenig kompliziert, weil wir als Wohnmobilisten oft mehrere Packungen auf einmal auf Vorrat brauchen und das muss halt extra vermerkt werden. Wurde es mal wieder nicht, also latschte Ilse die paar hundert Meter zur Apotheke und ohne langes Herumdiskutieren händigte die Frau Magister die Pillen aus. Mission erfüllt – jetzt aber los. Gernot hatte mittlerweile alle gekauften Lebensmittel im WoMo verstaut, es konnte also tatsächlich losgehen. 
  
Schnell waren wir auf der Autobahn und schon nach einer knappen halben Stunde setzten wir bei Tarvis nach Italien rüber. Ab jetzt ging es gefühlt nur noch abwärts und wir durchfuhren unzählige Tunnel. Es waren eigentlich sehr viele LKW unterwegs, die sich aber durch Zufall immer zu richtigen Trossen zusammenrotteten und dann von uns unter einmal „weggeschnupft“ worden sind. Manchmal überholten wir zehn Brummis oder mehr, danach hatten wir dann wieder für ein paar dutzend Kilometer freie Fahrt. Übrigens haben wir unser Ziel inzwischen geändert – so schnell geht’s oft. Wir werden nicht nach Triest fahren, denn da waren wir ja schon. Stattdessen wird uns der Weg nach Aquileia führen, das liegt so ca. 15 Kilometer von Grado entfernt und befindet sich an der so genannten „Oberen Adria“. Mit jedem Kilometer in Richtung Süden spüren wir mehr die Wärme und dass das nicht nur Einbildung ist, merken wir spätestens bei den Raststätten. Denn da stellen wir uns beim Kaffeetrinken vor dem Wohnmobil sogar freiwillig in den Schatten 😊.   
Trotz der vielen Pausen brauchen wir dann weniger als drei Stunden, bis wir die Fahrt vom Ossiachersee bis zum „Campingplatz Aquileia“ absolviert hatten, denn es sind ja nicht einmal 200 Kilometer gewesen. Wir werden freundlich und mit sehr gutem Deutsch empfangen, der Platz macht auf uns einen guten, ersten Eindruck. Nach dem Abstellen machen wir eine kleine Inspektion und beim Waschhaus in unserer Nähe kriegen wir fast einen kleinen Schock. Denn sämtliche Gebäude sind in einem erbärmlichen Zustand, die Waschbecken mit Laub übersät und die meisten Dusch- bzw. Toilettenkabinen sind versperrt. Ilse überlegt sich schon eine deftige Beschwerde an der Rezeption, denn auch wenn wir inklusive Allem nur 27 Euro bezahlen, ist das nicht zumutbar. Doch dann checken wir, dass nirgendwo Wasser läuft und sich keiner der Wasserhähne aufdrehen lässt. Ist dieses Wracke eines Sanitärgebäudes überhaupt noch in Betrieb? Wir streifen weiter über den großen Platz und finden ein weiteres Waschhaus, das ist sogar noch um eine Spur näher an uns gelegen, als der „Lost Place“ von vorhin. Und schau an – bei diesen Sanitäreinrichtungen passt gar alles – überall kommt sofort heißes Wasser aus den vielen Waschbecken und Duschen, auch Toiletten sind in ausreichender Zahl vorhanden, alles ist blitzblank sauber. Die Waschbecken stehen jeweils in eigenen Kabinen, jede davon ist mit Licht, zwei Steckdosen und einem beleuchteten Spiegel ausgestattet. Das sieht man auch nicht oft.   
Der Platz gefällt uns ausgesprochen gut und dass ihn unzählige Singvögel mit uns teilen, macht ihn uns noch sympathischer. Das Zentrum des Ortes Aquileia befindet sich nur eineinhalb Kilometer entfernt und morgen ist dort Markttag. Schöne Aussichten also. Das Wetter ist schon so schön und warm, dass wir eigentlich gleich mit der Vespa ausfahren wollten, um mal ein bisschen die nähere Gegend zu erkunden. Doch dann entschieden wir uns doch für einen kleinen Spaziergang. Der führte uns gleich, vielleicht 300 Meter vom Campingplatz entfernt, in eine Allee, die links und rechts von Ausgrabungen aus dem 3. Jahrhundert gesäumt ist. Ganze Wassersysteme sind noch zu erkennen, die für die Versorgung der Menschen und Felder erbaut wurden. Irgendwann in der Geschichte haben diese Wassersysteme sogar bis nach Wien vor das Schloss Belvedere gereicht, das mag man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Plötzlich war die Luft erfüllt von unglaublich lautem Quaken, das wir zuerst gar nicht zuordnen konnten. Doch dann sahen wir in den von Grünzeug überwucherten Wassern kleine Frösche, kaum größer als eine 2-Euro-Münze. Faszinierend, dass derart winzige Frösche einen derartigen Lärm machen können – wir hörten sie noch minutenlang quaken, als wir unseren Weg längst fortgesetzt hatten. Tja – und dieser Weg führte uns dann direkt ins Zentrum von Aquileia und wir standen schließlich vor dem beeindruckenden Turm der Basilika. Hier hätten wir auch Mosaike aus dem 3. Jahrhundert bestaunen können, der Eintritt von je 14 Euro war uns aber gerade zu viel. Ganz davon abgesehen, haben wir im Ticket-Shop bereits sämtliche Motive der Mosaike auf Postkarten gesehen, Ilse hat sie eh abfotografiert
😊
Statt alten Mosaiken gönnten wir uns dann lieber einen fantastischen Kaffee, den uns Ilse selbstlos von der Kaffeebar holte. Dass ihr der Kellner dafür „eine Tablette“ angeboten hat, war nicht unlustig. Der Kaffee mundete erwartungsgemäß hervorragend und gab uns reichlich Kraft für den langen Retourweg. Den wir – vor allem für Gernot überraschend – wieder ohne jede Pause absolvierten. Dabei statteten wir auch dem Heldenfriedhof einen kurzen Besuch ab, freuten uns wie kleine Kinder über den ersten vernommenen Ruf einer Zwergohreule und auch die kleinen Frösche quakten unaufhörlich vor sich hin. Zurück am Campingplatz haben wir erstmal die Beine lang gemacht und dann einen Pasch angefangen. Den haben wir dann abgebrochen, um ja pünktlich zum Abendessen zu schreiten. Es gibt hier nämlich, de facto direkt am Campingplatz, ein Fischrestaurant, welches ausgezeichnete Rezensionen aufzuweisen hat. Nur die hohen Preise werden bisweilen bemängelt, doch als wir uns im Netz die Speisekarte anschauen, können wir als Tiroler über solche Kritiken nur lachen. Um Punkt 18 Uhr 03 stehen wir dann vor dem Restaurant und wir stehen vor verschlossenen Türen. Drinnen brennt kein Licht, das Lokal liegt einsam und verlassen da. Wir können uns zuerst keinen Reim darauf machen, lesen dann extra noch einmal die große Tafel am Eingang durch, von einem Ruhetag am Montag steht da nichts. Vielleicht ein familiärer Notfall? Wir wissen es nicht. 
Wir überwinden die Enttäuschung schnell, denn wir wissen von einem kleinen Alimentaro, der direkt gegenüber vom Campingplatz liegt. Darben werden wir also nicht müssen und wir entern den „Market“ frohen Mutes. Im Tante-Emma-Laden gibt es eine überraschend große Auswahl, noch dazu zu sensationell kleinen Preisen. Wir kaufen eine große Salami, ein ebenso großes Stück Parmesan, dazu Brot, Sardellen, Oliven und Tomaten. Passt, morgen kommen wir wieder her, denn die sind so richtig gut mit Spezialitäten ausgestattet. Ach ja – genau so eine Spezialität haben wir uns dann auch noch gegönnt – kleine Blätterteigröllchen gefüllt mit Nutella, genannt Canoli. Davon durften dann gleich noch 5 Stück ins Einkaufstascherl hüpfen 😊. Damit – und mit der übriggebliebenen Käsewurst und den restlichen Eiern – fabrizierten wir uns ein gutes Nachtmahl, für Gernot zusätzlich aufgepeppt mit Alicis, gefüllten Oliven und Tomaten. Einfach nur grandios! Weil es uns keine Ruhe gelassen hat, haben wir noch mal im Internet nachgeschaut, ob wir vielleicht den Grund für den außerplanmäßigen Schließtag des Restaurants herausfinden könnten. Tja, das war viel leichter als gedacht und es wirft kein gutes Licht auf unsere Intelligenz. Das Restaurant öffnet nämlich planmäßig um 18 Uhr 30, natürlich auch heute. Was sind wir nur für Deppen und was sind wir andererseits wieder für Glückspilze, dass wir ausgerechnet über unsere eigenen Blödheiten am lautesten lachen können. Vielleicht sollten wir endlich lernen, sinnerfassend zu lesen, denn auf besagter Tafel am Eingang waren in großen Ziffern die richtigen Öffnungszeiten ausgewiesen. Wo wir die Tafel doch extra noch ganz genau studiert haben … 😊 Natürlich ist das völlig egal, wir haben super gegessen, ordentlich Geld gespart und viel über uns selbst gelacht – da gibt es wahrlich Schlimmeres. Ach ja, noch eine kleine Randnotiz: Am Abend zeigte Gernots Schrittzähler die fesche Zahl 10.657. Auch nicht schlecht – noch dazu für einen Fahrtag 😊. Apropos Fahrtag – morgen kommt endlich mal wieder die Vespa zum Einsatz – Ehrenwort  
Dienstag, 19. Mai 2026 
Was für ein tolles Erwachen – zuerst besingen die Vögel lautstark den beginnenden Tag und danach scheint die Sonne vom tiefblauen Himmel. Noch vor Mittag machen wir uns für eine Ausfahrt fertig – im nahegelegenen Ortszentrum von Aquileia wird heute der Markt abgehalten. Tja – wir hätten etwas früher kommen müssen, denn als wir elegant vorfahren, macht gerade der letzte Stand dicht. Okay, haben wir das auch gesehen 😊. Natürlich kann so etwas unsere Laune nicht trüben, wir sehen einen Wegweiser nach Grado und so haben wir ein neues Ziel. Es werden ein wenig über 10 Kilometer bis dorthin sein, leider alles über eine gut ausgebaute Bundesstraße. Da ist natürlich Schluss mit Cruisen und mit einem 80er und mehr schwimmen wir im Verkehr mit. Die Luft ist fantastisch, dass mag sich bei relativ starkem Verkehr widersinnig anhören, aber wir fahren über ein Art Damm dem Meer entlang. Durch das hohe Tempo brauchen wir nicht einmal 10 Minuten bis ins Zentrum von Grado und nahe der Fußgängerzone stellen wir uns vorbildlich auf einen Motorrad-Parkplatz.   
Schon bei der Anfahrt nach Grado war uns klar, dass dieser Ort nicht viel hergeben wird. Ein Hotel- bzw. Appartementkomplex reiht sich an den nächsten, irgendwie ist die ganze Architektur seelenlos. Wir machen trotzdem einen ordentlichen Rundgang und irgendwann schauen wir uns gezielt nach einem Lokal mit Gastgarten um, ein Käffchen käme uns grad sehr gelegen. Doch völlig unvermittelt stellt sich uns ein Kebap-Laden in den Weg und wir setzen uns gehorsam in den kleinen Gastgarten. Schnell ist der Kellner da und bereitwillig lassen wir uns wunderbar abfüllen. Gernot genügt dafür bereits ein Teller mit „Riso Kebap“, der Reis war absolut fantastisch. Dazu ein Red Bull – fertig. Ilse hat sich überhaupt nur mit einer Portion Pommes zufriedengegeben – gut, es wartet ja noch der abendliche Restaurantbesuch. Nach dem lukullischen Zwischenbreak sind wir zum Roller zurückspaziert und danach in Richtung Campingplatz gefetzt. Am Ende des Damms hat dann unser Wohnungsnachbar aus Innsbruck angerufen und hat Ilses Telefon hartnäckig und x-mal läuten lassen. Da muss was sein! Wir sind dann stehen geblieben und Ilse hat zurückgerufen. Eric hatte wirklich gute Nachrichten zu vermelden, denn unser Balkon wird bereits MORGEN abgerissen. Das ist um gute zwei Wochen früher als geplant. Das ist echt super, denn jetzt können wir davon ausgehen, dass die Arbeiten tatsächlich abgeschlossen sind, wenn wir rund um den 13. Juni wieder in Innsbruck aufschlagen. Später könnten wir übrigens gar nicht nach Hause kommen, weil wir eine Menge Termine haben. Typisches Pensionisten-Schicksal halt, das kennt man ja …
😊. Sehr zufrieden haben wir unsere kleine Vespa-Tour beendet, immerhin 30 Kilometer sind dabei zusammengekommen. Am Platz haben wir gleich mal einen Pasch gemacht und nach einer feinen Dusche war eh schon Zeit fürs Abendessen. Wir wollten mal ausnahmsweise nicht überpünktlich sein und so ist es 18 Uhr 32 geworden, als wir das Restaurant betraten. Wir waren – wenig verwunderlich – die ersten Gäste und waren erstmal erstaunt über die mondäne Gaststube. Tischdecken aus Damast, die Servietten ebenso, jeder Tisch mit einem Beistelltisch und mit einem Extra-Tischchen ausgestattet, voll mit liebevoll gestalteter Dekoration. Einem ausgewiesenem Fisch-Restaurant entsprechend ist die Speisekarte voller Gerichte mit Meeresfrüchten, ein Paradies für Gernot.       
Aber auch für Ilse, die ja Fisch nur unter ganz besonderen Umständen mag (z.B., wenn von Gernot zubereitet), gab es gleich einige andere Angebote. Und so hat sie sich als Vorspeise den „Prosciutto Crudo“ ausgesucht und als Hauptspeise das „Tagliata di Manzo a Ruccola“ – das Rinderfilet war gut 250 Gramm schwer und ist wie bestellt „Medium-well-done“ serviert worden. Dazu Pommes, damit uns Ilse nicht vom Fleisch fällt. Gernot dinierte vorzüglich mit „Polpa con Limone e Ruccola“ als Antipasto, die marinierten Stücke der Krake waren einfach nur – Wow! Als Hauptgang drängte sich ja dann fast schon zwangsweise „Grigliata misto di Pesce“ auf, denn wenn schon Fisch, dann die volle, gegrillte Fischplatte
😊. Einfach ein Traum das Alles und das direkt am Campingplatz. Übrigens – Gernots Bier war ein „Hirter“, damit hätten wir auch nicht gerechnet. Ilse hat natürlich dem „Vino Rosso di Casa“ nicht widerstehen können und hat sich insgesamt einen halben Liter davon bringen lassen. Danach bestellte sich Gernot noch das „Dolci di Casa“ und ein wunderbarer Beeren-Kuchen auf einem köstlichen Fruchtmark-Spiegel wurde zum Abschluss dieses Festmahls. Nicht ganz, denn natürlich mussten es noch der finale Espresso und der endgültige Doppio sein, aber dann hatten wir wirklich nur noch Platz für die zwei wunderbaren „Limoncelli“ auf Haus. Na servas, wir werden beide mit über 100 kg Körpergewicht heimkommen, wenn das so weitergeht. Wird es aber eh nicht, denn satte 117,30 Euro (ohne Trinkgeld), so wie heute, werden wir sowieso nicht jeden Tag „verfressen“ können 😊. Durch ein eigenes „Privat-Türchen“ sind wir dann vom Garten des Restaurants auf unseren Campingplatz gekommen und dann erreichte uns noch eine ganz besonders tolle Nachricht: Unsere liebe Freundin Marietta hat sich heute ein kleines Kätzchen ins Haus geholt. Sie hatte ja ihr Leben lang immer Katzen um sich, ihre beiden letzten – Ricco und Jackie – sind beide über 18 Jahre alt geworden. Jetzt zieht also ein acht Wochen alter Kater bei ihr ein, sein Name „Garfield“ drängt sich fast auf, denn er ist rot-getigert. Und alle, wirklich alle, die die Bilder und Videos von Garfield gesehen haben, sind sich einig: Das ist die süßeste Katze, die wir je gesehen haben. Und das ist die Wahrheit 😊! Der blitzblauäugige Kater wird uns noch sehr viel Freude machen und wir freuen uns sehr darauf, den kleinen Racker kennenzulernen. Lustig – vor unserer Reise hat Ilse noch bei Marietta nachgefragt, ob sie sich wieder Katzen anschaffen würde. Einerseits meinte die liebe Etta, sie sei wohl schon zu alt dafür (geh bitte, mit 63!) doch dann sagte sie: „Aber wenn, dann nur mehr eine, keine rote und auf gar keinen Fall einen Kater.“ Jaja, die guten, alten Vorsätze …
Mittwoch, 20. Mai 2026
Von den Singvögeln geweckt zu werden ist jeden Tag aufs Neue eine Freude. Nach dem Kaffee widmen wir uns kurz unserer WoMo-Uhr, die gleichzeitig die Innen- und Außentemperatur misst. Die führt seit Anbeginn ihres Daseins ein Eigenleben, was uns nicht gänzlich unsympathisch ist, denn wir mögen starke Charaktere. Aber irgendwann reichts dann doch mit der Individualität, mittlerweile kriegen wir keine Außentemperatur mehr geliefert bzw. steht sie tagelang auf z.B. 25,9 Grad und das Tag wie Nacht. Die Zeitanzeige macht regelmäßig akrobatische Sprünge und ist manchmal 6 Stunden voraus und dann wieder 10 Stunden zurück. Und das, obwohl wir uns extra eine Funkuhr zugelegt haben. Aber wie gesagt, ab heute ist Schluss mit dem Uhren-Egotrip – wir haben nämlich die Batterien erneuert 😊. Und siehe da – die Außentemperatur wird wieder verlässlich an das Display gesendet und die Zeitanzeige ist pünktlich wie bei einer Atomuhr. Also darf sie bleiben. Das Wetter ist prinzipiell schön, aber weil die Regenwahrscheinlichkeit 40 Prozent beträgt, werden wir heute vorerst nicht mit der Vespa ausfahren. Wir haben eh einiges zu tun, als erstes gehen wir einkaufen. Eh nur Wasser und ein paar Flaschen Bier. 
Dann setzt sich Gernot mal wieder an sein Notebook und zimmert an unserem Blog herum. Ilse legt sich nach getaner Hausarbeit nieder, später fängt sie ein neues Buch an zu lesen. Am späten Nachmittag machen wir uns mit Salami, Parmesan, Tomaten, Oliven, Sardellen und richtigen Semmeln (in Italien!!) ein frühes Abendessen – das Restaurantbesuch fällt leider aus. Denn das grandiose Fisch-Restaurant hat heute wirklich geschlossen (Ruhetag) und die nächstgelegene Alternative ist fast 1,5 km weit entfernt – noch dazu hat der ganze Weg dorthin keinen Gehsteig aufzuweisen. Mit der Vespa wäre das natürlich kein Problem, aber Gernot hat schon zwei Bier getrunken, also bleibt der Roller stehen. Später haben wir noch einen Pasch aufs Tableau geklopft, und weil das Faulenzen bekanntlich besonders müde macht, sind wir relativ früh schlafen gegangen.
 
Donnerstag, 21. Mai 2026 
Schon vom frühen Morgen an scheint die Sonne, das wird wieder ein wunderschöner Tag. Schnell gefrühstückt und die morgendliche Routine erledigt, dann richten wir uns schon für eine kleine Vespa-Ausfahrt her. Dazu brauchts nur ein leichtes Jäckchen und das auch nur der Form halber. Obwohl, bei einem 80er im Schatten sind wir dann eh froh darüber. Wir fahren ohne Ziel los und als uns Grado immer näherkommt, biegen wir einfach links ab. Nach ein paar Kilometern über eine kleine Straße finden wir uns dann in „Grado Pineta“ wieder, einem Vorort von Grado, ebenfalls hauptsächlich dem Tourismus verschrieben. Vor allem in der so genannten „Ersten Reihe“, also direkt am Meer, ist beinahe jedes Gebäude nur für Touristen erbaut worden. Wir stellen unser Moped äußerst frech im Schatten ab und schlendern zur nahen Strandbar. Dort gibt’s einen Cappuccino für Ilse und den unvermeidlichen Doppio für Gernot. Wir bleiben eine ganze Zeit lang sitzen, schauen aufs Meer hinaus und lästern mal wieder über unser Scheiß-Leben. Das geht oft gar nicht anders, denn wir können uns ja nicht andauernd irgendwo hineinzwicken, um zu spüren, dass das wirklich unser Leben ist 😊
 
 
Später spazieren wir Hand-in-Hand ein paar hundert Meter dem Meer entlang. Viel ist natürlich noch nicht los, nur vereinzelt sehen wir andere Leute. Dafür ist der Bademeister sehr präsent, ausgestattet mit Trillerpfeife und einem Funkgerät behält er das menschenleere Meer im Auge. Ach nein – das stimmt gar nicht, denn eine junge Mutter planscht mit ihrem Kleinkind im knöcheltiefen Wasser … Wir begeben uns zur Vespa zurück und kommen über einige Umwege wieder zum Damm, der uns nach Grado bringen wird. Okay, dann halt noch einmal Grado. Heute bleiben wir aber gar nicht im Zentrum stehen, sondern fahren bis ans Ende des Strandes. Der wird „Grado Piper Beach“ genannt und wir sehen eine Kaffeebar „Key West“. Die besuchen wir aber nicht, sondern setzen uns in einen kleinen Park. Die Fußgängerzone von Grado lockt uns kein zweites Mal, aber vielleicht noch einmal ein „Riso Kebap“? Nein, wir bleiben standhaft und glühen wieder über den Damm retour. Vielleicht finden wir ja doch noch zum Ort „Belvedere“, den wir vor dem Losfahren als eines unserer möglichen Ziele im Auge hatten. Tatsächlich finden wir dann bald einmal eine Abzweigung nach Belvedere, fahren um eine einzige Kurve herum und sind – in Belvedere. Schnell merken wir, dass das weder eine Stadt noch ein Dorf ist, sondern bestenfalls ein Weiler. Aber mit einer schönen, alten Kirche. Direkt in ihrem Schatten stellen wir die Vespa ab und freuen uns sogleich, dass die Türe der Kirche einladend offensteht. Sie stammt aus der Mitte des 17. Jahrhunderts und ist relativ schlicht gestaltet, trotzdem gibt es eine ganze Reihe von Gemälden und Statuen zu betrachten. Und schon wieder sehen wir eine Darstellung von Jesus als vielleicht Zweijährigem – und wieder hat das Kleinkind ausgeprägte Geheimratsecken im ansonsten vollen Haar. Irgendwie schaut das jedes Mal eigenartig aus. In Erinnerung geblieben ist uns auch das Mosaik eines Pfaus, das direkt vor dem Eingang in den Boden eingelassen ist. Ilse zündet dann drei Kerzen an, das helle Klimpern der vielen eingeworfenen Münzen wird hoffentlich bis ins nahe Pfarrhaus zu hören gewesen sein. Welches übrigens die schöne Adresse „Via Martin Luther King 25“ trägt. 
 
Nach dem feinen Break bei der alten Kirche sind wir zum Platz zurückgefahren und es schloss sich hier unsere etwas eckige Rundfahrt 😊. So – und jetzt galt es nur noch, die Zeit bis zum Abendessen zu überbrücken. Das bewerkstelligten wir zuerst mit einem kleinen Einkauf im „Market“ und duellierten uns danach am Paschteller. Dann war es endlich soweit und weil hier heute erst zehn Minuten nach Öffnung des Lokals eintrudelten, waren wir nicht die ersten Gäste. Heute nahmen wir im schönen Gastgarten Platz, auch hier ist alles liebevoll gestaltet, eine echte Wohlfühl-Oase. Wieder wurden wir hervorragend bedient und noch hervorragender verköstigt. Ilse ist erneut nicht am „Prosciutto Crudo“ vorbeigekommen, diesmal serviert mit Kartoffeln und gedämpften Blattspinat. Gernot hat sich von der Patrona die „Sardellen con Cipolla“ empfehlen lassen – die Kombination aus Sardinen und eingelegten Zwiebeln war ausgezeichnet. Als Hauptgang entschied er sich heute für „Calamari grigliata“, dazu Petersilie-Kartoffeln. Wieder war das Essen unbeschreiblich gut und heute haben wir sogar beide eine Nachspeise genossen. Ilse ein „Tiramisu“, Gernot erneut einen Beerenkuchen. Das war wieder ein richtig erstklassiges Menü und heute war auch bedeutend mehr los als vorgestern. Mit den beiden (!!) Doppio von Gernot sind wir dann mit der Rechnung doch noch über 100 Euro gekommen – aber ohne überheblich wirken zu wollen, das ist eben ein Luxus, den wir uns zum Glück leisten können. Ob wir noch einmal hingehen werden? Wer weiß, immerhin haben wir unseren Aufenthalt hier gestern schon um gleich mehrere Tage verlängert 😊.
Freitag, 22. Mai 
Oh je – unsere netten Nachbarn aus München haben einen Ameisen-Befall in ihrem VW-Bully. Sie fragen uns um einen Staubsauger, wir bedauern. Das war zwar nicht ganz die Wahrheit, aber zum Einsaugen hunderter Ameisen ist uns unser Dyson echt zu schade. War aber eh kein Problem, an der Rezeption konnten sie sich dann einen Staubsauger ausleihen. Sie hatten die kleinen Krabbelviecher überall, in den Betten, Decken, allen Plastikboxen und vor Allem natürlich in den Lebensmitteln. Leider waren sie im Umgang mit ihrem Essen zu sorglos, denn die entsprechenden Kisten sind stundenlang im Freien gestanden. Das stehen sie jetzt auch, mitsamt dem Rest der gesamten Habe der beiden. Schließlich obsiegten die Münchner doch noch und konnten mit stundenlanger Verzögerung abfahren. Ausgerechnet nach Venedig, Freude treffen. Diese Idee könnten vor einem Wochenende aber eventuell viele Leute haben… Wir hingegen starten ganz ohne Säuberungsaktionen in den Tag – unsere eigene natürlich nicht miteingerechnet 😊. Gernot ist dann mal wieder am Blog schreiben, Ilse liest und später matchen wir uns bei unserem Lieblingsspiel. Gegen 16 Uhr machen wir uns auf den Weg durch die Pinien-Allee und landen nach dem schönen Spaziergang wieder genau vor der Basilika. Heute geben wir uns aber nicht mit einem Kaffee zufrieden, denn direkt neben der kleinen Cafeteria gibt es eine noch kleinere Pizzeria. Die wird heute angesteuert, wir sind vorerst die einzigen Gäste und haben den Chef für uns alleine. Der Mann ist äußerst redselig, um das mal vorsichtig zu formulieren. Er redet eigentlich ganz normal Italienisch mit uns, obwohl er auch in Deutsch und zumindest auch noch in Englisch mit uns kommunizieren könnte. Er macht pausenlos einen Gag nach dem anderen, preist seine Pizzen im höchsten Maße und zählt einige davon auf. Das könnte sich etwas hinziehen, denn der Laden hat 58 verschiedene Pizzas im Angebot. Dabei ist diese Pizzeria deutlich kleiner als unsere Wohnung daheim. Und es gibt nicht nur Pizza, sondern auch Toasts, Burgers, Schnitzel, gebackene Hühnerflügel und mindestens drei Kinder-Menüs.
Trotz dieser beinahe schon irrwitzigen Auswahl muss es bei Gernots Bestellung tatsächlich einen Sonderwunsch sein – er hätte nämlich seine Schinken-Salami-Gorgonzola Pizza gerne mit Alicis extra. Ilse ist mit ihrer Margerita weniger kompliziert und die heiße Ware ist nach weniger als 10 Minuten fertig. Wir sitzen vor dem Lokal im Gastgarten und lassen es uns schmecken und sind uns anschließend einig: Da gehen wir noch einmal hin. Lustig war noch, dass Ilse der Rest ihrer Margerita in einem sehr kleinen Pizza-Karton verpackt wurde, ganz so, als schauten hie und da Schneewittchen und die sieben Zwerge auf eine Pizza vorbei
😊. Wir sind dann wieder den sehr netten Weg zum Campingplatz zurück flaniert und nach einer kleinen Rast hat Gernot unser Ersatz-Tivoli aufgebaut. Heute spielt nämlich unser Verein FC Wacker Innsbruck um den endgültigen Meistertitel in der 3. Liga, als Aufsteiger sind sie ja bereits fix qualifiziert. Der Gegner ist Kuchl, der momentan Zweitplatzierte in der Tabelle. Dementsprechend heiß umkämpft war die Partie, die heute übrigens live kommentiert worden ist. Gernot loggte sie sich in den Live-Chat ein und schickte wackere Grüße aus Grado. Das hat der Kommentator dann vorgelesen und auch ein weiteres von Gernots Postings. Nett. Zum Spiel selber: Zwar hat Wacker Innsbruck die erste Halbzeit mit 3:0 beendet, in der zweiten Hälfte ist Kuchl aber besser ins Spiel gekommen und es entwickelte sich eine abwechslungsreiche und spannende Partie, aus der unser FCW schließlich mit einem 4:3 und als verdienter Sieger vom Platz ging. Sodala – jetzt sind wir also Meister auch, am kommenden Montag geht’s dann noch um den Tiroler Amateurfußball-Cup, mal schauen, ob das auch irgendwo gestreamt wird.
Samstag, 23. Mai 2026
Wie immer an Schlunz-Tagen war uns das von vornherein klar. Es ist übrigens noch nie vorgekommen, dass der eine von uns partout faulenzen wollte, während der andere voller Erlebnishunger war. Noch nie. Da finden wir stets einen Konsens, ohne darüber groß diskutieren zu müssen. Heute also Nichtstun, das fällt uns eh am Leichtesten 😊. Wir sind also die meiste Zeit vor dem WoMo gesessen, haben gelesen und natürlich gepascht, später fabrizierten wir uns mit Salami, Parmesan und den anderen italienischen Spezialitäten ein feines Abendessen. Dann haben wir Gernots Laptop wieder als Fernseher genutzt und zuerst Formel 1 geschaut, danach wurde das deutsche Cupfinale Stuttgart gegen Bayern aus Berlin übertragen, Bayern hat das Match 3:0 gewonnen. Alle drei Tore hat Stürmerstar Harry Kane geschossen, übrigens mit einem lupenreinen Hattrick. So, das war es dann für heute, vielleicht gibt’s ja morgen wieder mehr Aktivität. Wobei – sicher ist das nicht …😊.
 
Sonntag, 24. Mai 2026
Auch den Pfingstsonntag lassen wir ganz gemütlich angehen und schlafen erst mal so richtig aus. Das Wetter ist schön, wir sitzen praktisch den ganzen Tag im Freien. Die Temperatur lässt es zu, dass sich Gernot ein wenig im Alkoven ausstreckt – da passierte es schon wieder. Wie in Klagenfurt, so versuchte erneut eine Wespe, direkt bei Gernot ein Nest zu bauen – diesmal unter dem Kopfpolster, auf dem er ruhte. Sofort entfernten wir die zerbrochenen Stücke der Neströhre und Ilse fand dann noch ein Stück, das schon mehrere Zentimeter lang war! Unglaublich. Diesmal ist es übrigens keine Spinnenjäger-Wespe wie in Kärnten, sondern eine Feldwespe. Danke ChatGPT. Das Insekt ist höchstens so groß wie eine Fliege, aber viel schlanker. Kaum zu glauben, dass ein so kleines Tier so schnell eine so große Röhre fabrizieren kann. Mehrmals hat sich Gernot vergeblich bemüht, die Feldwespe zu erledigen, denn so etwas können wir einfach nicht tolerieren. Wenn wir die nicht bald kriegen, dann legt auch diese Wespe einen Futtervorrat für die Nachzucht in Gernots Bett – wahrscheinlich wieder Spinnen. Das kann ja nun wirklich niemand wollen. Schließlich war es Ilse, die der Wespe den Garaus gemacht hat, aber auch sie benötigte mehrere Versuche, den Nervenknacker zu erwischen. Weil uns langsam aber sicher die Biervorräte schwinden, pilgern wir am späteren Nachmittag zum Market rüber, der hat nämlich auch sonntags geöffnet. Und das stimmt auch, allerdings leider nur am Vormittag. Wurscht, geht ohne auch, außerdem gehen wir heute Abend eh ins Restaurant, da gibt’s sogar ein Hirter Pils 😊. Und schließlich ist es dann Abend geworden und wir nehmen wieder im Freien Platz. Heute ist ziemlich viel los, trotzdem müssen wir nicht lange auf unsere Getränke und auf das Essen warten. Ilse kommt schon wieder nicht am „Prosciutto Crudo“ vorbei, übrigens ist dieser Schinken eine berühmte, lokale Spezialität. Dazu gibt’s Pommes. Gernot weiß, dass er für längere Zeit kein „Polpo a Limone da Rucola“ genießen wird können, also bestellt er sich die kalt marinierten Stücke vom Oktopus noch einmal. Als Hauptspeise gibt es heute „Pasta con Pesce“, weder den Namen der speziellen Nudeln, noch den des Fisches haben wir behalten. Völlig egal, in jedem Fall war das ein traumhaftes Gericht. Zum Abschluss nahm sich Gernot noch einen Früchtekuchen, den er naturgemäß mit einem Doppio runterspülte. Zum Glück bekamen wir zur Rechnung noch je einen Limoncello, sonst wären wir doch tatsächlich kaum alkoholisiert vom Tisch aufgestanden 😊
Zurück am Platz haben wir uns bis nach Einbruch der Dunkelheit vor unser WoMo gesetzt und das hat sich dann so richtig ausgezahlt. Denn zuerst flitzten die Fledermäuse kreuz und quer über unsere Köpfe hinweg und dann bekamen wir noch ein Spektakel der Sonderklasse präsentiert: Glühwürmchen!! Nicht nur eines, sondern einige – beinahe schon viele. So süß! Den Anblick dieser Leuchtkäferchen haben wir gemeinsam überhaupt erst ein einziges Mal erlebt, damals beim „Schinderhannes“ in Deutschland. Für Gernot ist es überhaupt erst das dritte oder vierte Mal im Leben, davon einmal gemeinsam mit Nadja im indischen Rishikesh. Natürlich sind die Glühwürmchen auch anderen Campern aufgefallen und allerorts sind zahlreiche entzückte „Ahhhs“, „Ohhhs“ und „Schau da!“ zu hören. Vor allem für die Kinder waren die grellgrünen Lichter der Glühwürmchen natürlich die Sensation und sie werden diesen Abend lange nicht vergessen. Und so etwas wie unser Schwager Erich erlebt hat, dass er mit dem Rad im Wald oberhalb von Innsbruck in einen riesigen Schwarm von Glühwürmchen geraten ist, das passiert einem ohnehin höchstens einmal im Leben. Und auch dann muss man, so wie Erich, erst einmal 91 Jahre alt werden 😊. 
Montag, 25. Mai 2026
Wieder haben wir bis fast 9 Uhr geschlafen, draußen herrscht bereits schönstes Wetter. Das wird heute unser letzter Tag bei Grado sein, es zieht uns weiter. Im Lauf des Tages wird es dann über 30 Grad warm, es weht aber stets ein leichter Wind und so spüren wir überhaupt keine Hitze. Nach einem Pasch spazieren wir die paar Meter rüber ins kleine Lebensmittelgeschäft, obwohl wir eigentlich nichts brauchen. Aber wir kaufen uns Sardellen und gefüllte Oliven, sozusagen als Vorrat, und ein paar Bier nehmen wir auch noch mit. Am Nachmittag folgt dann Kapitel zwei im Feldwespen-Drama, denn schon wieder wird Gernots Bett für einen Nestbau ausgesucht. Während er im Bett liegt, wohlgemerkt. Wir machen beide sofort Jagd auf die Viecher, die sogar im Doppelpack Nestbaumaterial heranschaffen. Heute dauert es nicht so lange wie gestern, bis die lästigen Insekten vor ihrem Schöpfer stehen. Es ist wirklich faszinierend, wie klein diese Insekten sind, fast so schlank wie Gelsen. Eine erwischten wir direkt in Gernots Bett, die andere war gerade dabei, über die WoMo-Tür ins Innere zu kommen, bis sie halt von Ilse erspäht worden ist – zack und weg. Tatsächlich haben wir danach Ruhe vor Wespen dieser Art, da sind uns ja sogar ihre gelb-schwarzen Namensvettern lieber. Die stechen wenigstens nur. Im Laufe des Nachmittags rüsten wir dann nach und nach das WoMo auf Fahrbetrieb um und zuletzt hieven wir die Vespa auf ihren Träger. Ilse geht dann zahlen und kommt um 228,80 Euro leichter zurück 😊. Zwar wäre Gernot heute gerne noch einmal ins Fischrestaurant rüber gegangen, denn wann wird er wieder Oktopus am Teller haben? Aber ein Restaurantbesuch wäre aus gleich zwei Gründen unvernünftig gewesen und da ist der finanzielle Aspekt gar nicht miteinberechnet. Aber erstens hat Gernot gar keinen richtigen Hunger und zweitens haben wir noch einige Lebensmittelreste zu verwerten, da wollen wir nichts verkommen lassen. Und so fabrizieren wir uns mit Salami, Käsewursct, Sardellen und Oliven eine 1a Jause und haben dabei noch ordentlich Geld gespart. Am Abend erfreuten uns erneut zahlreiche Glühwürmchen – schon allein aus diesem Grund werden wir den Campingplatz in Aquileia niemals mehr vergessen. Morgen geht’s weiter!
 
Dienstag, 26. Mai 2026
Fahrtag bedeutet für uns: Früh aufstehen. Nun ja, um 6 Uhr sind wir natürlich noch nicht aus den Betten gekrochen, 8 Uhr haben wir es schon werden lassen. Zusammengepackt haben wir ja eh schon gestern, also bleibt uns genügend Zeit, noch mit unserem netten Nachbarn zu plaudern. Wir gratulieren ihm zu seiner „Leistung“, dass nämlich keines der beiden Mädchen je ein Handy in der Hand gehabt hat – und die Größere ist sicher schon 13 Jahre alt. Das muss man erst einmal hinkriegen! Ilse fragt ihn dann nach seinem Namen und seinem Beruf – er heißt John und ist Banker. Aber: „Das wollte ich eigentlich nie werden, ich bin da so reingerutscht. Und jetzt komm ich da irgendwie nicht mehr raus – wegen der Kohle natürlich und weil ich schon auf die 50 zugehe. Aber meinen Kindern würde ich von diesem Job abraten, die sollen lieber etwas machen, was ihnen Spaß und Freude bereitet.“ John freut sich dann noch sehr über das Buchgeschenk von Gernot, das Taxler-Buch ist es geworden. Genau dafür haben wir immer einen kleinen Vorrat an Gernots Büchern mit dabei – als kleine Geschenke für besonders nette Menschen. Verkauft haben wir übrigens noch nie eines, das ist Aufgabe des Verlages. Wir sind dann noch vor 10 Uhr vom Campingplatz weggekommen und haben bei der nahen Tankstelle gleich mal vollgetankt. Der Verbrauch unseres Häuschens war mit 9,48 Litern auf 100 Kilometer wieder mal sehr erfreulich. Bei Palmanova sind wir dann auf die Autostrada aufgefahren, auf der bleiben wir jetzt bis Villach. 
Unser heutiges Tagesziel wird der kleine Ort Mühlen sein, da gibt es einen Campingplatz an einem Badesee, der nennt sich erstaunlicherweise „Campingplatz am Badesee“
😊. Und er befindet sich bereits in der Steiermark, wir müssen also sozusagen durch ganz Kärnten durch. Auf der italienischen Autostrada kommen wir gut voran, der Verkehr ist mäßig und die paar LKW schnupfen wir locker weg. Über die Grenze zu Österreich fahren wir mit einem 90er drüber und ein paar dutzend Kilometer weiter fahren wir in Villach ab. Aber nur, um beim BILLA unser österreichisches Leergut zurückzugeben. Kaufen wollten wir eigentlich nichts, aber weil Gernots bevorzugtes Dosenbier mit je 0,59 Cent im Angebot war, durften gleich 2 mal 24 Stück Egger mit uns kommen. Und jede einzelne dieser Dosen trägt ein Portrait unseres Fußball-Nationalhelden Marko Arnautovic – jaja, die WM steht vor der Tür. Nach dem Zwischenstopp beim BILLA sind wir wieder auf die Autobahn aufgefahren, bis wir uns schließlich bei Klagenfurt-Nord auf die Bundesstraße verfügten. Ilse kennt sich ja in dieser Gegend besonders gut aus, weil sie jahrzehntelang (auch mit ihrer Mutter) in Althofen gekurt hat.   
Was sie aber nicht wusste – die Bundesstraße nach Althofen ist mittlerweile eine vierspurig ausgebaute Autostraße, auf der wir mit unserer Schnecke locker mit einem 90er unterwegs sein können – genauso schnell wie auf einer Autobahn. Dementsprechend zügig sind wir vorangekommen, denn erst bei Althofen endete die Autostraße und mündete in eine normale Bundesstraße. Keine 20 Kilometer vor unserem Tagesziel lockte uns dann ein Parkplatz, auf den Ankündigungsschildern waren auch Messer und Gabel abgebildet. „Eine Essensmöglichkeit auf einem Parkplatz mitten in der Pampa?“ wunderte sich Gernot und schon standen wir vor einem ausgewachsenem Imbiss-Kiosk. Eh super, wir bestellten uns für den kleinen Hunger je ein Paar Frankfurter und was zu trinken. Das mit der Flüssigkeitszufuhr ist heute ganz besonders wichtig, denn von Beginn der Fahrt an sind wir nur bei strahlendem Sonnenschein unterwegs und im Führerhaus zeigt das Thermometer satte 36 Grad. Nach dem Break haben wir es dann gleich geschafft und exakt um 14 Uhr 40 fahren am „Campingplatz am Badesee“ vor. 
Die Rezeption ist unbesetzt, aber wir brauchen nur die an der Tür ausgewiesene Telefonnummer anrufen und knapp 20 Minuten später eilt die Chefin schon herbei. Sie ist uns sofort sympathisch und auch der Platz selbst macht einen ausgezeichneten Eindruck. Wir können frei einen Platz wählen und stellen uns auf der ersten von drei kleinen Terrassen auf. Schnell sind die Ankunftshandlungen erledigt, die Vespa abgeladen und der Strom angesteckt. Wir setzen uns dann gleich ins Freie, doch plötzlich zieht es zu und die ersten Tröpfchen fallen. Eh super, bei der Hitze. Aber für unsere mit Stoff bezogenen Campingstühle ist starker Regen natürlich suboptimal und wir packen gleich alles zusammen ins Führerhaus. Die Camper von gegenüber lächeln ein wenig über unsere Vorsicht, drei Minuten später tun sie das allerdings nicht mehr. Denn dann werden auch sie vom heftigen Starkregen ins Wohnmobil vertrieben und ihr Aufbruch ist um einiges hektischer als unserer
😊. Wir stehen neben einem Baum, in dem es ein Nest von Singvögeln gibt, die wir zuerst nicht zuordnen können. Eine kleine Nachschau im Internet ergibt dann, dass es sich bei den Vögeln um Singdrosseln handelt. Sehr schön. Der Regen verzieht sich dann bald einmal wieder und Ilse spaziert zum kleinen Badesee runter. Ihre „Zehenprobe“ meldet lauwarmes Wasser, passt. 
Ab 16 Uhr ist das Restaurant am Platz geöffnet und ein paar Minuten später sitzen wir schon bei Tisch. Die Betreiber des Campingplatzes, die Familie Wernig, sind Schafbauern und dementsprechend finden sich gleich mehrere eigene Erzeugnisse auf der Speisekarte. Also lässt sich Gernot zuerst eine „Suppe mit Lammlungenstrudel“ bringen, so etwas hat er noch nie auf dem Teller gehabt. Auch Ilse startet mit einer „Suppe mit Frittaten“ und wir sind und beide sofort einig, dass wir seit unendlich langer Zeit nicht mehr eine derart gute Suppe in einem Gasthaus serviert bekommen haben. Einfach nur traumhaft! Gernot gönnt sich danach noch die „Pizza des Hauses“, die mit Salami, Schinken und rotem Paprika daherkommt – sehr delikat. Ilse gibt sich mit einem „Schinken-Käse Toast“ zufrieden, das lässt ihr immerhin Raum für eine Nachspeise. Und die hat es in sich, denn Ilse bestellt sich zwei Kugeln Vanilleeis mit Schlagobers und dazu 500 Gramm Erdbeeren 😊. Die werden hier extra angeboten und Ilse hat gleich ein ganzes Körbchen voll genommen. Unnötig hinzuzufügen, dass keine einzige Erdbeere diesen Tag überlebt hat. Gernot wagte sich bei seinem Dessert auf unbekannte Pfade und hat sich für das Angebot „Starker Kern-Steirer“ entschieden. Dabei handelt es sich um ebenfalls zwei Kugeln Vanilleeis, aufgepeppt durch eine ordentliche Portion Kernöl-Likör. Diese Nachspeise lässt sich mit nur zwei Worten perfekt beschreiben – abartig gut 😊. Was für ein fantastisches Essen, da gehen wir morgen wieder hin – und sei es nur für eine Suppe. Denn von denen stehen noch einige Variationen zur Auswahl und es ist zu erwarten, dass wir sie alle (!!) durchprobieren werden. Wir sind sehr gut hier angekommen, Ilse hat für uns – quasi aus dem Bauch heraus – wieder einmal den idealen Platz gefunden.
 
Mittwoch, 27. Mai 2026
Wir erwachen bei richtig schönem Wetter, aber das ist trügerisch. Denn unsere verlässliche Wetter-App prognostiziert für heute eine Regenwahrscheinlichkeit von 40 Prozent. Also bleibt die Vespa unter ihrer Plane, wir haben eh einiges zu tun. Gernot darf mal wieder mit großer Lust und Laune in unserem Blog herumfuhrwerken, Ilse darf, mit ein bisschen weniger Lust und Laune, ein paar von Gernots Sachen waschen. So hat er sich zum Beispiel gestern beim Essen seine schöne, grellgelbe Hose angepatzt – eh nur mit Kernöl. So einen Fleck kann man nur mehr mit der Schere entfernen 😊, wir wissen das eh selber. Natürlich ist der Kernöl-Unfall immer noch zu sehen, dafür hat Gernot jetzt wieder ein halbes Dutzend seiner Unterhosen mehr im Schrank. Nach einem Pasch und einem kleinen Schläfchen sind wir wieder ins Restaurant hinauf gegangen und haben erneut wunderbar gegessen. Ilse entschied sich heute für die „Nudelsuppe“ und anschließend für eine „Saure Wurst“. Gernot sagte ja zur „Nudelsuppe mit Rindfleisch“ und danach bestellte er sich eine Portion „Lammleberkäse sauer“. So etwas ist ihm noch nie untergekommen und es war wieder unbeschreiblich delikat. Ach ja – auch heute haben wir uns beide die gleiche Nachspeise wie gestern gegönnt – Ilse ihr „Vanilleeis mit 500 Gramm Erdbeeren“ und Gernot seinen „Starken Kernsteirer“, natürlich begleitet von einem Doppio. Der übrigens nicht als doppelter Espresso daherkommt, sondern als fünf- bis sechsfacher. Gernot protestierte nicht … 😊
Am Platz hat uns dann ein wunderschöner Buchfink besucht, er war bereits gestern zu hören, seinen Ruf kennen wir ja schon lange. Heute war er also auch persönlich da, zeigte sich maximal un-schüchtern und es hätte nicht viel gefehlt und er wäre uns ins WoMo hineingesprungen. Seine Zeichnung am Köpfchen erinnert derart an eine Sonnenbrille, dass wir nicht anders konnten, als den feschen Buchfinken zu fotografieren und ins Netz zu stellen.Und "Mister Coolman mit der Ray-Ban Sonnenbrille" ist überaus gut angekommen. Morgen werden wir die Gegend hier ein wenig mit der Vespa erkunden, das vorausgesagte Wetter lässt das ohne Weiteres zu.
Donnerstag, 28. Mai 2026
Nach dem Frühstück lassen wir das Wetter noch ein wenig wärmer werden, bevor wir uns für eine Ausfahrt bereit machen. Ilse nutzt die Zeit und schreibt mal nieder, welche Tiere wir auf dieser Reise bereits gesehen haben. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ist durchaus beeindruckend: Spatzen, Amseln, Specht, Tauben, Drosseln, Zwergohreulen, Kuckucke (beide nur gehört), Bachstelzen, Wiedehopfe, Kormoran, Reiher (ein kleiner weißer und ein großer grauer), mehrere Greifer, Fledermäuse, Aurora-Falter, Glühwürmchen, Ölkäfer, Buchfink, Möwen, Hausrotschwanz, Eichhörnchen, Eidechsen, Hornissen, Feldwespen, winzige Frösche, gelbe Libellen (erinnern an einen ÖAMTC Hubschrauber), blaue Libellen, Kaulquappen, Rotfedern (Fische), Schwan, Enten usw. Wie gesagt, das sind bei Weitem nicht alle Tiere, die uns bislang begegnet sind – aber Kühe, Esel, Schweine, Hühner, Fliegen, Bienen, Wespen, sämtliche andere Insekten etc., sind nur der Vollständigkeit halber erwähnenswert. Und das allerlässigste von allem ist: Wir haben bzw. nehmen uns ganz einfach die Zeit, diese Tiere ausgiebig zu beobachten und darüber zu staunen. Wie schön, dass wir dafür die Zeit und die Muse haben. Doch jetzt zurück zum heutigen Tag: Wir sind schließlich noch vor 12 Uhr vom Platz weggekommen und die Vespa zeigte sich von der ersten Sekunde an sehr lauffreudig. Zuallererst mussten wir in den nahen Ort Mühlen hinüber, da gibt es einen Raika-Bankomaten und wir brauchen frisches Bargeld. Passt – mit den abgehobenen 2 mal 400 Euro sind wir kohlemäßig wieder auf der sicheren Seite. Bald einmal danach überquerten wir die Landesgrenze zu Kärnten und sind dann gleich in den Ort Hüttenberg gekommen.     
Hier hat sich Heinrich Harrer mit einer Art „Dalai Lama Gedenkstätte“ verewigt – wir bestaunen aber lediglich die zahlreichen Metall-Treppen, die in schwindelerregende Höhen führen. Überall wehen die typischen, nepalesischen Gebetsfahnen, fernöstliche, religiöse Motive sind in die Felsen gehauen worden und Gebetsmühlen können auch gedreht werden. Natürlich wirkt das alles vollkommen deplatziert hier, aber das ist vermutlich die Absicht dahinter. Eventuell hätten wir auch in einem Gasthaus etwas gegessen, aber außer einem Kaffeehaus war nichts dergleichen auszumachen. Nach einem Abstecher ins hoch über dem Tal gelegenen Knappenberg sind wir („Brückl nicht“!) nach Guttaring gekommen. Hier haben wir – ein Auftrag von Ilses Schwester – einmal kurz gewunken, denn in Guttaring hat Sigrid vor 38 Jahren ihren Erich geheiratet. Der Ort hat aber neben der Dorfkirche noch eine Wallfahrtskirche zu bieten und wir fuhren zur „Mariahilf“ hin. Die letzten hundert Meter zum Eingang des Gotteshauses waren dann derart steil, dass Gernot nur darüber lachen konnte – da hinauf braucht er vier Tage. Natürlich nicht und es hat sich wieder einmal bewiesen, dass er seine Arterien-Erkrankung gut in den Griff bekommen hat, denn er hat diese Herausforderung in einem Zug (!!) bewältigt. Die Kirche selber gibt dann nicht allzu viel her, wie oft in Kärnten, so ist auch „Mariahilf“ heillos mit Gold und Prunk überladen, das gefällt uns nicht. Ist aber ausschließlich eine Geschmacksache. Jedenfalls hatten wir von so hoch oben eine fantastische Aussicht auf die Umgebung. 
Und wie steil der Weg hier herauf ist, zeigte sich bei der Abfahrt eines Klein-LKW, denn der ist beim Bremsen sofort ins Rutschen gekommen und wäre beinahe senkrecht fünf Meter abgestürzt. Das war so richtig knapp, wir sind direkt danebengestanden. Unsere nächste Station war dann Althofen, hier kennt sich Ilse besonders gut aus. Kannte sich besonders gut aus, denn auch dieser Ort hat sich in den letzten Jahrzehnten laufend verändert. Ins Zentrum finden wir trotzdem auf Anhieb und weil Essenszufuhr unser oberstes Prinzip ist, bleiben wir beim allerersten Lokal stehen – sie haben laut Aufdruck auf ihrer Markise auch Pizza im Angebot. Nun, hatten sie nicht mehr, es war bereits nach 14 Uhr. Außerdem waren wir die einzigen Gäste und genau in diesem Moment hätten wir aufstehen und gehen sollen. Stattdessen haben wir uns von der Kellnerin zum Bleiben überreden lassen – für Gernot hatte sie noch „Rindsgulasch mit Spätzle“ im Angebot, für Ilse immerhin „Kaspressknödel“ und einen Salat. Vielleicht lag es ja an der Sprachbarriere, dass die ungarische Kellnerin das Wort „Kaspressknödel“ gar nicht kannte, denn Ilse bekam typische „Kärtner Kasnudeln“ serviert, eine lokale Spezialität. Die übrigens aus gutem Grund nirgendwo sonst in Österreich erhältlich ist, die Dinger sind nämlich – nicht nur hier, sondern überall – vollkommen geschmacksneutral. Und sie haben nichts mit Käse zu tun, in Kärnten nennt man den Topfen so. Ein langweiligeres Essen kann man sich nur schwer vorstellen. Auch der Salat hat nicht viel hergegeben, auch wenn die Kellnerin beim Servieren vom wertvollen Trauben-Öl geschwärmt hat. Nun ja, vielleicht ist er dann mit unbescheidenen 11,20 Euro auf der Rechnung gestanden. 11,20 – für einen Beilagen-Salat, na servas! Weil Ilse, mit Gernots tatkräftiger Unterstützung, nur einen ihrer sechs „Kasnudeln“ runterbrachte, bekam die Kellnerin dann doch ein schlechtes Gewissen und hat großzügig auf die Bezahlung von Ilses Cola verzichtet. Über 40 Euro haben wir trotzdem abgelegt, ein echter Reinfall, aber eh erst der erste auf dieser Reise. Beim Weiterfahren haben wir dann trotz des Desasters wirklich lachen müssen, denn nur eine Kurve weiter hätten wir gleich drei, allesamt gut besuchte, Restaurants zur Auswahl gehabt, eines davon wäre ein Kebap-Laden gewesen.
Die nächste Station auf unserer Runde war dann Friesach, wir sind aber nur durchgefahren. Bis nach Sankt Salvator, obwohl wir wussten, dass das für uns nicht auf der Strecke liegt. Die Kirche haben wir aber doch besucht und uns ein wenig ausgeruht. Danach haben wir umgedreht und sind auf jene Bundesstraße gekommen, die wir schon von der Herfahrt kennen. Dort sind wir im Windschatten eines LKW mit 90 km/h dahingebrettert, verfolgt von einem Sattelschlepper, der kaum 15 Meter hinter uns fuhr. Doch schon nach wenigen Kilometer ließ uns das Hinweisschild „St. Veit in der Gegend“ von der viel zu hektischen Bundesstraße abfahren und wir waren wieder völlig alleine unterwegs. Und völlig alleine sind wir dann auch verloren gegangen, denn nach dem Ort „St. Veit in der Gegend“ dürften wir uns gleich mehrmals hintereinander verfahren haben. Eh wurscht eigentlich, wir waren ja nur wenige Kilometer vom Campingplatz entfernt, gefunden haben wir ihn aber dennoch lange nicht
😊. Einmal sind wir aufs „Gerate wohl“ einen Hügel hochgefahren, bis diese gnadenlose Bergprüfung einfach zu steil wurde. Zum Glück muss man sagen, denn wer weiß, wo wir da gelandet wären … Schließlich haben wir dann beim „Hörfeld Moor“ wieder auf die Landesstraße zurückgefunden und gesehen, dass wir längst kilometerweit über unser eigentliches Ziel „hinausgeschossen“ waren. Aber in Wirklichkeit lieben wir ja dieses „verloren-gehen“, denn das hat uns schon oft zu wunderschönen Plätzen geführt. Zurück beim WoMo ist uns dann gar nicht viel Zeit zur Erholung geblieben – der „Ruf der Suppen“ wurde unüberhörbar lauter. Heute hat es für Gernot die „Leberknödelsuppe“ gegeben – wieder war nicht nur die Suppe unglaublich delikat, auch die beiden Leberknödel waren die besten, die Gernot je gegessen hat. Ilse hat erneut der Versuchung „Frittatensuppe“ nicht widerstehen können, als Draufgabe hat sie sich wieder einen „Schinken-Käse Toast“ bringen lassen. Sehr gut. Gernot hatte ja noch das Gulasch aus Althofen im Bauch, also begnügte er sich als Hauptgang mit dem „Starken Kern-Steirer“. Beim Hinausgehen haben wir dann noch eine Wienerin (genauer aus Baden bei Wien) getroffen, die alleine mit ihrem Hund Berti in ihrem Wohnmobil unterwegs ist. „Mein Mann sitzt lieber zu Hause und kümmert sich um den Garten“, meinte sie lachend. Hund Berti hat sich dann sogleich in Gernot schockverliebt und einen regelrechten Kuschel-Anfall gekriegt. Da ist er bei Gernot genau an der richtigen Adresse, denn der hat natürlich sofort und genauso heftig zurückgekuschelt 😊. Mit einem Pasch im Freien haben wir diesen Tag dann abgeschlossen – einem Tag an dem wir immerhin 97 Kilometer mit der Vespa unterwegs waren. Morgen fahren wir wieder aus, das Wetter erlaubt uns das.

Freitag, 29. Mai 2026
Nachts ist die Temperatur bis auf 7 Grad gefallen, mit unseren Decken (man beachte den Plural 😊) war das allerdings kein Problem. Mit Unterstützung der Heizung konnten wir dann bald einmal im T-Shirt frühstücken und haben die vielen Vögel auf unserem Platz gleich mitfrühstücken lassen. Mit echtem Marmorkuchen, der erst im August abläuft. Aber wir werden ihn nicht mehr mit nach Hause nehmen, also kriegen ihn die Spatzen, Amseln, Drosseln und natürlich der Herr Buchfink, falls er wieder vorbeischaut. Wir verbringen einen gemütlichen Vormittag und fahren gegen Mittag mit der Vespa rüber ins nahe Dorf Mühlen. Der Ort wird drei, vier Kilometer entfernt sein und noch im WoMo hat Ilse gegoogelt, dass das Dorfgasthaus „Zum Hirschenwirt“ geöffnet hat. Das Lokal ist gut besucht, wir nehmen auf der überdachten Terrasse Platz und haben in der Folge sehr gut gegessen. Ilse kriegt mal wieder ein „Wiener Schnitzel mit Petersilienkartoffel“, Gernot wagt sich über das „Genuss-Pfandl“. Das Wagnis war aber durchaus ein überschaubares, denn schon in der Karte war das Essen als „Gefüllte Hühnerbrust mit Pilzrahm-Sauce und Reis“ beschrieben. Ein richtig gutes Wirtshausessen mit supernetter Bedienung, noch dazu zu sehr fairen Preisen – wir haben mitsamt unseren Getränken nur 38,80 Euro abgelegt. Derart gestärkt war uns nach einer kleinen bis mittleren Vespa-Tour und wir sind, noch in Mühlen, den Hinweisschildern zur Tonnerhütte gefolgt. In etwas mehr als sechs Kilometern brachte uns die Straße in zahlreichen, steilen Kehren bis auf 1.600 Meter hinauf. Mit Asphalt war es dann bald einmal vorbei und über feinen Schotter ging es der Hütte entgegen. Gernot fuhr den ganzen Weg über höchstens mit Halb-Gas, damit sich unsere Vespa ja nicht zu sehr anstrengen musste. Hat wunderbar funktioniert, oben angekommen war unsere rote Prinzessin nicht einmal annähernd heiß. Wir haben uns vor der Hütte an einen Tisch gesetzt, der Kellner war sofort da – der Haushund noch schneller 😊. Wir haben uns einen Kaffee bestellt und Gernot nahm sich noch einen Topfenstrudel mit Schlag dazu. Obwohl wir den netten Haushund eigentlich nicht füttern wollten, hat er dann doch das Meiste abgekriegt. Der Strudel war nicht mehr so ganz frisch, sagen wir mal so. Aber für den Hund hatte er eindeutig die perfekte Qualität – kein Bröselchen ist übriggeblieben. 
Die Talfahrt auf dem rutschigen Untergrund war dann weit anstrengender als die Herfahrt, oft suchte sich die Vespa im tiefen Schotter alleine ihren Weg, da fungiert dann auch Gernot nur mehr als Nebendarsteller 😊. Aber es ist mal wieder alles gut gegangen und ab Jakobsberg hatten wir dann eh wieder Asphalt unter den kleinen Reifen. Zurück in Mühlen sind wir an der Bundesstraße links abgebogen, Ilse wusste von einem Ort namens St. Martin am Silberberg. Wir sind zwar noch in die Abzweigung nach St. Martin hineingefahren, aber sofort stehengeblieben. Nein Danke – geschotterte Straßen hatten wir heute schon genug, das wollen wir auch unserer Vespa nicht gleich noch einmal antun. Also haben wir umgedreht und sind – mit einem Abstecher über St. Helen – zum Campingplatz zurück. Wir werden heute nicht ins Restaurant gehen, stattdessen paschen wir und beobachten die Vögel, die wir weiterhin brav füttern – es ist immer noch genug Marmorkuchen da.   
Samstag, 30. Mai 2026
Gestern hat Ilse noch mit dem „Campingplatz Kölbl“ telefoniert und für Montag unser Kommen angekündigt. Wir werden also noch einmal an den Ossiachersee zurückkehren, warum auch nicht? Der heutige Tag beginnt für Ilse bereits um 5 Uhr 46, sie schaltet gleich die Heizung auf Höchststufe, weil es ihr außergewöhnlich kalt vorkommt. Deshalb schaut sie auch auf unsere Temperaturanzeige – tatsächlich hat es draußen nur 3,8 Grad (!!), herinnen wenigstens 11,9 Grad. Das Wetter ist aber gar nicht schlecht und es wird auch schnell wärmer, es könnte allerdings jederzeit zu regnen beginnen. Also warten wir bis zu einer Ausfahrt noch ein wenig ab und gehen uns ausgiebig duschen. Dann gammeln wir ein bisschen im WoMo herum, bis uns das Wetter endlich stabil und warm genug ist. Bis Friesach fahren wir auf einer Bundesstraße, von der wir dann in Richtung Ingolsthal abbiegen. Kurz nach Durchfahrt des kleinen Ortes sehen wir ein Schild nach St. Lambrecht, da wollen wir eh hin. Geil – eine Abkürzung. Nein, war es nicht. Denn schon sehr bald ist die asphaltierte Straße erneut in einen geschotterten Weg gemündet, der sich dann gleich einmal in eine Art Waldpfad verwandelte. Und wieder sagten wir „Danke schön, auf Wiedersehen“. Keine Waldstraßen-Abenteuer, wenn es nicht unbedingt sein muss – die Betonung liegt auf „unbedingt“ 😊. Also haben wir am Stand umgedreht, sind über Ingolsthal wieder zur Bundesstraße gekommen und bis Mettnitz geblattelt. Dort haben wir unser treues Moped mit frischem Benzin versorgt und wollten uns dann beim SPAR zwei Wurstsemmeln kaufen. Aber leider verpassten wir die Einkaufszeit um sechs Minuten – tja, Pech. Aber, was zuerst ein Pech ist, kann schnell zum Glück werden, denn nach Durchfahrt der kleinen Ortschaften „Steirisch Laßnitz“ und „Kärntner Laßnitz“, die direkt beieinander liegen, waren wir nicht nur wieder in Kärnten, sondern standen mehr oder weniger unvermittelt vor einem großen Gasthaus namens „Freizeit-Wirt“.       
Mit dem wunderbaren Schild: „Ganztägig warme Küche“. Sehr super. Natürlich kehrten wir sofort ein und wurden freundlich empfangen. Wir setzten uns auf die Terrasse und haben uns aus der Speisekarte einen „Suppentopf mit dreierlei Einlage“ für Ilse ausgesucht, für Gernot gab es heute „Gebackene Champignons mit Sauce Trara und Salat“. Beides hat vorzüglich gemundet und Gernot hat endlich mal wieder frittierte Schwammerln am Teller gehabt – das erste Mal seit gut 40 Jahren
😊. Ilse war auch sehr angetan von ihrem Suppentopf, der ohne Übertreibung so groß war, dass er auch vier Liter fassen hätte können. Dafür waren die Einlagen herzig klein, der Leberknödel und der Kaspressknödel haben wirklich süß ausgeschaut – das Grießnockerl war übrigens normal groß. Für Gernot hat die Kellnerin (gleichzeitig die Chefin) eine leere Suppenschüssel gebracht. Sehr aufmerksam und es wurde auch nichts verrechnet. Danach gab es für Gernot noch einen Doppio – und er freute sich, dass der, wie so oft in Österreich, als fünf- bis sechsfacher Espresso dahergekommen ist 😊. Nach dem hervorragenden Break sind wir dann nach St. Lambrecht gekommen, haben dort aber nur einen kurzen Stopp eingelegt. Danach sind wir über Neumarkt in der Steiermark zum Campingplatz zurück, wo unsere 103 Kilometer lange Runde endete. Richtig geil war es mal wieder, so lässige Strecken, so feines Wetter und so gutes Essen. Mehr geht ja echt schon nimmer … 
Wir haben als erstes ein wenig die Beine lang gemacht und matchten uns danach im Freien am Pasch-Teller. Ilse hat dann unseren Aufenthalt hier bezahlt und für uns, und als Mitbringsel, vier Flaschen Kernöl gekauft. Für Gernot hat es als Geschenk des Hauses noch eine Packung mit Schafwürsteln gegeben – sehr nett. Im WoMo sahen wir dann, dass Chefin Marieke eine Flasche Kernöl auf der Rechnung vergessen hatte – das werden wir beim Abendessen richtigstellen. Denn trotz dem, eigentlich mehr als ausreichenden, Mittagessen im „Freizeit-Wirt“, sind wir abends noch einmal ins Restaurant rauf, denn solche Suppen werden wir lange nicht mehr kriegen. Gernot hat sich wieder die „Suppe mit Lungenstrudel vom Lamm“ gegönnt und später den „Kräftigen Kern-Steirer“ zu Tisch gerufen. Ilse gab sich mit einer „Nudelsuppe“ zufrieden und beim Bezahlen haben wir uns dann noch eine ganze Zeit lang mit den Wirtsleuten Wernig unterhalten. Über die von uns nachbezahlte Flasche Kernöl haben sie sich sehr gefreut, das wird ihnen wohl auch nicht alle Tage passieren. Im WoMo haben wir dann den Tag wieder fein ausklingen lassen, es ist einfach schön hier.
Sonntag, 31. Mai 2026
Letzter Tag im Mai, letzter Tag am „Campingplatz am Badesee“. Schon kurz nach dem Aufstehen und einem ersten Blick auf unsere Wetter-App war klar: Wir werden diesen Tag am Campingplatz verbringen. Passt – gleich am Morgen besuchte uns „Mr. Coolman Buchfink“, er ist nicht nur der schönste unter allen Vögeln hier, sondern auch der am wenigsten menschenscheue. Sehr süß, er nähert sich bis auf einen Meter und würde wohl bald einmal aus der Hand fressen. Gernot erweitert dann mal wieder unseren Blog um einige tausend Zeichen, Ilse widmet sich einer intensiven Reinigung unseres Stoffwechsel-Throns. So hat jeder was zu tun 😊. Nach einem Pasch haben wir dann in aller Ruhe die Vespa aufgelegt, denn es könnte bald einmal Regen kommen, er soll sogar ziemlich heftig werden. Wir sind dann schon relativ früh zu einem letzten Besuch ins Restaurant rauf und auch wenn es einfallslos klingen mag, aber Gernot hat schon wieder die gleiche Suppe wie gestern gegessen. Auf der Karte heißt das Gericht „Suppe mit Lungenstrudel vom Zirbitz-Lamm“ und stammt aus eigener Produktion. Ein absoluter Genuss, und nur diese Suppe allein wäre für Gernot schon Grund genug, wieder einmal hierher zu kommen. Aber da gibt es auch noch viele andere Gründe, das nur nebenbei. Weil man von einer Suppe – und sei sie noch so gut – als erwachsener Mann nichts zwangsläufig satt werden muss, hat sich Gernot noch eine „Pizza Diavolo“ bestellt, vor deren Schärfe auf der Karte mit drei Rufzeichen gewarnt wurde. Allerdings wäre nicht mal ein Rufzeichen nötig gewesen, aber vielleicht war die Pizza ja eh scharf und dem, in Sachen Schärfe, Indien-erprobten Gernot ist das halt nicht aufgefallen 😊. Gut hat die „Diavolo“ aber trotzdem geschmeckt. Ilse hat sich erneut ihrer Lieblings-Kombination „Frittaten-Suppe“ und danach einen „Schinken Käse Toast“ hingegeben. Weil wir für den Moment wirklich papp-satt waren, haben wir die Nachspeise auf später verschoben und uns bei den Wirtsleuten für 19 Uhr 30 angekündigt. Aber kaum waren wir im Wohnmobil, hat der Himmel plötzlich seine Schleusen geöffnet und heftigster Starkregen ist auf uns niedergeprasselt. Wir haben zwar wirklich überlegt, trotzdem noch einmal ins Restaurant gegeben, aber das Wetter hat das schließlich einfach nicht zugelassen – wir wären fetz-nass geworden. Wurscht, dann halt kein Eis heute, zu Hunger-Ödemen wird das aber eher nicht führen. Stattdessen richten wir uns mal wieder einen Mobilen Hotspot ein, denn es wird das Testspiel Deutschland gegen Finnland übertragen. Der Datenverbrauch kann uns dabei vollkommen egal sein, denn mit unseren Hot-Tarifen stehen uns im Inland pro Monat jeweils 70 GB zur Verfügung. Das Match ist dann eh recht unterhaltsam gewesen und am Schluss siegten die Deutschen verdient mit 4:0. Österreich spielt übrigens morgen auch ein Testspiel, es geht gegen Tunesien, das werden wir uns schon am Ossiachersee anschauen. Bei diesem Spiel wollten wir eigentlich im Ernst-Happel-Stadion live mit dabei sein, aber noch daheim in Innsbruck haben wir uns umentscheiden. Ist im TV sicher auch lässig zum Zuschauen, die starken Tunesier werden allerdings nicht leicht zu bespielen sein… Wurscht – schau wir amal, dann sehn wir eh.  
Montag, 1. Juni 2026
Um 8 Uhr sitzen wir bereits beim Frühstückskaffee und auch die letzten Vorbereitungshandlungen zur Abfahrt gehen uns rasch von der Hand. So kommen wir schon kurz nach 9 Uhr vom „Campingplatz am Badesee“ weg, schweren Herzens, muss man sagen. Hier hat einfach alles gepasst und wir werden uns sehr höchstwahrscheinlich wiedersehen. Wieder einmal haben wir es nicht besonders weit, von hier zum „Camping Kölbl“ sind es nicht einmal 90 Kilometer. 
Wir gondeln locker auf der Bundesstraße dahin, verzichten bewusst auf die Autobahn und kommen dem Ossiachersee immer näher. Schließlich biegen wir auf die „Südliche Uferstraße“ ab und kurz nach dem Ort Ossiach sind wir schon an unserem Ziel. Ausgerechnet heute ist jener Tag, an dem Frau Kölbl den Campingplatz offiziell an ihre Tochter übergeben hat und – wie sie gleich mehrmals betonte „mich ab sofort nicht mehr einmischen darf“. Das gut genährte Töchterchen ist offensichtlich überfordert, also zieht sich die Anmeldung hin. Anders als im Vorjahr, wird jetzt der Strom an jedem Stellplatz fern-abgelesen, also ist die entsprechende Nummer am Stromverteiler wichtig. Wir suchen uns also einen Platz, melden gehorsam die Stromkasten-Nummer 27 und werden fast schon angeherrscht mit einem „Links oder rechts?“. Wie, was? Gernot meinte dann: „Naja, die Nummer 27 wird Ihnen ja wohl was sagen.“ Worauf die Tochter schnippisch meinte: „Die Nummer 27 haben wir am Platz viermal. Es geht um rechts oder links des Weges.“ Na eh super, wir freuen uns in Gedanken schon darauf, dass die neue Chef-Organisatorin gleichzeitig einem (jeweils nicht Deutsch oder Englisch sprechenden) Spanier, Italiener oder Franzosen die Kuriosität mit der viermal Nummer 27 am Platz erklären wird müssen
😊. Schließlich haben wir dann doch noch erfolgreich eingecheckt, die Vespa abgeladen und haben es uns vor dem WoMo gemütlich gemacht. Nach einer kleinen Rast und einem Pasch ist Gernot mal ins Restaurant rauf, sozusagen die Lage peilen. Die war schnell ausgepeilt, es gibt nur Fertigpizza aus der Tiefkühltruhe. Zu sehr unbescheidenen 14,80 Euro. Nein Danke. Übrigens hat die Tochter des Hauses erneut dramatisch unprofessionell agiert, denn als Gernot fragte, ob die Pizzas frisch gemacht werden, bestritt sie zuerst, dass es sich um Tiefkühlware handelt und meinte dann: „Das ist die einzige Möglichkeit für uns, Essen anzubieten, weil wir kein Personal kriegen. Und der Preis ist gerechtfertigt, wir zahlen ja im Einkauf bereits 5 Euro.“ Also bitte, so genau wollen wir in die Kalkulation von „Camping Kölbl“ auch wieder nicht eingeweiht werden … Also kein Essen am Platz. Kein Problem, keine 300 Meter entfernt findet sich das „Gasthaus Martinz“, die haben viel, viel Platz und eine ausgewachsene Speisekarte. Allerdings haben die ausgerechnet heute ihren Ruhetag – wurscht, wir haben eh noch Wurscht, Käse und andere gute Sachen in Reserve 😊. Mit diesen Spezereien machen wir uns später eine feine Jause, für Gernot gibt’s noch Oliven dazu. Dann haben wir wieder einen der Laptops in einen Fernseher verwandelt und uns das Testspiel Österreich gegen Tunesien angeschaut. Das Match war ausgesprochen packend und die Tunesier haben die Österreicher nicht richtig ins Spiel kommen lassen. Im Gegenteil, die Nordafrikaner wurden immer stärker, erspielten sich zahlreiche Chancen und trafen dreimal (!!) nur das Gehäuse. Und kurz vor Ende der zweiten Halbzeit dann der endgültige Schock für unsere Kicker – Rote Karte für Konrad Laimer wegen Handspiel. Na, Bumm, das kann ja noch was werden, mit einem Mann weniger gegen diese starken Tunesier. Die zweite Halbzeit war dann aber sehr erbaulich für einen rot-weiß-roten Fan, denn die österreichische Mannschaft ist komplett verändert aufgetreten, nicht nur, weil gleich sechs Spieler ausgewechselt wurden. Und so hat man in den zweiten 45 Minuten kein einziges Mal gemerkt, dass wir mit einem Mann weniger spielten. Und tatsächlich hat Österreich letzten Endes sogar noch mit 1:0 gewonnen, wieder einmal war Marcel Sabitzer der Siegtorschütze. Lässiges Spiel, gutes Omen für die kommende WM – immerhin ist Tunesien auch Teilnehmer der Weltmeisterschaft und hat in seiner Qualifikations-Gruppe kein einziges (!!) Tor erhalten. Die muss man also erst mal schlagen. So, genug jetzt vom Fußball, gemma lieber schlafen, es ist eh schon nach 23 Uhr.   
 
Dienstag, 2. Juni 2026
Der Tag beginnt auch hier mit einem Vogelkonzert, zusätzlich werden wir noch von einem Enten-Paar besucht. Die kennen wir schon aus dem Vorjahr, sie weichen sich den ganzen Tag über nicht von der Seite. Sehr nett. Weit weniger nett hingegen ist, dass wir ab 9 Uhr 30 ununterbrochen vom extrem lauten Geräusch einer Motorsense gestört werden. Der Mann – natürlich in voller Schutzausrüstung samt Gehörschutz – entfernt sich während der gesamten Mäharbeiten nie weiter als 15 Meter von unserem Wohnmobil. Zwischendurch kommt auch der Laubbläser zum Einsatz und das Ganze geht ohne jede Pause bis 12 Uhr Mittag. Jetzt ist es endlich auch warm genug für eine Ausfahrt und wir glühen zuerst zu einem der großen BILLA Märkte. Dort geben wir einiges an Leergut zurück und kaufen ein paar Kleinigkeiten ein – endlich gibt’s mal wieder wo Schoko-Brezen für Gernot 😊. Wir werden heute einmal rund um den See fahren und schon nach wenigen Kilometern kommen wir am „Urbani Wirt“ vorbei. Besser gesagt, wir kommen nicht daran vorbei, sondern nehmen auf der riesigen Terrasse Platz. Der „Urbani Wirt“ ist offenbar ein sehr traditionsreiches Gasthaus und erwartungsfroh lesen wir uns durch die Speisekarte. Ilse wird sogleich fündig, ein „Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat“ ist es geworden. Gernot hat – vielleicht sogar zum ersten Mal in seinem Leben – in einem Gasthaus ein ausgewiesenes „Veganes Gericht“ bestellt, nämlich die „Spaghetti Putaresca“. Die werden zubereitet mit Kapern, Oliven, Knoblauch und reichlich Olivenöl – ein wunderbares Essen. Ach ja, der beflissene Kellner hätte übrigens einem echten Veganer den Appetit verdorben, denn ungefragt brachte er ein Schüsselchen mit reichlich Parmesan-Flocken zu Tisch. Und Käse kann niemals nicht vegan sein 😊. Gernot war das natürlich völlig egal, der Parmesan passte hervorragend zu seinem Gericht. 
Sehr zufrieden haben wir danach die Umrundung des Ossiachersees abgeschlossen und sind nach 31 Kilometern Fahrt zum Campingplatz zurückgekommen. Da war es genau 14 Uhr. Erst mal ein wenig ausruhen. Das ja – aber ohne Ruhe. Denn jetzt wurde in unserer unmittelbaren Nähe der Rasen gemäht, wiederum ohne jede Pause. Bis endlich Regen eingesetzt hat, sonst hätte der gute Mann den ganzen Nachmittag weiter gemäht. Wir wissen nicht, was sich Campingplatz-Betreiber dabei denken, ihre urlaubenden Kunden stundenlang derart mit Lärm zu belästigen. Schon klar, der Rasen muss gemäht uns gepflegt werden. Allerdings genau dosiert, wenn wer abfährt, dann wird der frei gewordene Platz gemäht und fertig. Hier ist es halt so, dass sich die Kölbls keine fix angestellten Mitarbeiter leisten können oder wollen und stattdessen stundenweise Personal angeheuert wird. Und der mäht dann halt ununterbrochen – wie gesagt, auf allen anderen Campingplätzen ist das ein absolutes No-go. Und deshalb werden wir hier auch nicht bleiben, sondern den Platz wechseln. Wir fahren mit der Vespa die knapp vier Kilometer zum „Camping Berghof“ rüber, mal schauen, ob die ab morgen für uns was frei haben. Ist ja immerhin langes Wochenende. Die Rezeption ist von zahlreichen Campern nahezu überlaufen, noch dazu beginnt es ausgerechnet jetzt wieder zu tröpfeln und wir fahren unverrichteter Dinge zu den Kölbls zurück. Ilse ruft dann später beim „Berghof“ an und nach einigem Hin-und-her klappt das mit unserem Aufenthalt bis nächsten Montag. Dankeschön, die nette Angestellte hat sich wirklich sehr bemüht. Kaum waren wir wieder zurück beim Wohnmobil, da hat es so richtig heftig zum Schütten begonnen. Das war das Zeichen fürs Niederlegen und wir haben wunderbar geruht. Später haben wir Faschingskrapfen (!) gegessen und natürlich noch einen Pasch gemacht. Ilse hätte eigentlich lieber die Vespa aufgelegt, aber Gernot wird die paar Kilometer zum „Berghof“ selber rüberfahren, für die kurze Strecke ist ihm das Auf- und Abladen der Vespa zu aufwändig. Obwohl er von Ilse vorgewarnt wird, dass es morgen um 10 Uhr mit großer Wahrscheinlichkeit heftig regnen wird. Wurscht, wegen den paar Metern …     
 
Mittwoch, 3. Juni 2026
Wir wechseln den Platz und werden heute die allerkürzeste Etappe unseres Wohnmobilisten-Daseins erleben. Es sind nämlich nicht einmal vier Kilometer bis zu unserem Tagesziel, exakt 3,9. Nach der Morgentoilette räumen wir das WoMo zusammen und auch wenn es nur eine sehr kurze Fahrt werden wird, muss dennoch alles sicher an seinem Platz sein. Wir vorhergesagt regnet es ohne Unterbrechung – jetzt brauchen wir die Vespa auch nicht mehr aufladen. Gernot klaubt sich das Regenzeug zusammen, das unter der Sitzbank unseres Mopeds verstaut ist und zieht sich im WoMo um. Mit der großen Regenschutzjacke und der wasserdichten Regenschutzhose ist er bestens ausgerüstet und wir können los. Ilse fährt voraus und weil sich Gernot noch die Handschuhe anziehen musste, waren Ilse und Schneckchen nur mehr einmal kurz zu sehen. Der Regen prasselte schwer auf unseren armen Roller, auf Gernots Schutzkleidung und das Helmvisier, er selbst ist aber staubtrocken geblieben. Das Fahren bei solchen Bedingungen war zwar ein wenig tricky, den größten Pfützen musste halt ausgewichen werden, damit kein Aquaplaning entstehen kann. Letztlich ist alles gut gegangen, aber eine längere Fahrt würde sich Gernot bei einem solchen Regen nicht antun. Dann lieber Aussitzen. Die Anmeldung klappte dann trotz unseres ungewöhnlich frühen Erscheinens problemlos – schnell noch checken, ob die Vormieter schon abgefahren sind und zack – standen wir schon am Platz. 
Mehr im Eck kann man am „Campingplatz Berghof“ übrigens nicht mehr stehen, wir hören, nur durch eine Hecke getrennt, die Leute am benachbarten „Campingplatz Mentl“ miteinander plaudern
😊. Zum Waschhaus – das übrigens bestens ausgestattet und gepflegt ist – sind es hin und retour ein halber Kilometer. Eh gut für Gernot und seine täglichen Schritte. Nebenbei bemerkt – von der Abfahrt bei den Kölbls bis zum fix fertigen Aufstellen unseres WoMo haben wir exakt 38 Minuten gebraucht, auch nicht übel. Wir verbringen in weiterer Folge einen kompletten Relaxtag, der Regen lässt uns ja sowieso nichts unternehmen. Natürlich paschen wir und legen uns für ein feines Nachmittags-Schläfchen nieder. Dann öffnet endlich das „Gasthaus Berghof“ seine Pforten und wir kriegen einen netten Tisch zugewiesen. Ilse ist nicht besonders hungrig und deshalb gibt es für sie lediglich eine „Frittatensuppe“ und einen „Topfenstrudel in warmer Vanillesauce“. Hervorragend – genau wie Gernots „Wiener Schnitzel mit Pommes“, da war nichts daran auszusetzen. Auch an seiner Nachspeise, dem „Schoko-Küchlein mit Vanilleeis und Schlagobers“ gab es nichts zu mäkeln. Lediglich der Bezahlvorgang hat sich mal wieder unnötig hingezogen, obwohl wir mehrmals nachgefragt haben, hat es letztens länger als 20 Minuten gedauert, bis wir endlich bezahlen „durften“.   
Immer wieder ärgerlich, so eine Warterei vermag uns auch einen netten Abend zu trüben. Und deshalb sind wir auch zu spät zum Anpfiff des Spieles FC Wacker Innsbruck gegen St. Johann gekommen. Eh nicht weiter tragisch, denn allzu viel hat die Partie ohnehin nicht hergegeben. Beim überlegenen Meister Wacker ist eindeutig die Luft draußen, es spielten auch kaum mehr Stammspieler der ersten Mannschaft. Trotzdem hat der FCW auch dieses Match gewonnen, das 1:0 ist ziemlich spät gefallen. Aber eben doch noch ein Sieg – und genau das zeichnet einen Meister aus.  
Donnerstag, 4. Juni 2026
Es schaut ganz so aus, als würde uns das Wetter heute eine Runde mit der Vespa drehen lassen. Tatsächlich machen wir uns nach dem Käffchen und einem Pasch für eine Ausfahrt fertig, richtiges Ziel haben wir allerdings keines. Wurscht, wir fahren halt als erstes nach Villach rüber, die Stadt selber kennen wir ja überhaupt nicht. Im Stadtgebiet von Villach sind wir dann schon nach wenigen Kilometern und nach ein bisserl, eher unfreiwilligem, Sightseeing in den Außenbezirken tasteten wir uns schließlich ins Stadtzentrum vor. Dort stellten wir unseren Roller am Rand der Fußgängerzone ab und latschten los. Es ist schön warm geworden und wir wandern die ganze Hauptstraße entlang. Es locken gleich mehrere Kebap-Läden, das erleichtert die Planung des Mittagessens natürlich erheblich 😊. Trotzdem ist es dann, wie so oft, anders gekommen, denn gleich hinter der großen Kirche überredeten uns drei Aufschriften am Schaufenster eines kleinen Lokals zur Einkehr: „Indian“, „Kitchen“, „Streetfood“. Schnell waren „Butter Chicken mit Basmati, Garlic-Naan sowie knusprige Pakoras“ bestellt und schon nach wenigen Minuten hatten wir alles am Tisch. Die Pakoras sind dann leider im 8er-Pack dahergekommen, Gernot musste die Hälfte davon stehen lassen. Sehr gut abgefüllt haben wir dann unseren Spaziergang durch Villach fortgesetzt und schließlich sind wir wieder bei unserer Vespa gelandet. Die wurde in der Zwischenzeit übrigens von einer Skulptur bewacht, die einen dicken Mann zeigt, der einen Bierkrug in der Hand hält. Prost!
Aus der Innenstadt finden wir dann leichter raus als rein und folgen einfach mal den Hinweisschildern zum Millstätter See. Soweit fahren wir heute sicher nicht, aber mal schauen, wohin es uns verschlägt. Bei einem Kreisverkehr biegen wir dann nach Treffen und in weiterer Folge in Richtung „Gerlitzen-Kanzelhöhe“ ab. Bald einmal kommen wir zu einem Schranken und drücken uns ein Ticket heraus, die Maut wird uns 10 Euro kosten. Auf der Gerlitzen waren wir schon einmal, damals sind wir einen anderen Weg gefahren. Heute geht es sechs, sieben Kilometer mäßig bergauf, es sind einige Haarnadeln zu durchfahren, der Untergrund ist wieder fein geschottert. Verkehr herrscht de facto gar keiner und so können wir frei unser Tempo wählen. So tuckern wir gemütlich vor uns hin und bald einmal haben wir die „Kanzelhöhe“ erreicht. Im Prinzip finden wir uns inmitten einer gigantischen Baustelle wieder, nirgendwo sehen wir eine Bank zum Ausrasten – irgendwie wirkt alles wie eine Mondlandschaft. Also wenn wir das gewusst hätten … Für Wanderer gibt es hier heroben sicher das eine oder andere lohnende Ziel, es gibt Wegweiser zu gleich mehreren Hütten. Für uns ist das leider nichts (mehr) und wir machen uns auf die Suche nach einer gemütlichen Sitzgelegenheit. Die finden wir dann in Form eines großen Findlings und Gernot kann auf dem steinernen Thron endlich mal ein bisschen die Beine lang machen. Übrigens ist genau hinter unserem Rastplatz ein Schild angebracht, das vor Wölfen warnt. Haben wir auch noch nicht gesehen.
Nach dem feinen Break haben wir uns die Bergstraße Kurve um Kurve hinunter geschraubt, mit einer kleinen Unterbrechung – Ilse hatte eine Kröte zu retten 😊. Die ziemlich dicke Amphibie mühte sich schwer und gefährlich langsam über die Straße, also wurde sie von Ilse – unter Zuhilfenahme zweier Tannenzapfen – zurück in den Wald bugsiert. Hat der Kröte überhaupt nicht getaugt, aber wahrscheinlich das Leben gerettet. Denn keine Minute später kam schon ein Auto bergauf fahrend daher, wer weiß, ob der/die Fahrer*in auch angehalten hätte. Ohne weitere Krötensichtung sind wir dann wieder zum Schranken gekommen, haben am Automaten den 10er Maut bezahlt und unsere ziellose Vespa-Runde fortgesetzt. Die unbestechliche Tankanzeige unseres Mopeds meldet dann Benzinbedarf und damit gibt es für uns ein unvermutetes Ziel. Denn wir sind gerade an der Abzweigung nach Arriach und Himmelberg – da kennen wir eine Tankstelle, das geht sich mit dem Treibstoff locker aus. Und Gernot freut sich schon auf diese unglaublich lässige Strecke dorthin. Arriach, übrigens ist das der geographische Mittelpunkt Kärntens, besuchen wir dann gar nicht, sondern blatteln in Richtung Himmelberg. Dort gibt es dann das, vielleicht sogar einzigartige, Kuriosum von 12 (!) S-Kurven hintereinander, das ist der absolute Traum jeden Zweiradfahrers. Und während der ganzen Fahrt haben wir nie ein Fahrzeug vor oder hinter uns. Das Herz möcht‘ einem aufgehen …
Leider findet jeder Traum einmal sein Ende, in unserem Fall war das das Einbiegen in die Bundesstraße. Keine 100 Meter weiter kriegt unsere Prinzessin ihren heiß ersehnten Explosivstoff verpasst, die volle Ladung – mehr als fünf Liter Super rinnen in den kleinen 5-Liter-Tank. Auf der Bundesstraße schauen wir, dass wir kein allzu großer Bremsschuh für die Autofahrer sind und schwimmen mit einem 90er im Verkehr mit. Nach der Durchquerung bzw. Umfahrung von Feldkirchen liegt dann die letzte Etappe vor uns und nach dem Abzweig zum Ossiachersee sind wir dann eh wieder nahezu alleine auf der Uferstraße unterwegs. Immerhin 97 Kilometer weit waren wir heute unterwegs, da tut ein wenig Ruhe gut. Das indische Essen hat uns nachhaltig satt gemacht und es bedurfte zur Aufrechterhaltung unserer vegetativen Systeme nur einer kleinen Jause. Mit einem Pasch und einem Gute-Nacht-Bierchen haben wir diesen feinen Tag zu Ende gehen lassen.      
Freitag, 5. Juni 2026
Oh je, schon wieder von in der Früh an Regen. Kann man nichts machen, die gute Laune verdirbt uns das aber nicht. Der gute Kaffee hilft uns zusätzlich in den trüben Tag, so what? Während wir uns einen Vormittags-Pasch ausspielen, ruft Jasmin an und kündigt sich mit ihrem Michi zum Besuch an – um ca. 12 Uhr 15 im Restaurant „Berghof“. Wir machen den Pasch fertig und – ungelogen – genau eine Sekunde nach dem letzten Wurf ruft Jasmin an „Wir sind da“. Jetzt aber schnell rein ins „Ausgeh-Gewand“ und rüber in die gute Stube. Wir freuen uns alle sehr über unser Wiedersehen und haben in den folgenden zweieinhalb Stunden eine wirklich gute Zeit. Wir essen wieder ganz ausgezeichnet – Schnitzel, Burger, Schweinsmedaillons, quer durch die Speisekarte. Natürlich mit Nachspeise, mit lokalem Bier, gutem rotem Wein und Käffchen danach. Eine runde Sache und schon wieder ist der Versuch Ilses schief gegangen, eine Rechnung „heimlich“ zu übernehmen. Aber Jasmin hat, als Ilse aufgestanden ist, „den Braten schon gerochen“ und sich eine Einladung ausdrücklich verbeten. Im Gegenteil, sie werden heute uns einladen, sozusagen als Geschenk zu Ilses Geburtstag. Dankeschön ihr Lieben, das nehmen wir sehr gerne an. Wir werden uns übrigens bald einmal wiedersehen, denn sie übernehmen in den nächsten Wochen ihr neues „Hündchen“, das aus der Schweiz kommt. „Hündchen“ steht nicht zufällig unter Anführungszeichen, aber beim neuen Familienmitglied von Michi und Jasmin handelt es sich um eine Dogge. Und der Rüde wird mal seine knapp 80 Kilogramm wiegen 😊. Er heißt jetzt „Casanova“, Jasmin hat ihn so getauft – sein ursprünglicher Name wäre „Heinrich“ gewesen, Ilse hätte den für eine Deutsche Dogge besonders passend gefunden 😊. Wir sind nach dem Essen ins WoMo zurück und Gernot freute sich, dass es Ilse heute gelungen ist, dem Kellner ein Weizenbierglas abzuquatschen. Er hat bislang jedes Mal ein bisschen geklemmt, eh klar, er kann ja ohne sichtbaren Grund schlecht ein leeres Bierglas aus dem Regal nehmen, direkt neben dem Bar-Chef. Aber heute war wenig los, niemand hinter der Bar und zack – brachte er Ilse das ersehnte Weizenbierglas. Zwar waren wir auf dieser Reise bereits im Besitz von zweien solcher Gläser, aber eines war nur gegen Kaution ausgeliehen, das andere hat einen Geschirrspülvorgang nicht überlebt. Wurscht – jetzt haben wir wieder eines und sogleich hat Gernot seine drei noch vorrätigen Flaschen Weißbier eingekühlt 😊. Gegen Abend prasselte dann der Regen so richtig auf unser Häuschen nieder, als Ilse plötzlich auffuhr: „Jössas – unsere Schuhe!“ Tatsächlich standen unsere „guten Schuhe“ draußen im Freien, ein Paar links, das andere rechts vom Einstieg. Und das Unfassbare: Keiner der völlig ungeschützten Schuhe hat auch nur ein Tröpfchen Wasser abbekommen. Alle vollkommen trocken! Wir verbuchen das in die Kategorie „Wunder“ und gehen schlafen 😊.     
Samstag, 6. Juni 2026
Viele Höhepunkte werden wir diesem Samstag heute nicht herausreißen, das wissen wir schon kurz nach dem Aufstehen. Gernot darf sich danach mal wieder unserem Blog widmen und selbstredend paschen wir – und das nicht nur einmal. Was das Essen anbelangt, da haben wir natürlich zuerst an einen weiteren Besuch des Restaurants gedacht. Das haben wir aber rasch verworfen und sind stattdessen zum SPAR-Markt rüber gegangen, der sich direkt neben der Rezeption befindet. Dabei handelt es sich nicht etwa um einen kleinen Supermarkt, wie er auf Campingplätzen üblich ist, sondern um einen ausgewachsenen Shopping-Tempel. Mit vielen, vielen Angeboten speziell für Camper – plus dem ganzen sonstigen SPAR-Sortiment. Und sie haben dort eine „Warme Theke“, Ilse hat schon vor Tagen den besonders gutaussehenden Leberkäse entdeckt. Wir lassen uns drei Scheiben davon abschneiden und damit ist das Thema Essen für heute erledigt. An ein Nachmittagsschläfchen war heute mal wieder nicht zu denken, es vergehen nämlich keine zehn Minuten, in denen die zwei Pudel unserer Nachbarn nicht kläffen. Obwohl wir aus Erfahrung wissen, dass Hundebesitzer in der Regel mit völligem Unverständnis reagieren, wenn sich ruhesuchende Camper über das permanente Gekläffe ihrer Lieblinge beschweren, hat es Ilse trotzdem versucht. Natürlich war das komplett sinnlos, denn zuerst hat die Frau locker in Abrede gestellt, dass ihre Hunde überhaupt bellen und dann meinte sie, die Pudel würden ja eh nur zurückbellen, weil so viele andere Hunde am Platz sind. Ilses Einwand, dass wir keine anderen Hunde hören, wischte die Frau weg und wollte wieder ihre Ruhe haben. Also ist Ilse mal ausnahmsweise zur Rezeption marschiert und hat sich beschwert. Und siehe da – bald einmal bekamen die Holländer/Belgier einen Anruf und danach haben sie ihre Kläffer ins Wohnmobil verfrachtet und sind später überhaupt die allererste (!) Runde mit ihren Hunden spazieren gegangen – denn bislang verrichteten die beiden Köter ihre Geschäfte direkt hinter dem WoMo. Tja, genau solche „Hundeliebhaber“ finden sich immer mal wieder in unserer Nachbarschaft, kein Wunder, dass wir möglichst hundefreie Plätze anfahren. Was nicht so einfach ist, denn auch für Campingplatz-Betreiber gilt der alte Spruch: „Pecunia non olet“, also „Geld stinkt nicht“. Für die Hinterlassenschaften der Hunde gilt das nicht, aber lassen wir das. So wie es ausschaut, hat es sich jetzt einmal vorerst ausgeregnet, vielleicht fahren wir ja morgen noch einmal eine Runde mit der Vespa. Ist ja immerhin unser letzter Tag hier in Kärnten.   
Sonntag, 7. Juni 2026
Nach dem Guten-Morgen-Kaffee schreibt Gernot an unserem Blog weiter, Ilse ordnet ein wenig unsere Dinge, zum Beispiel wird unser Schmutzwäsche-Sack randvoll gefüllt und unsere Getränkevorräte in „Fahrt-Position“ gebracht. Das ist ein untrügliches Zeichen, dass sich unsere 134. WoMo Reise ihrem Ende nähert, auch wenn Kärnten nicht unsere letzte Station sein wird. Das Wetter ist so lala, theoretisch könnten wir eine Runde mit der Vespa wagen, es zieht uns aber nicht so richtig raus. Also machen wir uns einen gemütlichen Tag im WoMo und freuen uns unter anderem, dass uns erneut Frau Buchfink besucht. Die kennen wir auch erst seit kurzer Zeit, sie gleicht nämlich ihren männlichen Artgenossen sehr wenig, nur die Flügel sind ähnlich schwarz-weiß gestreift. In jedem Fall ist sie aber eine große Freundin unserer Kekse der Sorte „Grazer Ringe“ 😊. Irgendwann nachmittags legen wir dann die Vespa auf, wahrscheinlich wird unser Roller erst in Innsbruck wieder abgeladen – das regnerische Wetter hat ganz Österreich erfasst, es gibt nirgendwo trockene Flecken. Abends gehen wir dann ein letztes Mal ins Restaurant hinauf und speisen erwartungsgemäß gut. Ilse stillte ihren Hunger erfolgreich mit einem „Berghof-Burger mit Pommes“, Gernot hat sich für die „Spaghetti Aglio e Olio“ entschieden – eine sehr gute Wahl. Dazu wie immer gutes Bier und roten Wein, hier kann man wirklich hervorragend essen. In den Rezensionen wird übrigens ziemlich viel über die Preise im „Berghof“ gejammert, aber über solche Kritiken können wir als Tiroler nur milde lächeln, denn bei uns daheim langen die Gastwirte noch viel heftiger zu … Einen Burger mit Pommes um 29,90 Euro haben wir hier jedenfalls nicht gesehen, in Innsbruck ist so ein Preis mittlerweile Standard – Ilses „Berghof-Burger“ war übrigens um einen ganzen Zehner billiger. Nach dem Essen sind wir noch einmal zum Ufer des Ossiachersees spaziert, dort auf einen Steg hinausgegangen und haben einfach nur ins Wasser und in die Landschaft geschaut. Morgen geht’s für uns ins Salzburgerische, in diesem Bundesland haben wir auch noch nicht so oft gecampt. Wir freuen uns aber sehr drauf.     
Montag, 8. Juni 2026
An jedem Reisetag spulen wir seit Jahren dasselbe Programm ab, das ist längst reine Routine. Die Hauptarbeit des Zusammenräumens übernimmt traditionell Ilse, das Meiste davon erledigt sie während des Kaffeekochens. Gernot bleibt dann nur noch das Abstecken des Stroms und das Verstauen seiner persönlichen Dinge, die zuhauf im WoMo herumliegen. Bezahlt haben wir schon gestern, also brauchen wir nur noch unsere Klo-Kassette belüften und schon sind wir weg. Da war es 10 Uhr 10 und unser erster Weg führte uns zum BILLA, Leergut zurückgeben und etwas Reiseproviant kaufen – Croissants sind es geworden. Bei einer nahen Tankstelle kriegt unsere Schnecke noch schnell eine Ladung Diesel verpasst und gleich danach geht’s auf die Autobahn. Der Fahrtag und die Fahrzeit sind mal wieder ideal gewählt, denn ohne Probleme kommen wir schließlich auf die A10 Tauernautobahn. Auf der bleiben wir jetzt bis Bischofshofen und danach fahren wir auf der Bundesstraße weiter bis zu unserem Ziel Maishofen. So war der Plan und der Plan war gut. Aber – noch weit vor unserer geplanten Ausfahrt zeigte Google-Maps plötzlich einen massiven Stau an, das hat gar nicht gut ausgeschaut. Aber das kluge Navigationssystem errechnete uns sofort eine Alternativ-Route und „warf“ uns bei Flachau von der Autobahn runter. Trotzdem waren wir dann eine ganze Zeitlang in einer Blechkolonne gefangen, für den letzten Kilometer brauchten wir eine gute Viertelstunde. Aber danach ist es flott weitergegangen und das Navi hat uns dann über eine fesche Abkürzung nach St. Johann im Pongau geleitet. Und zwar über Wagrein, die kurvenreiche Straße führte uns mitten durch brachliegende Wintersportorte, deren Namen wir schon tausendmal gehört haben. 
In der kalten Jahreszeit steppt hier natürlich der berühmte Bär, heute war logischerweise gar nix los. Gleich einmal nach St. Johann haben wir uns dann wieder ausgekannt, den Weg von Schwarzach/St. Veit nach Zell am See sind wir schon oft gefahren. Unser Ziel ist wie gesagt Maishofen, Ilse hat uns bereits vor ein, zwei Tagen am „Campingplatz Neunbrunnen“ angekündigt. Den Platz finden wir selbstverständlich auf Anhieb, allerdings sind wir gut 20 Minuten zu früh dran. Ilse geht mal die Lage peilen, Gernot „bewacht“ derweil unsere Schnecke. Wir sind gar nicht die ersten Wartenden, vor uns steht ein Wohnwagen-Gespann aus den Niederlanden. Unnötig zu erwähnen, dass Ilse das Check-in dann mal wieder als erste erledigt hat, selbstredend hat sie sich den Holländern NICHT vorgedrängt – das würde Ilse nie machen. Es hat sich halt so ergeben. Gernot musste dann unseren dicken Nasenbären zentimetergenau am Wohnwagen vorbeimanövrieren – und es wäre sich nicht ausgegangen, hätte Ilse nicht ein paar Pfosten des Elektrozaunes einige Zentimeter nach hinten versetzt
😊. Wir sind dann auf unseren Platz zugefahren und haben abgestellt.   
Der erste Eindruck des Campingplatzes ist ein guter, das Waschhaus ist groß und sauber, einen Badeteich gibt es auch. Den besuchen wir dann gleich und sind richtiggehend entsetzt, von wie vielen Kaulquappen der kleine See besetzt ist. Die dichten, schwarzen Schwärme befinden sich an jedem einzelnen Zentimeter des gesamten Ufers und reichen teils meterweit in den See hinein. Das müssen ja hunderttausende Kaulquappen sein, in so einer irrsinnigen Menge haben wir das auf so kleinem Raum noch nie zuvor gesehen … Dementsprechend schlecht geht es den großen Fischen im Teich, denn es besteht eindeutig eine Unterversorgung mit Sauerstoff. Und so liegen die, längst träge gewordenen, Fische ganz knapp unter der Oberfläche im Wasser, der liebe Julius würde einen nach dem anderen mit dem Kescher herausholen
😊. Das Wetter meint es heute prinzipiell gut mit uns, wir können sogar im Freien einen Pasch machen. Und nicht nur das – wir müssen laufend aus der Sonne in den Schatten flüchten, denn die Juni-Sonne kann schon was …
Schließlich wird es Zeit zum Abendessen – wir sind schon ganz gespannt. Denn zum ersten Mal auf einem Campingplatz werden wir heute ein „All-you-can-eat-Buffett“ genießen, hat uns 29 Euro 80 je hungriger Nase gekostet – Bier und Weine inklusive. Ab 17 Uhr 30 geht’s los und um nicht in den Verdacht maßloser Gier zu geraten, sind wir erst um 17 Uhr 45 angetanzt. Aber dann! Eine überaus nette Kellnerin gibt uns „Buffett-Neulingen“ eine kurze Einführung in die bevorstehende Fress-Orgie und zeigt uns, was wo zu finden ist. Die Auswahl der Speisen ist wunderbar reichhaltig – Bratkartoffel, Basmati-Reis, Gemüse, Wiener Schnitzel, Chicken-Nuggets, gegrilltes Gemüse, Lasagne, Spaghetti, Pizza und, und, und. Das geilste „und“ war dann für Gernot das „Geschnetzelte in Champignon-Rahmsauce“, mit dem hat er den Reigen eröffnet, natürlich mit Reis als Beilage. Ilse hat sich zuerst dem Gebackenem gewidmet und dazu, neben Pommes und Bratkartoffel, noch einen Serviettenknödel mit Pilzrahmsauce genossen. Und so ist es dann weit über drei Stunden (!) lang weitergegangen. Gernot hat sich noch zwei Teller vom Geschnetzelten geholt, wenn auch deutlich kleinere Portionen. Aber dafür aufgefettet mit einigen Chicken-Nuggets und viel gegrilltem Gemüse. Dazu hat Ilse laufend für Nachschub an frischem Bier vom Fass gesorgt, sie kann halt einfach besser den Zapfhahn bedienen als Gernot
😊. Ilse selbst hatte die furchtbare Qual der Wahl, aus den 16 (!) angebotenen Weinen den richtigen für sich auswählen. Geworden ist es schließlich ein edler, roter Tropfen aus Apulien, bis die Pulle halt leer war 😊. Nachspeisen hat es natürlich auch zuhauf gegeben, Gernot hat sie alle am Teller gehabt, manche davon mehrmals.

Und dazu mehrere „Doppio“, auch den Kaffee konnte man sich selber zapfen, das hat Gernot immerhin hingekriegt. Während des Gelages haben wir uns immer wieder mal mit der total netten Kellnerin unterhalten und so Sarah Moser auch persönlich kennengelernt. Sie ist eine Pferde-Närrin wie Ilse, das allein war ja schon Gesprächsstoff genug. Sie hat dann von Gernot noch das Taxler-Buch geschenkt bekommen und sich sehr darüber gefreut. Wer weiß, vielleicht trifft man sich ja nochmal, ihre Visitenkarte haben wir ja. Vollkommen gesättigt und leicht angeheitert sind wir nach 21 Uhr ins WoMo zurückgeschlurft und haben es mit letzter Kraft in unsere Betten geschafft. Uff – All-you-can-it ist eine echte Prüfung in Sachen Selbstbeherrschung für uns, noch dazu, wenn alles so gut schmeckt. Aber wir werden uns dieser Prüfung gleich noch einmal stellen, denn natürlich gehen wir morgen wieder hin. Und wir werden beim Thema Selbstbeherrschung erneut dramatisch versagen und am Buffett wieder kräftig zuschlagen. Mal schauen, was es morgen gibt, die Auswahl der Speisen wechselt ja laufend. Wie auch das Personal, Sarah werden wir morgen nicht mehr sehen, sie hat erst wieder in ein paar Tagen Dienst …   
  
Dienstag, 9. Juni 2026
Es mag komisch klingen, aber irgendwie checken wir nur nebenbei, dass das heute unser letzter Camping-Tag dieser Reise sein wird. Passt wunderbar, wir freuen uns jetzt eh aufs Heimkommen. Denn – als gelte es, einen uralten Kalauer zu bestätigen – haben wir in den kommenden Tagen und Wochen als Pensionisten (!), derart viele Termine, dass Ilse auf ihrem Kalender kaum mehr Platz für weitere mehr hat. Auch das gibt’s 😊. Aber zurück nach Maishofen: Der Tag beginnt mit zaghaftem Sonnenschein, das lässt uns wenigstens fein frühstücken. Weniger fein wurde es dann, als Gernot das Wohnwagen-Nummernschild eines deutschen Dauercampers sah: LAU-HJ-18. Natürlich ist das kein offizielles Kennzeichen, denn diese Kombination würde niemals zugelassen werden. Steht doch das HJ für Hitler-Jugend und die 18 sind die Buchstaben 1 für A und 8 für H, also die Initialen von Adolf Hitler. So ein Zufall aber auch! Diese Provokation geht natürlich gar nicht, also ist Gernot zur Rezeption gegangen. Die an sich nette Angestellte hat Gernots dann nicht wirklich ernst genommen und wollte die Sache weglächeln. Gernot hat nicht gelächelt und gemeint: „Als Antifaschist lasse ich mir das in Österreich nicht bieten. Ich gebe Ihnen Zeit bis 12 Uhr Mittag, dann ist die Nummerntafel weg. Ansonsten ist eine Viertelstunde später die Polizei und der Staatschutz am Platz. Denn diese Tafel verstößt gegen das ‚Verbotsgesetz‘ und wird vor einem Schwurgericht verhandelt. Schönen Tag noch.“ Es hat dann keine halbe Stunde lang gedauert und der Chef persönlich ist bei unserem Nachbarn vorbeigekommen. Nach kurzer Erklärung der österreichischen Gesetzeslage, war die Nummer dann ruck-zuck abgeschraubt – passt. Übrigens, wie zu erwarten war, gab sich der Camper völlig ahnungslos – er würde Hans heißen und das J steht für seine treue Jutta. Tja und die 18? Die steht für 2018, das erste Jahr, wo wir hier gecampt haben. Bruhaha! Typisch, zuerst dumm provozieren und dann feig den Schwanz einziehen. Wie auch immer, die Tafel ist weg und wir konnten uns wieder den banalen Dingen des Alltags widmen. Zum Beispiel einem Pasch und einem langen Mittagsschläfchen. Ab 13 Uhr hat es dann angefangen zu regnen und bald war uns klar, dass wir heute nicht im Freien dinieren können. Wurscht – drinnen ist es eh auch nett und es wurde auch nett. Die Menüauswahl hat sich tatsächlich geändert, aber zu Gernots großer Freude war wieder ein Geschnetzeltes mit Pilzen mit dabei. Und Schnitzelchen, Hühner-Nuggets, buntes Gemüse – man kann gar nicht alles aufzählen. Auch bei den Nachspeisen gab es neue Variationen – Gernot hat danach gemeint, dass alle vier sehr gut geschmeckt haben 😊. Ilse hat sich ebenfalls lustvoll durch das üppige Angebot durchgefuttert, dazu gabs natürlich wieder reichlich Bier und Wein.
Abschließend können wir sagen, dass uns ein warmes Buffett wie hier sehr anspricht und wir hoffen, dass wir das wieder einmal wo angeboten kriegen. Im WoMo haben wir dann noch eine ganze Zeit lang über eines unserer nächsten Reiseziele geplaudert – so wie es momentan ausschaut, werden wir unsere große Italien-Reise im Herbst auf Elba beginnen. Natürlich werden nicht direkt hinfahren, sondern nach einer Zwischenstation in Mugello. Aber das ist noch Zukunftsmusik, jetzt fahren wir erstmal nach Hause zurück und arbeiten unsere Termine ab. Obwohl die meisten davon nichts mit Arbeit zu tun haben, aber das nur nebenbei …    
 
Mittwoch, 10. Juni 2026
Über die Heimfahrt ist nicht wirklich viel zu berichten, erwähnenswert ist höchstens, dass es die ganze Zeit über nur geregnet hat. Die Strecke sind wir schon x-mal gefahren, sie beträgt nicht einmal 200 Kilometer und dementsprechend haben wir – übrigens ohne eine einzige Pause – gerade Mal zweieinhalb Stunden dafür gebraucht. Die Vespa bleibt vorerst auf ihrem Träger, bei strömenden Regen wollen wir sie nicht abladen. Der Plan, dass wir bei unserer Rückkehr bereits die neuerrichten Balkone vorfinden, ist nicht aufgegangen. Aber die Holzbalkone sind längst abgerissen und bereits morgen beginnen bei uns die Malerarbeiten, in zwei Wochen sollten wir die neuen Balkone haben. Wann wir wieder mit dem WoMo wegfahren? Tja, das wissen wir noch gar nicht, das lassen wir locker auf uns zukommen …      Ach ja, auf unserer 134. Reise sind wir mit dem WoMo 2.027km unterwegs gewesen und mit der Vespa 470km.