Montag, 26. September 2016

61. WoMo-Fahrt "wahrscheinlich endgültig abcampen"

23. September bis 26. September 2016
Vill-Innsbruck-Zirl-Kesselberg-Innsbruck - 158km

Freitag, 23. September 2016
Als wir vor zwei Wochen nach unserer 60. WoMo-Reise unser treues Häuschen zurück in seine Garage brachten, hätte das ohne weiteres die letzte Fahrt für heuer sein können. Hätte! Denn das Wetter versprach an diesem Wochenende so schön zu werden, dass wir Schneckchen noch einmal ans Tageslicht beförderten.
Ilse hatte am Freitag noch bis 13:15 Unterricht zu halten, also ist sie von Gernot mit dem reisefertigen WoMo direkt vom Schulhaus abgeholt worden. Unser Ziel war klar – noch einmal zum Kesselberg, noch einmal raus zu Gitti und Luis an den Kochelsee. Wir haben auch ein kleines Geschenk mit – Gernot hat ja bereits angekündigt, dass er einmal eine „Ode an die Haxe“ schreiben würde, um die außergewöhnliche Grill-Kunst von Luis entsprechend zu würdigen. Im Laufe der vergangenen Woche hat Gernot seine Ankündigung in die Tat umgesetzt, wir haben die „Ode an die Haxe“ ausgedruckt und gerahmt, sie hängt jetzt in der Grillhütte vom Luis.
...wenn ihr riechen könntet  hmmmmmm

Ode an die Haxe
  
Entschuldige, Du liebes Schwein,
aber man musste Dich erschießen.
Denn lebend, ich hoffe Du siehst das ein,
kann ich Dich nicht genießen.

Ich mag fast jedes Teil von Dir,
am wenigsten noch die Flachsen.
Und am allerbesten schmecken mir,
Deine knusprig gegrillten Haxen.

Stundenlang wirst Du gebraten
und um die eigene Achse gedreht.
Nur dann kannst Du so gut geraten,
dass mir Hören und Sehen vergeht.

Natürlich braucht es auch einen Meister,
der Dich gekonnt grillt, aber auch schonend.
Am Kesselberg gibt’s den, Luis Perkmann heißt er,
ein Besuch dort ist wirklich lohnend.

So gut wie der Luis grillt wirklich keiner,
das braucht man selber gar nicht probieren.
Und nach dem Essen fragt sich mancher einer:
Wie lang muss man dafür trainieren?

Und liegst Du Haxe vor mir auf dem Teller,
mit Deinen knusprig gebratenen Schwarten,
dann schlägt mein Gourmet-Herz höher und schneller
und ich will nicht mehr länger warten.

Es klingt fast wie eine Explosion,
wenn ich Deine Schwarte durchtrenne,
für mich ist dieser krachende Ton,
einer der schönsten, den ich kenne.
  
Und sofort erfüllst Du den ganzen Raum,
mit Deinem so herrlichen Duft.
Deine Röst-Aromen sind wirklich ein Traum
und liegen noch lang in der Luft.

Kaum hab ich den ersten Bissen im Mund,
nimmt Dein Geschmack mich voll in Beschlag.
Und das ist sicherlich auch der Grund,
warum ich Dich Haxe so mag.

Dein Fleisch, liebe Haxe, ist derart zart,
das lässt sich nur ganz schwer beschreiben.
Das fiele sogar dem Herrn Goethe hart,
darum lass ich es besser bleiben.

Haxe, Du bist kalorienreich,
das weiß jeder, der auf Dich steht.
Und deshalb sag ich es lieber gleich:
Du eignest Dich nicht als Diät.

Dich Haxe genießen, ist ein Gedicht
doch Du bist Alptraum für jeden Veganer.
Es isst Dich auch der Vegetarier nicht
und schon gar nicht der Mohammedaner.

Die wissen wohl nicht, was ihnen entgeht,
aber zum Genuss kann man niemanden zwingen.
Und wer sich als Hauptmahlzeit Schwarzwurzeln brät,
lässt sich nie eine Schweins-Haxe bringen.

Doch ich will weiter Dein Liebhaber sein,
werde die Lust auf Dich niemals verlieren.
Danke noch mal, Du liebes Schwein,
leider kann ich mich nicht revanchieren.

Unsere Lieblings-Campingplatz-Betreiber haben sich über unser Mitbringsel gefreut, das ist die Hauptsache.
Kaum hatten wir uns am Campingplatz häuslich eingerichtet, mussten wir schon wieder umparken, denn ausgerechnet unser Platz war reserviert. Kein Problem, wir mussten ja nur das Stromkabel abstecken, die Fenster schließen und ein paar Mal reversieren.
An diesem Wochenende sind wir wieder mal direkt zum See runter gefahren, sonst stehen wir lieber in der Nähe des Sanitärhauses, das erspart uns weite Wege.
Gleich einmal nach unserer Ankunft haben wir einen gemütlichen Pasch gemacht und uns danach ein wenig niedergelegt. Das Wetter ist schön, die Sonne scheint, von Sommerhitze ist aber natürlich nichts mehr zu spüren – ist ja auch schon Herbst.
Am Abend sind wir dann essen gegangen, Ilse ist an den Schinkennudeln  nicht vorbeigekommen, Gernot hat sich ein Cordon Bleu einverleibt. Beides sehr gut. Übrigens wird es morgen nicht – wie am Samstag üblich – Hendl und Haxe geben, Luis hat die Grillsaison für dieses Jahr beendet, es sind einfach zu wenige Gäste am Platz. Wurscht – die Speisekarte gibt auch sonst noch genug her.
Nach einem kleinen Verdauungsspaziergang über den Platz sind wir dann ins Häuschen zurück, haben gequatscht, Musik gehört und natürlich später noch einen Pasch ausgespielt. Die Nacht verspricht einigermaßen frisch zu werden, im Radio reden sie von ca. 8 Grad Frühtemperatur. Uns kann’s egal sein, mit unserer Heizung sind wir auf der sicheren Seite.

Samstag, 24. September 2016
Tatsächlich ist die Temperatur in der Nacht auf 8 Grad abgesackt, wenigstens 8 Grad Plus. Gleich nach dem ersten Aufwachen hat Ilse die Heizung aufgedreht und binnen kürzester Zeit hatten wir im Schneckchen mollige 23 Grad. Fein!
Draußen ist es total neblig, man sieht keine 50 Meter, trotzdem lässt sich schon erahnen, dass das auch heute ein schöner Tag werden wird. Frühstück nehmen wir immer im Restaurant zu uns und danach sind wir erst mal zurück ins warme Häuschen.
Im Lauf des Vormittags haben sich dann auch die letzten Nebelschwaden verzogen und die Sonne strahlte ungetrübt vom Himmel. Das nutzten wir für einen kleinen Spaziergang – wir haben ein wenig den Kletterern zugeschaut und sind mindestens 800 Meter zu Fuß gegangen. Chapeau!
Nach einem Vormittags-Pasch haben wir uns dann wieder ins Restaurant verfügt, Ilse hat sich Bratkartoffeln mit Spiegeleiern bestellt und Gernot hat dem Seelachs in der Kartoffel-Panade den Vorzug gegeben. Wieder ausgezeichnet – doch beim Servieren merkten wir überdeutlich, dass vor allem Luis endgültig urlaubsreif ist – denn er legte Ilse das Besteck gleich doppelt auf. Aber Gitti und Luis haben es für heuer bald geschafft, knapp drei Wochen noch und dann können die beiden wieder eine Zeit lang durchschnaufen.
Den Nachmittag verbrachten wir gemütlich im WoMo, wir haben Radio gehört, gespielt und uns dann wie üblich ein wenig niedergelegt. Campen darf ruhig auch einmal erholsam sein, man muss der Welt nicht jeden Tag mit Gewalt einen Haxen ausreißen, wie man so sagt…
Dann war eh schon wieder Zeit zum Abendessen – heute ist der Luis der Küchenchef, quasi der „Maestro della Cucina“, denn Köchin Elisabetta hat bereits die Heimreise in Richtung Polen angetreten. Gernot hat sich die Menüwahl heute einfach gemacht und auch am Abend den Seelachs gegessen, Ilse hat sich mit einer Currywurst zufrieden gegeben.
Dann sind wir ins WoMo zurück, erst mal das Essen ein wenig sacken lassen. Direkt neben uns hat sich im Laufe des Abends dann eine Gruppe VW-Bus-Camper formiert, alles Allrad-Fahrzeuge. Sie haben sich schnell eine Art „Wagenburg“ eingerichtet und dann ist es ziemlich hoch hergegangen – mit Bier, Wein und Lagerfeuer.
Prinzipiell haben wir allergrößtes Verständnis für feierwillige Camper, sozialer Lärm stört uns praktisch nie, lautes Lachen finden wir höchstens ansteckend. Was bei VW-Bus-Campern aber zum veritablen Alptraum werden kann, sind die Schiebetüren ihrer Fahrzeuge. Luis hat das mal so auf den Punkt gebracht: „Für mich hört es sich immer so an, als hätte jeder VW-Bus 50 Schiebetüren.“ Vor allem natürlich deshalb, weil VW-Bus-Camper die Angewohnheit haben, diese Schiebetüren alle paar Minuten zu öffnen und unmittelbar danach wieder mit dem bekannten Geräusch ins Schloss fallen zu lassen. Drei VW-Busse mit 50 Schiebetüren, das ergibt 150 Möglichkeiten, sich dieses ätzende Geräusch unzählige Male am Tag anzuhören.
Und so war es dann auch – bis knapp vor Mitternacht vergingen nie zehn Minuten, in denen KEINE Schiebetür zugeworfen wurde – echt nervig. Dazu kommt noch das Lagerfeuer am Platz – jedes Fahrzeug hier hat Flüssiggas an Bord, da wirkt heftiger Funkenflug nicht sehr beruhigend. Wie auch immer – kurz vor 24 Uhr ist Luis dann angeradelt gekommen und hat dem Spuk – höflich aber bestimmt – ein jähes Ende bereitet. Brav!
So konnten wir dann endlich unseren Schlaf finden und eine ruhige Nacht verbringen.

Sonntag, 25. September 2016
 Heute ist es weit weniger neblig als gestern, schon ab 9 Uhr scheint die Sonne vom Himmel. Wir starten in diesen schönen Tag mit einem Frühstück im Restaurant – das wird für heuer mit Sicherheit unser letzter Tag am Campingplatz Kesselberg sein. Wir plaudern ausgiebig mit Gitti und Luis, es ist wie gesagt nicht mehr allzu viel los am Platz, also haben die beiden ein wenig mehr Zeit, um sich zu unterhalten.
Später kommt dann noch die Polizei auf den Platz, sie suchen einen französischen Camper, der mit seinem WoMo einen Unfall gehabt und Fahrerflucht begangen hat. Sie finden ihn aber nicht, also ziehen sie unverrichteter Dinge wieder ab.
Wir verbringen unsere letzten Stunden mit einem Pasch, räumen danach unser Häuschen zusammen und ziemlich genau um 12 Uhr rauschen wir ab.
Die Fahrt zurück nach Innsbruck ist reine Routine, wir sind diesen Weg mehr als dreißig Mal gefahren, da kann uns nichts mehr wirklich überraschen. Der Verkehr ist vor allem in Richtung Deutschland ziemlich stark, wir haben hingegen keinerlei Probleme und fahren ohne jeden Stau nach Hause.
Als wir unser Schneckchen in seiner Garage parken, wissen wir immer noch nicht, ob das jetzt für heuer die letzte Fahrt gewesen ist. In knapp zwei Wochen ist in Hard/Vorarlberg ein Konzert, das wir uns anschauen werden. Und wenn das Wetter passt, dann fahren wir mit dem WoMo raus – mal sehen. Noch schaut der Wetterbericht relativ gut aus, aber für zwei Wochen im Voraus gibt’s natürlich keine sicheren Prognosen…

Sonntag, 11. September 2016

60. WoMo-Fahrt "vielleicht abcampen"

9.9. bis 11.9.2016 - 157km
Langsam aber sicher geht für uns die WoMo Saison 2016 zu Ende, heuer sind wir so oft weggefahren, wie noch in keinem Jahr vorher –  alles mit eingerechnet, waren wir wohl über ein Dutzend Mal weg. Noch ist Schneckchen aber nicht endgültig eingewintert, dafür ist das Wetter einfach viel zu schön. Also noch mal raus zum Kochelsee, Gitti und Luis einen letzten Besuch 2016 abstatten. Insgesamt wird das unsere 60. WoMo Fahrt werden, ein schönes Jubiläum. Ob es die letzte Fahrt für heuer wird? Wir wissen es noch nicht, mal schauen…
 

Freitag, 9. September 2016
Für Ilse sind die Ferien vorbei, seit Montag ist sie wieder jeden Tag an ihrer Schule. Von dort wird sie Freitag kurz nach Mittag von Gernot abgeholt – natürlich mit reisefertigem Wohnmobil. Wobei – reisefertig ist unser Häuschen während der Saison sowieso immer, es gilt halt Getränke zu kaufen und eventuell frische Wäsche einzupacken. Zum Kesselberg nehmen wir nicht einmal Milch mit, weil wir uns dort nie einen Kaffee kochen, wir gehen immer zu Gitti und Luis frühstücken.
Tanken müssen wir auch nicht, wir haben noch einiges an Diesel vom Gardasee im Tank, für die hin und retour 160 Kilometer reicht’s allemal.
Heute müssen wir unserem WoMo am Zirlerberg nicht mal eine Pause gönnen und fahren die steile Straße in einem Stück durch. Es herrscht ordentlich Verkehr, wir werden aber nicht aufgehalten. Und so rollen wir schon eine knappe Stunde später am Campingplatz Kesselberg vor und werden wie immer herzlich begrüßt.
Wir suchen uns einen Platz, kein Problem, es ist nicht mehr Hochsaison. Schnell sind wir eingerichtet, heute brauchen wir nicht mal die Kabeltrommel zum Einsatz bringen – wir stehen so nah am Stromkasten, dass unser Ersatzkabel mit seinen 10 Metern Länge ausreicht.
Weil wir noch nichts gegessen haben, setzen wir uns ins Restaurant und lassen uns Rührei mit Schinken (Ilse) und Schweizer Salat (Gernot) schmecken. Und wir reservieren zeitgerecht für den morgigen Grillabend ein halbes Hendl und eine Schweine-Haxe.
Dann geben wir uns wieder für eineinhalb Stunden unserem Lieblingsspiel hin und machen einen lässigen Pasch. Danach ist eine kleine Siesta angesagt – Nichtstun kann nicht schaden.
Wir schlunzen bis in den frühen Abend hinein und gehen dann die paar Schritte ins Restaurant. Gernot freut sich wieder über den Seelachs in der Kartoffelpanade, Ilse bestellt sich Reibertatschi (Kartoffel-Puffer) mit Salat. Sehr gut wieder alles zusammen, bei Gitti, Luis und vor allem bei Köchin Elisabetta gibt es wirklich nie etwas auszusetzen, in all den Jahren nicht.
Schön abgefüllt begeben wir uns zurück ins WoMo, spielen uns noch einen Pasch aus und haben eine feine Zeit. So soll’s sein…

Samstag, 10. September 2016 
Wir wissen längst, dass wir am Campingplatz Kesselberg immer besonders gut schlafen und so war es auch in dieser Nacht. Muss an der guten Luft liegen oder an der Ruhe. Obwohl, untertags kann es ganz schön laut werden, denn der Kesselberg ist mit seinen zahlreichen Kurven ein wahres El Dorado für Motorradfahrer, die ihre Maschinen lautstark über den Asphalt heizen. Uns stört das gar nicht, hört sich schon geil an, wenn die ihre Motoren hochdrehen. Dabei ist eigentlich Fahrverbot für Motorräder am Wochenende, das dürfte aber – der Geräuschkulisse nach zu urteilen – nicht sonderlich streng überwacht werden.
Nach einem feinen Frühstück haben wir unseren Blog ein wenig bearbeitet, einige Einträge mussten noch Korrektur gelesen werden. Am frühen Nachmittag hat sich dann ein dezentes Hüngerchen gemeldet und wir sind erneut ins Restaurant gegangen. Ilse hat sich Weißwürste und eine Breze bestellt und genossen, Gernot hat mit seinen Spaghetti Bolognese ebenfalls einen guten Griff getan.
Anschließend sind wir zum WoMo zurück, Ilse hat ein bisschen was für die Schule vorbereitet, Gernot hat am Computer gearbeitet. Aber nicht lange – denn dann haben wir wieder einen Pasch gemacht. Danach noch eine kleine Mütze voll Schlaf genossen, dann war es eh schon an der Zeit, wieder ins Restaurant zu gehen. Am Kesselberg entwickeln wir uns regelmäßig zu richtigen Fresssäcken, sonst gehen wir praktisch nie irgendwo zwei Mal täglich essen.
Das wunderbar zarte Grillhendl und die sagenhafte Schweins-Haxe sind eh schon genug gelobt worden, Gernot wird vielleicht einmal eine „Ode an die Haxe“ reimen… Besser grillen kann man nicht mehr, wenn die Hendln und Haxen serviert werden, ist es im Restaurant beinahe andächtig still und es ist höchstens das Klappern von Besteck zu vernehmen. Luis geht die ganze Zeit mit einem breiten Grinsen im Gesicht durch sein Lokal, wird pausenlos für seine Grillkünste gelobt, das taugt ihm natürlich. Mit Recht!
Wirklich bis zum Anschlag angefüllt – es hätte nicht mal mehr ein Pfefferminz-Blättchen Platz gehabt – sind wir in unser Häuschen gegangen und haben uns noch einen feinen Abend gemacht. Leicht möglich, dass wir heute das letzte Mal für dieses Jahr im WoMo schlafen werden, das wäre auch o.k.
Am Abend ist dann plötzlich starker Wind aufgekommen, offenbar ein Föhnsturm, denn ab 21 Uhr ist die Außentemperatur noch einmal von 19 auf 21 Grad angestiegen. Der Wind hat dann die ganze Nacht über nicht nachgelassen, geregnet hat es aber nicht. So haben wir uns vom Sturm in den Schlaf wehen lassen, unser Häuschen hat teilweise stark geschwankt, ganz so, als wären wir damit auf offener See unterwegs. Gott bewahre!

Sonntag 11. September 2016
Ein guter Tag beginnt mit einem guten Frühstück, also beginnen am Campingplatz Kesselberg alle Tage gut. Gestern haben uns Gitti und Luis einen Einblick in ihre beeindruckende Familiengeschichte gegeben und das hat uns die lieben Perkmanns noch näher gebracht – Gitti und Luis sind uns echte Freunde geworden. Wir werden auch heuer wieder gemeinsam auf den Tommele Hof nach Südtirol zum Törggelen fahren und wir freuen uns alle schon sehr darauf. Es wird wohl der 30. Oktober werden, wahrscheinlich werden Nadja und Christian auch wieder mitkommen – das Törggelen am Tommele Hof ist ja fast schon so was wie Zimmermannsche Familientradition, einige Jahre lang machen wir das nun schon hintereinander.
Nach dem Frühstück sind wir mit einer Semmel von gestern zum See runter gegangen, um das Stück Brot noch sinnvoll zu verwerten. Eine einzelne Ente war zu sehen, die ist dann gleich direkt zu uns hergeschwommen und hat sich alleine die ganze Semmel einverleibt. Das wird sie wohl gut über den Tag gebracht haben…
Nach einem gepflegten Vormittags-Pasch haben wir dann routiniert unser WoMo reisefertig gemacht – zack den Strom abgesteckt, zack, Umarmungen mit Gitti, Luis und Elisabetta und zack, weg waren wir. Die weniger als 80 Kilometer nach Innsbruck findet unser WoMo nun schon fast von allein, ab Zirl mussten wir dann auf die Bundesstraße ausweichen, denn unsere 2-Monats-Vignette für die Autobahn ist abgelaufen. So konnten wir noch in Kematen bei der Großbäckerei Ruetz vorbeifahren und uns mit frischem Brot eindecken.
Kurz vor der Garage unseres Häuschens haben wir dann noch unseren Frischwassertank abgelassen, wer weiß, ob wir heuer noch einmal wegfahren.
Mit ein bisschen Wehmut haben wir unser treues WoMo dann in seinem Quartier zurückgelassen – gut möglich, dass es jetzt sechs, sieben Monate Winterschlaf vor sich hat. Wir werden sehen…

 

Sonntag, 4. September 2016

59. WoMo-Fahrt "Noch einmal ans Meer der Tiroler""

Innsbruck-Gardasee-Innsbruck
o1.o9. bis o4.o9.2016 - 595km

Nach unserer Rückkehr aus Holland haben wir Schneckchen zurück in seine Garage gebracht, die Vespa haben wir gar nicht erst abgeladen, denn es wird sehr bald wieder weitergehen.
Zuvor haben wir einige wichtige Dinge zu erledigen, dafür brauchen wir ein paar Tage. Außerdem kommen Nadja und Christian von ihrem Urlaub in Portugal/Spanien zurück und wir werden sie am Flughafen Innsbruck abholen. So war es dann auch – den beiden geht’s prächtig, die drei Wochen Urlaub haben ihnen gut getan und alles gegeben, was sie sich davon erwartet haben – so soll’s sein...
Kaum waren Nadja und Christian wieder daheim in ihrer Wohnung, sind wir schnurstracks und direkt zu unserem WoMo gedüst und haben es aus seiner Scheune geholt. Morgen geht’s wieder auf Fahrt – wir werden zum Gardasee runter cruisen, dem „Meer der Tiroler“.
 
Donnerstag, 1. September 2016
Wenn es unter der Woche in Richtung Italien geht, dann versuchen wir immer so früh als möglich loszufahren, um dem Berufsverkehr auszuweichen. Heute ist das gut gelungen, knapp nach 6 Uhr morgens tankten wir unser Häuschen voll (wieder einmal unter 10 Liter/100 km verbraucht!) und dann rauf auf die Brenner-Autobahn.
Unser Plan mit dem Berufsverkehr ist aufgegangen, ohne Verzögerung sind wir den Brenner raufgefahren. Es herbstelt schon kräftig, das zeigte uns das Thermometer am Brennersee, von dem +12 Grad leuchteten. Wenigstens noch Plusgrade… 
Nahezu mit jedem Höhenmeter, den wir Richtung Sterzing hinunterfuhren, wurde es wärmer und wärmer im Häuschen und spätestens bei Bozen hatte uns der Sommer wieder.
Heute haben wir tatsächlich ein Ziel, eigentlich eine Seltenheit. Wir werden nach Padenghe sul Garda fahren und dort den Campingplatz „La Ca“ ansteuern. Da waren wir schon drei Mal und der Ort ist ideal, um die Gegend rund um den Gardasee zu erkunden. Padenghe sul Garda liegt etwa 15 Kilometer von Salo und in südlicher Richtung gut 10 Kilometer von Desenzano entfernt.
Beim „La Ca“ angekommen, haben wir aus mehreren Angeboten unseren Platz ausgesucht – und eine gute Wahl getroffen. Wir haben ausreichend Schatten, auch weil wir uns dank Ilses Weitblick ausnahmsweise ganz schräg in unsere Parzelle gestellt haben. Jetzt können wir ab der heißen Mittagszeit den Schatten unseres WoMos nutzen, sehr fein.
Schnell war die Vespa vom Träger geholt, heute ist sie mal wieder fast von selber runter gerollt. Gleich noch Tisch, Stühle und Sonnenliegen aufgestellt – dann starteten wir mit unserem Rollerchen schon zu einer erste Ausfahrt.
Das Wetter ist herrlich, es wird gut und gern 35 Grad haben, auf unserer Vespa spüren wir davon wenig. In Italien auf dem Roller unterwegs zu sein, ist immer wieder ein Traum, Staus kosten uns nur ein Lächeln, in den allermeisten Fällen wird sofort wahlweise links oder rechts Platz gemacht, wenn wir uns von hinten annähern. Natürlich gibt es auch die Neid-Fraktion unter den Autofahrern, die es nicht ertragen können, dass sie in der Blechkiste schwitzen müssen, während die Mopeds und Motorräder links und rechts an ihnen vorbeiflitzen. Diese Neider ziehen dann doch tatsächlich ihre Karren in unsere Fahrtrichtung… Weil wir aber prinzipiell immer mit solchen Deppen rechnen, kommt es nie zu gefährlichen Situationen – vorbei kommen wir ja sowieso irgendwie immer.
Wir lassen uns den Fahrtwind kräftig um unsere Nasen wehen, fahren auch mal von der Hauptstraße ab und sehen uns abseits ein wenig um. Der Gardasee ist wirklich ein Paradies für Touristen, der größte See Italiens hat sich ganz und gar dem Fremdenverkehr verschrieben und das seit vielen Jahrzehnten. Trotzdem hat man weitgehend auf den Bau von klotzigen Hotel-Betonburgen verzichtet, so ist noch viel vom italienischen Flair geblieben. Überhaupt ist der Gardasee ein El Dorado für Camper – fast nirgendwo ist die Dichte an Campingplätzen höher als hier, manchmal liegen gleich mehrere Plätze direkt nebeneinander. So auch bei unserem Stellplatz – vom Nachbar-Campingplatz sind wir nur durch einen Maschendrahtzaun getrennt, die nervigen Lautsprecher-Durchsagen hallen bis in unser Häuschen. Am „La Ca“ spart man sich solche Durchsagen, wenn der Chef etwas will, dann kommt er persönlich. So mögen wir das.
Am Retourweg von unserer ersten Vespa-Spritzfahrt sind wir bei einem Supermarkt kurz stehen geblieben und haben uns ein paar Kleinigkeiten eingekauft – Parmesan, Brot, Tomätchen und eine ordentliche Portion Salami haben wir uns auch aufschneiden lassen. Das hat dann am Platz eine wunderbare Nachmittagsjause ergeben, abends werden wir dann ins sehr gute Restaurant essen gehen.
einen schönen Menschen
kann nichts verunstalten LOL
Nach der Jause haben wir unsere grellfarbigen Badehauben geschnappt und sind die 30 Meter zum Swimming-Pool rauf. Wir nehmen uns gerne Campingplätze mit Pool, ein bisschen Luxus darf durchaus sein. Hier im „La Ca“ ist das Wasser im großen Becken wirklich erfrischend kühl, höchstens 25 Grad würden wir schätzen. Da funktioniert das Chillen natürlich blitzartig und man kann sich danach wieder getrost den 35 Grad Wärme aussetzen, die wir rund um unser WoMo messen. Völlig wurscht – seit Sizilien sind wir hitzeresistenter geworden, da hätten wir uns manchmal nach „nur“ 35 Grad gesehnt. Und es kommt am Gardasee dazu, dass es nach Sonnenuntergang sofort abkühlt, schon eine Stunde später sinkt die Temperatur auf 25/26 Grad. Auf Sizilien hatte es um Mitternacht noch über 30 Grad – im WoMo ist die Temperatur meist noch darüber gelegen.
Nach dem Abstecher in den Pool haben wir einen ersten Pasch geklopft, anschließend war eine kleine Siesta angesagt. Urlaub, wie wir ihn gerne haben…
Gegen 18 Uhr 30 sind wir dann am Campingplatz-Restaurant zu Tisch geschritten und haben erwartungsgemäß gut gegessen.  Ilse ist mal wieder ihrem Naturschnitzel in Weißwein-Sauce nicht ausgekommen, Gernot hat sich eine knusprige Pizza bringen lassen. Die Preise hier sind angenehm günstig kalkuliert, die teuerste Pizza kostet 8,50 Euro, das kann man gelten lassen.
Zufrieden und satt sind wir dann zum WoMo zurück und haben noch einen Pasch angefangen. Die Dunkelheit hat dann einen Abbruch des Spiels nötig gemacht, ins Innere wollten wir nicht ziehen, um nicht mit dem Licht zur Lockstation von Milliarden Insekten zu werden. Zwar haben wir natürlich an absolut jeder Öffnung unseres WoMos ein Insekten-Gitter angebracht, aber dann fühlen wir uns irgendwie „eingekastelt“, dem Luftdurchzug ist derartiges Abschotten natürlich auch abträglich. Also sind wir lieber im Halbdunkel der Platz-Laternen im Freien sitzen geblieben, haben einen kühlen Drink genossen und dem Tag beim zum Ende gehen zugeschaut.

Freitag, 2. September 2016
Wir lassen den Tag ganz gemütlich angehen, natürlich mit gutem Kaffee und Marmorkuchen. Das Wetter verspricht wieder sehr schön zu werden, kaum Wolken sind am Himmel zu sehen.
Am späten Vormittag starten wir dann mit unserem Roller hinaus aus dem Campingplatz und fahren vorerst Richtung Desenzano. Heute nehmen wir nicht den üblichen Weg, Ilse hat in einem Kreisverkehr gestern schon ein Schild Richtung Centro gesehen, diese Abzweigung nehmen wir. Es geht dann bald einmal dem Seeufer entlang, wir durchfahren eine schöne Allee und es herrscht praktisch kein Verkehr. Dann sind wir direkt im Zentrum von Desenzano, wir fahren durch die Fußgängerzone, die nur zu bestimmten Zeiten richtig verkehrsfrei ist. Dieser Weg ist viel lässiger, als der über die Hauptstraße, so werden wir in Zukunft immer fahren. In Zukunft deshalb, weil wir natürlich wieder an den Gardasee fahren werden, wahrscheinlich noch sehr oft. Nicht umsonst nennt man den See das Meer der Tiroler…
Von Desenzano glühen wir die paar Kilometer nach Sirmione rüber, die auf einer Landzunge gelegene Stadt ist immer wieder einen Besuch wert. Wir stellen uns wieder auf den Parkplatz vor der Altstadt, da haben wir sozusagen schon unseren Stammplatz. 
Schnell merken wir, dass sich die Sommersaison langsam aber sicher dem Ende zuneigt, denn der sonst übliche Touristenstrom hat sich merklich ausgedünnt. Das bedeutet, dass man weitgehend selbständig gehen kann und sich nicht von der Masse schieben lassen muss. Im Hochsommer muss man bei jedem Ausscheren aus der Menge sehr aufpassen, dass man nicht ein Fußgängerverkehrschaos auslöst – inklusive Auffahr-Unfällen von und mit Kinderwägen oder auch versehentliches Anrempeln mitsamt berühmt berüchtigtem Domino-Effekt.
So haben wir heute Zeit genug, ausführlich in die vielen Schaufenster zu blicken und siehe da – Ilse findet einen hübschen Vespa-Schlüsselanhänger. Wir sammeln ja Modelle von roten Vespas, also war unser Jagdinstinkt geweckt. Zwar lag in der Auslage keine rote Mini-Vespa, aber die Verkäuferin hatte ein schönes, feuerrotes Modell in einer Schublade. Dann hat sich noch eine rote Vespa in Form eines Flaschenöffners gefunden und auch dieses Ding durfte mitkommen – mit je 4 Euro waren beide Vespa-Memorabilien auch nicht überteuert. 
Ein paar Geschäfte weiter hat sich dann der absolute Höhepunkt unseres Vespa-Beutezuges ergeben – eine hübsche, rote Vespa aus Keramik, mit einem Fahrer (!) obendrauf. So ein Modell haben wir schon einmal auf Sizilien in Taormina gesehen, damals war uns das Ding mit über 80 Euro zu teuer. Hier in Sirmione haben wir gerade mal die Hälfte dafür bezahlt, auch nicht billig, aber uns war es das wert. Bekommt natürlich einen Ehrenplatz in unserer Sammlung, die mittlerweile auch schon über 40 Exemplare zählt.
Mit der in Knopf-Folie bestens verpackten Vespa-Figur sind wir mit unserem roten Roller (im Format 1:1) zum Campingplatz zurückgefegt. Vorher haben wir noch kurz nach dem Markt in Sirminone Ausschau gehalten, der jeden Freitag in der Saison stattfindet. Mit Markt war aber nix, ein untrügliches Zeichen, dass sich der Herbst nähert…
Am Campingplatz sind wir als erstes in den Pool gesprungen, haben dann anschließend einen feinen Pasch geklopft und uns danach ein wenig auf unsere Sonnenliegen gelegt und Siesta gehalten. Holidays at it’s best…
Geweckt von einem dezenten Hüngerchen sind wir dann die paar Schritte zum Restaurant hinaufgegangen und haben wieder ein sehr gutes Abendessen genossen. Ilse hat mit ihrem frittierten Gemüse mit Kartoffel einen vegetarischen Tag eingelegt – Gernot ist heute nicht an den gemischten Meeresfrüchten vorbeigekommen, eine sehr gute Wahl. 
Sehr satt sind wir dann zum WoMo zurück, am Weg dorthin hat uns die Platzkatze begrüßt. Das hübsche Tier ist eine so genannte Redekatze, sie maunzt ununterbrochen, ganz so, als wollte sie uns ihr Leid klagen. Wir kennen sie bereits von unseren früheren Besuchen, vielleicht kann sie sich ja auch noch an uns erinnern. Jedenfalls holt sie sich ihre Streicheleinheiten und geht danach wieder ihrer Wege. 



  
Das tun auch wir – das letzte Tageslicht nutzen wir für einen Pasch, danach bleiben wir noch lange im Freien auf unseren Liegen und genießen den feinen Abend.

Samstag, 3. September 2016
Es wird gestern wohl Mitternacht geworden sein, deshalb liegen wir morgens um 8 Uhr noch gemütlich in den Betten. Dann lockt uns ein Geräusch nach draußen – siehe da – die Platzkatze sitzt unter dem benachbarten WoMo und „redet“ zu uns rüber. Schnell springt sie die paar Meter her, lässt sich streicheln und freut sich sichtlich über das Katzenfutter, dass wir ihr in einem Schüsselchen servieren. Danach gibt’s noch ein Schlückchen Milch und die Redekatze schleicht sich wieder.
Nach einem ausgedehnten Frühstück bringen wir unseren Blog ein wenig in Form und nach dem obligaten Päschchen knattern wir mit unserem Roller los. Es wird heut nicht mehr so heiß wie in den letzten Tagen werden, da haben wir ja jeden Tag an die 35 Grad gemessen. Heute bleibt‘s bei maximal 30 Grad, wenn überhaupt – sehr fein!
Uhrturm von Salo
Wir fahren nach Salo hinüber, das vielleicht 15 Kilometer entfernt ist. Wir mögen die Stadt, die eine der ältesten am Gardasee ist. Ilse möchte heute unbedingt in die Kirche von Salo gehen, bei unserem letzten Besuch war sie geschlossen. Ilse kann sich nicht mehr genau erinnern, aber irgendwas Besonderes hat es mit dieser Kirche auf sich, also hin. 
Wir stellen unser Moped wie üblich direkt zum Eingang der Fußgängerzone ab und schlendern durch die schönen, alten Gassen. Wir kommen an einem Mode-Geschäft vorbei und sind ob der Preise kurz sprachlos. Denn es wurden unter anderem ein Woll-Kleidchen für 3.800 Euro, ein Lederjäckchen (zugegeben sehr, sehr edel) um 4.200 Euro und ein dünnes Kaschmir-Pullöverchen um schlanke 3.200 Euro feilgeboten. Da wären für ein gepflegtes Outfit schnell mal 10 bis 15.000 Euro weg, ohne Schmuck und Schuhe. Na servas!
Wir fühlen uns aber nicht schäbiger gekleidet als vorher und wandern zur Kirche weiter. Heute ist das Kirchentor weit geöffnet und wir treten ein. Schlagartig wird’s finster rund um uns, die bunten Fenster lassen nur wenig Licht ins Innere dringen. Die Bilder an den Wänden sind durchaus düster, es wird viel gefoltert, viel gelitten und noch mehr gestorben. Nicht wirklich erbaulich, also gehen wir bald einmal wieder hinaus ans Licht. Etwas Besonderes haben wir nicht gefunden, auch in den aufliegenden Foldern und Broschüren fand sich kein Hinweis auf etwas Außergewöhnliches. Wurscht – vielleicht checken wir die Kirche bzw. den Dom von Salo noch mal bei Dr. Google.
Nach dem Kirchenbesuch sind wir der Seeufer-Promenade entlang zurück in Richtung unserer Vespa gegangen. Vor der Rückfahrt wollten wir noch eine Kleinigkeit essen, wir kennen da ein nettes Cafe, wo es gute Toasts und Sandwiches gibt. Und so war es dann auch – super-knusprige Toasts und eiskaltes Cola mit Zitrone nahmen uns den gröbsten Hunger. Zudem liegt das Cafe sehr zentral an einer der Hauptstraßen, entsprechend groß ist das Casino, das hier abgeht. Von Supersportwägen, über schwere Motorräder und sämtliche Jahrgänge an Vespas, bis hin zu Oldtimern und Unverschämt-Parkern lässt sich vieles beobachten und wir haben wie immer großen Spaß daran.
Dann ist aber auch der letzte Eiswürfel im leeren Cola-Glas geschmolzen, wir zahlen, gehen die 100 Meter zu unserem Moped und fegen zum Campingplatz zurück. Vorher machen wir noch einen Zwischenstopp bei einem Despar-Markt und kaufen uns für daheim einen guten Parmesan und eine kleine Salami.
Am Platz führt uns der erste Weg naturgemäß ins wirklich erfrischend kühle Wasser des Swimming-Pools – herrlich. So gechillt spielen wir uns einen weiteren Pasch aus und unter Lachen und Scherzen ist es schließlich Zeit fürs Abendessen geworden.
Ilse gönnt sich heute eine Lasagne, muss dem Essen aber Punkteabzüge geben, vor allem deshalb, weil sie von Nadjas Lasagne zu verwöhnt ist. Trotzdem hat es ihr gemundet, ebenso wie Gernot, der sich eine Pizza mit Sardellen hat bringen lassen. Dazu trinken wir wie üblich Wasser, das Preis-Leistungs-Verhältnis von Bier und Wein ist uns nicht gut genug.
Später beim WoMo sitzen wir noch lange im Freien und haben einen schönen letzten Abend am Gardasee. Für dieses Jahr – denn spätestens im Frühsommer sind wir wieder hier, vielleicht sogar wieder im „La Ca“, ist ja auch ein Superplatz.





Sonntag, 4. September 2016
Gestärkt von einem sehr guten Kaffee gehen wir ans Werk und machen unser Schneckchen reisefertig. Reine Routine, das geht uns locker von der Hand. Dann noch die Herausforderung des Vespa-Aufladens – heute flutscht unser Moped wieder einmal wie von selbst auf seinen Träger. Zuletzt stecken wir den Strom ab und gehen in aller Ruhe duschen.
Bezahlt haben wir schon gestern und als ACSI-Karteninhaber mussten wir für 3 Tage gerade einmal 45 Euro ablegen, einen kleinen Obolus für die Kurtaxe noch obendrauf. Sehr fein und sehr günstig, in der Hochsaison zahlt man mehr als das Dreifache!
Weil die Ausfahrt im „La Ca“ zu den steilsten Ausfahrten überhaupt gehört, machen wir einen kleinen Umweg, damit wir beim Herausfahren aus unserem Stellplatz nicht aufsitzen. Dann geht’s mit Schwung die weit über 20 Prozent-Steigung hinauf und weg sind wir.
Madonna della Corona
Noch in Desenzano tanken wir unser Häuschen voll, freuen uns über einen Verbrauch von unter 10 Litern und treten endgültig die Heimreise an. 
Schnell sind wir auf der Autobahn, später werden wir bei Rovereto von einem 4 Kilometer-Stau ein wenig in unserem Vorwärtsdrang gestoppt, aber letztendlich kommen wir die ganze Fahrt über ohne Probleme voran.
Zur Abwechslung bleiben wir heute kein einziges Mal stehen, den Rest vom Kaffee genießen wir während der Fahrt. In Sterzing erfreut uns dann, dass wir uns als viertes Auto bei der Mautstelle einreihen, hier kann es im Urlauber-Reiseverkehr zu sehr schmerzhaften Verzögerungen kommen.
Den Brenner-Pass glüht unser WoMo wie gehabt durchgehend im 5. Gang hinauf – und das mit der Vespa am Träger, Chapeau!
Nach nicht einmal 4 Stunden Fahrtzeit für die knapp 300 Kilometer rollen wir dann bei unserer WoMo-Garage ein und tauschen die Fahrzeuge. Gernot darf dann noch mit der Vespa nach Innsbruck fahren, Ilse nimmt dazu unseren kleinen Ford Fiesta.
So geht eine feine WoMo Fahrt zu Ende und wir wissen bereits jetzt, dass es nicht die letzte in diesem Jahr gewesen sein wird…
"Dreamteam"







Sonntag, 28. August 2016

58. WoMo-Fahrt "Die originale Tulpenvase"

Innsbruck-Roermond-Innsbruck
22.8. bis 28.8.2016 - 1582km

Montag, 22. August 2016
Es gibt Wohnmobil-Fahrten, die derart spontan entstehen, dass wir uns über uns selber wundern müssen. Aber das passt natürlich so. Ausgangspunkt unserer Fahrt nach Holland war eine Frage von Ilse: „Wo kriegen wir denn für die Sigrid eine schöne Tulpen-Vase her?“ Sigrid ist Ilses Schwester und hat Geburtstag. Gernot antwortete ohne lange nachzudenken: „Sicher in Holland. Da kommen schließlich auch die Tulpen her.“ Wir mussten beide über diesen Vorschlag lachen und begannen gleichzeitig unsere Reise nach Holland zu planen. 
Ausnahmsweise haben wir unser WoMo diesmal gar nicht aus seiner Garage abholen müssen, denn wir haben es seit unserer Fahrt in die Schweiz noch gar nicht gegen unseren kleinen Ford Fiesta ausgetauscht. Wir mussten nur ein paar frische Kleidungsstücke einpacken, Getränke kaufen und letztendlich noch unsere Vespa auf den Motorrad-Träger hieven. Dann noch schnell dem Bankomaten ein bisschen Geld rausgemolken, vollgetankt und um ca. 15 Uhr ab auf die Autobahn.
Als Ziel haben wir uns die holländische Stadt Roermond auserkoren, da waren wir schon einmal mit Nadja und Christian. Damals haben wir nur wenig von der Stadt gesehen, diesmal wollen wir uns auch die Gegend rundherum etwas genauer anschauen. 
Nach Roermond sind es von Innsbruck aus ca. 800 Kilometer, der Weg führte uns erst über den Fernpass nach Reutte und von dort auf die deutsche Autobahn. Den Weg kennen wir mehr als gut, wird wohl das achte oder neunte Mal sein, dass wir heute nach Holland fahren.
Ohne nennenswerten Verkehr und ohne jeden Stau sind wir gut vorangekommen, meistens sind wir mit knapp über 80 km/h im LKW Verkehr mitgeschwommen. Wenn die Dichte der Brummis dann mal wieder eine zu hohe war – zack – einmal kurz aufs Gaspedal gedrückt, in kaum 25 Sekunden auf 110 km/h beschleunigt und schon haben wir die ganze Elefanten-Herde hinter uns gelassen. Bis zum nächsten Konvoi halt…
Wie üblich haben wir alle eineinhalb Stunden eine kleine Pause eingelegt, Füße vertreten und so. Mittlerweile kennen wir wahrscheinlich jede Autobahn-Raststätte und jeden zweiten Parkplatz auf dieser Strecke.
Bei einbrechender Dunkelheit bemerkten wir, dass wir offenbar anderen Autofahrern ziemlich in die Rückspiegel hineinblenden, ein paar Mal haben sich welche mit der Warnblinkanlage beschwert. Wir sind aber natürlich nicht mit dem Aufblend-Licht unterwegs, es ist nur so, dass unsere Vespa mit ihren gut 110 Kilo das WoMo hinten etwas niederdrückt und wir deshalb vorne ein klein wenig in den Himmel hinauf leuchten. Zwar gibt es – theoretisch – einen Regler, mit dem man so etwas ausgleichen könnte, aber wie gesagt, nur theoretisch. Praktisch hat dieser Drehregler nie funktioniert, beim ÖAMTC hat uns der WoMo Fachmann erklärt, dieses Teil sei beim Fiat Ducato meist schon bei der Auslieferung unbrauchbar, das Ding sei viel zu kompliziert konstruiert. Wie auch immer – es tut uns leid, wenn wir andere Autofahrer damit ein bisschen nerven, aber wir können wohl nicht dagegen tun.
Nach etwas über 500 Kilometern Fahrt wird bei unserem WoMo ein Tankstopp fällig, also steuerten wir die nächstgelegene Zapfsäule an. Zwar wäre es meistens um einige Euro billiger, wenn wir fürs Tanken kurz die Autobahn verlassen würden, aber fast immer siegt die Bequemlichkeit. Heute waren wir über die Preise an der Tankstelle sehr überrascht, richtiggehend verdutzt sogar. Denn die ausgepreisten 1,089 Euro für den Liter Diesel mochten wir erst gar nicht glauben, auf anderen Tankstellen lag der Preis durchwegs bei 1,30 Euro. Glück gehabt, denn sogar auf der Diskont-Tankstelle in Innsbruck haben wir heute Nachmittag um 0,005 Euro je Liter mehr bezahlt.
Nach dem Tankstopp sind wir noch gut 100 Kilometer weitergefahren und haben uns dann am Rasthaus Mosel eingeparkt. Für heute reicht’s, außerdem bringt es nichts, wenn wir mitten in der Nacht in Roermond ankommen.
Schnell noch ein Gute-Nacht-Bierchen, dann Katzenwäsche am Waschbecken und ab in die Betten. Wir stehen direkt neben der Tankstelle auf dem PKW-Parkplatz, kein LKW weit und breit, nur aus der Ferne wummern leise die Aggregate der Kühl-Transporter vor sich hin.
Coffee to go und Selfiestick

Dienstag, 23. August 2016
Wir haben eine ruhige Nacht verbracht und sind gegen 8 Uhr aus unseren Betten gekrochen. Ein guter Kaffee hat uns schnell auf die Füße geholfen und nach einer bescheidenen Morgentoilette haben wir uns dann wieder auf den Weg Richtung Niederlande gemacht.
Roermond 
Roermond liegt ja nur wenige Kilometer von der deutschen Grenze entfernt und weil wir schon gestern den Großteil der 800 Kilometer-Fahrt hinter uns gebracht haben, sind wir gegen 11 Uhr am Campingplatz eingetroffen. Der liegt sehr zentrumsnah direkt an der Maas, ein schöner Platz. 
Wir checkten ein und suchten uns einen Platz auf der großen Wiese. Schatten war nicht viel zu finden, jedes noch so kleine Bäumchen hatte bereits einen Nutzer. Wurscht – wir stellten uns ganz in die Nähe des Stromverteilers, zum Sanitär-Haus hatten wir es auch nicht weit. Wobei – Sanitärhaus ist etwas übertrieben, es waren lediglich einige WCs und Duschen in Containern eingebaut. Aber alles sauber und gepflegt, das ist auch während unseres Aufenthaltes stets so geblieben. Zwar gibt es am Platz auch ein großes und relativ modernes Wasch-Haus, das ist uns Bequemlingen zu weit entfernt, an die 200 Meter werden es wohl sein...
Schnell war auch die Vespa vom Träger geholt und schon in der ersten Stunde unseres Aufenthaltes machten wir eine kleine Ausfahrt. Zuerst einmal nach Roermond rüber, in die Innenstadt. Lustigerweise ist ausgerechnet heute Jahrestag unseres Strafmandates, das wir vor zwei Jahren hier ausgefasst haben. Wir haben uns damals die Freiheit genommen, die 97,50 Euro nicht zu bezahlen, vor allem deshalb, weil das billiger kommt. Und die Holländer haben auch nie versucht, die Summe einzutreiben, also haben wir es dabei bleiben lassen. Wahrscheinlich verjährt das Knöllchen genau heute, kann uns aber wurscht sein, wir sind ja eh nicht mit dem WoMo unterwegs.
Roermond ist eine nette, kleine Stadt mit einer Fußgängerzone, in der stets mächtig Betrieb ist. Eine der Hauptattraktionen der Stadt sind seine riesigen Outlet-Center, die von kaufwilligen, ja geradezu kaufwütigen Menschenmassen regelrecht gestürmt werden. Nix für uns, Danke – wir brauchen nichts…
Nach dem Kurzbesuch in Roermond sind wir zuerst zum Platz zurückgefahren haben ein kleines Päuschen gemacht und sind dann anschließend mit unserem Roller wieder ins Umland von Roermond hinausgeritten. Es ist immer wieder herrlich, kreuz und quer durch die Landschaft zu cruisen, kleine Dörfer zu durchfahren und immer wieder spontan auf kleine und winzige Sträßchen und Wege abzubiegen. Immer wieder gehen wir auf Feldwegen verloren, immer wieder finden wir den Weg zurück auf größere Straßen, unsere beiden Landkarten leisten gute Dienste.
Nach ein paar Stunden Fahrt hatten wir dann genug – irgendwo sind wir dann auf eine autobahnartige Schnellstraße aufgefahren und mit einem guten Hunderter die Strecke nach Roermond in wenigen Minuten zurückgebrettert.
Am Platz sind wir dann als erstes unter die Dusche, dann war ein wenig Siesta angesagt, natürlich haben wir später auch noch einen Pasch gemacht – Urlaub, wie wir ihn mögen.
Vario mobil = nein danke!
In unmittelbarer Nähe zu uns steht ein Wohnmobil, das in etwa so groß ist wie ein ausgewachsener Reisebus. In der riesigen Heckgarage transportiert der Besitzer nicht nur eine fette Harley Davidson, sondern auch ein ordentliches Schlauchboot mit Außenbord-Motor. Und natürlich ein E-Bike, falls der gute Mann mal kacken gehen muss… Das WoMo hat sicher jenseits der 200.000 Euro gekostet, ohne Harley und Boot, versteht sich. Uns freut es immer zu sehen, wenn es Menschen finanziell gut geht, das gilt natürlich auch für diesen Camper. Der grüßt uns immer ausnehmend freundlich, zu anderen Campern ist er unterkühlter. Ilse meint, unser altes WoMo und unsere kleine Vespa erinnern den Mann vielleicht daran, dass er auch einmal klein angefangen hat… Jedenfalls ist er nicht unsympathisch und wir haben auch nicht den Eindruck, dass er seinen Besitz zu sehr zur Schau stellt – seine tolle Habe lässt sich halt schlecht verstecken. Übrigens ist er alleine unterwegs, auch wenn er immer zwei Stühle bzw. zwei Liegen aufstellt…
Zum Abendessen auszugehen sparen wir uns – wir sind zu lasch dafür und jausnen lieber ein weiteres Mal Salami, Parmesan und Brot. Morgen kaufen wir uns dann was ein, mal sehen.

Mittwoch, 24. August 2016
Die Nacht war wieder sehr fein, heute zeigt sich das Wetter von seiner schönsten Seite, schon am Morgen ist keine Wolke am Himmel zu sehen. Also war schon nach dem Kaffee klar, dass wir wieder eine Ausfahrt machen werden.
Gesagt – getan, bald nach 9 Uhr waren wir schon wieder unterwegs, diesmal sind wir vom Campingplatz einfach in eine andere Richtung abgebogen. Es würde zu sehr ins Detail gehen, welche Orte, Örtchen, Weiler und Weilerchen wir durchfahren haben, es war einfach wieder total lässig, Auf dem Moped ist man ja völlig unabhängig, kann sich auf die schmalsten Pfade wagen, mit dem WoMo wäre das undenkbar. Zwischendurch müssen wir unsere Vespa auftanken, die Tankwarte grinsen immer, weil gerade einmal vier Literchen in den Tank passen.
DFG in Holland
Zu Mittag sind wir dann wieder zum Platz zurückgefahren, wir sind ja nie weiter als 20 Kilometer von Roermond weg. Ein richtiges Mittagessen haben wir ausfallen lassen, stattdessen haben wir ein bisschen was gejausnet, in der Hitze ist man ja nie so wirklich hungrig.
Nach der obligaten Siesta sind wir wieder auf unseren Roller gestiegen und haben rund um Roermond weitere Kilometer abgespult, einfach ein Traum.
Später am Nachmittag sind wir dann wieder in die Innenstadt von Roermond gefahren, dort haben wir gestern schon einen JUMBO Supermarkt entdeckt. Viel haben wir nicht eingekauft, ein paar Bratwürste, kleine Tomätchen und Brot. Die Würste haben wir uns dann später im WoMo abgebraten, ein sehr gutes Abendessen.
Danach haben wir wieder einmal einen Pasch geklopft und unter Scherzen, Lachen und Blödeln ist es dann Mitternacht geworden. In die Betten – zack und weg. Wie immer…

Donnerstag, 25. August 2016
Gestern noch haben wir unseren Sonnenschutz am WoMo angebracht, denn vom frühen Nachmittag an uns brennt die Sonne ganz ordentlich vors Häuschen. Viel bringt die Markise nicht, aber am Vormittag bis gegen Mittag sitzen wir jetzt fein im Schatten.
wir machen immer und überall eine gute Figur
Nach dem Frühstück hält es uns wieder nicht lange am Platz und wir rauschen erneut ins Umland von Roermond hinein. Mit unserer wendigen Vespa fühlen wir uns wie Queen und King of the Road und genießen den Fahrspaß in vollen Zügen.
Zu Mittag fahren wir Richtung Roermond zurück und statten einem der Outlet-Center einen Besuch ab. Uns locken aber nicht Versace, Swarovski oder Nike, sondern schlicht und ergreifend das große, gelbe M für McDonalds. Direkt vor dem Fastfood-Tempel stellen wir unser Moped ab und werden abgefüttert, wie man sich das erwarten darf. Im Gegensatz zu Liechtenstein wird auch keiner unserer Burger vergessen und auch die Rechnung für unser Essen beträgt nicht einmal die Hälfte dessen, was wir vor ein paar Tagen im Fürstentum bezahlt haben.
Gesättigt schwingen wir uns wieder auf unser treues Pferdchen und reiten erneut aus. Wir können vom Herumfahren kaum genug kriegen, wir kommen mit der Vespa in Gegenden, wo wir sonst niemals hingekommen wären. Wirklich lässig. Auch das Wetter spielt voll mit, es ist wolkenlos, aber nicht brutal heiß, auch wenn manche Thermometer bis 35 Grad anzeigen. Aber der ständige Fahrtwind lässt uns das spielend leicht ertragen.
Am späten Nachmittag fahren wir dann wieder auf unseren Campingplatz, der sich mittlerweile – es geht ja aufs Wochenende zu – mehr und mehr zu füllen beginnt. Noch ist Platz genug und wir haben uns ohnehin so hingestellt, dass wir ungestört campen können.
Später treibt und der Hunger noch einmal nach Roermond, hinein, mit ein, zwei Burgern muss man schließlich nicht über den ganzen Tag kommen. Wir stellen unser Moped direkt am Rande der Fußgängerzone ab und machen uns auf die Suche nach einem Restaurant. Auf unserer ganzen Runde hat uns aber keines der Lokale wirklich angesprochen, also landen wir am Ende in einem Pizza/Kebab Laden. Eine sehr gute Wahl übrigens – der Wirt und das Personal (Türken?) waren sehr nett und freundlich, das Essen (Kebab-Teller und Döner) wirklich gut und das Cola und das Bier eiskalt. Was will man mehr?
Obwohl vielleicht notwendig, verzichten wir auf einen Verdauungs-Spaziergang, heute waren wir bereits genug unterwegs. Ach ja – eine Tulpen-Vase für Sigrid ist uns auch noch nicht unter die Augen gekommen, auch wenn wir schon ein wenig danach Ausschau gehalten haben. Aber das wird schon noch werden…
Am Campingplatz haben wir dann noch einen Spätabend-Pasch im Freien gemacht, die letzten Würfe absolvierten wir in nahezu völliger Dunkelheit. Auch heute sind die zahlreichen Fliegen wieder ziemlich lästig, aber da kann man nix machen. Wenigsten Fliegen und keine Moskitos oder Wespen, trösten wir uns mit der Fliegen-Klatsche in der Hand…

Freitag, 26. August 2016
Nach einer guten Nacht haben wir einen mindestens so guten Kaffee zu uns genommen. Dann sind wir am Vormittag an den Lap-Tops gesessen und haben ein wenig an unserem Blog und den Fotos gearbeitet, Ilse war zudem ein bisserl im Internet unterwegs.
Dann war wieder Vespa-Time und wir sind zum gefühlten fünfzehnten Mal ins Umland von Roermont hinausgefahren. Bald einmal haben wir uns auf der Autobahn wiedergefunden – auf einer richtigen. Das ist natürlich nur was für den Notfall, unser Mopedchen geht allerhöchstens 95 km/h, da fühlen wir uns nicht wirklich wohl. Also sind wir nach gut 12 Kilometer die nächstbeste Ausfahrt raus, das war Montfort. Nettes Städtchen prinzipiell, es war uns aber nicht besonders nach Sightseeing, also weiter. Wieder sind wir herrlich verloren gegangen, haben uns auf Mini-Sträßchen wiedergefunden und als wir genug Moped-Spaß gehabt haben, sind wir dem erstbesten Schild Richtung Roermond gefolgt. Ein Traum – der Wind chillt herrlich, die 35 Grad spüren wir höchstens an Kreuzungen.
die Türme von Roermond
Wir kehren zum Campingplatz zurück, parken unsere brave Vespa und schmeißen uns unter die Dusche.
In unmittelbarer Nachbarschaft haben wir eine Art mobile Frittenbude, mit Bänken, Tischen, Sonnenschirmen und allem Drum-und-dran. Die hat zwar nur am Wochenende offen – aber hey, wir haben Freitag und das gilt auch in Holland als Wochenende! Die Frittenbude hat natürlich auch noch ganz andere Sachen zu bieten als Fritten– Hot Dogs, Bratwurst und Burgers etwa. Vor allem auch mega-riesige Cevapcici, die hier Frikadell XXXXL heißen und im Prinzip ein fast schon grotesk langes Würstchen aus ca. 400 Gramm Hackfleisch sind – ungelogen. Dazu Unmengen Zwiebel, Ketchup, Majo, die volle Dröhnung! Ein Wahnsinn – und dazu nimmt sich Gernot auch noch eine Riesenportion Pommes – o.k., er hat ja bei der Bestellung dieses Frikadellen-Ungetüms noch nichts von dessen wahrer Dimension ahnen können. Ilse gibt sich mit Pommes allein zufrieden – gute Wahl. Gernot teilt seine Hackfleisch-Überdosis dann noch ein bisschen mit Paula, einem netten Hund, der mit seinen Frauchens und Herrrchens unter dem Nebentisch Platz genommen hat.
Pappsatt rollen wir an unseren Platz zurück und machen erst mal ein  kleines Verdauungsschläfchen.
Später fängt es dann rund um uns an, richtig laut zu werden – eine Runde erlebnishungriger Damen hat sich in ihren Zelten angesiedelt und sie sind unüberseh- und vor allem unüberhörbar voll auf Party gebürstet. Sofort fließt der Hugo in Strömen, man hat zu wenige freie Hände für das ununterbrochen gereichte Bier, die Witze werden von Minute zu Minute derber und die allgemeine Lautstärke steigt indirekt proportional zur rasant schwindenden Nüchternheit. Damenabend halt – voll o.k. Einmal muss Ilse ein bisschen knurren, weil eine der Feierwütigen fünf Meter neben uns ihren PKW gestartet hat – sie fürchtete, sonst nicht die Luftmatratze mittels Batteriestrom aufblasen zu können. Passt – für die zwei Minuten wollen wir ein Auge zudrücken, denn ansonsten ist das Laufenlassen eines Motors am Campingplatz ein absolutes No-go, sollte eigentlich jedem denkenden Menschen klar sein.
Jedenfalls störte uns die Damenrunde – alles späte Mädchen zwischen 45 und baldiger Rente – relativ wenig, ihrem fortgeschrittenen Alter angemessen sind sie allesamt Dank Hitze, Hugo und Holsteiner Pilsener recht rasch in Morpheus Armen gelegen.
So wie auch wir – wahrscheinlich war es noch gar nicht Mitternacht, als wir die letzten Lichter im WoMo ausknipsten.
Samstag, 27. August 2016
Heute ist unser letzter Tag in Holland, es wird also wirklich Zeit, dass wir unsere Mission erfüllen. Es gilt, eine originale, holländische Tulpen-Vase für Sigrid zu kaufen – das wird doch wohl zu machen sein.
Für unseren Beutezug stärken wir uns vorerst mit einem gepflegten Kaffee, danach brechen wir nach Roermond auf.
Den Weg in die kleine Stadt findet unsere Vespa mittlerweile fast schon alleine, bereits nach zehn Minuten parken wir uns nahe der Fußgängerzone ein. Nach ein paar wenig erfolgreichen Angriffen in verdächtige erscheinenden Geschäften, kriegen wir von einer Einheimischen den Geheimtipp zugeraunt, dass es am Bahnhof einen Blumenladen geben würde. Und wie wir aus lebenslanger Erfahrung wissen, lassen sich in Blumenläden mitunter auch Blumenvasen finden – also auf zum Bahnhof. Und tatsächlich haben die dort im Blumenladen derart viele Vasen lagernd, dass sie geradezu gezwungen sind, diese zu verkaufen. Das ist unsere Chance – wir wählen behutsam und sorgfältig aus, wägen die unterschiedlichen Modelle gegeneinander ab und schlagen schließlich ebenso überraschend wie glashart zu. Schnell werden wir mit der freundlichen Verkäuferin handelseins und eine originale, holländische Tulpen-Vase – ganz in zeitlos elegantem, durchsichtigem Glas gehalten – wechselt den Besitzer. Und sie wechselt von den Niederlanden nach Österreich, möglicherweise war ihr rascher Auslands-Transfer bei ihrer Entstehung noch gar nicht eingeplant. Wurscht – wir haben das Geburtstagsgeschenk für Sigrid – Mission erledigt.
Mit unserer filigranen Ware fahren wir bewusst vorsichtig zum Campingplatz zurück und gönnen uns ob unseres Kauf-Erfolges erst mal eine kleine Pause. Wir haben übrigens nicht nur die Tulpen-Vase gekauft, sondern auch noch ein paar Kleinigkeiten für die Rückfahrt – Milch zum Beispiel und einen Marmor-Kuchen. Wir gönnen uns ein kleines Käffchen und sind dann bereit für den Aufbruch.
Die Pseudo-Vollgas-Party-Party-Truppe nebenan ist auch schon zum Großteil aus ihren mittlerweile völlig überhitzten Zelten gekrochen – im Gegensatz zu einem traditionellen Junggesellen-Abschied wird der vielfach vorhandene Brand aber nicht mit Bier, sondern mit Mineralwasser und Kopfwehtabletten bekämpft.
Jedenfalls ist das Lachen deutlich leiser und seltener geworden, etwas später restaurieren sich alle und machen sich in die Stadt auf.
Auch wir werden aktiv, packen alles zusammen, hieven unser Moped auf seinen Träger, zahlen die Rechnung und machen uns sprichwörtlich vom Acker.
Noch vor 16 Uhr sind wir vom Platz weg und jetzt heißt es für uns und unser Häuschen Kilometer machen, denn Innsbruck liegt fast punktgenau 800 Kilometer entfernt.
flinke Regen und Hagel war angesagt
Normalerweise lässt sich über eine lange Autobahnfahrt wenig Interessantes berichten, heute ist das anders. In der Nähe von Kerpen geraten wir in das heftigste Unwetter, dem wir mit unserer Schnecke je ausgesetzt waren. Bald wurde der sintflutartige Regen von Hagel abgelöst, die Hagelkörner waren mindestens so groß wie reife Kirschen – mindestens. Natürlich war die einzige Unterführung in unserer Nähe sofort besetzt, der Verkehr ist augenblicklich stillgestanden. Der Lärm im Fahrzeuginneren war gleichzeitig gigantisch und erschreckend, unsere drei Plexiglas-Dachhauben mussten sich einem echtem Härtetest unterziehen. Schnell war die Fahrbahn von unzähligen Hagel-Schlossen übersät, die Dinger sind einen halben Meter und höher wieder aufgesprungen. Schon geil auch! Und geil vor allem auch deshalb, weil uns nix passiert ist. Also – fast nix. Denn tatsächlich hat uns der Hagel eine Gummileiste vom Alkhoven aus ihrer Führungsschiene heraus gehämmert, wir haben es erst bemerkt, als das Ding vom Fahrtwind gegen das Blech gepeitscht wurde. Kein Problem für uns – Mechaniker-Fachkraft Ilse ist mittels Hochbett-Leiter zum Alkhoven hochgeklettert und hat die Gummileiste wieder dorthin befördert, wo sie gefälligst hin gehört.
Reparatur beendet, es kann weitergehen
So rund um Mitternacht sind wir dann nahe Ulm auf einen Rastplatz gefahren und haben uns für ein paar Stunden hingelegt. Innsbruck ist nur mehr knapp 300 Kilometer entfernt, nicht einmal 300.

Sonntag, 28. August 2016
Wir haben es nicht eilig, vielleicht sind wir deshalb erst gegen halb 9 aufgestanden. Nach einem wunderbaren Kaffee sind wir dann wieder zurück auf die Autobahn – bald werden wir daheim sein.
Skyline in Reutte
Das „bald“ hat sich dann leider als Wunschgedanke entpuppt – schon einige Kilometer vor dem Füssener Tunnel war Schluss mit Lustig – Blockabfertigung. Der Stau hat sich dann bruchlos über Reutte bis hin zum Fernpass durchgezogen, erst ab dem Holzleiten-Sattel hatten wir wieder freie Fahrt. Wir werden wohl an die zwei Stunden Zeit verloren haben – aber wir sind ja nicht auf der Flucht, sondern auf der Fahrt. Auch wenn die Fahrt sich manchmal durchaus ziehen kann.
Jedenfalls sind wir gut in Innsbruck angekommen – schon auf der Herfahrt haben wir neue Reisepläne geschmiedet. Wann es weitergeht? Nur so viel sei verraten – wir holen nicht mal unsere Vespa vom Motorradträger…