GErnot und ILse

GErnot und ILse

Dienstag, 12. Juni 2018

80. WoMo-Fahrt "Sonderauftrag Wien"

80. WoMo-Fahrt  „Sonderauftrag Wien"
vom 7. Juni bis 9. Juni 2018 
von Innsbruck nach Wien-Floridsdorf und zurück - 1091km

Donnerstag, 7. Juni 2018

Bei dieser kleinen Jubiläumsfahrt, unserer 80. Reise mit dem Wohnmobil, wird die liebe Ilse gar nicht mit dabei sein. Es wird dies auch keine Campingtour in dem Sinn sein, sondern Gernot fährt mit Nadja und Christian nach Wien, weil die beiden dort auf die amerikanische Botschaft müssen. Zwecks Visa und dafür ist ein persönliches Interview Voraussetzung. Dort dürfen sie dann einige interessante Fragen beantworten, so in der Art von: „Beabsichtigen Sie, in den USA einen Terroranschlag zu verüben?“ „Haben Sie schon einmal den Islamischen Staat finanziell unterstützt? oder „Haben Sie schon einmal internationalen Menschenhandel betrieben?“ Ob da jemals wer mit Ja geantwortet hat …? Wurscht – den Fragen müssen sich die beiden stellen und weil Gernot eh nix lieber tut als mit dem WoMo wegzufahren, hat er sich als Taxi nach Wien angeboten. Ilse muss als Lehrerin ihre Pflicht erfüllen, also kann sie diesmal leider nicht mitfahren. 
In Wien werden wir uns dann beim Haus von Elle einparken, mittlerweile kann man ja direkt in der Garteneinfahrt das WoMo abstellen. Und Elle hat für einige Freunde gleich zehn (!) Bücher von Gernot bestellt, die werden gleich frei Haus nach Wien geliefert.
Kurz vor 9 Uhr hat Gernot das WoMo aufgeweckt und vorerst noch ein paar Getränke und andere Kleinigkeiten eingekauft. Dann wurde der brave Nasenbär randvoll getankt und nach einem zweiten Frühstück bei Nadja und Christian sind wir um ca. 10 Uhr in Innsbruck abgefahren. Der Weg führt heute ausschließlich über die Autobahn, es liegen gut und gern 520 Kilometer vor uns. Das Wetter ist perfekt für eine lange Fahrt und auch der Verkehr hält sich in Grenzen. A propos – an der Grenze zu Deutschland ist es heute sehr flott gegangen, wenn wir fünf Minuten Zeit verloren haben, dann war das schon viel.
Auch übers so genannte „Deutsche Eck“ sind wir recht gut drüber gekommen, durch zwei kleine „Knäutschens“ mussten wir uns zwar mühen, den einzigen nennenswerten Stau hatten wir dann am Walserberg, direkt vor der österreichischen Grenze. Baustelle. Aber auch hier haben wir höchstens 20 Minuten Zeit eingebüßt – völlig wurscht – wir haben es ja nicht eilig.
In Mondsee haben wir dann an der Autobahn-Raststätte unsere Mittagspause eingelegt und sehr gut gegessen. Vor allem das gigantische Salat-Buffet ist hervorzuheben, denn das hat wahrlich alle Stückerln gespielt – bis hin zu Thunfisch-Filets, gebackenen Champignons (natürlich mit Sauce Tartar) und gebratenen Speckwürfeln. Christian hat sich als Hauptgang Penne al Funghi kommen lassen, übrigens für bescheidene 16,30 Euro. Dagegen waren Gernots Spaghetti Bolognese mit 8,75 nachgerade eine Okkasion – insgesamt hat die Rechnung übrigens 55,55 Euro ausgemacht – Schnapszahl!
Sehr gesättigt haben wir dann unseren Weg nach Wien fortgesetzt, ab Linz ist die A 1 dann schön dreispurig, was erheblich weniger Fahrstress bedeutet. Ein paar Mal sind wir bei einem Rastplatz stehen geblieben und haben uns die Beine vertreten, selbstredend hat Gernot bei einem dieser Stopps wieder einmal eine Münze gefunden. Ein schwer ramponiertes 1-Cent-Stück, über das offenbar entweder ein Kfz mit Ketten oder mit Spikes drübergefahren ist. Christian hat zuerst überhaupt angezweifelt, ob das überhaupt als Münzfund durchgeht – na als was denn sonst, bitteschön? Wir haben uns dann aber darauf geeinigt, dass das Geldstück in jedem Fall KEIN gültiges Zahlungsmittel mehr ist.
Irgendwann einmal haben wir dann Gernots Handy mit dem Autoradio verbunden und die letzten hundert Kilometer haben wir via Stream glasharten Techno ins WoMo gelassen. Sehr lässig – wir haben echt einen Hammer-Sound produziert, Nadja hat trotzdem eine gepflegte Mütze Schlaf nachgeholt.

Wie ungefähr geplant sind wir deutlich vor 18 Uhr in Wien eingetroffen und Gernot wusste, von der Autobahnabfahrt sind es keine fünf Minuten mehr bis zu Elles Haus. Aber – wenn man die falsche Abfahrt „erwischt“, dann ist ein Riesen-Umweg über den Gürtel fällig – und genau so ist es gekommen. Ohne Ilse als Navigator ist Gernot völlig aufgeschmissen und so sind wir eine Ausfahrt zu früh raus. Und das im 18 Uhr Abend-Verkehr, die Ehrenrunde durch Wien hat uns eine fesche dreiviertel Stunde Zeit gekostet. Eh nicht weiter tragisch.

Elle hat uns dann schon erwartet und das Gartentor geöffnet – Gernot hat aber sofort gesehen: Das wird kein leichtes Stück Arbeit, in diese schmale Einfahrt „einzufädeln“. Noch dazu ist die Straße zum Reversieren eigentlich zu eng und darüber hinaus gibt es über den Gehsteig hinauf keinerlei Abschrägung. Also hat Gernot wie der Böse am Lenkrad gekurbelt und die arme Kupplung malträtiert – mittlerweile warteten zu beiden Seiten Linienbusse! Und wie es in solchen Situationen halt manchmal passiert, hat Gernot einmal zu wenig aufgepasst und ist beim Vorwärtsfahren mit dem Motorradträger beim Gartentor-Pfosten hängen geblieben. Eh nur ganz knapp, vielleicht zwei, drei Zentimeter – aber das hat leider genügt um die ganze Lichtleiste mitsamt der Nummerntafel vom Träger herunterzureißen. Na servas! Das massive Ding ist zu Boden gekracht und auf einer Seite sind alle Kabel der Beleuchtung abgerissen. Sofort war uns klar, mit dem Schaden können wir nicht nach Innsbruck zurückfahren, das muss noch hier in Wien repariert werden. Gernot hat sich dann über den ersten Schock hinweggetröstet, dass der Schaden eigentlich ein KAU ist, also der Kleinste Anzunehmende Unfall. Diese Reparatur sollte eigentlich jeder Mechaniker bewerkstelligen können und morgen ist erst Freitag – das kriegen wir locker hin.

Wir haben uns dann gar nicht länger den Abend verderben lassen und nachdem Elle eh eine Werkstätte in unmittelbarer Nähe kennt, wird sich sicher alles in Wohlgefallen auflösen. So sind wir also gemütlich bei Elle im Garten gesessen, haben uns vom Lieferservice Berge von Essen ins Haus liefern lassen und das eine oder andere Kaltgetränk zu uns genommen. Gernot hat den Schaden inzwischen Ilse gebeichtet und sie hat den Vorschlag gemacht, doch vorerst den ÖAMTC anzurufen, vielleicht könne man das Ding behelfsmäßig mit Kabelbindern fixieren oder so. Das haben wir schon einmal so gehandhabt, denn in Monte Carlo ist uns seinerzeit dasselbe passiert, damals hat Gernot beim Ausparken das Ausscheren des WoMo unterschätzt. Gut, morgen also ÖAMTC und der soll uns dann sagen, was wir machen sollen.
Sehr relaxed haben wir dann alle gemeinsam dem schönen Tag beim zu Ende gehen zugeschaut und es wird wohl erst kurz nach 22 Uhr gewesen sein, als uns die Müdigkeit ins WoMo hat gehen lassen. Dort haben wir uns noch einen kleinen Schlummertrunk genehmigt und dann unsere Häupter gebettet.

Gernot ist heute zum wiederholten Male klar geworden: Eine WoMo Reise ohne Ilse ist zwar theoretisch möglich, aber praktisch sinnlos. Ilse hat unsere Zweit-Wohnung auf Rädern vollkommen im Griff, sie würde jedes einzelne unserer Dinge auch im Dunkeln finden und hat für jedes Problem eine Lösung. Mit Ilse an Bord hätten wir uns auch nicht verfahren und wer weiß, ob es mit ihr überhaupt zur Beschädigung unseres treuen Nasenbären gekommen wäre. Sie fehlt auch so an allen Ecken und Enden – das wird jetzt dann hoffentlich für lange, lange Zeit das letzte Mal sein, dass Gernot ohne seine Ilse mit dem WoMo ausgerückt ist. 

Freitag, 8. Juni 2018

Heute haben Nadja und Christian ihren Interview-Termin bei der US-Botschaft, der ist um 9 Uhr angesetzt, dementsprechend früh sind wir aus den Federn. Schon um 6 Uhr 30 macht Gernot Kaffee – ein schwieriges Unterfangen, weil er z.B. nicht einmal weiß, mit welcher Technik man die große Kaffeedose aus dem Kästchen winden muss. Auch die Kaffeefilter müssen erst aufwendig gesucht werden, sie verstecken sich in einer kleinen Plastiktüte ganz am Rand des Kästchens, für Gernot völlig unsichtbar. Wenigstens findet er unsere Kaffeetassen, aber die sind nun wirklich nicht zu übersehen. Ach ja – wo war noch mal der Wasserkocher und wo ist das dazugehörige Wasser? Ach ja – in Innsbruck. Gut, nehmen wir halt zwei kleine Fläschchen Vöslauer stilles Mineralwasser, wird auch nicht schaden. Der Kaffee ist dann übrigens erstaunlich gut geworden und hat uns bestens in den Tag starten lassen.
Plötzlich – um exakt 7 Uhr 01 (!!) – läutet Gernots Telefon und Karli ist dran. Karli ist der Werkstätten-Meister vom Autohaus Fuchs in Itter und er überbringt die frohe Kunde, dass er die vor Wochen bestellten Kreuzgelenke für unsere Schnecke geliefert bekommen hat. Na ist das ein Zufall! Da kann er dann gleich unseren Motorradträger wieder auf Vordermann bringen. Wir machen aus, dass wir unser WoMo am Samstagabend bei ihm abstellen und er wird kommende Woche die Reparatur durchführen. Also das fügt sich ja alles echt super.
Nach dem Kaffee rufen sich Nadja und Christian ein Taxi, mit öffentlichen Verkehrsmitteln müssten sie dreimal umsteigen und für derartige Expeditionen ist ihnen der Termin zu wichtig. Gernot hat dann den ÖAMTC angerufen, sie schicken gerne jemanden vorbei, dauert halt ein bisschen. Wurscht – Gernot hat ja keine Termine.

Viel früher als angekündigt hat sich dann ein ÖAMTC-Mitarbeiter telefonisch angemeldet und fünf Minuten später ist er mit seinem gelben Einsatzfahrzeug vorgefahren. Allein schon wie der Mann den Schaden begutachtet hat zeigte, dass er ein echter Auskenner ist. „Das kriege ich hin, nur die abgerissenen Kabel für die Beleuchtung machen mir ein bisserl Sorgen, da werden wir löten müssen.“ Und so war es dann auch – nachdem endlich alle verrosteten Schrauben gelöst waren, hat der Mann alle losen Kabel miteinander verlötet und den Beleuchtungskörper wieder zusammengesetzt. „Die Leiste befestigen wir mit Kabelbindern, das sollte bis Tirol halten“, meinte er dann und machte sich an die Arbeit. Das Ergebnis befriedigte ihn aber nicht vollständig, denn er befürchtete, bei einem richtigen „Rumpler“ könnten die Plastikdinger „flöten gehen“. Also schnipp-schnapp die Kabelbinder durchgeschnitten und nach einer anderen Lösung gesucht. Der ÖAMTC-Mann – er heißt übrigens Michael Gruber und soll hier ausdrücklich mit Namen erwähnt sein – hat dann die Original-Halterungen der Beleuchtungs-Schiene abgebaut, die Metallteile mit einem Hammer in die richtiges Fasson geklopft und danach wieder am Träger montiert. Voll professionell, besser kriegt das keine Werkstatt hin, ein echter Fachmann! Zwar musste die Schiene wegen der ausgerissenen Halterungen um ein paar Zentimeter nach rechts verschoben werden, aber das fällt nicht einmal richtig auf. Natürlich wird Karli das Ganze noch einmal abmontieren und neue Befestigungen drauf schweißen müssen, aber für die Rückfahrt ist das perfekt gemacht. Ach ja – das Standlicht rechts mag partout nicht mehr leuchten, was aber nicht weiter tragisch ist, weil ja am Wohnmobil selbst alle Lichter funktionieren. Und die Blinker, die Nummerntafelbeleuchtung und das Bremslicht sind in Ordnung, also kein Problem. Noch dazu, wo wir bis Innsbruck gerademal durch einen einzigen Tunnel fahren müssen, durch den bei der Stadt Salzburg. Jedenfalls hat sich Gernot riesig gefreut, dass unser Nasenbär wieder halbwegs heile ist und hat sich beim Pannenhelfer mit einem Exemplar seines Buches bedankt. Und mit einem feschen Trinkgeld natürlich, denn in einer Werkstätte wären für diese Arbeit gleich einmal 200 Euro weg gewesen. Und wer weiß, ob die das überhaupt so wunderbar hingekriegt hätten, wie der Herr Gruber vom ÖAMTC in Floridsdorf … 
Sehr beruhigt ob der Wiederherstellung unseres WoMo hat sich Gernot dann ein wenig über unseren Blog hergemacht und sich etwas später noch ein zweites Frühstück gegönnt. Danach hat er sich genüsslich unter Elles Regenwald-Dusche gestellt und sich aus allen Richtungen Wasser über den Körper rinnen lassen. Sehr lässig. Noch lässiger wäre wahrscheinlich ein Vollbad im direkt daneben stehenden Whirl-Pool, das Ding haben wir ja bereits vergangenes Jahr ausprobiert. Aber ohne Ilse? Die riesige Badewanne ist einfach zu groß für einen allein, noch dazu müsste sich Gernot die vielen Schalter erst erklären lassen. Aber das Duschen war eh schon super genug.
Am frühen Nachmittag ist dann Nadja aus der Stadt zurückgekommen, Christian hat sich nach dem Interview noch mit seinem Bruder getroffen. Auf der Botschaft hat alles gepasst, sie werden das US-Visum bekommen. Beinhart aber wahr – die Amis haben den beiden zwar die Pässe zwecks Visaeintrag abgenommen – Bestätigung dafür hat es aber keine gegeben. Auch auf Nachfrage nicht. So sind Nadja und Christian unerwartet ohne Reisedokumente dagestanden und wir müssen bei der Heimfahrt durch Deutschland. Nun ja, diesen illegalen Grenzübertritt gönnen wir uns ganz einfach, was soll da schon groß herauskommen? Grenzkontrolle hin oder her. Obwohl – bei der Herfahrt hat uns in Kufstein der deutsche Grenzer auch angehalten. Er wollte aber nur wissen, woher wir kommen und wohin wir fahren. Papiere hat er keine sehen wollen …
Später ist auch Christian wieder zu uns gestoßen, mit einem reichhaltigen Frühstück im Rucksack. Also haben wir erneut den Wasserkocher angeworfen und uns einen guten Kaffee gebrüht. Danach haben wir uns einen lässigen Fight am Paschring geliefert, ein Match zu dritt ist immer etwas Besonderes. Später hat sich dann Nadja in der Stadt mit einer Freundin getroffen und Gernot ist mit Elle sehr gemütlich auf der Terrasse (bzw. auf einer der Terrassen!) gesessen. Wir mussten auf Arbeiter warten, denn bei Elles neu errichtetem Gewächshaus gibt es ein Problem mit einer Pumpe. Pünktlich sind die zwei Männer dann gekommen und nachdem die Arbeit professionell erledigt war, sind wir mit dem Partie-Führer ins Gespräch gekommen. Er stammt ursprünglich aus der Wallachei und im Prinzip arbeitet er an jedem einzelnen Tag: „Montag bis Freitag für die Firma, Samstag und Sonntag für den eigene Sack“, hat uns der fleißige Mann wissen lassen. Dann hat er uns noch ausführlich in die uns fremde Welt der unterschiedlichen Scharfschützengewehre eingeführt und stolz gemeint: „Ich habe daheim ein Gewehr mit Zielfernrohr, damit kann ich bei einem Menschen aus 500 Metern Entfernung die Augenfarbe erkennen!“ O.k. – wenn er es dafür verwendet … Aber immerhin ist er froh um die österreichischen Waffengesetze, denn „sonst hätten wir hier Zustände wie in Amerika“. 
Unter Lachen und Scherzen ist es dann Abend geworden, eigentlich hätten wir uns etwas Gutes kochen wollen. Lammkoteletts mit Couscous sind mal kurz im Raum gestanden, letztendlich sind wir aber allesamt zu lasch gewesen, um uns zum Supermarkt aufzumachen. Wurscht – wir haben eh sämtliche Kühlschränke gut mit Lebensmitteln gefüllt und darüber hinaus hat ja bekanntlich jedes Bier den Nährwert von zwei Semmeln. Eben. Und nach zehn, zwölf Semmeln ist auch der hungrigste Mensch über das Gröbste hinweg …
Schon relativ früh haben wir uns dann ins WoMo zurückgezogen und sind dort noch eine ganze Zeit lang zusammengesessen. Morgen geht’s wieder retour nach Innsbruck – hoffentlich kommen wir mit dem WoMo unbeschadet aus der höllisch engen Ausfahrt heraus. 
Kurz bevor wir dann eingeschlafen sind, ist dann noch ein kurzer, heftiger Regenguss niedergegangen. So hat es genau zum richtigen Zeitpunkt ein wenig abgekühlt, denn noch um 22 Uhr haben wir mehr als 25 Grad gemessen.

Samstag, 9. Juni 2018

Nach einer wirklich feinen Nacht sind wir schon recht früh auf den Beinen und machen uns ein fulminantes Frühstück mit allem Drum und Dran. Christian hat sich sogar eine ganze Dose „Baked Beans“ einverleibt, dafür haben wir extra den Gasherd angeworfen. Der Tisch hat sich ja förmlich gebogen vor lauter Leckereien, das Brot, der Schinken, der Käse, die verschiedenen Aufstriche, die diversen Antipasti, der Juice usw. haben gerade noch Platz gelassen für die Kaffeekanne, die Milch und unsere drei Tässchen.
Derartig gestärkt haben wir dann gegen 10 Uhr Vormittag mit einem Pasch begonnen – allerdings ist uns dann die Zeit zu knapp geworden und wir mussten das Spiel abbrechen. Denn jetzt galt es, unser WoMo wieder auf Fahrtbetrieb umzustellen –  ein Vorgang, der Ilse und Gernot meist in wenigen Minuten und wie von selbst von der Hand geht. Aber Ilse ist 500 Kilometer weit entfernt und so hat Gernot die Alleinverantwortung. Es hat aber alles bestens geklappt, Christian hat sich gleich einmal das gesamte Schmutz-Geschirr geschnappt, damit war eine der Hauptaufgaben schon einmal erledigt. Danach haben wir systematisch alles dort hin geräumt, wo es (ungefähr) hingehört und als letztes noch den Strom abgesteckt. Christian hat dann die sehr hohe Gehsteigkante mit Holzstücken abgeschrägt und das Abenteuer Ausfahrt aus der Einfahrt konnte beginnen


Es war dann blitzschnell vorbei, den Gernot ist einfach kerzengerade auf die Straße gefahren – keine zwei Zentimeter am linken Torpfosten vorbei. Aber letztendlich hätte auch ein Zentimeter Abstand genügt. Gut, das Schlimmste war also ausgestanden und Schneckchen ist unversehrt geblieben.
Weil sich bei uns allen mittlerweile ein ordentlicher Hunger gemeldet hat, sind wir auf die paar Kilometer zur Höhenstraße hinauf gefahren und haben uns dort beim beliebten Ausflugs-Gasthaus „Häuserl am Stoan“ eingeparkt. Der Gastgarten war ziemlich gut besucht, die gutbürgerliche Küche des Gasthauses ist seit Jahrzehnten weitum bekannt. Dementsprechend gut haben wir dann auch gegessen – Elle wusste schon bei der Herfahrt, dass sie einen Schweinsbraten essen würde, Christian und Nadja haben sich unisono das Steirer-Schnitzel (mit Kürbiskern-Panade und Kernöl) bestellt und Gernot hat sich für das Rindswangerl-Gulasch mit Serviettenknödel entschieden. Und wie immer waren wir Tiroler über die Preise in Wiener Gasthäusern verblüfft, daheim zahlen wir für Vergleichbares gut und gern 50 Prozent mehr. Mindestens.
Bestens gestärkt sind wir dann die paar Kilometer zum Sieverer Friedhof gefahren und haben dort unseren lieben Freund Wolfgang besucht. Das ist immer ein ganz besonders schwerer Gang, denn es vergeht kein Tag, an dem wir Wolfi nicht schmerzlich vermissen. Nützt nix – wir werden ohne ihn weiterleben müssen, auch wenn uns das so überhaupt nicht passt. Scheiß Tod!
Nach dem Friedhof haben wir dann Elle zurück nach Floridsdorf gefahren und dort beim Merkur-Markt „ausgesetzt“ – sie hat noch Einkäufe zu erledigen und wird dann mit dem Bus heimfahren. Für uns drei hat dann die Heimfahrt begonnen – wir sind letzten Endes noch früher aus Wien weggekommen, als wir gestern noch gehofft hatten, ziemlich genau um 15 Uhr.
Das Wetter war zum Fahren ideal, meistens hat die Sonne geschienen, aber es ist nie zu warm geworden. Immer wieder sind wir bei Rasthäusern oder auf Parkplätzen kurz stehen geblieben und haben uns ein paar Minuten lang die Beine vertreten. Irgendwo in Oberösterreich haben wir dann einem Kaffee-Automaten eine Chance gegeben und uns Heißgetränke rausgedrückt. Nadja und Christian haben sich versehentlich beim XL-Automaten angestellt und sich für 2,20 Euro einen halben Liter picksüßen Kakao eingehandelt. Gernot hat zwar für seinen Cappuccino nur 1,30 bezahlt, dafür hat er vergessen die „Kein Zucker“ Taste zu drücken. Dementsprechend war der Kaffee nahezu ungenießbar, in jedem Fall aber viel zu süß. Wurscht – Kaffee ist trotzdem Kaffee oder so …
Der Verkehr war die ganze Fahrt über völlig problemlos, an einem späten Samstag-Nachmittag fahren keine Massen in Richtung Westen. Einzig die Grenzkontrolle am Walserberg könnte für eine Verzögerung sorgen, wir werden sehen. Kurz vor Salzburg ist Gernot dann noch zur Autobahn-Raststätte Kasern zugefahren, der immer noch vorhandene Automatenkaffee-Geschmack musste mit richtigem Kaffee verdrängt werden. Und Tatsächlich – der doppelte Espresso war ein Hochgenuss, auch Nadja und Christian haben sich ein feines Käffchen gegönnt. Gernot hat dann die liebe Ilse angerufen, zwecks Abholung in Itter. Vorbehaltlich eventueller Staus an der Grenze sollten wir um 21 Uhr beim Autohaus Fuchs eintreffen. Aber Ilses Recherchen haben ergeben, dass es sich am Walserberg heute nicht stauen soll, also treffen wir uns um 21 Uhr. Passt.
Wunderbar – bei der Grenzkontrolle „stauten“ sich ganz sechs (!) Fahrzeuge vor uns, die dadurch entstandene Verzögerung hat vielleicht 20 Sekunden betragen – das geht. Immerhin sind wir hier schon eine Stunde und länger gestanden. Die weitere Fahrt über das Deutsche Eck war ebenfalls entspannt und vom Verkehr her erträglich und wir sind stets mit unserem Wunschtempo (90 und ein paar Zerquetschte) weitergekommen. Beim Chiemsee haben wir dann noch einmal kurz gerastet und sind anschließend bis nach Itter durchgefahren. Nadja hat dann lachen müssen, denn um exakt 21:00:09 sind wir beim Autohaus Fuchs angekommen, die Voraussage von Gernot war also ziemlich genau. Natürlich hat die treue Ilse schon auf uns gewartet und schnell waren Rucksäcke, Taschen, Lebensmittel, der Pasch, die Notebooks und die Schmutzwäsche umgeladen. Gernot hat es sich dann nicht nehmen lassen, auch die letzten 70 Kilometer nach Innsbruck selber zu fahren, mit dem Skoda Yeti von Sigrid ist das immer wieder ein besonderes Vergnügen für ihn. Klar, 160 Pferdchen hat man(n) nicht jeden Tag unterm Hintern, so viele PS haben ja unser Nasenbär, unser Ford Fiesta und unsere Vespa nicht einmal zusammengerechnet!
Ab Wattens hat es dann derart heftig zu regnen begonnen, dass wir die Geschwindigkeit auf unter 60 km/h reduzieren mussten und immer wieder hat der schwere Wagen Aquaplaning bekommen und ist gefährlich „aufgeschwommen“. Aber es ist alles gut gegangen und Gernots gewagte Prognose: „In Innsbruck werdet ihr euer Gepäck im Trockenen ausladen“ ist dann glatt eingetroffen – keine 500 Meter von Nadjas und Christians Wohnung entfernt  hat es plötzlich aufgehört zu regnen. Schön – genau so schön wie die ganze 80. WoMo Fahrt. Auch wenn es diesmal ein kleines Aua für unser Schneckchen gegeben hat, auch wenn die liebe Ilse in jeder Sekunde gefehlt hat – es war eine lässige Fahrt. Wir haben unsere liebe Freundin Elle getroffen, wir haben unseren Wolfi besucht und wir haben die ganze Zeit über bestens gegessen und getrunken. Und – last but not least haben Nadja und Christian ihre Visa für die Staaten bekommen – um es in Englisch zu formulieren: Mission accomplished –Mission erfüllt, der „Sonderauftrag Wien“ ist erledigt.


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