GErnot und ILse

GErnot und ILse

Freitag, 16. September 2016

57. WoMo-Fahrt "von Appenzell zu Wilhelm Tell"

57. WoMo-Fahrt "Von Appenzell zu Wilhelm Tell"
18.8. bis 20.8.2016 - 882km
Willi Telli

Donnerstag, 18. August 2016
Also heuer haben wir die sprichwörtlichen Hummeln im Hintern – wir brechen heute zu unserer neunten WoMo-Fahrt in diesem Jahr auf. Der Weg wird uns wieder in die schöne Schweiz führen – diesmal haben wir sogar ernsthaft vor, Geld auszugeben. Deshalb kommt auch unser Vorrat an Schweizer Kleingeld mit auf die Reise.
Wir sind wieder einmal so ungeduldig und Camping-geil, dass wir schon am Nachmittag losfahren. Gemütlich geht’s das Tiroler Oberland hinauf und ohne Verkehr kommen wir gut voran. Weil das Wetter schön ist, ersparen wir uns die Maut für den Arlberg-Tunnel und fahren über die Passstraße. Das schafft unsere Schnecke locker, wir müssen erwartungsgemäß nicht stehen bleiben.
Gegen 19 Uhr kommen wir am Autobahn-Rastplatz in Hohenems an, den kennen wir ja bereits und wir stellen uns in eine der Parkbuchten. Nach einem feinen Pasch legen wir uns dann nieder und verbringen eine ruhige Nacht – zum Glück haben wir keinen Kühl-LKW in der Nähe stehen, denn das kann ziemlich nervig sein…

Freitag, 19. August 2016
Gut geschlafen und gut gefrühstückt – so starten wir in den neuen Tag. Mal schauen, wo es uns heute hin verschlägt, wir haben nur ungefähre Ziele. Das WoMo ist schnell reisefertig gemacht, an einer Raststätte müssen wir ja nur den Spanngurt lösen, mit dem wir zur Vorsicht unsere Türgriffe miteinander verbinden.
Die Grenze zur Schweiz liegt nur ein paar Kilometer entfernt, heute werden wir überhaupt nicht kontrolliert, der Grenzer winkt uns lässig durch. Auch o.k. 
Wir haben keine Autobahn-Vignette für die Schweiz, es gibt ja nur Jahreskarten und das rentiert sich für uns nicht. Also geht’s über Bundes- und Landesstraßen dahin, so sieht man auch viel mehr von der Gegend. Und Gegend haben sie genug, die Eidgenossen und wunderschöne Gegend noch dazu.
Bis Appenzell sind wir einige Kilometer lang unfreiwillige Teilnehmer eines Konvois von historischen Militär-Fahrzeugen. Was es nicht alles gibt! Immer wieder interessant, welche Hobbies Menschen haben können. Jedenfalls sind die lauten und übel stinkenden Klapperkisten ein echtes Verkehrshindernis, denn mehr als 30 km/h kriegen sie auf der ansteigenden Straße nach Appenzell nicht auf den Tacho. Irgendwann sind sie dann doch anders als wir abgebogen und wir konnten wieder unser normales Tempo fahren. Ist auch für den Motor besser.
Die Gegend um Appenzell erfüllt in jedem Moment sämtliche Klischees der Schweiz –  putzige Häuschen, Milchkühe überall und viele hohe Berge. Wir warten eigentlich nur darauf, dass Heidi und der Ziegen-Peter ums Eck springen. Schön haben sie es hier.
Wir fahren weiter bis Frauenfeld, biegen dann von der Bundesstraße ab und lassen uns über kleine Landesstraßen ein wenig durch die Gegend treiben. Auf einem Parkplatz neben der Straße bleiben wir dann irgendwann stehen und machen uns mit Fleisch-Laibchen, Eiern und Parmeggiano eine gute Jause. Dazu noch Kaffee und Kuchen, derart gestärkt geht’s dann wieder weiter.
Wir fahren kreuz und quer durch die Schweizer Kantone St. Gallen, Appenzell und Schwyz, genießen die wunderschöne Landschaft und das gute Wetter und haben einen feinen Tag. Und wir machen sogar einen unfreiwilligen Abstecher nach Deutschland. In Rhein am Stein war das, da sind wir mit unserem doch relativ großen Nasenbären etwas zu nah ins Stadtzentrum gekommen, wollten nach einer Brücke umdrehen und – zack – Willkommen in der Bundesrepublik Deutschland. Ebenso zack haben wir quasi am Stand gewendet und sind wieder in die Schweiz zurückgefahren – keiner hat’s gesehen…
2,10m pro Seite, aber dann war da der Sihlsee
Am späten Nachmittag haben wir dann beschlossen, heute keinen Platz zum freien Stehen zu suchen – gibt’s eh fast nicht – sondern einen Camping-Platz anzufahren. Der hat sich dann nahe dem Kloster Einsiedeln befunden, schon allein der Name „Der gruene Aff“ hat es uns angetan. 
Der Campingplatz liegt direkt am Sihlsee, über den eine schmale Brücke führt. Die bietet gerade genug Platz für zwei Fahrzeuge, breiter als 2,30 Meter darf man nicht sein. Sind wir auch nicht, trotzdem mussten wir an einem normalen Mercedes PKW schon ziemlich genau vorbeizielen.
Der „Gruene Aff“ ist ein echt lässiger Platz und seine Sanitär-Anlagen schlagen alles, was wir bis jetzt auf Campingplätzen gesehen haben. Funkelnagelneu, die Waschtische aus dunklem Marmor, jede Dusch-Kabine ein eigenes Bade-Zimmer mit Waschtisch, Riesen-Spiegel und Sitzgelegenheit – einfach ein Traum. Das würde man sich natürlich überall so wünschen, aber in Wirklichkeit sind wir zufrieden, wenn alles sauber und ordentlich ist. Aber so edel – das ist schon auch schön. Das Duschen kostet je 1 Franken, sind wir also unsere ersten beiden Münzen bereits losgeworden.
da Gruene Aff
Unser Stellplatz liegt auf einer der vielen Terrassen, schnell haben wir Tisch und Stühle aufgestellt und sind eingerichtet. Der Stecker von unserem Stromkabel ist für die Schweiz nicht der richtige, der Chef des Platzes weiß das natürlich und ist gleich mit einem Ersatzkabel zur Stelle – No Problem. Als wir uns dafür bedanken und ihm noch Komplimente für das wunderschöne Wasch-Haus machen, wird er ganz verlegen und rot wie ein Schul-Bub. Aber er freut sich sehr über das Lob. 
Wir verbringen einen feinen Abend vor unserem WoMo, später gehen wir noch eine ordentliche Runde spazieren zum Sihl-See hinunter. Dort ist eine kleine Surf-Bar aufgebaut, ein Holz-Schuppen mit Plastik-Planen. Diesem bescheidenen Umfeld trotzend, werden für die Dose Red Bull unbescheidene 5,50 genommen, für 0,33 L Bier ebenfalls 5,50. Natürlich Franken/Euro 1:1 – wegen der Einfachheit… Wir verzichten gerne. Die Preise in der Schweiz – auch für die Konsumation – sind sagenhaft. Zwar haben wir nicht wirklich Speisekarten studiert, aber heute ist uns am Campingplatz-Restaurant das Tagesangebot aufgefallen: Schweins Cordon-Bleu mit Rösti zu 29.80 Franken – ohne Salat. Schon saftig die Preise, das ist über den Daumen das Doppelte, was wir in Tirol zahlen. Und bei uns ist Essen gehen auch teuer, etwa im Vergleich zu Wien. Da kriegt man das Cordon Bleu mit Pommes und Salat fast überall um unter 10 Euro. Jedenfalls ist in der Schweiz bei einem normalen Essen schnell mal ein 80er weg, frage nicht, was das in gehobenen Restaurants kostet. Kann uns aber eigentlich egal sein…
Wir haben uns im WoMo ein Instant-Gericht zubereitet, Spaghetti Bolognese aus dem Päckchen. Dazu frisch geriebenen Parmesan – durchaus genießbar. Und eine Platz-Katze haben wir uns auch schon angefüttert, eine schöne, große Tigerin. Überhaupt gibt es jede Menge Katzen und Hunde hier, denn viele Dauer-Camper haben ihre Haustiere mit. 
Nach einem feinen Pasch spazieren wir noch zum Spaß zum Camping-Market runter und amüsieren uns über die Preise. Aber 3,40 Franken für das Packerl Knorr-Suppe und 5,50 für die Packung Chips sind wirklich lachhaft. Nur so zum Beispiel…
Zurück im Wohnmobil haben wir dann den Abend gemütlich ausklingen lassen, vor Mitternacht schon haben wir dann unsere Häupter gebettet.
 
Samstag, 20. August 2016
Die Nacht beim „Gruene Aff“ war eine feine und ruhige, schön ausgeschlafen sind wir gegen 9 Uhr aufgestanden. Ilses guter Kaffee hat uns perfekt in den Tag starten lassen und nach Bezahlen der 30,20 Franken/Euro für die Nacht sind wir losgefahren.
Am Weg nach Oberiberg ist uns am Wegrand ein Schild aufgefallen, auf dem „Bravo Wendy, Super!“ zu lesen stand. Da wir nur eine berühmte Schweizerin namens Wendy kennen, könnte es sich dabei um die Skifahrerin Wendy Holdener handeln. Und tatsächlich – keine zwei Minuten später fahren wir an einer Firma Holdener vorbei, das wird wohl kein Zufall sein.
Oberiberg macht seinem Namen alle Ehre – wenn in der Schweiz etwas Berg heißt, dann ist das auch meistens ein richtiger Berg. Die Gegend ist wildromantisch, im Winter sicher ein Paradies für Skifahrer und Snowboarder. Uns werden dann irgendwann die Straßen doch etwas zu hochalpin und wir fahren in Richtung Einsiedeln zurück. Unser WoMo braucht frischen Diesel zu trinken, also steuern wir eine Tankstelle an. Sprit ist teuer in der Schweiz, mit rund 1,40 Euro je Liter ist zu rechnen, manchmal noch etwas mehr. Wir tanken an einer COOP Tankstelle, im Lauf des Tages sehen wir dann, dass wir gut gewählt haben, denn billiger als hier gab es den Diesel nirgends. Trotzdem bezahlten wir 65,20 Franken und weil wir mit Karte zahlten, wurde der Preis automatisch in Euro umgerechnet – exakt 62,27. So viel zum Thema 1:1 Umrechnung, da wird sehr viel Geld extra mitgeschnitten, von allen und von jedem und scheinbar völlig legal. Schweiz halt…
        
Nach dem Tanken sind wir nach Schwyz weitergefahren und von dort zum Vierwaldstätter-See. Immer wieder sind uns am Straßenrand Plakate aufgefallen, die auf die unterschiedlichsten Schieß-Turniere aufmerksam machten. Keine Frage – jetzt waren in jener Gegend, wo Friedrich Schiller seinen Wilhelm Tell dereinst die Armbrust in die Hand gedrückt hat. Und immer öfter sahen wir auch Hinweise auf den legendären Rütli-Schwur, der die Eidgenossenschaft hat entstehen lassen – sogar den Rütli-Schwur-Platz haben wir gesehen, der liegt genau gegenüber der Tells-Platte.  
Wir sind dann den Vierwaldstätter-See entlanggefahren und etwas später durfte Schneckchen mal wieder zeigen, dass es auf seine alten Tage noch zur richtigen Bergziege geworden ist, denn es ging rauf auf exakt 2.046 Meter zum Oberalp-Pass. Dort steht – schon deutlich über der Baumgrenze – doch tatsächlich ein richtiger Leuchtturm, wie er auch in Büsum oder Husum stehen könnte. Obwohl wir sogar in den dazugehörigen Schauraum gehen, erschließt sich uns der Sinn des Leuchtturmes nicht ausreichend, aber immerhin bekommen wir auf Schautafeln mitgeteilt, dass nur ein paar Meter entfernt der Rhein entspringt. Schön, wissen wir das nun also auch… 
Am Oberalp-Pass ist es neblig und so kühl, dass wir zum spazieren gehen unsere Jacken überstreifen müssen. Aber lange bleiben wir ohnehin nicht und nach einer feinen Kaffee-Jause fahren wir wieder in Richtung Zivilisation weiter.
Camper finden überall ein Plätzchen
Wir nehmen dann noch einen lässigen Umweg durch die Rhein-Schlucht, die sich ihren Namen redlich verdient hat. Spektakulär windet sich der Weg durch die Felsen hindurch, einige Tunnels sind offenbar vor langer Zeit von Hand mit Hammer und Meißel durch den Stein getrieben worden. In jedem Fall eine atemberaubende Fahrt, bei starkem Verkehr wäre es vielleicht etwas stressig und anstrengend gewesen, wir waren aber zum Glück fast immer alleine auf der Straße unterwegs. 
Matterhornbahn auf über 2000m
Von der Rhein-Schlucht ist es dann nicht mehr weit nach Chur, den weiteren Weg kennen wir bereits, er wird uns über Vaduz zurück nach Österreich führen. 
In Triessen hat sich dann Gernot spontan von einem McDonalds Schild zum Einkehren verführen lassen, den Besuch hätten wir uns allerdings ersparen können. Das Essen war selbst für McDonalds-Verhältnisse nur sehr mäßig, beim Bezahlen wurden unsere Euro Münzen abgelehnt, also musste die Kredit-Karte herhalten. Dann hat die belämmerte Angestellte auch noch Gernots Burger vergessen (muss man bei fünf, sechs Kunden auch erst zusammenbringen), also rauschten wir nur halb gesättigt wieder ab. Davor hat sich Gernot noch die 4,50 (!!) Franken für den Doppel-Cheese-Burger bar zurückgeben lassen, jetzt kommen wir also – die 2 Franken fürs Duschen im „Gruene Aff“ abgezogen – mit 2,5 Franken mehr in unserer Münzsammlung nach Hause…
In Österreich sind wir dann sofort rauf auf die Autobahn, die knapp 160 Kilometer nach Innsbruck sind wir ruck-zuck in zwei Stunden durchgefahren. Heute haben wir uns den Arlberg-Tunnel gegönnt, unsere Schnecke hat seine tägliche Bergprüfung bereits hinter sich, darf’s ruhig auch mal gemütlicher angehen.
Der kurze Trip in die Schweiz hat uns einmal mehr gezeigt, welch wunderschönes Land unser Nachbarstaat ist. Noch kennen wir nur einige Gegenden etwas genauer, es gibt also noch viel zu entdecken. Aber heuer nicht mehr, das behalten wir uns für später auf.
    

Wo unsere nächste Reise hingeht? Ilses Schwester Sigrid hat dieser Tage Geburtstag und Ilse möchte ihr gerne eine schöne Blumenvase kaufen, eine speziell für Tulpen. Und so stellt sie Gernot die harmlos klingende Frage: „Du, wo kriegen wir denn eine schöne Tulpen-Vase für Sigrid her?“ Und Gernot hat da so eine Idee…

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