Mittwoch, 17. August 2016

56. WoMo-Fahrt "Freunde besuchen in Bayern"

Innsbruck-Kesselberg-Oberammergau-Innsbruck
13.o8. bis 17.o8.2016 - 224km

Samstag, 13. August 2016
Nach erfolgreicher Reparatur der Kupplung und einem anschließenden Tages-Ausflug nach Kolbermoor war wieder richtiges Campen angesagt. Ursprünglich war geplant, dass wir am Sonntag nach Bayern aufbrechen, um dort unsere Freunde Ingrid und Hans zu treffen. Aber schon am Samstagvormittag wurde unser Reisefieber von Stunde zu Stunde größer und schließlich saßen wir plötzlich im WoMo und fuhren den Zirlerberg Richtung Deutschland hinauf.
Unser Ziel war der Campingplatz Kesselberg und eines der Hauptargumente für unsere Wahl war, dass es Samstag am Kesselberg immer einen Grillabend gibt – die Vorstellung eines knusprigen Hendls und einer gegrillten Schweins-Haxe wirkte auf uns unwiderstehlich.
Und so fuhren wir am frühen Nachmittag bei Luis und Gitti am Campingplatz vor – und zum ersten Mal gab es wegen hoffnungsloser Überfüllung keinen Stellplatz für uns. Na ja – theoretisch zumindest, denn für die Zimmermanns gibt’s dort draußen immer einen Platz. Und sei es – wie diesmal – der Parkplatz direkt am Sanitär-Haus. Zwar ohne Strom, aber das spielt für einen Tag natürlich keine Rolle. Zudem mussten wir für unseren Aufenthalt nichts bezahlen, das Stehen am Parkplatz ist bei Gitti und Luis gratis. Auch super.
Gustl, die Platzkatze
Schnell waren Tisch und Stühle am Rasen nebenan aufgestellt und wir konnten einen ersten Pasch auf den Filzteller klopfen. 
Zwischendurch hat uns der schöne Platz-Kater Gustl seinen Antrittsbesuch abgestattet, hat wie selbstverständlich das Innere unseres WoMos ausführlich begutachtet und offenbar befunden, dass man auf unseren Betten sehr bequem liegen kann. No Problem – für Katzen sind wir gern ein offenes Haus und auch Leckerlis haben wir für die lieben Fellnasen immer dabei.
So verbrachten wir einen sehr feinen Nachmittag und nach einem kurzen Schläfchen schritten wir gegen 19 Uhr zur Tafel. Das Essen war wieder einmal unbeschreiblich gut, das Grillen hat der Luis echt voll drauf, das haben wir noch nirgends annähernd so gut erlebt. Voll satt sind wir dann die vielleicht zwanzig Schritte zum WoMo zurück, haben noch einen Pasch ausgespielt und sind dann müde in unsere Betten gefallen.




Sonntag, 14. August 2016 
Wunderbar ausgeruht sind wir gegen 9 Uhr zu Gitti und Luis frühstücken gegangen und danach haben wir die Fahrt zu unserem heutigen Etappen-Ziel angetreten. Das war wirklich nicht weit entfernt vom Kochelsee – gerade mal knapp über 30 Kilometer.
Entsprechend schnell sind wir dann in Saulgrub angekommen und nach einem unwesentlichen Verfahrer rollten wir am Campingplatz der Naturfreunde ein. 
Sofort sahen wir das Wohnmobil von Hans und Ingrid und parkten uns unmittelbar daneben ein. Hans begrüßte uns freudig, Ingrid ist untertags auf Kur in Oberammergau und wird sich erst gegen Abend zu uns gesellen können. Mittlerweile sind beide in Pension und dementsprechend viel mit ihrem WoMo unterwegs. Sie haben einen ziemlich neuen Fiat Ducato Carado (drei, vier Jahre alt), top ausgestattet und über sechs Meter lang. Am Anhänger führen sie meistens ihr BMW-Motorrad mit (oder zwei), auch diesmal. Hans ist ein leidenschaftlicher BMW-Motorrad-Fahrer, hat mehrere Exemplare davon angemeldet und ist auch ein begnadeter Schrauber. Es können wohl nur wenige Leute von sich behaupten, dass sie ein BMW-Motorrad vom Rahmen weg selbständig aufbauen können. Hans kann das und er hat sich sogar ein kleines Geschäft daraus gemacht, indem er gebrauchte BMW’s ankauft, in alle verwertbaren Teile zerlegt und diese (teilweise sehr begehrten) Ersatzteile über Ebay unter die Leute bringt.
Der Platz in Saulgrub liegt ausgesprochen schön, direkt an einem Wald und wen halbstündliches Hupen des direkt daran vorbeifahrenden Nahverkehrszuges nicht stört, der kann hier einen herrlich entspannten Urlaub genießen. 
Der Wirt des Naturfreunde-Hauses und damit des Campingplatzes, ist ein Unikum für sich – wohl an die 60 Jahre alt, wallendes, graues Langhaar und gebürtiger Österreicher aus der Steiermark. Reinhold heißt der gute Mann, er hat mal für den Österreichischen Rundfunk Volksmusik-Sendungen produziert und macht aus seiner Leidenschaft für diese Art der Musik keinen Hehl. Manchmal dröhnen die „Hits“ des „Stoankogler Trios“ lautstark über den Platz, aber immer nur für wenige Sekunden. Dann hat die resolute Wirtin ihren Reini wieder voll unter Kontrolle…
Weitgehend unter Kontrolle hat sie auch das Regiment in ihrer Küche, so hat uns Hans berichtet. Also sind wir zu Mittag erstmals die paar Schritte rübergegangen und haben uns Rindergulasch mit Nudeln, sowie Weißwurst schmecken lassen. Zwar war das Rindergulasch niemals nicht ein Rindsgulasch (sondern ein Rinder-Geschnetzeltes), gemundet hat es trotzdem. Und bei den Weißwürsten kann den Bayern ohnehin niemand etwas vormachen, weltweit nicht.
Nach dem Essen haben wir einen feinen Verdauungs-Pasch gemacht und uns gut mit Hans unterhalten. Er war mit seiner Ingrid gerade erst wochenlang in Kanada unterwegs, dementsprechend viel Interessantes hat er zu erzählen. So zum Beispiel, dass Begegnungen mit Bären keine Ausnahmen, sondern faktisch alltäglich sind.
Übrigens hat uns heute das Abladen unserer Vespa vom Motorrad-Träger besonders gefuchst, wäre uns Hans nicht sofort hilfreich zur Hand gegangen, hätte es sogar einen Absturz unseres Mopeds geben können. Ein Alptraum natürlich. Also so deppert haben wir uns noch nie vorher angestellt, nicht einmal bei den allerersten Versuchen.
Jedenfalls ist alles gut gegangen und wir konnten zu einer ersten Ausfahrt aufbrechen.
Das Wetter ist gut und wir fahren die paar Kilometer nach Bad Kohlgrub rüber, einfach so zum Spaß. Dort schauen wir uns aus Neugier den Camping-Platz an, er sagt uns aber überhaupt nicht zu, hier würden wir nicht stehen bleiben wollen.
Wir kurven noch ein wenig in der Gegend herum und fahren dann zum Naturfreunde-Haus nach Saulgrub zurück. Sofort sind wir wieder im Gespräch mit Hans, später kommt dann Ingrid von der Kuranstalt zu uns. Sie hat jetzt auch endlich ihre Pension bewilligt bekommen, jetzt werden die beiden wohl noch mehr auf Achse sein.
Mit einem Bierchen (für die Männer) und einem alkoholfreien Hugo (für die Damen) überbrücken wir die Zeit, bis sich der Hunger meldet. Das passierte so gegen 18 Uhr 30 und wir bezogen Position auf der eben erst errichteten Terrasse des Naturfreunde-Hauses. Die Speisekarte verzeichnet lediglich drei Hauptgerichte, brauchen wir also nicht lange auszuwählen. Das Dargebrachte ist dann durchaus genießbar, das Bier ist eiskalt und bayrisch, was will man mehr. Hans und Ingrid zeigen sich dann noch sehr großzügig, als sie die gesamte Rechnung übernehmen – sozusagen zur Feier von Ingrids Übertritt in den Pensions-Status. Danke dafür nochmals an dieser Stelle, in drei Jahren ist dann Ilse dran...
Später sind wir dann noch bis nach 21 Uhr gemütlich zusammengesessen, bis uns die abendliche Kühle ins Innere unserer Wohnmobile nötigte. Vor allem die enorme Luftfeuchtigkeit war uns unangenehm, Tisch und Stühle tropften regelrecht.
Bald einmal löschten wir die Lichter in unserem WoMo und wäre der Zug mit seinem (schon auch ein wenig nervenden) Hupen nicht gewesen, wir hätten eine traumhafte Nacht verbracht. So war sie „nur“ herrlich…

Montag, 15. August 2016
Das Erwachen in kühler Bergluft ist immer wieder wunderbar, heute war es sogar so frisch, dass wir für eine Stunde die Heizung aufdrehen mussten – 15 Grad im Inneren sind uns dann doch etwas zu kühl für T-Shirts und kurze Hosen. Ilse kochte wie immer einmaligen Kaffee und wir ließen den Tag gemütlich angehen. Die Sonne zeigte sich dann immer häufiger und bald einmal kletterte die Temperatur auf über 20 Grad. Das war für uns das Startsignal zu einer kleinen Ausfahrt mit unserem Roller.
Von Ingrid, die am Vormittag mit dem E-Bike von Oberammergau nach Saulgrub angeradelt gekommen ist (sie muss ja in der Kuranstalt übernachten), bekamen wir den Tipp, eine besonders schöne und hohe Brücke mit fantastischer Aussicht zu besuchen – allerdings haben wir die Wegbeschreibung schon eine Minute später vergessen…
Nach dem Verlassen des Campingplatzes sind wir einfach ziellos nach rechts abgebogen und losgefahren. Die Fahrt über die wenig befahrene Landstraße war eindrucksvoll und der Fahrtwind fühlte sich angenehm kühl auf der Haut an, ganz besonders jenseits von 80 km/h.
Bald einmal kamen wir nach Oberammergau und weil wir noch nie im Ort selber gewesen sind, steuerten wir das Zentrum an. Direkt vor der Kirche stellten wir unsere Vespa ab und gingen eine gute Stunde lang spazieren. Oberammergau ist ein Tourismus-Topspot – entsprechend hoch sind auch die Preise. So wurde unter anderem eine „Pizza mit Ruccola“ als „Mittags-Angebot“ um nur 14 Euro 20 ausgelobt, wir verzichteten gerne.
Oberammergau ist berühmt für seine zahlreichen Holz-Schnitzer, entsprechend breitgefächert ist das diesbezügliche Angebot. Sogar eine fesche, aus Holz geschnitzte Harley-Davidson – geschätzte 10 kg schwer und 800 Euro teuer – hätten wir kaufen können. Und natürlich 10.000 Heilige und unzählige Jesus-Figuren, wahlweise mit oder ohne Kreuz. Der Phantasie der Schnitzkünstler hier scheinen kaum Grenzen gesetzt zu sein, wir haben z.B. einen aus Holz herausgearbeiteten Büromenschen gesehen, der konzentriert an seinem Holz-Notebook mitsamt Holz-Maus arbeitete…
Gekauft haben wir gar nichts – wobei, eine Vespa aus Holz hätten wir gerne gefunden. Aber leider nein. Wurscht natürlich, wir sind ja nicht zum Shoppen hierher gefahren.
die Burgeria in Saulgrub
Nach einem weitläufigen Rundgang sind wir dann zu unserem Rollerchen gelatscht und die gut 12 Kilometer nach Saulgrub zurückgefahren. Direkt an der Auffahrt zu unserem Stellplatz ist Ilse schon gestern ein kleiner Imbiss-Laden ins Auge gestochen und weil sich ein kleines Hüngerchen bemerkbar machte, sind wir dort eingekehrt. Der freundliche und sehr nette Verkäufer hatte einige Burger im Angebot, auch Hot-Dogs und Bratwurst. Gernot wagte sich über die Burger-Platte mit Pommes und Salat, Ilse hat sich einen Crispy-Chicken Burger kommen lassen. Beide Essen haben unsere Erwartungen übertroffen, auch vom Preis her. Danach sind wir beim Zahlen noch mit dem Verkäufer ins Plaudern gekommen. Wir hätten ihn für einen Iraker oder so gehalten, er kommt aber aus dem indischen Punjab. Tatsächlich hätten wir das erkennen müssen, denn eigentlich hat er typisch indisch ausgesehen. Aber was heißt das schon? Jedenfalls hat er einen bemerkenswerten Satz gesagt: „Hier in Deutschland gibt es auch viele arme Menschen. Aber im Gegensatz zu Indien erkennt man sie nicht.“ Da hat er wohl recht…
Nach dem üppigen Mahl sind wir zum Campingplatz zurück und haben zuerst einen feinen Pasch und anschließend eine kleine Siesta hingelegt. Natürlich haben wir uns immer wieder mit Ingrid und Hans unterhalten und verbrachten einen sehr entspannten Nachmittag.
Am frühen Abend sind wir dann wieder die paar Meter zum Naturfreunde-Haus rüber und haben der Speisekarte erneut alles abverlangt – heute gab es sogar Bratkartoffel, Ilse hat sie sich mit Spiegeleiern kommen lassen.
Anschließend sind wir noch bis in den späten Abend hinein zusammengesessen und haben uns wunderbar unterhalten. Ingrid und Hans sind wirklich total nett, dass wir uns mit anderen Campern so eng anfreunden ist eigentlich die totale Ausnahme – den beiden geht es umgekehrt übrigens genauso. Spätestens kommendes Jahr werden wir Hans und Ingrid in Bad Salzufflen besuchen – zu Ostern wahrscheinlich.
Unter Lachen und Scherzen ist es dann wieder so spät geworden, dass es der zunehmenden Feuchte und Nässe ein Leichtes war, uns ins Innere unserer WoMos zurückzutreiben. Bald darauf sind wir dann in unsere Kuschelbetten gekrochen und haben einen feinen Urlaubstag angenehm ausklingen lassen.

Dienstag, 16. August 2016
Heute geht’s wieder weiter, wenngleich nicht weit. Es sind ja höchstens 30 Kilometer zum Kochelsee, wo wir heute unsere Freunde Manu und Herwig erwarten.
Das Wetter zeigt sich am Morgen noch etwas störrisch, schließlich siegt aber doch die Sonne immer häufiger über das dichte Wolkenmeer.
Nach dem obligatorischen Guten-Morgen-Kaffee wollen wir die Rechnung bezahlen und müssen – leicht geschockt – erkennen, dass das Naturfreunde-Haus am Dienstag erst ab 16 Uhr geöffnet wird. An sich kein Problem, Hans bleibt ja noch da, wir wissen Daumen mal Pi was wir zu zahlen haben, also könnten wir auch Hans das Geld geben. Aber der Stromkasten ist verschlossen, wie sollen wir da unser Kabel abstecken? Die Lösung: Gernot macht einen Versuch als Schlangenmensch, windet seinen Arm von unten durch die Kabelführung und zieht den Stecker aus der Dose – er braucht dazu keine 45 Versuche. Aber es gelingt, allerdings hat sich Gernot dabei seinen rechten Unterarm einigermaßen bedient, der große blaue Fleck und die deftige Beule schmerzen noch Tage später. Und ein wenig schmerzt auch, dass die Akrobatik-Nummer völlig unnötig war, denn die Besitzer sind eh im Haus und um 10 Uhr bezahlen wir ganz normal unsere Rechnung…
DFG am Weg zum Kesselberg
Wir verabschieden uns herzlich von Ingrid und Hans, drücken uns fest und freuen uns schon jetzt auf ein Wiedersehen mit den beiden sympathischen Camper-Freunden. Dann startet Ilse unser WoMo, Gernot wird mit der Vespa fahren. Erstens weil‘s Spaß macht und zweitens ersparen wir uns so das Auf- und Abladen.
Die paar Kilometer zum Kochelsee rüber verlaufen völlig problemlos, es ist wenig Verkehr und wir kommen bestens voran. Obwohl wir nicht aufeinander warten und auch nicht hintereinander herfahren, ist Gernot höchstens eine Minute schneller am Kesselberg angekommen, auf Landstraßen ist die Vespa nicht flotter als unser WoMo.
Schnell haben wir unseren Platz gefunden, heute brauchen wir ja einen extra großen, weil Manu und Herwig mit Auto und Zelt anreisen. Besser gesagt, anreisen sollten. Denn bald stellt sich heraus, die beiden werden erst morgen in Niederösterreich losfahren, sie haben noch zu viel in ihrem Garten zu tun. Das kennen wir, auch wir sollten spätestens am Donnerstag wieder zu Hause sein, denn sonst verdursten unsere Balkon-Blumen.
Dann taucht ein weiteres Problemchen auf, ein deutsches Paar mit ihrem Wohnwagen beansprucht unseren Platz, sie hätten ihn eine halbe Stunde zuvor beim Luis persönlich reserviert. Das stimmt – tatsächlich war Luis bei unserer Ankunft gerade einkaufen und Gitti hat von der Reservierung nicht gewusst. So kann’s halt manchmal gehen. Luis hat dann die Situation souverän gerettet, indem er den beiden Deutschen einen anderen, angeblich viel schöneren, Platz wortreich schmackhaft gemacht hat. Danke Luis – wir waren nämlich schon voll eingerichtet, haben über 30 Meter Kabel ausgerollt und sind ausnahmsweise einmal auf die Böcke gefahren, Tisch und Stühle waren natürlich auch schon  aufgestellt. Ein Umzug wäre wirklich lästig gewesen.
Wir verbrachten einen sehr angenehmen Tag am Kesselberg und ergötzten uns wieder einmal ausgiebig am Geschehen rund um unser WoMo. Schnell bemerkten wir, dass heute etwas ganz Besonderes in der Luft liegen musste, denn wir hörten derartig viele dämliche Aussagen, dass wir begannen, sie zu notieren. Hier ein kleiner Auszug:
Das deutsche Paar mit dem Wohnwagen, erkannte uns zuerst als Italiener, weil wir das I für Innsbruck an unserem österreichischen Nummernschild tragen. Dann meinte der Mann, als er seinen Fehler erkannte (und sich wahrscheinlich über das gute Deutsch der „Italiener“ wunderte): „Ach, Sie kommen aus Österreich, ja dann sind Sie ja auch (!!) Ausländer!“ Das war möglicherweise ein unfreiwillig gewährter Einblick in die Seele eines „Preußen“, der sich gerade im tiefsten Bayern aufhält.
Direkt neben uns bezog gerade eine Familie ihren Zeltplatz, Luis stand dabei. Die Frau der „Camper-Profis“ versuchte den Lauf der Sonne auszubaldowern, um den Schatten der Bäume bestmöglich zu  berechnen und für sich nutzen zu können. Deshalb stellte sie an Luis die geniale Frage: „Und die Bäume bleiben hier den ganzen Tag so stehen?“ Na Bumm! Antwort von Luis, der sich über sowas scheinbar gar nicht mehr sonderlich wundert: „Ja, ja – die Bäume bleiben da.“
Später ist eine Mutter mit ihrem vierjährigen Mädchen an unserem Platz vorbeigekommen. Wir hatten unser Moped wegen dem zu erwarteten Gewitterregen mit einer Plane abgedeckt und das Mädchen fragte seine Mama: „Warum ist bei dem Motorrad ein Tuch drüber?“ Und Mami antwortete zu unserer Belustigung mit dem wunderschönen Satz: „Damit es nicht wegrollt.“ Kein Drehbuchautor einer Komödie würde es wagen, derartiges zu formulieren, zu unglaubwürdig wäre so eine Antwort. Später fragte dann noch eine Camperin, was es denn mit dem „Halsgrad“ auf sich habe, der heute im Tagesangebot auf der Speisekarte stand. Luis erklärte ihr, dabei handle es sich um Nacken-Steaks, Halsgrad sei der bayrische Ausdruck dafür. Doch die Dame wollte noch mehr Infos, deshalb ihre Frage: „Und von welchem Fisch sind diese Steaks?“ Luis blieb wieder sachlich, ich hätte an seiner Stelle wohl mit „vom oberbayrischen Schweins-Fisch“ geantwortet.
Ach ja – was uns noch aufgefallen ist: Am Camping-Platz treffen wir seit zwei, drei Jahren immer wieder einen Vater, der mit seiner jetzt 11-jährigen Tochter bei jedem Wetter zeltet. Die beiden lassen sich nie etwas abgehen, sie gehen Frühstücken, Mittag- und Abendessen. Der Vater wird so Mitte dreißig sein, hat lange Haare, trägt ein Piratentuch und ist offenbar ein großer Anhänger der Heavy-Metal-Gruppe Motörhead, denn er lässt sich ausschließlich in ihren martialischen Fan-T-Shirts blicken. Und eben dieser durchaus sympathische Mann hat die Angewohnheit, im Rahmen des Frühstück sein erstes großes Bier zu trinken, meist so gegen 9 Uhr, oft nimmt er noch ein Paar Weißwürste dazu. Also wir würden meinen, in Hamburg, Kiel oder Buxtehude sollte ein Vater mit seiner minderjährigen Tochter besser nicht eine halbe Bier zum Frühstück nehmen, er könnte bald einmal Besuch vom Jugendamt bekommen. In Bayern ist das normal, vollkommen landestypisch – das Bier gilt hier offenbar nicht als alkoholisches Getränk, sondern ist mehr ein Lebensmittel. Sogar in Polizei-Inspektionen ist – wie wir aus gewöhnlich grün uniformierten Kreisen erfragt haben – ein kühles Weißbier zur Vormittags-Jause nicht unüblich. Andere Länder, andere Sitten.
Der Tag neigte sich für uns langsam zu Ende und wir ließen ihn mit einem sehr guten Abendessen würdig ausklingen. Ilse genoss ein köstliches Szegediner-Gulasch und Gernot probierte einen Fisch in der Kartoffel-Panade – äußerst empfehlenswert, wird wohl sein neuestes Lieblings-Gericht am Kesselberg werden (von der knusprigen Haxe natürlich abgesehen…)
Später hat sich dann leider herausgestellt, dass Manu und Herwig nicht zum Kesselberg kommen werden. Weil wir schon am Donnerstag nach Hause fahren müssen, um unsere Blumen zu gießen, verschieben wir unser Treffen auf ein anderes Mal – die beiden werden stattdessen nach Kroatien reisen. Kein Problem – Niederösterreich ist ja wirklich nicht unerreichbar, wir werden uns also wiedersehen.
Nach einem Spätabend-Pasch ist dann noch ein gewaltiger Starkregen über uns niedergegangen, begleitet von ein wenig Blitz und Donner. Gut, dass wir unsere Vespa vorsorglich abgedeckt hatten, so konnte sie uns wenigstens nicht wegrollen…
 

Mittwoch, 17. August 2016
Weil wir Manu und Herwig nicht treffen werden, fahren wir heute schon nach Hause, einen Tag früher als geplant.
Das Wetter ist durchwachsen, stark bewölkt, aber immerhin kein Regen, die Wolken haben momentan einfach kein Wasser mehr bei sich, das haben sie in der Nacht über ganz Oberbayern ausgeleert.
Wir frühstücken wie üblich bei Gitti und Luis, dann packen wir in aller Ruhe unser WoMo zusammen und reisen danach erneut getrennt ab. Gernot will sich den Spaß einer Vespa-Fahrt nach Innsbruck nicht vom trüben Wetter nehmen lassen und tatsächlich kommt er trockenen Fußes daheim an. Und wieder hat er über die ganze Fahrt hinweg keinen nennenswerten Vorsprung gegenüber Ilse herausholen können. Als die Vespa bei Seefeld betankt werden muss (zum Glück finden sich noch drei 1-Euro Münzen in Gernots Geldtasche), genügt dieser sehr kurze Stopp, dass Ilse die Führung übernimmt. Wir treffen uns dann zufällig kurz vorm Zirlerberg, weil Ilses Mickey-Maus-Blase eine kleine Pause notwendig gemacht hat.
Nach dem Zirlerberg trennen sich dann unsere Wege, Gernot kann mangels Vignette nicht die Autobahn benützen, zudem hat Ilse in Zirl noch etwas zu erledigen.
Damit geht ein kleiner Ausflug nach Bayern zu Ende, bei der wir ganz liebe Freunde getroffen und ganz liebe Freunde leider nicht getroffen haben. Die nächste WoMo Reise ist schon fixiert, wir tauschen nicht einmal die Fahrzeuge, unser Ford Fiesta bleibt in seiner Sommer-Residenz geparkt und nach dem Blumengießen geht’s dann wieder weiter. Schweiz halte dich fest – die Zimmermanns stehen mit ihrem treuen Nasenbären schon wieder ante Portas…


Freitag, 12. August 2016

55. WoMo-Fahrt "Reparaturfahrt Kolbermoor"

Innsbruck-Kolbermoor-Innsbruck
12. August 2016 - 249km


Freitag, 12. August 2016 
Wenn man als leidenschaftliche Wohnmobil-Camper mitten in der Saison plötzlich ohne Wohnmobil dasteht, ist das natürlich ein ziemlich hartes Los. So ist es uns ergangen – die Kupplung unseres Schneckchens hat nach über 185.000 Kilometern tadelloser Arbeit urplötzlich und lautstark ihren Dienst quittiert. Steht dem guten Teil auch zu – der Begriff „Verschleißteil“ ist ja nicht zufällig entstanden.
Also mussten wir unser WoMo unmittelbar nach der Rückfahrt aus Südtirol bei unserer Werkstätte im Stubaital abgeben.
Nun ist es ja nicht so, dass der Tausch einer Kupplung für eine Fachwerkstätte ein schwerwiegendes Problem darstellt, ist aber ein wichtiges Teil nicht mehr verfügbar, so sieht das gleich anders aus. Und so war es halt leider auch bei unserem Schneckchen, eine unscheinbar aussehende Rückholfeder war nur sehr schwer aufzutreiben – letztendlich wurde unsere Werkstatt in Polen (!) fündig. Der von leichtem, gegenseitigem Argwohn begleitete Bezahlvorgang und der Post-Transport dauerten dann auch noch ein paar Tage und schließlich waren wir beinahe zwei Wochen lang ohne WoMo. Echt hart.
Umso größer war die Freude, als wir unser geliebtes Wohnmobil wieder von der Werkstatt in Mieders abholen konnten – die Rechnung war mit ca. 1.150 Euro schon weit weniger erfreulich. Na ja – eine durchgebrannte Lampe wurde immerhin auch noch getauscht und unser Motorrad-Träger einer genaueren Prüfung unterzogen. Nützt nix. Jedenfalls hat Schneckchen jetzt Kupplung genug für den Rest seines Lebens – bis dass der Schrotthändler uns dereinst scheidet…
Mit unserem reparierten WoMo haben wir gleich am nächsten Tag, es war Freitag, der 12. August, eine so genannte Reparaturfahrt angetreten. Unser Ziel war der Ort Kolbermoor nahe Rosenheim, ca. 115 Kilometer von Innsbruck entfernt. Dort gibt es die Firma „Schrempf & Lahm“, die sind spezialisiert auf Hymer-Camper und betreiben ein umfangreiches Ersatzteillager. Und wir brauchen für unsere Fenster spezielle Stopper, die verhindern, dass die Scheiben seitlich aus ihrer Führung ausbrechen können. Ein paar dieser Leichtmetall-Teilchen sind im Laufe der Jahre verlustig gegangen, andere bei der bloßen Berührung zerbröselt. Schon wieder ein Verschleißteil also…
Ilse hat schon Tage vorher telefonisch und per Mail Kontakt mit „Schrempf & Lahm“ aufgenommen, Fotos geschickt und – jawohl, die Dinger sind lagernd. Also nix wie hin.
Nach Kolbermoor sind wir wenig einfallsreich über die Inntal-Autobahn gefahren und haben dank unseres Navigationsgerätes namens Ilse die Firma auch auf Anhieb gefunden. Dort wurden wir von einer ausnehmend bemühten Dame äußerst freundlich und kompetent bedient – hiermit soll eine ausdrückliche Empfehlung für „Schrempf & Lahm“ ausgesprochen werden. Weil wir schon da waren, haben wir ein weiteres, klassisches Verschleißteil erworben – die Arretierung unserer WoMo-Tür war ausgeleiert, schon das leichteste Windchen wehte uns die Tür zu. Jetzt kann ein Orkan toben oder auch ein Sturm wüten, die Tür bleibt beinhart offen. Eher hat sich unser „Problem“ ins Gegenteil verkehrt, denn jetzt lässt sich unsere Tür nur noch mit einer speziellen Technik und mit einem gehörigen Kraftaufwand entriegeln, aber das wird sich sicher auch irgendwann wieder verschleißen…
Für unsere acht Fensterstopper (jeweils Männchen und Weibchen) und die zweiteilige Tür-Arretierung bezahlten wir keine 6 Euro – sehr fein.
Nach dem Werkstatt-Besuch war uns gleich klar – zurückbrettern über die Autobahn ist laaaangweilig – also sind wir von Kolbermoor Richtung Tegernsee abgebogen. Die Fahrtroute wählten wir ausschließlich über Bundesstraßen und kleine Landstraßen, ein schöner Test für unsere neue Kupplung. Die funktioniert erwartungsgemäß ausgezeichnet, auf die Firma Krünes in Mieders kann man sich eben verlassen und wir werden das mit Sicherheit auch weiterhin tun.
Der malerisch schöne Tegernsee und der gleichnamige Ort begrüßten uns mit kilometerlangem Stopp-and-Go-Verkehr, keine Überraschung in einer Tourismus-Hochburg. Völlig überraschend hingegen waren für uns die Treibstoffpreise an den Tankstellen in und rund um Tegernsee – fast alle hatten den Diesel mit unter einem Euro im Angebot – Rekord-Tiefpreis 0,971!! An einen derart tiefen Preis in Deutschland können wir uns gar nicht erinnern, das muss jedenfalls schon viele Jahre her sein. Wahrscheinlich haben damals Modern Talking oder Milli Vanilli die Hitparaden angeführt und Gerhard Schröder hat noch am Tor zum Kanzleramt gerüttelt… Direkt schade, dass wir das Angebot wegen unseres zu dreiviertel vollen Tanks nicht nutzen konnten.
Von Tegernsee sind wir dann in Richtung Achensee weitergefahren, der Verkehr wurde spürbar schwächer und zeitweise hatten wir das Gefühl, alleine auf den Straßen unterwegs zu sein.
In Achenkirch sind wir dann bei einem Lebensmittelmarkt kurz eingekehrt – haben uns dort über eine famos unverschämte Verkäuferin kurz geärgert und anschließend im WoMo köstliche Fleischkäse-Semmeln vertilgt.
Derart gestärkt, haben wir dann die letzten Kilometer nach Innsbruck absolviert, ab Wiesing dann wieder über die Autobahn, die Bundesstraßen in Tirol mit den zahlreichen Ortsdurchfahrten kennen wir wirklich schon zur Genüge.

Schon am frühen Nachmitttag waren wir dann wieder zu Hause – aber nicht für lange Zeit. Denn schließlich ist immer noch Hochsaison für WoMo-Camper, also auch Hochsaison für uns. Die nächste Fahrt ist schon geplant, also in groben Zügen zumindest – wie üblich…

Donnerstag, 4. August 2016

Das Lied vom Schneckchen

„Unser Schneckchen“

1
Unser allergrößtes Urlaubsglück,
ist ein hübsches Wohnmobil.
Wir geben „Schneckchen“ nie mehr zurück,
dafür bedeutet es uns viel zu viel.
2
Dabei wussten wir beide jahrelang nicht,
ob wir jemals ein Wohnmobil fahren.
Also erzähl ich in einhundert Reimen die Gschicht`,
wie das anfing vor gut zehn Jahren.
3
Als wir beide uns damals kennenlernten,
kannte noch keiner ein WoMo von innen.
Ein Jahr später schon waren wir auf Urlaub in Kärnten,
mit vielen Campern und Camperinnen.
4
Das erste Mobil haben wir ausgeborgt,
weil wir nicht sicher waren, ob‘s uns gefällt.
Doch wir haben uns völlig umsonst gesorgt,
denn Campen wurde schnell unsere Welt.
5
Wir bevorzugen mehr das einfache Leben,
waren noch nie im 5-Sterne-Hotel.
Luxus hat uns noch nie was gegeben
und das ändert sich auch nicht so schnell.
6
Ein weiches Bett und gutes Essen,
damit sind wir mehr als zufrieden.
Auf Haubenküche sind wir nicht versessen,
also haben wir uns fürs Campen entschieden.
7
Drei Jahre lang haben wir uns WoMos geliehen
und dafür geblecht wie die Affen.
Dann war die Idee weit genug gediehen,
uns selber eins anzuschaffen.
8
Also haben wir uns ein WoMo gekauft,
eins zu finden, war gar nicht so schwer.
Wir haben unseres „Schneckchen“ getauft
und geben es wohl nie wieder her.
9
Unser WoMo heißt Fiat Ducato Diesel,
gebaut vor einem Vierteljahrhundert.
Dass es anfangs nicht wirklich lief wie ein Wiesel,
hat uns Laien noch gar nicht gewundert.
10
Die Firma Hymer hat das WoMo gebaut
dabei sehr viel an Know-how reingesteckt.
Und wenn man sich unser „Schneckchen“ anschaut,
dann ist es ja fast schon perfekt.
11
Die Innenaufteilung ist grenzgenial,
wir haben mehr als genügend Raum.
Und stehen wir irgendwo länger mal,
dann stören wir uns gar nicht bis kaum.
12
Das Häuschen ist fünfeinhalb Meter lang,
und ragt drei Meter weit in die Höh‘
Doch bei diesen Maßen wird uns nicht bang,
denn gut fahren können wir ja eh.
13
Zu Beginn war unser WoMo nicht dicht,
also haben wir’s dicht machen lassen.
Ganz billig war die Geschichte ja nicht,
aber keine Rede von Geld verprassen.
14
Denn jetzt kann es wie aus Kübeln schütten,
das macht unserem „Schneckchen“ nichts aus.
Wir sitzen bequem in einer trockenen Hütten,
denn bei Regen geht keiner gern raus.
15
Dann machte auch noch der Motor schlapp,
also wurde fast alles getauscht.
Jetzt geht es locker bergauf und bergab,
dass es im Inneren nur mehr so rauscht.
16
Über den Brenner glühen wir im fünften Gang,
unser „Schneckchen“ geht Hundert und mehr.
Das wird auch so bleiben –  hoffentlich noch lang,
das wünschen wir uns wirklich sehr. 
17
Beim Diesel-Durst hält sich „Schneckchen“ zurück,
wir brauchen oft keine zehn Liter.
Das ist bei den Preisen auch wirklich ein Glück,
denn jeder Mehrverbrauch wär für uns bitter.
18
Unser Häuschen ist ein Alkoven Modell,
man schläft im ersten Obergeschoß.
Da funktioniert das Wegpennen unheimlich schnell,
denn das Doppelbett ist riesengroß.
19
Doch wir haben noch weitere Doppelbetten,
deren zwei, um genau zu sein.
Das wär praktisch, wenn wir mal Gäste hätten,
doch meistens fahren wir allein.
20
Zwar ist unser „Schneckchen“ nicht wirklich stark,
mit seinen knapp 90 PS.
Doch wir sind mit dem WoMo völlig autark
und noch niemals hatten wir Stress.
21
Wir kommen die wildesten Straßen hinauf,
sind noch niemals wo hängen geblieben.
Unser WoMo war wirklich ein super Kauf,
darum werden wir’s auch ewig lieben.
22
Zwar braucht unser schon betagtes Häuschen,
vor allem auf ganz steilen Strecken,
ab und zu ein kleines Päuschen,
sonst könnt’s doch tatsächlich verrecken.
23
Dann blubberts im Kühler und Wasser tritt aus,
doch dafür gibt’s einen Überlauf.
Und danach quält sich unsere brave Maus,
weiter die Steigung hinauf.
24
Manche spotten und nennen es „Nasenbär“,
weil`s einem Nasenbär’n tatsächlich gleicht.
Zwar gibt’s WoMos, die kommen eleganter daher,
doch hat uns „Schneckchen“ immer gereicht.
                                                             25
Wir brauchen keine verglasten Vitrinen
und keinen off’nen Kamin.
Das ist uns stets übertrieben erschienen
und kam uns gar nie in den Sinn.
26
Wir verzichten bewusst auf ein Klimagerät,
wenn’s zu heiß wird, gehen wir nach draußen.
Und wir werden uns – obwohl das geht,
auch niemals im Wohnmobil brausen.
27
Denn wir haben, wie gesagt, viel unternommen,
um die Feuchtigkeit draußen zu lassen.
Nässe soll nie mehr ins Häuschen kommen,
weil wir Wasser im WoMo hassen.
28
Wir brauchen im WoMo auch kein TV
und keine SAT-Antenne am Dach.
Denn dann – das wissen wir ganz genau,
liegen wir täglich spätabends noch wach.
29
Zwar schauen wir uns ab und zu Filme an,
die wir auf Festplatte mit uns führen.
Das passiert aber meistens eh nur dann,
wenn wir so was wie Langweile spüren.
30
Ganz wichtig sind uns Kühlschrank und Klo,
unsere Heizung und auch die Therme.
Denn erwacht man in den Alpen irgendwo,
fehlt es morgens manchmal an Wärme.
31
Die eigene Toilette ist natürlich sehr fein,
wenn wir mal frei in der Wildnis stehen.
Denn das kann es ja nun wirklich nicht sein,
dass wir in der Nacht nach draußen gehen.
32
Wir haben natürlich auch Wasser an Bord,
im Tank, aber auch in Flaschen.
So können wir bequem und vor Ort,
das Geschirr und uns selber waschen. 
33
Auch könnten wir nie ohne Gasherd sein,
schon allein wegen dem Kaffee am Morgen.
Etwas Kochen zu können ist wirklich fein,
denn fürs leibliche Wohl muss man sorgen.
34
Meistens gehen wir aber ohnehin speisen,
denn man gönnt sich ja sonst nichts im Leben.
Jedes Land auch kulinarisch bereisen –
was kann’s noch viel Schöneres geben?
35
Irgendwann kühlte dann unser Kühlschrank nicht mehr,
was bei seinem Alter niemand verwundert.
Aber die Kosten des neuen verwunderten sehr,
denn wir bezahlten doch glatt Dreizehnhundert!
36
Aber natürlich ist ein Eiskasten wichtig,
schon allein wegen der kalten Getränke.
Denn wenn schon WoMo, dann aber richtig,
das war immer schon unsere Denke.
37
Drum haben wir uns auch eine Markise gegönnt,
die wir anfangs noch gar nicht hatten.
Und wenn jetzt die Sonne vom Himmel brennt,
spendet uns die Markise himmlischen Schatten.
38
Doch übertrieben Luxus brauchen wir nicht
und wir werden auch nie danach streben.
Heizung, Kühlschrank, Gasherd und Licht,
was kann’s noch viel Wichtigeres geben?
39
Unser absolutes Lieblingsspiel,
ist und bleibt der Pasch.
Würfeln tun wir wirklich viel,
dazu sind wir niemals zu lasch.
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So eine Pasch-Partie dauert eineinhalb Stunden,
wir spielen im Freien und auch herinnen.
Es gibt Tage da würfeln wir drei volle Runden,
jetzt denkt mancher vielleicht, dass wir spinnen.
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Doch das Paschen ist ein Riesenvergnügen,
dass uns niemals langweilig wird.
Jeder von uns will den andern besiegen
und hofft, dass er nicht verliert.
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Doch geht es nicht nur ums Siegen und Verlieren,
das Würfeln selbst ist der Spaß.
Und in jedem Wurf kann alles passieren,
so richtig spannend ist das.
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Es gibt Tage, da strotzen wir vor Energie
und machen gleich tausend Sachen.
Da sind wir voll aktiv – Ende nie
und lassen es richtig krachen.
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An anderen Tagen, das ist halt so,
dösen wir faul auf den Sonnenliegen
Und heben höchstens zum Essen den Po,
wenn wir irgendwann Hunger kriegen.
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Wir lieben die Freiheit und auch das Fahren,
manchmal sechs, sieben Stunden am Stück.
Und an alle Orte, in denen wir waren,
denken wir oft und gerne zurück.
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Wir haben schon halb Europa bereist,
auch der Rest kommt sicher noch dran.
Wann – das weiß nur der Heilige Geist,
aber ganz garantiert irgendwann.
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Die ersten paar Jahre zog’s uns nach Norden,
sind sechs Mal nach Meck-Pomm gefahren.
Beinahe schon wären wir Piefkes geworden,
weil wir so oft in Deutschland waren.
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Aber Deutschland ist wirklich wunderschön,
das Land braucht sich echt nicht verstecken.
Wir haben noch lange nicht alles gesehen,
es gibt da noch viel zu entdecken.
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Wir kennen auch Holland, Belgien, die Schweiz
und wir waren schon droben bei den Dänen.
Jedes Reiseziel hat seinen eigenen Reiz,
aber das muss man nicht extra erwähnen.
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Frankreich hat uns sehr gut gefallen,
besonders die Cote d‘ Azur.
Zwar können wir auf Französisch nur lallen,
doch da kann Frankreich ja nix dafür.
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Die Stadt Harlingen liegt in den Niederlanden
und wir waren schon sehr oft dort.
Wir sind immer am gleichen Platz gestanden,
einem wirklich sehr schönen Ort.
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De Zeehove nennt sich das Areal,
die Atmosphäre ist dort sehr entspannt.
Drum fahren wir immer wieder einmal,
auf Urlaub in dieses Land.
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In Holland gibt’s zahlreiche Coffee-Shops,
für diejenigen, die das halt brauchen.
Zwar bekommt man da drin keine sauren Drops,
dafür etwas Grünes zu rauchen.
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Wir waren auch sehr oft in Amsterdam,
unsere Besuche sind nicht mehr zählen.
Und ohne dieses ganze Weltstadt Tam-Tam,
tät uns im Urlaub doch einiges fehlen.
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Bis jetzt wurden wir niemals Opfer von Dieben,
unser Häuschen verspricht wenig Beute.
Das ist auch in Sizilien so geblieben,
wir trafen stets nur ehrliche Leute.
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Sizilien ist einfach nur wunderbar
und wir haben jede Stunde genossen.
Wir haben die Insel – das ist wirklich wahr,
ganz fest in unser Herz geschlossen.
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Wir kommen sicher noch einmal hier her,
im Herbst dann halt, wegen der Hitze.
Denn mit jedem Urlaubstag spürten wir’s mehr:
Sizilien ist einsame Spitze!
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Am Kochelsee ist unser Lieblingsplatz,
der liegt im benachbarten Bayern.
Da sah man den Gernot mit seinem Schatz,
mehr als zwanzig Mal Urlaub feiern.
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Immer wenn wir zum „Kesselberg“ fahren,
ist der Spaß bereits vorprogrammiert.
Und dass wir schon so oft da draußen waren,
liegt vor allem am Campingplatz-Wirt.
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Denn der Luis ist ein echtes Original
und er stammt wie wir aus Tirol.
Schon deshalb fühlen wir uns jedes Mal,
beim Luis und seiner Gitti so wohl.
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Zum „Kesselberg“ sind es, von Innsbruck aus,
nur ein paar Dutzend Kilometer.
Wir fahren aus uns’rer Garage heraus
und kommen an, eine Stunde später.
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Früher hatten wir Fahrräder mit,
um jede Gegend genau zu erkunden.
Heut ist eine rote Vespa der Hit,
mit der drehen wir unsere Runden.
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Wir sind schließlich keine Zwanzig mehr,
das Radeln wurde fast schon zur Plage.
Jetzt kommen wir mit dem Roller daher,
das ist bequemer – gar keine Frage.
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Unser Spaß-Gefährt steht hinten am Träger
und wird nahezu täglich verwendet.
Die Vespa ist wirklich ein heißer Feger,
da haben wir kein Geld verschwendet.
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Unsere Vespa auf den Träger zu heben,
ist schon beinah eine Wissenschaft.
Da müssen wir manches Mal alles geben,
an Einsatzbereitschaft und Kraft.
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Und durch Ilses Technik ist uns gelungen,
den Roller perfekt festzubinden
Von zahlreichen Spanngurten fest umschlungen,
hält er bombenfest, wie wir finden.
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Auf beinahe jedem Campingplatz,
gibt es Tiere vielerlei Art.
Ob Ente, Hase, Hund oder Katz –
wir treffen sie auf jeder Fahrt.
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In Holland konnten wir unseren Augen nicht trauen,
denn eine Möwe hat sich in uns verliebt.
Die wollt‘ dann doch glatt ihr Nest bei uns bauen -
unglaublich, was es alles gibt.
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Auch Spatzen und Amseln gibt es zuhauf,
doch kann uns das nicht erschüttern.
Dann machen wir halt unsere Brotdose auf,
um die hungrigen Vögel zu füttern.
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 Katzen schauen öfters bei uns vorbei,
die räudigen und auch die schönen.
Wir haben stets Futter für sie dabei,
mit dem wir sie dann verwöhnen.
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Die Sanitäranlagen auf Campingplätzen,
haben nicht immer dasselbe Niveau.
Wir verlangen nicht viel, doch was wir sehr schätzen,
sind funktionierende Duschen und ein sauberes Klo.
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Nur ganz selten ist es wirklich zum Grausen,
doch so was kann uns nicht erschrecken.
Denn dann lassen wir einfach das Duschen sausen
und waschen uns am eigenen Becken.
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An ausgesuchten Camping-Plätzen,
findet sich manchmal ein Swimming-Pool.
Wir wissen so etwas wirklich zu schätzen,
denn Schwimmen bei Hitze ist cool.
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Denn es gibt halt besonders heiße Tage,
an denen die Sonne gnadenlos sticht.
Dann ist Abkühlung wichtig, gar keine Frage,
denn von selber geht das ja nicht.
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Also ab in den Pool, für eine Viertelstunde
und schon ist man herrlich gechillt.
Dann schwimmen wir noch eine kleine Runde,
schon ist die Hitze nur mehr halb so wild.
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Wenn wir uns auf einen Camping-Platz stellen,
sind wir blitzartig voll eingerichtet.
Diesbezüglich gehören wir echt zu den Schnellen,
da haben wir schon anderes gesichtet.
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Denn manche brauchen allein zehn Minuten,
bis sie endlich den Strom angeschlossen.
Da planschen wir schon erfrischt in den Fluten
und haben die ersten Drinks längst genossen.
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Ganz wichtig scheint vielen die perfekte Lage,
ihres Wohnmobiles zu sein.
Das checken sie exakt mit der Wasserwaage –
so etwas fiel uns gar nicht erst ein.
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Doch viele unserer WoMo-Kollegen,
sind auf die Waagrechte scheinbar versessen.
Das muss man halt auch irgendwie mögen,
immer wieder und wieder zu messen.
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Wir finden es immer wieder zum Lachen
bei solchen Mess-Orgien zuzusehen.
Das gehört für uns halt zu den Sachen,
die wir schwer bis gar nicht verstehen.
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Denn wirklich schief steht man ohnehin nie,
die Plätze sind eh meistens eben.
Wie gesagt, diese „Gerade-Steh-Hysterie“
wird es bei uns ganz sicher nie geben.
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Immer wieder schauen wir auch gerne
beim Wohnwagen einparken zu.
Manche steuern einen E-Mover aus der Ferne
und manövrieren in aller Ruh.
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Andere wieder müssen sich plagen,
bis ihr Wohnwagen richtig steht.
Die werden sich sicherlich manchmal fragen,
ob’s mit einem Mover nicht leichter geht.
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In drei Jahren, das wissen wir heute schon,
wird’s für uns nur noch Camping geben.
Denn dann gehen wir in die verdiente Pension
und starten unser globales Leben.
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Das heißt, wir werden die meiste Zeit
des Jahres auf Achse sein.
Und dafür sind wir mehr als bereit
und könnten vor Freude laut schrei’n.
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Auf die Pension brauchen wir aber gar nicht zu warten,
denn unser WoMo wird fleißig verwendet.
Momentan unternehmen wir unsere Fahrten,
halt so lang, bis der Sommer dann endet.
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Doch sehr bald schon wird unser Wohnmobil,
das ganze Jahr über im Einsatz sein.
Dann ist vor allem der Süden das Ziel,
worauf wir uns heute schon freu’n.
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Im Winter zwölf Wochen nach Spanien fahren,
schon allein wegen der Temperatur.
Und weil wir in Spanien noch nicht waren,
wird’s eine ganz besondere Tour.
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Auch werden wir – so ist der Plan,
Norwegen ausführlich erkunden.
Dort schauen wir uns dann die Nordlichter an
und freuen uns auf glückliche Stunden.
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Marokko steht ebenfalls auf unsrer Liste,
denn auch Afrika wollen wir sehen.
Wir sind schon gespannt auf manch sandige Piste,
doch das wird schon irgendwie gehen.
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Fernreisen wären der totale Traum,
einmal bis Indien fahren!
Doch mit unserem WoMo geht das kaum,
das ist schon zu alt an Jahren.
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Aber mit einem feschen, kleinen Camping-Bus,
könnte man so eine Reise wagen.
Doch wär so ein Trip für uns ein Genuss?
Wir wissen’s nicht wirklich zu sagen.
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Denn von Innsbruck aus ist der Taj Mahal,
zwar mit dem Flugzeug bequem zu erreichen –
aber im WoMo wär das wohl mehr eine Qual
und mit nichts anderem zu vergleichen.
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13.000 Kilometer in einem Stück,
sind wir wirklich so beinharte Knochen?
Und dann müssten wir auch wieder zurück,
das dauert dann nochmal acht Wochen.
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Dann kommt noch etwas Wichtiges hinzu:
Wir verstehen nix von Mechanik.
Waren mit Technik noch niemals auf Du und Du,
schon ein Platter versetzt uns in Panik.
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Wir wissen auch, dass auf Indiens Straßen,
ganz eigene Regeln gelten.
Und weil die alle wie irrsinnig rasen,
sind Unfälle gar nicht so selten.
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Das möchten wir lieber erst gar nicht riskieren,
wollen uns nicht in Gefahr begeben.
Dabei können wir eigentlich nur verlieren,
vor allem unser lässiges Leben.
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Darum wird das wohl ewig ein Wunschtraum bleiben,
aber träumen ist niemals verkehrt.
Aber wir wollen es wirklich nicht übertreiben,
das hat sich noch niemals bewährt.
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Wohin uns in Zukunft die Wege führen,
weiß heute noch niemand zu sagen.
Aber wir lassen uns sicherlich nicht verführen,
gefährliche Fahrten zu wagen.
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Doch in jedem Fall bleiben wir Wohnmobilsten,
das ist für uns gar keine Frage.
Denn wir sind die geborenen Camping-Touristen,
bis ans Ende unserer Tage.