GErnot und ILse

GErnot und ILse

Samstag, 31. Dezember 2016

Umzug Weihnachten 2016


Eine der wichtigsten Fragen, die sich WoMo-Camper stellen müssen, lautet: „Wo wohnt unser Häuschen, wenn wir nicht drin wohnen?“
Wie wir damals Wohnmobilisten geworden sind, haben wir den Abstellplatz der Vorbesitzer übernommen, einen nebbichen Schotter-Parkplatz unter freiem Himmel, um 38 Euro Miete im Monat. Zwar in unmittelbarer Nähe zu unserer Wohnung gelegen (keine 1.000 Meter), aber für unser betagtes Häuschen natürlich suboptimal. In Tirol ist im Winter mit zum Teil heftigen Schneefällen zu rechnen, die Temperaturen fallen immer wieder mal unter 15 Grad minus, ein Alptraum für ein WoMo Baujahr 1990.
Durch einen glücklichen Zufall haben wir dann noch vor dem ersten Winter einen Stellplatz in einer großen Scheune gefunden, in Vill, ca. sechs Kilometer von zu Hause entfernt. Die riesige Garage hat mehreren Wohnwägen, zwei große Mähdreschern, einem zum WoMo umgebauten Reisebus und unserem Schneckchen Platz geboten. Der Mietpreis von 40 Euro im Monat war für Tiroler Verhältnisse geradezu sensationell günstig, in derartiger Nähe zu Innsbruck muss man mit mindestens 100 Euro/Monat rechnen – wenn es überhaupt mal ein Angebot gibt. Der einzige, wenn auch sehr kleine, Nachteil in Vill war, dass wir meistens über den Winter von den anderen Benützern „eingesperrt“ wurden, das heißt, vor der ersten Ausfahrt war jedes Mal ein kleines Bangen dabei, ob wir denn überhaupt aus der Garage rauskommen. Aber es hat eigentlich immer ganz gut geklappt, wir mussten uns halt schon ein paar Tage vorher um „freie Fahrt“ kümmern, damit eventuelle Blockierer zeitgerecht umgeparkt werden konnten.
Wie es so ist im Leben – nichts ist für immer und ewig, dementsprechend mussten wir uns ab Herbst 2016 um einen neuen Stellplatz für unser WoMo umsehen. Der Besitzer der Scheune hat an seinen Sohn übergeben und der hat für das Gebäude eine andere Verwendung. Vielleicht hätten wir sogar bleiben können, denn eventuell dürfen zwei, drei Mieter weiterhin ihre Fahrzeuge einstellen, aber das war uns denn doch zu unsicher.
Beim Sondieren der sehr dürftigen Angebote mussten wir sehr bald feststellen, dass man um 40 Euro je Monat in Tirol nicht mal ein Fahrrad wo unterstellen kann, geschweige denn ein WoMo mit den Maßen unseres geliebten Nasenbären. Beinahe schon entsetzt lasen wir von einem Carport im Tiroler Unterland, zu unfassbaren 125 Euro im Monat, mehr als 40 Kilometer von Innsbruck entfernt. Oder wir hätten um 95 Euro einen Platz unter freiem Himmel in Innsbruck mieten können.
Aber schließlich hat die beste Ilse von allen dann ein vielversprechendes Zeitungsinserat ausgemacht, in welchem eine Garage in Innsbruck angeboten wurde. Wir haben die Vermieterin augenblicklich angerufen, uns sofort mit ihr getroffen, den Abstellplatz in Augenschein genommen und dann vor Ort den Mietvertrag sofort mit Handschlag besiegelt. Die Monatsmiete ist mit 70 Euro sehr fair bemessen, wir haben gleich für sechs Monate im Voraus bezahlt.
Vorerst war der Platz noch von einem WoMo besetzt, dessen Besitzer sich seit Monaten nicht mehr blicken hat lassen und auch schon lange keine Miete mehr bezahlt hat. Es werde wohl auf einen Einsatz der Behörden hinauslaufen, warnte uns die Vermieterin, und so etwas könne sich bekanntlich auch einige Zeit hinziehen. Dieses Risiko sind wir eingegangen, denn in Vill hätten wir noch bis Ostern stehen bleiben können, ein Tiroler Winter im Freien drohte unserem Schneckchen also ohnehin nicht. Und wie es manchmal so ist – es geschah das Unerwartete und auf die Sekunde pünktlich räumte der säumige Mieter seinen Platz in der Garage und hinterließ ihn nahezu besenrein.
Das war für uns der Startschuss zur Übersiedlung und unser geliebtes WoMo wurde erstmals im Dezember gefahren, wenn auch nur für ein paar wenige Kilometer. Starten hat es sich übrigens gar nicht gern lassen, ganz so, als wäre es tief und fest in den Winterschlaf gefallen. Im Frühjahr hatten wir hingegen niemals Start-Probleme, auch nach sechs Monaten Pause ist unser Nasenbär immer in der allerersten Sekunde angesprungen. Aber zur Ehrenrettung unseres WoMo sei angefügt, dass die Temperatur bei der Übersiedlungsfahrt weit unter null Grad gelegen hat, während es im Frühjahr immer wärmer als 15 Grad plus hat, wenn wir zum so genannten Ancampen ausrücken.
Jetzt steht unser liebes Schneckchen jedenfalls in einer sehr schönen Garage, keine zwei Kilometer von daheim entfernt. Unser Platz ist sehr großzügig bemessen, wir könnten locker noch unsere Vespa dort abstellen (die hat aber eh einen Garagenplatz) und da wir neben einer der Seitenwände stehen, könnten wir dort sogar Regale für Camping-Zubehör anbringen. Einparken kann uns auch niemand mehr, da alle Stellplätze nebeneinander liegen. Mit unserem WoMo stehen noch drei andere Gefährte unter dem gleichen Dach, einen der Mieter haben wir schon kennengelernt, als leidenschaftlicher Camper ist er uns artverwandt und dementsprechend sofort sympathisch.
Mittlerweile steht unser WoMo bereits seit einigen Wochen an seinem neuen Platz und wir haben es schon „besucht“, auch um Fotos zu machen. Aber es ist uns tatsächlich auch nicht zu blöd, einfach mal so bei unserem Schneckchen vorbeizuschauen, ob ja alles passt…
mein neuer Blick Richtung Bettelwurf 



Und wenn wir dann wieder die schwere, hölzerne Schiebetür der Garage schließen, hinter der sich unser WoMo für die kommenden Abenteuer auf Europas Straßen erholt, sind wir jedes Mal verdammt froh, dass wir diesen geilen Platz gefunden haben. Das hätte auch ganz anders kommen können, aber das wollen wir uns gar nicht erst ausmalen…





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