GErnot und ILse

GErnot und ILse

Samstag, 30. Juli 2016

53. WoMo-Fahrt "ohne Rappen durch die Schweiz"

53. WoMo-Fahrt "ohne Rappen durch die Schweiz" 
21. Juli bis 24. Juli 2016 
Innsbruck-St.Moritz-Malojapass-Julierpass-Chur-Bodensee-Kochelsee-Innsbruck; 751km

Donnerstag, 21. Juli 2016

Unsere 53. Reise mit dem WoMo ist ausnahmsweise einmal unter einem Motto gestanden: „Ohne Franken und ohne Rappen durch die Schweiz“. Wir wollten dem Hochpreiseland Schweiz mit eingepackten Lebensmitteln und Getränken ein Schnippchen schlagen.
Am Vortag haben wir uns für eine Viertelstunde in unsere umfangreiche Kleingeldsammlung gestürzt und eine Unmenge von fremden Münzen auf Schweizer Geld durchsucht. Und siehe da – im Lauf der Jahre haben sich exakt 20,40 Franken angesammelt, in allen möglichen Münzeinheiten vom winzigen 10 Rappen-Stück bis hin zur schweren 5 Franken-Münze. Überraschung dabei – weil eine 5-Franken Münze einen eigenartigen Klang hatte, haben wir sie genauer unter die Lupe genommen. Das Teil stammt aus dem Jahr 1932, ist aus Silber und hat unter Sammlern einen Wert von bis zu 19 Euro. Also wurde sie nicht mit in die Schweiz genommen, sondern wanderte zurück in die Sammel-Kiste.
Unser WoMo hatten wir schon am Vortag aus seiner Garage geholt, mit dem Notwendigsten bestückt und am frühen Vormittag sind wir dann aufgebrochen.
Schnell waren die knapp 90 Kilometer bis ins „Obere Gericht“ absolviert und in Prutz sind wir auf eine kurze Jause in einen Lebensmittel-Markt eingekehrt. Wir haben sehr guten Käse-Leberkäse gegessen und beim Zahlen hat Ilse mal wieder gezeigt, dass auch in Österreich Preise oft Verhandlungssache sind: denn Ilses Coca-Cola Flasche zierte ein Portrait des österreichischen Fußballers David Alaba. Mit dem Hinweis, die Europameisterschaft sei längst vorbei und die Sonder-Edition sozusagen obsolet, reklamierte Ilse den Preis der 0,5 Liter Flasche und bekam tatsächlich exakt 0,27 Euro Nachlass. Wie sagt der Fischer: „Kleine Fischerl, gute Fischerl“ – Kleinvieh macht auch Mist.
Von Prutz aus sind es noch gute zehn Kilometer ins Engadin und bald standen wir vor dem eidgenössischen Grenzbalken. Der Grenzbeamte war von ausnehmender Höflichkeit, erkundigte sich nach unseren Reisezielen, gab uns freundlich noch den einen oder anderen Tipp (die Ilse teilweise als falsch erkannte, aber mit einem Schweizer Grenzbeamten diskutiert man nicht unnotwendigerweise) und zeigte sich dann noch generös, als er uns ein paar Dosen Bier „durchgehen“ hat lassen. Man darf pro Person nur 5 Liter Bier in die Schweiz einführen, wir hatten eine Lage mit 24 Stück 0,5 Liter Dosen dabei, dazu noch ein paar einzelne Dosen extra. Er wünschte uns einen schönen Aufenthalt und hoffte, dass das Wetter halten möge.
Der Weg durchs Engadin ist auch für uns Tiroler immer wieder eindrucksvoll, dem jungen Inn entlang fuhren wir zuerst nach Zernez. Von dort ist es nicht mehr weit nach St. Moritz und dass der mondäne Ort immer näher rückte, konnte man leicht am stetig steigenden Aufkommen von Bentleys, Rolls Royce und diversen Super-Sportwägen leicht erkennen.
Wir machten in St. Moritz nicht Halt, wir hätten auch gar keine Möglichkeit gefunden, unser Schneckchen irgendwo abzustellen. Also weiter nach Maloj.
Unterwegs machten wir einen kurzen Zwischenstopp am Silser See nahe Silvaplana. Einfach traumhaft – der tiefblaue Alpensee und im Hintergrund die Gipfel von Piz Balu und Piz Bernina, die über 4.000 Meter in die Höhe ragen.
Dann ging es den spektakulären Maloja-Pass hinunter, diese Straße ist einfach unglaublich. Da wurde tatsächlich eine Route in eine faktisch senkrechte Felswand hineingeschnitten, die zahlreichen Haarnadelkurven sind eine echte Herausforderung für die Lenkraddreher, für Wohnmobilisten ohne Servolenkung ist körperliche Schwerarbeit gefordert – 14 Kehren auf 4 Kilometer.
Im kleinen Ort Viscosoprana verflacht dann das Gelände zusehends und wir legten ein kleines Verschnauf-Päuschen ein, für uns und unsere Schnecke. Dann sahen wir, dass wir eigentlich ganz knapp an der Grenze zu Italien waren, der Como-See war nur ein paar Dutzend Kilometer entfernt. Da aber Italien diesmal nicht unser Ziel war, kehrten wir um und jagten unser WoMo den brutal steilen Maloja-Pass hinauf. Wir strapazierten unser 26 Jahre altes Häuschen bis an den Rand seiner Leistungsfähigkeit, aber keineswegs darüber hinaus – wir mussten nicht einmal stehen bleiben.
In Maloja angekommen führte uns der nächste Weg über den JulierPass und dort durfte sich unser WoMo einen neuen persönlichen Rekord ans Blechkleid heften – nie ist es bislang höher hinaufgekommen. Die Passhöhe liegt auf exakt 2.284 Meter und auf den letzten paar hundert Metern zeigte die Temperaturanzeige bedenkliche Werte an. 
Aber Schneckchen hat brav durchgehalten, am Parkplatz Julier-Pass blubberte es dann ein wenig und über den Überlauf hat unser WoMo dann doch noch ein bisschen genässt. Aber höchsten so viel wie ein mittelgroßer Yorkshire-Terrier Lackerl macht, wir mussten nicht mal Wasser nachfüllen.
Wir nützten die Abkühl-Pause unseres WoMos für einen kleinen Spaziergang und ergötzten uns dabei an den äußerst mäßig getarnten militärischen Befestigungsanlagen einerseits und über die Preise eines Kiosks andererseits. Aber 16 Euro für eine Bratwurst mit ca. 15 Stück Pommes sind einfach amüsant, vor allem dann, wenn man nicht darauf angewiesen ist. Übrigens sind zwar die Preise alle in Schweizer Franken angeschrieben, zahlt man in Euro, wird dieser mit 1:1 umgerechnet. Wahrscheinlich der Einfachheit halber…
Unsere nächstes Ziel war Chur, Hauptstadt des Kantons Graubünden. Lang haben wir uns aber nicht aufgehalten, denn auch hier gibt es de facto kaum eine Möglichkeit, ein WoMo auch nur für eine halbe Stunde legal irgendwo abzustellen. Wie wird das heute Nacht werden und wie wollen wir, ohne einen Rappen oder einen Franken auszugeben, einen Schlafplatz finden? 
Bei einem Campingplatz in Chur fragten wir an, ob wir denn am Parkplatz davor übernachten dürften. „Sehr gerne“, lautete die Antwort – allerdings würde der Platz 15 Franken plus 3 Franken für den Strom und plus zwei Mal Kurtaxe kosten – also deutlich über 20 Euro. Für einen gammeligen Asphalt-Platz. Nein Danke und Tschüss.
Die nächste Stunde verbrachten wir mit der Suche nach einem kostenlosen Stellplatz – wir wurden nicht und nicht fündig und plötzlich waren wir in Liechtenstein. Vielleicht war hier was zu finden. Aber ganz Liechtenstein ist ja in Wahrheit kaum größer als der Parkplatz eines durchschnittlichen Einkaufszentrums (o.k. – das ist übertrieben), dementsprechend sind Abstellplätze rar gesät, kostenlos geht überhaupt nix.
Dann erfreute uns aber ein Hinweisschild ins österreichische Feldkirch – keine 30 Kilometer entfernt. Na dann – nix wie hin, in Österreich findet sich immer irgendwo ein legales Plätzchen für die Nacht, notfalls muss man halt auf eine „Ruhepause zur Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit“ verweisen.
Wir sind dann kurzerhand auf die Autobahn-Raststätte Hohenems gefahren, die kennen wir bereits. Dort haben wir uns eingeparkt und uns für die Nacht eingerichtet. Ilse hat dann noch ein fesches, kurzes Telefonat mit ihrer Schwester Sigrid geführt – das hat dann weniger fesche 20 Euro gekostet, weil Ilses Handy noch in der Schweiz eingeloggt war und die Gesprächsminute schlanke 1,99 Euro kostet…
Natürlich haben wir dann noch einen Spät-Abend Pasch geklopft und uns anschließend von den laufenden Motoren der Kühl-Lkw in den Schlaf brummen lassen.

Freitag, 22. Juli 2016 

Dass wir mitten unter vielen LKW eine angenehme Nacht verbracht haben mag unglaubwürdig klingen, hat aber in erster Linie mit unserer Einstellung zu tun. Natürlich rechnen wir auf einer Autobahn-Raststätte nicht mit himmlischer Ruhe, das wäre blödsinnig. Umso mehr erfreute uns am Morgen der vielstimmige Chor der Singvögel, die sich sehr ins Zeug legen mussten, um gegen den Lärm der Austobahn anzuträllern. Man kann die Dinge tatsächlich positiv sehen…
Nach einem feinen Käffchen haben wir uns dann wieder in Richtung Schweiz aufgemacht um unsere Reise fortzusetzen. Bei Altach sind wir über die Grenze gefahren, diesmal ganz ohne Kontrollen. Über Kriessern sind wir dann nach Altenrhein gekommen und haben uns dort einen Camping-Platz angeschaut, der in der Nähe des Flughafens liegt. So schön der Platz auch war, für einen ausgedehnten Urlaub in der Schweiz ist unser Geldbeutel nicht dick genug. Vor allem das Essen würde hier voll aufs Budget schlagen, man muss mit mehr als den doppelten Kosten rechnen als hierzulande, unter 25 Euro ist kein Hauptgericht zu bekommen.
So gesehen waren wir direkt erleichtert, als wir bei Höchst wieder auf österreichisches Hoheitsgebiet gelangten. Wir haben unser Reisemotto einhalten können und sind ohne Geld auszugeben zwei Tage lang durch sie Schweiz gefahren. Auch eine Leistung, wenn auch eine Leistung mit einem kräftigen Augenzwinkern…
Der Weg in Vorarlbergs Hauptstadt Bregenz war ein Kilometer langer Stop-and-Go Wahnwitz und wir waren wirklich froh, als wir endlich auf die Autobahn Richtung Deutschland fahren konnten. Inzwischen hatten wir spontan beschlossen, unserem Lieblings-Campingplatz Kesselberg am Kochelsee einen weiteren Besuch abzustatten.
Nach gut und gern 200 Kilometern Fahrt sind wir dann bei Luis und Gitti angekommen, wurden wie immer mit Umarmungen begrüßt und richteten uns für das kommende Wochenende häuslich ein.
Am Abend sind wir dann ins Camping-Restaurant sehr gut essen gegangen – schließlich lautet das Motto dieser Reise nicht „ohne Euro durch Bayern“.
Nach dem fulminanten Abendschmaus schnell noch ein feines Päschchen und danach ab in die Betten. Zack und weg.

Samstag 23. Juli und Sonntag 24. Juli 2016

Ausnahmsweise wollen wir die Beschreibung des Wochenendes am Kesselberg kurz halten, denn unsere Hauptbeschäftigung war vornehmend das Relaxen. Unterbrochen wurde unser „Dolce far niente“ lediglich vom allsamstäglichen Grillabend am Kesselberg, bei dem Luis unbeschreiblich köstliche Grill-Hähnchen und knusprige Schweine-Haxen zubereitet. Ein kulinarischer Frontalangriff auf die Geschmacksnerven, der in vollkommener satter Zufriedenheit mündet. Immer wieder ein Höhepunkt. Erwähnenswert ist höchstens noch die selten dämliche Frage eines unserer Tischnachbarn: „Sind das ganze oder halbe Haxen?“ Gernot hat sich die bereits vorformulierte Antwort: „Natürlich halbe Haxen, denn als Halb-Moselm darf ich aus religiösen Gründen keine ganzen Schweine-Haxen essen“, dann gerade noch verkneifen können…
Abends ist dann noch ein mittelschweres Gewitter niedergegangen, was uns aber nur mäßig tangiert hat, wir sind ja keine Zeltler…
Am Sonntag haben wir dann nach einem gepflegten Frühstück bei Luis und Gitti wieder alles zusammengepackt und haben uns Richtung Innsbruck aufgemacht.

„Ohne Rappen und ohne Franken durch die Schweiz“ – Mission tadellos erfüllt, die 20,40 Franken wandern zurück in die Fremdwährungs-Kiste und dürfen weiter vor sich hin schlummern…



















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