Sonntag, 27. Oktober 2019

INDIEN - Tag 5, Delhi

Sonntag, 27. Oktober 2019
Heute haben wir nichts zu erledigen, wir wollen uns eventuell ein bisschen herumfahren lassen. Ilse hat wahrscheinlich gestern irgendetwas Falsches erwischt, schon in der Nacht ist sie von Durchfall geplagt worden. Die Arme …Wir gehen die paar Meter zum „Exotic“ rüber und dort in den 2. Stock hinauf. Wir haben wieder einen Platz mit freiem Blick auf den Main Bazar unter uns. Gernot gönnt sich Kaffee, Toast, Butter, Jam und dazu „Two eggs double-fried“. Und weil er gerade Lust hat, gönnt er sich noch einen eiskalten Red-Bull, mit Strohhalm hat er das Getränk auch noch nie vorher konsumiert. Ilse trinkt nur einen Tee und knabbert lustlos an einer Toastscheibe mit Honig herum.

Danach suchen wir uns einen halbwegs seriös ausschauenden Rikschah-Wallah und bald einmal werden wir fündig. Schon nach wenigen Sekunden wissen wir, dass wir mit Kishore einen Volltreffer gelandet haben. 

Denn als wir uns als erstes zur Hanuman-Statue bringen lassen, erklärt uns der überaus freundliche Endvierziger alles dazu, auch dass sie 108 Feet hoch ist. Die Statue ist natürlich beeindruckend, aber die neu errichtete Autobahn ist ganz knapp an das Monument herangerückt, es musste sogar extra eine kleine Kurve in den Streckenverlauf eingebaut werde. In den Tempel gehen wir nicht hinein, das lockt uns eher weniger, wir sind nun wirklich nicht sonderlich an religiösen Dingen interessiert. 

Als nächstes zeigt uns Kishore, wo hier in Delhi die Affen leben. Wir werden in einen ziemlich großen Wald gebracht, durch den eine links und rechts von Mauern begrenzte Straße führt. In zahlreichen Kurven schlängelt sich das nette Sträßchen durch den Wald, wir hätten es niemals für möglich gehalten, dass sich einen Steinwurf vom lärmenden Pahar Ganj eine derartige Oase der Ruhe befindet. Und dann sehen wir sie schon, eine ganze Horde Affen lässt sich füttern und bereitwillig fotografieren. Es sind Paviane und das Alpha-Männchen ist unglaublich beeindruckend und strotzt vor Kraft und Selbstbewusstsein. Wir haben großen Respekt vor diesen Tieren, denn wenn die narrisch werden, nützt auch kein Wegrennen mehr. 
Weiter geht die Fahrt zum Lakhsmi-Tempel, wir fotografieren das Gebäude aber ebenfalls nur von außen. Bei der Gelegenheit kaufen wir uns gleich zwei Postkarten-Hefte, insgesamt 20 Stück. Sobald wir irgendwo ein Postamt sehen, gibt’s auch die notwendigen Briefmarken dazu. Unser Fahrer Kishore fährt uns dann ins Regierungsviertel von New Delhi und erklärt uns jedes wichtige Gebäude. Wir bleiben kurz beim Präsidenten-Palast stehen - interessanterweise dürfen Ausländer das Gelände betreten, Inder nicht (?!). Es stehen auch Schilder herum, auf denen „No honking“ steht, also „Nicht hupen“. Was für eine Unverschämtheit eigentlich! Jeder Einwohner hier wird von Lärm geplagt, aber der Herr Präsident und die Herren und Damen Minister wollen ihre Ruhe haben. Mahatma Gandhi schau herunter, das haben die aus deinem „All people are equal“ gemacht. …

Wir kommen natürlich zum „India Gate“, in den Wänden des monumentalen Denkmals sind die Namen von 70.000 Indern eingraviert, die in den beiden Weltkriegen gefallen sind. Ilse geht ein paar Meter aufs Gelände, natürlich muss sie vorher einen Security-Check machen. Übrigens an einem „Women only“ Eingang. Als sie nach ein paar Minuten wieder raus will, sieht sie, dass sie dafür einen Riesenumweg machen muss, denn der Ausgang befindet sich ganz wo anders. Aber Ilse wäre nicht Ilse, würde sie sich nicht eine Ausnahme herausverhandeln und so darf sie als einzige wieder durch den Eingang rausgehen.

Kishore führt uns dann zu einer gigantischen Grünfläche, einen richtigen Wald, der sich Lodi-Park nennt. Hier herrscht die totale Ruhe, man hört die Vögel zwitschern und es befinden sich kaum Leute hier herinnen. Wir spazieren ein bisschen herum und Kishore macht uns ein paar Yoga-Übungen vor. Sehr beeindruckend, er ist wirklich in guter Form. Wir bleiben eine gute halbe Stunde lang im Park, dann lässt uns aufkommender Durst zu einem Chai-Shop fahren. 

Wir trinken Limca und Coca-Cola, letzteres kommt in einer netten 250 ML Flasche daher. Danach sind wir von den vielen Eindrücken leicht overdosed und lassen uns zurück zum Main Bazar bringen. Vorher zeigt uns Kishore noch die einzige Stelle Delhis, wo sich Riesenfledermäuse niedergelassen haben. Zu dutzenden hängen die schwarzen Batmans in den Bäumen, so etwas haben wir auch noch nie gesehen. Nach guten drei Stunden Fahrt steigen wir direkt beim Hotel „Metropolis“ aus und chargen Kishore für seine Tour. Natürlich nennt er keinen Preis, als ihm Gernot 1.000 RP in die Hand drückt, ist er mehr als zufrieden damit. Wir tauschen noch unsere Handynummern und vielleicht fahren wir mit ihm oder seinem Sohn (der ein „richtiges“ Taxi besitzt) am Dienstagvormittag zum Flughafen. Das war wirklich eine außergewöhnlich lässige Stadtrundfahrt mit einem sehr, sehr netten Rikschah-Wallah, der alles über seine Stadt weiß und uns das in einer völlig unaufdringlichen Art nähergebracht hat. 
Von den Eindrücken sind wir derart geplättet, dass wir uns bald einmal niederlegen müssen. Vorher gönnen wir uns aber noch jeder eine Portion Röstkartoffel mit Salz - ein Hochgenuss. Die einfachsten Dinge sind wirklich oft die besten. Dann aber nix wie ins Hotel, duschen, Klimaanlage an und ab in die Betten. Nach zwei, drei Stunden Schlaf sind wir dann wieder aufgestanden, Ilse geht es leider immer noch schlechter. Sie hat Durchfall und gleichzeitig kotzt sich die Arme die Seele aus dem Leib. Hoffentlich ist es nur eine typisch indische Magenverstimmung … Trotz ihres maladen Zustandes begleitet sie Gernot hinauf ins „Exotic“ Restaurant, die steilen Stufen kommen ihr vor wie eine Himalaya-Expedition. Ilse ist eigentlich vollkommen fertig, an essen ist nicht einmal zu denken, also bestellt sie sich nur einen Schwarztee. Gernot kommt hingegen schon wieder nicht an den „Dal Makhani with Butter Naan (das ist eigentlich die richtige Schreibweise dieses indischen Fladenbrotes)“ vorbei, diesmal werden sie in einem nicht unhübschen Metall-Eimerchen serviert. 
Und wieder war dieses Linsengericht einfach nur köstlich, Gernot hat alles bis zum letzten Krümel aufgefuttert. Wir sitzen wieder direkt an der Brüstung und geben uns die Stimmung. Heute ist das Fest Diwali an seinem Höhepunkt, es werden ununterbrochen Knallkörper gezündet und bunte Raketen in den Himmel gejagt. Wie bei uns daheim zu Silvester. Und wer kein Geld dafür hat, der knallt wenigstens die Fensterläden auf und zu, Hauptsache, es lärmt ordentlich … Wir müssen dann rasch ins Zimmer zurück, Ilse ist komplett down. Im Zimmer kommt sie dann ewig lang nicht mehr aus der Toilette heraus, Brechdurchfall in Reinkultur. Gernot macht sich langsam echt Sorgen, noch dazu, wo er selber ein heftiges Bauchgrimmen und -zwicken verspürt. Beide dürfen wir keinesfalls krank sein, denn dann haben wir ein echtes Problem. Weil sich bei Gernot immer mehr der Bart zeigt, wird es Zeit, zum Barbier-Wallah zu gehen. 
 Wir haben ja nicht einmal Rasierzeug eingepackt, in Indien hat sich Gernot bei all seinen Reisen noch nie selber rasiert. Gegenüber vom Hotel „Metropolis“ ist bei einem Barbier ein Stuhl frei und Gernot nimmt Platz. In der kommenden dreiviertel Stunde wird Gernot dann nach allen Regeln der indischen Barbier-Kunst behandelt, Gesichtsmassage inklusive. Die führt der Wallah übrigens heutzutage nicht mehr mit seinen Händen und Fingern aus, dafür gibt es jetzt eine handliche Maschine. Sie schaut irgendwie aus wie ein Winkelschleifer, erfüllt aber voll ihren Zweck. Dann kriegt Gernot noch eine Spezialpaste gegen Mitesser ins Gesicht geschmiert und schaut für eine Viertelstunde aus wie ein trauriger Clown. Abschließend noch mindestens drei verschiedene Rasierwässer und Puder ins Gesicht geklatscht - fertig. Die ganze Prozedur war mit 480 (!!!) RP zwar exorbitant teuer, ein Inder würde sich über diesen Preis krummlachen. Aber Gernot ist so glattrasiert wie nie zuvor und das ist allemal 6 Euro wert. Am Retourweg kommt Gernot dann an Saschas Shop vorbei, er ist nicht da, dafür sein Bruder Aziz (den man Aschisch ausspricht). Mit einem strahlenden Lächeln und einem „This gift ist for you an your wife with a Happy Diwali fromm my brother“, will er Gernot zwei gigantische Schachteln mit Keksen und Pralinen überreichen. Das ist wieder typisch Indien! Jetzt weiß Sascha ganz genau, dass wir am Dienstag nach Varanasi fliegen, schließlich war er bei der Buchung erste Reihe fußfrei mit dabei. Und dann schenkt er jedem von uns 1 kg (!!) Süßigkeiten, die beiden riesigen Schachteln allein würden schon eines unserer Köfferchen füllen. Wurscht - schenken wir sie halt weiter. Aber vorher bleiben sie ohnehin noch im Shop, denn Gernot hat sich schnell eine Ausrede einfallen lassen, warum er die Geschenke grad nicht übernehmen kann. Und jetzt nix wie „back to the hotel“. Ilse schläft noch bzw. ist eher bewußtlos und Gernot setzt sich dann an den Computer, um unseren Blog am Laufenden zu halten. 
Das Bauchgrimmen wird dann immer heftiger, doch plötzlich lösen sich gute 2 Kubikmeter Luft aus dem Darm und danach schaut die Welt gleich besser aus. Gernot hat also nix und das mit Ilse wird schon wieder werden. Om Nama Shiva ya. Um 23 Uhr macht Gernot dann das letzte Licht aus, draußen explodieren nach wie vor im Minutentakt die Böller und Raketen. Gute Nacht …







Samstag, 26. Oktober 2019

INDIEN - Tag 4, Dehli


Samstag, 26. Oktober 2019
Wieder sind wir verhältnismäßig früh aufgestanden und nach Erledigung von Morgentoilette und Duschen sind wir zur „German Bakery“ rübergegangen. Ilse hat sich Schwarzen Tee und „Toast, Butter, Jam“ gegönnt, Gernot entschied sich fürs „French Breakfast“ mit Kaffee, zwei Croissants und einem Orangenjuice. Die Croissants erinnerten in ihrer Form tatsächlich an das französische Vorbild, geschmeckt haben sie leider wie die schlechte indische Kopie eines Croissants. Wurscht, eines hat Gernot eh aufgegessen, das zweite durfte als Dog-Food mitkommen. Übrigens, für den Preis des gesamten Frühstücks bekommt man in Innsbruck nicht einmal den frischgepressten Orangensaft, aber das nur nebenbei. Danach sind wir noch einmal zum Bankomaten, diesmal testeten wir die EC-Karte von Gernot. Hat ebenfalls klaglos funktioniert, jetzt haben wir halt noch mehr Bargeld im Sack bzw. in den Bauchtaschen. Aber es gibt Schlimmeres. Um wenigstens kurz der Lärmhölle im Main Bazar zu entkommen, sind wir gleich nach dem Frühstück mit der Rikscha zum Connaught Place rüber getuckert. Das muss man sich mal vorstellen: Um dem Irrsinnsverkehr des Pahar Ganj auszukommen, flüchten wir uns zum größten Verkehrsknotenpunkt der Millionenstadt Delhi. Sind wir schon völlig deppert geworden? Nein, aber hier am Connaught Place gibt es wenigstens überall Gehsteige und zahlreiche Laubengänge, wo sich die Top-Geschäfte befinden. Da kann man wirklich ganz normal spazieren gehen. 


Und es wird höchstens alle drei Sekunden einmal gehupt, das ist ein enormer Unterschied. Was allerdings gleich ist, das sind die unzähligen „Hello my friend, where do you com from“-Commission-Wallahs. Die können einem echt auf die Nerven gehen. Ignorieren hilft nur sehr begrenzt, denn die schaffen es schon, auf sich aufmerksam zu machen. Man kann wirklich kaum einen Schritt gehen, ohne dass man einen dieser lästigen Typen an sich hängen hat. Und wenn man einmal, wie es Gernot bei einem besonders aufdringlichen Kerl gemacht hat, die „where do you come from“ Frage mit einem „Why you want to know? You will send me a Picture-Postcard?“ dann rauschen sie mit einem „I just want show you my shop“ beleidigt ab.  Aber es sind bei Weitem nicht alle Inder so, manche sind wirklich nett und das ohne Hintergedanken. So hat uns ein junger Inder gewarnt, in der Öffentlichkeit auf das Handy zu schauen, denn da würden alle sofort glauben, dass man etwas sucht und sich als Hilfe anbieten. Guter Mann, es genügt schon allein unsere Hautfarbe, dass alle Beutelschneider hier auf uns aufmerksam werden. Ein anderer Inder nahm sich lange Zeit dafür, uns die verschiedenen Raubvögel hier zu erklären. Unglaublich eigentlich, aber der Himmel von Delhi ist voll von Raubvögeln, vor allem Adler und Milane, wie wir jetzt wissen. Wir haben gesehen, wie einige der mächtigen Adler direkt neben der mehrspurigen Fahrbahn des Connaught Places auf Tauben Jagd gemacht haben. Faszinierend und erschreckend gleichzeitig. Wie so vieles in Indien. So, jetzt war es dann aber wirklich an der Zeit, die „Mission Zugticket nach Varanasi“ anzugehen. Dazu haben wir uns von einer Rikscha zur „New Delhi Railwaystation“ bringen lassen, dort befindet sich Gernots Wissen nach das „Tourist-Ticket-Booking-Center“. Er muss es wissen, denn er hat viele Stunden dort verbracht, gemeinsam mit dutzenden anderen Travellern ... 

Nun ja, das war zumindest noch vor ein paar Jahren so, denn jetzt ist das Büro ganz wo anders. Das sagte uns ein besonders nerviger Inder, der sich als Chef aufspielte, aber nicht einmal eine Bahnuniform getragen hat. Was wir so mitgekriegt haben, müssen wir ein Stück laufen und dann nach links abbiegen. Nun - das nächste links ist eigentlich schon der Connaught Place, von dem wir grad gekommen sind. Das kann nicht sein. Leider doch, wir sind also die vielleicht 1,5 km zum großen Platz zurückmarschiert und plötzlich sind uns die gut 30 Grad in der prallen Sonne ziemlich heiß vorgekommen. Noch dazu waren wir nicht eine Sekunde lang alleine unterwegs, immer begleitete uns irgendein Commission-Wallah, sie wechselten sich dabei ab. Und alle paar Meter deutete der jeweilige Wallah mit dem Arm nach vorne und meinte: „This direction, Sir. Just straight on!“ Wahrscheinlich wurden wir als „potentielle Geldquelle“ immer wieder weitergereicht und wenn wir dann letztendlich das Ticket buchen, schneidet jeder Typ ein paar Rupees mit. Das soll man nicht wahnsinnig werden? Wir wurden schließlich direkt an der Pforte zum „Tourist-Ticket-Office“ abgegeben, dort von einem überaus freundlichen Inder in Empfang genommen, per Handschlag begrüßt und in den ersten Stock an seinen Schreibtisch geführt. Wie, was, wo? Keine Menschenschlangen, keine schwitzenden, verzweifelten Touristen, keine stundenlangen Wartezeiten? Nix dergleichen und es wurde sogar noch besser! „Happy Diwali“ strahlte der dicke Mann und fragte wie selbstverständlich: „You want chai or coffee?“ Und zu Gernot gewandt meinte er locker und mit einem Augenzwinkern: „Or do you prefer a cold beer, Sir?“ Jetzt glaubten wir wirklich, dass wir im falschen Film sind. War schon mal wer in Indien? Hat dort schon mal wer versucht ein Zugticket zu kaufen? Und hat er Tee und Bier serviert bekommen? Oder hat er sich danach erst einmal ein paar Stunden lang hinlegen müssen? Eben! Das muss „Versteckte Kamera“ sein. Aber, keine zwei Minuten später hatte Ilse ihren Black Tea und Gernot ein eiskaltes Kingfisher am Tisch. Der überaus redefreudige Inder erzählte uns von seinen vielen Reisen nach Europa, er liebt Deutschland und Belgien, er war auch schon in der Schweiz und ist mit dem Flixbus von Hamburg nach Venedig gefahren. „But Venice is very expensive“, meinte er. Das können wir bestätigen, es ist erst ein paar Wochen her, dass wir selber dort waren. Tja, so plauderten und scherzten wir, während der ganzen Zeit tippte der Inder in seinem Computer herum. Seine Mine wurde immer besorgter und schließlich meinte er wirklich traurig: „No chance, no ticket to Varanasi available.“ Shit. Er meinte, wir sollten doch mit dem Bus fahren oder fliegen. Aber der Bus braucht gute 14 Stunden für die 850 Kilometer. Und fliegen wollen wir nicht, das möchten wir nur bei ganz weiten Strecken oder im Notfall tun. Wie schaut es mit einer Taxifahrt aus? Ein so genanntes „Government-Tourist-Taxi“ würde uns für 17.500 RP hinbringen, aber das ist auch ein Blödsinn. Okay, dann werden wir wohl doch fliegen müssen Wir verabschieden uns herzlich von dem überaus sympathischen Mann und um die ganze Story noch ein wenig unglaubwürdiger klingen zu lassen: Wir haben nichts für die Getränke bezahlen müssen und wurden mit einem nochmaligen „Happy Diwali“ bis zur Tür begleitet. Also - dieser Typ war einmalig und wenn DAS das neue Service der indischen Bahn ist - na dann: Chapeau!!! Auch wenn dieses Erlebnis mehr als nur lässig war, wir sind immer noch ohne Tickets nach Varanasi dagestanden. Zuerst einmal sind wir zu Fuß zurück ins Hotel spaziert, heute haben wir uns übrigens nicht verlaufen. Dort haben wir uns dann im Internet nach Flügen umgesehen und sind schnell fündig geworden. Die Airline „Vistara“ verlangt für beide Tickets zusammen knapp 9.000 RP, also ca. 110 Euro. Passt, das buchen wir. Aber, blöderweise funktioniert das Bezahlen mit der Kreditkarte nicht, online muss man den so genannten 3D-Code eingeben und der ist blöderweise an Ilses österreichische Handynummer gekoppelt. Also würde die Kommunikation der Airline mit uns über diese Nummer laufen und das geht natürlich nicht. Gut - Ilse hat sich dann an eine indische Facebook-Bekanntschaft gewandt, der Mann war zwar sehr bemüht und hilfsbereit, er hätte die Tickets sogar mit seiner Kreditkarte bezahlt, gegen einen sehr geringen Obolus. Er ist aber gerade in Rajasthan unterwegs, kein Problem, uns war das Ganze eh zu kompliziert. Wir bezahlen die Tickets einfach bar, wir haben eh so viel Cash einstecken. Fragt sich nur, wo wir im Main Bazar einen halbwegs seriösen Ticket-Seller finden. Diese Frage haben wir dann unserem Freund Sascha gestellt und jetzt folgt eine typisch indische Szene, genau so eine, warum man immer wieder wahnsinnig werden könnte hier. Wie Gernot von unserem Problem erzählt hat, wurde er in diesen drei, vier Sätzen mindestens fünf Mal unterbrochen. Von einem Bekannten Saschas, von einer Bettlerin, von einem Touristen, von einem Freund Saschas usw. Mitten im Reden und bei keiner unwichtigen Sache für uns. Das nervt. Dann haben wir ihn sicher zehnmal gefragt, ob er nicht jemanden kennen würde, bei dem man getrost ein Ticket kaufen könne. Er hat dann lange hin- und herüberlegt, den Kopf gewiegt und uns schließlich seine Kreditkarte angeboten. Aber wir wollen doch bar zahlen, das haben wir ihm auch schon zehn Mal erklärt. Und dann, er war eh schon so narrisch, schnauzt Gernot Sascha an und erklärt ihm, dass wir so keine Geschäfte machen können. Das muss seriös sein, zack-zack gehen und sich zu keiner x-fachen Commission-Wallah-Story auswachsen. Da ist der Sascha zwar kurz beleidigt gewesen, steht dann aber mit einem „Come on“ auf und geht in den Shop fünf (!!!) Meter nebenan. Dort hat sein Onkel, wie wir sofort sehen ein hochseriöser Sikh, ein Reise- und Geldwechselbüro. Wir zeigen ihm einen Screenshot mit unserem gewünschten Flugdaten, er sagt nur ein Wort: „Passport“ und tippt schweigend in seinem Computer herum. Tja, was sollen wir noch groß sagen? Keine zehn Minuten später waren wir wieder aus dem Laden draußen, im Geschäft noch hat uns „Vistara“ den Flug bestätigt und wir haben nicht einmal eine Rupie Kommission bezahlt. Das war wieder so ein Fall, wo man an den Indern verzweifeln könnte. Warum einfach, wenn es so herrlich kompliziert auch geht. Wir fliegen übrigens am Dienstag um 13 Uhr 25 hier ab und sind keine eineinhalb Stunden später in Varanasi. Vom Ticket-Wahnsinn haben wir uns dann im Hotel erst einmal erholen müssen und gleich einmal bis 17 Uhr geschlafen. Dann hat uns der Hunger geweckt und wir sind ein paar Häuser weiter ins „Exotic Restaurant“ gegangen. Dessen Roof-Top-Terrasse hat Ilse schon vorgestern entdeckt, heute kehren wir dort ein. 

Nach dem Bewältigen der extrem steilen Steintreppe haben wir Platz genommen, direkt am Terrassengeländer, mit freiem Blick auf den Main Bazar und dem ganzen Zirkus, der sich dort permanent abspielt. Es wird gerade dunkel und überall leuchten wegen Diwali LED-Girlanden oder es brennen Kerzen. Zwar trübt auch hier heroben das ununterbrochene Hupen ein bisschen die Stimmung, aber wenigstens muss man nicht dauernd irgendwelchen irren Fahrern ausweichen. Gernot bestellt sich köstliche vegetarische Nudeln, da wurde alles an Gemüse hineingeschnitten, was in der Küche verfügbar war. Ilse gibt sich mit einem „Garlic Nan“ zufrieden, vor Vampiren sind wir heute Nacht garantiert sicher. Dazu trinken wie Mango-Lassi und Cola, ein wirklich gutes Abendessen. Noch auf der Terrasse des „Exotic“ beschließen wir, dass wir Sascha zu Diwali eine Torte schenken werden, wie wir sie gestern in der Auslage gesehen haben. Auch als kleine Entschädigung dafür, dass er von Gernot angemotzt worden ist. Wir finden den kleinen Laden auf Anhieb wieder und kaufen eine wirklich schöne Schoko-Torte. Der Wallah schreibt mit einer Spritztülle noch „Happy Diwali“ auf ein Keks, legt noch ein Plastikmesser zum Anschneiden obenauf und packt schließlich noch ein Mini-Feuerwerk dazu. Für alles zusammen haben wir 195 RP abgelegt, das sind tatsächlich nicht einmal 2,50 Euro. Manchmal ist für die Preise hier das Wort „billig“ fast nicht mehr brauchbar … Mit unserer süßen Beute im hübschen Geschenkkarton sind wir dann sofort zu Saschas Shop gegangen, die Torte wird ohne Kühlung nicht lange halten. Leider war er nicht da, also haben wir sie seinem Vater übergeben, der sie gleich brav in den Kühlschrank stellen hat lassen. Dann war für heute wirklich Schluss, wir sind ins Hotel zurück, haben noch ein wenig den Blog zurechtgebogen und sind dann recht bald pennen gegangen. Das war echt ein dichter Tag heute, so wie bisher alle Tage hier. Aber das passt schon …