Sonntag, 4. Juni 2017

65. WoMo-Fahrt "Toscana - Ligurien, Pfingsten 2017"

vom 24. Mai bis 3. Juni 2017
von Innsbruck-Pisa-Marina di Massa-Levante-Sestri Levante-Rapallo-Portofino und zurück
1335km mit dem Wohnmobil   und
467km auf unserer Vespa rosso


Mittwoch, 24. Mai 2007
Vor dem Antritt zu unserer 65. WoMo-Reise hatten wir noch etwas ganz, ganz Wichtiges zu erledigen – Schneckchen musste nämlich direkt von der Werkstatt abgeholt werden, wo es die letzten eineinhalb Wochen verbracht hat.
Der TÜV in Innsbruck hatte mit seinem herzlosen „Njet – Reparatur rentiert sich nicht mehr!“ unser WoMo zum Tode verurteilt, aber Werkstattleiter Karli von der Firma Fuchs hat es wieder zum Leben erweckt. Jetzt ist der morsche Holzboden – sehr aufwändig aber erfolgreich – repariert, die Elektrik wurde auf Vordermann gebracht und zahlreiche andere „Kleinigkeiten“ mussten ebenfalls in Ordnung gebracht werden. Fertig ist die Reparatur noch gar nicht, denn im verschlungenen System der Kühlschläuche ist ein Leck aufgetaucht, ausgerechnet bei einem sogenannten „Knie“. Das Teil ist zwar bestellt, lässt aber noch auf sich warten, zwei Mal ist schon das Falsche geliefert worden. Aber Karli meinte: „Das ist kein Problem, er verliert ja nicht viel Wasser, müsst’s halt öfter nachschauen. Fahren könnt’s aber auf jeden Fall und in 14 Tagen stellt ihr mir das WoMo halt noch einmal her und ich mach den Rest.“ Fein.
Die neue Überprüfungsplakette klebt schon auf der Windschutzscheibe, Rechnung haben wir noch gar keine bekommen: „Das mach‘ ma dann am Schluss!“, meinte Karli locker. Jedenfalls wird die Reparatur ziemlich teuer, wir sollten uns auf 3.000 Euro + einstellen… Aber – das ist es uns natürlich wert, in ein Hobby muss man auch mal was investieren. Und es ist das Hobby von uns beiden, wir haben ja sonst keines (sieht man vom Sammeln von Vespa-Modellen und Zappa-Platten ab), also passt das. Außerdem – wie sagte Karli bei der Verabschiedung so schön: „Mit dem werdet ihr noch lange eure Freude haben.“ Lässig – und ab sofort ist Karli für immer und ewig der Chefmechaniker unserer lieben Schnecke…
Am Mittwoch hatte Ilse noch bis 11 Uhr Unterricht und dann haben wir uns bei der Garage unseres WoMos getroffen, Gernot ist mit der Vespa rübergeblattelt. Danach haben wir routiniert unser Abreise-Prozedere durchgezogen – Nummerntafeln um-montieren, Vespa aufladen, Kleidung, Lebensmittel, Getränke etc. einladen und schon waren wir auf der Brenner-Autobahn unterwegs Richtung Bella Italia.
Wir werden zuerst einmal nach Pontedera fahren, in die Stadt der Vespa. Denn hier befindet sich die Piaggio-Fabrik und das angeschlossene Vespa-Museum wollen wir natürlich gesehen haben.
Pontedera ist von Innsbruck fast 600 Kilometer entfernt, so weit wollen wir heute nicht fahren, aber mal schauen.
Bei der Mautkontrollstelle in Sterzing mussten wir überhaupt nicht warten, Gernot hat sich sogar den Spaß gemacht, dass er beim Ziehen des Maut-Kärtchen nicht einmal stehen geblieben ist, sondern ganz langsam daran vorbeirollte – das ist uns auch noch nie gelungen.
Dann stellten wir uns auf eine Stunde Stau ein, denn erst vor zwei Wochen sind wir wegen einer Baustelle zwischen Klausen und Bozen Nord lange nicht weitergekommen. Aber heute sind wir an der Staustelle mit einem guten Hunderter vorbeigerollt, denn alles hat einmal ein Ende, zum Glück auch italienische Autobahn-Baustellen.
Zufällig kreuzten wir dann bei San Michelle den „Giro die Italia“ – Radfahrer haben wir von der Autobahn aus zwar keine gesehen, aber immerhin den tief fliegenden Hubschrauber für die TV-Übertragung.
Sonst ist über die Fahrt relativ wenig zu berichten, Autobahn halt, Kilometer um Kilometer. Doch, ein erzählenswertes Erlebnis hatten wir noch, kurz vor Bologna näherten wir uns von hinten einem silberfarbenen Super-Sportwagen und erkannten dann, dass es sich um einen „Fisker Karma“ handelte, wohl das beste Elektro-Auto weltweit. Unfassbar stark und schnell, unfassbar selten und wahnsinnig teuer. Wir haben ihn kurzerhand überholt, damit konnten wir neben einem Audi R8, einem Bugatti Veron und zahlreichen Porsches und Ferraris den nächsten Super-Sportwagen auf unserer Liste abhaken…
Schon ganz in der Nähe von Florenz haben wir uns dann einen Rastplatz gesucht und bei Badio wurden wir fündig. Was uns sofort aufgefallen ist, es herrscht eine völlig ungewohnte Polizei-Präsenz, wahrscheinlich hat es während unseres stundenlangen Aufenthaltes keine Minute gegeben, in der wir ohne Polizeischutz waren. Hat vielleicht damit zu tun, dass US-Präsident Trump in Rom weilt und da muss halt auch das Hinterland gesichert werden. Uns kann das wurscht sein, wir hatten ohnehin nicht vor, Trump das überfahrene Eichkätzchen vom Kopf zu stehlen…


Donnerstag, 25. Mai 2017
Geschlafen haben wir überraschend gut, obwohl die ganze Nacht über die Sattelschlepper mit Vollgas 8 Meter neben unseren Köpfen vorbeidonnerten.  Das wundert uns selber immer wieder, aber wir haben auch schon mal friedlich zwischen zwei extrem lauten Kühllastern gepennt, damals auf der Raststätte in Pforzheim.
Aufgewacht sind wir dann wegen unseres Nachbarn – er löste versehentlich die Alarmanlage aus und konnte eine ganze Zeitlang den Ausschaltknopf nicht finden – Leih-Wohnmobilisten halt.
Kurz vor unserer Weiterfahrt hat dann noch ein LKW-Fahrer für gehörige Aufregung gesorgt, weil ihm ausgerechnet in der engen Zufahrt zur Raststätte der Sattelschlepper abgestorben ist. Sofort war die Polizei mit Blaulicht zur Stelle und sperrte die Zufahrt – wir haben dann während des Frühstücks amüsiert beobachtet, wie der arme Fahrer mehrmals Diesel nachschütten musste – so ein Pech muss man auch erst Mal haben, dass einem keine 30 Meter vor der Zapfsäule der Sprit ausgeht. Jedenfalls wird das für den Trucker ein teurer Fehler gewesen sein, wir sahen die Beamten lange und ausführlich schreiben, das Gesicht des Fahrers wurde dabei immer länger und länger…
Vor dem Losfahren haben wir dann noch zur Vorsicht 20 Euro getankt, fürs Volltanken war uns der Literpreis von 1,558 echt zu hoch. Dann aber los und schon eine knappe Stunde später haben wir bei starkem Frühverkehr Florenz erreicht. Die wunderbare Stadt haben wir aber links liegen lassen und stattdessen Pontedera angesteuert.
Dort angekommen, haben wir zuerst vergeblich die Piaggio-Fabrik gesucht – bei einer Tankstelle haben wir uns dann kundig gemacht und gleichzeitig vollgetankt, für italienische Verhältnisse war der Liter Diesel mit 1,30 Euro relativ billig.
Bei der Fabrik haben wir dann zwar gleich einmal das Museum gefunden, einen Parkplatz suchten wir allerdings vorerst vergebens. Also noch einmal die Runde – die Fabrik hat die Ausmaße einer mittleren Ortschaft – und dann haben wir ganz unverschämt direkt vor dem Eingang des Museums geparkt – wer soll denn unseren Nasenbären bitte abschleppen und Knöllchen werden wir eventuell eh auch keines kriegen…
Gernot hat dann mal gecheckt, wann denn das Museum aufmacht – um 10 Uhr. Ein Blick auf die Uhr – 09:59, netter Zufall.
Das Museum –Eintritt übrigens gratis – war für uns Vesperinos natürlich der absolute Wahnsinn. Jedes jemals gebaute Modell war ausgestellt, dazu unglaublich geile Sondermodelle. Zum Beispiel eine extreme Riesen-Vespa, noch dazu in rot. Dazu Modelle, die von Dali bemalt wurden oder von anderen Künstlern. Eine Stretch-Vespa war zu sehen, eine Paris-Dakar Vespa und eine Vespa mit einem Raketenwerfer (!?!). Dazu Renn-Vespas, die weit über 200 km/h schnell sind und eine ganze Reihe von  ausgeflippt lackierten Rollern.
Wir konnten uns nicht sattsehen und sind mit offenen Mündern die langen Reihen an Vespas abgeschritten – übrigens waren wir die ganze Zeit über völlig allein im Museum, auch total lässig.
Etwas ganz besonderes ist die Weltenbummler-Vespa-Abteilung. Hier sind jene Vespas ausgestellt, mit denen extreme Touren gefahren wurden. Nach Indien, Australien, quer über den Atlas. Die Dinger schauen zum Teil unglaublich mitgenommen aus, die meisten sind über und über bemalt oder mit Abziehbildern übersät – wirklich lässig. Dort haben wir dann noch einen Wiener getroffen, der gerade seine Vespa aus dem Museum geholt hat, um eine weitere Tour mit ihr zu unternehmen. Danach kommt sie dann wieder als Exponat hierher zurück.
Irgendwann waren wir wirklich overdosed und konnten uns gar nicht mehr auf die einzelnen Ausstellungsstücke konzentrieren, die Gilera-Abteilung haben wir überhaupt ganz ausgelassen.
Stattdessen sind wir frohen Mutes und voller Erwartung in den Verkaufs-Shop gegangen. Dort wurden wir aber einigermaßen enttäuscht, denn viel hatte dieser Shop leider nicht zu bieten. Natürlich sind wir fündig geworden, eine hübsche Tasse und ein netter Schlüsselanhänger durften mitkommen, aber wir hätten schon mehr Auswahl erwartet.
In jedem Fall aber hat uns das Piaggio-Museum vollkommen zufriedengestellt und wir können es jedem Vespa-Liebhaber nur wärmstens empfehlen. Sonst ist es vielleicht eher nicht so prickelnd - ein Haufen unterschiedlicher Roller halt…
Nach dem Vespa-Wahnsinn sind wir schnurstracks nach Marina di Pisa gefahren, Ilse hat uns schon einen Campingplatz ausgesucht. Den haben wir dann gleich auf Anhieb gefunden und ziemlich genau zu Mittag checkten wir im „Camping Internazionale“ ein.
Noch ist nichts los am Platz, also schnappen wir uns gleich den allerbesten und buchen uns für zwei Tage ein. Nach weniger als zehn Minuten sind wir eingerichtet und gehen – man gönnt sich ja eh so wenig – gleich am Camping-Platz essen. Die Spaghetti Carbonara (Ilse) und die Spaghetti Carbonara con Frutti die Mare (Gernot) waren ausgesprochen gut – wir sind bestens in Italien angekommen.
Wir haben uns dann nach dem Essen gar keine Pause gegönnt und sind sofort mit der Vespa raus. Einfach nach links abgebogen und ab ins nächste Örtchen, mal schauen, ob da jeder eine hat…
Gernot war ja schon zweimal hier in Marina di Pisa, einmal vor 50 Jahren mit den Eltern und einmal vor 25 Jahren mit Nadja. Übrigens hat er sich beide Male etwas eingetreten – als Kind eine zerbrochene Flasche (mehrere Nähte auf der Ferse in einem Spital waren die schmerzhafte Folge, damals musste sogar der Familienurlaub abgebrochen werden) und beim zweiten Aufenthalt einen giftigen Fisch. Unvergessen jener deutsche Urlauber, der damals zum schmerzgeplagten Gernot trocken gesagt hat: „Ich sehe Ihnen an, Sie sind auf einen giftigen Fisch gestiegen. Ist mir auch passiert. Sie werden jetzt eine Stunde lang durch die Hölle gehen, aber dann ist es vorbei!“ Und genau so war es – in dieser Stunde ist Gernot literweise der Schweiß ausgetreten und die Schmerzen waren eigentlich nur wegen dem Deutschen auszuhalten…
Zurück zu unserer Ausfahrt: Vielleicht sechs Kilometer entfernt liegt Calambrone, als sich Ilses Mickey-Mouse-Blase meldete. Weil wir gerade bei einem Campingplatz vorbeigefahren sind, kehrten wir kurz zwecks dringendem Stoffwechsel ein. Ilse hat sich dann offiziell sehr an einem Aufenthalt interessiert gezeigt, ihr wahres Interesse gehörte aber allein der Toilette. Doch die Donna persönlich hat Ilse kurzerhand in ihr elektrisches Golfwagerl geladen und ihr stolz und ausführlich den ganzen Platz gezeigt und alle seine Vorzüge gepriesen. Aufs Klo gekommen ist Ilse aber dann zum Glück doch  noch…
Wir sind dann weitergefahren, haben irgendwann mitten auf der Straße umgedreht und sind nach Marina di Pisa zurück. Dort sind wir in einem COOP-Supermarkt einkaufen gegangen und mit Salami, Joghurts, Ravioli, Butter und einem guten Fläschchen Weißwein im Köfferchen sind wir ins WoMo zurück.

Danach sind wir die paar Schritte zum Meer hinuntergegangen, wir als Gäste des „Camping Internazionale“ haben ja so etwas wie einen Privatstrand hier. Das ganze Ambiente bei der Strandbar ist ziemlich gehoben, überall bequeme Lounge-Möbel, Blumen und Palmen. Dass die Kellner arrogant bis an die Schmerzgrenze sind – geschenkt. Als wir Kaffee bestellen wollen, wird formlos auf die Cocktail-Karte verwiesen – den Moquito für 6.50 können sie sich aber gerne in die Haare schmieren, falls ihnen das Vergnügen bereiten sollte…
Wir gehen stattdessen lieber zum Meer runter und setzen uns auf die gigantischen, steinernen Wellenbrecher. Von dort blicken wir in die Wellen, hören dem Meeresrauschen zu und freuen uns, wenn uns ein paar Gischt-Tröpfchen treffen. Wir sitzen völlig alleine da, überhaupt ist der Strand links und rechts von uns leer – nur ausgerechnet unser unmittelbarer Nachbar am Campingplatz – ein sehr netter Deutscher aus Vechta – badet im eiskalten Wasser. Mit ihm sein kleiner Hund, der sich unübersehbar wundert, wie eklig Wasser schmecken kann…
Zurück im Häuschen haben wir dann noch fein geduscht, anschließend einen gepflegten Pasch geklopft und so den Tag fein zu Ende gehen lassen.

Freitag, 26. Mai 2017
Nach einer traumhaft ruhigen Nacht und einem guten Kaffeefrühstück haben wir uns bald einmal fertig gemacht, um nach Pisa hinüber zu fahren. Das ist vielleicht 12 Kilometer entfernt, also ein Katzensprung.
Wir waren schon einmal gemeinsam hier und freuen uns schon auf eine erneute Stadtbesichtigung.
Also wer noch nie in Pisa war, den schiefen Turm muss man einfach gesehen haben. Der ist nämlich wirklich schief. Klar – wir wissen, dass es im ostfriesischen Suurhusen einen noch viel schieferen Turm gibt – wir waren schließlich dort und haben uns den Eintrag ins „Guiness Buch der Weltrekorde“ angeschaut. Übrigens war unser Nachbar aus Vechta, es stammt ja aus der Gegend, ganz verblüfft, dass wir den Turm von Suurhusen kennen. Er wollte uns gerade über die Sensation aufklären, als wir ihm kundig ins Wort fallen konnten. Ja, ja – Reisen bildet auch manchmal… Jedenfalls, der Campanile ist es echt wert, gesehen zu werden.
Die Fahrt über die Bundesstraße nach Pisa führt fast ausschließlich durch eine Allee, wir fahren mit den erlaubten 70 km/h dahin und sind dementsprechend in einer knappen Viertelstunde in Pisa.
Vorerst verfahren wir uns ein wenig, aber das ist irgendwie Sightseeing, also völlig wurscht. Dann finden wir uns aber wieder zurecht und parken unsere Vespa in unmittelbarer Nähe zum Campanile – na ja, 30 Meter Luftlinie werden es schon gewesen sein…
Pisa ist an diesem späten Vormittag sehr erträglich, keine Hitze, keine 30 Grad und extrem viel los ist auch noch nicht. Der schiefe Turm steht natürlich immer noch und immer wieder ist es ein Wunder, dass er immer noch steht. In den Grünflächen darf man übrigens nicht mehr sitzen, das war vor ein paar Jahren noch anders. Selbstverständlich widerstehen wir der Versuchung und machen keine dieser lustigen „Schaut-aus-als-würde-man-den-schiefen-Turm-mit-den-Händen-stützen“ Fotos. Ununterbrochen sieht man die Menschen in derart grotesken Verrenkungen posieren und es schaut leider ziemlich lächerlich aus.
Wir klappern dann die Souvenirstände ab, vielleicht lässt sich ja eine rote Vespa finden. Zu unserer großen Freude merken wir sehr schnell, dass schiefer Turm in Kombination mit roter Vespa das absolute Lieblingsmotiv hier ist und so brauchen wir keine 20 Minuten und haben acht (!!) Magnet-Vespas, ein hübsches Vespa-Model aus Metall und einen Vespa-Kalender 2018 zusammengekauft. Dazu eine Vespa-Schneekugel – der absolute Wahnsinn – jetzt haben wir schiefe Türme genug.
Dann haben wir uns noch ein schönes, gerahmtes Bild vom Campanile gekauft, das kommt in unsere Schlafzimmer-Galerie, wo uns diese Bilder an besonders liebgewonnene oder schöne Orte erinnern.
Wir sind dann noch eine ganze Weile in Pisa herumgelaufen, haben uns dann aber entschieden, nicht hier zu essen, sondern nach Marina di Pisa zurückzufahren.
Zuerst sind wir noch eine schöne, freiwillige Extra-Runde durch Pisa gefahren, dann Richtung Marina di Pisa abgebogen und wieder die lässige Via Aurelia SS 1 entlang gecruist. Aber wir sind nicht direkt in den Ort hinein, sondern haben vorher die Ausfahrt zum Hafen genommen.

Das war eine super Idee, denn das Hafengelände hier ist ausgesprochen hübsch angelegt, parkähnlich und mit großzügigen Spazierwegen. Überall gibt es Sitzgelegenheiten und wir haben ein wirklich feines halbes Stündchen in der Sonne und direkt am Meer verbracht. Es ist sehr angenehm, dass wir auch mal eine Zeitlang in der prallen Sonne sitzen können, noch muss man sich nicht jedes Schattenplätzchen suchen, in fünf, sechs Wochen wir das ganz anders sein…
Dann hat uns der Hunger aber endgültig in Richtung Campingplatz getrieben, wir haben schnell unsere Vespa abgestellt und sind zu Fuß raus auf die Straße. Direkt neben dem „Internazionale“ haben wir schon gestern einen Würstelstand gesehen und den greifen wir gezielt an. Den vielen bunten Bildchen nach hat der Verkäufer einiges zu bieten, jedoch die Kommunikation mag nicht wirklich klappen, auch weil er genau so wenig Italiener ist wie wir. Wir bestellen dann eine Art Würstel mit Pommes, radebrechen den Italienischen Namen dafür und bekommen dann – vermutlich zur Vorsicht – einen großen Teller mit dem Besten, was der Meister aus seiner Küche herausholen kann – plus Pommes mit Ketchup und Majo. Dazu ein Bier und ein Fanta – fertig war das Menü und es hat uns ausgezeichnet geschmeckt, nicht ein Krümel ist übrig geblieben.
Danach sind wir satt zum WoMo zurückgeschlurft und haben einen feinen Verdauungs-Pasch gemacht. Dann hat uns die Sattheit in Kombination mit Trägheit ein Schläfchen machen lassen – wir haben ja nichts Besseres zu tun…
Heute hat Ilse übrigens abgecheckt, dass man eine der Duschen ohne Key-Card benutzen kann. Wir sehen ja von unserem Platz genau zum Dusch-Automaten und die scharfäugige Ilse hat ein Pärchen ausgemacht, welches ohne zu bezahlen geduscht hat. Schau, schau – später haben wir dann noch bemerkt, dass sich dieses Gratis-Duschen in „Cabina Uno“ offenbar am Platz herumgesprochen hat, denn immer wieder ist einer oder eine mehr oder weniger unauffällig in die Nummer 1 verschwunden…
Später am Abend haben wir dann noch ein Päschchen gemacht und dabei heftig über unseren Nachbarn abgelästert. Der Mann ist alleinreisend, etwa 30 Jahre alte, Vollglatze und Typ Triathlet. Er hat einen Camper-Van und wir haben von ihm gelernt, mit welcher Wucht man Heckklappe und Schiebetüre eines Ford Transit zuknallen kann, ohne dass diese ernsthaft Schaden nehmen. Ilse hat gemeint, der Mann alleine macht mehr Lärm als ein durchschnittliche Familie mit zwei Kindern. Und weil wir ganz in der Nähe der Duschen stehen, haben wir dann noch gespottet, dass bis jetzt noch kein anderer Camper so laut geduscht hat, wie Meister Propper. Aber – zu seiner Ehrenrettung sei gesagt: als er am nächsten Tag um 6 Uhr früh (!!) zur Radtour aufgebrochen ist, hat ihn Gernot nur zufällig gesehen, denn da war der Mann lautlos wie ein Sioux beim Anschleichen. Wie er die Schiebetüre seines Vans völlig geräuschlos auf- und zugebracht hat, bleibt ein Rätsel…

Samstag, 27. Mai 2017
Wir sind relativ früh aufgestanden und schon um 7 Uhr früh fit wie die Turnschuhe. Auch wenn wir nie auf die Idee kämen, joggen zu gehen – aber das nur nebenbei…
Wir fahren ab, das bedeutet – nach dem Frühstück wird das Abreise-Szenario durchgezogen. Die Vespa ziert sich zum Glück gar nicht und auch der Rest geht uns locker von der Hand – um 8 Uhr 30 sind wir schon eine Wolke.
Weit haben wir es heute ja nicht, aber wir werden keine Autobahn benützen. Von Pisa steuern wir zuerst den netten Ort Viareggio an, hier reiht sich Campingplatz an Campingplatz. Von dort ist es nicht weit nach Massa und ganz in der Nähe liegt Marina di Massa, hier hat uns Ilse einen schönen Platz ausgesucht.

Noch vor Mittag treffen wir ein – keine zehn Minuten später haben wir schon unseren Platz bezogen, der traumhaft im Schatten liegt. Wie wir das schon in Sizilien gesehen und genossen haben, sind auch hier Netze über den Stellplätzen gespannt. Steht man nie in der prallen Sonne, Bäume gibt es darüber hinaus auch genug.
Unsere Nachbarn sind Schweizer und sie haben auch eine Vespa mit, allerdings ein Sammlerstück, ziemlich alt und sehr schön zweifarbig lackiert. Näher ins Gespräch kommen wir mit ihnen aber nicht.
Wir haben dann mit unserem Roller einen ersten Ausflug unternommen und sind kreuz und quer in der näheren Umgebung herumgefahren. Es ist sehr touristisch hier, der Strand erstreckt sich über viele, viele Kilometer und es sind tausende und abertausende Sonnenschirme zu sehen. Campingplätze gibt es unzählige, manchmal reihen sich mehrere davon direkt nebeneinander.
Wir sind dann runter an die Strandpromenade und sind sie mit der Vespa – beinahe im Schritttempo – entlang-gecruist. Einfach nur ein Traum. Das Wetter ist unverschämt schön, überhaupt haben wir noch keine Wolke gesehen, seit wir in Italien sind. Die Quecksilbersäule steigt nie über die 30 Grad hinauf und es weht immer ein feines Lüftchen.
Bei einem Souvenir-Shop müssen wir natürlich stehenbleiben – tatsächlich verlassen wir das kleine Geschäftchen mit einer weiteren Magnet-Vespa – bei drei Euro muss man nicht zwangsweise klemmen…
Dann zurück zum Platz, kleine Siesta gehalten und dann einen Pasch gemacht.
Ilse hat es dann zum Swimming-Pool gezogen, kein Wunder, der ist ja wirklich ausgesprochen schön, mit insgesamt drei Becken. Das Wasser war nicht zu kalt, Ilse ist ein paar Runden geschwommen und danach sind wir noch eine ganze Weile lang in der Sonne gesessen.
Später sind wir in den kleinen Shop am Campingplatz gegangen und haben uns eine Flasche Chianti gegönnt.
Danach sind wir zum WoMo zurück und haben einen Pasch geklopft. Irgendwie haben wir heute weder Lust zu kochen, noch Lust essen zu gehen. Also wählen wir die Kompromiss-Lösung und holen uns aus dem Restaurant zwei Mal „Pizza to go“. Hat den Vorteil, dass man sich die völlig undurchsichtige Coperto-Abzocke erspart und das Bier ist aus dem WoMo-Eiskasten auch um den Faktor 10 billiger.
Beide Pizzen waren recht o.k., Ilses „Hawaii“ ebenso wie Gernots „Frutti di Mari“. Allerdings waren sie erbärmlich dünn – vielleicht sogar die dünnsten aller Zeiten, beinahe hätte man durch den Boden hindurch die Zeitung lesen können. Aber, wie gesagt o.k. und mit 8 Euro auch nicht zu teuer.
Dann haben wir uns einen gemütlichen Abend gemacht. Leider haben wir rechts von uns Dauer-Camper, eine italienische Familie, die so ziemlich alle Klischees einer wahren „Horror-Familie“ erfüllt. Die 150 Kilo schwere Donna kann außer Schreien gar nichts, dafür tut sie das den ganzen Tag über. Der vielleicht 5-jährige Steppke ist ein Alptraum von einem Kind. Laut, deppert und wehleidig – obwohl es am Platz einen Pool und einen großen Kinderspielplatz gibt, muss der Nervenknacker mit seinem Baby-Fahrrad dauernd rund um unser WoMo fahren. Nach einem harmlosen Sturz ist er zuerst leise wimmernd und mit Verdacht auf Hautabschürfung zu seiner Mama gehumpelt und hat dann – ungelogen – 20 Minuten lang wie am Spieß geschrien, wahrscheinlich weil er so endlich mal die volle Aufmerksamkeit hatte. Hätte man ihm ohne Narkose ein Bein abgesägt, die Schmerzensschreie hätten nicht schriller ausfallen können. Echt ein Wahnsinn und wir reden von 20 Minuten durchgehendem Gebrüll!
Dazu kommt zu guter Letzt noch die pubertierende Tochter der Familie, der die Langeweile und die permanente Unlust aus jeder Pore tritt und der das Kinn sinnbildlich stets auf Kniehöhe hängt –  das alles aber wenigstens lautlos.
Übrigens – besonders lächerlich: Am Pool hat die wirklich sehr dicke Mama ihre Tochter im Schmetterling-Stil die Bahn auf- und abschwimmen lassen und die Zeit wichtigtuerisch mit dem Smartphone gestoppt. Sie hat sich wie eine Star-Trainerin aufgeführt und den Stil ihrer Tochter gestenreich und lautstark analysiert und heftig kritisiert. Kein Wunder eigentlich, denn die arme Göre hat teilweise mit den Armen um sich geschlagen, als wenn sie am Ertrinken wäre. Das Mädchen ist – so ehrlich sollte man sein – leider schrecklich untalentiert, das Wasser ist bis zu uns herüber gespritzt…
Jedenfalls haben diese Camper nicht einen einzigen Gedanken daran verschwendet, dass andere Camper eventuell Erholung suchen oder entspannen möchten. Nein – ohne jede Pause wurde geplärrt, geschrien, geweint, kritisiert, geschimpft – wirklich ohne jede Pause, egoistisch bis zum Exzess. In Deutschland würde so eine Familie nach spätestens einer Stunde von jedem Campingplatz fliegen, in Italien fällt das wahrscheinlich unter südländisches Temperament gepaart mit  Lebensfreude. Echt ein unnötiges Gesindel!
Irgendwann ist aber sogar unseren Nachbarn die Kraft zum Streiten und zum Schimpfen ausgegangen und sie haben sich in voller Lautstärke eine dieser idiotischen Casting-Shows im Fernsehen angesehen. Im Vergleich zu ihren Streitereien klangen die hysterisch gekünstelten und spitzen Schreie aus dem TV fast schon wie Musik in unseren malträtierten Ohren.
Natürlich haben wir dann noch einen Gute-Nacht-Pasch gemacht und heute war die Geisterstunde ausnahmsweise schon einmal angebrochen, als wir unsere müden Häupter den Pölstern überantworteten…

Sonntag, 28. Mai 2017
Wunderbar geschlafen, ab dem späten Abend und in der Nacht ist es wirklich angenehm ruhig am Platz. Wir frühstücken wie üblich mit gutem Kaffee und machen uns dann auf, das Umland von Marina di Massa näher zu erkunden.
Das Wetter ist wunderbar – immer noch keine einzige Wolke am Himmel und allerhöchstens 30 Grad warm.
Wir fahren kreuz und quer in der Gegend herum und kommen nach Cararra, berühmt für den hier allgegenwärtig wachsenden Marmor. Überall am Straßenrand sehen wir gigantische Laufkräne, die die schweren Marmorblöcke von A nach B schweben lassen und auf LKW oder auf riesige Frachtschiffe hieven.
Wir halten uns aber nicht lange in Carrara auf und fahren in Richtung Tellaro. Das kleine Örtchen befindet sich einige hundert Meter über dem Meer und wir haben in jeder Kurve einen unglaublich lässigen Ausblick auf das Meer und die Gegend und wir bleiben immer wieder einmal stehen, nur um zu schauen. Die Toskana ist wirklich unbeschreiblich schön, wir haben hier das tiefblaue Meer, daneben eine wunderbar hügelige Landschaft und dann noch echt hohe Berge, wo offensichtlich an vielen Stellen Marmor abgebaut wird.
In Tellaro angekommen, verwirren uns zuerst mehrere Fahrverbotsschilder, weil aber alle ungerührt weiter fahren, tun wir das auch. Dann stehen wir aber vor einem strengen Polizisten, der uns das Umkehren heißt. Nicht ohne Grund, denn 100 Meter nach dem wachsamen Auge des Gesetzes ist die schöne, kurvenreiche Straße plötzlich formlos in eine Treppe übergegangen. Endstation – wir haben natürlich am Stand umgedreht und uns einen Parkplatz gesucht. Dann haben wir uns das Örtchen etwas genauer angesehen, aber es hat nicht allzu viel hergegeben. Allerdings – vom Ausblick her kann es Tellaro mit jedem Ort der Welt aufnehmen, denn wahrscheinlich hat man aus jeder Toilette jedes Hauses eine traumhafte Sicht aufs Meer.
Wir sind dann wieder die Straße zurück gefahren und zu unserem Entsetzen ist uns gleich einmal ein Wohnwagen-Gespann entgegen gekommen. Um Gottes Willen – der wird wohl abspannen müssen, denn umkehren kann er hier nirgends. Warnen hätten wir ihn auch nicht mehr können, denn er war gerade mal 500 Meter von der Sperre entfernt. Arme Holländer.
Wir waren hingegen weit besser dran und sind mit unserer Vespa herrlich dahin gerollt, nur nicht zu schnell, damit wir ja alles sehen.
Nach ein paar Kilometern sind wir dann Richtung Ameglia abgebogen und ab da waren wir überhaupt völlig alleine auf der Straße unterwegs. Wir haben dann „unseren“ Strand in Marina di Massa von ganz hoch oben gesehen, wie Ölsardinen in der Dose lagen zehntausende Menschen nebeneinander unter zehntausenden bunten Sonnenschirmen. Auch ein schöner Anblick – also, wenn’s wem gefällt...
Die Straße wurde dann immer breiter und schöner und bald einmal konnten wir mit einem guten 90er dahinblatteln. Dementsprechend schnell waren wir in Ameglia und von dort sind es vielleicht zehn Kilometer bis zu unserem Camping-Platz. Die sind wir in zehn Minuten gefahren und dann war erst einmal Siesta angesagt.
Wir haben doch tatsächlich einen Wiedehopf am Platz, wir können uns beide nicht erinnern, diesen schönen Vogel je in natura gesehen zu haben. Echt lässig, er sucht vielleicht zehn Meter von uns entfernt nach Futter und wir können ihn in aller Ruhe beobachten. Übrigens kommt er immer wieder auf denselben Platz, also sehen wir ihn auch immer wieder. Gernot hat versucht, ihn mit Kuchen etwas näher zu uns zu locken, darüber werden sich aber wahrscheinlich nur die Spatzen freuen, der Wiedehopf hat beleidigt das Weite gesucht.
Später sind wir dann noch einmal zum Swimming-Pool rauf, Ilse ist wieder ein wenig geschwommen, Gernot hat es sich derweil im Schatten gemütlich gemacht.
Im Restaurant würden sie heute den Formel 1 Grand Prix von Monaco feilbieten, wir entscheiden uns dagegen, heuer wird das legendäre Rennen stattfinden, ohne dass wir dabei zuschauen. Fernsehen im Urlaub ist nicht so unseres, wir haben auch am Mittwoch das Europa-Cup Finale versäumt und wir werden uns heute Abend auch nicht das letzte Spiel des FC Wacker Innsbruck anschauen, auch wenn wir das Match wahrscheinlich streamen könnten.
Wir haben dann am Boden auf unseren Sonnenliegen-Auflagen ein kleines Schläfchen gemacht, einfach nur herrlich. Unser Wohlbefinden wurde dann noch insofern gesteigert, als doch die „Brutta Famiglia“ neben uns endlich abreiste. Wochenend-Camper, was für ein Glück! Sofort kehrte himmlische Ruhe am Platz ein und zum ersten Mal seit zwei Tagen hörten wir die Amseln zwitschern. Wir haben dann vor lauter Begeisterung unseren Aufenthalt spontan gleich um einen weiteren Tag verlängert.
Dann sind wir noch einmal in den Shop gegangen und haben uns Parmesan und Milch gekauft, heute könnte es die Ravioli mit brauner Butter geben.
Später am Nachmittag hat Ilse dann an ihren PC gearbeitet und sich brav und stundenlang die Finger wundgetippt – Gernot hat es derweil vorgezogen, ein wenig den Federpölstern zuzuhören.
Die Ravioli sind dann übrigens im Kühlschrank geblieben, zum Glück sind mehrere Mahlzeiten pro Tag nicht Pflicht und wir können es uns beide figurtechnisch durchaus leisten, wenigstens einmal ein Essen auszulassen.

Montag, 29. Mai 2017
Wieder eine sehr feine Nacht verbracht – auch wenn wir beide nie irgendwo Probleme beim Schlafen haben, am allerbesten pennen wir in unserer Schnecke.
Der Kaffee vertreibt uns wie geplant die Restmüdigkeit und nach dem Duschen sind wir bereit für die Abfahrt mit unserem roten Teufelchen.
Ilse hat gestern schon bei der Rezeption ausbaldowert, dass es heute in Carrara einen Wochenmarkt gibt und da müssen wir natürlich hin. Noch dazu, wo wir sowohl den Parmesan, als auch die Salami aufgegessen haben – da muss dringend für adäquaten Nachschub gesorgt werden.
Carrara ist maximal 20 Kilometer von unserem Platz entfernt und auf der Fahrt dorthin geben wir ziemlich Gas. Carrara liegt ja fast schon in den Bergen und bei der Einfahrt in die Innenstadt bleiben wir kurz stehen, weil wir uns orientieren müssen. Dabei treffen wir doch glatt auf Nachbarn von unserem Campingplatz, ein deutsches Paar, das mit einer alten, weinroten 200er Vespa unterwegs ist. Sie suchen ebenfalls den Markt, Gernot gibt den gut gemeinten Tipp, nach links abzubiegen und die beiden gasen sofort los. Ilse meint, rechts abzubiegen wäre besser und natürlich parken wir fünf Minuten später direkt neben dem Markt. Die beiden Deutschen haben wir in Carrara übrigens nicht mehr getroffen – ups.
Beim Parken wollten wir dann wie immer besonders unverschämt sein, aber eine Passanten warnte uns, wir sollten unsere Vespa lieber korrekt abstellen, sonst würden wir hier schnell abgestraft. Also parkten wir legal – Grazie Donna!
Der Markt selbst war dann nicht groß – er war riesig! Die Zahl der Marktstände war sicher dreistellig und wir sind sie wahrscheinlich alle abgelaufen. Wir haben dann gut eingekauft – 300 Gramm guten Parmesan und eine schöne Salami. Dann hat Ilse noch ein Körbchen Erdbeeren mit nach Hause genommen und beim Grillhuhn-Stand haben wir uns dann einen ganzen, knusprig und tiefbraun gebratenen Vogel gegönnt. Das vollständige Tier für unfassbar günstige 6 Euro, wie die hier kalkulieren – only Buddha knows it…
Plötzlich hören wir ganz in der Nähe einen Kinderchor singen, das müssen wir uns natürlich näher anschauen. Wir kommen zu einer Schule und im Hof haben sich an die 30 Kinder aufgestellt und singen das berühmte Dschungelbuch-Lied „Probier’s doch mit Gemütlichkeit“ – natürlich auf Italienisch. Es handelt sich um eine Klosterschule, denn Ordensschwestern haben hier offensichtlich das Kommando, auch mal mit der Trillerpfeife, wenn es die Ordnung gebietet.
Die sehr gelungene Darbietung des Chors wird von einer Tanz-Performance unterstützt, bei der die Kinder auf einer Unterlage gewagte einhändige Räder schlagen oder sich gekonnt in den Spagat fallen lassen. Sehr hübsch anzuschauen und die Kinder geben sich nach der Vorstellung – völlig zu Recht – selbst einen kräftigen Applaus. Wir klatschen in Gedanken mit…
Dann zurück zur Vespa und zurück Richtung Marina di Massa. Ach ja – Brot könnten wir noch brauchen, also sind wir kurz vor der Schnellstraße noch bei einem „Alimentari“ eingekehrt. Der Besitzer hat uns – kaum das er uns miteinander reden gehört hat – gleich gefragt, woher wir stammen und uns dann freudenstrahlend erzählt, dass seine Großmutter aus Umhausen im Ötztal stammt und er weitere Verwandte in Innsbruck, Bozen und Brixen hat. Sehr netter Zufall und beim Verabschieden haben wir ihm noch erklärt, dass sein „Ciao“ bei uns in Tirol „Pfiat Di“ heißt. Er hat dann über das ganze Gesicht gestrahlt und jedem von uns mit einem „Pfiat Di“ die Hand gedrückt. Der Typ hat sich echt über unsere Begegnung gefreut und wir uns natürlich auch. Das hatte beinahe schon etwas Rührendes…
Dann aber nix wie zurück zum Campingplatz und kaum eine halbe Stunde später sind wir schon über das Knusper-Hühnchen hergefallen. Jeder der gegrillte Hühnchen mag, weiß wie gut die schmecken können und unsere Erwartungen wurden voll und ganz zufrieden gestellt. Wir haben es bis auf die blanken Knochen esstechnisch verwertet – ein echtes Festmahl für 6 Euro.
Ilse hat den Energieschub des nahrhaften Mittagsmahls gleich in Arbeitsleistung umgesetzt und mit echter Hingabe unsere Vespa geputzt. Jetzt schaut sie wieder aus, als wäre sie eben in Pontedera vom Förderband gelaufen, ihr leuchtendes Rot kommt wieder so richtig schön zur Geltung.
Dann ist ein deutsches Ehepaar mit seinem Wohnwagen auf den Platz gekommen und haben Anstalten gemacht, genau neben Dauerstellplatz der „Brutta Famiglia“ einzuparken. Wir haben kurz überlegt, sind dann aber zu ihnen hin und haben sie vor den Nervenknackern gewarnt. Sonst geht uns das ja nichts an, aber in dem Fall…
Die beiden – übrigens auf Anhieb sehr sympathischen Deutschen – haben zwar ein bisschen überlegt, sich aber dann doch für den Platz entschieden, er ist auch der wahrscheinlich beste hier. Außerdem sind sie  seit Jahren Stammgäste, die Frau noch dazu gebürtige Italienerin, im Falle von Ruhestörung oder anderer Belästigungen, würden sie der dicken Nonna schon die Meinung geigen. Nun ja – Fidel und Bogen können die beiden schon mal herrichten – spätestens kommenden Samstag wird die schrecklich nette Familie ja sicher wieder antanzen…
Wir quatschen dann noch eine ganze Weile mit den beiden, er ist Personal-Coach und hat jahrelang für einen großen Konzern Mitarbeiter geschult. Kluger Mensch, auch ziemlich witzig, vielleicht setzen wir uns ja heute Abend noch mal zusammen.
Ilse ist dann hinauf zum Pool gegangen und Gernot hat derweil ein wenig den Blog aktualisiert.
Später am Abend haben wir dann noch einmal Salami und Parmesan gegessen und einen Gute-Nacht-Pasch gemacht. Mit den deutschen Nachbarn sind wir dann nicht mehr ins Gespräch gekommen – Ilse ist zufällig vorbeispaziert, als die beiden, beim Wohnwagen eines anderen deutschen Paares, böse über Hartz IV Empfänger hergezogen sind. Und so etwas mögen wir gar nicht…

Dienstag, 30. Mai 2017
Und wieder geht es weiter – heute werden wir nach Sestri Levante fahren, das liegt ganz in der Nähe der berühmten „Cinque Terre“, also den fünf Dörfern.
Nach dem Frühstück haben wir zusammengepackt – dankeswerterweise hat die Vespa gar keine Mucken gemacht und ist butterweich auf ihren Träger geflutscht. Der Rest geht dann eh von alleine, wahrscheinlich brauchen wir vom Voll-Camper-Modus bis zur Abfahrtsbereitschaft keine Viertelstunde. Routine halt…
Danach fahren wir noch bis zu den Duschen vor, es ist hier ja jede Menge Platz, um ein WoMo auch mal ein paar Minuten lang stehen zu lassen. Mit einem Winke-Winke und einem herzhaften „Ciao Tutti!“ in Richtung Rezeption sind wir dann wieder auf der Straße.
Weit haben wir es ja heute nicht, Sestri Levante ist keine 70 Kilometer entfernt, wir nehmen der Einfachheit halber die Autobahn. Zwischendurch stehen wir ein paar Minuten lang im Stau – Fahrbahnverengung wegen Bauarbeiten.
Die letzten zehn Kilometer bis zu unserem heutigen Ziel fahren wir mehr in Tunnels als im Freien, dazwischen sehen wir immer wieder mal das Meer. Sehr schön.
Sestri Levante hat eine eigene Autobahnabfahrt – bei der Zahlstelle sieht Gernot eine fette 2-Euro-Münze am Boden liegen – selbstverständlich klaubt er sie auf. Verlorene gegangenes Metallgeld sammeln wir seit Jahren und haben – ungelogen – bereits viele hundert gefundenen Münzen daheim. Doch kaum hat Gernot die Münze in der Hand, streckt die Kassiererin lächelnd die ihre aus und mit einem „Grazie Signore“ wechselt das schöne Geldstück den Besitzer. Passt schon…
Den Campingplatz „Fossa Lupara“ finden wir auf Anhieb und mieten uns vorerst für zwei Tage ein. Wir haben einen Stellplatz speziell für ACSI-Kartenbesitzer bekommen, er scheint auf den ersten Blick nicht sehr attraktiv zu sein, weil wir uns entlang einer Mauer aufstellen müssen. Bald aber sehen wir, dass wir einen echten Vollschatten-Platz erwischt haben, andere Camper stehen mit ihren WoMos und Wohnwagen teils in der prallen Sonne.
Bei der Zufahrt zum Campingplatz hat Gernot unsere Schnecke übrigens leicht verwundet – er hat einen vorstehenden Ast eines Olivenbaumes übersehen und ist mit der rechten Alkoven-Seite dagegen gefahren. Zum Glück nur in der kleinsten aller Schrittgeschwindigkeiten, trotzdem muss sich Werkstattleiter Karli den Schaden ansehen, nicht dass unser WoMo an Dichtheit eingebüßt hat. Den Baum hat es übrigens schlimmer erwischt, seine großflächige Wunde wird noch lange zu sehen sein…
Schnell sind wir am Platz eingerichtet und machen uns zur ersten Ausfahrt auf. Die Gegend ist wunderbar hier, es ist hügelig, wir fahren über kleine Landstraßen und genießen den strahlend schönen Tag in vollen Zügen.
Am frühen Nachmittag kehren wir für einen Zwischenstopp zum Campingplatz zurück und machen einen gemütlichen Pasch. Dann noch eine schnelle Jause und schon sind wir wieder mit unserem Moped unterwegs.
Wir finden dann einen COOP-Markt und kaufen uns ein paar Sachen ein – Milch, Brot, Joghurts und eine Packung mit aufgeschnittenem Schinken. Dann kurven wir zum WoMo zurück und am Abend bereitet uns Ilse schmackhafte Ravioli zu – mit geschmolzener Butter und Parmesan – ein Traum von einem Fertigmenü.
Wir haben am Platz ein gut funktionierendes Gratis-WLAN und nutzen das aus, um mal wieder in den Zeitungen zu schmökern. Viel ist zum Glück eh nicht passiert, die Welt hat sich auch ohne uns weiter gedreht.
Nach einem feinen Päschchen legen wir uns dann nieder und genießen unseren überraschend ruhigen Platz. Denn keine 20 Meter Luftlinie von uns entfernt liegt die Autobahn und die ist auf den meisten Plätzen hier sehr gut zu hören, trotz mehrerer Lärmschutzwände. Wir hören eigentlich gar nichts, außer hie und da das laute Überland-Horn eines LKW.

Mittwoch, 31. Mai 2017
Wieder kündigt sich ein wunderbarer und wolkenloser Tag an, also mit dem Wetter haben wir bei dieser WoMo-Reise wirklich ein besonderes Glück. In Innsbruck und Umgebung hat es in der Nacht schwere Gewitter gegeben, in Seefeld etwa haben sie 50 Liter Regen je Quadratmeter gemessen – und das innerhalb einer Stunde. Aber daheim ist alles o.k., wie wir uns in Telefonaten mit Sigrid und Nadja vergewisserten.
Heute ist ein echter Fahr-Tag angesagt, es geht unter anderem nach Levanto und das ist gut und gern 40 Kilometer von Sestri Levante entfernt. Nun – 40 Kilometer sind wir mit der Vespa schon in weniger als einer halben Stunde gefahren, aber nicht, wenn es auf der Strecke tausende Kurven gegeben hat. Wenn irgendwann einmal eine Gerade 200 Meter lang gewesen ist, dann war es viel – im Prinzip reihte sich über viele, viele Kilometer eine S-Kurve an die andere, unterbrochen höchstens einmal von einer Haarnadel-Kurve.
Die Strecke führte uns teils bis 650 Meter über das Meeresniveau hinauf und dann wieder bis an die Küste hinunter, je nachdem, wohin wir unterwegs abgebogen sind. Es herrscht praktisch überhaupt kein Verkehr und wir sind oft kilometerweit völlig alleine auf den Straßen unterwegs.
Am Vormittag und auch noch nach 12 Uhr sind wir froh, dass wir uns vorsorglich unsere Jacken angezogen haben, denn oben in den Hügeln und in schattigen Stellen ist die Luft tatsächlich noch etwas frühlingsmild, weit unter 20 Grad hat es aber nirgendwo gehabt. Trotzdem – bei einem 60er, 70er kann es dann doch ein wenig ungemütlicher werden. Aber Handschuhe waren wirklich nicht nötig und die sind auch im WoMo geblieben.
In Levanto haben wir uns zuerst ein wenig die Gegend angeschaut und sind dann in den Ort hineingefahren, um irgendwo ein Käffchen zu trinken. Wir finden dann eine nette Cafeteria und gönnen uns je einen Cappuccino, dazu noch ein großes Marmelade-Keks für Ilse und ein Vanillecreme-Croissant für Gernot. Für 5 Euro zusammen – das geht.
Dann haben wir zu unserer Freude eine wunderhübsche rote Magnet-Vespa gefunden, mit dem Schriftzug „Levanto“ am Bürzel. Super und mit ihren 4 Euro Verkaufspreis darf sie natürlich unsere Sammlung erweitern – diesmal kommen wir mit mehr als zehn neuen roten Vespas nach Hause zurück.
Nach der Kaffee-Pause am Meer haben wir uns wieder auf unser Moped verfügt und sind gleich einmal wieder in einem Zug bis zu den höchsten Stellen der Umgebung raufgefahren – das werden schon so an die 700 Meter gewesen sein. Der Ausblick auf die sanfte, hügelige Landschaft, auf die vielen Dörfer und Streusiedlungen mit den typischen roten Dächern und noch dazu immer das tiefblaue Meer weit unter uns – einfach unbeschreiblich schön.
Wir kommen dann in eine Gegend, in der vor ganz kurzer Zeit ein böser Waldbrand gewütet haben muss. Verkohlte Bäume strecken ihre kahlen Äste bizarr in den Himmel, sämtliche Bodenvegetation ist vom Feuer vernichtet und an mehreren Stellen qualmt es noch richtig.
Ein, zwei Kilometer weiter lockt dann ein niedriges Mäuerchen am Straßenrand zu einer kleinen Rast, also gönnen wir der Vespa und uns eine kleine Pause. Wir parken neben einem kleinen, aufgelassenen Marmor-Steinbruch und Ilse sagt dann plötzlich: „Na schau, da gibt es einen Teich mit Seerosen.“ Tatsächlich – ein Tümpel mit gerade einmal 25 Meter Durchmesser liegt direkt unterhalb der Straße und er ist zu unserer Überraschung bevölkert mit Schildkröten.

Eigentlich fast schon überbevölkert, denn in diesem winzigen Teich tummeln sich dutzende der netten Tiere. In allen Größen – vom sicher 1 Kilo schweren Mutter-Tier bis zur kleinen Nachwuchs-Schildkröte. Wir können uns gar nicht sattsehen und Ilse macht zahlreiche Fotos. Wie die Panzer-Tiere wohl hier heraufgekommen sind? Keine Ahnung – aber es war eine schöne Überraschung.
Wir kommen bei unserer Fahrt schließlich noch in den schönen Ort Moneglia, der ebenfalls direkt am Meer liegt. Das besondere an Moneglia ist, man kann es nur über ein Tunnelsystem erreichen und das hat es echt in sich. Über mehrere Kilometer erstrecken sich prähistorisch anmutende Tunnels – das täuscht nicht, denn sie sind im Jahr 1911 gebaut worden. Dementsprechend sind sie schmal und eng – 3 Meter hoch, aber spitz zulaufend, am oberen Ende gerade mal 1,85 Meter breit. Bräuchten wir mit unserem WoMo gar nicht erst zu probieren…
Die Tunnels sind definitiv nur einspurig zu benutzen, also darf man sie nur alle 20 Minuten in jeder Richtung befahren. Eine Digital-Uhr an der Tunnelwand zählt die Sekunden herunter und dann geht’s zu wie beim Start des legendären Rennens von Le Mans. Obwohl im Tunnel eine Begrenzung auf 60 km/h gilt, fahren alle mit Vollgas los und als Gernot die Vespa auf über 90 km/h beschleunigt, picken 5 Meter hinter uns die ungeduldigen PKW Fahrer, die gerne 100 und mehr fahren würden. Dazu ist es in den Tunnels – es werden fünf oder sechs sein, mit nur ganz kleinen Unterbrechungen – wirklich eiskalt, jedenfalls höchstens 16 Grad. Und das mit kurzen Hemden und 90 km/h.
Wir glaubten uns dann verfahren zu haben und mussten die Horror-Tunnels dann noch einmal durchfahren, diesmal in die andere Richtung, wieder gut sechs Kilometer Kühlschrank. Und wieder fuhren die PKW extrem knapp auf, völlig unnötig und sehr gefährlich. Dumm vor allem…
Tja – und dann stellt sich heraus, wir wären doch richtig gewesen, also noch ein drittes Mal durch das Tunnel-System von Moneglia. Diesmal sind wir aber besser dran, wir sind nämlich bei der zweiten Durchfahrt in einer Ausweiche stehen geblieben und wie wir dann „grünes Licht“ bekommen haben, hatten wir einen Vorsprung von zwei Tunnels auf die hungrige Vollgas-Meute. Die kann uns dann nicht mehr einholen und erst kurz vor dem Ende dieser wirklich spektakulären Passage sehen wir im Rückspiegel die ersten Scheinwerfer der nachfolgenden Fahrzeuge auftauchen.
Zurück in Sestri Levante haben wir erst mal die Beine ausgestreckt, dann eine kleine Jause zu uns genommen und Gernot hat sich später überhaupt für zwei Stündchen niedergelegt. Danach ein kleines Päschchen – heute werden wir übrigens das Platz-Restaurant besuchen, die sehr guten Kritiken in den Camper-Foren ermutigen uns zusätzlich.
Wir bereuen es nicht, denn sowohl Ilses Hühnerschnitzel mit Pommes, als auch Gernots Pizza „Fossa Lupara (mit Pesto Genovese!) schmeckten ausgezeichnet und wir bezahlten dafür einen runden 20er.
Nach dem guten Essen sind wir dann ins WoMo zurück und haben uns dann noch einen weiteren Pasch ausgespielt. Mitternacht war wohl vorbei, als wir das letzte Lämpchen im WoMo ausknipsten.

Donnerstag, 1. Juni 2017
Heute ist meteorologischer Sommerbeginn – passend dazu stehen wir bei wolkenlosem Himmel auf. Bei dieser Fahrt haben wir wirklich Wetterglück, denn es ist immer strahlend schön, es hat nie über 30 Grad und es weht immer ein feines Lüftchen.
Nach dem Frühstück werfen wir die Vespa an und fahren dann als erstes zur Tankstelle, um zwei, drei Literchen Benzin nachzugießen. Das Tanken ist in Italien echt nervig geworden, es gibt ja praktisch überhaupt keine Tankstelle mehr mit Bedienung – nur auf den Autobahnen sieht man Tankwarte. Die verlangen für ihren Service aber tatsächlich 20 Cent je Liter, also bei einer vollen Ladung für unseren Nasenbären würden wir dafür 12 Euro extra zahlen.
Also müssen wir jedes Mal aufs Neue lernen, die unterschiedlichen Varianten von Tankautomaten bedienen und fast immer müssen wir die Karte wechseln, weil wieder einmal eine nicht akzeptiert wird. Wir stehen für einen Tankvorgang oft mehr als zehn Minuten herum und warten, bis uns die entsprechende Zapfsäule freigegeben wird. Noch dazu ist die Mindesttankmenge mit 5 Euro bemessen, wir müssen also den 4-Liter-Tank so leerfahren, dass wenigstens 3 Liter hineingehen – wie gesagt, echt nervig.
Aber schließlich haben wir es doch wieder einmal geschafft und mit vollem Bauch knattert uns die Vespa durch die Gegend. Wir werden uns heute nach Portofino verfügen, das ist gut 40 Kilometer entfernt und bekannt als Treffpunkt der Reichen und Schönen.
Die Fahrt auf der Landstraße ist wunderbar, es herrscht nicht viel Verkehr, wenn es sich in den Orten staut, dann zischen wir einfach links oder rechts an den Kolonnen vorbei. Wir orientieren uns dabei an den anderen Moped-Fahrern – wenn die überholen, dann hängen wir uns an. Wir würden uns z.B. nicht trauen, ein an einer Ampel stehendes Polizei-Auto zu überholen, aber weil das hier alle machen, tun wir das auch. In einer kleinen Ortschaft ist uns – in einer 30er Beschränkung – ein Polizei-Motorrad mit Blaulicht entgegen gekommen. Und dann ist dieses Einsatzfahrzeug von einer Mofa-Lenkerin überholt worden, die hat locker einen 50er drauf gehabt. Der Polizist hat nicht einmal mit der Wimper gezuckt…
Wir kommen nach Rapallo, parken unsere Vespa und gehen eine Runde spazieren. Vieles ist von früher erhalten geblieben, die Ortskerne sind voll von historischen Häusern und alten Hotels, hier lässt sich sehr gut nachempfinden, wie es in den 1950er und 60er Jahren hier ausgeschaut haben muss. Auch wenn mittlerweile voll der Massentourismus eingesetzt hat, das einst Mondäne ist noch allerorts zu spüren.
Wir fahren dann die paar Kilometer nach Portofino weiter und was uns gleich auffällt – von Rapallo bis ins Ortszentrum von Portofino hinein ist ein roter Teppich gelegt. Das sind mindestens 8 Kilometer, vielleicht der längste rote Teppich der Welt? Jedenfalls pilgern die Touristen zu Hunderten auf diesem Teppich, viele sind mit Rucksäcken ausgerüstet, wegen der Wegzehrung vermutlich.
So etwas brauchen wir natürlich nicht, mit unserem roten Flitzer sind wir in ein paar Minuten drüben in Portofino. Zwischendurch wird der Verkehr aufgehalten, vor allem, wenn ein Kastenwagen oder Ähnliches unterwegs ist. Denn gegen Ende hin wird die Straße doch recht schmal und so versucht man, die Begegnungen von größeren Fahrzeugen halbwegs zu kanalisieren. Uns betrifft das nur, weil wir die Gegebenheiten nicht kennen – denn während wir brav in der Kolonne warten, preschen die Mopeds und Motorrädern völlig unbeeindruckt an uns und vor allem an der Polizei vorbei. Dann „entdeckt“ uns eine freundliche Polizistin und winkt uns am Stau vorbei.
Portofino ist – ähnlich wie Amalfi – ein einziger, in alte Steine gemeißelter, Anklang an vergangene Zeiten. Man sonnt sich heute noch im Glanz einer Sophia Loren, einer Brigitte Bardot oder eines Gunther Sachs, die hier legendenumwitterte Feste gefeiert haben. Später hat dann die internationale Politik den 400-Einwohner-Ort an der ligurischen Küste entdeckt, Reagan, Merkel, Chirac – alle schon mal dagewesen. Heute treffen sich hier die Fiat-Agnellis und die Mode-Armanis, natürlich hat auch Bunga-Bunga Berlusconi in Portofina ein Haus. Übrigens – ein Liegestuhl am Strand kostet pro Saison 4.000 Euro – nur zur Information, falls mal wer Lust hat, hier mit der Familie Urlaub machen zu wollen.
Wie zur Bestätigung des Images eines Top-Spots für den internationalen Jet-Set, ankert direkt beim historischen Zentrum eine riesige Yacht. Luxus pur, wir machen Fotos und googeln später, wem denn die „Tatiana I Valetta“ gehört. Wir tippen – auch wegen dem Namen – vorerst auf einen der bekannt bescheidenen russischen Oligarchen, aber das Luxus-Spielzeug gehört einem Unternehmen in Frankreich (vielleicht gehört ja das einem russischen Oligarchen?), das auf die Vermietung solcher Edel-Yachten spezialisiert ist. So ein Bötchen zu chartern ist nicht wirklich billig, pro Woche werden 165.000 Euro dafür genommen. Aber wenigstens inklusive Allem. Wir rechnen uns spaßhalber aus, für wie lange wir uns diesen Luxus leisten könnten und kommen dann zum Schluss: für die paar Sekunden rentiert es sich echt nicht…

Wir haben dann noch die Wirtschaft von Portofino angekurbelt und uns zwei hübsche Vespa-Modelle gekauft. Eine ganz winzige, sehr süß – und wieder eine Magnet-Vespa, beide mit dem Schriftzug „Portofino“ versehen. Und ein schönes Bild von Portofino haben wir auch erstanden, wohlfeil um 9 Euro, das kommt in unsere Schlafzimmer-Galerie.
Danach sind wir wieder den lässigen Weg nach Sestri Levante zurück gefahren. Wieder nahezu unbeschreiblich schön, der warme Fahrtwind weht uns um die Nasen, zeitweise sind wir völlig allein auf der Straße unterwegs, neben uns immer das tiefblaue Meer.
Kurz vor dem Campingplatz steuern wir einen Supermarkt an und besorgen uns ein paar Sachen – Wein, Limonade, Bier, Ravioli, Parmesan und Butter.
Dann haben wir uns – geplättet von den vielen Eindrücken – in unsere Faltstühle fallen lassen und gerastet. Mit einem Pasch überbrückten wir anschließend erfolgreich und unterhaltsam die Zeit bis zum Abendessen.
Wieder haben wir uns „Ravioli con Carne“ zubereitet – die muss man gerade mal 4 Minuten lang in Salzwasser kochen, dann werden sie mit brauner Butter übergossen und mit viel Parmesan bestreut. Wirklich ein gutes Essen – und das Schöne daran ist: die Variationen von Ravioli und Tortellini sind in Italien nahezu unendlich, in jedem Supermarkt gibt es eine Vielzahl davon, von den Angeboten auf den lokalen Märkten gar nicht zu reden…
Gesättigt haben wir dann dem Tag beim zu Ende gehen zugeschaut und später noch einen Pasch gemacht. Ein schöner, dichter Tag war das heute. Entsprechend müde fallen wir dann in unsere Betten.

Freitag, 2. Juni 2017
Natürlich haben wir wieder gut geschlafen und ebenso gut gefrühstückt.
Was uns sofort auffällt – heute geht’s so richtig rund am Platz. Jetzt trudeln im Minuten-Takt neue Gäste ein, ausschließlich Italiener, die ein langes Wochenende zum Campen nutzen. Waren bis gestern noch so ca. 15 Plätze besetzt, so sind jetzt alle 80 verfügbaren Parzellen belegt – ausgebucht!
Uns kann das ziemlich wurscht sein, wir haben unseren Platz, auf dem uns niemand unangenehm nahe rücken kann. Natürlich steigt die Lautstärke am Platz proportional zur Anzahl der spielenden Kinder – aber das empfinden wir nicht als störenden Lärm. Auch wenn nebenan ein Steppke seinen, wahrscheinlich vierten, Geburtstag feiert und immer wieder das berühmte „Tanti Auguri“ erklingt. Später war der Bub dann übrigens mit einem elektrisch betriebenen Mini-Jeep unterwegs, bald einmal musste er allerdings von Erwachsenen über den Platz geschoben werden, weil die Batterie nicht für stundenlangen Einsatz ausgelegt ist. Dafür ist er dann noch mit einer elektrischen Renn-Maschine (mit Stützrädern!) aufgetaucht – offensichtlich ebenfalls ein Geburtstagsgeschenk. Wie heißt es so schön in einem Pop-Song: „Some guys have all the luck!“
Aber wie gesagt, kleine Kinder schaffen es fast niemals, uns wirklich zu nerven. Auch nicht die beiden italienischen Mini-Fußballer, die sich hochmotiviert gegenseitig die Lederkugel zugeschossen haben und dabei immer wieder einmal einen WoMo-Volltreffer landeten. Einer der beiden – übrigens war er trotz seiner 6 Jahre kaum höher als ein Wohnwagen-Reifen – hat dabei echtes Talent gezeigt. Beidbeinig (!) schussgewaltig und dabei sehr treffsicher. Den Ball jonglieren beherrschte er auch schon und zwei, drei Mal hat er einen schönen Fallrückzieher am Asphalt praktiziert. Lustig war, dass er seinem Mitspieler immer wieder zugerufen hat: „Nicht den Ball in die Hand nehmen, Marco. Konzentrieren und dann kontrolliert schießen, Marco!“ (Natürlich auf Italienisch, aber Mano, prendere und Ballo verstehen sogar wir). Aus dem Buben mit den langen, blonden Haaren kann einmal ein richtig guter Kicker werden – Nico hat er geheißen, falls zufällig Talent-Scouts hier mitlesen…
Wir sind dann mit unserer Vespa wieder raus auf die Straße und zuerst nach Cavi gefahren, das kaum zehn Kilometer von uns entfernt liegt. Ilse war vor über 50 Jahren als Kind einmal auf Urlaub hier, mal schauen, ob sie noch etwas wiedererkennt.
Wir sind dann in Cavi aber nicht einmal stehen geblieben, Ilse hat sich an gar nichts mehr erinnern können, alles hat sich verändert. Nicht einmal den großen Hotel-Komplex hat sie ausmachen können, wahrscheinlich ist er jetzt noch größer oder anderen Projekten gewichen. Völlig wurscht eigentlich, also fahren wir weiter.
Relativ einfallslos fahren wir wieder nach Rapallo, heute gönnen wir uns aber einen ausgedehnten Spaziergang durch den netten Ort. Ilse hätte dann in einer Auslage ein wirklich entzückendes Paar Schuhe gesehen, butterweiche Leder-Mokassins in Schlangenleder-Optik. Aber mit ihren läppischen 470 Euro waren sie uns nicht teuer genug…
Einer etwas eigenartigen Demonstration dürfen wir dann auch noch beiwohnen – irgendwas ziemlich Rechtes und/oder Nationalistisches. Anders können wir uns die dickbäuchigen Altherren in ihren schwer mit Orden behängten Tarnjacken nicht erklären. Aber was geht das uns an…?
Dann fahren wir noch einmal nach Portofino rüber, dort ist wahnsinnig viel los, eben auch wegen der vielen Wochenend-Touristen. Unglaublich aber wahr – wir finden keinen Abstellplatz für unsere Vespa, zumindest keinen legalen. Ins Parkhaus wollen wir nicht (dürften wir als Einspurige auch gar nicht) und entlang der Zufahrtstraße ist es uns zu unsicher. Zwar stehen da schon unzählige Mopeds oder lehnen an der Felswand – für uns ist das aber nix. Auch weil alle 20 Meter ein Halteverbotsschild angebracht ist, die mit dem hässlichen Abschlepp-Auto drauf.
Also drehen wir um, Portofino haben wir ja gestern schon gesehen. Draußen vor Portofino hat ein gigantisches Kreuzfahrtschiff Stellung bezogen, so in der Größenordnung der „Costa Cordalia“, die Passagiere werden gerade mit Beibooten in den Hafen geschippert. Und auch das weltgrößte Segelschiff liegt zufällig hier vor Anker, den Fünf-Master „Club Med II“ haben wir auch schon gestern hier gesehen und seine beeindruckenden Eckdaten gleich gegoogelt (so z.B. dass 130 Crew-Mitglieder an Bord sind!) Ach ja – und der Herr Abramovic parkt auch hier – mit seiner 200 Millionen Euro teuren Yacht „Ecstasea“, immerhin die schnellste Motoryacht der Welt.
Wir bleiben dann im Nachbarort Santa Margarita stehen und gehen zum Strand runter. Dort genießen die Sonnenanbeter und -innen auf ihren bunten Liegen das schöne Wetter und einige Wagemutige tummeln sich in den durchaus vorhandenen Wellen.
Wir setzen uns etwas abseits auf große Steine, die auch hier als Wellenbrecher dienen und verbringen ein feines halbes Stündchen. Dann haben wir genug Sonne getankt und fahren zurück nach Sestri Levante.
Wieder haben wir also über 80 Kilometer mit der Vespa abgespult – so viel sind wir bis jetzt nur bei unserer Sizilien-Reise mit dem Moped unterwegs gewesen. Damals waren aber auch Rom, San Marino und der Gardasee mit dabei. Diesmal sind wir fast 500 Kilometer mit der Vespa gefahren und jeder einzelne davon war ein Erlebnis. Jetzt wird aber keiner mehr dazukommen.
Wir haben uns nämlich entschieden, dass wir morgen nach Hause fahren. Eigentlich war geplant, dass wir noch zwei Tage in Florenz verbringen werden, immerhin hat Ilse diese tolle Stadt noch nicht gesehen und Urlaub haben wir auch noch. Aber – diese Idee mit der Stadtbesichtigung werden auch zehntausende andere Touristen haben und nach dem total relaxten Urlaub passen uns Menschenmassen nicht wirklich ins Konzept. Dazu kommt noch, dass der Pfingst-Rückreiseverkehr gigantisch ausfallen wird und wir wollen dem nach Möglichkeit ausweichen. Antizyklisches Reisen heißt die simple Zauberformel und wann immer es irgendwie geht, halten wir uns daran.
Wir verbringen einen feinen Spätnachmittag und schaffen es, trotz des Tohuwabohus rund um uns, eine Mütze voll Schlaf abzukriegen.
Dann weckt uns der Hunger und wir gehen noch einmal ins platzeigene Restaurant essen. Ilse bleibt ihrem panierten Hühnerschnitzel mit Pommes treu, Gernot wagt sich über die Calamari Fritte.
Beide Mahlzeiten haben dann den Erwartungen entsprochen und nebenbei sorgte die offensichtlich völlig überforderte Kellnerin für Unterhaltung. Wie meinte Gernot so treffend: „Eine Kellnerin, die im Dauerlauf unterwegs ist, ist keine gute Kellnerin.“ Dabei waren gerade einmal vier Tische besetzt, von ca. 20. Und sie ist gesprintet, dass der Kiesel unter ihren Füßen nur so weggespritzt ist. Wenn mehr los ist, wird sie wohl auf Fliegen umstellen müssen…Trotzdem haben wir auf die Rechnung so lange warten müssen, dass wir schließlich an der Bar bezahlt haben.
Satt kehrten wir in unsere Schnecke zurück und spielten uns einen letzten Pasch auf dieser Reise aus. Danach ist allgemeines Matratzen-Horchen angesagt – morgen geht’s wieder heim.

Samstag, 3. Juni 2017
Gernot ist schon um 7 Uhr munter und schaut dem Campingplatz beim Aufwachen zu. Nach und nach klettern die Camper aus ihren WoMos und Wohnmobilen oder kriechen aus ihren Zelten. Man schlurft zur Toilette und zu den Duschen und immer öfter wabert frischer Kaffee-Duft über den Platz.
Und bald auch bei uns im WoMo, Ilse bereitet wie immer unser Frühstück zu und wir starten in einen recht anstrengenden Tag.
Es sind nahezu 600 Kilometer von hier bis nach Innsbruck – also mindestens 8 Stunden Fahrtzeit, wenn alles glatt geht. Und stauen kann es sich leicht einmal wo, an einem Samstag wollen sicher viele ans Meer…
Das Abreisen ist reine Routine geworden, die Vespa macht überhaupt keine Probleme mehr – was haben wir uns da früher manchmal abgeplagt. Heute machen wir das so schnell und locker, dass den Beobachtern oft das Staunen in den Gesichtern steht.
Dann verlassen wir den „Fossa Lupara“ Campingplatz, wir werden ihn in guter Erinnerung behalten, es hat alles gepasst hier. Immerhin sind wir zwei Tage länger geblieben, als wir eigentlich geplant hatten.
Bei der Tankstelle kriegt unser Nasenbär dann noch eine Ladung Diesel verpasst und ab mit uns auf die Autobahn.
Vorerst fahren wir gut 40 Kilometer die Strecke zurück, auf der wir hergekommen sind und sind dabei in jener Gegend unterwegs, die wir so ausführlich mit der Vespa erkundet haben. Dann biegen wir in Richtung Parma ab.
Wie befürchtet, zieht es an einem Samstag-Vormittag viele Leute ans Meer und sie ziehen alle mit ihren Autos dort hin. Eigentlich ist es reines Glück, aber die Mega-Staus sehen wir jeweils nur auf der Gegenfahrbahn – aber natürlich sind wir Richtung Norden unterwegs, das Meer liegt halt einmal südlich.
Wir kommen wirklich problemlos voran und sind zeitweise für Minuten völlig allein auf der Autobahn unterwegs. Gernot macht sich den Spaß und kreiert einen neuen „Running-Gag“ – wenn wir mal wieder überholt werden sagt er ganz erstaunt: „Huch – ein Auto!“ Und auf der anderen Seite wälzen sich die Massen in Richtung der Strände.
Kilometer um Kilometer spulen wir ab, das Wetter ist ideal zum Reisen, nicht zu heiß und es regnet auch nicht. Ab und zu vertreten wir uns an einer Raststätte ein wenig die Beine, einmal kaufen wir uns ofenfrisches Baguette und machen uns mit Salami und Parmesan eine feine Mittags-Jause.
Auf Höhe des Gardasees beginnt dann der Verkehr auf der anderen Seite immer stärker zu werden und ab Trient wird es wirklich irrsinnig. Ungelogen – im Prinzip sehen wir einen einzigen Stau von Trient zurückreichend bis zum Brenner (!!), von ein paar unbedeutenden freien Fahrtstrecken abgesehen. Unglaublich – wir können uns nicht erinnern, dass es sich hier irgendwann einmal derart gestaut hat – und das bitteschön ohne Baustellen oder Unfälle. Es sind einfach zu viele gleichzeitig unterwegs in das verlängerte Wochenende, dazu kommen noch der inneritalienische Ausflugsverkehr und die abertausenden LKW. Später haben wir in den Nachrichten gehört, dass die Zeitverzögerung auf dieser Strecke bis zu dreieinhalb Stunden ausgemacht hat – da brauchst Du dann echt erst einmal Urlaub vom Anreisen…
Das ist bei uns wie gesagt total anders gewesen, ohne eine einzige verkehrsbedingte Verzögerung sind wir zur Mautstelle Sterzing gekommen und um der erfolgreichen antizyklischen Reiseplanung noch die Krone aufzusetzen, kamen wir als allererstes Fahrzeug zur Zahlstelle.
Hier schließt sich der Kreis unsere Rundfahrt durch die Toscana und an die ligurische Küste hat ein Ende.

Den Brennerpass schaffte Schneckchen wieder komplett im 5. Gang – eine wirklich tolle Leistung, noch dazu mit der Vespa im Rucksack.
Zusammengerechnet sind wir bei unserer 65. Reise mit dem WoMo 1.335 Kilometer unterwegs gewesen und mit der Vespa 467. Diese Reise war eine der allerlässigsten überhaupt, aber das sagen wir zum Glück von nahezu allen unseren Fahrten. Aber wir nehmen von Pontedera, Pisa, Massa, Carrara und der ligurischen Küste wirklich eine Vielzahl von unvergesslichen Eindrücken mit nach Hause – und über ein Dutzend rote Vespa-Modelle auch…
Wohlbehalten sind wir dann in Innsbruck angekommen – unser WoMo darf sich jetzt ein bisschen ausrasten, nächste Woche geht’s dann noch mal zum Onkel Dokter Karli nach Itter, wegen des Implantieren einer Knieprothese in ihr Kühlsystem.
Und dann steht in eineinhalb Wochen schon die nächste Reise am Plan – wird werden zur Abwechslung mal wieder nach Italien fahren… 

Impressionen einer wunderschönen Reise ...





Montag, 1. Mai 2017

64. WoMo-Fahrt "Vom tiefsten Winter in den Frühsommer"

vom 28. April bis 1. Mai 2017
von Innsbruck über Verona nach Lido die Jesolo und Caorle - 898km

Freitag, 28. April 2017
Alle Zeichen stehen auf Aufbruch, denn am Montag ist 1. Mai, der ist in Österreich Staatsfeiertag und das deshalb ergibt sich ein langes Wochenende. Und lange Wochenenden sind für uns gleichbedeutend mit einer kurzen WoMo-Reise, also fahren wir weg.
Wir werden uns an die Adriaküste verfügen, an die ganz, ganz oben, genauer nach Jesolo. Für Ilse ist Jesolo eine Terra Incognita, Gernot war schon drei Mal hier, das letzte Mal mit Nadja, vor gut 25 Jahren. Es war geplant, Ilse wie immer mit voll bepacktem WoMo direkt von der Schule abzuholen und bruchlos in den Urlaub zu fahren. Aber schon früh am Morgen war der schöne Plan Makulatur, denn es schneite derart stark, wie es in diesem Winter noch nie in Innsbruck geschneit hat. Die Flocken erreichten nahezu die Größe von Taschentüchern, ein Wahnsinn. Tja – und zwischen uns und Jesolo liegt mit dem Brenner ein Alpenpass, also musste die Abfahrt vorerst verschoben werden.
Den ganzen Vormittag über meldete der Verkehrsfunk chaotische Zustände am Brenner, denn reihenweise liegen gebliebene LKW sorgten für gehörige Verspätungen. Dann sind noch einige Unfälle dazugekommen und stundenlang war überhaupt totaler Stau angesagt. Dem noch nicht genug, ist auf die Brenner-Bundesstraße auch noch ein gewaltiges Schneebrett abgegangen, also war auch die Alternativroute unpassierbar. Und es schneite und schneite und schneite.
Gegen 14 Uhr ist dann Ilse von der Schule gekommen, inzwischen hatten die fleißigen Räumungstrupps bereits ganze Arbeit geleistet und die Brenner-Autobahn wurde im Verkehrsfunk als schneefrei und Salz-nass beschrieben.
Wir warteten dann noch eine Stunde lang ab und als es in Innsbruck nicht mehr schneite, entschieden wir uns zur Abfahrt.
Unsere Vespa haben wir wohlweislich schon gestern auf den Motorradträger geladen, also mussten wir nur noch Getränke, frische Kleidung, einige Lebensmittel und unsere Notebooks einladen und schon starteten wir los.





Wir sind bei derartigen Bedingungen eigentlich noch nie mit dem WoMo losgefahren, überall am Rand der Brenner-Autobahn lag der weggeräumte Schnee in großen Häufen und immer wieder schneite es leicht. Aber die Autobahn auf den Brenner war vollkommen schneefrei, sonst wären wir mit unseren (wenngleich fast neuen) Sommerreifen das Risiko einer Überfahrt nie eingegangen.
Am Brennerpass selbst wehte dann noch ein kleiner, wenngleich unergiebiger Schneesturm, doch schon wenige Kilometer nach der Grenze zu Italien war von Winter keine Spur mehr zu sehen.
Wir rollten gemütlich nach Sterzing hinunter, wo wir auf einem Überkopf-Wegweiser lesen mussten: „6 km Stau von Klausen bis Bozen Nord“ Nun ja, eigentlich wurscht, wie haben ja keine Termine – trotzdem ist Stau immer blöd.
Und es wurde noch blöder, denn bevor wir überhaupt beim Stau angekommen waren, hatte sich dieser laut Informationstafeln bereits auf 10 km erhöht und letztendlich wird er wohl mehr als 15 km lang gewesen sein. Nervtötendes Stop-and-Go, insgesamt hat der Scheiß gut und gern eineinhalb Stunden Zeit gekostet. Wegen einer Fahrbahnverengung auf eine Spur! Eigentlich ein Wahnsinn, wenn man sieht, wie extrem ausgelastet die Autobahnen überall sind, vor allem, wenn sie nur zweispurig gebaut sind. Ein kleines Malheur und der ganze Verkehr bricht sofort zusammen. Aber wir haben diesbezüglich eh ziemliches Glück und stehen fast nie in langen Verkehrsstaus. Jetzt sind wir allerdings, wenn man die Unfälle am Idro-See dazurechnet, gleich zwei Mal hintereinander schwer bedient worden, Danke, es reicht dann mal wieder…
Das Schönste an einem Stau ist immer sein Ende und das freie Fahren danach. Ein Traum. Wir sind gleich 200 Kilometer am Stück gefahren und in der Nähe vom Gardasee haben wir dann eine „Area servizio“, also eine Raststätte angesteuert. Aber nur, um uns ein wenig die Beine zu vertreten, denn sehr schnell waren wir wieder draußen auf der Autostrada, der halbvergammelte Tankstellen-Shop lockte uns nicht – nicht mal für einen schnellen Kaffee, der in Italien auch an den abgefucktesten Orten vorzüglich schmeckt.
Die Gegend hier rund um den Gardasee ist wirklich wunderschön, wir genießen jeden Kilometer und rollen mit gemächlichen 85 km/h dahin. Wir sind beide ganz erstaunt, wie sehr das Licht eine Landschaft verändern kann. Wir sind beide noch nie zuvor an einem frühen Abend durch Südtirol in Richtung Süden gefahren und plötzlich sehen wir Burgen, Berge und Dörfer von der Abendsonne angestrahlt und das lässt sie völlig anders wirken als sonst. Es sind plötzlich Täler zu  sehen, die wir sonst noch nie wahrgenommen haben, weil sie sich im Schatten nicht so abzeichneten, wie in der tiefstehenden Sonne. Wirklich faszinierend.
Mittlerweile haben wir beschlossen, heute noch bis mindestens Verona zu fahren und uns danach einen Rastplatz zu suchen.
In Verona ist dann wunderschön die Sonne untergegangen und etwa 30 Kilometer später haben wir dann eine Autobahn-Raststätte angefahren. Die war schon sehr schwer belegt, gerade ein mickriges Plätzchen war noch frei – genau das richtige für uns.
Wir sind dann gleich auf der Suche nach Brot in den Tankstellen-Shop gegangen und haben dort ordentlich zugeschlagen. Zuerst haben wir uns Weißbrot, ein schönes Stück Parmesan und eine herrlich duftende Salami gekauft und beim Ausgang sind uns noch zwei Souvenirs in den Einkaufskorb gehüpft. Zwei wunderhübsche rote Vespa-Modelle – einmal als Schlüsselanhänger und einmal als Kühlschrank-Magnet-Vespa mit einem winkenden Pärchen drauf. Super – wir sammeln ja Vespa-Modelle und so haben wir mit diesem Touristen-Kitsch eine große Freude zum kleinen Preis.
Später haben wir dann im WoMo noch den Pasch ausgepackt und eine spannende Partie auf den Teller geklopft. Die Temperatur wird heute Nacht wahrscheinlich unter die 10 Grad Marke fallen, wurscht – wir haben unsere treue Heizung und außerdem Decken genug für eine halbe Kompanie.
Gegen Mitternacht sind wir dann zu Bett gegangen – übrigens sehr frohen Mutes, denn kein LKW mit Kühlaggregat war in unserer Nähe geparkt.

Samstag, 29. April 2017
Eine gute Stunde vor dem Aufstehen schaltet die beste Ilse von allen die Heizung auf Höchststufe und als wir dann beim Kaffee am Tisch sitzen, genießen wir unser Frühstück schon bei mehr als 20 Grad. Draußen sind die Temperaturen einstellig, das ändert sich aber mit der Sonne rasch – heute wird ein schöner Tag.
Die Morgentoilette auf einer Autobahnraststätte kann manchmal ein kleiner Spießrutenlauf sein – beim ersten Versuch ist Gernot gar nicht erst in die Nähe eines Topfes gekommen, denn gerade eben hatte sich eine Busladung voller Menschen zum gemeinschaftlichen Stoffwechsel eingefunden. Da will man sich nur ungern in die lange Warteschlange einreihen, also lieber später noch einmal probieren.

Nachdem dann endlich alle profanen Dinge eines Starts in einen guten Tag erledigt waren, fuhren wir in Richtung Jesolo weiter. Der Verkehr ist äußerst mäßig, an einem Samstag-Vormittag spielt sich auf Italiens Autobahnen selten etwas Gröberes ab.
So sind wir problemlos nach Jesolo gekommen und nach einem unwesentlichen Umweg haben wir den ins Auge gefassten Campingplatz „Park dei Dogi“ gefunden. Zack die Anmeldung, Zack die Vespa vom Träger geholt, Zack den Strom angestöpselt, Zack Stühle und Tisch rausgestellt und Zack, schon waren wir wieder in unserem so geliebten Camper-Modus. Einer unserer unmittelbaren Nachbarn ist Italiener und er hat die größte Freude mit unserer Vespa. Kein Wunder, er hat auch eine rote 125er Vespa zu Hause stehen, wie er uns stolz erzählt. Weiter kommen wir nicht mit ihm ins Gespräch, unser Italienisch ist leider endlich und seine Lust auf Kommunikation mit Händen und Füßen ist es offenbar auch.
Lange halten wir uns aber ohnehin nicht am Campingplatz auf, Lederjacken an, Helme auf und raus mit uns auf die Straße.
Schon bei einer ersten Rundfahrt durch Jesolo Lido muss Gernot erkennen, dass er hier gar nichts mehr erkennt. Der Ort hat sich derart verwandelt, dass nicht ein einziges Detail Erinnerungen an die vergangenen Besuche weckt. Ein hochtouristischer Platz war Jesolo zwar schon immer, aber in den letzten 25 Jahren ist wohl kein Stein mehr auf dem anderen geblieben. Wurscht – so ist Jesolo halt auch für Gernot – wenn auch unerwartet – Neuland.
In Jesolo befindet sich die längste Einkaufsmeile Europas, es werden wohl eher viele Meilen sein. Wir haben nicht nachgeschaut, aber ein paar Kilometer lang sind wir sicher ununterbrochen an allen Arten von Geschäften, an Eisdielen, Pizzerien, Restaurants, Cafe, Bars, Spielzeugläden und so weiter vorbeigefahren. Viel ist zwar noch nicht los, aber irgendwie ist mit heutigem Tag der Starschuss in die diesjährige Sommersaison gefallen, denn das lange Wochenende in Österreich und Deutschland macht sich für den Tourismus natürlich bemerkbar. Im Hochsommer ist hier die sprichwörtliche Hölle los, man kann wahrscheinlich keinen Schritt selbständig gehen, muss sich von der Masse schieben lassen. Aber wie gesagt, noch ist alles relativ relaxed, so mancher Betrieb hat überhaupt noch geschlossen.
Wir blatteln dann mit der Vespa bis nach Cavallino rüber, das ist über 20 Kilometer von Jesolo entfernt. Es hat an die 20 Grad, die Sonne scheint ohne Pause vom Himmel und man kann den Sommer direkt schon riechen. Die Fahrt über kleine Nebenstraßen ist wunderbar, immer mal wieder sehen wir das Meer, bis es wieder hinter Pinienwäldern verschwindet – ein Traum.
Nach gut eineinhalb Stunden fahren wir wieder nach Jesolo Lido zurück, stellen irgendwo in der Mitte der Einkaufsstraße unseren Roller ab und machen uns zu Fuß auf den Weg, um irgendwo etwas zu essen. Viele Restaurants sind trotz Betrieb vollkommen leer, in anderen ist ein einzelner Tisch besetzt – das wirkt nicht besonders einladend. Dann kommen wir aber an einem brechend vollen Lokal vorbei, treten ein und kriegen so ziemlich den allerletzten Tisch. Allem Anschein nach sind wir die einzigen Ausländer, denn es wird nur italienisch gesprochen. Das Restaurant ist eigentlich richtig nobel, das Essen – wir haben uns mit Spaghetti Carbonara (Ilse) und einer Pizza zufrieden gegeben – ausgezeichnet und die Rechnung mit unter 25 Euro relativ günstig. Fein!
Satt schlurfen wir zu unserem roten Flitzer zurück und finden unterwegs bei einem Spielwarengeschäft ein wunderbares Original-Modell einer Vespa Primavera – maßstabgetreu, sehr detailreich ausgeführt, feuerrot und mit weißer Sitzbank. Geil – noch dazu mit 14 Euro durchaus wohlfeil, also bereichert das hübsche Spielzeug unsere Sammlung.
Zurück am Campingplatz haben wir eine kleine Siesta gemacht und dann hat es uns schon wieder auf die Straße hinausgezogen. Weil wir noch gar nicht richtig am Meer waren, sind wir einfach mal nach dem Verlassen des Campingplatzes links abgebogen und nach zwei, drei Kilometern direkt zum Wasser gefahren. Für unsere Vespa hat es sogar einen eigenen Motorradabstellplatz direkt am Strand gegeben – beinahe verschüchtert ist unser Rollerchen dann dagestanden, zwischen einer martialischen Harley Davidson und einer fetten BMW Touring-Maschine…

Der Strand selbst war nahezu völlig menschenleer, ein paar Spaziergänger waren mit ihren Hunden unterwegs, der eine oder andere Strandwanderer war zu sehen und ein kleines Mädchen, das mutterseelenallein ihre Sandkuchen produzierte, wozu sie sich vom nahen Strandcafe laufend Wasser in ihren winzigen Gießkännchen liefern hat lassen. Sehr süß.
Bei besagtem Strandcafe haben wir uns dann niedergelassen, es hatte eben erst aufgesperrt, sogar die Stühle und Tische waren noch mit Stahlkabeln zusammengebunden, um sie gegen Diebstahl oder Wegwehen zu sichern. Wir haben einen fantastischen Kaffee getrunken – für 1 Euro je Tasse. In der Sonne sitzend lässt sich der Sommer schon sehr gut spüren, auch wenn die Temperatur nur mit Ach und Krach die 20er Marke erreicht hat. Jedenfalls zeigen sich die ersten Mutigen bereits in T-Shirts und die eine oder andere Sonnenanbeterin wagte sich schon in den Bikini.
  
Wir haben das friedliche Strandidyll dann noch eine ganze Zeit lang genossen und eine sehr feine Zeit gehabt. Gernot hat sich später noch ein kleines Bierchen gegönnt, was wiederum Ilse dazu verleitete, das volle Glas für kreative Experimental-Fotografie zu nutzen. Mit einem netten Ergebnis, wie man sieht.
Es wird schon nach 18 Uhr gewesen sein, als wir zum Campingplatz zurückfuhren. Nach einem gemütlichen Pasch jausneten wir dann noch ein paar Fleischlaibchen, denn hungrig soll niemand ins Bett gehen müssen.
Als wir dann gegen Mitternacht das Licht löschten, genossen wir die herrliche Ruhe rund um uns, obwohl der Campingplatz fast völlig besetzt ist – also mit weit über hundert WoMos. Aber den allermeisten Campern ist Ruhe im Urlaub sehr wichtig und die Nachtruhe fast schon heilig. Gut so!

Sonntag, 30. April 2017
Wieder haben wir schon beim Aufstehen gesehen, dass es einen wunderschönen Tag geben wird. Nach einem feinen Frühstück haben wir dann den Temperaturen noch ein wenig Zeit zum ansteigen gegeben und um 11 Uhr wurde dann unsere Vespa gestartet – raus ins Land. Wir haben heute sogar ein Ziel, wir werden nach Caorle fahren, neben Jesolo, Cavallino und Bibione einer der berühmtesten Tourismus-Hotspots hier an der oberen Adria. Da waren wir beide noch nie, als nix wie hin.
Laut Google Maps liegt Caorle ca. 40 Kilometer entfernt, aber Google rechnet dabei den Weg über die Schnellstraße. Navigations-Expertin Ilse hat aber auf der Landkarte einen Weg entdeckt, der deutlich kürzer sein sollte. Tatsächlich bestätigte das dann sogleich die überaus freundliche Dame an der Rezeption und wir fuhren los.
Der Weg nach Caorle führte uns auf eine traumhafte, winzig kleine Straße, die sich sehr kurvenreich und dem Meer entlang dahin schlängelte. Die ganze Straße war erhöht gebaut, fast wie bei einem künstlichen Damm und das gewährte und wunderbare Ausblicke in die umliegende Gegend. Noch dazu herrschte kaum Verkehr, wir hätten 80 km/h und schneller fahren können. Aber wir sind absichtlich nur mit 50 unterwegs gewesen, um dieses lässige Sträßchen möglichst lange genießen zu können. Solche Super-Touren erleben wir erst, seit wir die Vespa haben, denn derartige Fahrten hätten wir mit unseren Fahrrädern wohl nicht unternommen, dazu haben Kondition und Lust nie gereicht.
Glockenturm von Caorle

Die letzten paar Kilometer nach Caorle absolvierten wir dann auf der Schnellstraße, die um diese Jahreszeit ihren Namen noch verdient, denn bei über 90 km/h flog uns die Stadt an der Adria geradezu entgegen. Diese Verbindungsstraße zwischen den berühmten Badeorten kennen wir aber auch völlig anders, nämlich als riesigen Parkplatz. Vor ein paar Jahren haben wir bei einem Venedig-Aufenthalt spontan beschlossen, vor der Heimreise noch für ein, zwei Tage in Jesolo vorbeizuschauen. Diese Idee hatten aber leider auch gefühlte dreihundert Millionen Italiener, die ebenfalls an die obere Adria fahren wollten – wir hatten schlicht übersehen, dass wir an einem Samstag-Vormittag unterwegs waren. Damals haben wir nach über einer Stunde Stop-and-Go Verkehr und ca. 20 Kilometer vor Jesolo aufgegeben, sind einfach nach links auf die Autobahn gefahren und haben uns zwei Stunden später zu Füßen der Drei Zinnen inmitten der wildromantischen Dolomiten wiedergefunden.
Aber heute war die Schnellstraße phasenweise völlig leer, allenfalls war hie und da ein Trupp grellbunt gekleideter Hobby-Rennradfahrer unterwegs. So sind wir problemlos in Caorle eingetroffen, haben aus Versehen eine Ehrenrunde um den Hafen gedreht und dann unser Moped mitten im Zentrum abgestellt.
Caorle macht uns einen unerwartet netten Eindruck, quietsch-bunt ist hier eindeutig die Lieblingsfarbe, was der Stadt einen sehr fröhlichen Anstrich verleiht. Orange, blau, rot oder grün leuchten die Fassaden der Häuser und bilden damit einen tollen Kontrast zu den alten, steinernen Kultur- und Sakralbauten. Sehr lässig.




Wir wandern ausgiebig durch die hübschen Straßen und Gässchen, zwischendurch kaufen wir uns für wenige Euros drei weitere Vespa-Modelle und zum Spaß schicken wir an uns selbst eine Postkarte, die eine rote Vespa zeigt.
Dann fahren wir kilometerweit die Hauptstraße am Meer entlang, an der ebenfalls nahezu keinerlei Verkehr herrscht. Hier, in der begehrten ersten Reihe, zeigt Caorle sein weniger hübsches Gesicht, denn eine Hotel-Betonburg nach der anderen reckt sich in den azurblauen Himmel. Das wäre nix für uns, obwohl jeder von uns auch schon so Urlaub gemacht hat. Deshalb wissen wir ja auch, dass das nichts für uns ist – simple Logik.
Wir steuern dann die allerallerletzte Bar am Strand an, trinken einen phantastischen Cappuccino und genießen den ebenso phantastischem Blick aufs Meer.
Dann fegen wir die vielleicht 25 Kilometer nach Jesolo zurück und erfreuen uns ein weiteres Mal an der kleinen Straße, die fast wieder nur uns alleine gehört. Dabei kommen wir an einer ziemlich kuriosen Fähre vorbei, die eigentlich eine Art transportable Brücke ist. Aber man kommt dadurch ans andere Fluss-Ufer, was in unserem Fall 50 Cent gekostet hätte. Wir sparen uns den Spaß, vor allem natürlich deswegen, weil wir nicht wissen, was wir an der anderen Seite eines Flusses tun sollten, dessen Namen wir nicht mal kennen.
ländliche Idylle - ein Schnäppchen
Als wir am Campingplatz ankommen, gilt noch die Siesta von 12 bis 15 Uhr, also müssen wir unsere Vespa bis zum WoMo schieben. Voll o.k., außerdem sind es ja nur ein paar Meter, sonst hätten wir sie halt derweil am Eingang stehen lassen.
Wir schließen uns gleich vollinhaltlich der allgemeinen Ruhe an, später arbeiten wir beide ein wenig an unseren Notebooks. Dann ist wieder ein Pasch fällig und als es dann Abend wird, essen wir die letzten Fleischlaibchen und delektieren uns an der Salami und dem Parmesan von der Autobahn-Raststätte. Mit kühlen Drinks schwänzen wir uns das gute Mahl runter und nach einem Gute-Nacht-Pasch kriechen wir unter unsere Decken. Es wird die Temperatur heute wieder unter die 10-Grad Marke fallen, uns kann’s wieder wurscht sein…

Montag, 1. Mai 2017
Der 1. Mai ist der Tag der Arbeit, also tun wir vorerst einmal gar nix. Stimmt natürlich nicht, denn wir fahren heute Vormittag ab und da gibt es immer einiges zu erledigen. Vorerst aber wird fein gefrühstückt, wir haben uns wieder einen Marmor-Gugelhupf eingepackt und ein paar Stücke davon liefern uns die nötige Energie für einen perfekten Start in den Tag.
Hauptarbeit ist immer das Aufladen unserer Vespa, aber seit wir, mittels raffinierter Adaptierung eines der Auffahrtsböcke, den Winkel unserer Rampe verändert haben, flutscht das Rollerchen nur so auf seinen Platz. Weil es eben nicht mehr an der Stoßstangen-Kante hängen bleibt und wir unser 108 kg schweres Moped nicht mehr an seinem Popo hochheben müssen. Sehr fein und wieder einmal hat Ilse ein Problem genial gelöst. Ja, ja – die Frau Werkslehrerin hat’s schon drauf…
Wir gehen dann noch in aller Ruhe duschen, stecken abschließend den Strom ab und machen uns auf den Weg in Richtung Innsbruck. Vorerst führt uns dieser Weg aber nicht einmal aus dem Campingplatz hinaus, denn klugerweise ist direkt bei der schmalen Ausfahrt die Entsorgungsstation untergebracht. Drei WoMo stehen schon brav in der Reihe und jeder Camper weiß, wie lange das Ablassen des Brauchwassers und das Entleeren der Klo-Kassetten dauern kann… Nix für uns, Ilse geht sich rasch die Genehmigung dafür holen, dass wir sozusagen gegen die Einbahn das Gelände verlassen dürfen und – zack – weg sind wir.
Zuerst geht es gut 30 Kilometer über die Schnellstraße, unterwegs zur Autobahn tanken wir unsere Schnecke voll – satte 70,00 Euro rinnen in den Tank. Der Verbrauch liegt diesmal bei knapp über 10 Litern je 100 Kilometern (48,4 Liter für 464 Kilometer), ist wohl auch ein wenig dem Stau bei Bozen Nord geschuldet. Trotzdem sind wir mit dem Dieselverbrauch unseres WoMos sehr zufrieden, immerhin hat es beinahe drei Tonnen Gewicht durch die Gegend zu zerren.
Dann fahren wir auf die Autostrada auf und erst bei Innsbruck werden wir die Autobahn wieder verlassen. Auch in Italien ist der 1. Mai ein Feiertag, das bedeutet – Juhu! – keine LKW unterwegs, mit Ausnahme von Lebensmitteltransportern. So kommen wir super voran, können in Ruhe unser Tempo fahren, ohne das uns die selbsternannten Könige der Landstraßen von hinten bedrängen, weil sie ja im ganzen Trentino und in ganz Südtirol nicht überholen dürfen.
Natürlich bleiben wir dann bei einer Raststätte stehen, Beine vertreten, eine Runde spazieren gehen, ein Käffchen genießen und den letzten Marmor-Gugelhupf verputzen.
Auf Höhe des Gardasees beginnt sich dann das bis dahin schöne Wetter deutlich einzutrüben und bald einmal beginnt es leicht zu regnen. Dann ein kleiner Schock – die Informationstafeln melden uns 8 Kilometer Stau zwischen Bozen Süd und Bozen Nord, sogar die Zeitverzögerung wird exakt angegeben – sie beträgt 71 Minuten. Nicht schon wieder! Tatsächlich geraten wir dann unmittelbar bei Bozen Süd in den Stau – diesmal haben wir seine Länge und den dadurch entstandenen Zeitverlust notiert. Und was sollen wir sagen – die Voraussagen waren erstaunlich präzise – der Stau zog sich insgesamt über 8,5 Kilometer und wir waren 68 Minuten lang darin gefangen. Wurscht eigentlich, aber es nervt schon einigermaßen. Wenigstens ist man in seinem Frust nicht alleine, tausenden Mit-Stauenden geht es ja nicht anders.
Dann war wieder freie Fahrt für freie Bürger angesagt und wir rollten gemächlich Sterzing entgegen. Weil extrem starker Rückreiseverkehr herrschte (95 Prozent der Fahrzeuge trugen Kennzeichen aus Österreich und Deutschland) erwarteten wir bei der Mautstelle Sterzing wieder einen Stau, aber schon nach zwei Minuten hatten wir bezahlt, nur drei Fahrzeuge waren vor uns an der Reihe. Das geht.
Jetzt galt es nur noch, gut den Brenner hinaufzukommen. Gut bedeutet, dass wir nach dem Maut-Schranken ungehindert und mit Vollgas zur ersten Steigung kommen, denn dann zieht unsere unglaublich brave Schnecke die 14 Kilometer bis zum Pass durchwegs im 5. Gang rauf. Hat wieder super geklappt und das mit der Vespa im Huckepack – Chapeau du treues Häuschen.
Gleich nach der Grenze begann es wie aus Kübeln zu schütten, bei Scheißwetter sind wir weggefahren und bei Scheißwetter kommen wir heim. In Innsbruck angekommen ist der Regen dann so stark, dass wir gar nicht daran denken können, die Vespa abzuladen, also bleibt sie vorerst auf ihrem Träger. Wir räumen das Notwendigste (ein paar Lebensmittel und die Schmutzwäsche) aus und freuen uns dann schon auf die weiche Couch in unserer gemütlichen Wohnung.
Zusammengefasst war unser Kurz-Trip an die Adria eine sehr lässige Fahrt, wir haben ausreichend Sonne getankt und eine sehr feine Zeit in einer noch sehr relaxten Atmosphäre gehabt. Der Besuch von Jesolo, Cavallino und Caorle bleibt uns in sehr guter Erinnerung, eine Wiederholung ist definitiv nicht ausgeschlossen. Übrigens sind wir bei dieser Fahrt mit dem WoMo 898 Kilometer unterwegs gewesen und mit der Vespa 163 Kilometer.
Knappe drei Wochen wird es dauern, bis wir wieder mit unserem WoMo ausrücken und wir haben schon halbkonkrete Vorstellungen, wohin die Reise gehen wird. Vorher muss unsere Schnecke aber noch durch den TÜV und dabei muss unter anderem auch sein waidwunder Holz-Fußboden repariert werden. Wird schon werden, wir sind da ganz entspannt…

Strandimpressionen