GErnot und ILse

GErnot und ILse

Sonntag, 15. April 2018

76. WoMo-Fahrt "Rückholung"

76. WoMo-Fahrt "Rückholung"
vom 14. April bis 15. April 2018
von Innsbruck-Bad Häring-St. Johann-Innsbruck --- 200 km

Samstag, 14. April 2018

Auch wenn wir jeden unserer Blog-Einträge mit „WoMo Reise“ übertiteln, so sind manche dieser „Reisen“ nur Ein-Tages-Trips, also eher kleine Fahrten. So wie diese. Aber alle Reisen, Fahrten, Kurz-Trips etc. haben eines gemeinsam – unsere Vorfreude. Es ist jedes Mal wunderbares Herzklopfen dabei, wenn wir unser Schneckchen aus seiner Garage holen, es ist jedes Mal aufs Neue aufregend, die Nummerntafeln zu montieren und es ist jedes Mal die pure Freude, den Startschlüssel zu drehen und unser WoMo aufzuwecken.

Das war natürlich auch diesmal nicht anders. Gernot ist gegen 9 Uhr erneut alleine zur WoMo-Garage aufgebrochen – heute wird er noch einmal nach Bad Häring fahren, wo die liebe Ilse ihre Kur absolviert. Absolviert hat, morgen Früh ist endgültig Schluss mit Anwendungen aller Art – die lange ersehnte Rückholung steht an. 

Vor dem Losfahren kauft Gernot noch ein paar Getränke ein und dann werden die Fahrzeuge gewechselt – eine längst liebgewonnene Routine. Die zwei Wochen Ruhepause haben unser WoMo keineswegs erneut in den Winterschlaf fallen lassen – heute springt es in der allerersten Sekunde an. Schon nach wenigen Kilometern und noch vor der Auffahrt auf die Autobahn schnurrt der Motor unseres Schneckchens vertrauenserweckend wie immer. Wieder einmal kommen Gernot die schönen Worte eines Campers in den Sinn. Der Mann war Zeit seines Lebens als Ingenieur bei Mercedes tätig und er tätschelte auf irgendeinem Campingplatz die Kühlerhaube unseres Ducato Turbo und meinte: „Das ist der beste Motor, den Fiat je gebaut hat.“ Wir haben keinen Grund, dem guten Mann nicht Recht zu geben. Jetzt hat unser WoMo über 202.000 Kilometer auf dem Tacho und ist heuer 28 Jahre alt geworden. Trotzdem haben wir nie das Gefühl, in einem Oldtimer zu sitzen. Für unsere Ansprüche ist unser WoMo ausreichend motorisiert, es stehen über 80 Pferdchen zur Verfügung und die zerren unseren Nasenbären überall brav hinauf – von Sterzing auf den Brennerpass fahren wir immer im 5. Gang, auch mit der Vespa am Träger! Auf langen Autobahnstrecken sind wir meist mit knapp unter 90 km/h unterwegs, das drückt den Verbrauch regelmäßig auf weniger als 10 Liter/100 Kilometer. Wenn es sein muss, dann können wir jederzeit und mühelos jeden LKW überholen, unser Häuschen geht mindestens 115 km/h, seine tatsächliche Höchstgeschwindigkeit haben wir noch gar nie ausprobiert und werden das auch nie tun. Wir streicheln es lieber, als es zu treten.

Und so rollt Gernot gemütlich Bad Häring entgegen, der Verkehr ist mäßig. Sehr praktisch ist dann ein Konvoi von extrem martialischen Militär-Fahrzeugen, alles spezielle Kampf-Autos mit riesigen Rädern und breiter wie jeder Hummer. Das Feine – die Dinger sind höchstens mit einem 80er unterwegs und weil die LKW auf der Inntalautobahn nicht überholen dürfen, kann Gernot nach Passieren des Konvois gemütlich mit 82, 83 km/h dahinfahren und wird nicht mehr von ungeduldigen Brummis bedrängt.

Beim Kurzentrum in Bad Häring wird dann unser WoMo wieder exakt auf jenen Platz geparkt, an dem es schon vor 14 Tagen gestanden ist. Ilse wird noch ein allerletztes Mal angewendet, also kann Gernot in aller Ruhe das WoMo auf Steh-Modus einrichten. Was für eine Arbeit! Immerhin muss der Fahrersitz ein paar Zentimeter nach vorne verschoben werden und auch der Vorhang zur Fahrerkabine schließt sich nicht von alleine. Dann noch den Einstiegs-Tritt vor die Tür stellen und zwecks Lüftung eine der Dachluken öffnen. Fertig. Normalerweise würden wir noch den Stromanschluss herstellen und Tische und Stühle aufstellen – beides können wir uns in Bad Häring sparen, wir sind hier schließlich nicht auf einem Campingplatz.

Und so ist Gernots Arbeit schon nach wenigen Sekunden erledigt, also macht er sich auf den Weg zum Eingang des Kurhauses. Doch schon nach ein paar Metern kommt ihm seine Ilse freudestrahlend und mit weit ausgebreiteten Armen entgegen – das Ehepaar Zimmermann ist endlich wieder vereint. Ilse hat die Kur in vollen Zügen genossen und es hat ihr wirklich gut getan. Sie ist nach dem dreiwöchigen Service in bester Verfassung und präsentiert sich weitgehend runderneuert. Jetzt ist die Gute wieder voll-fit und wird auch die letzten 444 Tage bis zu ihrer wohlverdienten Pensionierung locker herunterbiegen.

Wir sitzen zuerst ein paar Minuten im Wohnmobil und machen uns dann – es ist 11 Uhr – zu einem Spaziergang auf. Zuerst schlendern wir zum Gasthaus Schermer rüber und reservieren uns einen Tisch fürs Mittagessen. Danach gehen wir eine ausgiebige Runde über das Gelände der Kuranstalt. Es gibt hier ja einen netten, kleinen See und so setzen wir uns auf eine Bank an einem seiner Ufer. Es ist vom Wetter her zwar kein Traum-Tag, aber es ist schon schön warm – kein Vergleich mit vor 14 Tagen. Da hätten wir im Hemd lieber nicht dasitzen wollen. Aber heute hat es an die 20 Grad, der Winter hat also endgültig abgedankt. Und das ist gut so.

Später gehen wir dann noch einmal ins WoMo – Ilse hat beschlossen, heute ihr Bett in der Kuranstalt mit dem tausendmal feineren Bett im Wohnmobil zu tauschen. Also richtet sie sich ihre Schlafstatt her, denn was gemacht ist, muss nicht mehr getan werden. Ilse wird heute also die erste Nacht 2018 im WoMo verbringen, Gernot hat ja schon zweimal herinnen übernachtet.

Pünktlich um 12 Uhr begeben wir uns im Gasthaus Schermer zu Tisch und werden – wie zu erwarten war – wieder zufriedengestellt. Ilse hat sich ein Kinder-Wienerschnitzel bestellt, Gernot hat sich das Menü mit Spargelcreme-Suppe und Pariser-Schnitzel kommen lassen. Beide Mahlzeiten waren so üppig, dass wir direkt froh waren, dass die Bedienung offenbar das Eis vergessen hatte, dass bei Gernots Menü eigentlich dabei gewesen wäre. Aber als wir schon nach der Rechnung verlangt haben, ist die Nachspeise dann doch noch gekommen – ein richtig großer Eisbecher mit drei Kugeln, Erdbeeren und einer gigantischen Haube aus Schlagobers. Ilse hat sich dann heldinnenhaft geopfert und das Dessert aufgegessen – die Gute kann einfach keine genießbaren Lebensmittel wegwerfen. Sehr brav!

Wir rollen mehr zum WoMo zurück, als dass wir gehen und machen einen ersten Pasch. Wir kriegen Besuch von einer Streuner-Katze bzw. locken wir sie mit Knuspertaschen zu uns. Obwohl sehr schüchtern, traut sich die schöne Katze dann doch heran und lässt sich das Futter schmecken. Danach ist sie schnell wieder weg.

Nach dem Päschchen verfügen wir uns dann in Ilses Zimmer und packen die meisten ihrer Sachen zusammen. Das ist bald einmal erledigt und wir schleppen die Taschen zu unserem Häuschen. Vorerst verstauen wir alles im Führerhaus, das ist so etwas wie unsere Abstellkammer, wenn wir wo stehen.

Danach gönnen wir uns ein weiteres Spiel am Pasch-Teller und knapp vor 18 Uhr machen wir uns auf den Weg ins Dorfzentrum von Bad Häring. Ilse wird wieder auf ihr Essen in der Kuranstalt verzichten – das hat sie jetzt drei Wochen lang „genießen“ dürfen, irgendwann reicht es dann mit den durchwegs vorgefertigten Mahlzeiten. Stattdessen statten wir heute der Pizzeria „Don Pepe“ einen Besuch ab. Mal schauen, was uns erwartet. Schon beim Eintreten sehen wir, dass das Lokal einen guten Ruf haben muss, denn es ist fast jeder Tisch besetzt. Wir kriegen aber noch ein freies Plätzchen und schon nach zwei Minuten haben wir unsere Getränke serviert bekommen. Schau! Wir bestellen uns Spaghetti Carbonara für Ilse und eine Pizza Quattro Stagioni für Gernot. Dazu noch einen griechischen Salat, wie soll man denn sonst sein Übergewicht halten? Das Essen war wirklich ausgezeichnet, die Bedienung absolut perfekt und die Rechnung völlig akzeptabel. Kurz – ein rundum gelungener Abend.

Der Verdauungsspaziergang zurück ins WoMo, gute eineinhalb Kilometer, hat uns dann so richtig gut getan. Ilse hat sich dann noch aus ihrem Zimmer den Privat-Polster und die Privat-Kuscheldecke geholt, einer feinen Nacht ist also nichts mehr entgegen gestanden. Vorher haben wir noch dem Tag beim Zu-Ende-gehen zugeschaut und später haben wir uns dann noch einen lässigen Pasch ausgespielt. Die Außentemperatur beträgt um 21 Uhr noch ca. 15 Grad, danach ist es dann recht schnell nach unten gegangen. Wir haben beim Schlafen-gehen dann aber doch die Heizung ausgeschalten, heute dürfte es wirklich schon ohne gehen. Und so war es dann ja auch…

Sonntag, 15. April 2018

Tatsächlich hat es in der Nacht auf exakt 7,9 Grad abgekühlt, im WoMo haben wir in der Früh 13 Grad gemessen. Das geht – wir sind Tiroler und schlafen daheim auch im tiefsten Winter immer bei geöffnetem Fenster. Ilse hat nach dem Aufwachen sogleich unsere treue Heizung aktiviert, den Kaffee haben wir schon bei 22,5 Grad genossen. Übrigens haben wir uns heute mal ausnahmsweise vom Wecker aus dem Schlaf holen lassen, denn wir wollen uns in Ilses Zimmer den Start des Formel 1 Grand Prix in China anschauen. So ist es dann auch gekommen, schon die Anfangsphase hat ein wirklich spannendes Rennen versprochen, wir haben aber nach der zweiten Runde den Fernseher ausgeschalten. Wir haben anderes zu tun.

Ilse hat dann endgültig auschecken dürfen, hat noch Bademantel und so Zeugs zurückgegeben und dann war die Abfahrt angesagt. So gut ihr die Kur getan hat, so froh ist Ilse auch, dass die drei Wochen jetzt vorbei sind. Und auch Gernot ist ganz dieser Meinung – genug ist genug.

Eigentlich war heute eine ausgiebige Fahrt geplant, wir wollten zuerst zum Achensee fahren, dann  eventuell ins Bayrische hinaus, je nachdem, ob und welche Mautstraßen bereits offen sind. Wir haben uns dann aber anders entschieden, denn entgegen der Prognosen ist das Wetter überhaupt nicht frühlingshaft. Die Sonne lässt sich gar nicht blicken, es herrscht dichter Hochnebel und auch die Temperaturen bleiben unter 15 Grad. Schade und wurscht gleichzeitig. Wir haben eh ein Ziel, wir fahren nach St. Johann, das ist gute 30 Kilometer weit entfernt. Ilse hat eine Kitzbühler Camperin kennengelernt, die von der St. Johanner WoMo-Firma Rass geschwärmt hat. Und weil man einen guten WoMo-Händler in Tirol immer mal brauchen könnte, wollen wir uns diese Firma Rass ein bisserl näher anschauen.

Wir nehmen den Weg über Bruckhäusl und Söll, zeitweise sind wir ziemlich allein auf der Straße unterwegs. Ilse meint, weil die Leute am Sonntag um diese Zeit entweder in der Kirche oder beim Frühschoppen sind. Da ist sicher was dran. In St. Johann angekommen, halten wir vorerst vergeblich Ausschau nach einer Firma Rass. Kein Problem, wir fahren einmal von Ortschild zu Ortschild, drehen dann um und aktivieren Google-Maps am Handy. Zack – 20 Sekunden später wissen wir, dass wir 2,3 Kilometer von unserem Ziel entfernt sind. Den Weg weist uns dann die Computer-Stimme des Navis und nach einem letzten „Jetzt rechts abbiegen“ stehen wir vor den Toren der Firma Rass. Die sind an einem Sonntag natürlich geschlossen, aber jetzt wissen wie wenigstens, wo sich das Unternehmen genau befindet, vielleicht werden wir ja Mal darauf zurückkommen. Jedenfalls sollen die einen ausgesprochen guten Service anbieten und das mögen wir. Mal schauen – solange unsere Schnecke noch so brav läuft, werden wir uns eh nach keinem anderen WoMo umsehen, so eines kriegen wir ja ohnehin nie wieder…

Wir sind dann gemütlich in Richtung Wörgl gefahren und waren immer noch unschlüssig, wie wir diesen Tag im WoMo verbringen sollten. Vor allem wo.

In Wörgl sind wir dann nicht auf die Autobahn gefahren, vielleicht suchen wir uns entlang der Bundesstraße ein gemütliches Plätzchen, wo wir einen Pasch machen könnten. Noch vor Kundl lockt uns ein Motorradhändler mit einem „Tag der offenen Tür“ – wir haben nichts Besseres vor, also fahren wir zu. Eine gute halbe Stunde lang schauen wir uns unzählige Motorräder an, vom Elektro-Roller, über ausgewachsene Touren-Maschinen, bis hin zum über 200 PS starken Renn-Hobel. Im Shop will Gernot seine Ilse dann unbedingt zum Kauf von – wenigstens leichten – Motorrad-Handschuhen überreden. Wir wären ja vergangenes Jahr beinahe mit der Vespa ausgerutscht und bei einem Sturz würde man das Fehlen von Handschuhen wohl büßen. Aber Ilse findet erstens kein passendes Paar auf Anhieb und hat zweitens überhaupt keine Lust auf Shoppen. Passt – aber noch bevor wir das erste Mal mit der Vespa losknattern, sollten Ilses Händchen durch formschönes, schwarzes Leder geschützt werden. Heute schauen wir nur noch kurz beim Angebot der Jet-Helme vorbei, Gernot wird sich eventuell einen Neuen zulegen. Aber es sollte – wenn möglich – ein Original Vespa-Helm sein, mal schauen, ob wir in Italien einen kriegen.

Wir fahren weiter und bleiben das nächste Mal nach dem Tunnel bei Rattenberg stehen. Wir trinken neben dem Skater-Park unseren letzten Frühstücks-Kaffee und jausnen eine  Wurstsemmel. Der Parkplatz gibt überhaupt nix her, also fahren wir weiter. Hatten wir noch zehn Minuten vorher ausgemacht, dass wir am Parkplatz des Cafe Zillertal in Strass einen Pasch machen werden, so sind wir dort aber nicht einmal stehen geblieben. Zwar sind wir auf den Parkplatz eingebogen, haben uns dann aber kurz angeschaut, den Kopf geschüttelt und sind anschließend in einem Zug nach Innsbruck gefahren. Daheim auf der Couch haben wir es auch gemütlich, wir müssen nicht zwanghaft in unserem WoMo sitzen. Obwohl es uns schon soooo abgegangen ist! Das wird wieder eine geile Wohnmobil-Saison werden heuer, was werden wir wieder viel unterwegs sein. So lässig – das Herz möcht einem aufgehen! Vielleicht fahren wir ja schon kommendes Wochenende wieder weg, ein Grob-Plan besteht bereits – Stichworte: Bayern, See, aber nicht Kochelsee/ Camping Kesselberg (weil der noch geschlossen hat). Aber das hängt natürlich auch vom Wetter ab – noch schaut es ziemlich gut aus. Mitte kommender Woche wissen wir mehr.

In Innsbruck haben wir dann die ganzen Sachen aus dem WoMo in unseren kleinen Ford Fiesta gepackt und sind heim gefahren. Das war also Ilses erste Nacht heuer im WoMo – und ohne sich großer Wahrsagerei zu betätigen – es wird nicht die letzte in diesem Jahr gewesen sein. Echt nicht! Die WoMo-Saison 2018 ist eröffnet, endlich dürfen wir wieder unserem liebsten Hobby nachgehen. Hobby? Nein – nennen wir es besser unsere große Leidenschaft – und ab Juli 2019 heißt es dann ohnehin nur mehr „Global Living“. Was für geile Aussichten!

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