GErnot und ILse

GErnot und ILse

Sonntag, 9. August 2015

44. WoMo-Fahrt "Sizilien/Italien Sommer 2015"



Sizilien/Italien 2015 vom 9. Juli bis 9. August 2015

In den letzten sieben Jahren hat uns jede „große“ Wohnmobilfahrt in den Norden Europas geführt, nach Belgien, Holland, Deutschland und nach Dänemark. Heuer geht’s nach Italien, geplant sind vorerst fünf Wochen – wir werden sehen. Die Idee, unsere Fahrt in Sizilien zu beginnen, hat sich dann schnell verfestigt und so haben wir schon im April die Fähre von Genua nach Palermo gebucht. Sonst lassen wir uns auch heuer – wie immer – ganz einfach durchs Land treiben und bleiben dort, wo es uns gefällt.
Noch eine kleine Anmerkung: Wenn wir einen „Pasch“ machen bzw. „paschen“ dann ist damit ein Würfelspiel gemeint, dessen Regeln wir über die Jahre selber entwickelt haben. Einen „Pasch zu klopfen“ ist eine unserer absoluten Lieblingsbeschäftigungen, es vergeht kaum ein Tag ohne dieses Vergnügen.

Kloster Säben in Südtirol
wir sind kurz vor Genua

Genua Hafenzufahrt

Recco 




















Tag 1
Donnerstag, 9. Juli 2015
Abfahrt

Ein besonderes Datum in zweierlei Sicht.
1. ist es unser Hochzeitstag und
2. fahren wir heute in den Urlaub.
Ilse hat einen Tag früher schulfrei bekommen und so konnten wir schon am Donnerstag – verkehrstechnisch gesehen wieder einmal antizyklisch – unsere Fahrt beginnen. Traditionell wurde Ilse mit dem fix und fertig gepackten WoMo (natürlich mit der Vespa hinten drauf) direkt vom Schultor abgeholt und ab in den Süden.
Es ist dies unsere 44. Wohnmobilfahrt und sie wird eine der längsten werden. Für den Abreisetag haben wir uns kein Etappenziel ausgemacht, einfach mal Richtung Genua runter und dann werden wir schon sehen. Die Fahrt den Brenner rauf und durch Südtirol durch ist vollkommen problemlos verlaufen, den Weg Richtung Gardasee kennt unser Schneckchen fast schon von alleine.  
           
Was uns aufgefallen ist – es ist ein Wahnsinn, mit welcher Lautstärke die Zikaden auf sich aufmerksam machen. Wenn wir mit dem WoMo mit einem guten Hunderter unterwegs sind, dann hören wir einzelne Zikaden vier, fünf Sekunden lang und das, obwohl es im Führerhaus eh schon einigermaßen laut ist. Unglaublich – solche Tierchen möchte man nicht als Nachbarn haben, da wäre ja ein Rudel Brüllaffen noch vorzuziehen…
Gegen Abend haben wir uns dann eine Raststätte für die Nacht gesucht und in Ghedi, gut 220 km vor Genua, sind wir fündig geworden. Geparkt haben wir unser WoMo direkt im Bereich der Tankstelle, deren großes Flugdach den einzigen Schatten am ganzen Platz geliefert hat. Unser „Stellplatz“ hat sich als wirklicher Top-Spot herausgestellt – und so haben wir, bewacht von ca. acht Videokameras, eine feine Nacht verbracht – alle Fenster konnten wir offen lassen. Noch am Abend haben wir uns auf der Tankstelle ein großes Stück Parmegano Reggiano gekauft und obwohl es sich bei dem Käse um ein Massenprodukt handelt, schmeckt er ausgesprochen vorzüglich.
Nachtlager auf der Tankstelle











Tag 2
Freitag, 10. Juli 2015
Fahrt von Ghedi nach Genua

Gleich am Morgen haben wir unser Schneckchen aufgetankt – dazu musste Gernot nur 15 Meter weit rückwärts fahren, um direkt vor die Zapfsäule zu kommen. Also so sind wir eine Tankstelle auch noch nie angefahren. Der Preis für den Liter Diesel ist mit 1,789 Euro ein Witz, über den wir nur sehr verhalten lachen konnten. Auch Wurscht!
Die 220 km nach Genua waren schnell und problemlos abgespult, sofort nach unserer Ankunft sind wir in den Hafen gefahren, um mal die Lage zu checken. Alles tutti paletti, nach fünf Minuten wussten wir, wo wir uns am Abend einzufinden haben. Dann wurden wir höflich aber bestimmt vom Hafen-Gelände hinauskomplimentiert, also fuhren wir erst mal aus Genua raus, um uns ein schattiges Plätzchen zu suchen. 
Die Fahrt dem Meer entlang war herrlich, wir hielten uns den Schildern nach Richtung La Spezia, also den Süden runter. Einmal sind wir von der Hauptstraße abgefahren, vielleicht könnte es da einen Weg zum Meer hinunter geben. Die folgende Viertelstunde war dann vom bangen Hoffen geprägt, dass diese Idee gut gehen würde… Die Straße, besser gesagt das Sträßchen, wurde immer enger und enger, bald hatten wir mit dem WoMo gerade noch Platz zwischen den Randsteinen. Nicht auszudenken, wenn plötzlich eine für uns zu niedrige Unterführung aufgetaucht wäre! Wir hätten nirgendwo wenden können – außerdem – wozu in einer Einbahn wenden? Ein Alptraum an Verkehrschaos wäre wohl die Folge gewesen. Schließlich hat uns der Nebenweg aber doch wieder zur Hauptstraße geführt und wir konnten erleichtert durchatmen.
Nach etwa einer halben Stunde, es war längst Mittag geworden, haben wir für unser WoMo einen hübschen Parkplatz in einem Ort namens Recco gefunden und um zwei Euro erkauften wir uns das Recht, eine Stunde lang hier stehen bleiben zu dürfen. Das sollte für ein Mittagessen reichen und so war es dann auch.
Wir suchten und fanden einen schattigen Gastgarten – bei deutlich über 30 Grad natürlich dringend notwendig. So ließen wir uns im „Ristorante Pascale“ nieder und hatten Glück mit unserer Wahl. Das Kalbsschnitzel von Ilse war ebenso gelungen wie die Pizza Capriciosa für Gernot, der Chef persönlich hat uns mit Handschlag begrüßt und verabschiedet und während des Essens wurde auch unser Fotoapparat neu aufgeladen.
Nach dem guten Essen sind wir gemütlich nach Genua zurückgegondelt und haben dort – Dank unseres perfekten Navigationsgerätes Ilse – sofort den Weg zum Hafen und dort zu den Fähren gefunden. Ein paar hundert Meter vorher haben wir in einer Kurzparkzone unser WoMo abgestellt, praktischerweise direkt unter einem Autobahnkreisel, schattig wie in einer Tiefgarage. Trotz starkem Wind war es im Häuschen über 30 Grad warm, der ständige Luftzug hat uns die Temperatur spielend leicht aushalten lassen. Der Lärm in diesem „Betonbunker“, direkt an einer mehrspurigen und stark befahrenen Straße, war natürlich gigantisch. Auffallend sind die vielen Motorräder, Mopeds und Motorroller im Verkehr, sie machen sicher zwei Drittel aller Fahrzeuge aus. Gefahren wird offensichtlich im Kampf-Modus, jeder Zentimeter zählt, Vollgas ist die Devise. Dass wir in dieser Umgebung trotzdem einen sehr relaxten Nachmittag verbrachten mag wie ein Widerspruch klingen, ist letzten Endes aber nur eine Frage der Einstellung.
Gut zweieinhalb Stunden vor Abfahrt unserer Fähre nach Palermo sind wir dann die paar hundert Meter zur Ablegestelle getuckert. Problemlos passierten wir alle Kontrollen und bald waren wir auf den richtigen Platz eingewiesen. Die Fähre „La Suprema“ ist für uns Landratten natürlich ein Wahnsinn, das Ding ist über 200 Meter lang, riesig breit und mit seinen elf Decks so groß wie ein Hochhaus. Wir beobachteten fasziniert die Beladung – unglaublich mit welcher Präzision die LKW-Fahrer ihre Brummis rückwärts die schmalen Rampen hochfahren. Dann waren endlich auch die PKW und Motorräder dran und so ziemlich am Schluss durften dann auch wir in den Bauch dieses gigantischen Schiffes einfahren. Schnell war unser WoMo an seinem Platz und wir gingen mit unseren Bordrucksäcken zur Rezeption einchecken. Kurz darauf waren wir noch besserer Laune, denn unsere Kabine war echt lässig. Kühl herunter klimatisiert wie ein Bergwerk, größer als gedacht und mit perfekter Nasszelle inklusive Haartrockner. Pipifein. Sofort nach einer schnellen Dusche erkundeten wir die Fähre – es gibt genügend Restaurants wie`s scheint und auch sonst ist alles perfekt. Mehrere Sonnendecks, überall ausreichen Platz für die vielen hundert Passagiere und es gibt sogar einen Swimmingpool.
Noch vor der geplanten Abfahrt um 21 Uhr saßen wir schon im „Chevalier“, einem Restaurant mit Bedienung. Wir speisten wieder vorzüglich und erwarteten das Auslaufen der Fähre zum Nachtisch. Das Dessert kam, die Fähre blieb. Vorerst. Mit gut einer dreiviertel Stunde ging’s dann doch endlich los – eigentlich schade, denn eine Fahrt bei Tageslicht wäre wohl noch eindrucksvoller gewesen. Andererseits blieben uns dadurch die schrecklichen Details der furchtbar zerstörten „Costa Concordia“ verborgen, die im Hafen von Genua gerade in ihre noch verwertbaren Einzelteile zerlegt wird.
Später sind wir dann noch mal aufs Oberdeck gegangen, haben uns die kräftige Brise um die Ohren wehen lassen, lauschten dem vielstimmigen und ergreifenden Gejaule aus den Hunde-Boxen und verfügten uns dann ins eiskalte Selbstbedienungs-Restaurant auf einen gemütlichen Pasch. Übrigens unserem ersten auf hoher See.
Nach gut zwei Stunden und dem Genuss von ein paar kleinen Heineken (um gar nicht so kleine €4,50) sind wir dann in unser Kajütchen gegangen und haben schnell tiefen und guten Schlaf gefunden. Das ständige und monotone Stampfen der Schiffsmotoren war uns dabei eine nicht wirklich störende, kleine Nachtmusik…

im Hafen schon gereiht


und rein geht´s in die Fähre

abgestellt für 21 Stunden Überfahrt

abendlicher Blick auf Genua


klein, fein und klimatisiert



Ge-il auf hoher See



































Tag 3
Samstag, 11. Juli 2015
Mit der Fähre von Genua nach Palermo und dann Fahrt nach
Isola delle Femmine, Camping „La Playa“

Nach herrlichem Schlaf sind wir am Morgen erst mal frühstücken gegangen. Im Selbstbedienungs-Restaurant war reger Andrang, dementsprechend war langes Anstellen angesagt. Wobei man dazusagen muss, dass nicht nur die vielen Kunden für eine entsprechende Wartezeit sorgten, sondern auch die Arbeitsauffassung des Personals. Des männlichen Personals wohlgemerkt – denn die Frauen arbeiten so, wie man es erwarten darf. Aber die vielen Männer sieht man nur sehr bedingt arbeiten, die geben viel lieber die Befehle. Man bestellt also beim Service-Mitarbeiter einen Kaffee, der gibt den Befehl weiter, tut selber aber praktisch nichts. Doch – er fragt den nächsten Kunden um seinen Wunsch. So arbeiten vier der fünf Männer hinter dem Tresen und so kann es natürlich nicht flott gehen. Einfach zu viele Häuptlinge und zu wenig Indianer…
Nach dem „Frühstückchen“ haben wir weiter die Fähre erkundet. Der Swimmingpool ist inzwischen in Betrieb, an der Bikini-Bar wird fetzige Disco-Musik geboten und überall auf den Decks liegen die Passagiere in der Sonne. Der Wind ist sehr kräftig und so stört die Hitze nicht besonders. Aber man  muss natürlich aufpassen, also gehen wir wieder unter Deck. In einem Shop finden wir ein hervorragendes Angebot für ein Duftwässerchen für Gernot – das „Obsession“ von Calvin Klein für 19,90 Euro, da schlagen wir gleich zwei Mal zu.
Dann in die Kabine auf ein kurzes Schläfchen. Das geplante Mittagessen müssen wir dann ausfallen lassen, die Menschenschlange im Selbstbedienungs-Restaurant ist grotesk lang. Das würde eine gute Stunde Anstellen bedeuten, für eine vermutlich mäßige Pizza zu allerdings garantieren Spitzenpreisen. Im „Chevalier“ hätte man noch Platz finden können, das Mittagsmenü war aber schon wegen seiner 33 Euro kein verlockendes Angebot für uns. Also gab`s Cappuccino und zwei Vanille-Krapfen, das füllte unsere Mägen auch. In einem Shop wollten wir uns dann noch einen weiteren Snack kaufen – dieser hatte aber gerade seine zwei Stunden Mittagspause. Nun sind uns arbeitnehmerfreundliche Dienstzeiten grundsätzlich sehr sympathisch, aber auf einer wenige Stunden langen Überfahrt…?
Kurz vor 15 Uhr mussten wir dann, nach entsprechenden Durchsagen, unsere Kabine verlassen und hatten uns im Selbstbedienungs-Restaurant einzufinden. Und jetzt wurde es für uns wirklich ärgerlich. Denn wir mussten beinahe drei Stunden in diesem Raum verbringen, gemeinsam mit ungefähr 300 anderen Passagieren, die wie wir auf Deck D geparkt hatten. Es gab in diesen drei Stunden für uns keine Möglichkeit, irgendetwas zum Trinken zu bestellen, das Restaurant war natürlich geschlossen. Man hätte zwar woanders etwas kaufen können – eingereiht hinter mehr als hundert anderen durstigen Passagieren. Keine lockende Option. Also holten wir unseren Pasch hervor, zumindest hatten wir einen Platz an einem Tisch ergattern können. Den letzten übrigens. So saßen wir also unsere Zeit ab – begleitet vom Chor schreiender und plärrender Kleinkinder, denen in der Wartezeit natürlich doppelt langweilig war.
An den leider schmutzigen Fenstern der „La Suprema“ zogen dann schemenhaft die ersten Felsformationen Siziliens vorbei, nach der verdunkelten Ausfahrt aus Genua, haben wir also auch die Einfahrt in den Hafen von Palermo versäumt.
Das Ausschiffen selbst ist dann ohne Probleme verlaufen, unser Schneckchen war auf 31.3 Grad aufgeheizt, brauchten wir wenigstens den Motor nicht lange vorglühen… Durch die Straßen des Hafenviertels fanden wir dann zügig auf die Autobahn Richtung Trapani.
Erster Eindruck von Sizilien – schon etwas ärmlicher als der Norden Italiens. Einfachere Bauten vielleicht, keine Luxus-Limousinen, nichts Protziges. Was uns durchaus nicht stört. Den Verkehr erleben wir bislang erstaunlich geordnet, keine irrwitzigen Überholmanöver von Zweiradfahrern, wie wir sie in Genua häufig erlebt haben. Außerdem – so wie wir es aus Indien kennen, dürfte auch in Sizilien eine der Grund-Verkehrsregeln lauten: Im Zweifelsfalle „Might is Right!“ also – der Stärkere hat die Vorfahrt, Und da sind wir ja mit unserem drei Meter hohen und fünfeinhalb Meter langen „Nasenbären“ in der Oberliga mit dabei. Wir haben dieses simple Prinzip schon mehrfach ausprobiert und es funktioniert bestens…



Palermo´s Straßen und Blick auf Monreale












Nach einer halben Stunde Fahrt sind wir dann in Isola delle Femmine angekommen und haben schnell unseren Camping-Platz ausfindig gemacht. Er liegt schön in einem schattigen Wald von Olivenbäumen und wird von einer ausgezeichnet deutsch sprechenden Frau namens Daniela geführt. Wir richteten uns auf einen mehrtägigen Aufenthalt ein, hievten die Vespa vom Heck und machten es uns gemütlich. Schnell bekamen wir Besuch von zwei entzückenden Streuner-Katzen – zum Glück für die beiden hatten wir noch Leckerlis für sie dabei. Sie sollten uns übrigens während unseres gesamten Aufenthaltes am Campingplatz „La Playa“ nicht mehr als einen Meter von der Seite weichen.
Die Hitze ist an diesem Tag ziemlich stark – es werden wohl mehr als 34 Grad gewesen sein. Leider macht kühlender Wind stets einen großen Bogen um unseren Campingplatz, das müssen wir selber besorgen. Also rauf auf die Vespa, der Fahrtwind chillt unglaublich fein. Wir suchen uns einen Platz zum Abendessen und lassen uns viel Zeit dafür. Schließlich landen wir im „Miramare“ – ein absoluter Glückstreffer. Wir kriegen einen Platz auf der Terrasse mit herrlichem Meeresblick. Noch besser aber – direkt unter unseren Füßen wird uns eine italienische Strandidylle geboten, als wären wir am Set eines Fellini Filmes. Ganze Familienclans sitzen bei Pizza zusammen, baden ihre Babies in Kübeln am Tisch, parlieren lautstark mit Händen und Füßen, dazwischen stolzieren Bikini-Schönheiten und Möchtegern-Gigolos. Ilse macht heimlich Fotos, wir fühlen uns fast ein bisschen wie Spanner…




Um 20 Uhr können wir dann unser Essen bestellen, fein dass das Personal hervorragend Englisch spricht. Wir tafeln fürstlich – von Ilses Spaghetti Carbonara über Gernots Meeresfrüchte-Antipasti bis hin zum riesigen Schwertfisch Steak schmeckte alles hervorragend. Auch wissen wir inzwischen, dass Campari-Orange hierzulande als „Garibaldi“ bekannt ist und dass ein „Big Moretti“ mit 650 ML tatsächlich big ist.
Ilse sorgte dann noch für baffes Staunen der Kellnerin. Wir bewunderten gerade denn unbeschreiblich schönen Sonnenuntergang und die freundliche Bedienung bot an, ein Foto von uns zu machen. „With this wunderfull background“, wie sie anfügte. Ilse sagte schlicht und ergreifend: „No!“ Da war die Guteste echt kurz sprachlos. Mit einem Lachen lösten wir den Joke dann auf und lachen mussten wir auch, als wir zahlten. Die Rechnung machte 53 Euro aus, wir legten einen Hunderter ins Mäppchen und bekamen 50 Euro retour. Wir wollten das selbstverständlich richtigstellen, aber die Kellnerin meinte nur: „Skonto from the House.“ Na Bumm – wir können uns nicht erinnern, jemals irgendwo in einem Restaurant „Skonto“ erhalten zu haben. Wir freuten uns natürlich und zeigten uns beim Trinkgeld entsprechend großzügig.
Papp satt glühten wir zum Campingplatz zurück, der Fahrtwind kühlte wunderbar. Ein Stück der Straße mussten wir mangels sofort erkenntlicher Alternative gegen eine Einbahn fahren, keine besonders gute Idee, wenn man die Preise für Verkehrsvergehen in Italien kennt. Da können schnell ein paar Hunderter weg sein. Aber bei unserem „gewagten“ Manöver hängten sich gleich noch zwei italienische Motorroller an uns dran, vielleicht gibt’s für Zweiradler irgendwelche heimlichen Stillhalte-Abkommen. Man weiß es nicht…
Jedenfalls sind wir gut im „La Playa“ angekommen, weil es schon nach 21 Uhr war mussten wir die Vespa bis zu unserem Platz schieben, Frau Daniela ist ganz rigid, was Lärmerregung anbelangt.
Aber Frau Daniela ist leider auch machtlos, was Lärmerregung anbelangt. Denn gegen die Disco am Strand kann sie gar nichts machen. Und dieser Tanztempel hat uns dann tatsächlich um unseren Schlaf gebracht. Die wummernden Bässe waren nahezu körperlich zu spüren und die harten Techno-Beats hallten durch die Nacht bis in unser Häuschen hinein. Wir hörten die DJ Ansagen in voller Lautstärke und das tanzwütige Publikum kreischen. Jeder wie er will, aber beim Campen können wir das natürlich nicht haben. Also war für uns irgendwann zwischen 2 und 4 Uhr früh klar – Abfahrt und Tschüss lieber Campingplatz „La Playa“ und Tschüss auch liebe Frau Daniela, die es mit der Disco vor der Haustür in Zukunft nicht besonders leicht haben wird… Und Tschüss leider auch liebe zwei Kätzchen, unser Knuspertaschen-Versprechen haben wir leider nicht einhalten können…
 



Tag 4
Sonntag, 12. Juli 2015
Fahrt nach San Vito lo Capo, Camping „El Bahira“

Heute also ungeplanter Aufbruch. Nach feinem Kaffee spulten wir routiniert unser Abfahrts-Programm ab, wuchteten noch unsere Vespa hinten rauf und duschten uns anschließend noch einmal ausgiebig. Dann meldeten wir uns von Frau Daniela ab, die einerseits Verständnis für uns hatte, andererseits aber doch meinte, wir hätten uns halt die falsche Zeit für unseren Sizilien-Urlaub ausgesucht, es sei nun einmal überall besonders laut während der Hochsaison. Ist schon gut Frau Daniela – es besteht halt schon ein Unterschied zwischen südländisch lautstarker Lebensfreude und einer Techno-Disco vor dem Schlafzimmerfenster.
Wie auch immer – wir bezahlten unsere wohlfeilen 16 Euro für die ACSI-Nacht und waren weg.
Schon vor dem Frühstück hat Ilse unser nächstes Etappenziel fixiert – der Weg wird uns nach San Vito lo Capo führen, wo sich ein Campingplatz direkt am Meer befindet. Einer der gehobenen Kategorie, mit Swimmingpool und Restaurant mit großer Karte. Der Ort San Vito lo Capo befindet sich ganz im Nordwesten von Sizilien und liegt auf einer langgezogenen Landzunge. Die Fahrt dorthin – gute einhundert Kilometer – führte hauptsächlich über die Autobahn, das letzte Viertel der Strecke war dann eine eher kleine Landstraße. Bis auf einen fünf Kilometer langen Stau wegen einer Baustelle kamen wir gut voran und noch vor Mittag fuhren wir in den Campingplatz „El-Bahira“ ein. Riesengelände, sehr gut bewacht und auf den ersten Blick alles super. Wieder einmal kriegen wir den offenbar allerletzten freien Platz und schon wenige Minuten später ist unser WoMo perfekt platziert.
Wir duschen, werfen uns in die Badesachen und machen uns auf den Weg Richtung Abkühlung. Das Meer ist offenbar nur durch einen Sprung von einer Rampe zugänglich – die Leute haben einen Riesenspaß dabei, uns ist das nicht besonders geheuer. Also suchen wir uns den Swimmingpool und nur kurze Zeit später baden wir in wunderbar kühlem Salzwasser, wie alle sind auch wir mit leuchtend bunten Badehauben ausgestattet. Am Beckenrand mühen sich zwei Dutzend schwitzende Frauen und Mädchen gerade aufrichtig ab, den Anleitungen der vortanzenden Animateure Folge zu leisten – die letztendlich dargebotene Version der angedachten Choreographie ist zumindest höchst unterhaltsam.
Nach ausgiebiger Abkühlung im Pool sind wir dann zum WoMo zurück, haben einen feinen Pasch gemacht und die Zeit bis zum Mittagessen abgewartet. Um 13 Uhr war es dann soweit und wieder haben wir unglaublich gut gegessen. Allerdings müssen wir in Zukunft bei unseren Bestellungen aufpassen, dass die Augen nicht immer größer sind als unsere Mägen. Denn die Portionen sind so üppig, dass wir alleine von dem, was wir zurückgehen lassen mussten, auch satt geworden wären. Daran müssen wir also noch arbeiten…
Voll satt sind wir auf unseren Platz gegangen und haben es uns auf den Sonnenliegen bequem gemacht. Nach einem feinen Nachmittagsschläfchen ist dann unsere Vespa zum Einsatz gekommen und gut zwei Stunden lang haben wir damit die Gegend erkundet. Wir befinden uns an einer Steilküste, die aber immer wieder in flache Strände ausläuft. Die Berge rund um uns sind ein Kletterparadies, die Formationen der Felsen bizarr und wild zerklüftet. Der Ort San Vito lo Capo lockte mit einem Markttag, aber außer Badesachen und Strand-Spielzeug gab es nicht viel zu sehen. Keine lokalen Spezialitäten beispielsweise, einen guten Käse oder Oliven hätten wir gern gekauft. Dafür haben wir im Nachbarort Castelluzzi ein kleines Lebensmittelgeschäft gesehen, dem werden wir eventuell noch einen Besuch abstatten, am Sonntag war der Laden natürlich geschlossen.
Nach dem Trip mit der Vespa war erst mal ein Päschchen angesagt, danach Siesta auf den Sonnenliegen. Einfach herrlich – einfach Urlaub.
Später sind wir dann noch in den platzeigenen Mini-Markt gegangen und haben uns Brot, Salami und Tomätchen für unser Abendessen besorgt. Dazu aßen wir den phantastischen Parmegano von der Autobahn-Raststätte – ein supergutes Essen.
Die Hitze hat uns heute wenig bis gar nichts ausgemacht, auch wenn sich das Innere unseres WoMo bis 34 Grad aufgeheizt hat. Aber wer hält sich an so einem Tag bitteschön innen auf? Also wir nicht – und deshalb ist Ilse erst gegen 23 Uhr von ihrer Liege ins WoMo gezogen, Gernot gar erst nach Mitternacht…
 

 


Tag 5
Montag, 13. Juli 2015
San Vito lo Capo, Camping „El Bahira“

Wir haben beide eine wunderbare Nacht verbracht, die Temperaturen sind auch im WoMo leicht zu ertragen. Nach einem gemütlichen Kaffee haben wir am Vormittag ein wenig an unserem Reise-Tagebuch gearbeitet. Dazwischen immer wieder mal kurz unter die Kaltwasserdusche – herrlich. Übrigens haben wir bislang auf unserer Reise (von der Fähre abgesehen) noch nicht einmal warm geduscht, wir haben noch keine einzige Duschmarke verbraucht, obwohl einige davon im Preis inbegriffen wären. Wir gehen uns mehrmals am Tag kalt abbrausen und nach jedem Bad im Salzwasser-Pool verwenden wir Dusch-Gel. Warmes oder gar heißes Wasser brauchen wir also nicht.
Das Wetter ist auch heute wieder strahlend schön, zum Glück wird es zurzeit nicht ganz so heiß, selten zeigt das Thermometer mehr als 34 Grad. Dazu weht fast immer ein leichtes Windchen, da ließen sich wohl auch ein paar Grad mehr aushalten.
Pünktlich um 13 Uhr schritten wir frohen Mutes zur Mittagstafel im Campingplatz-Restaurant – Ilse will heute nicht groß futtern, nur eine Kleinigkeit. So ist es dann auch gekommen – Gernot hat sich eine knusprige Dorade in der Salzkruste gegönnt, Ilse hat sich mit einem italienischen Vorspeisenteller begnügt. Wieder war das Essen hervorragend und heute haben wir so bestellt, dass – außer dem sehr, sehr scharfen Chili-Käse – nichts übrig geblieben ist.
Danach eine kurze Siesta auf den Sonnenliegen und anschließend haben wir wieder einen Pasch gemacht. Dann wieder Siesta – Urlaub vom Feinsten halt…
Gegen 17 Uhr haben wir dann unsere feuerrote Vespa gesattelt und sind in die Prärie Siziliens hinausgeritten. Einfach ein Traum, ohne großes Ziel herumzufahren und die bergige Gegend zu erkunden. Wir sind vom Meer weg bis auf gut 700 Meter hinaufgekommen, auf einer schön ausgebauten Straße und ohne nennenswerten Verkehr. Der Ausblick auf das tief unter uns liegende blaue Meer mit seinen zahlreichen Buchten ist unvergleichlich schön. Wir können uns kaum daran sattsehen.
Später sind wir dann zu einem Touristen-Ressort gekommen – sehr nobel und natürlich mit strenger Bewachung am Eingangstor. Mit einer wegwerfenden Handbewegung und finsteren Blicken machte uns der Securitymann am Eingang klar, was wir hier zu suchen hätten – nämlich gar nichts. Assoluttomente niente! Ciao und weg waren wir.
Von den Bergen sind wir dann in einem Zug nach Castelluzzi durchgefahren, unser Ziel war der kleine Lebensmittelladen, den wir gestern hier „entdeckt“ haben. Der „Alimentari“ hat dann alles gehalten, was wir uns von ihm versprochen hatten – und gleich beim Eintritt wurden wir akustisch überrascht. War doch im ganzen Geschäftslokal Jodel-Musik zu hören, mit Tiroler Texten!! Bitte was ist das? Die freundliche Donna an der Wurst- und Käse-Theke hat uns dann gleich aufgeklärt – sie höre nur Radio Bozen, sie liebe diese Art der Musik. Und sie zeigte uns die momentan eingelegte CD – „Jodler-Messe aus den Dolomiten“. War ein sehr lustiges Feeling, bei Tiroler Volksmusik in Sizilien einkaufen zu gehen.
Mit aufgeschnittener Salami, einem schönen Stück Parmesan, Antipasti und Tomaten sind wir dann zum Campingplatz zurückgevespert. Ilse hätte sich gerne den Sonnenuntergang angeschaut, Gernot war aber der Weg zum Meer (immerhin mehr als 150 Meter) zu weit dafür. Und außerdem: wir werden noch viele Sonnenuntergänge hier auf Sizilien sehen, einige wahrscheinlich direkt vom WoMo aus.
Am Abend hat dann unsere liebe Freundin Bernie angerufen – sie würde gerne einen Sprung vorbeikommen. Immer und jederzeit gerne, liebe Bernie, aber wir sind in Sizilien. Darauf ihre wunderbare Antwort: „Sillian? Ah verstehe – ihr seid‘s schon auf den Weg in den Urlaub…“ Nun ja – ein kleines Stück liegt schon noch zwischen dem Osttiroler Sillian und Sizilien: 2.500 Kilometer? Jedenfalls war der „Verhörer“ von Bernie ein echter Lacher für uns alle.
Später haben wir dann bei einsetzender Dämmerung einen Pasch angefangen und ihn beinhart fertiggespielt – die letzten Würfe haben wir bei nahezu vollkommener Dunkelheit gemacht, man musste die einzelnen Punkte auf den Würfeln erst suchen, bevor man sie zählen konnte…
Dann sind wir wieder in zwei Etappen schlafen gegangen – die ersten Stunden im Freien auf den Sonnenliegen, die zweite Nachthälfte dann im Wohnmobil.

Tag 6
Dienstag, 14. Juli 2015
San Vito lo Capo, Camping „El Bahira“

Wieder eine phantastische Nacht verbracht, wir haben uns eigentlich große Sorgen wegen der Hitze auf Sizilien gemacht und hatten bislang überhaupt keine Probleme damit. Ist natürlich auch eine Glücksache – es könnte auch über 40 Grad haben. So wie dieser Tage in Modena – hat uns unser britischer Nachbar erzählt. Der ist irgendwie auch eine Erwähnung wert – fährt mit seiner Frau im Riesen-WoMo (7,40 Meter) durch die Gegend – hinten dran hat er eine echte „Renn-Semmel“ montiert, einen Mini Cooper S, im totalen Rallye-Styling. Sicher weit jenseits der 200 PS, rundum voll verspoilert und mit fetten Niederquerschnittreifen ausgestattet. Jedes Mal wenn er seinen Mini startet, werden wir an unser Wochenende in Spielberg erinnert, als wir uns einen Lauf der DTM angeschaut hatten. Den Mini hat er übrigens nicht auf einem Anhänger stehen, der Kleine ist mit einer speziellen Nachläufer-Achse versehen und fährt seinem großen Zugfahrzeug mit allen vier Rädern am Boden nach. Schaut echt kurios aus…
Der Vormittag vergeht relaxend mit ausgedehntem Frühstück, einem Pasch und einem kleinen Power-Näppchen zwischendurch. Heute gehen wir nicht ins Restaurant Mittagessen, wir haben noch die beiden guten Parmesan-Käse und die Salami vorrätig. Eine wunderbare Mahlzeit.
Wir haben uns entschieden, morgen gegen Süden aufzubrechen, mal schauen wohin uns der Weg führt. Den letzten Tag im „El Bahira“ verbringen wir mit Paschen und Dösen – später am Nachmittag starten wir dann wieder unser treues Mopedchen und glühen in die glühende Landschaft hinaus. Es ist stellenweise derart brutal heiß in den sonnigen Abschnitten, dass man die Hitze trotz einer Fahrtgeschwindigkeit von gut 60/70 km/h kaum aushält.
Wir kommen an einen Strand, der von einigen Wohnmobilisten als Stellplatz genutzt wird – direkter am Meer kann man nicht stehen. Allerdings gibt es weit und breit keinerlei Schattenspender, von den Sonnenmarkisen der WoMo`s abgesehen. Für uns ist das eher nichts – auch ist der Zugang ins Wasser durch zerklüftete Felsen sehr kompliziert und äußerst tricky. Das erkennen wir an den Versuchen eines Schwimmers, aus dem Wasser wieder rauszukommen…. Wir machen ein paar Fotos und fahren dann wieder weiter.
In einer kleinen Ortschaft wählen wir eine steile Straße aus, die plötzlich derartig steil ist, dass unser Roller w.o. geben muss. Das Wenden bei dieser extremen Straßenneigung ist eine Challence für sich, es geht aber zum Glück gut aus. Nach einem kurzen Abstecher in den Hafen und zum Leuchtturm von San Vito lo Capo kehren wir zum Campingplatz zurück.
Zum Abendessen gehen wir wieder ins Restaurant und siehe da – wie gestern noch prophezeit, kommt Ilse zu ihrem ersehnten Sonnenuntergang am Meer. Das Schauspiel ist immer wieder faszinierend anzusehen und bei einem kühlen Bier und einem wunderbaren Essen ist gleich doppelt so schön. Gernot hat sich heute relativ einfallslos Calamari Fritti mit Pommes bestellt – Ilse gönnt sich Pasta al Ragu, die mit lustigen, gelockten Nudeln daherkommen.
Satt und zufrieden kehren wir zum Häuschen zurück, gönnen uns noch die eine oder andere Kaltwasser-Dusche und nach einem Spätabend-Pasch gehen wir gegen Mitternacht zu Bett.


Tag 7
Mittwoch, 15. Juli 2015
Fahrt nach Triscina, Camping „Helios“

Heute also Abschied vom Campingplatz „El Bahira“ bei San Vito lo Capo. Ilse hat mittlerweile unser nächstes Ziel festgelegt, wir werden nach Triscina in den Süden Sizilien fahren. Der von uns angepeilte Campingplatz nennt sich „Helios“, ein sicheres Zeichen, dass wir jetzt in den „griechischen“ Teil Sizilien fahren. Die Insel war über unzählige Jahrhunderte heiß umkämpft und die Eroberer haben sich laufend abgelöst. „Wie eine Hure haben sie dich, oh du mein Sizilien, einfach genommen“, heißt es in einem alten Volkslied. (Danke Dr. Google). Die Türken, die Araber, die Hellenen, die Karthager und was weiß ich noch alles, haben sich um Sizilien gestritten und während ihrer jeweiligen Herrschaft überall ihre kulturellen Spuren hinterlassen. San Vito lo Capo liegt im „arabischen Sizilien“, jetzt also auf nach „Griechenland“.
Als erstes gehen wir unser Häuschen auftanken und bezahlen 65 Euro für 39 Liter. Fünf Kilometer weiter hätten wir für die gleiche Menge Diesel um 12 Euro weniger bezahlt, schon ein gewaltiger Unterschied. Aber immerhin wurde unser WoMo von der Tankwartin persönlich mit Kraftstoff befüllt. Übrigens sind wir mit dem Verbrauch wieder einmal unter zehn Liter geblieben, genau ausgerechnet: 9,909021 Liter auf 100 Kilometer. Für ein Fahrzeug mit 2.840 Kilogramm (vollgetankt und ohne Ilse, wie wir noch vor unserer Abfahrt überprüft haben) ist das ein sehr guter Wert, finden wir.
Die Fahrt in den Süden war entspannt – nach ca. 50 Kilometer Landstraße kamen wir auf die Autobahn. Was wir bislang gesehen haben, sind die Straßen von Sizilien weit besser als ihr Ruf. Die Autobahn kann es mit denen im sonstigen Italien locker aufnehmen und selbst in Deutschland sind wir schon unkomfortabler (z.B. ohne Pannenstreifen) unterwegs gewesen. Allerdings haben wir bisher noch keinen einzigen Parkplatz und keine Raststätte gesehen –  da scheint es einen kleinen Überschuss an Mangel zu geben.
Nach etwas mehr als einhundert Kilometern sind wir dann von der Autobahn abgefahren und gleich darauf war der „Helios“ Campingplatz gut ausgeschildert. Kurz vor Mittag sind wir dann dort  eingetroffen und haben einen perfekten Stellplatz zugewiesen bekommen. Der Patrone hat mit uns völlig normal Italienisch gesprochen, ganz so, als wären wir Landsleute. Mit unseren rudimentären Sprachkenntnissen nickten wir halt an den richtigen Stellen: „Sie, si! O.K. Super- Perfetto! Grazie und Arrivederci!“ etc.
Der Campingplatz liegt direkt am Meer – vielleicht zwanzig Meter von unserem WoMo entfernt. Trotzdem sehen wir das Meer NICHT!!! Unglaublich – es hat um 12 Uhr Mittag einen derart dichten Nebel am Strand, so etwas haben wir noch nie erlebt. Sichtweite garantiert unter 30 Meter, die Badenden verschwinden sofort in der milchigen Luftsuppe. Dabei herrscht strahlender Sonnenschein, keine Wolke ist zu sehen. Sehr kurios, das Ganze – aber immerhin wundern sich selbst die italienischen Touristen wortreich und kopfschüttelnd über dieses Naturphänomen.
Am Campingplatz gibt es auch einen Swimmingpool – im Gegensatz zum „El Bahira“ ist er im „Helios“ mit Süßwasser gefüllt. Sofort bestücken wir uns mit unseren unauffälligen Badehauben (Motto: Schreiende Farben sind out, BRÜLLENDE Farben sind in) und werfen uns ins Wasser. Dieses ist zwar herrlich nass, die Temperatur liegt aber mit 30,2 Grad um gut einen Grad über der Außentemperatur, Abkühlung also eher Fehlanzeige. Trotzdem lässt es sich wunderbar im Pool planschen, noch dazu sind wir, bei all unseren heutigen Abstechern dorthin, die einzigen Badegäste.
Kaltwasser-Duschen gibt es auch, die Sanitäranlagen des Campingplatzes sind veraltet aber sauber, ein eigenes Restaurant mit kleiner Karte gibt es auch. Das hat aber heute geschlossen, also müssen wir zum Abendessen „ausfliegen“.
Die Zeit bis dahin verbringen wir mit Paschen  und natürlich darf ein gemütliches Nachmittagsschläfchen auch nicht fehlen. Es ist dies heute übrigens unserer „kältester“ Tag auf Sizilien, nur mit Ach und Krach schafft es die Quecksilbersäule, über die 30 Grad-Marke zu klettern, im WoMo Inneren ist es mit maximal 27 Grad geradezu frostig…
Kurz nach 18 Uhr starten wir dann unsere Vespa, zuerst einmal die Gegend erkunden, denn ins erstbeste Restaurant oder in die nächstbeste Pizzeria wollen wir schließlich auch nicht gehen. Es stellt sich dann aber zu unserer Überraschung heraus, dass es weder ein erstbestes noch ein nächstbestes Restaurant hier gibt, sondern überhaupt keines. Tatsächlich völlige Ebbe in essenstechnischer Hinsicht. Zwar finden wir mehrmals Hinweisschilder zu Restaurants am Strand – eines stellt sich als aufgelassen heraus, ein anderes ist eine Ruine, ein weiteres ein Tierheim und ein viertes zu einem Flüchtlingsheim umfunktioniert. Die dort versammelten und Fußball spielenden jungen Schwarzen schauen zwar freundlich und neugierig, etwas zu Essen werden wir hier aber eher nicht bekommen. Obwohl, man weiß es nicht…
Also – selbst sind die Zimmermanns, einen „Alimentari“ gibt’s immerhin und nach wenigen Minuten haben wir die Zutaten für Spaghetti Carbonara eingekauft und eine riesengroße Zuckermelone obendrein.
Mit unserer Beute sind wir dann zum WoMo zurückgekehrt und kaum eine halbe Stunde später hat Ilse die Zutaten in ein herrliches Abendessen umgewandelt. Dazu köstlicher Parmesan (wir hatten sogar die Auswahl!) – assoluttomente delicioso (oder so ähnlich…)
Nach einem gemütlichen Pasch sind wir dann nach 22 Uhr noch einmal heimlich zum Swimmingpool gegangen, mit unseren weithin im Mondschein leuchtenden Badehauben waren wir dabei so unauffällig wie zwei Vogelspinnen auf einem Stückchen Apfeltorte. Aber wir sind nicht ertappt worden (ist das überhaupt verboten gewesen?) und konnten uns für die Nacht noch einmal wunderbar abkühlen. Obwohl das heute überhaupt nicht notwendig war – die Temperatur im WoMo betrug gegen Mitternacht gerade einmal 25 Grad, das ist ja fast schon sensationell niedrig. Wenig verwunderlich, dass wir uns später in der Nacht sogar zudecken mussten…
 

 


Tag 8
Donnerstag, 16. Juli 2015
Triscina, Camping „Helios“

Wir haben eine erwartungsgemäß feine Nacht verbracht und wussten schon gleich in der Früh, dass das heute unser letzter Tag am „Helios“ Campingplatz sein wird. Es zieht uns einfach weiter. Gernot hat leider eine ungute Sonnenallergie (?) entwickelt, die vielen Pusteln auf den Schultern, dem Rücken und dem Bauch sehen nicht nur übel aus, sie jucken auch erbärmlich. Wird schon wieder werden, jetzt heißt es halt die Sonne zu meiden und Ilse verpasst Gernot regelmäßig Einreibungen mit Fluid und Hautcremes.
Schon beim Kaffee wissen wir, dass das heute ein klassischer „Schlunztag“ wird – nichts tun, paschen, Schläfchen machen, in die Luft schauen und mal so richtig abspannen. Das Moped bleibt heute den ganzen Tag ungenutzt und darf auch wieder einmal rasten.
Immer wieder gehen wir die paar Meter zum Swimmingpool, einmal schauen wir auch kurz zum Meer runter.
Gegen Abend hätten wir die Möglichkeit ins Restaurant zu gehen, heute würde die Nonna persönlich kochen. Zwar überlegen wir hinzugehen, schließlich siegt aber die Faulheit und wir wärmen uns eine Dose Chili con Carne auf, eines unserer „Not-Essen“. Ilse begnügt sich mit Honigmelone, die sie sich schön zurechtschneidet. Ein weitgehend sinnloses Unterfangen, denn beim Servieren plumpst gut die Hälfte der schönen Stückchen in den Sand – Gernot war leider ein zu schlechter Jongleur. Aber zum Glück nicht viel passiert, Ilse ist auch vom Rest satt geworden.
Von einem durchs Essen ausgelösten beiderseitigen Energieanfall begünstigt, wuchteten wir gleich noch am Abend unsere Vespa auf ihren Platz am Heck unseres WoMo`s, so ist ein Gutteil des morgigen Aufbruch-Szenarios bereits abgearbeitet.
Wieder wird es ein feiner Spätabend, ohne schwüle Hitze, die Temperaturen sind durch die stets leichte Prise ganz leicht zu ertragen. Es wird wohl knapp Mitternacht gewesen sein, als wir unsere Nachtlager aufsuchten und schnell einen guten Schlaf gefunden haben.

Tag 9
Freitag, 17. Juli 2015
Fahrt nach Agrigento im Valle dei Templi
Camping „Valle dei Templi“

Geschlafen wie die Babies – wunderbar relaxed aufgewacht. Die erste gute Nachricht des Tages: Bei Gernot sind keine neuen Pusteln dazugekommen – die weniger gute Nachricht: weil kein Platz mehr ist… Jetzt wird die Sonne für ihn endgültig zum Tabu, ohne Leibchen keinen Schritt mehr ins Freie.
Nach einem feinen Käffchen haben wir dann wieder einmal alles zusammengepackt und an den vorbestimmten Platz verstaut – reine Routine. Gernot ist dann zahlen gegangen – 54 Euro für zwei Tage, passt schon. Übrigens hat die Frau unseres Campingplatz-Wallahs ihrem Mann ziemlich den Kopf gewaschen, weil er unsere Pässe „einkassiert“ hatte. Was man so mitbekommen hat, solle er das nur bei Spaniern (?) machen und nicht bei Österreichern. Uns war’s wurscht, ob er die Pässe einbehält oder nicht, spielt ja keine Rolle.
Noch vor zehn Uhr quälten wir unser kaltes Schneckchen die steile Auffahrt zum Ausfahrtsschranken hinauf und fuhren unserem nächsten Ziel entgegen.
Wir werden das „Valle dei Templi“ ansteuern, leicht mit „Tal der Tempel“ zu übersetzten, die Griechen haben dort überall ihre heute noch sichtbaren Spuren hinterlassen.
Die Fahrt dorthin absolvieren wir ausnahmslos über Landstraßen, die aber gut ausgebaut sind, des Öfteren überspannen beeindruckende Viadukte ganze Täler. An die rigiden Geschwindigkeitsbegrenzungen halten sich die ganze Fahrt über nur Herr und Frau Zimmermann, für die anderen Autofahrer sind wir ein lästiges Verkehrshindernis. Kurz vor der Stadt Agrigento setzt sogar mehrmals ein Tanklaster zum Überholen an und brauste letzten Endes an uns vorbei, natürlich trotz des Gegenverkehrs – die haben hier null Respekt vor Radarkontrollen, so scheint es zumindest.
Die 115 Kilometer zum Campingplatz „Valle dei Templi“ sind in knapp zwei Stunden absolviert, der Platz liegt vielleicht 500 Meter vom Meer entfernt und zu Füßen der 60.000 Einwohnerstadt Agrigento. Überall – tatsächlich auf jeder sich bietenden Erhöhung –  sind Tempel erbaut – auch schon ihre 2.500 Jahre alt. Teilweise repräsentieren diese Zeugen aus der Vergangenheit mit ihrem zur Schau gestellten Verfall auch den Zustand des heutigen Griechenlands… Einige der Tempel scheinen aber noch durchaus intakt zu sein, von manchen sind nur mehr einzelne Säulen zu sehen.
Am Campingplatz kriegen wir einen echt geilen Stellplatz – voll schattig und direkt neben dem Swimmingpool. Da haben wir wirklich Schwein gehabt, denn keine Viertelstunde später kamen zwei weitere Wohnmobile auf unseren Stellplatz, für die blieben weit weniger gute und vor allem weit weniger schattige Plätze.
Wir haben uns eingerichtet und sind dann erst mal in den Pool auf einen Inspektions-Schwumm gegangen. Passt – das Wasser ist sauber und nass, über 30 Grad warm und vermittelt zumindest psychisch ein wenig Abkühlung. Obwohl – wir haben weiterhin erträgliche Temperaturen – Höchstwert heute waren 33 Grad – um immerhin drei Grad weniger als in Innsbruck.
Nach unserer ersten Pool-Runde sind wir ins platzeigene Restaurant gegangen, dass sich neben dem Pool, also auch neben unserem WoMo, befindet. Wir essen jeder eine Pizza. nicht überwältigend aber o.k. Sehr gut hingegen war der „Gruß der Küche“ – vier kleine, knusprige Bruschetta-Brötchen, die vor dem Essen gereicht wurden. Interessanterweise völlig gratis, denn es wird hier nicht einmal das sonst überall unvermeidliche (und bis zu drei Euro teure) Coperto verrechnet. So bezahlen wir mit unseren Getränken exakt 20 Euro, voll o.k.
Voll o.k ist auch das Gratis W-LAN, das im Restaurantbereich bestens  funktioniert – und da wir direkt daneben stehen, können wir auch im WoMo Internet benutzen, noch dazu in einer Top-Geschwindigkeit.
Nach einem Päschchen ist dann Siesta angesagt – wir können uns den Schatten richtig aussuchen, denn eigentlich belegen wir frecherweise zwei Plätze – aber wie heißt es so schön: „First come, first serve.“
Es ist dann schon nach 18 Uhr, als wir unsere Vespa anlassen und zuerst mal in Richtung Meer auf Erkundungsfahrt gehen. Nach einem halben Kilometer finden wir uns im Hafen, cruisen dann weiter und landen schließlich bei einem großen Vergnügungspark, der gerade aufgebaut wird. Das müssen wir uns morgen mal genauer anschauen.
Dann steuern wir unser Moped Richtung Zentrum von Agrigento. Die Stadt ist spektakulär in die Hügel gebaut, wir haben auf unserer Fahrt keinen einzigen Meter ebener Straße gefunden. Dementsprechend geil war die Fahrt durch die engen Gassen und Gässchens, die Vespa ist natürlich das perfekte Verkehrsmittel für so ein Terrain. Es geht rauf und runter wie in einer Achterbahn, in so einer Stadt sind wir noch nie gefahren. Einmal biegen wir in eine Gasse ein und stehen plötzlich mitten im „Vorgarten“ einer Familie und wenden unser Moped nach einer Entschuldigung direkt vor dem Bügelbrett. Zum Teil sind die Straßen derart steil, dass wir uns am falschen Weg wähnen, aber immer wieder finden wir einen Ausweg. Und wenn es gegen eine Einbahn sein muss. Das wird von den entgegenkommenden Autos und Fahrzeugen übrigens nicht einmal ignoriert, jeder muss hier schauen, wie er weiterkommt, solange er halt niemanden anderen behindert.
Schließlich finden wir dann wieder einen Weg zu einer Straße, die Ilse von der Anreise her kennt und kaum eine Viertelstunde später knattern wir zu unserem Stellplatz. Wir duschen uns ausgiebig und begeben uns dann ins Restaurant zum Abendessen. Wir schlagen voll zu – Rinder-Steak für Ilse, Calamari grilled für Gernot, dazu Pommes und jeweils die Getränke und als Dessert Zitronen-Sorbet und ein Sizilianisches Küchlein, namens Casatta. Wieder kein Coperto – diesmal bezahlen wir mit 40 Euro zufällig wieder eine runde Summe – das Doppelte von Mittag übrigens. Aber das Essen war sein Geld wert – gesättigt und zufrieden kehrten wir die paar Meter zu unserem Häuschen zurück.
Mit einem Pasch und mehreren kalten Duschen zwischendurch ließen wir einen sehr feinen Tag ausklingen. Gernots Sonnenallergie scheint sich tatsächlich zu bessern, Ilses Einreibung mit der „Mirfulan“ Hautcreme verschafft – wenigstens vorübergehend – etwas Linderung. Trotzdem war die Nacht von ständigem Juckreiz geprägt, ausreichend Schlaf hat sich aber trotzdem finden lassen. Nutzt ja eh nix – da muss man(n) jetzt durch und fertig aus.
Agrigento 
 

 

Tag 10
Samstag, 18. Juli 2015
Camping „Valle dei Templi“

Unser Platz ist wieder einmal sehr gut gewählt, die zahlreichen Bäume schatten unser WoMo schön ab. Das ist auch notwendig, denn es wird schon am frühen Vormittag über 30 Grad warm. Übrigens haben wir bislang zehn Tage lang nur wolkenlosen Himmel gehabt, die Sonne war insgesamt vielleicht zwei, drei Minuten verdeckt.
Wir lassen den Tag gemütlich angehen, aktives Erwachen und ein gepflegter Pasch prägen den Vormittag. Wir haben wieder einmal eine „Platz-Katze“ ein sehr eleganter, hellroter Kurzhaar-Tiger (vielleicht aber auch eine Tigerin). Wir werden noch heute für Leckerlis sorgen.
Ilse geht immer wieder einmal im Pool eine Runde schwimmen, für Gernot sind grelles Sonnenlicht und Chlorwasser nicht die beste Therapie gegen seinen Hitzeausschlag, also nimmt er sich heute etwas zurück. Neben dem Pool kühlen wir uns auch mit regelmäßigen Kaltwasserduschen ab – zehn Gänge werden an diesem Tag wohl nicht gereicht haben.
Am Nachmittag verfügen wir uns eine feine Siesta – Schattenplätze finden sich dafür mehr als genug. Die Hitze ist heute sehr stark – unser Thermometer misst mehr als 37 Grad, im Inneren unseres Häuschens ist es 33 Grad warm. Der Wind weht zwar beständig, aber wir stehen in einer eher windgeschützten Ecke, also kriegen wir nur selten einen Hauch davon ab.
Wir halten aber tapfer durch und vertreiben uns die Zeit mit einem Pasch. Als es dann am Abend endlich etwas erträglicher wird, fahren wir mit dem Roller zum Meer hinunter. Da gibt es ja einen Vergnügungspark, allerdings ist der nur für unter Fünfjährige attraktiv. Wir latschen trotzdem durch und fahren dann weiter. Keine zwei Kilometer entfernt ist dann neuerlich ein Vergnügungspark aufgebaut, diesmal einer für Erwachsene. Er hat um 18 Uhr 30 noch nicht geöffnet (!!), trotzdem haben sich schon mehrere Polizisten mit ihren Dienstfahrzeugen eingefunden. Vielleicht fahren wir später noch einmal her – zuerst glühen wir aber noch einmal nach Agrigento rauf. Allein die paar Kilometer sind beeindruckend, die Stadt ist ohnehin eine Sensation. Wir fahren ins Hafenviertel und finden dort einen Markt aufgebaut. Wir schlendern durch die Stände – wir hätten eine Million Handy-Cover kaufen können – alles verschiedene natürlich. Und fünfzigtausend Flip-Flops, Myriaden von Socken und jede erdenkliche Art von Strandbekleidung und Strandspielzeug. Tatsächlich kaufen wir etwas – unser Freund Markus Riss betreut während unserer Abwesenheit unsere Balkonpflanzen und hat sich als Mitbringsel (typisch Markus): „Einen Mafioso“ gewünscht – mit Ketchup übrigens. Also haben wir ihm einen Mafiosi in Form eines Bieröffners gekauft, das Ketchup werden wir auch noch auftreiben. Für uns haben wir eine Kühlschrank-Magnet-Figur erstanden – ein Mafia-Pärchen auf einer roten Vespa. Überhaupt wird das Thema Mafia hier in Sizilien offenbar ziemlich verarscht, zumindest aber gewinnbringend vermarktet. Es gibt Kaffeetassen und T-Shirts mit dem Konterfei von Marlon Brando als „Don Vito Corleone“ und überall finden sich Souvenirs mit archetypischen Mafioso, manche davon mit abgesägter Schrotflinte im Arm. Sonst merkt von der legendären organisierten Kriminalität auf Sizilien als Tourist natürlich nichts – aber z.B. eine Pizzeria möchten wir hier nicht eröffnen wollen. Dann würden wir wohl bald einmal wissen, wie die Mafioso in echt ausschauen…
Nach dem Markt-Besuch sind wir dann wieder runter zum Meer gefahren, einen weiteren Trip durch die engen Gassen und Straßen von Agrigento haben wir uns für morgen aufbehalten.
Am Meer hat der Vergnügungspark für Erwachsene nun auch geöffnet, seine bunten Lichter, die laut hämmernde Discomusik und die Fahrgeschäfte können uns aber nicht locken – wir ersparen uns sogar einen Rundgang.
Dafür gehen wir Essen, treffen keine schlechte Wahl und amüsieren uns köstlich über das Gehabe der Angestellten. Der männlichen wohlgemerkt, wieder einmal. Herrlich – von fünf Männern haben permanent vier bis fünf nichts zu tun, trotzdem strahlen sie eine Wichtigkeit aus, die man beinahe  mit Händen greifen könnte.
Wir speisen vorzüglich, trotzen tapfer der abendlich Schwüle und fahren dann zum WoMo zurück. Nach ein paar Kaltwasser-Duschen und kühlen Drinks legen wir uns dann zum Schlafen nieder – die Temperatur im WoMo weigert sich, unter die 29 Grad Marke zu fallen. Da haben wir aber schon Schlimmeres erlebt…

Tag 11
Sonntag, 19. Juli 2015
Camping „Valle dei Templi“

Unser letzter Tag im „Camping Valle dei Templi“ beginnt wie üblich mit einem feinen Käffchen – Ilse muss über sich selber lachen, weil sie das Wasser für den Kaffee bisher immer mit dem Gaskocher aufgeheizt hat. Dabei führen wir in unserem Equipment einen feschen Wasserkocher mit – auffüllen, einstecken, den Rest erledigt der elektrische Strom.
Noch am Vormittag fahren wir eine ausgiebige Runde mit der Vespa, wir wollen uns eine Apotheke suchen, Gernots Hitzeausschlag muss endgültig niedergesalbt werden. Leider haben am Sonntag alle „Pharmacia“ geschlossen, dafür tanken wir wenigstens unser Moped. Der Volltrottel von Tankwart (sorry, aber man muss ihn so bezeichnen) gießt noch Benzin nach, als eindeutig zu erkennen war, dass der Tank schon randvoll ist. Das Ergebnis wundert nicht – übergelaufener Kraftstoff ergießt sich über unser rotes Rollerchen. Darüber hinaus rinnt das Benzin auch aus dem Überlauf des Tanks, sofort stehen wir samt Moped in einer stinkenden Pfütze. Schnell den Trottel auf Deutsch noch einen Trottel geheißen und weg waren wir.
Zurück beim WoMo haben wir uns ein feines Mittagsessen aus Käse, Tomaten, Antipasti und Brot einverleibt und uns dann zum täglichen Nachmittagsschläfchen hingelegt. Danach den üblichen Pasch gemacht – heute ist die Hitze erneut drückend zu spüren, wieder über 37 Grad und wieder kaum Wind. Im Schatten und in Kombination mit Swimmingpool und Kaltwasserduschen lassen sich aber auch die „schlimmsten“ Stunden zwischen 16 und 18 Uhr einigermaßen gut überstehen und wir machen uns auf nach Agrigento. Dort gibt es ein Einkaufszentrum und die sollten auch eine Apotheke haben.
Wir glühen die gut zehn Kilometer zum Shopping-Center rauf und genießen beim Eintritt erst mal die feinen, klimatisierten Temperaturen. Ilse findet dann auch die Apotheke und wir kaufen zwei Salben gegen Gernots Ausschlag. Wir schlendern dann noch ausgiebig durchs Einkaufszentrum und finden nun auch für Ilse ein unwiderstehliches Angebot für ihren Lieblingsduft. In einem weiteren Laden kaufen wir dann noch ein Notizbuch für Gernot, in fescher Holz-Optik und mit zwei Euro sehr wohlfeil im Preis.
Dann verstauen wir unsere Einkäufe in unserem Heck-Köfferchen und gönnen uns eine weitere Rundfahrt durchs faszinierende Straßengewirr von Agrigento. Rauf und runter, kreuz und quer, ziellos aber voll konzentriert rumpeln wir über das Pflaster. Ilse filmt ein paar Passagen unseres Trips mit, sind total lässige Aufnahmen geworden. Einmal sind wir zu einem Gässchen gekommen, das durch das Verkehrsschild „Max. 1,60 m“ jeden vor seiner Enge gewarnt hat. Ein direkt vor uns fahrender PKW Lenker verschätzte sich gravierend in der Breite seines Fahrzeuges und – Zack, rammte er ordentlich eine Steinstufe, die Karre hat’s richtig herumgebeutelt, ist sogar am Video zu sehen. Sofort zischte laut hörbar die Luft aus dem rechten Hinterreifen, zwanzig Meter später rumpelte das Auto bereits auf der Felge dahin. Davon ließ sich der Fahrer aber nicht unnötig tangieren und setzte seinen Trip durch Agrigento fort, bis wir ihn aus den Augen verloren.
Nach ein paar Kilometern wilder Fahrt hatten wir dann genug von der wahrhaft faszinierenden Stadt gesehen, Agrigento wird uns wirklich in sehr guter Erinnerung bleiben.
Zurück am Campingplatz zuerst ausgiebig unter die kalte Dusche und dann ab ins platzeigene Restaurant. Wir kriegen keinen der sechs gedeckten Tische im Freien – „Tutto reservato“. Eine Jugendgruppe hat vorreservieren lassen. Kein großes Problem – es ist innen und außen gleichermaßen warm, man hätte vielleicht draußen einen Hauch mehr Wind abbekommen können. Wurscht.
Das Essen war wieder sehr gut, wir haben voll zugeschlagen und auch wieder eine Nachspeise genossen. Das phantastische Zitronen-Sorbet von Ilse war auch der Grund, warum wir heute erneut hier am Campingplatz gegessen haben. Die große Jugendgruppe, alles Teenager unter 18 Jahren, hat sich übrigens ausgesprochen zivilisiert verhalten, ehrlich gesagt hatten wir diesbezüglich leichte Befürchtungen. Aber nicht aus einem Vorurteil heraus, sondern wegen diverser Erfahrungen…
Pappsatt gingen wir die paar Schritte zu unserem Schneckchen zurück und bald darauf lagen wir auf unseren Betten. Es hat inzwischen immerhin so abgekühlt, dass wir problemlos guten Schlaf finden konnten. Und das, obwohl bis 2:30 Uhr laute Disco-Musik vom Strand herauf dröhnte – die störte uns aber überhaupt nicht.
Übrigens – wir haben selbstverständlich unserer Platz-Katze aus dem Supermarkt etwas mitgebracht und sie hat sich sehr gefreut darüber. In der Nacht haben sich dann auch mehrere kleine Hasen auf unserem Platz eingefunden. Ilse hat sie im Dunkel der Nacht zuerst für Ratten gehalten – sizilianische Langohr-Ratten?

Tag 12
Montag, 20 Juli 2015
Fahrt nach Nicolosi
„Camping Etna“

Wunderbar geruht – wir stehen relativ früh auf, wir wollen nicht alles in der großen Hitze zusammenpacken. Wieder verläuft das Aufbrechen routiniert, die Vespa findet heute fast allein hinauf auf den Träger, spielend leicht schieben wir sie die Rampe hoch.
Dann bezahlen wir 84 Euro für drei Tage und machen uns auf den Weg in Richtung Catania. Bezüglich unseres Ziels haben wir uns noch nicht festgelegt, entweder wir campieren am Meer oder wir fahren Richtung Ätna hoch, das gibt es auf 700 Metern auch einen Platz mit Swimmingpool. Wir entscheiden uns dann vor Ort.
Die Fahrt verläuft vorerst über eine Landstraße, wieder schert sich niemand um die allgegenwärtigen Geschwindigkeitsbegrenzungen, meistens werden die Limits um 100 Prozent überschritten. Mehr und mehr gleichen auch wir unseren Fahrstil diesem Ignorieren der Tempolimits an und manchmal ertappen wir uns dabei, dass wir eine 30er Zone mit 70 km/h durchfahren. Dabei immer dicht gefolgt von einer ganzen Horde ungeduldiger Autofahrer, die uns bei jeder Gelegenheit überholen – auch mal mit einem guten Hunderter in der 30er Zone. Trotzdem kommt es während der ganzen Fahrt zu keinen gefährlichen Szenen, die haben den Wahnsinn scheinbar doch ganz gut unter Kontrolle, wir haben auch noch keinen wirklichen Unfall gesehen. Aber es sollte doch zu denken geben, dass praktisch jedes Fahrzeug hier beschädigt ist, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, die uns jeweils sofort auffallen. Krachen tut’s also oft im sizilianischen Straßenverkehr. Wen wunderts…
Bald einmal kommen wir auf eine Art Autobahn – immer wieder mal  geht’s ein paar Kilometer zweispurig dahin. Man sieht an fortgeschrittenen Bauarbeiten, dass hier bald einmal eine neue Autobahn durchs Land führen wird, momentan müssen wir uns zwischen den einzelnen Bauabschnitten durchschlängeln und unzählige Kreisverkehre durchfahren. Dann kommen wir aber endgültig auf die Autostrada nach Catania und endlich geht’s zügig dahin. Heute ist ein gewisses Tempo ganz besonders wichtig, denn nur so kriegen wir Zugluft in der Fahrerkabine. Wir messen 39.9 Grad und dementsprechend brutal heiß fühlt es sich auch an.
Als wir dann nach gut zweieinhalb Stunden Catania erreichen, lassen wir die Stadt rechts liegen und fahren links in die Berge hinauf. Wir erhoffen uns am Campingplatz bei Nicolosi etwas feinere Temperaturen – 700 Meter Höhenunterschied sind ja nicht nix.
Nach einem unwesentlichen Verfahrer mangels ausreichender Beschilderung finden wir uns am „Camping Etna“ – ein programmatischer Name, liegt der Platz doch direkt am Fuße des größten Vulkans Europas. Unser Stellplatz ist ein Traum – mehr Schatten geht nicht mal theoretisch, da müssten wir uns schon in eine Scheune stellen. Wir befinden uns direkt neben dem Swimmingpool – so direkt daneben, dass wir über den Zaun greifen können, um uns an der Pool-Dusche die Hände zu waschen. Als Ilse vor dem Schwimmen Gernot ihre Brille reicht, muss der dafür nicht einmal von seinem Sessel aufstehen. Echt super.
Der Campingplatz selber gibt nicht viel her – Essen Fehlanzeige, gerade mal ein Bier kann man kaufen oder einen Kaffee trinken. Die sanitären Anlagen sind – na ja – etwas sehr veraltet, hier könnte sich schon Silvio Berlusconi als Kind geduscht haben. Aber das Wichtigste beim Campen ist ohnehin der Stellplatz und da hätten wir es nicht besser erwischen können.










Nach einem kleinen aber feinen Abstecher in den Pool haben wir uns dann gegen 15 Uhr in Richtung Ätna aufgemacht, eine perfekt ausgebaute Straße führt bis auf 2.000 Meter hinauf. Immer wieder sieht man erkaltete Lavaströme, also wenn das Ding wieder einmal hochgeht, möchten wir lieber weit, weit weg sein.
Die gut 20 Kilometer zum Touristen-Ressort (samt Gondelbahn, um dem Vulkan noch näher zu kommen) muss sich unser braves Moped ordentlich abmühen, eine wahrlich schweißtreibende Arbeit für seine elf kleinen Pferdchen. Zwei Mal bleiben wir zwecks vorsorglicher Abkühlung des Motors in einer Parkbucht stehen und genießen den sagenhaften Ausblick, der bis zum Meer hinunter reicht. Von hier heroben sieht man auch gut die Ausdehnung der Stadt Catania mit ihren gut 400.000 Einwohnern. Die Stadt ist Ende des 17. Jahrhunderts übrigens völlig von den Lavaströmen des Ätna zerstört worden – aus den erkalteten Hinterlassenschaften des Vulkans wurde sie dann neu aufgebaut.
 

 

Beim Ressort angekommen finden wir dort eine Unzahl von Restaurants vor und noch mehr Souvenirstände. Wir klettern ein paar Meter zum „Crateri Silvestri“ hoch und blicken in seinen nicht ganz so tiefen Abgrund. Dann kommen wir zu einer Tafel – direkt neben der Straße – auf der geschrieben steht, dass genau bis hier hin zuletzt die Lavaströme des Ätna reichten, das war 1988. Das Ding ist immer noch hochaktiv, einer der aktivsten Vulkane überhaupt auf der Welt. Erst vor ein paar Tagen ist wieder Lava ausgetreten, im Internet hat Ilse die entsprechenden Bilder der Vulkanologen gesehen.

Ilse hat beim Herumwandern im Lava-Sand dann doch tatsächlich einen winzig kleinen Anhänger mit einem Kreuz gefunden, mit Glitzersteinchen verziert und aus Silber. Gernot hat dann auch etwas gefunden – mit dem 1 Cent Stück aber eindeutig das weniger Wertvolle.
Auf einem großen Parkplatz hat uns dann noch das Schild „Miele Etna“ gelockt – Honig also. Nach unzähligen Kostproben der unterschiedlichsten Honigsorten (Ilse O-Ton: „Mir pickt schon die ganze Papp’n“) haben wir uns dann für mehrere Gläschen entscheiden – für uns selber und als Mitbringsel für die Lieben daheim.
Die Hitze des heutigen Tages ist tatsächlich auch auf 2.000 Metern Seehöhe zu spüren, obwohl ein recht guter Wind weht, sieht man niemanden mit langer Ärmeln oder gar einem Jäckchen. Später sehen wir in Nicolosi, dass es noch nach 19 Uhr eine Temperatur von 36 Grad hat, das dürfte heute also unser heißester Tag in Sizilien gewesen sein. Und genau heute hat uns die Hitze gar nichts ausgemacht, auch die 40 Grad im Häuschen bei der Herfahrt haben wir locker weggesteckt.
Die Fahrt von 2.000 Meter hinunter nach Nicolosi war herrlich erfrischend, bei 80 km/h wird es in den schattigen Bereichen schon richtig kühl. Und erst am Campingplatz – einfach nur herrlich. Gerade mal 31 Grad rund ums WoMo, nach einer Kaltwasserdusche entfährt Gernot der Jubelruf: „Ich hab grad zum ersten Mal in diesem Urlaub zu kalt!“ Wenn auch nur für wenige Sekunden – aber immerhin…
Auch hier haben wir wieder ein Platz-Haustier, die wunderschöne Siamkatze ist aber noch schwer arrogant uns gegenüber, grüßt nicht einmal. Später lässt sie sich immerhin kurz von Ilse streicheln, wenn sie morgen zu uns kommt, steht knuspriges Trockenfutter schon bereit. Dann wird sich das mit ihrer Arroganz uns Großkatzen gegenüber auch schnell erledigt haben.
Die Suche nach einem Platz zum Abendessen stellt sich dann wieder einmal als mühsam und ärgerlich heraus, hier in Sizilien (und wie wir aus Erfahrung wissen, in ganz Italien) bekommt man – wenn überhaupt – nur von 20:00 bis 22:30 etwas zu essen, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Und eine dieser Ausnahmen zu entdecken ist immer wieder eine echte Herausforderung. Nach mehreren vergeblichen Anläufen (einmal sitzen wir schon gemütlich auf der Terrasse eines gut besuchten „Ristorante“, da meint der Kellner: „Sorry, but today no food“, was uns sehr an Indien erinnerte) finden wir dann doch noch eine Pizzeria. Und wieder landen wir einen Volltreffer – die Holzofen-Pizza ist die bislang beste dieses Urlaubs und derartig riesig, dass wir trotz eines Mords-Hungers gerade einmal die Hälfte davon aufessen können. Lustig war auch, als der Kellner bei Ilses Cola-Bestellung „Small or big?“ nachfragte und nach Ilses: „Big“ doch tatsächlich eine 1,5 Liter Plastikflasche Coca Cola zu Tisch brachte. Wir haben lachend auf eine Dose umbestellt – die kostete dann mit ihren 0,33 Litern übrigens zwei Euro, die beinahe fünffache Menge hätten wir für drei Euro haben können. Auch Gernots großes Moretti-Bier (0,66 Liter) war mit drei Euro sensationell günstig, so billig kriegen wir das unter Garantie nirgendwo mehr in Italien. Alles keine Rechenfehler, die Preise stehen so in der Karte vermerkt. Mit unseren Riesen-Pizzen zu je 7.50 Euro haben wir also einen runden Zwanziger bezahlt – das kann man gelten lassen.
 

Was uns noch in Erinnerung bleiben wird, sind die unfassbar frechen Tauben, die wir in diesem Lokal gesehen haben. Also für den Matthias Schrom (der seit seiner Kindheit an einer ebenso seltenen wie heftigen Tauben-Phobie leidet) wäre dieser Platz definitiv nichts. Die Flug-Rättzchen flatterten unverschämt zu den Tischen, auch wenn diese von Gästen besetzt waren. Vor allem auf die Erdnüsse und Kartoffelchips hatten es die Tauben abgesehen und sie ließen sich kaum vertreiben. Ein Paar hat dann tatsächlich aufgegeben und das Lokal fluchtartig verlassen, die Tauben pickten sofort wie verrückt in das Schälchen mit den Erdnüssen, selbst dann noch, als es der Tischabräumer bereits in der Hand hatte…
Mit der einbrechenden Dunkelheit machten wir uns dann zurück auf den Weg zum Campingplatz und verlebten noch einen gemütlichen Abend vor unserem WoMo. Der Swimmingpool ist für uns wie ein Freilicht-Kino und wir sitzen in der ersten Reihe fußfrei. Etwas verstört hat uns dann gegen Mitternacht noch ein Schweizer Vater, der mit seinen Kindern nacheinander die Pool-Dusche benutzt hat. Zuerst gab er seinem zehnjährigen Sohn gezählte 16 (!!) Befehle hintereinander (Von „Wasser aufdrehen“ und „Das Shampoo überall verteilen“ über „Jetzt unter der Hose waschen“ bis hin zu „Jetzt Wasser abdrehen!“) und als er dann aber mit seiner Teenager-Tochter aufkreuzte wurde es schon sehr sonderbar. Nicht nur, dass die vielleicht Zwölfjährige ein für ihr Alter viel zu winziges und aufreizendes Bikinihöschen trug, musste sie sich vor aller Augen auch noch ihr Oberteil ausziehen und sich anschließend gemäß Vaters strengen und detailgenauen Anweisungen abwaschen. Beim Weggehen mahnte er sie noch ab, sie solle sich ja nicht beim Gehen die Sandalen beschmutzen. Wie das bei dem feinen Lava-Staub und mit pitschnassen Latschen funktionieren soll, hat der strenge Schweizer nicht dazugesagt. Schweben vielleicht? Ihn selber haben wir an diesem Abend übrigens nicht unter der Dusche gesehen, vielleicht auch deshalb, weil es ihm niemand befohlen hat. Leute gibt’s…
Später sind wir dann außerhalb des Campingplatzes noch eine Runde spazieren gegangen, Ilse hoffte im Dunkel der Nacht vielleicht einen Feuerschein des Vulkans erblicken zu können. Fehlanzeige – dafür „entdeckten“ wir mindestens zehn Familien, die im Freien den Abend genossen. Sie waren mit ihren Fahrzeugen zu dem großen Parkplatz in der Nähe des „Camping Etna“ gekommen, hatten ihre Klappstühle und Campingtische ausgepackt, aßen, tranken und schwatzten lautstark miteinander. Mittendrin spielten Väter mit ihren Buben im Licht der Straßenlaternen Fußball und das an einem gewöhnlichen Montagabend. Scheint ganz so, als würden die Leute ihre zu warmen Wohnungen verlassen und im Freien Abkühlung suchen. Und sei es auf einem asphaltierten Parkplatz.
Wie dann gegen Mitternacht die Disco-Musik (eh dezent laut, von ein paar Ausreißern abgesehen) am Pool verstummte, war das auch für uns das Zeichen, schlafen zu gehen. Draußen hat es gerade noch 22 Grad – wir werden doch heute Nacht nicht frieren müssen…?
 

 


Tag 13
Dienstag, 21. Juli 2015
„Camping Etna“

Ohne Frostbeulen sind wir aufgewacht und genießen bei einem feinen Kaffee den beginnenden Tag. Es wird mit Sicherheit nicht brutal heiß heute, das hebt schon früh am Morgen unsere Stimmung.
Am Vormittag wird unser Campingplatz von zwei ACSI-Kontrolleuren besucht, Ilse kommt später mit dem belgischen Inspektions-Paar ins Gespräch. Dann tut Ilse den beiden noch einen Gefallen und gibt eine detaillierte Zustandsbeschreibung vom „Camping Helios“ ab, brauchen die Inspektoren sich zumindest dort keine Urlauber dafür zu suchen.
Der Vormittag vergeht mit etwas Schreiben, immer wieder gehen wir ein paar Minuten in den Pool und wir haben eine feine Zeit.
Ein ganz eigenes Kapitel ist unser Herr Bademeister, den wir für uns Marko nennen. Marko deshalb, weil er dem österreichischen Fußballer Marko Arnautovic sehr ähnlich sieht und auch ein ähnlich affektiertes Benehmen an den Tag legt. In Wahrheit heißt unser „Life Guard“ Sergio und nimmt sich in seiner verantwortungsvollen Tätigkeit unendlich wichtig. Wenn er früh am Vormittag mit seinem Lancia Kombi auf den Platz fährt, dann ist er bereits voll im Rettungs-Outfit und das sichtbarste Zeichen seiner Macht – eine silberne Trillerpfeife am grellgelben Band – hat er schon um den Hals hängen. Neben seiner Tätigkeit als potentieller Lebensretter ist Marko vulgo Sergio auch für die Musik am Pool zuständig. Und wenn man seine unzähligen und allesamt kläglich scheiternden Versuche, der Musikanlage brauchbare Töne zu entlocken, beobachtet, dann hofft man insgeheim sehr, dass er im Fall des Falles als Lebensretter kompetenter sein möge. Denn entweder brüllt die Anlage unvermutet  mit 200 Dezibel los oder es geht für Minuten gar nichts mehr. Dann gibt eine Computerstimme auf Englisch Anweisungen, was zu tun wäre, um die Anlage wieder in Betrieb zu setzen. Sergio und Marko sprechen aber nur Italienisch und auch da nur das sizilianische Italienisch, wie Ilse bei einem Kommunikationsversuch festgestellt hat. Aber immerhin ist mehrmals am Tag ein strenger Pfiff aus seiner Trillerpfeife zu hören, etwa wenn ein Kind ohne Badehaube auf den Pool zustürmt. Da kann Marko/Sergio sehr konsequent sein… Jedenfalls ist er eine Quelle köstlicher Unterhaltung und wir sind ihm dankbar dafür (lassen es uns aber natürlich nicht anmerken).
Irgendwann am Nachmittag werfen wir dann den Motor unserer Vespa an und machen uns auf den Weg zum Einkaufen. Wir werden uns heute selber versorgen und nicht mehr – so wie gestern -  auf das spärliche gastronomische Angebot der Umgebung zurückgreifen.
Ein Alimentari bzw. Supermercato ist schnell gefunden, Lebensmittel einkaufen müssen ja selbst die Sizilianer. Wir gönnen uns ein paar kleine Frankfurter Würstchen, eine kleine Salami und für den „Notfall“ zwei Gläser mit Fertig-Sugo nach sizilianischer Art. Brot und Milch kaufen wir natürlich auch, sogar an den Nachtisch denken wir und so finden auch Joghurts den Weg in unsere Einkaufstasche.
Zurück im Häuschen machen wir zuerst einen gepflegten Pasch und dann bereitet Ilse unser Abendessen. Wir grillen uns die herzigen Frankfurterchens, sie schmecken gar nicht mal so schlecht. Später richten wir uns dann auf einen gemütlichen Abend ein, unseren letzten am Fuße des Ätna.
Wir liegen eigentlich schon in unseren Betten – es ist 22 Uhr 30 – als wieder einmal die Musikanlage am Pool unvermittelt und in unfassbarer Lautstärke loslegt. Gerade so, als würde ein F 16 Bomber direkt vor unserem WoMo seinen Start vorbereiten. Marko! Sergio! Doch unser „Life Guard“ ist quasi unschuldig, denn dieses Mal wird nicht irgendein Disco-Hit in unsere Gehirne gehämmert, sondern wir kriegen ein echtes Solo-Konzert eines sizilianischen Sangeskünstlers dargeboten. Der sitzt – lässig im blütenweißen Hemd und mit einem Mikro in der Hand – vor einem Laptop und gibt den verdutzten Zuhörern italienische Schmonzetten der Sonderklasse zum Besten. Der Typ macht das gar nicht schlecht, ist sicher schon vorher irgendwann mal wo aufgetreten – mit dem Karaoke-Programm seines Computers ist er allerdings nicht sattelfest genug vertraut. Deshalb reißt die Begleitmusik immer wieder einmal abrupt ab oder geht unvermittelt in die nächste Nummer über. Unser Cantadore ließ sich von solch Kleinigkeiten aber nicht aus dem Konzept bringen und trällerte eineinhalb Stunden ohne jede Pause durch. Besonders lustig waren seine Versuche auf Englisch zu singen – bei „My Way“ von Frank Sinatra blieb da kein Auge trocken – etwa wenn er vom „Final Curtain“ sang – genau so ausgesprochen, wie geschrieben…
Um Mitternacht war dann das Konzert zu Ende, der Applaus blieb zwar ob des Dargebotenen etwas spärlich, aber er war durchaus vorhanden. Gernot wollte zuerst noch mit einem beherzten: „Bravo, Cantaodore! Bravi Maestro!! Da capo per favore!“ in den dezenten Jubelchor einstimmen, es war ihm dann aber doch zu gefährlich. Immerhin hätten wir ja tatsächlich noch eine Zugabe abkriegen können.
Etwa gleichzeitig mit dem letzten Händeklatschen sind wir dann eingeschlafen – morgen geht’s wieder weiter…

Tag 14
Mittwoch, 22. Juli 2015
Fahrt nach Letojanni/Taormina
„Camping Paradise“

Die Nächte hier am Fuße des Ätna sind für uns wirklich sehr entspannend, die Luft ist angenehm kühl und am Morgen wird es auch nicht so blitzartig heiß, wie anderswo. Wie schon einmal erwähnt – 700 Höhenmeter sind nicht nix.
Nach einem Käffchen spulen wir unser gewohntes Aufbruch-Ritual ab – wieder ist alles in einer guten Stunde erledigt. Eigentlich wollten wir noch einmal kurz in den Pool springen, Sergio alias Marko gibt uns aber kein Freizeichen – erst ab 10 Uhr sei das Schwimmbad eröffnet. Wurscht – dann halt kein Abschieds-Schwumm. Wir bezahlen die moderate Rechnung und machen uns auf den Weg.
Wir fahren wieder zum Ätna rauf, die Strecke, die wir schon unserer Vespa zugemutet haben. Unser Häuschen ist nach drei Tagen Pause noch ziemlich unausgeschlafen, als wir es so zärtlich wie möglich den steilen Berg hochtreten. Nach ein paar Kilometern zeigt der Temperaturmesser bedenkliche Motorhitze an und wir bleiben vorsichtshalber stehen. Und siehe da – unser WoMo kocht – aber nicht vor Wut, sondern mehr aus Verzweiflung. Es blubbert und zischt bedenklich und das heiße Wasser ergießt sich via Überlaufschlauch auf den Asphalt. Gar nicht mal wenig, ein guter Liter wird es wohl gewesen sein. Wir füllen Wasser nach und nach einer angemessenen Pause geben wir unserem Schneckchen wieder die Sporen. Wieder fünf, sechs Kilometer und wieder beginnt das Kühlerwasser zu kochen, also machen wir erneut ein Päuschen. Alles kein Problem, wir sind ja im Urlaub und nicht auf der Flucht, wir haben also Zeit genug. Es ist halt für unser 25 Jahre altes WoMo grenzwertig, dass es seine fast 3.000 Kilogramm auf 2.000 Meter Seehöhe raufzerren muss – dafür bräuchten wir eigentlich viel mehr Pferdestärken, als uns mit den tatsächlichen 90 zur Verfügung stehen.
Schließlich kommen wir aber gut am Ätna-Ressort an und geben unserem Häuschen eine weitere, kleine Verschnaufpause, dann kann es wieder weitergehen.
Unterwegs klaubt Ilse noch ein paar Brocken Lavagestein zusammen, sie werden uns an die Zeit hier erinnern und auch als Mitbringsel Freude machen. Die Straße den Ätna hinunter ist eine ganz andere, als jene, die zum Vulkan hinaufführt. Viel enger, auch steiler und nicht ungefährlich. Es geht aber wieder einmal alles gut und bald sind wir wieder in ebenem Gelände unterwegs.
Unser Ziel ist der „Camping Paradise“, der unweit der Stadt Taormina liegt. Die Strecke dorthin ist nicht einmal 80 Kilometer lang, die wohl kürzeste „Verbindungs-Etappe“, die wir jemals gefahren sind. Trotzdem brauchen wir weit über drei Stunden dafür, die „Koch-Exkursionen“ unseres WoMo’s und der teilweise sehr starke Verkehr zeichnen dafür verantwortlich.
Den Campingplatz finden wir völlig problemlos und die freundliche Chefin weist uns einen Platz direkt am Meer zu. Also nicht am Meeresufer selbst – der Campingplatz liegt einige Meter erhöht – sondern mit unmittelbarem Meeresblick. Zuerst sind wie etwas skeptisch, weil unser Platz um diese Zeit (knapp nach 13 Uhr) in der prallen Sonne liegt, später sehen wir aber, dass das eine gute Wahl war, denn die Bäume geben im Laufe des Tages ausreichend Schatten.
Der „Camping Paradise“ mag jetzt vielleicht nicht der wahrhaftige Garten Eden sein, er ist aber trotzdem sehr schön und mit einem traumhaften Swimmingpool ausgestattet. Auch hier haben wir selbstverständlich wieder einen aufmerksamen „Life Guard“, seinen durchaus beeindruckenden Körpermaßen nach entspricht der Mann in etwa 2 ¼ Sergios – das nur nebenbei.
Die sanitären Anlagen sind äußerst großzügig dimensioniert und penibel sauber, Warmwasser ist gratis, zum Glück für uns kann man aber auch kalt duschen. Ein Restaurant und einen Minimarkt gibt’s auch am Platz, also – was will man mehr.
Wir richten unser WoMo für den Aufenthalt her und dann nichts wie rein in unsere Surf-Patschen und runter ins Meer. Wir plantschen eine ganze Weile in den gar nicht so niedrigen Wellen – Abkühlung bringen uns die gut 30 Grad Wassertemperatur aber kaum. War auch nicht zu erwarten, lässig war es aber trotzdem.
Den Swimmingpool lässt man sich hier im „Paradise“ mit drei Euro am Tag extra bezahlen – wir scheuen diese Ausgabe aber nicht und nutzen das Angebot. Manchmal sind wir ganz allein im Pool – mehr als fünf Personen sind aber nie gleichzeitig im Wasser. Auch der Pool ist auf über 30 Grad aufgeheizt, fein ist das Schwimmen im klaren Süßwasser aber allemal.
Beim obligaten Rundgang über den Platz treffen wir wieder einmal Österreicher – ein Pärchen, das mit einem Motorrad mit Feldkircher Kennzeichen unterwegs ist. Wobei – Motorrad ist eigentlich der falsche Ausdruck für ihr Gefährt – denn die haben ein extremes Monstergerät dabei. Eine Harley Davidson samt Beiwagen – ein 125 PS starkes und 190 km/h schnelles Ungetüm mit über 500 Kilogramm Gewicht, allein der Tankinhalt beträgt sagenhafte 60 Liter (also genau wie bei unserem WoMo). Das Teil ist sehr aufwändig und über und über in Airbrush-Technik bemalt, mit Mega-Breitreifen ausgestattet, sogar der Motor der Harley ist mit LED Lämpchen beleuchtet. Wir haben auch noch nie gehört, dass man auf einem Motorrad bei uns zu dritt fahren darf, dieses Gerät ist sogar auf zwei Erwachsene und zwei Kinder zugelassen. Ein echtes Unikum.
Das Paar ist uns gleich sehr sympathisch – Andreas ist ein 46-jähriger Koch aus der Steiermark, seine Frau Ivana ist Briefträgerin und stammt aus der Slowakei. Ihr vorarlbergerisch gefärbtes Deutsch ist köstlich anzuhören und wir quatschen eine ganze Weile miteinander. Die Harley Davidson mit dem Beiwagen ist ihre ganz große Leidenschaft – über 50.000 (!!) Euro hat das Ding insgesamt gekostet und unfassbare 130.000 Kilometer sind sie damit schon in ganz Europa unterwegs gewesen. Hoffentlich vergessen wir nicht, das Ding zu fotografieren, das muss man einfach gesehen haben.
Wir haben auch Glück mit unseren unmittelbaren Nachbarn am Platz. Wobei – Probleme mit Nachbarn haben wir beim Campen praktisch nie, mit manchen kommt man halt nicht so in Kontakt. Diesmal ist das anders – wir stehen neben einem deutschen Paar, die dem Auto-Kennzeichen nach aus RE stammen. Sie sind mit einem entzückenden, kleinen Wohnwagen unterwegs, dem Alter nach dürften sie knapp vor der Pensionierung stehen. Gernot kommt dann schnell mit dem Mann ins Gespräch und bald scherzen die beiden richtig miteinander. Der Deutsche hat ein sehr sympathisches Wesen und kann tatsächlich von Ohr zu Ohr grinsen. Und er ist sehr klug, das wird selbst beim Smalltalk sofort klar. Wir werden wohl noch viel miteinander lachen.
Heute kommt übrigens zum ersten Mal unser Sonnensegel zum Einsatz. Das Montieren in die Schiene am WoMo funktioniert auf Anhieb gut, Ilse kümmert sich um die Anbindeleinen und schon ein paar Minuten später spendet uns das Tuch wichtigen Schatten. Es wird heute nämlich besonders heiß – fast 38 Grad werden es am Ende wohl gewesen sein. Schlagen wir also, was die  Temperatur betrifft, wieder einmal Innsbruck – obwohl man daheim eher nicht damit rechnen kann, durch eine kühle Brise vom Meer her wenigstens ein bisschen gechillt zu werden…
Später meldet sich dann der Hunger – wir warten mit unserem aber dennoch bis gut 19 Uhr, mittlerweile kennen wir die späten italienischen Essenszeiten ja zur Genüge. Aber nicht genügend genug, denn hier wird überhaupt erst nach 20 Uhr gespeist – dementsprechend angespeist waren wir kurzfristig auch mit unseren hungrigen Mägen…
Wir fahren dann die vielen Serpentinen nach Taormina hoch – bis wir oben sind, wird’s wohl was zu futtern geben. In Taormina ist buchstäblich die Hölle los – wie in Venedig rund um den Markusplatz oder wie in der Innsbrucker Altstadt am Faschingsdienstag. Touristen, Touristen, Touristen – und wir Touristen natürlich mittendrin.
Unsere Vespa parken wir völlig unverschämt direkt am Busparkplatz von Taormina, irgendein Plätzchen findet sich für einen Roller immer – und schaut man sich das Parkverhalten der einheimischen Zweiradfahrer an, dann dürften die Ordnungshüter diesbezüglich sehr nachsichtig agieren. So parken Mopeds manchmal direkt auf Zebrastreifen, auch wir haben unsere Vespa schon einmal so abgestellt. Schon sehr fein…
Wie Ilse schon im Loneley Planet gelesen hat, ist Taormina ein Hot-Spot für Homosexuelle, die gerne mit ihren Partnern hier Urlaub machen. Tatsächlich sehen wir sofort Hand in Hand spazieren gehende Männer – ein entzückender Anblick und auch erstaunlich für ein Macho-Land wie Italien bzw. Sizilien. Gefällt uns!
Wir gleichen unser Geh-Tempo dem nicht vorhandenen Platz an und lassen uns mehr von der Masse Meter für Meter durch die engen Gassen Taorminas schieben. Bei einem verheißungsvollen „Pizzeria-Ristorante“ Schild scheren wir aus der trögen Menschenmasse aus und steigen die paar Stufen zum Restaurant hoch. Das “Varo“ verfügt über eine großzügige Terrasse, die sich bei genauerem Hinsehen als ehemaliger Vorplatz einer alten Kirche herausstellt. Wir speisen vorzüglich, sowohl Ilses Spaghetti Carbonara, also auch Gernot Pizza Frutti di Mare waren wirklich hervorragend.
Mit vollem Bauch setzten wir unsere Tour durch Taormina fort, wirklich ein netter Ort. Zwar extrem touristisch, aber wir sind ja schließlich auch Touristen, also wozu sich darüber aufregen.
Schon bei Dunkelheit kehren wir zur Vespa zurück und fetzen die paar Kilometer zum „Camping Paradise“ hinüber. Im WoMo haben wir dankeswerterweise Internet Empfang, weil wir so knapp am  
W-LAN-Spot stehen. Also lassen wir uns mal zur Abwechslung von „youtube“ entertainen und nacheinander geben sich Gerhard Polt, Johnny Cash und Mario Lanza die Ehre.
Nach ein paar Schlummertrunks schlafen wir gegen Mitternacht ein, die Hitze im WoMo ist mit 29 Grad gerade noch halbwegs erträglich.

Tag 15
Donnerstag, 23 Juli 2015
„Camping Paradise“
 

Wir hatten dann doch beide eine angenehme Nacht, wir sind die hohen Temperaturen mittlerweile echt ganz gut gewohnt. Klar wäre ein Erwachen in kühler Tiroler Bergluft auch nicht übel, aber das wird’s hier in Sizilien eher nicht spielen…
Nach dem Frühstückskaffee, ein paar Abstechern zum Swimmingpool und nach einem Entspannungs-Pasch am Vormittag legen wir uns kurz nach Mittag ein wenig nieder. Eigentlich nur Gernot, denn Ilse geht ein wenig zum Strand hinunter und lässt die Füße ins Meer baumeln.
Plötzlich schreckt ein Geräusch Gernot aus dem Schlaf – ein Geräusch, das wir lange nicht mehr gehört hatten: Regen prasselte auf unser WoMo-Dach. Also prasseln ist wahrscheinlich jetzt schon die Übertreibung des Jahres, aber an die 200 Tropfen werden es insgesamt wohl gewesen sein, wenn nicht sogar 250. Sogar am Sattel unserer Vespa konnten wir mehr als 20 Tröpfchen zählen – ein Wahnsinn! Aber immerhin war der Himmel bewölkt und die Sonne glühte nicht mehr so unbarmherzig auf uns nieder.
Jetzt aber sofort rauf aufs Moped und raus ins pulsierende Sizilien. Wobei – pulsieren tut um diese Zeit – es war 15 Uhr – in Sizilien höchstens das heiße Blut der einheimischen Autofahrer. Denn wenn Siesta angesagt ist, dann läuft hierzulande wenig bis gar nichts, sogar der Straßenverkehr ebbt spürbar ab.
Wir biegen heute beim Verlassen des Campingplatzes rechts ab, da waren wir noch nicht. Wir fahren die paar Kilometer in den Nachbarort rüber, tanken dort unser kleines rotes Pferdchen voll und kehren dann wieder um. In Letojanni machen wir einen Abstecher in die Via Campo Sportivo, wo Ilses Facebook-Bekanntschaft „La Tedesca“ 15 Jahre lang gewohnt hat. Auf ihren Wunsch hin fotografieren wir das Haus, an dessen Wänden noch Kreidezeichnungen ihrer Kinder zu sehen sind. Sonst gibt der Ort nicht viel her – doch – Ilse hat um wohlfeiles Geld neue Sandalen gekauft – haben wir also doch auch ein wenig die Wirtschaft dieses insgesamt eher erbärmlichen Ortes „angekurbelt“.
Dann fahren wir erneut nach Taormina hinauf, wir wollen uns das berühmte Amphietheater des Ortes anschauen. Das gelingt uns nicht, denn heute gibt ein sizilianischer Localhero namens „Mikka“ ein Konzert und schon der Zugang zur antiken Stätte ist von erwartungsfrohen, hauptsächlich weiblichen Teenagern und Best-Agern überbevölkert. Also müssen die alten Steine weiterexistieren, ohne von uns begutachtet worden zu sein. Sie werden wohl auch das überstehen…
Wie in jedem Touristenort weltweit ist auch hier in Taormina das Angebot an Souvenirs riesengroß und wie überall auf der Welt wird auch hier nahezu ausnahmslos ziemlicher Scheiß angeboten. Trotzdem schauen wir tapfer in zahlreiche Geschäfte und Geschäftchen hinein und werden tatsächlich gleich zwei Mal fündig. Zum einen nehmen wir eine weitere kleine, rote Vespa in unsere Sammlung auf und zweitens finden wir ein nettes T-Shirt für Gernot, das über und über mit bunten Vespas bedruckt ist. Ein T-Shirt hat Gernot auch unbedingt nötig gehabt, denn er hat von daheim nicht einmal 35 Stück davon mitgenommen…
A Apropos Kleidung: Was wir völlig sinnlos an Gewand mitschleppen, ist eigentlich ein Wahnsinn. So hat Gernot bislang ein Mal (!) eine lange Hose angehabt (für eine knappe Stunde), aber fünf weitere davon im Schrank. Oder Socken – kein einziges (!) Paar jemals angezogen, aber für jeden einzelnen Tag (immerhin planen wir mit knapp fünf Wochen Urlaub) ein Paar im Kasten. Detto Unterhosen – für jeden Tag eine mit – bislang zwei Mal eine angehabt und das auch nur für wenige Stunden. Von den Hemden gar nicht zu reden – wir sind praktisch rund um die Uhr mit unserer Badekleidung unterwegs – für den Weg zum Pool oder zum Meer zieht sich Gernot wegen seinem (übrigens stündlich sich bessernden) Hitze-Ausschlag ein T-Shirt über. Ilse geht’s genau so – viel zu viel Kleidung mit, auch Ilse hat noch nie eine Bluse angehabt oder gar ein Jäckchen. Aber wir haben ja Platz genug, zudem wiegt ja Gewand keine Tonnen, also was soll’s. Wir müssen aber über uns selber den Kopf schütteln.
Nach dem Kauf des hübschen T-Shirts schlendern wir noch ein wenig in Taormina herum, da entdecken wir bei einem Stiegenabgang das wunderbare Schild „Cucina aperto 11:30 della 24:00“. Aber Hallo – die berühmte Ausnahme von der Regel der späten Öffnungszeiten. Also rein mit uns und bald merken wir, dass wir eine sehr gute Wahl getroffen haben. Vorerst sind wir die einzigen Gäste, etwas später gesellt sich noch eine Familie dazu. Wir bekommen einen Tisch direkt an der offenen Fensterfront mit phantastischem Blick aufs Meer. Unter uns dümpeln die Protz-Yachten der Highsociety im tiefblauen Wasser und wir genießen den Ausblick ebenso, wie Ilse ihre Lasagne a la Bolognese und Gernot seine Spaghetti Vongole. Ilse meint, die Lasagne könne jederzeit mit der von Nadja mithalten – für wen das wohl das größere Kompliment ist…?
Nach dem vorzüglichen Essen im „Ristorante Taormina“ (schon der Name ist ein Hinweis, dass es sich dabei um eines der alteingesessenen Lokale hier handelt) schlendern wir wieder zum Busparkplatz zurück, um unser Mopedchen von seiner stählernen Leine zu lassen. Wir ketten unsere Vespa – wenn möglich –  immer irgendwo an, unser über zwei Kilo schweres und dementsprechend massives Schloss wirkt zumindest bis jetzt abschreckend.
Übrigens hat es während unseres Restaurant-Besuches wieder ein wenig geregnet, eine halbe Stunde später ist davon aber gar nichts mehr zu sehen, die Straßen sind wieder vollkommen trocken.
Zurück am Campingplatz führt der erste Weg unter die Kaltwasser-Dusche, danach genehmigen wir uns einen Frühabend-Pasch. Unser Sonnensegel flattert fröhlich im Wind, der heute absolut notwendig ist. Denn der Regen hat nicht die geringste Abkühlung gebracht – im Gegenteil. Jetzt liegt eine ungute Schwüle in der Luft und später am Abend fangen die Temperaturen wieder zu steigen an und betragen nach Sonnenuntergang noch beinahe 32 Grad.
Pünktlich um 20 Uhr suchen wir dann das platzeigene Restaurant auf und Gernot bestellt sich noch eine Pizza Siciliana – Ilse verzichtet auf einen zweiten Gang. Das Essen ist überraschend gut – etwas später gesellen sich noch Ivana und Andreas zu uns. Wir verbringen einen feinen Abend – die Männer trinken Bier, Ilse und Ivana geben sich mit Cola zufrieden. Wir quatschen bis nach 23 Uhr und gehen dann in unser Häuschen zurück. Die Temperatur ist seit Stunden um kein einziges Zehntel-Grad gesunken, im WoMo messen wir mehr als 31 Grad. Da ist erholsamer Schlaf in etwa so wahrscheinlich wie ein ehrlicher FPÖ-Politiker, also richten wir uns vor dem Häuschen unsere Liegen her. Gernot verbringt dann, ohne sich zuzudecken, die komplette Nacht im Freien, Ilse hat sich dann doch irgendwann ins Hausinnere zurückgezogen.

Tag 16
Freitag, 24. Juli 2015
 „Camping Paradise“
Taormina 
Isola Bella 











Nach der sehr warmen Nacht haben wir uns zuerst einen feinen Kaffee gegönnt und dann den Tag so richtig gemütlich angegangen. Übrigens – in fünf Monaten ist Weihnachten, wir werden aber auch heuer nicht hingehen…
Den Vormittag verbrachten wir mit dem Aktualisieren unseres Tagebuches und wie wir gegen Mittag damit fertig waren wussten wir: heute ist Nichtstun angesagt, mit besonderer Betonung auf nichts tun. Und so ist es dann auch gekommen. Den ganzen Tag über bewegten wir uns nicht mehr als 200 Meter von unserem Platz – genug um den Swimmingpool und das Campingplatz Restaurant aufzusuchen.
Das obligate Nachmittagsschläfchen verkürzte uns den Tag noch einmal und kaum wurde es 20 Uhr, gingen wir zum Abendessen. Dort trafen wir wie erwartet Ivana und Andreas und wir unterhielten uns prächtig bis zur Sperrstunde.
Weil die Männer der Meinung waren, fünf oder sechs Bier würden nicht genügen, gingen wir alle gemeinsam noch zu unserem WoMo. Dort wurde der vorsorglich und herrlich gekühlte Bier-Vorrat seiner ureigentlichsten Bestimmung übergeben und als gegen 2 Uhr morgens kein Hopfentee mehr verfügbar war, verabschiedeten sich die zwei sympathischen „Sidecar Driver“ (auf ihrer Maschine findet sich der Spruch: „The best in life is side-car drive“) und auch wir legten uns nieder. Zack und weg waren wir…

Tag 17
Samstag, 25. Juli 2015
 „Camping Paradise“

War der Tag gestern von wunderbarer Faulheit geprägt, so sollte es heute ganz anders kommen. Unglaublich, mit welcher Vielzahl an Aktivitäten man einen Urlaubstag füllen kann – aber der Reihe nach.
Trotz des späten Schlafengehens gestern, sind wir topfit und bereits um 9 Uhr haben wir fertig gefrühstückt. Dann wurde dem beginnenden heißen Tag mit einem Besuch des Swimmingpools erfolgreich getrotzt und herrlich erfrischt starteten wir unser rotes Pferdchen.
Unser erster Weg führte uns in Richtung Letojanni, dort haben wir dieser Tage den Hinweis auf einen „Supermercato“ entdeckt und wir brauchen ein paar Sachen. Ein paar hundert Meter neben der Hauptstraße finden wir dann den „ARD“ Laden – vergleichbar mit einem Eurospar oder so. Da gibt es alles was das Herz begehrt und noch vieles mehr. Wir kauften uns Wasser, Brot, Bier und eine kleine Stange Salami und auch ein paar Joghurts durften mit uns kommen.
Mit den Einkäufen fuhren wir zum WoMo zurück, verstauten das Ganze und statteten dem Swimmingpool einen weiteren Besuch ab.
Dann wieder rauf aufs Moped und hinaus mit uns ins faszinierende Sizilien. Einfach drauf los – ohne Ziel.
Zuerst durfte sich unsere Vespa an einer Tankstelle satt trinken und dann bogen wir einfach irgendwo in die Berge ab. Man muss wissen – in diesem Teil der Insel reichen die Berge praktisch direkt bis zum Meer hinunter – es bleibt gerade mal genügend Platz für eine Bundesstraße und eine Eisenbahnlinie – die Autobahn führt nahezu ausschließlich durch Tunnels und über Brücken.
Wir knatterten Kurve um Kurve die Straße hinauf und fanden uns nach einer guten halben Stunde im Bergdörfchen Forza d‘Agro wieder. Hier auf exakt 440 Meter über dem Meer ist die Luft schon deutlich kühler, schon drei, vier Grad weniger machen sich angenehm bemerkbar.
Die Versuche aus Forza d‘Agro wieder herauszukommen endeten allesamt im Nirvana – aber wir verfahren uns sehr gerne. Irgendwelche Experimente auf unbefestigten Straßen wollten wir aber weder uns noch unserem Moped antun, also fuhren wir den Weg zurück, auf dem wir gekommen waren. Immer wieder mal blieben wir stehen um Fotos zu machen – eigentlich könnte Ilse den Auslöser unserer Kamera dauerhaft gedrückt halten. Weil sie das aber zum Glück nicht tut, haben wir erst knapp über 500 Bilder geschossen und ca. fünf Millionen weitere Fotos befinden sich in unseren Köpfen.
Wir konnten uns von der unglaublich schönen Landschaft dann doch irgendwann wieder losreißen und steuerten für einen kurzen Boxenstopp unseren Campingplatz an. Dort sofort in den Swimmingpool – und auch wenn das Wasser nicht wirklich kühlt – Wasser bleibt Wasser.
Schnell noch ein bisschen Parmegano, Salami und Brot für die Aufrechterhaltung unserer vegetativen Systeme zu uns genommen – und dann wieder raus ins Casino.
Wir könnten durchaus fesche Campingstühle brauchen, also fahren wir die gut zehn Kilometer nach Naxos rüber. Naxos ist ein hochtouristischer Badeort, da könnten sich solche Klappstühle finden lassen. Am Weg nach Naxos sind uns dann Ivana und Andreas auf ihrem Monster-Gespann entgegengekommen – sie sind damit ja wirklich nicht zu übersehen. Andi hat auf unser Winken gar nicht reagiert, er wird andauernd von Entgegenkommenden gegrüßt, wie er uns später sagte. Aber Ivana hat uns immerhin gesehen.
In Naxos sind wir die Strandpromenade entlang gefahren, aber Campingstühle haben sich dabei keine in unser Blickfeld gedrängt. Völlig wurscht – unsere uralten Faltstühle (vor sieben Jahren in Wels für je fünf Euro gekauft) versehen ihre Dienste eh super…
Von Naxos aus fuhren wir dann ins Bergdörfchen Castelmola hinauf – eine dringende Empfehlung von Ilses Facebook-Freundin „La Tedesca“.
Allein die Fahrt ins hoch über Taormina gelegene Dorf war ein Wahnsinn – die Straße ist extrem kurvenreich und richtig steil. Einmal brachten wir unsere Vespa haarscharf an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit, als sie in einer Steigung auf ein Tempo von knapp unter 20 km/h zurückfiel. Aber ihre elf tapferen Pferde haben uns auch diesmal zum gewünschten Ziel gebracht und wir fuhren in Castelmola ein.
Wir stellten unser Moped am Ortseingang ab und machten uns zu Fuß auf, die engen Gassen von Castelmola zu erkunden. Sofort fallen uns die zahlreichen Streuner-Katzen auf, die das Ortsbild mitprägen. Manche davon sind in einem erbärmlich räudigen Zustand und scheinen nur wenige hundert Gramm zu wiegen, andere wiederum schauen völlig gepflegt aus. Gefüttert werden sie jedenfalls brav, wir haben die Futterausgabe beobachtet und die Katzen sind dabei überhaupt nicht gierig gewesen.
Castelmola liegt wie gesagt hoch über Taormina und verfügt sogar über einen eigenen Dom. Und genau in seinem Schatten lassen wir uns dann auch nieder und essen in einem Gastgarten sehr schmackhafte Honigmelone mit Prosciutto, ein paar Wespen lassen wir mitessen.

Genau gegenüber von unserem Lokal befindet sich das weithin berühmte „Cafe Turissi“. Das „Turissi“ erstreckt sich über vier Stockwerke, die Küche befindet sich im Nebenhaus und wir sehen die Kellner geschäftig treppauf, treppab zwischen den Häusern herumwuseln. Herrlich!
Dafür ist das „Cafe Turissi“ aber nicht berühmt, sondern für seine unzähligen Pimmel. Richtig gelesen – Pimmel. Oder Penise, Schwänze, Zipfel, ganz wie’s beliebt. Kein Quadratzentimeter des riesigen Lokals ist ohne Pimmel – überall prangen die männlichen Hochzeitswerkzeuge. Jede Lampe ein Phallus, allenthalben mächtige Erektionen als Skulpturen, manche gar mit Hodensack. Auch an den Wänden an jedem verfügbaren Platz Bilder und Vitrinen, die sich samt und sonders dem männlichen Glied widmen. Natürlich ist auch die Speisekarte mit den primären Geschlechtsmerkmalen der Männer bedruckt und im Logo des „Turissi“ ist ein Mann mit einem gigantischen Riesenlümmel zu sehen. Ob es auch Pimmel-Steak, Schwanz-Nudeln oder gar Zipfel con Wurstel zu bestellen gibt – man weiß es nicht, soweit reichte unser Interesse und auch unser Italienisch dann doch nicht… Eine Touristen-Attraktion ist das (nomen est omen) „Turissi“ aber allemal – die meisten Tische waren jedenfalls besetzt.
Neben dem „Cafe Turissi“ finden wir das Atelier eines Malers und seine Bilder gefallen uns auf Anhieb. Wir haben ja in unserem Schlafzimmer daheim eine kleine Galerie von handgemalten Bildern an der Wand, die wir uns als Urlaubserinnerung von überall her mitgebracht haben. Da würde eines aus Castelmola natürlich wunderbar dazu passen. Also lassen wir nach dem Besitzer rufen, denn das Atelier ist zwar sperrangelweit offen aber nicht besetzt. Es kommt dann eine freundliche und sehr nette Donna die Treppe herunter (die sich als Gattin des Malers vorstellt) und wir kaufen ihr für wohlfeile 25 Euro ein 9 mal 13 cm kleines Ölbild ab. Zitronenbäume mit dem rauchenden Ätna als Hintergrund, ein richtig hübsches Kunstwerk. Wir erleben dann noch eine große Überraschung, als sich die Frau nach unserer Herkunft erkundigt. Als sie Innsbruck hört, leuchten sofort ihre Augen und sie verweist auf einige gerahmte Zeitungsausschnitte, die die Wand des Ateliers zieren. In den Artikeln ist über eine Ausstellung ihres Mannes zu lesen, die er vor einigen Jahren im Innsbrucker Casino veranstaltet hat. Auf den Fotos ist Rosario Sterrantino gemeinsam mit der damaligen Innsbrucker Bürgermeisterin Hilde Zach zu sehen und auch das Magazin „Tirolerin“ widmete dem Maler einen großen Artikel. So ein Zufall – und sofort ist uns das kleine Bildchen doppelt so wertvoll.
Nach einem ausgiebigen Spaziergang beenden wir unseren Besuch in Castelmola, das Dörfchen wird uns in sehr guter Erinnerung bleiben.
Wir cruisen zurück über die kurvenreiche Straße und setzen beim „Camping Paradise“ zur Landung an. Schnell vor Betriebsschluss noch in den Pool gesprungen und dann ist erst mal Ausschnaufen angesagt und wir relaxen bei einem feinen Päschchen.
Unter Lachen und Scherzen ist es dann Essenszeit geworden und wir gingen die paar Meter zum Restaurant. Dort waren Ivana und Andreas bereits fest am futtern – Pizza natürlich, denn alles andere kocht Andi lieber selber. Gernot hat sich dann auch eine Pizza Siciliana gegönnt, Ilse hat keinen richtigen Hunger. Wir quatschten mit den beiden Weltenbummlern noch eine ganze Zeit lang und kehrten dann zu unserem WoMo zurück. Dort richteten wir uns wieder unsere Sonnenliegen als Nachtlager her und bald einmal schliefen wir ein.
 

Tag 18
Sonntag, 26. Juli 2015
„Camping Paradise“
 
Unserem Plan nach wäre das heute unser letzter Tag auf Sizilien, aber zum Glück hören wir auf die Ratschläge des Camping-Platz-Besitzers. Er warnt uns dringend vor einem Aufbruch am Sonntag, da würden alle die Insel verlassen wollen. Also verlängern wir noch um eine Nacht und starten mit dem Kauf der Swimmingpool-Karten in unseren Tag. Am Vormittag liegen die Kleinkinder noch faul in ihren Bettchen und die zahlreichen Teenagern erholen sich von den ersten Alkohol-Räuschen ihres Lebens, also haben wir das Schwimmbecken fast ganz für uns alleine. Unter der aufmerksamen Beobachtung des allgegenwärtigen Bademeisters (vom Anblick der schwimmenden Ilse mag er sich gar nicht mehr losreißen…) drehen wir unsere Runden und bringen damit den Kreislauf in Schwung.
Ilse verbringt dann Stunden damit, mehr als 500 Bilder in den Computer und ins Internet zu laden, die regelmäßig abstürzende Internet-Verbindung macht dieses Unterfangen zu einer echten Herkules-Aufgabe, die bis in den Nachmittag hinein dauert.
Dann ist aber wieder gemeinsame Aktivität angesagt und wir fahren mit der Vespa los.
Sofort sind wir unserem Campingplatz-Betreiber unendlich dankbar für seinen Rat hierzubleiben, denn die Straße in Richtung Autobahnauffahrt ist ein einziger, riesengroßer Parkplatz geworden. Mehr als sechs Kilometer lang stehen die Autos Stoßstange an Stoßstange im Stau und die Bedauernswerten ohne Klimaanlage brüten böse in ihren Metallkäfigen. Noch selten sind wir uns mit unserem Moped privilegierter vorgekommen, als an diesem Tag – mit 50 km/h und mehr düsten wir an der stehenden Kolonne vorbei, man hätte beinahe ein schlechtes Gewissen dabei kriegen können, aber eben nur beinahe...
Unmittelbar vor der einzigen Ampel reihten wir uns dann als Allerallererste wieder in die Verkehrslawine ein und brachten unser Moped direkt vor einem Polizisten zum Stillstand. Der zuckte ob unseres Manövers aber nicht einmal mit der Wimper, obwohl es sicher nicht erlaubt ist, mit einem derartigen Affenzahn hunderte Autos trotz Sperrlinie zu überholen. Unsere Augen waren ganz gebannt auf den uniformierten Ordnungshüter gerichtet, als dieser plötzlich direkt auf uns zukam und – sich neben Gernots linken Fuß auf den Asphalt bückte. Mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck sammelte der Polizist von dort zwei Münzen auf – wir hatten sie tatsächlich übersehen, obwohl uns sonst kein verlorenes Geldstück entkommen kann. Aber wir waren halt leider abgelenkt…
Auch die Straße nach Taormina ist heute extrem stark befahren, es ist uns ein Rätsel, wo die alle ihre Karren abstellen wollen. Aber es wird wohl noch mehr Parkhäuser hier geben, als die zwei riesengroßen, die wir schon gesehen haben. Uns kann das wurscht sein, denn wir parken wieder direkt am Busparkplatz und wieder ist die einzige Eisenstange zum Anketten unbesetzt. Schnell das Vespachen geparkt und rein ins Gewühl von Taormina.
Also mehr Fußgängerverkehr ist beinahe denkunmöglich, wir lassen uns wieder mehr von der Masse schieben, als dass wir selber gehen. Trotzdem gelingt es uns ab und zu aus der Menschenmenge unbeschadet auszuscheren und so kaufen wir zwei weitere rote Vespa-Modelle für unsere Sammlung, eine davon aus echtem Leder – sehr ausgefallen!
Wir sind aber nicht nur zum Vespa-Shoppen hier heraufgefahren, sondern auch zum Essen – also rein mit uns ins „Ristorante Taormina“. Wieder sind wir fast die einzigen Gäste und auch heute können wir uns vom Ausblick aufs Meer kaum sattsehen.
Wir essen wie erwartet wieder hervorragend – Ilse kann der phantastischen „Lasagne Bolognese a la Nadja“ auch ein zweites Mal nicht widerstehen und Gernot isst eine ausgezeichnete Pizza Frutti di Mare. Noch vor dem Nachtisch werden dann die Wespen im Lokal zunehmend lästig und als der beflissene Kellner beginnt, die Tiere vor unseren Gesichtern mit der Speisekarte anzugreifen, hauen wir ab. Ein Dolci wird sich auch sonst noch wo finden lassen.
Wir bummeln gemütlich und über Umwege zur Vespa zurück, die Nachspeise haben wir dann ausfallen lassen – man gönnt sich ja sonst nichts.
Am Campingplatz sind wir dann mit Ivana und Andreas noch auf ein schnelles Bierchen gegangen – Andi hat sich irgendwo böse Ohrenschmerzen eingehandelt und leidet offensichtlich ziemlich. Ilse wechselt also ins Fach „Frau Dr. Zimmermann ordiniert“ und behandelt Andis Schmerzen mit Ohrentropfen, Wattebäuschen und Proxen-Tabletten. Natürlich sehr erfolgreich, wie uns Andreas am nächsten Morgen grinsend berichtete, als er um einen medikamentösen „Nachschlag“ ansuchte.
Nach der Behandlung von Andreas legten wir uns dann zum Schlafen nieder. Gernot hat eine weitere Nacht unter freiem Himmel verbracht. Die Temperaturen scheinen sich dieser Tage auf gut 36 Grad eingependelt zu haben, diese Hitze und auch die knapp 30 Grad warmen Nächte lassen sich aber problemlos aushalten.

Tag 19
Montag, 27. Juli 2015
Fahrt nach Messina, Fähre aufs Italienische Festland
Fahrt nach  Praya a Mare, „Camping La Mantinera“

Heute also „Ciao Sicilia“ – wir verlassen die Insel mit Wehmut. Gleichzeitig freuen wir uns auf ein Wiedersehen – in ein paar Jahren werden wir ganz sicher noch einmal herfahren – im April/Mai oder im September/Oktober. Dann können wir uns auch Palermo, Catania und Messina genauer anschauen, denn die Besichtigungen der großen Städte haben wir uns wegen der Sommerhitze für später aufgehoben.
Sizilien ist in jedem Fall weit besser als es manchmal sein Ruf ist – wir haben die Insel und seine Bewohner als freundlich und völlig unproblematisch erlebt. Sicher – wären wir Opfer eines Diebstahls oder Einbruchs geworden, wir würden wohl anders reden. Wir lassen unser WoMo auf den Campingplätzen immer unabgesperrt, auch wenn wir mit der Vespa wegfahren – die Fenster müssen bei der Hitze einfach offen sein. Unsere Ausweise und das Bargeld haben wir immer bei uns, sonst liegt alles im WoMo. Es gibt viele Vorurteile Sizilien gegenüber – die allermeisten davon entsprechen allerdings lediglich den gängigen Klischees. Natürlich sind viele Sizilianer ziemlich arm, daraus muss aber nicht zwangsläufig und überall Kriminalität entstehen. Wir haben während unserer ganzen Fahrt von keinem anderen Camper irgendetwas Negatives über Sizilien gehört, niemand ist bestohlen oder gar beraubt worden. Die allgegenwärtige Armut ist aber allen aufgefallen, man müsste schließlich blind sein, um sie nicht zu bemerken.
Unser letzter Tag auf Sizilien beginnt traditionell mit einem guten Kaffee, dann richten wir unser WoMo reisefertig her. Die Vespa haben wir schon gestern auf ihren Motorradträger geparkt, ist also eine der Hauptaufgaben schon erledigt.
Wir zahlen 165 Euro für unsere fünf Tage Aufenthalt und brechen Richtung Autobahn auf. War gestern die Straße noch ein übervoller Parkplatz, so kommen wir heute ohne die geringste Verzögerung zur Autobahnauffahrt und für sehr günstige 2 Euro 10 dürfen wir die knapp 30 Kilometer lange Autostrada bis Messina benutzen.
Die Fahrt führt nahezu ausschließlich über Brücken und durch Tunnels – der Aufwand für den Bau dieser Autobahn muss gigantisch gewesen sein.
In Messina angekommen finden wir Dank Ilse sofort den richtigen Weg in den Hafen und bald darauf stehen wir zum Einschiffen auf die Fähre nach Villa San Giovanni bereit.
Alle 20 oder 30 Minuten würde eine Fähre auf’s italienische Festland übersetzen, so wurde uns berichtet. Wir sind um 9 Uhr 30 Uhr im Hafen angekommen – unsere Fähre wird um 11 Uhr auslaufen, 20 oder 30 Minuten sind in Italien also ein eher dehnbarer Begriff. No Problem für uns – situationselastisch sind wir allemal, also Fenster auf, Pasch raus und mit unserem Lieblingsspiel verbrachten wir die Wartezeit.
 


Die Überfahrt kostet für uns und unseren schwergewichtigen Nasenbären 55 Euro und pünktlich um 11 Uhr werden die Leinen gelöst und wir schippern zum italienischen Festland rüber. Unsere Fähre ist ungefähr 1.500 mal kleiner als die „La Suprema“, höchstens dreißig Fahrzeuge finden Platz, heute sind es nur knapp halb so viele. Darunter übrigens ein Sattelschlepper aus Bludenz – schon wieder Vorarlberg also. Wir kommen mit dem Fahrer aber nicht ins Gespräch, stattdessen suchen wir uns einen Platz am Oberdeck. Dort lassen wir uns die steife Meeresbrise um unsere Nasen wehen und  Messina an uns vorbeiziehen.
Mit uns an Bord ist auch ein Werttransporter – wegen der zahlreichen ihn bewachenden Polizisten ist er unschwer als solcher auszumachen. Die bewaffneten italienischen Polizisten mischen sich zwanglos unters Volk und behalten den Werttransporter von hier heroben im Auge. Dabei sorgt ihr Polizei-Mannschaftswagen für gute Unterhaltung. Er wird von den rüttelnden Bewegungen der Fähre derart durchgebeutelt, dass das gesamte Fahrzeug wie im wildesten Disco-Rhythmus wackelt und zuckt – die zahlreich am Dach montierten und heftig vibrierenden Antennen verstärkten den Eindruck eines „tanzenden Kastenwagens“ zusätzlich. Ilse hat das Schauspiel gefilmt, die Bilder sind sehr lustig zum Anschauen.
Beim Verlassen der Fähre scheinen es die Menschen hier besonders eilig zu haben, denn wir steuern den Anlageplatz bereits mit weit geöffneter Bugklappe an. Keine zwei Minuten nach dem Stillstand rollen wir schon auf’s Festland und finden uns weitere drei Minuten später auf der Autobahn Richtung Sorrento wieder. Bis dahin sind es über 400 Kilometer, soweit werden wir wohl heute nicht kommen wollen – mal sehen wo wir landen.
Die Autostrada A 3 ist eine Autobahn, von der wir in den Internet-Foren viel Übles gelesen haben. Sie sei wegen ihres katastrophalen Zustandes oft monatelang überhaupt gesperrt, sehr gerne auch in der touristischen Hochsaison. Mit dementsprechend bangen Gefühlen nahmen wir also die A 3 in Angriff und nach geraumer Zeit wussten wir: Entweder sind die Jammerer im Netz allesamt Vollidioten oder der Herr hat über Nacht eine einwandfreie Autobahn über dem armen Süden Italiens abgeworfen. Nachdem wir in unserem Leben mehr Idioten als göttlichen Wundern begegnet sind, tendieren wir zur ersten Annahme. Die A 3 ist in Wahrheit eine architektonische Glanztat, die in atemberaubender Streckenführung durch die beeindruckende Landschaft führt. Wir haben auch Schlaglöcher gesehen, aber die finden sich in Österreich oder Deutschland auch. Mit einem Wort beschrieben ist die A 3 also – einwandfrei!
 

Die Landschaft hier in Reggio Calabria ist wunderschön, die Dörfer die wir von der Autobahn aus sehen schmiegen sich oft ganz eng an die Felsen. Die Stadt Rivello ist uns ganz besonders in Erinnerung geblieben, sie erstreckt sich über einen kompletten Bergrücken und ist wirklich malerisch schön.
 Nach etwa drei Stunden Fahrt auf der Autobahn wussten wir, dass wir uns nach einem Etappenziel umsehen werden, denn Sorrento ist uns für heute einfach zu weit weg. Wir haben schließlich Urlaub und müssen nirgendwo pünktlich ankommen.
Also haben wir die A 3 verlassen und uns Richtung Praya a Mare gehalten. Dort gibt es einen Campingplatz am Meer, mit Swimmingpool, Restaurant und leidlich guter Bewertung. Wir hätten für den Weg nach Praya a Mare auch die A 3 nehmen können, aber das schien uns zu langweilig und wäre außerdem ein kilometerlanger Umweg gewesen. Also wählten wir wagemutig eine „gelbe Straße“ und wir wählten goldrichtig. Die folgenden zwanzig Kilometer waren eine einzige Achterbahn, wir überquerten zwei Mal eine Hügelkette und durchfuhren dabei gefühlte 26.000 Kurven. Auf der gesamten Strecke fand sich keine auch nur 50 Meter lange Gerade, ununterbrochen nur links, rechts, rauf und runter. Die ständige 30 km/h Geschwindigkeitsbeschränkung hat uns nicht ein einziges Mal eingebremst, man hätte schlicht und einfach nie schneller fahren können. Es herrschte auch überhaupt kein Verkehr, drei entgegenkommende Autos auf 20 Kilometer – das sagt alles. Und ein Mensch mit Behinderung ist uns mit seinem elektrischen Rollstuhl entgegenkommen – mitten auf der Straße und beinahe als Geisterfahrer. Er hat wohl auch nicht mit Gegenverkehr gerechnet.
Nach beinahe zwei Stunden sind wir dann am Meer angekommen, die Fahrt war zwar für Gernot und für unser Häuschen nicht unanstrengend, aber wirklich wunderschön.
Selbstverständlich finden wir den Campingplatz „La Mantinera“ auf Anhieb, wie könnte es auch anders sein. Um ehrlich zu sein – von der ersten Sekunde an war uns der Platz irgendwie unsympathisch, das gibt’s halt. Die Anlage selbst kann nichts dafür – sehr groß mit netten Stellplätzen. Aber schon die vier lächerlich uniformierten und als Securities verkleideten Nichtstuer am Einfahrtsschranken trübten den ersten Eindruck etwas und eine unvermittelt losplärrende Lautsprecherdurchsage am Platz sagte uns deutlich: höchstens eine Nacht zum Auspennen.
Nach dem Parken des WoMo und einer erfrischenden Kaltwasserdusche gingen wir – an zwei Becken voller Schnappschildkröten vorbei – zum Swimmingpool. Der ist ausnehmend schön angelegt und die Badefreudigen werden gleich von zwei Life-Guards bewacht. Absolut lächerlich war dann die Vorführung des vierköpfigen Trupps an Animateuren, der am Beckenrand verzweifelt versuchte, Stimmung ins sonnenträge Volk zu bringen. Tatsächlich wackelte dann doch noch ein sehr dicker Italiener mit mehreren seiner Kinne rhythmisch im Takt – das war’s dann aber schon mit Party Party.
Nach dem Schwimmen sind wir kurz zurück ins Häuschen, dann ab ins Ristorante am Platz. Die Preise sind hier wirklich erstaunlich günstig – die teuerste Pizza kostet 7 Euro 50. Gernot gönnte sich natürlich wieder Meeresfrüchte, dieses Mal Pesce Misto griglia. Ilse beweist mit ihrer Portion Pommes einmal mehr, dass sich wahre menschliche Größe auch im Verzicht widerspiegeln kann.
Zufrieden und satt kehren wir zum WoMo zurück, lassen uns noch ein wenig von den Moskitos bearbeiten und gehen dann schlafen. Heute mal zur Abwechslung im Häuschen – die angenehmen Temperaturen lassen das ohne weiteres zu.

Tag 20
Dienstag, 28. Juli 2015
Fahrt nach Sorrento
„Camping Nube d‘ Argento“
Nach einer angenehmen Nacht halten wir uns nicht mehr unnötig lange am Campingplatz „La Mantinera“ auf und nach einem schnellen Käffchen bezahlen wir für die eine Nacht.
Unser erster Weg führt uns zur Tankstelle und beinahe 60 Liter Diesel rinnen in den Tank unseres Nasenbären. Während dieses Tankintervalls hat sich unser Schneckchen etwas durstiger gezeigt, mehr als 11,5 Liter haben wir aber nicht verbraucht. Bei dem Auf und Ab, dem andauernden Bremsen und Gas geben und den teils kilometerlangen Steigungen auf der Autobahn ist der Verbrauch durchaus in Ordnung. Wir bezahlen mit über 95 Euro den teuersten Tankvorgang unseres Lebens und fahren Richtung Sorrento los.
Die A 3 wird und wird nicht schlechter, im Gegenteil. Zwar sind ein paar Tunnels unbeleuchtet und mit tricky Kurven versehen, die meisten Tunnels sind aber topmodern ausgestattet. Und Tunnels gibt es praktisch ununterbrochen, wir werden wohl einige Dutzend durchfahren haben. Der gewaltigste von ihnen war mehr als fünf Kilometer lang, da befanden wir uns schon 15 Kilometer vor Sorrento.
Noch von der Autobahn aus sahen wir zum ersten Mal den Vesuv und unser Weg führte uns auch an Pompeji vorbei.
Nach Verlassen der A 3 mussten wir nur noch die Stadt Sorrento durchqueren – mitten durchs Stadtzentrum, wie es ihm Anfahrtsplan des von uns ins Auge gefassten Campingplatzes geheißen hat. Meter um Meter tuckerten wir durchs Centro von Sorrento und haben dabei Zeit genug, uns die Stadt ein wenig näher anzuschauen. Sehr nett auf den ersten Blick, wir werden uns das heute alles noch genauer in Augenschein nehmen.
Vorerst müssen wir aber unseren Campingplatz „Nube d‘ Argento“ finden und das gelingt dann mal zur Abwechslung nicht ganz ohne Umweg. Dieser kleine Umweg führt uns dann kurz gegen eine Einbahn und dann finden wir uns mitten in der Fußgängerzone wieder. Ein Verkehrspolizist deutet unsere fragenden und einen Ausweg suchenden Blicke goldrichtig und deutet lässig in die richtige Richtung. Volltreffer – drei Minuten später kommen wir zu unserem Ziel und fahren die abenteuerlich steilen und engen Serpentinen zur Rezeption hinunter. Bingo – es gibt einen freien Platz und wir buchen uns vorerst für drei Tage ein. Der Swimmingpool ist voll o.k., unser Stellplatz auch und wir richten unser WoMo für den längeren Aufenthalt her.
Schnell ist die Vespa vom Träger gelassen und dann spannen wir wieder unsere Plane auf. Das funktioniert wieder bestens, es stehen genug Bäume zur Befestigung der Leinen herum.
Wir statten dem Pool einen ersten Besuch ab – auch er ist mit grenzwertig warmem Wasser gefüllt, eine Erfrischung bietet er aber trotzdem.
Dann fahren wir ein erstes Mal mit der Vespa los – ohne großes Ziel, wir biegen beim Verlassen des Campingplatzes einfach rechts ab. Wir folgen den Hinweisschildern nach Santa Agata, das ist ein Ort, von dem aus zwei Küstenabschnitte zugleich zu sehen sind. Diesen Aussichtspunkt finden wir dann nicht, haben ehrlich gesagt aber auch nicht danach gesucht – wir hätten halt drüberstolpern müssen…
Santa Agata liegt 455 Meter hoch, es ist deutlich kühler als am Meer, in den Straßenabschnitten mit Naturschatten wurde es ungewohnt kalt bei der flotten Herfahrt. Wir cruisen ein bisschen im Dorf herum und wollen dann nach Positano fahren, dem Hinweisschild nach zehn Kilometer entfernt. Die Straße ist wunderbar ausgebaut und wir können ordentlich Gas geben, einfach herrlich. Genau für solche Straßen ist eine Vespa da, und genau deswegen sind sie so beliebt hier. Sicher drei Viertel der unzähligen Motorroller hier sind Vespas, die Leute wissen schon warum…
Nach gut zehn Kilometern Fahrt kommen wir zu einem weiteren Wegweiser in Richtung Positano, diesmal noch sieben Kilometer entfernt. Da wir im Moment keine Lust haben, noch einmal fünfzehn Kilometer zu fahren (ein bisschen „italienisch“ können wir ja mittlerweile) nehmen wir die Abzweigung nach Sorrento und sind nach wenigen Kilometern wieder im pulsierenden Stadtzentrum.
Sorrento ist übrigens ein Ort mit einer ganz besonderen Geschichte, denn von hier stammen die betörenden Sirenen. Eh wissen – der gute alte Homer, Odysseus der wagemutige Weltenfahrer, der Gesang der Sirenen, Ohren der Mannschaft mit Wachs verkleben und sich selbst an den Mast binden, um vom Sirenengesang nicht wahnsinnig zu werden. Hier in Sorrento haben sie also gelebt, die weltberühmten Sirenen und man kann hier sogar genau jenen Platz besuchen, von dem aus sie ihren Wahnsinn in die Welt hinaus gesungen haben. Klingt alles irgendwie nach Helene Fischer auf Altgriechisch. Wir werden uns diesen Platz aber selbstverständlich anschauen.
Wir flitzen durch Sorrento durch und fahren zum WoMo zurück. Einen Pasch lang gönnen wir unserem Moped eine Pause, dann noch mal kurz in den Pool und Abfahrt. Wir würden am Campingplatz erst ab 19 Uhr 30 etwas zu essen bekommen, das dauert uns aber zu lange.
In Sorrento finden wir schnell einen perfekten Platz für unsere Vespa, direkt am Eingang zur Fußgängerzone, binden unser braves Mopedchen schön an ein Verkehrszeichen und ab geht’s zum Sightseeing.
Das Menschengewühl ist auch hier beeindruckend, touristische Hochsaison halt. Wir schlendern durch die Hauptstraße der Stadt, die – wen würde es wundern – beiderseits von Geschäften gesäumt ist. Wieder sehr viel Touristen-Andenken-Schrott natürlich, aber auch Bekleidungs-, Sport-, Kosmetik-, Haushaltsartikel- und viele andere Läden. Wir bauen unsere Sammlung an roten Vespas mit dem Erwerb von drei weiteren Exemplaren bedenklich aus, jetzt gilt es daheim einen würdigen Platz dafür zu finden.
Dann meldet sich dezent aber doch ein kleines Hüngerchen und wir steuern ein nettes Lokal namens „Il Buffalito“ an. Wir setzen uns vor das Lokal und sind so Teil des Straßenlebens von Sorrento. Wir essen beide ein Risotto und werden beide vollkommen zufriedengestellt. Ilse mit ihren Roto Beete Risotto genauso, wie Gernot mit seinem Tintenfisch/Scampi-Risotto. Das ist übrigens pechschwarz dahergekommen und noch Stunden später war Gernots Zunge ebenso pechschwarz gefärbt. Aber es hat ohnehin keinen Grund gegeben, irgendwem die Zunge zu zeigen – also wurscht.
Wirklich gut gesättigt sind wir dann den einen Kilometer zum Campingplatz rübergedüst und haben es uns mit einem kühlen Drink im Freien gemütlich gemacht. Dank WLAN konnten wir uns wieder ein wenig in den heimischen Zeitungen umsehen – und schon lange vor Mitternacht sind wir dann ins Häuschen hinein und haben sofort geschlafen wie die Babies.










Tag 21
Mittwoch, 29. Juli 2015
„Camping Nube d‘ Argento“

Sehr angenehme Nacht verbracht und nach wunderbarem Kaffee erst mal das Tagebuch auf Vordermann gebracht. Das dauert immer so seine Zeit und mit rhythmischen Hämmern wird von Gernot massenweise Text in den Computer geklopft. Böse Zungen behaupten ja, dass Gernot einen derart heftigen Anschlag hat, dass nicht nur regelmäßig Tastaturen kaputtgehen, sondern auch der Tisch unter dem Laptop Schaden nimmt… Aber das ist eine ganz andere Geschichte.
Dann sind wir bereit zu neuen Taten und starten mit unserer Vespa los. Heute ist Positano unser Ziel, ein Ort, indem sich der internationale Jetset gern ein Stelldichein gibt. Klar, dass wir da auch hinmüssen. Die Fahrt ist keine 20 Kilometer lang, trotzdem brauchen wir weit über eine Stunde dafür. Zuerst müssen wir uns durch den kilometerlangen Stop-and-go-Verkehr von Sorrento durchquälen, das permanente Überholen der stockenden Kolonne ist zwar nervenaufreibend, aber natürlich auch voll spannend. Oft und oft geht es sich um das berühmte Frauenhaar aus, etwa wenn in einer Kurve statt des erhofften Fiat 500 plötzlich ein Reisebus seine Platzansprüche anmeldet.
Kaum aus Sorrento draußen wird der Verkehr dann gleich viel weniger hektisch und wir geben mit unserer Vespa sozusagen das Tempo vor, jetzt können uns höchstens noch Kamikaze-Piloten überholen.
 

Die Fahrt entlang der weltberühmten Amalfi-Küste ist der absolute Traum, Kurve reiht sich an Kurve, unterbrochen ab und zu durch eine Haarnadel. Die Straße ist de facto in eine Steilküste hineingeschnitten, verläuft in spektakulärer Wegführung immer direkt über dem tiefblauen Meer – unsere Augen gehen beinahe über. Ein Polizeiauto bremst uns dann kurz vor Positano ein wenig ein und weil kein anderes Fahrzeug die Ordnungshüter überholt, trauen wir uns auch nicht und rollen sozusagen mit Begleitschutz nach Positano hinunter.
Wir parken unser Moped etwas oberhalb des Strandes und machen uns dann zu Fuß auf den Weg. Die engen Gassen sind auch hier wieder links und rechts von Geschäften gesäumt – es gibt neben dem typischen Touristen-Dings-Bums auch viel Kleidung zu kaufen – bunt ist hier eindeutig die Lieblingsfarbe.
Der Strand selber quillt vor Menschen geradezu über und nur wenige Meter entfernt dümpeln draußen am Meer die Boote und Yachten der sicherlich Reichen und vielleicht auch Schönen.
Wir machen nur einen klitzekleinen Spaziergang, schließlich sind wir nicht zur Strandwanderung hierhergekommen, sondern auch zum Essen. Wir nehmen relativ einfallslos das „First House on Place“ und lassen uns im „La Tre Sorelle“ nieder. In den 1950er Jahren von drei Schwestern gegründet, hat das Lokal zwar sicher schon bessere Zeiten gesehen, es strahlt aber immer noch genügend Flair und eine gewisse Form der Exklusivität aus.
Wir speisen dann tatsächlich sehr gut  - Gernot kommt natürlich wieder einmal nicht an Meeresfrüchten vorbei – und bezahlen mit allem Drum und Dran relativ moderate 53 Euro. Übrigens ohne Coperto – dieses System werden wir auch nie durchschauen. Im Prinzip ist das Coperto reine Abzocke – oft gibt’s für zwei, drei Euro nur das Essbesteck und eine Papierserviette, nicht mal Brot. Wo anders gibt’s dann wiederum feines Tischtuch, Servietten aus Damast und einen Gruß der Küche – und es wird kein Coperto verrechnet. Wie gesagt, undurchschaubar für uns…
Nach dem opulenten Mahl hatschen wir zur Vespa zurück und sind nach dem Aufstieg buchstäblich nassgeschwitzt. Die Temperatur dürfte bei gut 36/37 Grad liegen, auch noch nach 18 Uhr. Aber der Fahrtwind kühlt herrlich und wir düsen die Amalfi-Küste entlang zurück nach Sorrento.
Am Campingplatz führt uns der erste Weg in den Swimmingpool und im lauwarmen Wasser erholen wir uns von der doch anstrengenden Fahrt. Dabei sind wir höchstens 50 Kilometer gefahren, also gerade einmal die Strecke Innsbruck-Imst. Aber das Fahren auf den Straßen hier ist viel fordernder, nicht nur wegen der allgegenwärtigen Schlaglöcher und tückischen Kanaldeckel. Irgendwelche Unkonzentriertheiten darf man sich keine erlauben, jede Sekunde müssen wir voll bei der Sache sein und das schlaucht halt auf die Dauer.
Am Abend haben wir dann noch einen feinen Pasch gemacht – übrigens hat uns unsere Batterie im WoMo verlassen – wir haben kaum Licht im Inneren und auch die Wasserpumpe funktioniert nicht. Entweder wir kaufen uns hier in Italien noch einen Ersatz dafür oder dann halt beim ÖAMTC daheim. Unbedingt brauchen wir die Batterie nicht – notfalls haben wir ja noch unsere Camping-Lampe und drei LED-Leuchtchen  haben wir auch noch. Und fließendes Wasser im WoMo – nicht wichtig – wir stehen ja nur an Campingplätzen, da gibt’s Waschmöglichkeiten genug.
Heute ist der 29. Juli – in genau einem Monat heiratet unser Tom Kamenar irgendwo in Niederösterreich seine Petra, das wird sowieso noch einer der Höhepunkte des heurigen Jahres und wir freuen uns schon jetzt sehr darauf.

Tag 22
Donnerstag, 30. Juli 2015
„Camping Nube d‘ Argento“


Die Temperatur war auch heute Nacht wieder geradeso am Rande des Erträglichen – überhaupt ist das der mit Abstand heißeste Urlaub, den wir je miteinander irgendwo verbracht haben. Kaum ein Tag ist unter 35 Grad – meistens messen wir 37/38 Grad und mehr. Da war es sogar in Indien deutlich kühler – jetzt freuen wir uns schön langsam mal wieder auf eine erholsame Nacht bei unter 28 Grad. Trotzdem – wir halten die Hitze eh gut aus, zumindest leiden wir nicht drunter…
Nach dem Morgenkaffee erst mal eine Runde schwimmen im Pool, dann knattern wir los, wir müssen unsere Vorräte auffüllen. Ein bisschen kennen wir uns mittlerweile ja aus hier in Sorrento, also dauert es nicht lange, bis wir einen Alimentari gefunden haben. Weit komplizierter ist dann das Wechseln der Straßenseite, die Fahrzeugkolonne steht Auspuff an Frontspoiler und wird andauernd von hochmotivierten Moped- und Motorradfahrern mit einem Höllentempo überholt. Sich da durchzuwursteln – jedes Mal eine Herausforderung. Aber natürlich klappt es auch diesmal wieder und wir kaufen ein. Cola, Bier, Salami, Parmesan – das übliche halt, dazu noch Duschgel und ein paar unverschämt teure Dosen Red Bull. Danach ab mit der Beute zum Campingplatz.
Heute ist unser letzter Tag am „Camping Nube d`Argento“ in Sorrento – wir müssen unbedingt noch den Platz der Sirenen aufsuchen. Baya di Sirene nennt er sich und Ilse hat den Weg dorthin schon auf der Karte ausbaldowert.
Wir gasen los und nach dem Überholen eines LKW und eines Reisebusses sind wir Alleinherrscher auf der Straße – die ganze Fahrt über kein Fahrzeug vor – und keines hinter uns. Das ist deshalb fein, weil wir dann den unzähligen Schlaglöchern und heimtückischen Kanaldeckeln besser ausweichen können, ohne auf eventuellen Verkehr Rücksicht nehmen zu müssen.
Die Fahrt selbst ist wieder traumhaft schön, wir haben dauernd Blickkontakt zur Insel Capri und wir befinden uns teilweise hunderte Meter über dem Meer – dementsprechend schön ist der Ausblick.
 

Der Platz der Sirenen befindet sich direkt am Meer, also müssen wir zuerst von der „Hauptstraße“ einen spektakulären Zufahrtsweg dorthin bewältigen. In abenteuerlichen Serpentinen schraubt sich die Straße zum Strand hinunter, mit unserer wendigen Vespa natürlich kein Problem. Unten angekommen werden wir von einem freundlichen Parkplatzwächter gestoppt und müssen unser Moped abstellen. Die letzten 300 Meter gehen wir zu Fuß und finden uns an einem Strandabschnitt wieder, der die Worte „ekelhaft“ und „grindig“ wahrhaft verdient. Das Meer ist eine einzige Drecksbrühe aus angeschwemmtem Müll – das haben wir so noch nie gesehen bei unserem Trip, überall sonst ist das Wasser wirklich sauber gewesen. Aber hier – ein echter Wahnsinn. Trotzdem lassen sich hunderte Menschen nicht vom Schwimmen abhalten und köpfeln einen halben Meter neben dem Dreck ins Wasser. Wir sind einigermaßen fassungslos, trinken in der Bar ein schnelles Cola und hauen noch schneller wieder ab.
 
Überhaupt haben viele Menschen hier in Süditalien offenbar noch kein ausreichend entwickeltes Umweltbewusstsein, denn überall findet sich achtlos in die Gegend entsorgter Müll. Auch die Rastplätze entlang der Straßen sind reine Müllhalden, solche Anblicke kennen wir sonst nur aus Indien. Das werden sie bald in den Griff kriegen müssen, denn für den Tourismus ist dieser Umgang mit der Umwelt garantiert nicht förderlich.
Wir verlassen den heruntergekommenen Baya di Sirene und fahren vorerst ohne Ziel einfach weiter. Immer wieder kommen wir durch kleine Dörfer und irgendwann sehen wir ein Hinweisschild nach Santa Agata, da waren wir schon. Also fahren wir hin, von dort kennen wir auch den Weg zurück nach Sorrento.
Ziemlich geplättet ob der vorherrschenden Hitze kommen wir zum Campingplatz zurück, schnell noch in den Pool und dann relaxen im Schatten des WoMo.
Nach einem feinen Pasch verfügen wir uns heute ausnahmsweise ins platzeigene Restaurant. Wir verzichten auf eine Fahrt ins nahe Sorrento, denn Gernot hat schon zwei Bier getrunken und der Verkehr hier erlaubt keinerlei Beeinträchtigungen dieser Art, die Carabinieri übrigens auch nicht…
Im Restaurant verstört uns zuerst ein unfassbar überheblicher Kellner, aber über solch offenbar landestypisches Verhalten können wir uns nicht wirklich ärgern. Das Essen ist dann voll in Ordnung – noch besser ist, dass der oberlässige Kellner bei der Rechnungslegung auf Gernots „Antipasti della Casa“ vergessen hat – immerhin 8 Euro. Das wird er doch nicht aus eigener Tasche zahlen müssen – furchtbare Vorstellung für uns…
Das gute Abendessen wurde nur noch vom Ausblick getoppt, den wir von der Terrasse aus genießen konnten. Wir saßen direkt mit Blickrichtung auf den Vesuv, der hoch über Neapel im Mondschein thront. Apropos Neapel – wir haben uns auch diese Großstadt nicht „angetan“ – zum Einen natürlich wegen der Hitze, zum Anderen ist Napoli über 50 Kilometer weit entfernt – das wäre einfach zu anstrengend gewesen. Und wir haben schließlich Urlaub – Napoli kommt schon auch noch irgendwann dran…
Satt und zufrieden kehren wir zum WoMo zurück, genießen noch kühle Drinks im Freien und ziehen uns dann in unsere Privatgemächer zurück. Morgen geht’s nach Rom – wir sind voller Vorfreude darauf.

Tag 23
Freitag, 31. Juli 2015
Fahrt nach Rom
„Camping Village Roma“

Wie immer gut geschlafen, nach dem obligaten Guten-Morgen-Kaffee machen wir uns und unser Häuschen reisefertig. Wir haben über Nacht Besuch bekommen, ungebetenen zwar, dafür aber sehr zahlreichen. Ameisen! Ilse entdeckt eine ihrer Straßen hinten am Motorradträger und sofort werden mit unserem Spezialspray Gegenmaßnahmen ergriffen. Wir versprühen kein Gift, sondern das Extrakt afrikanischer Chrysanthemen (was es alles gibt…), das hassen Insekten. Und wir hassen Insekten im WoMo, also sind wir pari. Zwar tauchen noch während der Fahr immer wieder ein paar vorwitzige, kleine Krabbler auf (etwa auf der Windschutzscheibe), eine Invasion dürften wir aber im Keim erstickt haben. Und das ist auch gut so…
Beim Routine-Check der heimischen Tageszeitungen dann der große Schock: die sympathische Tiroler Stabhochspringerin Kira Grünberg hat einen schweren Trainingsunfall gehabt, die 21-jährige ist vom Hals abwärts querschnittgelähmt. Völliger Wahnsinn, sie war gerade am Weg zur Europaspitze. Wir haben uns in Sizilien noch mit den Seitenwagen-Fahrern über Kira Grünberg unterhalten, denn Ivana ist ihre Mental-Trainerin gewesen. Also muss Gernot Ivana per Telefon von Kiras Unfall erzählen, sie wusste noch nichts von der Lähmung und ist dementsprechend fix und fertig. So ein Scheiß – so unfassbar schnell und grausam kann das Schicksal zuschlagen. Umso dankbarer sollte man selber über jeden Tag sein, den man gesund erleben darf.
Nach dem mühevollen Verdauen der traurigen Nachricht und dem Bezahlen der Rechnung fahren wir die wahrlich irrwitzige und über Serpentinen führende Ausfahrt des Campingplatzes hinauf und reihen uns in den Wahnsinnsverkehr ein. Vorerst müssen wir noch eine Ehrenrunde drehen, denn Gernot hat intelligenterweise unsere beiden Auffahr-Böcke am Campingplatz liegen lassen. Also darf Ilse den Irrwitz-Weg zu Fuß hinunter und mit den leuchtend gelben Böcken in der Hand wieder rauflaufen. Das bringt den Kreislauf in Schwung bis knapp vor dem Zusammenbruch…
Knapp vor dem Zusammenbruch – das würde auch ganz gut den Zustand des Verkehrs in und um Sorrento beschreiben. Heute ist natürlich nix mit Überholen, mit unserem behäbigen Nasenbären sind wir das Opfer und dümpeln im Verkehrsstrom mit.
Die 15, 20 Kilometer bis zur Autobahn sind ein knapp 1 ½ stündiges und andauerndes Stopp and Go, selten noch haben wir uns eine Autobahn mehr herbeigesehnt. Dann aber endlich – das grüne Autostrada-Schild und für billige 2 Euro 10 düsen wir der ewigen Stadt Rom entgegen.
Es ist wieder heiß – brutal heiß. Auf einer Autobahnraststätte gönnen wir uns und unserem Häuschen eine kleine Pause, beim Verlassen des WoMo haben wir regelrecht Angst, beim Gehen in den weichen Asphalt einzusinken. A Wahnsinn.
Landschaftlich ist die Gegend wirklich schön, wie ganz im Süden sieht man auch hier Dörfer, die bis über die Bergkuppen hinweg reichen, ein faszinierender Anblick jedes Mal. Der Verkehr ist nicht übermäßig stark, je näher wir Rom kommen, desto mehr erkennen wir, dass mehr Verkehr aus der Stadt hinaus, als hinein führt.
Ziemlich genau um 14 Uhr treffen wir dann in Rom ein, unseren Campingplatz „Village Rom“ finden wir auf Anhieb. Wir buchen uns vorerst für drei Tage ein, verlängern können wir ja immer noch.
Unser Stellplatz ist super gelegen, Waschhaus, Pool und Restaurant in unmittelbarer Nähe – perfekt. Wir holen die Vespa vom Träger, richten uns im WoMo ein und hauen uns dann faul auf die Sonnenliegen. Unsere Nachmittagsschläfchen unterbrechen wir nur zwecks Abkühlung im Pool, bei 38 Grad ist das auch dringend notwendig. Das Wasser im Pool ist sicher das bislang kälteste während dieser Reise, wenn man bei 28 Grad überhaupt von kalt sprechen kann. Aber es labt.
Nach einem gepflegten Päschchen gehen wir ins Restaurant und bestellen ein Schweinefleisch-mit-Balsamico-Sauce-Gericht für Ilse und eine Pizza Quattro Stagione für Gernot. Annehmbar, auch im Preis – für etwas Ärger sorgt dann wieder einmal die Bedienung. Auf unser „Conto per favore“ reagiert der Kellner zuerst gar nicht, dann deutet er uns, er würde gleich kommen. Weitere zehn Minuten später gehen wir selbst zur Bar um zu Bezahlen, das hätten wir schon 20 Minuten vorher tun sollen, denn die Kellner machen hier kein Inkasso am Tisch. Warum er uns das nicht gesagt hat – nur Buddha weiß, was im Kopf dieser Dumpfbacke abgeht. Jedenfalls, so unser spontaner und unverrückbarer Beschluss, werden wir keinen Cent mehr in diesem Restaurant ausgeben, ärgern können wir uns anderswo auch…
Nach einem letzten Schwumm im Pool haben wir dann bis zum Einbruch der Dunkelheit unserem Lieblingsspiel gefrönt und sind gegen Mitternacht ins Bett. Unser wohlverdienter Schlaf ist dann mehrmals unterbrochen worden – die Engländer waren dafür verantwortlich. Wer je das zweifelhafte Vergnügen hatte, mit einer Horde junger Briten und Britinnen einen Campingplatz zu teilen, weiß eh Bescheid. Das höchste Urlaubsvergnügen dieser Art von Touristen ist der tägliche Vollrausch. Bis Mittag liegen sie dann völlig fertig in ihren aufgeheizten Zelten und löschen den Brand dann zumeist gleich mal mit einem kalten Bier. Das Restaurant am Platz hat bis 1 Uhr 30 morgens fleißig Bier ausgeschenkt, nach Sperrstunde torkelte die abgefüllte Masse dann grölend und singend zu ihren Zelten. Rücksicht – Null. Empathie Null. So wurden auch hier in Rom die britischen Touristen einmal mehr ihrem weltweiten Ruf gerecht, üble Saufköpfe zu sein, die ganz schnell ganz primitiv werden können. Sie bestätigten sämtliche Vorurteile vollinhaltlich, lächerlich und peinlich. Zumindest blieben wir persönlich unbehelligt, da hat man nämlich auch schon anderes gehört…
Spanische Treppe
Colosseum










Schweizer Garde Vatikan

Engelsburg am Tiber













Tag 24
Samstag, 1. August 2015
„Camping Village Roma“

Von halb drei Uhr früh bis gegen 9 Uhr wunderbar geruht, dann sticht schon die Sonne gnadenlos ins Schlafzimmerfenster und drängt uns zum Aufstehen. Schnelles Käffchen, chillende Dusche und dann raus mit der Vespa ins Verkehrsgewühl von Rom.
Der Campingplatz liegt direkt an der Via Aurelia und diese führt laut Stadtplan direkt zum Vatikan. Also – theoretisch. Praktisch ist es natürlich praktisch wenn man ein Navigationsgerät namens Ilse dabei hat, denn trotz einiger verkehrsbedingter Umleitungen finden wir direkt zum Petersplatz, unserer ersten Station.
Selbstverständlich parken wir direkt am Platz, noch dazu an einer der wenigen, schattigen Stellen. Mit einer Vespa darf man in Italien alles! Den ins Auge gefassten Besuch des Petersdoms, das Bewundern der Sixtinischen Kapelle und das Durchschreiten des Heiligen Tores verwerfen wir augenblicklich, als wir die Menschenmassen sehen, die die gleichen Ideen hatten. Es werden wohl 3.000 bis 4.000 Personen gewesen sein, die sich geduldig vor den Sicherheitsschleusen anstellten – die Menschenschlange reichte de facto rund um den Platz herum – und wer die Ausmaße des Petersplatzes kennt, kann sich die Wartezeit leicht ausrechnen. Noch dazu bei gut 38 Grad im Schatten und nirgendwo war Schatten zu finden. Danke bestens – das ist nichts für uns. Aber immerhin gingen wir ins Vatikan Postamt, waren dort im klimatisierten Schalterraum so ziemlich die einzigen Kunden und nutzten das aus, um ein paar Postkarten zu schreiben. Natürlich kauften wir Briefmarken mit dem Papst drauf, Franziskus mit Kind am Arm. Das wird doch nicht sein eigenes…? Wurscht.
Danach versuchten wir, etwas tiefer in den Vatikanstaat „einzudringen“ – aber die Schweizer Gardisten wiesen uns höflich aber sehr bestimmt ab. Übrigens hat Gernot mit dem Vatikanstaat nun ein weiteres Land auf seiner Liste abhaken können – dieser Tage kommt ja mit San Marino ein weiterer (Zwerg-) Staat hinzu.
Nach dem Petersplatz schmissen wir uns wieder in den Verkehr, der um ein Vielfaches weniger stressig ist, als befürchtet. Uns kommen die römischen Autofahrer geradezu vorbildlich diszipliniert vor – also so wie hier wird in Wien auch gefahren. So haben wir gleich mehrmals bemerkt, dass -  wenn ein Auto nicht gleich bei Grün losfetzt – niemand ungeduldig hupt, auch wenn es mal zwei, drei Sekunden dauert. Da würden in Indien alle schon längst durchgedreht haben und auch in Innsbruck „erntet“ man spätestens nach eineinhalb Sekunden ein Hupkonzert. Hier scheint das anders zu sein, aber das sind wie gesagt nur die Eindrücke eines einzigen Tages. Jedenfalls sind wir mit Abstand die größten Rabauken hier im Straßenverkehr und preschen durch die Straßen und Gassen, was das Zeug vulgo was die Vespa hält. Carabinieri- und Polizeiautos darf man ungestört wahlweise links oder rechts überholen, nur obendrüber fahren darf man wahrscheinlich nicht.
Zweite Etappe unserer Sightseeing-Tour war die Spanische Treppe – natürlich wollten wir auch diesmal direkt davor parken und fuhren selbstsicher in die deutlich als solche gekennzeichnete Fußgängerzone ein. Da warf sich plötzlich wahrlich todesmutig eine Polizistin vor unser rotes Moped und machte uns aufrichtig empört klar, dass wir uns hier gefälligst blitzartig zu entfernen hätten. Gestraft hat sie uns aber nicht und wir suchten uns 20 Meter weiter – im Schatten eines Bulgari-Ladens – einen Parkplatz.
Die Spanische Treppe war vor lauter Menschenmassen kaum als Treppe zu erkennen und als wir uns auf einer der vielen Stufen niederließen, war von ihr naturgemäß noch weniger zu sehen. Aber auch was nicht zu sehen ist, muss man gesehen haben und nach guten fünf Minuten waren wir uns einig: Spanische Treppe – check – nächste Station abhaken.
Diese Station lautete Kolosseum und dieses Trumm muss man natürlich auch mit eigenen Augen gesehen haben. Zuerst waren die Hinweisschilder dorthin noch einigermaßen hilfreich, bald aber verebbten sie zusehends und wir kannten uns nicht mehr aus. Ilse meinte dann irgendwann einmal: „Da vorne rechts – aber reines Bauchgefühl.“ Natürlich folgte ihr Gernot blind, bog rechts ab und zack – sahen wir das Wrack der antiken Event-Arena schon von Weitem. Es wäre übertrieben zu sagen, dass wir direkt im Schatten des Kolosseums unsere Vespa parkten – aber nur deshalb, weil es zur Mittagszeit keinen Schatten gibt.
Wir schauten uns das eindrucksvolle Stück römischer Geschichte ausgiebig von außen an (übrigens ist an keinem Platz der Welt mehr Blut geflossen – über 300.000 Tote!!) – von einem Eintritt hielten uns sowohl die Hitze, als auch die zahlreichen Wartenden ab.
Wir verschnauften etwas im Schatten eines mächtigen Baumes und steuerten dann unser nächstes Ziel auf unserer Rom To-Do-Liste an – den Fontana die Trevi. Wieder ging es die Gassen rauf und runter – es ist übrigens nur eine Legende, dass Rom auf sieben Hügeln erbaut worden ist. Es sind mindestens 1.500. Mit dem Fahrrad muss man hier ja wahnsinnig werden, die Vespa ist hingegen das absolut perfekte Vehikel für diese Verhältnisse. Einfach ein Traum.
Zwar finden wir auch den Fontana di Trevi ohne nennenswerte Probleme – aber der Fontana wird seinem Namen nicht gerecht, denn ohne Wasser kein Brunnen. Leider wird das berühmte Bauwerk gerade saniert und außer Bauarbeitern und viel Schutt ist wenig zu sehen. Mit uns starren hunderte Besucher entgeistert in die Baugrube und stapfen dann fassungslos von dannen. Muss schon hart sein, wenn man quer durch die Stadt latscht, nur um dieses Ding zu sehen und dann das…
Uns ist es ziemlich wurscht, wir haben Hunger. In einer klassischen Touristen-Falle direkt neben dem „Brunnen“ kehren wir ein – und lassen uns unsere Nudelgerichte schmecken. Dann gehen wir die paar Meter zum Moped zurück und unterwegs kriegt unsere Vespa-Sammlung ein weiteres Mal Zuwachs – so an die zehn Modelle werden wir inzwischen wohl gekauft haben…
Anschließend fahren wir zum Campingplatz zurück, verpassen die richtige Zufahrt und finden uns dann auf der Autobahnauffahrt wieder. Shit! Selbstverständlich dürfen wir mit unserem 125 ccm Rollert nicht auffahren und noch selbstverständlicher wollen wir das gar nicht. Es gelingt uns aber noch einen Ausweg zu finden und über gewagte Umwege und gegen eine Einbahn fahren wir zum Campingplatz zurück.
Sofort unter die eiskalte Dusche und anschließend in den Pool. Es wird wahrscheinlich getäuscht haben, aber beim Hineinspringen haben wir deutlich ein Zischen gehört, als unsere Körper ins Wasser eintauchten…
Den weiteren Nachmittag verbrachten wir mit Dösen, Duschen, Schwimmen und einem gepflegten Päschchen. Dann meldete sich der Hunger – von einer Carbonara (Ilse) und einer Portion Fettuccine al Ragu (Gernot) kann man nicht ewig satt bleiben – auch nicht in der ewigen Stadt. Dem Campingplatz-Restaurant haben wir ja bereits gestern die rote Karte (inklusive Sperre während unseres gesamten Aufenthaltes) gezeigt, also noch mal raus in die Stadt. Weit kommen wir aber eh nicht, denn schon nach fünf Kilometern lockt ein McDonalds-Schild – ist zur Abwechslung auch o.k. Wir treten ein, bestellen unsere Menüs und sind ganz baff, als es heißt: „Cheeseburger sold out!“ Jetzt gehen wir über 30 Jahre lang hin und wieder zu McD, aber noch niemals und nirgendwo hieß es bei einem Produkt: „Haben wir nicht“ Weder in Österreich, Deutschland, Holland und auch nicht in Indien. Aber hier in Rom. Auch egal – aßen wir halt Hamburger, auf die wir, wie auf alles andere, ziemlich lang warten mussten. Die glauben hier wahrscheinlich, Fast Food heißt „Beinahe Essen“…
Noch toller wurde es dann etwas später beim Tanken unserer Vespa. Die allermeisten Tankstellen funktionieren mit Tankautomaten, aber für nur fünf Euro Benzin zu tanken ist uns zu wenig und zehn Euro passen nicht in den Tank, der ja nur knapp über vier Liter fasst. Also suchten wir uns eine Tankstelle mit „Servizio“ Schild.
Jetzt sind wir immer noch so naiv, dass wir „Servizio“ mit „Bedienung“ übersetzen, aber Fehlanzeige. Der Tankwart schaut aus dem kühlen Inneren seines klimatisierten Kassenhäuschen gekonnt am Kunden vorbei und seine Hoffnung erfüllt sich wohl immer: nämlich dass es dem Kunden dann einfach zu blöd wird, in der Affenhitze allzu lange auf das Wohlwollen des Tankwartes zu warten und er selber zur Zapfpistole greift. Das taten auch wir – und es kam tatsächlich noch besser: Als Ilse die 6 Euro irgendwas bezahlen wollte, konnte man plötzlich keinen 20 Euro Schein wechseln. Man habe leider kein Wechselgeld. Ist uns auch noch nirgendwo auf der Welt passiert, dafür mussten wir erst nach Rom kommen. Unfassbar eigentlich. Ilse hat dann alles an Kleingeld zusammengekratzt und dann hat sich die Frau an der Kasse gleich noch ein paar Cent Trinkgeld gegeben. Aber nicht mit Ilse – die (übrigens gebürtige Deutsche) durfte sich von der lieben Ilse noch einiges anhören und das wenigste davon wird sie sonderlich amüsiert haben…
Wir sind dann am Weg zum Campingplatz noch in ein großes Einkaufszentrum gefahren und haben uns Salami, Brot, Süßigkeiten und so Sachen gekauft. Als Zugabe landete eine süße, kleine und feuerrote Mini-Vespa in unserem Warenkorb, mit vier Euro war sie geradezu obszön günstig…
Dann aber ruck zuck zum WoMo – raus aus den Klamotten und schnell unter die Dusche. Ilse hat dann noch einige Runden im Pool abgespult und war gegen 20 Uhr so ziemlich der letzte Badegast.
Bei einem Pasch haben wir einen ereignisreichen Tag ausklingen lassen und unser direkter Nachbar hat dann noch unter Beweis gestellt, wie blöd Spanier sein können: Hat er doch tatsächlich – es war schon nach 23 Uhr – einfach den Motor seines (sehr laut nagelnden) Kastenwagen angelassen, um die Klimaanlage nutzen zu können. Damit sich seine Begleiterin in der Kühle gut schminken kann, denn wenige Minuten später sind sie zur täglichen Party ausgerückt. Vorher haben wir ihnen aber noch ordentlich über ihr Verhalten Bescheid gegeben, ein deutscher Camper ist auch noch dazu gekommen und hat gemeint: „Sofort abstellen! Wenn das jeder machen würde! Dann können wir ja gleich auf eine Autobahnraststätte ziehen.“ Der dumme Bursche dürfte das natürlich nicht verstanden haben und hat dann ohne jegliche Einsicht und sehr „angefressen“ seinen Stinker aber doch gleich abgestellt. Gute Entscheidung, Junge – Gernot wäre dir sonst gerne und hilfreich zur Hand gegangen und du könntest deinen Autoschlüssel jetzt noch in den Weiten des Campingplatz-Waldes suchen.
Dann störten uns nur mehr die Zikaden, aber die dürfen das – die sind schon länger hier, als wir alle... Und wirklich störend sind die Viecher mit ihren singenden Drecks-Beinchen gar nicht – sie gehören zum Süden ganz einfach dazu. Wie heißt es so schön: „Take it or leave it“. Wir taken…

Tag 25
Sonntag, 2. August 2015
 „Camping Village Roma“

Gleich nach dem Aufwachen war klar – viel wird heute nicht unternommen werden, Ilse ist nicht gut beisammen. Ihr ist ziemlich übel und ihr Aktionsradius erstreckt sich vorerst nur zwischen Toilette, Bett und Tee mit Rum. Entweder die Hitze oder etwas Falsches gegessen –wahrscheinlich eine Mischung aus beidem. Aber das kann natürlich auch vorkommen, also ist für Ilse heute größtmögliche Schonung angesagt.
Gernot nutzt den Vormittag und bringt das Reisetagebuch in Form, das dauert immer so seine Zeit. Zwischendurch eine kalte Dusche – es wird heute wieder brutal heiß werden, so um die 38 Grad werden es am Ende des Tages wohl wieder gewesen sein.
Gegen 15 Uhr ist Ilse dann immerhin soweit zu Kräften gekommen, dass sie am Sozius unserer Vespa Platz nehmen kann und wir fahren ein letztes Mal ins Stadtzentrum von Rom. Wir sind sogleich baff erstaunt – es herrscht praktisch überhaupt kein Verkehr, ganz Rom scheint der Hitze der Stadt entflohen zu sein. Teilweise befinden wir uns allein (!!) auf der Straße, auch mitten im Zentrum.
Wir steuern ein weiteres Mal den Petersplatz an – heute hätten wir gar nicht lange auf einen Eintritt warten müssen, die Menschenschlange ist geradezu niedlich kurz. Trotzdem, wir verzichten auf eine Besichtigung und streunen ein wenig im Vatikan herum. Direkt an der Rückseite des Petersdoms lagern Obdachlose im kargen Schatten – ein bemerkenswerter Kontrast zum sonst hier vorherrschenden Prunk und Protz. Vielleicht sollten die geistlichen Amts- und Würdenträger mal wieder ein wenig in der Bibel schmökern – Herbergsuche und so…
Wir werfen dann wieder den Motor unseres Rollers an und fahren völlig ohne Ziel in den leeren Straßen Roms herum. Bei unserer „Expedition“ kommen wir immerhin bis zum Olympiastadion, das mutterseelenallein in der römischen Sonne vor sich hin brodelt. Und wir sehen den allerersten Ferrari, seit wir in Italien sind – immerhin verhält sich der Fahrer wie ein echter Ferraristi und gibt seinen mehr als 500 Pferden ordentlich die Sporen und beschleunigt mitten in der Stadt schon mal auf über 100 km/h. Allein das Motorgeräusch – herrlich.
Dann haben wir irgendwann genug vom herumcruisen, deshalb suchen und finden wir uns ein geöffnetes Ristorante. Wir haben Glück – die „Pizzeria Fiorentina“ verfügt auch im Außenbereich über leistungsstarke Ventilatoren und so weht uns während des Essens stets eine kühlende Brise um unsere heißen Nasen. Das Essen war wieder einmal voll o.k. – Ilse schmecken ihre Schinken-Crustini ebenso gut, wie Gernot seine Calzone con Carbonara.
Genau gegenüber des Ristorante steht ein Wohnmobil, dessen Dach derartig mit Koffern und Reisetaschen vollbepackt ist, dass es uns ein willkommenes Fotomotiv wird. Ilse sieht dann, dass an der Tür des Aufbaus der Schlüssel außen steckt – vermutlich handelt es sich dabei um eine Notunterkunft für Obdachlose.
Wir suchen uns nach dem guten Abendmahl den Weg zurück zur Via Aurelia und brauchen dazu nicht einmal den Stadtplan – intuitiv wählen wir (besser gesagt Ilse) den richtigen Weg. Mit Vollgas geht’s dann die mehrspurige Straße zum Campingplatz zurück, wo wir uns als allererstes unter die eiskalte Dusche stellen und dann in den Pool springen. Ilse ist gesundheitlich wieder bestens beisammen – die paar Stunden Ruhe heute haben ihr gut getan.
Wir machen dann noch einen feinen Pasch und als uns das Licht dafür zu wenig wird, nutzen wir die letzten Reste der Abenddämmerung und montieren unsere Vespa auf ihren Platz am Heck. Damit ist die Hauptarbeit für den morgigen Aufbruch bereits erledigt und zufrieden gehen wir schon sehr früh schlafen.
Von irgendwelchen randalierenden britischen Touristen bleiben wir heute verschont, Ilse hat sich gestern schon bei der Platz-Leitung über den nächtlichen Lärm beschwert. Die Verantwortlichen zeigten sich aufrichtig entsetzt, dass die Bar noch nach 1 Uhr morgens Alkohol ausgeschenkt hatte – denn eigentlich ist um 23 Uhr Sperrstunde. Man versprach uns, dass die Security heute auf die Einhaltung der Platzordnung ein besonderes Augenmerk legen werde – und tatsächlich: vollkommene Ruhe die ganze Nacht. Grazie mille…

Tag 26
Montag, 3. August 2015
Fahrt nach San Marino
„Camping Centro Vacanze San Marino“

Heute tritt Nadja ihren Job beim Land Tirol an – Frau Magister wird sich zukünftig um die juristischen Belange von unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen kümmern. Wäre Stolz nicht ein armseliger Ersatz für Intelligenz (Zitat aus Rambo III), man möchte direkt platzen vor Stolz…
Heute geht’s nach San Marino, übrigens ist der „Zwergstaat“ die älteste Republik der Welt. Die Fahrt wird in etwa 400 Kilometer betragen, wohl unsere längste Etappe bisher in diesem Urlaub.
 Keine 500 Meter vom Campingplatz entfernt tanken wir unser Schneckchen auf und dann geht’s via Außenringautobahn auf die „richtige“ Autostrada.
Wir sind früh vom Platz weggekommen und schon vor 9 Uhr unterwegs, sonst starten wir unsere Fahrten meist gegen zehn Uhr. Zuerst steuern wir ein paar Tankstellen an – unsere Biervorräte neigen sich dem Ende und ausgerechnet auf Autobahnraststätten finden sich immer wieder erstaunlich günstige Angebote für den Gerstensaft. Tatsächlich – bei der dritten oder vierten Tankstelle werden wir fündig – sowohl das Heineken-Bier, als auch das italienische Perroni sind im Preis um 50 Prozent reduziert, also schlagen wir zu. Brot und zwei Croissants für das zweite Frühstück nehmen wir auch noch mit und ab mit uns zurück auf die Autobahn.
Verkehrstechnisch gesehen haben wir überhaupt keine Probleme, es geht völlig ohne Verzögerungen dahin. Wir übersehen dann eine für uns wichtige Ausfahrt an einem Autobahn-Dreieck und finden uns plötzlich auf einer anderen Route wieder. Zum Umdrehen haben wir keine Lust, also fahren wir Richtung Florenz weiter, später werden wir dann über Bundes- und Schnellstraßen zu der für uns richtigen Autostrada wechseln.
So kommt es dann auch und irgendwo bei Cesena sind wir dann wieder auf Kurs. Dann müssen wir aber auf kleinen und ganz kleinen Straßen unseren Weg Richtung San Marino nehmen – durch den Umweg kommen wir jetzt von der „falschen“ Seite daher. Bald schon sehen wir die Häuser und Burgen des kleinen Staates vor uns in der Sonne liegen, es dauert aber noch eine ganze Weile, bis wir nach San Marino kommen. Die kleine und kurvenreiche Straße lässt sich mit nicht mehr als 30 km/h befahren, der Asphalt ist überall aufgebrochen und manchmal ist eine Fahrbahnseite wegen gigantischer Schlaglöcher überhaupt gesperrt. Vielleicht hat es hier vor geraumer Zeit ein schweres Erdbeben gegeben – wir sehen auch Häuser, die buchstäblich in der Mitte auseinandergerissen sind und offenbar nur mehr aus gutem Willen nicht zusammenfallen.
Dann geht’s aber hinauf nach San Marino, das gut 700 Meter über dem Meer liegt. Wir fahren aber vorerst nicht in Richtung historisches Stadtzentrum, sondern suchen uns den Campingplatz „Centro Vacanze San Marino“. Ohne nennenswerte Probleme finden wir ihn dann auch und buchen uns für drei Tage ein. Unser Stellplatz ist wieder einmal fantastisch – nahezu ununterbrochen Naturschatten von morgens bis abends, da lässt es sich aushalten.
Schnell ist die Vespa vom Träger geholt und keine Viertelstunde später ist auch unsere Plane wieder am WoMo montiert. Jetzt aber nix wie ab in den Pool.
Der Swimmingpool ist so ziemlich der Schönste bis jetzt – in jedem Fall ist er aber mit Abstand der bislang kälteste. Wenn das Wasser 25 Grad hat, dann ist es viel – uns fröstelt es nachgerade. Frieren – herrlich, welch` lange vermisstes Körpergefühl.
Nach einer ausgiebigen Runde Schwimmen gehen wir zum WoMo zurück und vertreiben uns die Zeit bis zum Abendessen mit einem feschen Päschchen. Die Temperatur ist wunderbar – maximal 32 Grad messen wir als Höchstwert. Nach Sonnenuntergang stürzt die Temperatur überhaupt ab und bald pendelt sie sich irgendwo bei 24 Grad ein. Einfach nur fantastisch.
Das Wort fantastisch passt auch hervorragend zum Abendessen – bei dem kulinarischen Angebot werden wir in San Marino wahrscheinlich gar nicht auswärts essen gehen. Ilse wagt sich über einen gigantischen „Garden Burger“, der in etwa die Ausmaße von zwei Big Macs aufweist. Gernot bleibt mit seinem Pesce Misto frittura den Meeresfrüchten treu und bereut die Bestellung keine Sekunde lang.
Danach schlurfen wir pappsatt zum WoMo zurück und zum allerersten Mal holen wir die von Nadja bestückte Festplatte hervor und schauen uns einen Film an. Einen mit „unserem“ Arnold Schwarzenegger, ein Film, den wir tatsächlich noch nicht gesehen haben. „The last Stand“ (der letzte Aufrechte?) heißt der Streifen und erwartungsgemäß wird geballert und umgenietet, was das Zelluloid hält. Ein echter Schwarzenegger halt und auch mit seinem typischen Humor versehen. So sagt „Arnie“ zu einem mexikanischen Bösewicht den schönen Satz: „Sie werfen ein schlechtes Licht auf uns Einwanderer“.
Mit dem Abspann des Films geht auch unser erster Tag in San Marino zu Ende, morgen statten wir dem historischen Zentrum einen ausgiebigen Besuch ab. So ist der Plan…
typische Toscana Landschaften












Tag 27
Dienstag, 4. August 2015
„Camping Centro Vacanze San Marino“

Das war heute die mit Abstand „kälteste“ Nacht unseres Urlaubs – unfassbare 22 Grad Außentemperatur und gerade mal 24 Grad im WoMo-Inneren. Kein Wunder, dass wir uns die ganze Nacht über zudecken mussten.
Dementsprechend gut ausgeschlafen nehmen wir unseren Frühstückskaffe zu uns und dann ab mit uns nach San Marino. Die Straße ins Stadtzentrum führt über eine kilometerlange Steigung, unsere elf Pferdchen müssen sich wieder einmal sehr ins Zeug legen. Aber die Vespa hält brav durch und zerrt seine zwei Besitzer hinauf zur Stadtmauer. Ein Polizist winkt uns lässig durch und wir parken wieder einmal direkt am Geschehen. Und gratis natürlich, einspurige Fahrzeuge sind von sämtlichen Formen der Parkraumbewirtschaftung ausgenommen. Sehr gut so.
Die Altstadt von San Marino ist eine Ansammlung steil ansteigender Gassen und Gässchen, was sind wir froh, dass die Temperatur am Vormittag nicht über 28 Grad hinausgeht. Was uns sofort auffällt – in für unseren Geschmack viel zu vielen Geschäften werden Waffen angeboten. Und zwar Waffen aller Art – wirklich aller Art: von Revolvern und Pistolen, über Samurai-Schwerter und Armbrüste bis hin zu Schnellfeuerwaffen modernster Bauart. Wir sehen das M 16 genauso wie verschiedene Uzzi-Modelle, sämtliche Arten von Kalaschnikows und sogar unser österreichisches Sturmgewehr STG 77 ist zu kaufen. Wozu sich jemand einen Raketenwerfer aus Plastik oder eine Panzerfaust aus Kunststoff kauft – wir wissen es nicht und wollen es auch gar nicht wissen. Beim ganzen angebotenen Arsenal handelt es sich natürlich ausschließlich um Spielzeugwaffen, mit denen man höchstens kleine Plastikkügelchen verschießen kann. Wobei – die ehernen Schwerter, die martialisch anmutenden Armbrüste und die zahlreichen Messer sind keine Spielzeuge mehr und auch mit den Sportbögen würden sich tödliche Pfeile verschießen lassen. Schon heftig und wie gesagt – die Waffengeschäfte dominieren hier, es gibt sicher mehr als zehn davon.
Aber es gibt auch noch anderes zu kaufen – San Marino hat eine Vielzahl von Geschäften aufzuweisen, die auf Modell-Fahrzeuge spezialisiert sind. Das freut uns Vespa-Sammler natürlich und in einem wahren Kaufrausch fügen wir – unserer mittlerweile eh schon beträchtlichen – Sammlung an roten Rollern mehr als zehn (!!) Stück hinzu. Jetzt ist aber wirklich genug, wir haben im WoMo fast keinen Platz mehr dafür und werden mit über 25 Modellen nach Hause kommen…
Wir latschen sicher drei Stunden in San Marino herum, genießen von heroben den unfassbar schönen Ausblick auf die umliegende Landschaft und verbringen einen sehr feinen Urlaubstag. Dann aber zurück zur Vespa – direkt neben uns parkt ein Campingbus mit chinesischen Travellern. Tatsächlich sind die von China bis nach Europa gefahren, wir können uns nicht erinnern, je ein Fahrzeug mit chinesischem Kennzeichen gesehen zu haben. Das ältere Paar ist sehr höflich und freundlich, sie sprechen aber kein Englisch – das muss man sich auf Weltreise auch erst mal trauen. In ihrem kleinen Camper schaut es aus wie in Luis Trenkers Rucksack, mitten auf der Rückbank thront zum Beispiel ein riesiger Kochtopf. Jedenfalls war das eine entzückende Begegnung, die beiden chinesischen Weltenfahrer kann man für ihren Mut nur bewundern.
Wir fahren die gut acht Kilometer zum WoMo zurück und Gernot macht sich dann den Spaß, all unsere Vespa-Modelle am Tisch aufzustellen und für ein Gruppenbild herzurichten. Nettes Foto!
Nach einem feinen Pasch geht Ilse in den Pool eine Runde schwimmen, Gernot begnügt sich mit einigen kalten Duschgängen, Chlorwasser ist nicht so seins.
Die Hitze ist übrigens völlig weg bzw. empfinden wir die 31 Grad heute nicht mehr als Hitze. Nach einem gepflegten Spätnachmittagsschläfchen verfügen wir uns dann zum Abendessen und werden wieder vollkommen zufriedengestellt. Nicht nur dass das Essen wieder hervorragend mundet – auch das Personal ist von einer ausgesuchten Freundlichkeit. Allein schon, dass trotz voller Hütte niemand gestresst wirkt und alle immer einen Grinser im Gesicht und ein Scherzchen auf den Lippen haben, sagt schon alles aus. Da schmeckt ein Abendessen dann gleich noch mal besser.
Danach sind wir zum WoMo zurück, haben im Freien noch etwas getrunken und Gernot hat sich doch tatsächlich gegen 21 Uhr 30 ein T-Shirt anziehen müssen, weil es wirklich kühl wurde. Das war das erste Mal, dass Gernot während dieses Urlaubs am Abend ein Leibchen gebraucht hat – eine sehr angenehme Premiere, geschwitzt haben wir wirklich genug heuer.
Dann ziehen wir uns auf unsere Betten zurück und die vollkommene Stille wird nur durch eine einzige Zikade und eine einzige Grille etwas  gestört, die sich im Dunkeln ein ebenso lautes wie ungleiches Duell liefern.
 

Tag 28
Mittwoch, 5. August 2015
„Camping Centro Vacanze San Marino“

Nach einer sehr feinen Nacht und einem guten Morgenkaffee hat sich Gernot an den Computer gesetzt und das Tagebuch in Form gebracht. Es ist schon am frühen Vormittag klar, dass das heute wieder ein sehr heißer Tag werden wird, aber die Hitze sind wir längst gewöhnt, wir wussten ja schon vor unserer Reise in den Süden, dass uns das erwartet.
Kurz vor Mittag haben wir dann die Vespa gestartet und sind nach Rimini runter gefahren. Dorthin werden es an die 15 Kilometer sein, auf der gut ausgebauten Straße kommen wir ebenso gut voran, müssen aber praktisch an jeder der zahlreichen Ampeln stehen bleiben und so dauert die Fahrt mehr als eine halbe Stunde.
In Rimini angekommen stellen wir unsere brave Vespa im Schatten ab und machen uns zu Fuß auf eine kleine Erkundungstour durch den prominenten Badeort. Wir waren beide schon hier in Rimini, erkennen aber praktisch nichts wieder. Bei Gernot ist der letzte Besuch allerdings über 30 Jahre her, bei Ilse gar ein gutes halbes Jahrhundert (!). Kein Wunder also, dass uns Rimini völlig fremd geworden ist.
Was uns sogleich auffällt – es ist nichts los hier, rein gar nichts. Die unzähligen Liegen am Strand sind zu mehr als 90 Prozent unbesetzt, an der Straße, die parallel zum Strand verläuft, gibt es hunderte freie Parkplätze. Rimini hat als Urlaubsdestination absolut null Charme, die Hotels sind einfallslose Betonklötze und der Strandbereich ist derart mit Netzen und Planen zugehängt, dass man nicht das Meer sieht, obwohl es keine 50 Meter entfernt ist. Dazu kommt, dass die Adria „blüht“. Nun mag umfangreiches Blühen ein wunderbares Zeichen der Natur sein, wenn Meerwasser blüht, schaut die Sache aber anders aus. Das Wasser ist einfach zu warm und das ist halt eine perfekte Lebensumgebung für Algen und andere Wasserpflanzen.
Wir suchen uns dann ein offenes Restaurant und werden mit dem „Basillico“ rasch fündig. Wir bestellen unsere Mahlzeiten und Gernot kriegt eine Portion „Pesce misto con verdure fritte“, die einfach nur als gigantisch bezeichnet werden kann. Es wird wohl mehr als ein halbes Kilo Meeresgetier gewesen sein, dass sich da auf dem Teller türmte, dazu noch einmal so viel knusprig frittiertes Gemüse. Unmöglich, das alles aufzuessen, davon hätten locker zwei ausgehungerte Menschen ausreichend satt werden können. Die Preise für unsere Mahlzeiten waren etwas höher, als wir es bislang gewohnt waren, aber als Innsbrucker können uns die Preise in Restaurants sowieso nicht schocken, das sind wir von zu Hause aus gewohnt.
Nach dem opulenten Mahl sind wir dann noch schnell zum Strand runter und danach gemütlich zu unserem Roller zurück spaziert. Nach einer ausgedehnten Runde durch Rimini sind wird dann Richtung San Marino gefahren. Natürlich nicht, ohne unsere Sammlung an Vespa-Modellen weiter auszubauen, drei weitere Exemplare sind heute dazugekommen.
Die Fahrt zurück zum Campingplatz war herrlich, der Fahrtwind kühlte unsere überhitzten Körper schnell ab und relaxed trafen wir im „Centro Vacanze“ ein. Sofort nach der Ankunft ab in den Pool und dann im Schatten des WoMo einen feinen Pasch klopfen – wieder einmal Urlaub vom Allerfeinsten.
Trotz der riesigen Portionen zu Mittag sind wir am Abend noch einmal essen gegangen und wir haben wieder sehr gut gespeist. Danach hat uns die Musik ins platzeigene Amphietheater geführt und wir haben den Kinder-Animateuren bei ihrer Arbeit zugeschaut. Die haben es wirklich drauf und die Kinder sind ganz begeistert von den gemeinsamen Tanzeinlagen. Später wurde noch ein Song-Contest veranstaltet, für den die Kids sicher den ganzen Tag über geübt haben, da waren wir aber schon bei unserem WoMo und haben uns das Ganze aus der Ferne angehört. Noch etwas später wurde dann für die größeren Kinder Programm geboten, natürlich harte Techno-Beats, was sonst? Gestört haben wir uns aber nicht gefühlt.
Morgen werden wir an den Gardasee fahren und um uns etwas an Arbeit zu sparen, wuchten wir unser Moped noch am Abend auf das Heck unseres WoMo.
Noch ein kühles Bierchen zum Schlafengehen und weit vor Mitternacht ziehen wir uns auf unsere Schlafstätten zurück.


Tag 29
Donnerstag, 6. August 2015
Fahrt zum Gardasee
„Camping La Ca“

Wieder ausgezeichnet gepennt, San Marino liegt ja doch um einiges über dem Meeresspiegel und bei den Temperaturen zählt jeder einzelne Meter. Nach dem obligaten Käffchen räumen wir das WoMo reisefertig ein, geht wieder ruck zuck. Für ungewollte Unterhaltung sorgt dann einer unserer Nachbarn, der beim Wegfahren mit seinem Wohnwagen viel zu nahe an die Bäume gerät und einen radikalen Astschnitt durchführt. Wir haben die beiden übrigens Winnetou und Ilchi genannt, dafür ist ihr Aussehen verantwortlich. Der Mann ist sicher über 50 Jahre, hat pechschwarze Haare bis zu den Hüften und ist ziemlich muskulös gebaut. Seine Squaw hat eine an ein Skunk gemahnende Frisur, also schwarz, weiß gestreift.
Nachdem die beiden Flachlandindianer die Ausfahrt endlich freigeben, können auch wir abfahren und unser Häuschen muss sich ordentlich ins Zeug legen, um die steil ansteigende Straße zu bewältigen. Dann sind wir auf der Hauptstraße und los geht’s Richtung Autostrada. Zuvor wollten wir noch tanken, aber unsere Kreditkarte und unsere EC-Karte werden nicht akzeptiert. Vorerst wundern wir uns darüber, aber dann fällt uns ein, dass seit heuer die Karten nur innerhalb der EU freigegeben sind und San Marino ist kein EU-Mitglied. Bargeld nimmt der Tankwart nicht an, also müssen wir die paar Kilometer bis Italien weiterfahren.
Über die Fahrt auf der Autobahn ist wenig zu berichten, einmal machen wir eine Kaffeepause auf einem Rastplatz und finden für unser Schneckchen den einzigen Schattenparkplatz. Wir nutzen die kleine Rast und gönnen unserem WoMo einen Liter Motoröl – nach gut 3.000 Kilometern keine schlechte Idee.
Gegen 14 Uhr 30 kommen wir am Gardasee an und fahren bis nach Padenghe sul Garda weiter, wo wir uns beim Campingplatz „La Ca“ bereits vorangemeldet haben. Wir kennen den „La Ca“ gut, denn es ist erst ein paar Monate her, dass wir hier vor Ostern acht wunderbare Urlaubstage verbracht haben. Damals sind wir von der Campingplatz-Betreiberin und ihrer Schwester übrigens mit den Worten: „Zimmermann haben wir auch einmal geheißen.“ begrüßt worden.
Der uns zugeteilte Platz ist ein rechter Schock für uns, er liegt in der prallen Sonne und nur ein winziges Bäumchen spendet Schatten. Das geht natürlich gar nicht, so ein Stellplatz mag im Frühjahr oder im Herbst ideal sein, im Hochsommer ist er ein absoluter Alptraum. Wir überlegen bereits die Weiterfahrt, als wir vom Nachbarplatz die wunderbaren Worte hören: „Nun macht endlich weiter, wir wollen abfahren.“ Bingo – sofort düst Gernot mit der Vespa zur Rezeption rauf und bucht den Stellplatz um – jetzt können wir halt nur drei Tage dort bleiben, eigentlich hätten wir vier Übernachtungen eingeplant. Wurscht.
Es dauert dann noch eine gute dreiviertel Stunde, bis die Familie aus Essen endlich ihren Platz geräumt hat, mit ihrem VW Bully aus den 1970er Jahren können sie ihren Camping-Anhänger nicht die extrem steile Ausfahrt hochziehen und brauchen dafür den Geländewagen des Campingplatzes. Dann sind sie weg und wir übersiedeln auf den baumreichen Platz in den wunderbaren Schatten.
Nach dem Herrichten unseres WoMo schmeißen wir uns zuerst unter die kalte Dusche und danach in den Swimming-Pool. Herrlich erfrischt sind wir dann gestärkt für neue Taten und fahren am späten Nachmittag mit unserer Vespa los, ein paar Einkäufe machen. In einem Spar-Supermarkt versorgen wir uns mit Salami, Milch und Dosen-Limonaden und glühen dann zum WoMo zurück. Glühen ist der richtige Ausdruck – nahezu die ganze Fahrt besteht aus ununterbrochenem Überholen – die meisten PKW machen brav Platz, wenn wir mit unserem feuerroten Spaßmobil anrauschen.
Dann ist eh schon Zeit zum Abendessen, das Restaurant hier ist uns noch in bester Erinnerung, also gehen wir gar nicht auswärts essen. Wir ergattern den allerletzten Platz auf der Terrasse und genießen ein feines Essen, Ilse gönnt sich „Scalopina in Limonensauce“, Gernot kommt wieder einmal nicht an „Frutti di Mare“ vorbei. Das Dargebotene ist jeden Cent wert und satt und zufrieden latschen wir zu unserem Häuschen zurück. Wir spielen den am Nachmittag angefangenen Pasch zu Ende und genießen dann noch kühle Drinks vor unserem WoMo.
Leider blüht auch der Gardasee ordentlich vor sich hin, das Wasser hat sicher über 30 Grad und alle Steine sind grün überwachsen. Man sieht – außer den paar Menschen die zu ihren Booten müssen – kaum jemanden im Wasser schwimmen, die Brühe ist einfach zu grauslich.
Und einigermaßen grauslich sind auch die Temperaturen, über 30 Grad noch nach 22 Uhr, also macht es sich Gernot wieder einmal auf der Sonnenliege „bequem“ und verbringt eine weitere Nacht unter freiem Himmel, ohne sich auch nur einmal zudecken zu müssen.










Tag 30
Freitag, 7. August 2015
„Camping La Ca“

Die Nacht war sehr warm, trotzdem haben wir beide guten Schlaf finden können. Gestärkt durch den Morgenkaffee sind wir dann gleich noch am frühen Vormittag eine Runde in den Pool schwimmen gegangen und haben dann unsere Vespa gestartet.
Heutiges Ziel ist Sirmione, dieser Ort ist immer wieder einen Besuch wert – und abertausende andere Touristen sind da ganz der gleichen Meinung. Die Parkplätze der pittoresken Stadt sind derart überfüllt, dass wir unser Moped tatsächlich nicht unmittelbar vor dem Stadttor abstellen können, wir müssen nahezu 100 Meter weit gehen. Skandal!
Dafür kommen wir an einem gigantischen Rolls Royce vorbei – ein mattschwarzes und knapp 500.000 Euro teures Ungetüm. Ilse findet dieses Wahnsinnsfahrzeug schlicht und einfach hässlich, Fotos haben wir aber trotzdem gemacht.
In Sirmione selbst ist wieder einmal das totale Gedränge, noch dazu fahren immer wieder Autos in die engen Gassen ein, weil sie zu ihren Abstellplätzen und Hotelparkplätzen müssen. Die Fahrer sind echt zu bemitleiden und würden sich wohl alle wünschen, wenigstens in Schrittgeschwindigkeit fahren zu können – aber mehr als das sprichwörtliche Schneckentempo ist nicht drin.
Bei unserem Rundgang durch Sirmione kommen wir wieder in Versuchung, unsere Sammlung an roten Vespa-Modellen weiter auszubauen und natürlich erliegen wir wieder. Wie sagte Oscar Wilde einst so treffend: „Einer Versuchung kann man nur widerstehen, indem man ihr nachgibt!“ Und so kommt es, dass wir weitere drei Exemplare erwerben, jetzt ist aber endgültig Schluss, wir haben ja im WoMo keinen Platz mehr dafür…
Wir halten uns nicht allzu lange in Sirmione auf und schon eineinhalb Stunden später fetzen wir zum Campingplatz zurück. Die Straße ist wenig befahren und wir können unser Moped auf bis zu 90 km/h beschleunigen, so sind die knapp 20 Kilometer natürlich sehr schnell abgespult.
Der erste Weg beim „La Ca“ führt uns wenig verwunderlich sofort in den Swimming-Pool, die Hitze ist heute enorm und wir messen an die 38 Grad. Nach einer kleinen Nachmittags-Siesta paschen wir wieder und Ilse fügt Gernot einer der schlimmsten Niederlagen aller Zeiten zu, das aber nur nebenbei.
Später am Abend gehen wir dann wieder ins Campingplatz-Restaurant und Ilse bestellt erneut ihre „Scalopina“, Gernot isst eine Pizza. Beides wieder phantastisch und heute gönnen wir uns noch eine Nachspeise, die wir aber zu unserer Schande nur zur Hälfte aufessen können. Danach rollen wir mehr zum WoMo zurück, als dass wir gehen und verbringen noch einen feinen Spätabend. Dann legt sich Gernot erneut auf die Sonnenliege und schläft wieder im Freien. Ilse hat auf ihrem Schlafplatz im WoMo ein wenig Luftzug, kann also im Häuschen übernachten. Geschlafen haben wir aber beide gut.

Tag 31
Samstag, 8. August 2015
 „Camping La Ca“

Heute ist unser letzter voller Urlaubstag, wir sind jetzt einen Monat unterwegs und freuen uns richtig aufs nach Hause kommen. Das ist ja das Schöne für uns – dass wir erstens wahnsinnig gerne wegfahren, zweitens wahnsinnig gerne weg sind und drittens wahnsinnig gerne wieder nach Hause fahren. Besser geht’s nicht…
Heute ist Markttag in Salo, da müssen wir natürlich hin. Zuerst wird aber gemütlich frühgestückt und eine Runde im Pool kühlt uns fein ab, denn schon knapp nach 9 Uhr früh knacken wir die 30-Grad-Marke.
Die Fahrt nach Salo ist an die 12 Kilometer lang und wieder überholen wir nahezu ununterbrochen. Immer wieder erstaunlich – viele Fahrzeuge fahren sofort an den rechten Straßenrand, wenn sie unsere Vespa wahrnehmen und machen uns so bequem Platz zum gefahrlosen Überholen. Das ist sehr typisch italienisch, in Österreich würden die meisten Autofahrer wohl aus blankem Neid eher nach links ziehen, damit wir möglichst nicht an ihnen vorbeikommen. Haben wir alles schon erlebt.
In Salo ist dann kurz vor dem Markt der totale Verkehrsstau, wir hängen uns an einen Rollerfahrer an und der zeigt uns, wie man in verstopften Straßen gut weiterkommt, Er nimmt einfach die Gegenfahrbahn, fährt auch mal einen Kreisverkehr in der Gegenrichtung durch, immer mit uns im Schlepptau. So kommen wir natürlich blitzartig in Salo an, parken unmittelbar bei den ersten Marktständen und werfen uns ins Gewühl.
Eine gute Stunde lang streifen wir über den Markt und kaufen – gar nichts. Zum einen ist das Angebot langweilig und überschaubar, zum anderen sind die Preise für einen Markt einfach ein Witz. Kaum ein Hemd unter 30 Euro, das Paar Socken für 5 Euro und jedes T-Shirt mindestens 15 Euro. Wir sehen normale Straßenschuhe um 110 Euro und Ilse hätte sich ein luftiges Fetzenkleidchen für 60 Euro zulegen können. Nein Danke.
Nach dem Besuch des Marktes sind wir dann ins Zentrum von Salo gefahren, unnötig zu sagen, dass wir unser Moped unmittelbar am Zugang zur Fußgängerzone abgestellt haben. Schon nach ein paar Metern kommen wir bei einem Maler vorbei, der entzückende Bildchen von Salo anfertigt und die kleinen Kunstwerke für unfassbare 5 Euro verkauft. Natürlich schlagen wir zu, erwerben eine schöne Ansicht von Salo samt Glas-Bilderrahmen für 10 Euro – Ilse hat den Künstler dann noch gebeten, auf der Rückseite des Bildes seine Signatur zu hinterlassen, was er gerne getan hat.
Wir schlendern danach ein wenig durch die Gassen von Salo, für einen ausgedehnten Stadtbummel ist es aber viel zu heiß, es wird wieder an die 37/38 Grad haben heute.
Am Retourweg zur Vespa lockt uns dann ein Cafe mit einem „Toasts“ Schild und wir gönnen uns einen kleinen Snack. Der Schinken-Käse-Toast schmeckt ausgesprochen gut und die eisgekühlten Getränke chillen fantastisch.
Dann aber zurück zum Moped und los geht die wilde Fahrt. Allerdings kommen wir vorerst nicht sehr weit, denn noch im Ortsgebiet von Salo wird Gernot in voller Fahrt von einer Biene gestochen. Die fleißige Imme hat sich zwischen Sonnenbrillenbügel und Sturzhelm verflogen und sofort ihre einzige Waffe zum Einsatz gebracht. Autsch – der Stachel der Biene steckt noch in Gernots Schläfe und nachdem Ilse diesen entfernt hat, kann die Fahrt weitergehen – jetzt aber nur mehr mit geschlossenem Helmvisier, es soll niemand sagen, dass Gernot nicht lernfähig sei.
Zurück im „La Ca“ führt der erste Weg wieder unter die Kaltwasser-Dusche und anschließend in den Pool. Herrlich – so lassen sich die Temperaturen leicht aushalten. Wir machen einen feschen Pasch und bemerken dann plötzlich, dass dunkle Wolken aufziehen. Es wird doch nicht zu regnen beginnen?
Das nicht, aber die Wolken haben unseren besten Freund mitgebracht – den Wind. Und zwar heftigen Wind. Ein Traum! Wir sitzen vor dem WoMo, ein kaltes Getränk in Händen und lassen uns vom Sturm die Haare zersausen.
Später – es wird so gegen 19 Uhr gewesen sein – sind wir dann wieder ins Restaurant gegangen und Ilse hat sich tatsächlich ein drittes Mal hintereinander ihr Kalbsschnitzel in Zitronensauce bestellt – warum auch nicht? Gernot ist mit seinen „Spaghetti al Ragu“ auch sehr zufrieden, das allerbeste am Abendessen war aber der kräftige Wind. Der hat sich dann zu einem derartigen Sturm entwickelt, dass die Terrasse geschlossen werden musste, denn den Leuten hat’s buchstäblich die Pommes von den Tellern gefegt. Da waren wir aber eh schon am Zahlen und wunderbar gesättigt gingen wir die paar Meter zu unserem Häuschen zurück.
Wir haben dann noch unser Sonnensegel abgenommen, in der Nacht brauchen wir es nicht und morgen reisen wir ab. Der Sturm hat dann die Temperatur auf knapp unter 30 Grad gedrückt und heute konnten wir beide im WoMo schlafen. Morgen geht’s nach Hause – wir freuen uns…

Tag 32
Sonntag. 9. August 2015
Heimfahrt nach Innsbruck

Eigentlich wären wir lieber am Montag abgefahren, wir fürchten ein wenig den starken Urlauber-Rückreiseverkehr und sind keine übergroßen Freunde ausgedehnter Staus. Aber wir müssen ja heute unseren Platz räumen und für nur einen Tag wechseln wir nicht auf einen anderen. Wir wollen so früh als möglich wegkommen und so stehen wir bereits kurz nach 7 Uhr früh auf.
Nach dem Frühstücks-Kaffee ist das WoMo schnell und routiniert reisefertig gemacht und um 8 Uhr holen wir uns den Schlüssel für den Stromkasten. Die Vespa wird diesmal ausnahmsweise noch nicht hinten drauf gepackt, wir wollen unser WoMo nicht zusätzlich belasten, denn die Ausfahrt vom „La Ca“ ist wirklich extrem steil. Also fahren wir zuerst ohne Vespa ab und erst etwas außerhalb des Campingplatzes kriegt unser Moped seinen Platz am Heck unseres Häuschens.
Dann fahren wir los, wir haben uns entschieden nicht den Umweg über Desenzano und Verona zu nehmen, sondern beinhart die „Gardisana“ zu fahren. Diese Route führt über eine Unzahl von unfassbar engen Tunnels und Gernot ist doch einigermaßen nervös deswegen. Denn für zwei LKW bzw. ein WoMo und einen LKW ist in den Tunnels kein Platz, man muss also jedes Mal kräftig vorhupen und noch dazu hoffen, dass einem kein Fahranfänger entgegenkommt. Und wenn man weiß, dass es sich bei den allermeisten Wohnmobilen um Leihfahrzeuge handelt, stehen die Chancen leider sehr gut, dass man genau so einen Anfänger „erwischen“ könnte…
Es kommt dann aber ganz anders, denn wir kommen gar nicht erst auf die „Gardisana“, sondern nehmen den Weg in Richtung Madonna di Campiglio. Die Straße gleicht vorerst einer Autobahn, die vielen Tunnels sind mehr als ausreichend breit, hier könnten sogar drei LKW nebeneinander fahren, wenn es denn sein müsste.
Später wird die Straße dann schmäler und enger und wir biegen schließlich Richtung Ledrosee ab. Den kennen wir, da waren wir auch schon einmal, diesmal kommen wir halt nicht von Riva, sondern von der anderen Seite.
Was wir bei dieser Fahrt gelernt haben – wenn dort ein Verkehrsschild vor „ 3 Tornanti“, also vor drei Kurven/Kehren, warnt, dann kommen auch drei Kurven/Kehren. Und was für welche! Immer wieder müssen wir in den ersten Gang zurückschalten und an manchen Straßenabschnitten tun wir uns sogar schwer, die zahlreichen Rennradfahrer hinter uns zu lassen. Aber die Fahrt ist ein Traum, kein Vergleich zum eher langweiligen „Kilometerfressen“ auf der Autobahn.
Riva und Torbole










Am Ledrosee besuchen wir den uns bereits bekannten Supermarkt und kaufen noch Salami und Parmesan als Mitbringsel. Dann weiter nach Riva – jetzt wird der Verkehr deutlich stärker und immer wieder stockt es ein wenig. Aber es staut sich nicht.
Endlich auf der Autobahn angekommen, warnt sofort ein Schild vor Staus und tatsächlich müssen wir uns gleich in eine langsam dahin kriechende Kolonne einreihen. Der Stau dauert aber nicht wirklich lang und bald kommen wir wieder gut voran.
Die ganze Fahrt über gibt es immer wieder kleinere Verkehrsstockungen wegen Überlastung, unser WoMo kommt aber kein einziges Mal zum völligen Stillstand – zähflüssig nennt man so etwas in den Verkehrsnachrichten. Oder „ein kleines Knäutschchen“, wie wir das einst in Norddeutschland gelernt haben…
Zwischendurch kriegt unser Schneckchen eine neue Tankfüllung verpasst und tatsächlich haben wir wieder unter zehn Liter auf hundert Kilometer verbraucht. Wenn auch denkbar knapp, aber 43,1 Liter für 432 Kilometer sind nun mal unter zehn Liter…
Bei der Mautstelle Sterzing dann freudige Überraschung – es gibt kaum einen Stau, alle Mautkassen sind geöffnet und wir reihen uns als sechstes oder siebtes Fahrzeug in die Warteschlange ein. So geht’s natürlich…
Die letzen Kilometer den Brenner hinauf muss unser WoMo dann noch einmal alle seine Kräfte aufbieten, dafür darf es sich nach dem Grenzübertritt bis Innsbruck wieder ausrasten. Kurz nach 15 Uhr rollen wir dann in die Tiroler Landeshauptstadt ein und finden gleich darauf einen Parkplatz direkt vor der Haustür.
Damit geht ein Urlaub zu Ende, der all unsere Erwartungen erfüllt und sehr oft sogar übertroffen hat. Wir werden ganz sicher noch einmal nach Sizilien fahren und uns auch für die Reise durch Süditalien mehr Zeit nehmen, als dieses Jahr.
Insgesamt sind wir mit dem WoMo 3.206 Kilometer gefahren, mit Fähren 847 Kilometer und mit unserer Vespa immerhin 864 Kilometer. An Geld haben wir ca. 4.000 Euro verbraucht, aber wir haben absolut nie gespart, wir wären auch mit viel weniger Kohle ausgekommen. Und wir haben aus dem Urlaub über 30 rote Vespa-Modelle mitgebracht, aber das ist ja schon wieder eine ganz andere Geschichte…

Abschließend noch einige Impressionen 
Kettenmitnahmepflicht 
Kühe auf der Autobahn - wir haben sie gesehen

Blick zurück auf Camping Paradise


vor dem Start in die Ferien
die letzten Tage am Gardasee

Motorazzi on tour

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